„Die Szene“ oder „Mein Traum“… – comicdealer.de
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  • „Die Szene“ oder „Mein Traum“…

    von am 23. Oktober 2016 14 Stimmen

    buconAnstatt des alljährlichen Besuches der Frankfurter Buchmesse habe ich mir diesmal überlegt, dass es doch, im Zuge der allgemeinen Verwässerung der genrespezifischen Verlagsprogramme und Ambitionen seitens der „Großen“, eine überfällige Konsequenz wäre, die BuCon zu besuchen. Eine Art Gegenveranstaltung mit über dreißigjähriger Tradition, die sich eben dieses, von uns allen geliebten, Themas im Besonderen annimmt:

    Phantastik als Genre der Literatur, das in der heutigen Verlagswelt wiederum zum Ausschuss geworden ist. Diesmal nicht aus dem, gestrigem Zeitgeist entsprungenem, vermeindlichen Mangel inhaltlicher Qualität, sondern aus, einem viel aktuellerem Denken entsprechenden, Mangel an profitabler Potenz.

    Aus diesem und anderen Gründen ist für mich der Besuch des Tempels buchhändlerischen Kommerzes immer irrelevanter und letztendlich schlichtweg obsolet geworden. Also dem Ruf des Genres gefolgt und sich auf den Weg nach Dreieich Richtung BuCon gemacht.

    Professioneller Internetauftritt, zeitgemäße Präsenz in sozialen Medien und eine Gästeliste, die fast das gesamte Who is Who der deutschen Phantastik Szene abdeckt. Die Räume des Dreieicher Bürgerzentrums wirken auf den Bildern großzügig dimensioniert und modern. Irgendwer setzt mir noch den Floh ins Ohr, dass dort wirklich alles vertreten ist, was Rang und Namen hat. Und irgendwo, vielleicht auf der eigenen Seite oder auf Facebook, wird propagiert, dass das Event DER Ort für junge Autoren ist, um einen Verleger zu finden.

    Ah, ihr merkt schon, meine Erwartungshaltung platzt gleich aus allen Nähten und ja, ich kann das nicht ganz abstreiten. In meiner Phantasie war die BuCon im Vorfeld bereits zu einer Veranstaltung gewachsen, die sich mit der Spiel in Essen oder dem Comicsalon in Angoulême messen kann. Mit jeweils einem riesigen Saal für Verlage, einem für Cosplayer, vielleicht allein so groß wie die Ring-Con, einem für die Wiederauflage der 50-Jahre-Feier von Perry Rhodan und ein paar kleineren Sälen für kleinere Verlage. Eine Börse, eine Comic-Abteilung, Merchandise, Spiele usw. Plus natürlich all die Räume für Lesungen und Vorträge, die Legionen von Besuchern aufnehmen können und mit perfekter Akustik- und Lichttechnik ausgestattet sind. Vielleicht im Stile der Frankfurter Alten Oper…

    Keine Ahnung, wie ich auf dieses schmale Brett kommen konnte. Musste ja schief gehen.

    Erstmal ein riesiges Kompliment an die Orga. Was und wen ihr alles angekarrt habt und anlocken konntet ist wahrlich bemerkenswert. Natürlich ist alles nicht so gigantisch, wie ich es mir in meinen leichtsinnigen Träumen vorgestellt hatte. Muss es aber auch nicht. Denn es war ja niemand da. Keinerlei Anwesenheit seitens der großen Verlage.

    • Kein Heyne Verlag mit dem großkotzigen Anspruch darauf „Die Zukunft“ für sich gepachtet zu haben, geschweige denn irgendwer anderes vom Leviathan Random House. Das größte Verlagskonsortium der Welt ist wahrscheinlich völlig unterbesetzt, weil gleichzeitig Buchmesse ist und die kompetenten Mitarbeiter vergangener Zeiten eh längst ausgestorben oder durch Marketingspezialisten und Betriebswirtschaftler ersetzt worden sind.
    • Kein Piper Verlag, der sich redlich bemüht ein gutes und solides Phantastikprogramm aufzustellen.
    • Kein Cross Cult, die sich derzeit an Titel heranmachen, die mir beim traditionellen Klassenprimus Heyne schmerzlich fehlen.
    • Nicht einmal Tor Fischer, die jetzt so richtig durchstarten wollten.

    Wo sind sie denn, meine Herren, wenn nicht bei der Basis, wenn sie sich unser Genre schon auf die Fahnen schreiben? Nicht nur, dass sie diese Veranstaltung nicht mit Rat und Tat und GELD, VIEL GELD unterstützen, sie waren noch nicht einmal vor Ort! Wie peinlich und kleinkariert. Oder eben von jenen Betriebswirten verordnet, die für uns alle gerade „Die Zukunft“ an die Wand fahren?

    Für mich ist es echt der Hammer, dass all die Berühmtheiten der deutschen Phantastik ihren Weg nach Dreieich gefunden haben. Wahnsinn, dass ihr alle da wart. Anscheinend habt ihr verstanden, dass die Basis wichtig ist. Ich ziehe meinen Hut vor der Orga, die all das auf die Beine stellt. Ehrenamtlich und nicht im Namen oder mit Hilfe eines oder mehrerer Verlage. All die vielen Kleinverlage, die die große Halle mit ihren wunderbaren Produkten bereichert haben. All die ambitionierten Enthusiasten hätten mehr Unterstützung und ein viel größeres und vor allem breiteres Publikum verdient. Das funktioniert aber nur mit deutlich größerem Budget und in Zeiten leerer Haushaltskassen muss das definitiv von ihnen kommen, mein lieben Herren Heini, Pfeifer und Rundums Haus.

    Vielleicht war meine Erwartungshaltung einfach nur dumm und töricht. Vielleicht aber auch nicht.

    Vielleicht müssen wir alle einfach nur weitermachen. Nicht nachlassen im Streben, die frohe Botschaft zu verbreiten, dass Phantastik eine der wichtigsten und interessantesten Gattungen der Literatur ist. Ob intellektuell fordernd oder einfach nur unterhaltend. Das Spektrum ist viel breiter, als die anderen denken. Es ist an uns, das zu ändern. Mehr tolle Veranstaltungen wie die BuCon. Mehr gute und unabhängige Rezensionen wie auf Papiergeflüster. Und nicht müde werden, auch dafür einzustehen. Genausowenig, wie ich als Spezialgeschäft irgendetwas davon habe, wenn ihr unheimlich viel phantastische Literatur lest, aber auf dem Kindle, und dann vielleicht auch euer Wissen noch auf der entsprechenden Seite kostenlos zur Verfügung stellt, anstatt zum Beispiel hier – mit einer eigenen Rubrik… genausowenig haben Veranstaltungen wie die BuCon etwas davon, wenn ihr lieber eure tollen Cosplays auf der Buchmesse zeigt, anstatt dahin zu gehen, wo ihr hingehört – und übrigens auch nicht wie seltsame Tierchen behandelt werdet.

    Tja und ich sollte vielleicht auch wieder mehr zu Büchern schreiben, als zu Veranstaltungen und der Szene. Kann halt nicht aus meiner Haut heraus…

    von am 23. Oktober 2016 14 Stimmen

    buconAnstatt des alljährlichen Besuches der Frankfurter Buchmesse habe ich mir diesmal überlegt, dass es doch, im Zuge der allgemeinen Verwässerung der genrespezifischen Verlagsprogramme und Ambitionen seitens der „Großen“, eine überfällige Konsequenz wäre, die BuCon zu besuchen. Eine Art Gegenveranstaltung mit über dreißigjähriger Tradition, die sich eben dieses, von uns allen geliebten, Themas im Besonderen annimmt:

    Phantastik als Genre der Literatur, das in der heutigen Verlagswelt wiederum zum Ausschuss geworden ist. Diesmal nicht aus dem, gestrigem Zeitgeist entsprungenem, vermeindlichen Mangel inhaltlicher Qualität, sondern aus, einem viel aktuellerem Denken entsprechenden, Mangel an profitabler Potenz.

    Aus diesem und anderen Gründen ist für mich der Besuch des Tempels buchhändlerischen Kommerzes immer irrelevanter und letztendlich schlichtweg obsolet geworden. Also dem Ruf des Genres gefolgt und sich auf den Weg nach Dreieich Richtung BuCon gemacht.

    Professioneller Internetauftritt, zeitgemäße Präsenz in sozialen Medien und eine Gästeliste, die fast das gesamte Who is Who der deutschen Phantastik Szene abdeckt. Die Räume des Dreieicher Bürgerzentrums wirken auf den Bildern großzügig dimensioniert und modern. Irgendwer setzt mir noch den Floh ins Ohr, dass dort wirklich alles vertreten ist, was Rang und Namen hat. Und irgendwo, vielleicht auf der eigenen Seite oder auf Facebook, wird propagiert, dass das Event DER Ort für junge Autoren ist, um einen Verleger zu finden.

    Ah, ihr merkt schon, meine Erwartungshaltung platzt gleich aus allen Nähten und ja, ich kann das nicht ganz abstreiten. In meiner Phantasie war die BuCon im Vorfeld bereits zu einer Veranstaltung gewachsen, die sich mit der Spiel in Essen oder dem Comicsalon in Angoulême messen kann. Mit jeweils einem riesigen Saal für Verlage, einem für Cosplayer, vielleicht allein so groß wie die Ring-Con, einem für die Wiederauflage der 50-Jahre-Feier von Perry Rhodan und ein paar kleineren Sälen für kleinere Verlage. Eine Börse, eine Comic-Abteilung, Merchandise, Spiele usw. Plus natürlich all die Räume für Lesungen und Vorträge, die Legionen von Besuchern aufnehmen können und mit perfekter Akustik- und Lichttechnik ausgestattet sind. Vielleicht im Stile der Frankfurter Alten Oper…

    Keine Ahnung, wie ich auf dieses schmale Brett kommen konnte. Musste ja schief gehen.

    Erstmal ein riesiges Kompliment an die Orga. Was und wen ihr alles angekarrt habt und anlocken konntet ist wahrlich bemerkenswert. Natürlich ist alles nicht so gigantisch, wie ich es mir in meinen leichtsinnigen Träumen vorgestellt hatte. Muss es aber auch nicht. Denn es war ja niemand da. Keinerlei Anwesenheit seitens der großen Verlage.

    • Kein Heyne Verlag mit dem großkotzigen Anspruch darauf „Die Zukunft“ für sich gepachtet zu haben, geschweige denn irgendwer anderes vom Leviathan Random House. Das größte Verlagskonsortium der Welt ist wahrscheinlich völlig unterbesetzt, weil gleichzeitig Buchmesse ist und die kompetenten Mitarbeiter vergangener Zeiten eh längst ausgestorben oder durch Marketingspezialisten und Betriebswirtschaftler ersetzt worden sind.
    • Kein Piper Verlag, der sich redlich bemüht ein gutes und solides Phantastikprogramm aufzustellen.
    • Kein Cross Cult, die sich derzeit an Titel heranmachen, die mir beim traditionellen Klassenprimus Heyne schmerzlich fehlen.
    • Nicht einmal Tor Fischer, die jetzt so richtig durchstarten wollten.

    Wo sind sie denn, meine Herren, wenn nicht bei der Basis, wenn sie sich unser Genre schon auf die Fahnen schreiben? Nicht nur, dass sie diese Veranstaltung nicht mit Rat und Tat und GELD, VIEL GELD unterstützen, sie waren noch nicht einmal vor Ort! Wie peinlich und kleinkariert. Oder eben von jenen Betriebswirten verordnet, die für uns alle gerade „Die Zukunft“ an die Wand fahren?

    Für mich ist es echt der Hammer, dass all die Berühmtheiten der deutschen Phantastik ihren Weg nach Dreieich gefunden haben. Wahnsinn, dass ihr alle da wart. Anscheinend habt ihr verstanden, dass die Basis wichtig ist. Ich ziehe meinen Hut vor der Orga, die all das auf die Beine stellt. Ehrenamtlich und nicht im Namen oder mit Hilfe eines oder mehrerer Verlage. All die vielen Kleinverlage, die die große Halle mit ihren wunderbaren Produkten bereichert haben. All die ambitionierten Enthusiasten hätten mehr Unterstützung und ein viel größeres und vor allem breiteres Publikum verdient. Das funktioniert aber nur mit deutlich größerem Budget und in Zeiten leerer Haushaltskassen muss das definitiv von ihnen kommen, mein lieben Herren Heini, Pfeifer und Rundums Haus.

    Vielleicht war meine Erwartungshaltung einfach nur dumm und töricht. Vielleicht aber auch nicht.

    Vielleicht müssen wir alle einfach nur weitermachen. Nicht nachlassen im Streben, die frohe Botschaft zu verbreiten, dass Phantastik eine der wichtigsten und interessantesten Gattungen der Literatur ist. Ob intellektuell fordernd oder einfach nur unterhaltend. Das Spektrum ist viel breiter, als die anderen denken. Es ist an uns, das zu ändern. Mehr tolle Veranstaltungen wie die BuCon. Mehr gute und unabhängige Rezensionen wie auf Papiergeflüster. Und nicht müde werden, auch dafür einzustehen. Genausowenig, wie ich als Spezialgeschäft irgendetwas davon habe, wenn ihr unheimlich viel phantastische Literatur lest, aber auf dem Kindle, und dann vielleicht auch euer Wissen noch auf der entsprechenden Seite kostenlos zur Verfügung stellt, anstatt zum Beispiel hier – mit einer eigenen Rubrik… genausowenig haben Veranstaltungen wie die BuCon etwas davon, wenn ihr lieber eure tollen Cosplays auf der Buchmesse zeigt, anstatt dahin zu gehen, wo ihr hingehört – und übrigens auch nicht wie seltsame Tierchen behandelt werdet.

    Tja und ich sollte vielleicht auch wieder mehr zu Büchern schreiben, als zu Veranstaltungen und der Szene. Kann halt nicht aus meiner Haut heraus…

    5 Kommentare zu “„Die Szene“ oder „Mein Traum“…”

    1. Hazamel sagt:

      *hust* DAS BuCon *hust* Weil das Convent statt die Convention 😉

      Der Unsinn hat mich bei Geek Pray Love schon aufgeregt „Kleine Veranstaltungen wie das BuCon sind männlich, große wie die Comic Con sind weiblich“

      1. Gerd sagt:

        Na dann: again what learned… Vielleicht sehe ich die Convantion aber als GROSSE Veranstaltung. Du musst dir einfach mal die Gästeliste anschauen. Da ist alles drauf, was der Phantastik-Begeisterte sich wünschen kann.
        Aber danke, für die Erhellung. Solche Fehler sind natürlich essentiell. Ich lass das aber trotzdem jetzt mal so 😉

      2. Gerd sagt:

        Was mir, wenn wir schon beim Nitpicken sind, noch nicht ganz klar ist, das ist die Schreibung von Convent im Deutschen. Soweit ich weiß, war da normalerweise ein „K“, da es sich um ein lateinisches Lehnwort handelt, das sich in der Orthografie der deutschen Zielsprache angepasst hat. Und soweit ich weiß, ist das dann maskulin nicht neutrum. Also der Konvent.
        Wie erklärt sich dann diese von dir angesprochene Gebräuchlichkeit?
        Nicht dass bei meinem Artikel nicht wichtigere Aspekte zur Diskussion ständen. Aber es ist doch immerhin erfreulich, nach langer Durststrecke einmal wieder einen Kommentar zu bekommen. Auch wenn es mir ehrlich gesagt natürlich lieber gewesen wäre, es hätte sich wer um den Inhalt meines Artikels gekümmert, als um meine Rechtschreibung.
        Aber, wie schon mein leidgeplagter Deutschlehrer damals auf der Schule zu sagen wusste: Eibach, ausdrücken können sie sich ja, aber mit der Rechtschreibung…

        1. KaZu sagt:

          Autsch! Leg dich bloß nicht mit dem „König der Klugscheißer“ 😉 an. Toller Artikel (Rechtschreibfehler hin oder her) mal wieder eine ungeschminkte Darstellung, die es heutzutage immer seltener gibt. Aber der Schlagabtausch in der Kommentarsektion ist ja wohl die Kirsche auf dem Sahnebecher XD.

          1. Gerd sagt:

            Hm. Besser König der Klugscheißer, als Bettler der Orthografie. Immerhin ein Adelstitel für mich 🙂

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