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Die Zeitmaschine

10. März 2017 3 Stimmen

H. G. Wells
DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman.
Neu übersetzt und mit einem Nachwort und Anmerkungen versehen von Lutz-W. Wolff
München, Deutscher Taschenbuchverlag, 2017, 191 S.
ISBN 978-3-423-14546-6

H. G. Wells
DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman.

Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring; Nachwort: Elmar Schenkel
Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, 2017, 237 S.
Fischer Klassik 95030 / ISBN 978-3-596-95030-0

 

An dieser Stelle etwas über den Inhalt von DIE ZEITMASCHINE (THE TIME MACHINE / 1895) zu schreiben, wäre eine Beleidigung des Lesers. Es gibt vermutlich nicht viele Bücher auf dieser Welt, deren Bekanntheitsgrad noch höher liegt. Warum also noch eine Rezension – und warum gerade jetzt?

Die Antwort ist recht trivial: Herbert George Wells ist inzwischen siebzig Jahre tot und seit 2017 ist der Text gemeinfrei, d. h. dass Verlage keine Lizenzgebühren mehr dafür bezahlen müssen. (Augenzwinkernde Anmerkung: Bleibt also mehr Geld für einen guten Übersetzer, wenn man dann eine Neuausgabe herausbringen möchte.)
Ebenso erstaunlicher wie erfreulicher Weise haben sich mit dtv und S.Fischer gleich zwei verlegerische Schwergewichte dazu berufen gefühlt, den berühmtesten Science-Fiction-Roman der Welt in einer aktuellen Neuübersetzung dem deutschsprachigen Publikum anzubieten. Und da DIE ZEITMASCHINE, trotz ihrer Ideenfülle und Komplexität, eigentlich ein recht kurzer Roman ist, blieb in beiden Ausgaben reichlich Platz für „Zusatzmaterial“, was bei einem inzwischen weit über einhundert Jahre alten Text ja durchaus hilfreich sein kann.

Schauen wir uns also zuerst einmal die beiden Übersetzungen selbst an.
Ohne ins Detail gehen zu wollen, scheint mir die Übersetzung von Lutz-W. Wolff die etwas „freiere“ zu sein, die etwas weniger am Original „angelehnte“, während Hans-Ulrich Möhring sehr intensiv die „zeittypische“ Stimmung der vorletzten Jahrhundertwende heraufzurufen versteht. Beide sind jedenfalls sehr flüssig und unproblematisch zu lesen – das bleibt also eher eine Geschmacksfrage, wie „modern“ man einen Romantext von 1895 haben möchte.

Und dann, die „Bonus-Tracks“.
Da die Hardcoverausgabe von S.Fischer das doppelte der dtv-Taschenbuchausgabe kostet, darf man hier wohl die größten Unterschiede erwarten – und wird nicht enttäuscht!
Bei dtv hat der Übersetzer Wolff ein kurzes Nachwort, fünfzehn Seiten mit Anmerkungen und eine ausführliche „Zeittafel“ geschrieben, dazu findet sich noch ein Vorwort von H. G. Wells selbst, das dieser für eine Neuausgabe im Jahre 1931 geschrieben hat. Insgesamt ausreichend.
Bei Fischer fährt man dafür „schweres Geschütz“ auf: Da darf der deutsche Wells-Fachmann und Biograf Elmar Schenkel seine Kenntnisse umfassend darlegen, alle drei bekannten Vorworte des Autors zu seinem Roman werden abgedruckt, dazu noch drei Vorstudien, in denen Wells die Zeitreise-Idee ausprobiert hat – und man findet eine acht Seiten lange „gestrichene“ Episode, die bisher noch in keiner deutschen DIE ZEITMASCHINE-Ausgabe enthalten war.
Auch hier muss der Leser (und sein Geldbeutel) selbst entscheiden, wie viel „mehr“ er zum Romantext braucht. Wer allerdings selbst noch keine Ausgabe von DIE ZEITMASCHINE besitzt, sollte daran denken, dass ohne dieses Buch der wichtigste „Grundstein“ zu jeder guten Science-Fiction-Sammlung fehlt.

Horst Illmer

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10. März 2017 3 Stimmen

H. G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman. Neu übersetzt und mit einem Nachwort und Anmerkungen versehen von Lutz-W. Wolff München, Deutscher Taschenbuchverlag, 2017, 191 S. ISBN 978-3-423-14546-6 H. G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman. Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring; Nachwort: Elmar Schenkel Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, 2017, 237 S. Fischer Klassik 95030 / ISBN 978-3-596-95030-0   weiterlesen…

In einer anderen Welt

28. Februar 2017 5 Stimmen

Jo Walton
IN EINER ANDEREN WELT. Roman.
Ü: Hannes Riffel
(Among Others / 2010)
München, Blanvalet, 2016, 415 Seiten
ISBN 978-3-7341-6068-4

Wenn es stimmen würde, dass Buchbesprechungen umso kürzer sind, je besser das besprochene Werk ist, dann müsste diese Rezension bereits seit längerem zu Ende sein.

Andersherum – je besser, desto umfangreicher – geht aber auch nicht: Da würde meine Rest-Lebenszeit für eine dem Buch angemessene Würdigung nicht ausreichen (und ich bin noch gar nicht so alt).

Versuchen wir also die goldene Mitte.

Einen phantastischen Roman, in dem es um Feen, Hexen und Magie geht, um ein junges Mädchen aus Wales, das in England auf ein Internat geschickt wird, um Science Fiction und Fantasy, um Bücher, Buchhandlungen und Bibliotheken, um erste Liebe und tote Zwillingsschwestern, um abgehauene Väter und böse Mütter, welche die Weltherrschaft erringen wollen, einen solchen phantastischen Roman als Autobiografie der Autorin zu bezeichnen, ist vielleicht etwas weit hergeholt.
Aber, andererseits, wurde Jo Walton 1964 in Wales geboren, sie braucht hin und wieder einen Stock beim Laufen, sie liebt Bücher über alles, und dass sie Magie wirken kann, beweist nicht zuletzt IN EINER ANDEREN WELT, wo der Zauber praktisch von jeder Seite tropft. Woher sonst, als aus persönlicher Erfahrung, sollte Walton denn sonst wissen, was in Morwennas in Spiegelschrift verfasstem, geheimen Tagebuch steht?

Es könnte aber auch sein, dass Jo Walton einfach nur eine der besten phantastischen Autorinnen der Gegenwart ist.
IN EINER ANDEREN WELT jedenfalls ist bis auf weiteres mein uneingeschränktes Lieblingsbuch!

Horst Illmer

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In einer anderen Welt
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Für alle, die es interessiert, hier ein Link zur Übersicht mit den Büchern, die in IN EINER ANDEREN WELT eine Rolle spielen:

Jo Walton
IN EINER ANDEREN WELT. Roman.
Ü: Hannes Riffel
(Among Others / 2010)
Berlin, Golkonda, 2013, 300 Seiten
ISBN 978-3-942396-75-2

28. Februar 2017 5 Stimmen

Jo Walton IN EINER ANDEREN WELT. Roman. Ü: Hannes Riffel (Among Others / 2010) München, Blanvalet, 2016, 415 Seiten ISBN 978-3-7341-6068-4 Wenn es stimmen würde, dass Buchbesprechungen umso kürzer sind, je besser das besprochene Werk ist, dann müsste diese Rezension bereits seit längerem zu Ende sein. Andersherum – je besser, desto umfangreicher – geht aber weiterlesen…

Freie Geister

7. Februar 2017 6 Stimmen

Ursula K. Le Guin
FREIE GEISTER. Eine zwiespältige Utopie.
(The Dispossessed / 1974)
Neu übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle
Frankfurt a. M., Fischer/TOR, 2017, 432 S.
ISBN 978-3-596-03535-9 / Klappenbroschur

Der Bücherfrühling 2017 beginnt mit der von uns freudig erwarteten Neuausgabe von Ursula K. Le Guins Roman THE DISPOSSESSED aus dem Jahr 1974, der bei Fischer/TOR in der großartigen neuen Übersetzung von Karen Nölle jetzt den Titel FREIE GEISTER erhielt. Wie der Untertitel „Eine zwiespältige Utopie“ andeutet, handelt es sich hierbei um eine der seltensten Ausprägungen der Science Fiction – um einen utopischen Gesellschaftsentwurf. Damit nicht genug, versucht sich Le Guin (und das auch noch erfolgreich) an einer nur schwach bevölkerten, anarchistisch strukturierten Welt (Anarres), deren bloßes Da-Sein für die vielen Menschen auf dem kapitalistisch-hierarchischen Schwesterplaneten (Urras) gleichzeitig Drohung und Hoffnung ist.
Nach einer fast 200 Jahre währenden Zeit der freiwilligen Isolation versucht der anarrische Physiker Shevek durch einen Besuch auf Urras nicht nur seine Forschungsarbeiten zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, sondern auch eine Brücke zwischen den so unterschiedlichen Zivilisationen zu schlagen. Ob und wie Shevek sein(e) Ziel(e) erreicht schildert das Buch in 13 Kapiteln, die abwechselnd auf Anarres und Urras spielen und dabei zeitlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen, sodass am Ende ein stimmiges und komplexes Bild sowohl der handelnden Personen wie der utopischen Gemeinschaft steht.
Angesiedelt ist FREIE GEISTER in Le Guins „Hainish“-Universum (in das u. a. auch DIE LINKE HAND DER DUNKELHEIT gehört), sodass neben den Bewohnern des Doppelplaneten-Systems Tau Ceti auch Menschen der (inzwischen durch eine Umweltkatastrophe fast unbewohnbaren) Erde und von Hain ihren Auftritt haben.
Wer das Buch noch nicht kennt, darf hier einen echten Klassiker der Science Fiction entdecken, wer es unter seinen früheren Titeln PLANET DER HABENICHTSE oder DIE ENTEIGNETEN in Erinnerung hat, wird beim erneuten Lesen durch Nölles sehr genaue und unaufgeregte Übersetzung vielleicht sogar einen tieferen Zugang als bisher finden.
Mit FREIE GEISTER ist Ursula Le Guin etwas gelungen, das Thomas Morus vor 500 Jahren mit seiner Inselrepublik UTOPIA verpasst hat: Man kann es sich schon ganz gut vorstellen, auf Anarres zu leben und Mitglied der dortigen egalitären Gesellschaft zu werden.

Horst Illmer

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Freie Geister
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7. Februar 2017 6 Stimmen

Ursula K. Le Guin FREIE GEISTER. Eine zwiespältige Utopie. (The Dispossessed / 1974) Neu übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle Frankfurt a. M., Fischer/TOR, 2017, 432 S. ISBN 978-3-596-03535-9 / Klappenbroschur Der Bücherfrühling 2017 beginnt mit der von uns freudig erwarteten Neuausgabe von Ursula K. Le Guins Roman THE DISPOSSESSED aus dem Jahr weiterlesen…

Die drei Sonnen

16. Januar 2017 5 Stimmen

Cixin Liu
DIE DREI SONNEN. Roman.
Aus dem Chinesischen von Martina Hasse
(San Ti / 2006)
München, Heyne, 2017, 591 S.
ISBN 978-3-453-31716-1

Wenn wir – hier auf dem Planeten Erde – auf einer Party ein Glas loslassen, so fällt es unweigerlich zu Boden und hinterlässt eine Sauerei. Immer. Wenn wir morgen früh aufstehen, wird sich mit uns die Sonne erheben und einen neuen Tag beleuchten. Immer. Wenn wir alt genug werden, erleben wir zigtausend Male die immer gleiche Abfolge von Geburt und Tod, Säen und Ernten, Tag und Nacht. Und wir wissen gar nicht, wie glücklich wir uns deshalb schätzen sollten.
Kaum mehr als vier Lichtjahre von unserer Sonne entfernt gibt es das Sternsystem Alpha Centauri, bei dem es sich nach den neuesten Erkenntnissen um ein Drei-Sterne-System handelt, das vermutlich sogar einen Exoplaneten hat. Wie wäre es auf diesem Planeten wohl bestellt mit dem fallenden Glas, dem Aufgehen der Sonne (welcher auch immer) und der Abfolge von Tagen, Monaten oder Jahreszeiten?
Diesen Fragen – unter anderem – widmet sich der Roman DIE DREI SONNEN von Cixin Liu. Liu ist ein chinesischer Science-Fiction-Autor, sein Roman der Auftakt zu einer Trilogie und es geht ihm ein Ruf wie Donnerhall voraus. Immerhin hat er in seiner Heimat den Galaxy Award und in den USA (als erster chinesischer Roman überhaupt) den Hugo Award gewonnen.
Die Geschichte spielt in China und auf dem Planeten Trisolaris. Die Handlung pendelt zwischen den Tagen der Kulturrevolution und Heute (Erde) sowie einer Abfolge von mehr als zweihundert Zivilisationen (Trisolaris) hin und her. Die Protagonisten sind – hier wie dort – Wissenschaftler, Militärs und Politiker, die jedoch – hier wie dort – auch noch ein „normales“ Leben besitzen.
Erzählt wird davon, wie zwischen diesen beiden Welten ein erster Kontakt hergestellt wird und was dieser Erstkontakt für Folgen haben könnte. Nun gibt es in der Science Fiction ja bereits eine ganze Reihe mehr oder weniger gelungener „First Contact“-Geschichten, aber wie Liu dieses Thema angeht, verspricht zu einer äußerst gelungenen Interpretation zu werden. Am Ende von DIE DREI SONNEN wurden den Lesern jedenfalls genug „Brotkrümel“ hingeworfen, damit sie ungeduldig auf ein baldiges Erscheinen der weiteren Bände warten.
Nicht zu Unrecht wirbt Heyne mit einem knallroten „Die Sensation aus China“-Aufkleber für das Buch. Cixin Liu erweist sich als Könner im Aufbau von Handlung und als hervorragender Geschichtenerzähler. Der Heyne Verlag hat den Text direkt aus dem Chinesischen übersetzen lassen und, neben einem Nachwort des Autors, auch einen Anhang beigegeben, in dem dankenswerter Weise einige Aussprachehilfen und kurzgefasste Begriffserklärungen zum Verständnis beitragen – denn manchmal wirkt die chinesische Kultur fremder als die der Trisolarier.

Horst Illmer

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Cixin Liu – Die drei Sonnen
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16. Januar 2017 5 Stimmen

Cixin Liu DIE DREI SONNEN. Roman. Aus dem Chinesischen von Martina Hasse (San Ti / 2006) München, Heyne, 2017, 591 S. ISBN 978-3-453-31716-1 Wenn wir – hier auf dem Planeten Erde – auf einer Party ein Glas loslassen, so fällt es unweigerlich zu Boden und hinterlässt eine Sauerei. Immer. Wenn wir morgen früh aufstehen, wird weiterlesen…

High-Rise

24. Dezember 2016 3 Stimmen

high-riseJ. G. Ballard
HIGH-RISE. Roman.
Ü: Michael Koseler
(High-Rise / 1975)
Zürich, Diaphanes, 2016, 250 S.
ISBN 978-3-03734-932-8

Der englische Autor J. G. Ballard hat die Form der minimalistischen Katastrophen-Erzählung in vorher ungekannte Höhen geführt. In seinen Geschichten gibt es zumeist nur sehr wenig Handlung und kaum so etwas wie action, dafür erleben seine Figuren die ihnen zugefügten Heimsuchungen, Verletzungen, Plagen, Unfälle, Missgeschicke häufig als faszinierende Abfolge von Ereignissen, die sie nicht nur widerspruchslos hinnehmen, sondern oft auch noch voller Hingabe erwarten.
Nach mehr als dreißig Jahren „in Planung“ (so der Film-Produzent Jeremy Thomas) kam Anfang des Jahres 2016 die Verfilmung des Ballard-Klassikers HIGH-RISE in die Kinos, was nun wiederum der Diaphanes Verlag zum Anlass für eine Neuausgabe des Buches nahm.
In dem seit vielen Jahren vergriffenen near future-Hochhaus-Roman aus dem Jahr 1975 erreicht Ballards Kulturpessimismus ungeheure Ausmaße. Mehr als zweitausend Menschen schließen sich freiwillig in einem 40-stöckigen Betonkomplex ein und beginnen eine sinn- und erbarmungslose Orgie der gegenseitigen Zerstörung, die sämtlichen denkbaren Perversionen Raum zur Entfaltung bietet.
Auf höchstem stilistischem Niveau, und von Michael Koseler hervorragend übersetzt, betrachtet James Graham Ballard seine Mitmenschen wie im Reagenzglas einer chemischen Versuchsanordnung befindlich. Dieser Roman ist erbarmungslos und verstörend und gleichzeitig fesselnd und einzigartig.

Horst Illmer

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J. G. Ballard – High Rise
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24. Dezember 2016 3 Stimmen

J. G. Ballard HIGH-RISE. Roman. Ü: Michael Koseler (High-Rise / 1975) Zürich, Diaphanes, 2016, 250 S. ISBN 978-3-03734-932-8 Der englische Autor J. G. Ballard hat die Form der minimalistischen Katastrophen-Erzählung in vorher ungekannte Höhen geführt. In seinen Geschichten gibt es zumeist nur sehr wenig Handlung und kaum so etwas wie action, dafür erleben seine Figuren weiterlesen…

Die Maschine steht still

24. Dezember 2016 3 Stimmen

stehtstillE. M. Forster
DIE MASCHINE STEHT STILL.
Ü: Gregor Runge
(The Machine Stops / 1909)
Hamburg, Hoffman & Campe, 2016, 80 S.
ISBN 978-3-455-40571-2 / 15.00 Euro

Manchmal hilft beten ja doch: Kaum 70 Jahre sind seit der ersten (und bisher einzigen) deutschen Ausgabe vergangen und schon hat Hoffman und Campe unser Flehen erhört und eine – wunderschön gemachte – Einzelausgabe von E. M. Forsters dystopischer Meisternovelle DIE MASCHINE STEHT STILL veröffentlicht.
Auf gerade einmal 80 Seiten (in der sehr guten Übersetzung von Gregor Runge) schreibt der englische Autor Edward Morgan Forster (1879–1970) darüber, wie das Leben von Menschen abläuft, wenn ihnen sofortiger, weltweiter Informationsaustausch, soziale Netzwerke, Videotelefonie, portofreie Lieferung von im Netz bestellten Dingen usw. zur Verfügung stehen. Eigentlich muss niemand mehr vor die Türe seine Wohn-Wabe gehen, wenn das aber doch einmal erforderlich wird, können die Bewohner in Forsters Zukunftswelt auf von autonomen Maschinen gesteuerte Verkehrsmittel zugreifen und innerhalb kürzester Zeit zwischen den unterirdisch angelegten Städten hin und her reisen.
Alles läuft vollautomatisch, gesteuert von der ebenso geheimnisvollen wie allmächtigen „Maschine“, deren mehr als tausendseitige Bedienungsanleitung das Heilige Buch dieser Zivilisation geworden ist. Mit zunehmender Laufzeit schleichen sich jedoch erste Fehler ins Programm ein. Trotz der ständig versprochenen Instandsetzungsabreiten eskaliert die Situation – und so stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Maschine einmal komplett stillsteht …?
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – oder gar Parallelen zu diversen Ereignissen der letzten Wochen, Monate und Jahre zieht.
Geschrieben wurde dieser Klassiker übrigens bereits 1909.

Horst Illmer

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E. M. Forster – Die Maschine steht still
im Webshop oder via e-mail im Laden vorbestellen (Nachdruck/Bindequote Feb.2017) …

24. Dezember 2016 3 Stimmen

E. M. Forster DIE MASCHINE STEHT STILL. Ü: Gregor Runge (The Machine Stops / 1909) Hamburg, Hoffman & Campe, 2016, 80 S. ISBN 978-3-455-40571-2 / 15.00 Euro Manchmal hilft beten ja doch: Kaum 70 Jahre sind seit der ersten (und bisher einzigen) deutschen Ausgabe vergangen und schon hat Hoffman und Campe unser Flehen erhört und weiterlesen…

Wie man die Unendlichkeit in den Griff bekommt

22. Dezember 2016 5 Stimmen

unendlichkeitJames Tiptree jr.
WIE MAN DIE UNENDLICHKEIT IN DEN GRIFF BEKOMMT.
Briefe, Essays und Lyrik.
Ü: E. Bittner, S. Gmeiner, M. Preissl, B. Schneider, A. Stumpf & M. J. Warnken
Mit Vorworten von Jeffrey D. Smith, Karen Joy Fowler und Julie Phillips
(Letters from Yucatan and Other Points of the Soul / 2000 & Neat Sheets / 1996 & Dear Starbear / 2006)
Wien, Septime Verlag, 2016, 455 S.
ISBN 978-3-902711-42-7

So, die Nase ist geputzt, die Tränen sind getrocknet und der Kloß im Hals ist hinuntergeschluckt – zurück in die wirklich wahre Welt: Tatsächlich hat mich WIE MAN DIE UNENDLICHKEIT IN DEN GRIFF BEKOMMT, das neueste Buch in der James Tiptree Jr.-Werkausgabe des Septime Verlags, weit intensiver mitgenommen als ich mir das von einem Sammelband mit Interviews, Essays, Gedichten und Briefwechseln vorstellen konnte.
Deshalb zuvörderst und völlig ernst gemeint mein Dank an den Verlag, der – und auch das muss herausgestellt werden – uns Tiptree-Lesern mit diesem wundervollen Hardcoverband eigentlich drei Bücher zum Preis von einem überreicht. Denn WIE MAN DIE UNENDLICHKEIT IN DEN GRIFF BEKOMMT besteht aus drei sehr unterschiedlichen Teilen, die im Original auch in drei Büchern erschienen sind.
Den Anfang machen die „Briefe aus Yucatán und anderen Orten der Seele“, eine Zusammenstellung von Texten, die Tiptree überwiegend zur Veröffentlichung in den diversen Fanzines ihres Mega-Fans Jeffrey D. Smith geschrieben hat. Bereits hier merkt man als Leser, wie emotional Tiptree an solche Interviews, Artikel und Reise-Briefe heranging – offenbar war Distanz nicht so ihr Ding. Besonders die „Ent-Tarnung“ ihres Männer-Pseudonyms stürzte Alice Sheldon erkennbar in eine tiefe Krise.
Gleiches gilt für „Lieber Starbear“, den Briefwechsel mit Ursula K. Le Guin. Wohl selten haben zwei Seelen intensiver auf „gleicher Wellenlänge“ korrespondiert, als dies bei „Onkel Tip“ und der „Bärin“ Ursula der Fall war – und selten habe ich bewegendere (literarische) Momente erfahren als in dem „Bekennerbrief“ Tiptree/Sheldons und dem unfassbar empathischen Antwortbrief Le Guins, die den Höhepunkt und Abschluss dieses Buches bilden.
Am wenigsten Anfangen konnte ich mit der Lyrik Sheldons (18 Gedichte aus der Zeit um 1950), die in der kaum 30 Seiten umfassenden Abteilung „Nette Zettel“ enthalten ist. Das mag an meiner Unempfänglichkeit für Poesie liegen, oder daran, dass Alice Sheldon damals einfach noch nicht James Tiptree jr. war. Trotzdem gehören die Gedichte natürlich in diesem Rahmen einer Werkausgabe dazu.
WIE MAN DIE UNENDLICHKEIT IN DEN GRIFF BEKOMMT sollte eigentlich bereits zum 100. Geburtstag Sheldons 2015 erscheinen; was die Verzögerung um über ein Jahr verursacht hat, ist mir nicht bekannt, aber das (mein) Warten hat nun ein Ende – und es hat sich gelohnt!

Horst Illmer

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James Tiptree jr. – Wie man die Unendlichkeit in den Griff bekommt
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22. Dezember 2016 5 Stimmen

James Tiptree jr. WIE MAN DIE UNENDLICHKEIT IN DEN GRIFF BEKOMMT. Briefe, Essays und Lyrik. Ü: E. Bittner, S. Gmeiner, M. Preissl, B. Schneider, A. Stumpf & M. J. Warnken Mit Vorworten von Jeffrey D. Smith, Karen Joy Fowler und Julie Phillips (Letters from Yucatan and Other Points of the Soul / 2000 & Neat weiterlesen…

Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond

24. November 2016 6 Stimmen

armstrongTorben Kuhlmann
ARMSTRONG – DIE ABENTEUERLICHE REISE EINER MAUS ZUM MOND.
Zürich, NordSüd, 2016, 128 Seiten
ISBN 978-3-314-10348-3

 

Als Torben Kuhlmann 2012 sein Illustrations- und Kommunikationsdesign-Studium mit dem Bilderbuch LINDBERGH – DIE ABENTEUERLICHE GESCHICHTE EINER FLIEGENDEN MAUS (Erstveröffentlichung 2014 im NordSüd Verlag) abschloss, konnte er noch nicht wissen, dass er damit gleich einen Welterfolg landen würde, der inzwischen in 20 Sprachen erhältlich ist. Nach einem Ausflug in die geheimnisvolle Welt unterhalb der heimischen Grasnarbe (MAULWURFSTADT, 2015), setzt Kuhlmann jetzt die Geschichte der Mäuse-Luftschifffahrt in ARMSTRONG – DIE ABENTEUERLICHE REISE EINER MAUS ZUM MOND fort.
Als Neil Armstrong im Juli 1969 den Mond erreicht, muss er überrascht feststellen, dass er zwar der erste Mensch dort oben ist, jedoch nicht der erste Besucher von der Erde – eine kleine Fahne und winzige Fußspuren weisen den Weg in die richtige Richtung …
Kuhlmanns kontrafaktische Geschichtsschreibung zeigt in wunderschönen, detailverliebten Bildern, mit welch großen Widrigkeiten und Problemen, mit welchen Gefahren und Rückschritten der Weg zum Mond auch für kleinere Intelligenzwesen gepflastert ist – und wie Erfindungsreichtum, Mut und der Glaube an die Wissenschaft aus einer bloßen Möglichkeit eine geschichtsträchtige Tatsache werden lassen.
ARMSTRONG – DIE ABENTEUERLICHE REISE EINER MAUS ZUM MOND ist ein Bilderbuch der ganz besonderen Art. Und wer hätte gedacht, dass Amerika einmal von einer Maus „erobert“ wird, die am Zeichentisch eines deutschen Künstlers entstanden ist.

Horst Illmer

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Torben Kuhlmann – ARMSTRONG: Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond
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24. November 2016 6 Stimmen

Torben Kuhlmann ARMSTRONG – DIE ABENTEUERLICHE REISE EINER MAUS ZUM MOND. Zürich, NordSüd, 2016, 128 Seiten ISBN 978-3-314-10348-3   Als Torben Kuhlmann 2012 sein Illustrations- und Kommunikationsdesign-Studium mit dem Bilderbuch LINDBERGH – DIE ABENTEUERLICHE GESCHICHTE EINER FLIEGENDEN MAUS (Erstveröffentlichung 2014 im NordSüd Verlag) abschloss, konnte er noch nicht wissen, dass er damit gleich einen Welterfolg weiterlesen…

Die Mauern der Welt hoch

20. November 2016 3 Stimmen

mauernderwelthochJames Tiptree jr.
DIE MAUERN DER WELT HOCH. Roman.
Ü: Bella Wohl
(Up the Walls of the World / 1978)
Wien, Septime Verlag, 2016, 500 S.
ISBN 978-3-902711-46-5

 

Als Kurzgeschichtenautorin hatte Alice Sheldon unter ihren Pseudonymen James Tiptree jr. und Raccoona Sheldon in den Jahren zwischen 1968 und 1977 die Science Fiction ordentlich durcheinander gebracht. Nachdem ihre „Tarnung“ im Jahr 1977 aufgeflogen war, versuchte sie sich 1978 erstmals an einem längeren Text. Das Ergebnis war der SF-Roman UP THE WALLS OF THE WORLD, der 1980 bei Heyne unter dem Titel DIE FEUERSCHNEISE auch auf Deutsch erschien, aber seit vielen Jahren vergriffen war.
Allerdings dauerte es dann bis zum Herbst 2016, bevor der Wiener Septime Verlag das Buch im Rahmen der Tiptree-Werkausgabe unter dem Titel DIE MAUERN DER WELT HOCH in einer Neuübersetzung von Bella Wohl wieder zugänglich machte.
Der Roman erzählt vom Aufeinandertreffen dreier Rassen, den Menschen der Erde, den fliegenden Rochen des Planeten Tyree und DEM ZERSTÖRER (der ähnlich wie Terry Pratchetts TOD nur in Versalien kommuniziert bzw. denkt), einem unfassbar großen und fast allmächtigen Wesen, dessen Wirken sich katastrophal auf alles auswirkt, das in seinen Weg gerät. Auf Tiptree-typische Weise verläuft dieser dreifache Erstkontakt jedoch ziemlich anders, als dies in der Science Fiction sonst üblich ist.
Der Roman ist nicht ganz so stark wie viele der Kurzgeschichten, dafür ist er mit sehr viel Leidenschaft und Optimismus geschrieben – etwas, das heutzutage in der gesamten Literatur viel zu kurz kommt.

Horst Illmer

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James Tiptree jr. – Die Mauern der Welt hoch
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20. November 2016 3 Stimmen

James Tiptree jr. DIE MAUERN DER WELT HOCH. Roman. Ü: Bella Wohl (Up the Walls of the World / 1978) Wien, Septime Verlag, 2016, 500 S. ISBN 978-3-902711-46-5   Als Kurzgeschichtenautorin hatte Alice Sheldon unter ihren Pseudonymen James Tiptree jr. und Raccoona Sheldon in den Jahren zwischen 1968 und 1977 die Science Fiction ordentlich durcheinander weiterlesen…

Die Medusa Chroniken

16. November 2016 4 Stimmen

medusachronikenStephen Baxter & Alastair Reynolds
DIE MEDUSA CHRONIKEN. Roman.
Ü: Peter Robert & Eva Malsch
(The Medusa Chronicles / 2016)
München Heyne, 2016, 590 S.
ISBN 978-3-453-31784-0

 

Der Roman DIE MEDUSA CHRONIKEN ist die erste Zusammenarbeit der beiden britischen Science-Fiction-Autoren Stephen Baxter und Alastair Reynolds. Damit haben sie sich gleich eine der denkbar höchsten Messlatten des Genres aufgelegt: die Fortschreibung von Arthur C. Clarkes mit dem Nebula Award prämierter Novelle „Ein Treffen mit Medusa“ aus dem Jahr 1971. (Allerdings hat ja vor allem Stephen Baxter bereits hinlänglich Erfahrung mit Clarke-Texten, da er in dessen letzten Lebensjahren mehrmals mit ihm gemeinsam Romane verfasste.)
DIE MEDUSA CHRONIKEN setzen einige Jahre nach den in der Erzählung beschriebenen Ereignissen ein und berichten über den weiteren Lebensweg von Howard Falcon, der aufgrund diverser Operationen nach einem Unfalls inzwischen fast zu einem Cyborg geworden ist. In seiner langlebigen „Hülle“ erlebt Falcon die Expansion der Menschheit über mehrere Jahrhunderte mit – und immer wieder muss er persönlich alles geben, um seiner Spezies den richtigen Weg zu weisen.
Baxter und Reynolds gehören derzeit zu den besten Autoren im Bereich der sogenannten „harten Science Fiction“ und der Space Opera und was die beiden aus Clarkes Vorlage weiterentwickeln sind 500 Seiten purer Sense of Wonder.
Anders als in den englischsprachigen Ausgaben hatte der Heyne Verlag zudem die gute Idee und bringt im Anhang Arthur C. Clarkes immerhin auch 70 Seiten lange Geschichte – und auch diese ist es immer noch wert (wieder) gelesen zu werden.

Horst Illmer

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Stephen Baxter & Alastair Reynolds – Die Medusa Chroniken
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16. November 2016 4 Stimmen

Stephen Baxter & Alastair Reynolds DIE MEDUSA CHRONIKEN. Roman. Ü: Peter Robert & Eva Malsch (The Medusa Chronicles / 2016) München Heyne, 2016, 590 S. ISBN 978-3-453-31784-0   Der Roman DIE MEDUSA CHRONIKEN ist die erste Zusammenarbeit der beiden britischen Science-Fiction-Autoren Stephen Baxter und Alastair Reynolds. Damit haben sie sich gleich eine der denkbar höchsten weiterlesen…

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