Tolle Einzelbände – Geschenktipps – Lesefutter für die Feiertage
am 13.12.2011 geschrieben von: burn
Der Kleine Prinz – Saint Exupery/Sfar
“Der kleine Prinz” des französischen Autors Antoine de Saint-Exupery ist ein Klassiker im besten Sinne: Seit über 60 Jahren fasziniert das moderne Märchen über Freundschaft und Menschlichkeit junge wie alte Leserinnen und Leser und übt eine ungebrochene Anziehungskraft aus. Ebenso poetisch wie Saint-Exuperys Erzählung ist die Comic-Adaption von Joann Sfar, einem der bekanntesten und profiliertesten französischen Comiczeichner der Gegenwart. Mit seinem feinen und unverwechselbaren Strich verleiht er der Geschichte Saint-Exuperys neue und faszinierende Bilder.
In Frankreich wurde der Band begeistert aufgenommen und 2008 im Rahmen des wichtigsten europäischen Comicfestivals in Angoulême als beste Graphic Novel für junge Leser ausgezeichnet.
Fritz Haarmann, einer der brutalsten Serienmörder Europas, arbeitete als Spitzel für die hannoversche Polizei. Nacht für Nacht durchstreifte er die Wartesäle des Bahnhofs auf der Suche nach jungen, allein reisenden Männern. Mit Hilfe seines Polizeiausweises konnte er das Vertrauen seiner Opfer erlangen. Er führte sie in seine Wohnung, vergewaltigte sie und biß ihnen im Sexualrausch die Kehle durch. Obgleich es über Jahre immer wieder Anzeigen gegen Fritz Haarmann gegeben hat, konnte er ungehindert sein mörderisches Treiben fortsetzen, gedeckt von der Polizei und umkreist von skrupellosen Schmarotzern, die aus Haarmanns Treiben ihren Vorteil gezogen haben. Eine unheimliche Geschichte in düster-beklemmenden Bildern.
Ein Vertrag mit Gott/Lebensbilder/New York – Eisner
Will Eisner gilt als der Erfinder der Graphic Novel, des anspruchsvollen Comicromans. In drei umfangreichen Sammelbänden legt Carlsen nun seine wichtigsten Geschichten als »Will Eisner Bibliothek« vor.
Herzstück des ersten Bandes ist »Ein Vertrag mit Gott«, eine lose Kette literarischer Miniaturen, die in ihrer Gesamtheit ein Bild der Großstadt New York und ihrer Bewohner in den 1930er Jahren zeichnet. Bei Erscheinen 1978 brachen Eisners anspruchsvolle Comic-Erzählungen in Buchform mit sämtlichen damals gängigen Konventionen – heute gilt »Ein Vertrag mit Gott« als einer der Graphic-Novel-Klassiker schlechthin. Ergänzt wird dieses Meisterwerk durch die thematisch passenden Comic-Romane »A life force« und »Dropsie Avenue«.
Die FAZ nannte Will Eisner »Amerikas wichtigsten Zeichner«, und Carlsen sieht ihn als unverzichtbaren Sockel des Graphic-Novel-Programms.
BLANKETS gehört zweifelsohne zu den besten und beeindruckendsten Comicromanen der letzten Jahre. Dieses opulente Werk von Craig Thompson hat sowohl Leser als auch Kritiker begeistert und neue Horizonte eröffnet. Mit Bildern voller Schönheit erzählt der Autor bewundernswert offen von der Enge seiner fundamental christlich geprägten Kindheit und Jugend: Keine Popmusik, kein Fernsehen – dafür Eltern und eine Sonntagsschullehrerin, die ganz genau wissen, wie Himmel und Hölle aussehen. Doch eines Tages tritt das Mächen Raina in Craigs Leben und soll es für immer verändern! Mit mitreißender Klarheit schildert Thompson in seiner bittersüßen Liebesgeschichte sämtliche Zweifel, Ängste und Glücksgefühle und erinnert seine Leser daran, wie Verlieben sich anfühlt.
Trucker, Kaputt in der City, Kalter Krieg, Die Wahrheit über Shelby, Die Haie von Lagos – die 1980er gehörten Matthias Schultheiss. Auf dem »Umweg« über Frankreich eroberte der Hamburger die Comicwelt mit außergewöhnlichen Storys, die zwischen bittersüßer Melancholie und brachialer Härte neues Terrain erschlossen. Nun kehrt Schutheiss zurück und legt eine 288seitige Graphic Novel vor, die einmal mehr beweist, dass er zu den ganz großen Erzählern des Mediums gehört. Die Reise mit Bill erzählt von Luke und seiner Tochter Tweety, die ziellos auf den Straßen Amerikas unterwegs sind und auf das eine, entscheidende Ereignis warten, das ihr Leben verändert. Als sie dem Krüppel Bill begegnen ahnen sie noch nicht, dass er ihrem Schicksal die Wende geben wird. Es ist der Auftakt eines großen, elegischen Abenteuers zwischen Traum und Realität, nach dem nichts mehr ist wie zuvor.
- Kategorie: Comics, dt. Comics, US Comics
- Schlagwörter: Comics, Einzelband, Geschenktipp, Graphic Novel, Tipps, Weihnachtstipp
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Ein alter Mann, ein Superheld, immer noch unverwundbar, zumindest äusserlich. Aber sein Herz macht schlapp und er hat wenig Zeit die Welt noch in Ordnung zu bringen.
Im Laufe der Jahrzehnte sind in den USA unzählige Comics erschienen. Ein großer Teil davon ist den Superhelden gewidmet. Unter diesen gibt es einige wenige wirkliche Klassiker. So beispielsweise „Watchmen“ der beiden Briten Alan Moore und Dave Gibbons. Das in der Überschrift verwendete Zitat spiegelt Wirkung und Bedeutung der Wächter sehr gut wider. Es stammt von einer jungen Dame die erst kürzlich in die Welt von Nite-Owl, Rorschach und Co. abgetaucht ist. „Watchmen“ entstand zwischen 1986 und 1987 und ist in mancher Hinsicht ein Spiegel seiner Zeit. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion war noch nicht vorbei. Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich nur wenige Monate vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe von „Watchmen“. Die Angst vor einer Eskalation des Kalten Krieges, die Angst vor einem Atomkrieg, gehören zu den vorherrschenden Themen dieses Klassikers. Angesprochene junge Dame ist gerade 20 Jahre alt. Einen Tag nach ihrer Geburt wurde der Kalte Krieg formell beigelegt. Der Ostblock befand sich in der Auflösung und die unterschwellige Furcht vor einem atomaren Konflikt der beiden Supermächte war vom Tisch. Obwohl sie diese Zeit nur aus dem Geschichtsunterricht kennt und ihr die Stimmung in den 80ern, die selbst junge Kinder wie der Verfasser dieses Artikels zumindest ansatzweise mitbekommen haben, vollkommen unbekannt ist, hat „Watchmen“ diese Wirkung auf sie gehabt. Sicher, auch heute gibt es in unserer Welt zuhauf schwelende Konflikte. Aber dennoch ist es anders. Nicht zuletzt durch das Internet. Unsere Möglichkeiten sich umfassend zu informieren sind sehr viel größer als Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. So können wir viel mehr Neuigkeiten erhalten, diese miteinander vergleichen und zu ganz anderen Schlüssen kommen. Dennoch hatte „Watchmen“ diese Wirkung auf eine nicht nur sehr junge Frau sondern auch eine, die erst seit wenigen Jahren Comics liest.
Das liegt zum einen natürlich daran, dass die Geschichte der Wächter mehr als nur die Furcht vor einem nuklearen Holocaust zu bieten hat. Da wären z. B. Dan Dreiberg und Laurie Juspeczyk. Dan lebt einsam vor sich hin seit er seine Rolle als Nite-Owl aufgeben musste. Er sehnt sich nach mehr hat aber zunächst nicht den Mut etwas zu tun. Sein Leben ohne die Maske ist trist und leer. Lauries Leben wurde von einer dominanten Mutter bestimmt die selber nicht ohne Fehler ist. Sie fühlt sich zu einem Mann hingezogen, der gottgleiche Kräfte besitzt sich aber immer mehr von der Welt entfremdet. Ausgerechnet der schüchterne Dan, der ohne seinen Stimulus, ohne die Maske, gar an Potenzproblemen leidet, und Laurie, die sich eher über ihre Beziehungen zu Dr. Manhattan oder ihrer Mutter definiert hat, finden zusammen. Alan Moore beschreibt die Entwicklung dieser beiden, fast schon deren Erwachsenwerden, stets behutsam und gefühlvoll. Dieses Gespür für seine Figuren zeichnet Moore seit jeher aus. Man kann es in seinen Frühwerken wie „Miracleman“ bereits erkennen. Der interessierte Leser wird es in seiner fast schon legendären Strecke an „Swamp Thing“ wiederfinden. Und natürlich findet man es auch in neueren Arbeiten wie „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“. In dieser Hinsicht ist der 1953 geborene Engländer unbestritten ein Meister. Dennoch ist „Watchmen“ formal nur eine weitere Superheldengeschichte. Das alleine kann doch unmöglich ausreichen, um die Zeitlosigkeit von „Watchmen“ zu erklären. Und so ist es auch nicht.
Alan Moore ist ein Künstler unter den Comicautoren. Seit jeher war es ihm ein Anliegen, mit den Möglichkeiten des Mediums Comic zu experimentieren. Andere Autoren haben versucht, die Mittel des Films auf ihr Gebiet zu übertragen. Mal mehr und mal weniger erfolgreich. Moore wollte das nicht. Er wollte an die Grenzen des im Comic machbaren gehen. Je weniger sich das Ergebnis in einen Film umsetzen lässt, desto besser. Die vorliegende Geschichte ist ein Paradebeispiel für diese Herangehensweise. Eine zurecht gefloppte Verfilmung von „Watchmen“ gibt dem Autor recht. Viel zu oft werden die Zeichnungen von Dave Gibbons nach einem ersten Blick als hässlich und unästhetisch abgetan. Dabei wird verkannt was er in „Watchmen“ in Zusammenarbeit mit Alan Moore geleistet hat. Gibbons ist ein Geschichtenerzähler. Angefangen bei der Panelaufteilung bis hin zum einzelnen Bild hat das gesamte Artwork in „Watchmen“ einen tieferen Sinn. Alles soll einen bestimmten Effekt erzielen. So hat z. B. jedes der zwölf Kapitel ein eigenes, immer wieder auftauchendes Motiv. Im ersten Kapitel wäre das der Smiley-Button, im dritten das Symbol für Radioaktivität, im sechsten der Rorschachtest.. Kapitel V verdient einen genaueren Blick. Natürlich haben wir auch hier wieder das Motiv (einen Totenschädel und Spiegelbilder). Besonderes Augenmerk müssen wir in diesem Kapitel aber auf die Panelaufteilung legen. Gibbons arbeitet hier quasi mit einem Spiegel. So ist die letzte Seite gewissermaßen eine Reflektion der ersten Seite, die vorletzte eine der zweiten Seite… Der Titel dieses Kapitels lautet im Original „Fearful Symmetry“ (nach William Blake). Alle Titel in „Watchmen“ sind Zitatfragmente. Und all diese Zitate werden im jeweiligen Kapitel in Story und Bildern eingefangen bevor es am Ende eines jeden Kapitels eine vollständigere Version des Zitats gibt. So finden wir Songtexte von Bob Dylan oder Elvis Costello, den bereits angesprochenen William Blake aber auch Stellen aus der Bibel die von Moore und Gibbons treffend umgesetzt wurden.
Das Problem am Schreiben, für Blog oder Rezensionen im Newsletter ist, dass man, je länger man nichts geschrieben hat, der Einstieg immer schwerer wird. Heißt, man schiebt es raus, weil man sich schwer tut, den Einstieg wieder zu finden, Teufelskreis.




Nach der Roman- und diversen Film-Editionen nun also eine Graphic Novel-Edition in der SZ Bibliothek. Unter dem Motto „Literatur trifft Illustration“ hat die Feuilletonredaktion der Süddeutschen Zeitung zehn Graphic Novel-Titel für ihre Edition SZ Bibliothek ausgesucht – und dabei mehr als nur gute Arbeit geleistet.
Neben unbedingten Klassikern wie Will Eisners EIN VERTRAG MIT GOTT sind in der Reihe auch neuere Titel wie SHENZEN oder GIFT enthalten. Längst vergriffene Comic-Perlen wie BLEI IN DEN KNOCHEN kann man sich da genauso zum günstigen Preis ergattern wie den anspruchsvollen Manga VERTRAUTE FREMDE oder die Comic-Reportage PALÄSTINA.