Science Fiction

Verlorene Paradise

18. April 2017 5 Stimmen

Hörbücher sind auf dem Vormarsch – und das schon seit Jahren. Trotzdem gibt es von einigen der besten SF-SchriftstellerInnen überhaupt keine deutschsprachigen Hörbücher. Zumindest bei Ursula K. Le Guin ist dies jetzt anders: Ab sofort gibt es eine vollständige Lesung ihres 2014 bei Atlantis erschienen Romans VERLORENE PARADIESE (ISBN 978-3-936438-83-3, 1 mp3-CD, 286 Minuten), vorgelesen von Lisa Koenen und veröffentlicht im Mannheimer MetaGIS Hörbuchverlag. Gestaltet wurde die Edition von Maran Alsdorf unter Verwendung ihres Buchumschlags, die Übersetzung stammt von Horst Illmer, Regie führte Matthias Werner. Der angehenden Schauspielerin Lisa Koenen gelingt das Kunststück, ihre helle, begeisterungsfähige Stimme im Verlauf der Erzählung dem jeweiligen Alter der Protagonisten anzupassen, sodass aus der kindlich-naiven Hsing, die neugierig alles und jeden hinterfragt, am Ende eine reife, sich um ihre Familie sorgende Frau spricht. Und es ist keine Kleinigkeit, dass es ihr zudem gelingt, die Stimmen der anderen Haupt- und Nebenpersonen in VERLORENE PARADIESE ebenfalls wiedererkennbar zu sprechen. Als Zugabe zum Romantext wurde auch das Nachwort von Horst Illmer vertont, in dem dieser den utopischen Ansatz dieser meisterhaften Science-Fiction-Geschichte um die Bewohner/Besatzung des Generationen-Raumschiffs Discovery nachverfolgt. Wer es also immer noch nicht geschafft hat, das Buch (ein zweites Mal) zu lesen, kann es sich jetzt genussvoll akustisch „reinziehen“.

Horst Illmer
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Verlorene Paradiese Hörbuch
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18. April 2017 5 Stimmen

Hörbücher sind auf dem Vormarsch – und das schon seit Jahren. Trotzdem gibt es von einigen der besten SF-SchriftstellerInnen überhaupt keine deutschsprachigen Hörbücher. Zumindest bei Ursula K. Le Guin ist dies jetzt anders: Ab sofort gibt es eine vollständige Lesung ihres 2014 bei Atlantis erschienen Romans VERLORENE PARADIESE (ISBN 978-3-936438-83-3, 1 mp3-CD, 286 Minuten), vorgelesen weiterlesen…

Das Imperium

25. März 2017 4 Stimmen

Ann Leckie
DAS IMPERIUM. Ein Roman aus der fernen Zukunft.
Ü: Bernhard Kempen
(Ancillery Mercy /2015)
München, Heyne, 2017, 448 S.
ISBN 978-3-453-31726-0

„Verstehen Sie wirklich nicht, was Sie getan haben?“
Diese fassungslos gestellte Frage der Imperatorin der Radchaai an die Flottenkapitänin/Hilfseinheit Breq bildet den Höhepunkt und Abschluss der „Ancillery“-Trilogie von Ann Leckie. Wobei sich alle anderen bei dieser Unterredung Anwesenden vermutlich die gleiche Frage stellen – und auch Breq selbst wohl eher ihrem Improvisationstalent vertraut, als eine klare Vorstellung davon zu haben, was passiert, wenn Künstliche Intelligenzen (KIs), wie von ihr gefordert, als „signifikante Lebewesen“ anerkannt werden. Denn darauf läuft es letztlich hinaus, als sie der Botschafterin der den Menschen weit überlegenen Alienrasse der Presger mitteilt, dass die Menschen eben nicht die einzige intelligente Lebensform sind, die das Reich der Radchaai bewohnen.
Schuld an diesem „interessanten“ Konflikt (so die Presger-Übersetzerin Zeiat) ist die Imperatorin Anaander jedoch selbst. Immerhin bekämpft sie nicht nur sich selbst (in ihren vielen hundert Klon-Varianten), sondern lässt auch zu, dass ihr Hass auf Breq so übermächtig wird, dass sie dem letzten Überbleibsel ihres ehemaligen Raumschiffs ins Athoek-System folgt und dort wütend und wahllos Schaden anrichtet.
Als es schließlich zum finalen Treffen zwischen Anaander und Breq auf der Athoek-Station kommt, entwickelt sich das Geschehen jedoch ganz anders, als von beiden vorhergeplant …

Auch der Abschlussband dieser Trilogie liest sich wieder auf wunderbare Weise gleichzeitig spannend und total entspannend. Selten (oder vielleicht bisher gar nicht) wurden weltbewegende und imperiumsstürzende Raumschlachten, politische Attentate, geheime Intrigen und ethische Fragen darüber, was es bedeutet „menschlich“ zu sein, mit einer solchen unaufgeregten Brillanz erzählt. Sicherlich ist einer der Hauptgründe dafür die durchgängig weibliche Sichtweise auf das Geschehen und die dadurch erfolgte „Verschiebung“ der Perspektiven.
Wo es in herkömmlichen Romanen bisher vor allem auf die Größe der Raumschiffe und Waffen, auf die technischen und wissenschaftlichen Hintergründe und auf die Quantität der Bedrohung ankam, da stellt Leckie die Frage, ob man das passende Teegeschirr eingepackt hat, ob die Schmucknadel an der Uniform richtig platziert ist und ob man nicht erst einmal den Verwundeten hilft, bevor man sinnlose Kämpfe weiterführt – und trotzdem kommt keine Sekunde Langeweile auf, wirkt nichts Erzähltes überflüssig oder konstruiert.
Zukünftige Science-Fiction-Romane werden sich an diesem außergewöhnlich hohen Standard messen lassen müssen. Zurück bleibt ein Gefühl wehmütiger Zufriedenheit.

Horst Illmer
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25. März 2017 4 Stimmen

Ann Leckie DAS IMPERIUM. Ein Roman aus der fernen Zukunft. Ü: Bernhard Kempen (Ancillery Mercy /2015) München, Heyne, 2017, 448 S. ISBN 978-3-453-31726-0 „Verstehen Sie wirklich nicht, was Sie getan haben?“ Diese fassungslos gestellte Frage der Imperatorin der Radchaai an die Flottenkapitänin/Hilfseinheit Breq bildet den Höhepunkt und Abschluss der „Ancillery“-Trilogie von Ann Leckie. Wobei sich weiterlesen…

Die Zeitmaschine

10. März 2017 3 Stimmen

H. G. Wells
DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman.
Neu übersetzt und mit einem Nachwort und Anmerkungen versehen von Lutz-W. Wolff
München, Deutscher Taschenbuchverlag, 2017, 191 S.
ISBN 978-3-423-14546-6

H. G. Wells
DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman.

Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring; Nachwort: Elmar Schenkel
Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, 2017, 237 S.
Fischer Klassik 95030 / ISBN 978-3-596-95030-0

 

An dieser Stelle etwas über den Inhalt von DIE ZEITMASCHINE (THE TIME MACHINE / 1895) zu schreiben, wäre eine Beleidigung des Lesers. Es gibt vermutlich nicht viele Bücher auf dieser Welt, deren Bekanntheitsgrad noch höher liegt. Warum also noch eine Rezension – und warum gerade jetzt?

Die Antwort ist recht trivial: Herbert George Wells ist inzwischen siebzig Jahre tot und seit 2017 ist der Text gemeinfrei, d. h. dass Verlage keine Lizenzgebühren mehr dafür bezahlen müssen. (Augenzwinkernde Anmerkung: Bleibt also mehr Geld für einen guten Übersetzer, wenn man dann eine Neuausgabe herausbringen möchte.)
Ebenso erstaunlicher wie erfreulicher Weise haben sich mit dtv und S.Fischer gleich zwei verlegerische Schwergewichte dazu berufen gefühlt, den berühmtesten Science-Fiction-Roman der Welt in einer aktuellen Neuübersetzung dem deutschsprachigen Publikum anzubieten. Und da DIE ZEITMASCHINE, trotz ihrer Ideenfülle und Komplexität, eigentlich ein recht kurzer Roman ist, blieb in beiden Ausgaben reichlich Platz für „Zusatzmaterial“, was bei einem inzwischen weit über einhundert Jahre alten Text ja durchaus hilfreich sein kann.

Schauen wir uns also zuerst einmal die beiden Übersetzungen selbst an.
Ohne ins Detail gehen zu wollen, scheint mir die Übersetzung von Lutz-W. Wolff die etwas „freiere“ zu sein, die etwas weniger am Original „angelehnte“, während Hans-Ulrich Möhring sehr intensiv die „zeittypische“ Stimmung der vorletzten Jahrhundertwende heraufzurufen versteht. Beide sind jedenfalls sehr flüssig und unproblematisch zu lesen – das bleibt also eher eine Geschmacksfrage, wie „modern“ man einen Romantext von 1895 haben möchte.

Und dann, die „Bonus-Tracks“.
Da die Hardcoverausgabe von S.Fischer das doppelte der dtv-Taschenbuchausgabe kostet, darf man hier wohl die größten Unterschiede erwarten – und wird nicht enttäuscht!
Bei dtv hat der Übersetzer Wolff ein kurzes Nachwort, fünfzehn Seiten mit Anmerkungen und eine ausführliche „Zeittafel“ geschrieben, dazu findet sich noch ein Vorwort von H. G. Wells selbst, das dieser für eine Neuausgabe im Jahre 1931 geschrieben hat. Insgesamt ausreichend.
Bei Fischer fährt man dafür „schweres Geschütz“ auf: Da darf der deutsche Wells-Fachmann und Biograf Elmar Schenkel seine Kenntnisse umfassend darlegen, alle drei bekannten Vorworte des Autors zu seinem Roman werden abgedruckt, dazu noch drei Vorstudien, in denen Wells die Zeitreise-Idee ausprobiert hat – und man findet eine acht Seiten lange „gestrichene“ Episode, die bisher noch in keiner deutschen DIE ZEITMASCHINE-Ausgabe enthalten war.
Auch hier muss der Leser (und sein Geldbeutel) selbst entscheiden, wie viel „mehr“ er zum Romantext braucht. Wer allerdings selbst noch keine Ausgabe von DIE ZEITMASCHINE besitzt, sollte daran denken, dass ohne dieses Buch der wichtigste „Grundstein“ zu jeder guten Science-Fiction-Sammlung fehlt.

Horst Illmer

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10. März 2017 3 Stimmen

H. G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman. Neu übersetzt und mit einem Nachwort und Anmerkungen versehen von Lutz-W. Wolff München, Deutscher Taschenbuchverlag, 2017, 191 S. ISBN 978-3-423-14546-6 H. G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Eine Erfindung. Roman. Übersetzung: Hans-Ulrich Möhring; Nachwort: Elmar Schenkel Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, 2017, 237 S. Fischer Klassik 95030 / ISBN 978-3-596-95030-0   weiterlesen…

Der Prospektmarathon 2017 – Diagnose: letal

3. März 2017 8 Stimmen

Nach diesem überaus positiven Einstieg in den ersten Prospektmarathon folgt die Ernüchteung auf dem Fuß. Was Heyne, Piper, Blanvalet, Goldmann, Bastei Lübbe und wie sie sonst noch alle heißen, da so auffährt treibt einem die Tränen in die Augen. Um nicht völlig der Verzweiflung anheim zu fallen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die wenigen verbliebenen Highlights aus den Programmen der Großen Alten hervorzuheben. Über den kläglichen Rest breiten wir den barmherzigen Mantel der Verschwiegenheit. Zumindest im Detail und soweit ich mich beherrschen kann.

Peter V. Brett

Heyne ruht sich auf Lorbeeren aus, die schon seit Jahren völlig verdorrt sind…
Das Science Fiction Programm ist noch lächerlicher, peinlicher und minimalistischer als im letzten Jahr. Von „die Zukunft“ will ich gar nichts mehr wissen. Einziges Highlight im Sektor Phantastik stellt ein Fantasy Titel dar, auf den ich mich nicht nur persönlich freue, sondern auch aus kaufmännischer Sicht…
Immerhin warten eine ganze Menge von Lesern darauf, wie Peter V. Brett seinen epischen Krieg gegen die dämonischen Mächte zu Ende bringt. Der Abschlussband des DämonenkriegQuintetts erscheint im September unter dem Titel „Das Leuchten der Magie„. Bei 950 Seiten muss man auch nicht die Befürchtung hegen, es fällt den Herren wieder ein, das letzte Buch gewinnoptimiert zu teilen…

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3. März 2017 8 Stimmen

Nach diesem überaus positiven Einstieg in den ersten Prospektmarathon folgt die Ernüchteung auf dem Fuß. Was Heyne, Piper, Blanvalet, Goldmann, Bastei Lübbe und wie sie sonst noch alle heißen, da so auffährt treibt einem die Tränen in die Augen. Um nicht völlig der Verzweiflung anheim zu fallen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die wenigen weiterlesen…

Der Prospektmarathon 2017 – Diagnose: positiv

2. März 2017 6 Stimmen

Gehen wir das Ganze mal etwas anders an. Nicht erst ans Meckern denken. Nicht in alte Muster verfallen. Die guten Ideen und Vorsätze aus dem letzten Jahr – fokusiert durch meinen Besuch auf der Dreieich Con – nicht nur mitnehmen, sondern in den Vordergrund stellen…

Es gibt einige neue Lichter am Firmament. TOR, Mantikore, Cross CultKnaur mischt auch wieder mit… Einfach darüber freuen und alte Gewohnheiten abstreifen. Stell die Neuen vor die Alten. Vielleicht gibt es da noch die ein oder andere Öse, die man verfehlt aber bestimmt auch eine ganze Menge positiver Überraschungen. Also alte Reihenfolge verkehrt. Heyne und Konsorten ans Ende gestellt und die kleineren schön nach vorne gerutscht. Neue Wege…

Neben den Neuen Großen, gibt es auch noch eine Vielzahl netter, kleiner, ambitionierter Verlage. War das nicht alleroberste Priorität, eben mit denen in Kontakt zu treten? Sollte es auch bleiben. Ist vielleicht gerade am Anfang ein bisschen arbeitsintensiv, aber auf jeden Fall mal eine Abwechslung und andere Perspektive. Also wird hierfür auf jeden Fall Platz Nummer eins in der Reihenfolge vergeben…

Herbert W Franke

Die Erwartung ist zäher als der Anfang…
Recherche, Kontaktaufnahme, texten, suchen, fragen und meistens auch Antworten bekommen. Manchmal schneller, manchmal weniger schnell. Neue Wege zu beschreiten ist immer etwas aufwendiger. Mit kleinen Verlagen zu komunizieren und bei ihnen zu bestellen natürlich auch. Die Margen sind auch knapper. Also kommerziell auf jeden Fall unerfreulich.
ABER.
Diversität abseits des Mainstream hat unseren Laden immer mit ausgemacht. Wir sind doch selbst eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die sich in einer Trophieebene behaupten muss, in der amorphe Neuzeitgiganten die vorhandene Vielfalt durch Überweidung längst zerstört haben.
Deshalb also.
Kein Gejammer. Frisch ans Werk und einen Anfang machen. Im Prinzip macht das Spaß, ist eine willkommene Abwechslung zu getrampelten Pfaden und auf jeden Fall ein guter Weg…
…und wie sich auch schnell herausstellt, gar nicht so schwierig und mit mehr Erfolg beschieden, als mit Ärgernissen gespickt. Als schönstes Beispiel möchte ich euch hier die ambitionierte Werksausgabe eines der bedeutendsten deutschsprachigen SF Autoren der Gegenwart vorstellen. Beim netten kleinen p.machinery Verlag in der Reihe Andro-SF versteckt sich die auf 30 Bände angelegte Reihe der Herbert W. Franke Werksausgabe seines literarischen SF-Schaffens. Bisher sind die Bände 1-6 erschienen. Jeweils in einer erschwinglichen Taschenbuch- und einer sehr hübschen und auch nicht teuren Hardcover-Ausgabe. Die wunderbar gestalteten Titelbilder stammen vom ebenfalls vielfach ausgezeichneten Grafiker Thomas Franke.

Wunderbare Ausgabe für Fans, Sammler und Liebhaber schöner Bücher. Ich freue mich, dass die Ausgabe das erste sichtbare Ergebnis in der Kategorie Novis gezeigt hat…

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2. März 2017 6 Stimmen

Gehen wir das Ganze mal etwas anders an. Nicht erst ans Meckern denken. Nicht in alte Muster verfallen. Die guten Ideen und Vorsätze aus dem letzten Jahr – fokusiert durch meinen Besuch auf der Dreieich Con – nicht nur mitnehmen, sondern in den Vordergrund stellen… Es gibt einige neue Lichter am Firmament. TOR, Mantikore, Cross weiterlesen…

Freie Geister

7. Februar 2017 6 Stimmen

Ursula K. Le Guin
FREIE GEISTER. Eine zwiespältige Utopie.
(The Dispossessed / 1974)
Neu übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle
Frankfurt a. M., Fischer/TOR, 2017, 432 S.
ISBN 978-3-596-03535-9 / Klappenbroschur

Der Bücherfrühling 2017 beginnt mit der von uns freudig erwarteten Neuausgabe von Ursula K. Le Guins Roman THE DISPOSSESSED aus dem Jahr 1974, der bei Fischer/TOR in der großartigen neuen Übersetzung von Karen Nölle jetzt den Titel FREIE GEISTER erhielt. Wie der Untertitel „Eine zwiespältige Utopie“ andeutet, handelt es sich hierbei um eine der seltensten Ausprägungen der Science Fiction – um einen utopischen Gesellschaftsentwurf. Damit nicht genug, versucht sich Le Guin (und das auch noch erfolgreich) an einer nur schwach bevölkerten, anarchistisch strukturierten Welt (Anarres), deren bloßes Da-Sein für die vielen Menschen auf dem kapitalistisch-hierarchischen Schwesterplaneten (Urras) gleichzeitig Drohung und Hoffnung ist.
Nach einer fast 200 Jahre währenden Zeit der freiwilligen Isolation versucht der anarrische Physiker Shevek durch einen Besuch auf Urras nicht nur seine Forschungsarbeiten zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, sondern auch eine Brücke zwischen den so unterschiedlichen Zivilisationen zu schlagen. Ob und wie Shevek sein(e) Ziel(e) erreicht schildert das Buch in 13 Kapiteln, die abwechselnd auf Anarres und Urras spielen und dabei zeitlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen, sodass am Ende ein stimmiges und komplexes Bild sowohl der handelnden Personen wie der utopischen Gemeinschaft steht.
Angesiedelt ist FREIE GEISTER in Le Guins „Hainish“-Universum (in das u. a. auch DIE LINKE HAND DER DUNKELHEIT gehört), sodass neben den Bewohnern des Doppelplaneten-Systems Tau Ceti auch Menschen der (inzwischen durch eine Umweltkatastrophe fast unbewohnbaren) Erde und von Hain ihren Auftritt haben.
Wer das Buch noch nicht kennt, darf hier einen echten Klassiker der Science Fiction entdecken, wer es unter seinen früheren Titeln PLANET DER HABENICHTSE oder DIE ENTEIGNETEN in Erinnerung hat, wird beim erneuten Lesen durch Nölles sehr genaue und unaufgeregte Übersetzung vielleicht sogar einen tieferen Zugang als bisher finden.
Mit FREIE GEISTER ist Ursula Le Guin etwas gelungen, das Thomas Morus vor 500 Jahren mit seiner Inselrepublik UTOPIA verpasst hat: Man kann es sich schon ganz gut vorstellen, auf Anarres zu leben und Mitglied der dortigen egalitären Gesellschaft zu werden.

Horst Illmer

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Freie Geister
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7. Februar 2017 6 Stimmen

Ursula K. Le Guin FREIE GEISTER. Eine zwiespältige Utopie. (The Dispossessed / 1974) Neu übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle Frankfurt a. M., Fischer/TOR, 2017, 432 S. ISBN 978-3-596-03535-9 / Klappenbroschur Der Bücherfrühling 2017 beginnt mit der von uns freudig erwarteten Neuausgabe von Ursula K. Le Guins Roman THE DISPOSSESSED aus dem Jahr weiterlesen…

Herbert W. Franke Werksausgabe jetzt auch bei uns…

24. Januar 2017   noch keine Stimmen

Herbert W. Franke ist die zentrale Figur der deutschsprachigen Science-Fiction nach dem Zweiten Weltkrieg und insofern eine Ausnahmeerscheinung, als er sich seit der Wendung zur neueren Form des Genres in den sechziger Jahren bis heute mit seinen Texten im Feld der klassischen Science-Fiction behauptet hat. Dies wurde durch die Aufnahme in den deutschen PEN-Club und viele Preise für fast alle seine Romane und Erzählungsbände anerkannt: in den Jahren 1961, 1962 und 1965 erhielt er den Ernst-H.-Richter-Preis, 1976 und 1977 den Deutschen Hugo, 1980 den Preis von Eurocon für den besten Roman, 1989 den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar, 1985 und 1991 den Deutschen Science-Fiction-Preis, 1984, 1985 und 2007 den Kurd-Laßwitz-Preis und schließlich 2008 den Deutschen Fantasy-Preis. Seine erste Veröffentlichung Der grüne Komet erschien 1960 in der Reihe Goldmanns Zukunftsromane, in der erstmals die Science-Fiction in Deutschland mit so wichtigen Autoren wie I. Asimov oder A. C. Clarke vorgestellt wurde. Sein Roman Das Gedankennetz war 1963 der erste SF-Roman, der als Taschenbuch erschien. Die meisten seiner Werke wurden mehrfach aufgelegt und erschienen in bekannten Verlagen, z. B. in der berühmten fantastischen Reihe des Suhrkamp-Verlags.

Den Text habe ich nicht von der Verlagsseite kopiert, weil ich faul bin, sondern weil er treffend formuliert ist und alles beinhaltet, was zu dieser Werksausgabe zu sagen ist. Bisher sind die Bände 1-6 erschienen. Jeweils als Taschenbuch oder limitiertes Hardcover.

Herbert W. Franke Werksausgabe
Band 1: Der grüne Komet – Erzählungen (1960, 2014) € 11,90 (€ 23.90)
Band 2: Das Gedankennetz (1961, 2015) € 10,90 (€ 18,90)
Band 3: Der Orchideenkäfig (1961, 2015) € 10,90 (€ 18,90)
Band 4: Die Glasfalle (1962, 2015) € 10,90 (€ 17,90)
Band 5: Die Stahlwüste (1962, 2016) € 10,90 (€ 18,90)
Band 6: Planet der Verlorenen (1963, 2016) € 9,90 (€ 16,90)

24. Januar 2017   noch keine Stimmen

Herbert W. Franke ist die zentrale Figur der deutschsprachigen Science-Fiction nach dem Zweiten Weltkrieg und insofern eine Ausnahmeerscheinung, als er sich seit der Wendung zur neueren Form des Genres in den sechziger Jahren bis heute mit seinen Texten im Feld der klassischen Science-Fiction behauptet hat. Dies wurde durch die Aufnahme in den deutschen PEN-Club und weiterlesen…

Die drei Sonnen

16. Januar 2017 5 Stimmen

Cixin Liu
DIE DREI SONNEN. Roman.
Aus dem Chinesischen von Martina Hasse
(San Ti / 2006)
München, Heyne, 2017, 591 S.
ISBN 978-3-453-31716-1

Wenn wir – hier auf dem Planeten Erde – auf einer Party ein Glas loslassen, so fällt es unweigerlich zu Boden und hinterlässt eine Sauerei. Immer. Wenn wir morgen früh aufstehen, wird sich mit uns die Sonne erheben und einen neuen Tag beleuchten. Immer. Wenn wir alt genug werden, erleben wir zigtausend Male die immer gleiche Abfolge von Geburt und Tod, Säen und Ernten, Tag und Nacht. Und wir wissen gar nicht, wie glücklich wir uns deshalb schätzen sollten.
Kaum mehr als vier Lichtjahre von unserer Sonne entfernt gibt es das Sternsystem Alpha Centauri, bei dem es sich nach den neuesten Erkenntnissen um ein Drei-Sterne-System handelt, das vermutlich sogar einen Exoplaneten hat. Wie wäre es auf diesem Planeten wohl bestellt mit dem fallenden Glas, dem Aufgehen der Sonne (welcher auch immer) und der Abfolge von Tagen, Monaten oder Jahreszeiten?
Diesen Fragen – unter anderem – widmet sich der Roman DIE DREI SONNEN von Cixin Liu. Liu ist ein chinesischer Science-Fiction-Autor, sein Roman der Auftakt zu einer Trilogie und es geht ihm ein Ruf wie Donnerhall voraus. Immerhin hat er in seiner Heimat den Galaxy Award und in den USA (als erster chinesischer Roman überhaupt) den Hugo Award gewonnen.
Die Geschichte spielt in China und auf dem Planeten Trisolaris. Die Handlung pendelt zwischen den Tagen der Kulturrevolution und Heute (Erde) sowie einer Abfolge von mehr als zweihundert Zivilisationen (Trisolaris) hin und her. Die Protagonisten sind – hier wie dort – Wissenschaftler, Militärs und Politiker, die jedoch – hier wie dort – auch noch ein „normales“ Leben besitzen.
Erzählt wird davon, wie zwischen diesen beiden Welten ein erster Kontakt hergestellt wird und was dieser Erstkontakt für Folgen haben könnte. Nun gibt es in der Science Fiction ja bereits eine ganze Reihe mehr oder weniger gelungener „First Contact“-Geschichten, aber wie Liu dieses Thema angeht, verspricht zu einer äußerst gelungenen Interpretation zu werden. Am Ende von DIE DREI SONNEN wurden den Lesern jedenfalls genug „Brotkrümel“ hingeworfen, damit sie ungeduldig auf ein baldiges Erscheinen der weiteren Bände warten.
Nicht zu Unrecht wirbt Heyne mit einem knallroten „Die Sensation aus China“-Aufkleber für das Buch. Cixin Liu erweist sich als Könner im Aufbau von Handlung und als hervorragender Geschichtenerzähler. Der Heyne Verlag hat den Text direkt aus dem Chinesischen übersetzen lassen und, neben einem Nachwort des Autors, auch einen Anhang beigegeben, in dem dankenswerter Weise einige Aussprachehilfen und kurzgefasste Begriffserklärungen zum Verständnis beitragen – denn manchmal wirkt die chinesische Kultur fremder als die der Trisolarier.

Horst Illmer

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Cixin Liu – Die drei Sonnen
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16. Januar 2017 5 Stimmen

Cixin Liu DIE DREI SONNEN. Roman. Aus dem Chinesischen von Martina Hasse (San Ti / 2006) München, Heyne, 2017, 591 S. ISBN 978-3-453-31716-1 Wenn wir – hier auf dem Planeten Erde – auf einer Party ein Glas loslassen, so fällt es unweigerlich zu Boden und hinterlässt eine Sauerei. Immer. Wenn wir morgen früh aufstehen, wird weiterlesen…

Aliens unter uns – die Trilogie des Tao

27. Dezember 2016 6 Stimmen

Aliens unter uns
Titel: Die Leben des Tao, Original: The Lives of Tao (2016/2013)    
Autor: Wesley Chu
Verlag: Fischer TOR
ISBN: 978-3-596-03487-6
und
Titel: Die Tode des Tao, Original: The Deaths of Tao (2016/2013)    
Autor: Wesley Chu
Verlag: Fischer TOR
ISBN: 978-3-596-03488-8

Wieso eine Trilogie besprechen, wenn erst zwei Bände erschienen sind?

Die Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man wie ich die ersten beiden Bände gelesen hat und der dritte erst im Februar 2017 erscheinen wird.

Seit Jahrmillionen nutzen außerirdische Tiere und Menschen als Wirte, nachdem der Absturz ihrer Raumschiffe sie gezwungen hatte, auf der Erde notzulanden. Diese Beziehung mussten die sogenannten Quasing eingehen, da ihr Überleben in der Erdatmosphäre unmöglich war. Aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihres technologischen Verständnisses konnten sie den Lauf der menschlichen Zivilisation beeinflussen, haben sich auf ihrem Weg in die Neuzeit aber in zwei konkurrierende Gruppen aufgespalten. Roen Tan, ein dicklicher IT-Administrator und Softwareentwickler, wird durch unglückliche Umstände zu einem Wirt für einen der bedeutendsten Quasing. Ein Quasing kann seinen Wirt nur verlassen, wenn dieser stirbt. Das Zusammenleben zwischen Quasing und Mensch muss von gegenseitigem Respekt getragen sein, damit sowohl Mensch als auch Quasing davon profitieren. Durch diesen Zufall gerät Roen mitten in den Konflikt der beiden außerirdischen Parteien. Nach Anpassungsschwierigkeiten auf beiden Seiten findet Roen sich mit seinem Schicksal ab, entflieht seinem alten Leben, widmet sich seiner neuen Rolle und gründet nebenbei eine Familie. Die beiden Gruppierungen streben danach die Menschen als Wirte zu benutzen, die den Lauf der Welt beeinflussen können. Roen Tan wird zum Geheimagenten, dessen Aufgabe darin besteht, Aktionen der gegnerischen Seite zu behindern oder ganz zu unterbinden.

Mit seinem Erstling, sowie dem zweiten Teil der Trilogie gelingt dem Autor ein unterhaltsamer, furioser Start. Der Cliffhanger im zweiten Band verspricht einen weiteren interessanten Roman. Dem Autor gelingt dabei nicht nur ein cooler Sci-Fi Thriller, sondern die Dialoge zwischen Quasing und Mensch würzen den Roman mit einer Prise Humor. Eine zusätzliche Tiefe verleiht der Autor dem Roman, in dem er verschiedene Quasing zu Beginn jedes Kapitels mit einem Rückblick auf ihre eigene Geschichte zu Wort kommen lässt.
Für mich spannende Unterhaltung, die mit einem Augenzwinkern durch die Weltgeschichte spaziert. Lediglich der Klappentext des zweiten Bands führt ein wenig in die Irre.
Sollte Fischer TOR so weiter machen, sind für mich noch einige interessante Romane zu erwarten.

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Wesley Chu – Das Leben des Tao
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27. Dezember 2016 6 Stimmen

Aliens unter uns Titel: Die Leben des Tao, Original: The Lives of Tao (2016/2013)     Autor: Wesley Chu Verlag: Fischer TOR ISBN: 978-3-596-03487-6 und Titel: Die Tode des Tao, Original: The Deaths of Tao (2016/2013)     Autor: Wesley Chu Verlag: Fischer TOR ISBN: 978-3-596-03488-8 Wieso eine Trilogie besprechen, wenn erst zwei Bände erschienen sind? Die weiterlesen…

High-Rise

24. Dezember 2016 3 Stimmen

high-riseJ. G. Ballard
HIGH-RISE. Roman.
Ü: Michael Koseler
(High-Rise / 1975)
Zürich, Diaphanes, 2016, 250 S.
ISBN 978-3-03734-932-8

Der englische Autor J. G. Ballard hat die Form der minimalistischen Katastrophen-Erzählung in vorher ungekannte Höhen geführt. In seinen Geschichten gibt es zumeist nur sehr wenig Handlung und kaum so etwas wie action, dafür erleben seine Figuren die ihnen zugefügten Heimsuchungen, Verletzungen, Plagen, Unfälle, Missgeschicke häufig als faszinierende Abfolge von Ereignissen, die sie nicht nur widerspruchslos hinnehmen, sondern oft auch noch voller Hingabe erwarten.
Nach mehr als dreißig Jahren „in Planung“ (so der Film-Produzent Jeremy Thomas) kam Anfang des Jahres 2016 die Verfilmung des Ballard-Klassikers HIGH-RISE in die Kinos, was nun wiederum der Diaphanes Verlag zum Anlass für eine Neuausgabe des Buches nahm.
In dem seit vielen Jahren vergriffenen near future-Hochhaus-Roman aus dem Jahr 1975 erreicht Ballards Kulturpessimismus ungeheure Ausmaße. Mehr als zweitausend Menschen schließen sich freiwillig in einem 40-stöckigen Betonkomplex ein und beginnen eine sinn- und erbarmungslose Orgie der gegenseitigen Zerstörung, die sämtlichen denkbaren Perversionen Raum zur Entfaltung bietet.
Auf höchstem stilistischem Niveau, und von Michael Koseler hervorragend übersetzt, betrachtet James Graham Ballard seine Mitmenschen wie im Reagenzglas einer chemischen Versuchsanordnung befindlich. Dieser Roman ist erbarmungslos und verstörend und gleichzeitig fesselnd und einzigartig.

Horst Illmer

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J. G. Ballard – High Rise
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24. Dezember 2016 3 Stimmen

J. G. Ballard HIGH-RISE. Roman. Ü: Michael Koseler (High-Rise / 1975) Zürich, Diaphanes, 2016, 250 S. ISBN 978-3-03734-932-8 Der englische Autor J. G. Ballard hat die Form der minimalistischen Katastrophen-Erzählung in vorher ungekannte Höhen geführt. In seinen Geschichten gibt es zumeist nur sehr wenig Handlung und kaum so etwas wie action, dafür erleben seine Figuren weiterlesen…

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