Tolle Einzelbände – Geschenktipps – Lesefutter für die Feiertage Teil 2

am 20.12.2011 geschrieben von:

DADDY – Schultheiss

Fast zweitausend Jahre nach seinem Tod am Kreuz wandelt Gottes Sohn erneut über die Erde; diesmal im Körper eines übergewichtigen blinden Penners, dessen „Führer“ ein kleinwüchsiger Höllendämon mit Narrenkappe und gestutztem Oberlippenbärtchen ist. Jesus hadert mit seinem Schicksal, er ist unzufrieden und versucht, seinem „Daddy“ eine Antwort auf die Frage aller Fragen zu entlocken: Warum leiden auf dieser Welt vor allem die Kinder? Überwältigt von einem endlosen Schmerz, flüchtet sich Jesus in Drogenräusche – doch die Linderung währt nur allzu kurz. Seine Qualen erreichen Dimensionen, die selbst den Dämon nicht unberührt lassen. Als jedoch die Vertreter Gottes auf Erden von der Wiederkunft Jesu erfahren, beginnen sie mit einer gnadenlosen Hetzjagd … Matthias Schultheiss erzählt eine zeitlos-unzeitgemäße Geschichte in Bildern von unmittelbarer Wucht, Schönheit und Größe. Seine Beherrschung der Comic-Kunst ist universell, seine Farbpalette grandios, seine Seitenaufteilung genial: DADDYist ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass Matthias Schultheiss zu den wenigen deutschen Künstlern gehört, deren Werk auch international bestehen kann – und es ist ein explizites Statement für ein engagiertes Aufgreifen schwieriger und schmerzhafter Themen in einem Medium, das immer noch eher für seine Superhelden und Witzfiguren bekannt ist, als für solch einen Gang durch die Hölle menschlichen Lebens.

Lust und Glaube – Jodorowsky/Möbius

Auch das französisch-chilenische Dream-Team des Hochglanz-Comics, Alejandro Jodorowsky und Moebius, hat sich mit der Wiederkunft des Erlösers beschäftigt. Naturgemäß auf völlig andere Weise als Schultheiss – und fast zwanzig Jahre früher. Zwischen 1992 und 1998 erschien erstmals ihre „Albin Mangel“-Trilogie, in der ein älterer französischer Philosophie-Professor den Aufbruch der 68er-Generation mehr oder weniger freiwillig mitmacht und dabei nicht nur sexuell und spirituell über sich hinauswächst. Unter dem Titel LUST & GLAUBE ist diese grellbunte Tour de Force nun bei Schreiber & Leser neu erschienen.

Der Ewige Krieg – Haldemann/Marvano

Einer der wichtigsten Science-Fiction-Romane der 70er Jahre war THE FOREVER WAR (dt. als DER EWIGE KRIEG) von Joe Haldeman. Der belgische Comiczeichner Marvano schuf in Zusammenarbeit mit Haldeman dann Ende der 80er Jahre mit LE GUERRE ETERNEL eine dreiteilige Comicadaption, die in grandiosen Bildern die Geschichte um den „ewigen Soldaten“ William Mandella und seine selbst den ewigen Krieg überdauernde Liebe zu seiner Mitstreiterin Marygay Potter erzählt. Jetzt ist bei Carlsen ein sehr gut gemachter Hardcover-Sammelband von DER EWIGE KRIEG erschienen, der auf 170 Seiten nicht nur die drei Teile des Originalcomics enthält, sondern auch ein Vorwort von Joe Haldeman und den Briefwechsel der Künstler.

Zeit der Asche – Segur

Nach dem Tod des Zwergenkönigs fasst der Zwergenrat einen Beschluss: Die drei mutigsten Krieger – Noren, Aren und Oten –, sollen den neuen König Raken in dem fernen Land Erwandor suchen und nach Hause geleiten. Doch ist es dem Trio unmöglich, diese lange und beschwerliche Reise allein zu meistern, und so machen sie sich zunächst auf die Suche nach Verbündeten. Unter anderem gesellt sich der Gauner Firfin zu ihnen, der es vor allem auf den kostbaren Sand der Zwerge abgesehen hat. Und der Krieger Morkai, der leider nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen ist und die Gefährten ein ums andere Mal in arge Bedrängnis bringt.
Die klassische Trilogie von Chevalier und Ségur entführt in eine grausame Welt voller bizarrer Wesen, die so gar nicht den pastoralen Gefilden herkömmlicher Fantasy-Stoffen ähnelt.
Eine einzigartige Fantasy-Vision,in einem umfangreichen Band!

Tolle Einzelbände – Geschenktipps – Lesefutter für die Feiertage

am 13.12.2011 geschrieben von:

Der Kleine Prinz – Saint Exupery/Sfar

“Der kleine Prinz” des französischen Autors Antoine de Saint-Exupery ist ein Klassiker im besten Sinne: Seit über 60 Jahren fasziniert das moderne Märchen über Freundschaft und Menschlichkeit junge wie alte Leserinnen und Leser und übt eine ungebrochene Anziehungskraft aus. Ebenso poetisch wie Saint-Exuperys Erzählung ist die Comic-Adaption von Joann Sfar, einem der bekanntesten und profiliertesten französischen Comiczeichner der Gegenwart. Mit seinem feinen und unverwechselbaren Strich verleiht er der Geschichte Saint-Exuperys neue und faszinierende Bilder.
In Frankreich wurde der Band begeistert aufgenommen und 2008 im Rahmen des wichtigsten europäischen Comicfestivals in Angoulême als beste Graphic Novel für junge Leser ausgezeichnet.

Der kleine Prinz

Saint Exupery/Sfar

Carlsen Gebunden, €14,90

Haarmann – Meter/Kreitz

Fritz Haarmann, einer der brutalsten Serienmörder Europas, arbeitete als Spitzel für die hannoversche Polizei. Nacht für Nacht durchstreifte er die Wartesäle des Bahnhofs auf der Suche nach jungen, allein reisenden Männern. Mit Hilfe seines Polizeiausweises konnte er das Vertrauen seiner Opfer erlangen. Er führte sie in seine Wohnung, vergewaltigte sie und biß ihnen im Sexualrausch die Kehle durch. Obgleich es über Jahre immer wieder Anzeigen gegen Fritz Haarmann gegeben hat, konnte er ungehindert sein mörderisches Treiben fortsetzen, gedeckt von der Polizei und umkreist von skrupellosen Schmarotzern, die aus Haarmanns Treiben ihren Vorteil gezogen haben. Eine unheimliche Geschichte in düster-beklemmenden Bildern.

Haarmann

Meter/Kreitz

Carlsen Gebunden, €19,90

Ein Vertrag mit Gott/Lebensbilder/New York – Eisner

Will Eisner gilt als der Erfinder der Graphic Novel, des anspruchsvollen Comicromans. In drei umfangreichen Sammelbänden legt Carlsen nun seine wichtigsten Geschichten als »Will Eisner Bibliothek« vor.
Herzstück des ersten Bandes ist »Ein Vertrag mit Gott«, eine lose Kette literarischer Miniaturen, die in ihrer Gesamtheit ein Bild der Großstadt New York und ihrer Bewohner in den 1930er Jahren zeichnet. Bei Erscheinen 1978 brachen Eisners anspruchsvolle Comic-Erzählungen in Buchform mit sämtlichen damals gängigen Konventionen – heute gilt »Ein Vertrag mit Gott« als einer der Graphic-Novel-Klassiker schlechthin. Ergänzt wird dieses Meisterwerk durch die thematisch passenden Comic-Romane »A life force« und »Dropsie Avenue«.
Die FAZ nannte Will Eisner »Amerikas wichtigsten Zeichner«, und Carlsen sieht ihn als unverzichtbaren Sockel des Graphic-Novel-Programms.

Ein Vertrag mit Gott

Eisner

Carlsen Gebunden, € 36,-

Blankets – Thompson

BLANKETS gehört zweifelsohne zu den besten und beeindruckendsten Comicromanen der letzten Jahre. Dieses opulente Werk von Craig Thompson hat sowohl Leser als auch Kritiker begeistert und neue Horizonte eröffnet. Mit Bildern voller Schönheit erzählt der Autor bewundernswert offen von der Enge seiner fundamental christlich geprägten Kindheit und Jugend: Keine Popmusik, kein Fernsehen – dafür Eltern und eine Sonntagsschullehrerin, die ganz genau wissen, wie Himmel und Hölle aussehen. Doch eines Tages tritt das Mächen Raina in Craigs Leben und soll es für immer verändern! Mit mitreißender Klarheit schildert Thompson in seiner bittersüßen Liebesgeschichte sämtliche Zweifel, Ängste und Glücksgefühle und erinnert seine Leser daran, wie Verlieben sich anfühlt.

Blankets

Thompson

Carlsen Gebunden, € 38,-

Reise mit Bill – Schultheiss

Trucker, Kaputt in der City, Kalter Krieg, Die Wahrheit über Shelby, Die Haie von Lagos – die 1980er gehörten Matthias Schultheiss. Auf dem »Umweg« über Frankreich eroberte der Hamburger die Comicwelt mit außergewöhnlichen Storys, die zwischen bittersüßer Melancholie und brachialer Härte neues Terrain erschlossen. Nun kehrt Schutheiss zurück und legt eine 288seitige Graphic Novel vor, die einmal mehr beweist, dass er zu den ganz großen Erzählern des Mediums gehört. Die Reise mit Bill erzählt von Luke und seiner Tochter Tweety, die ziellos auf den Straßen Amerikas unterwegs sind und auf das eine, entscheidende Ereignis warten, das ihr Leben verändert. Als sie dem Krüppel Bill begegnen ahnen sie noch nicht, dass er ihrem Schicksal die Wende geben wird. Es ist der Auftakt eines großen, elegischen Abenteuers zwischen Traum und Realität, nach dem nichts mehr ist wie zuvor.

Reise mit Bill

Schultheiss

Splitter Gebunden, € 29,80

Der Alltägliche Kampf – Tipp von Chainsaw

am 1.12.2011 geschrieben von:

Wie geht man an ein Comic heran, dem man hoffnungslos verfallen ist und es bereits nach 5 Tagen zum 2ten mal komplett gelesen hat? Das man ungefragt jedem im Umfeld aufs Auge drückt und ihn quasi zum Lesen nötigt. Reine Lobhudelei oder peinliches Geschleime kann dabei herauskommen. Eine ordentliche Zusammenfassung eher nicht. Aber brauchen wir sowas denn überhaupt? Eine brave Inhaltsangabe in verständlichem Schuldeutsch? Jubelschreie und Enthusiasmus sind mir eigentlich lieber. Wenn Jan Wigger auf Spiegel Online Musik bespricht, dann tut er das zuvorderst als Musikbegeisterter und als Hüter des guten, seines guten Geschmacks. Damit eckt er an und provoziert und erhält die Aufmerksamkeit, die er sich für dieses Stück Kunst wünscht. Auseinandersetzung ist ihm wichtig, Beschäftigung, nicht die reine Zustimmung/Ablehnung.
Daher: “Der alltägliche Kampf” ist das beste Comic was ich seit Jahren gelesen habe. Es berührt, geht unter die Haut, regt an, stimmt traurig, nachdenklich und fröhlich. Es ist zum lachen, zum weinen und zum laut: JAAAAA! schreien.
Die Figuren schauen zunächst aus, als wären sie aus einem Walter Moers Comic gepurzelt, bekommen aber, weil ihnen das “wirkliche Leben” widerfährt vielleicht genau deshalb die nötige Tiefe und wirken umso realer.
Mehr an Inhalt braucht es nicht, infiziert euch selbst damit.
Nur die Zeit, die würde ich gerne etwas zurückdrehen, um dieses (Achtung jetzt kommt das peinliche Geschleime & das reine Lobgehudele) hammermäßig, großartige, anbetungswürdige Meisterwerk noch einmal frisch und Neu  erleben zu dürfen.

Manu Larcenet: Der alltägliche Kampf

Reprodukt

€ 29,90

Freunde der grafischen Novelle aufgepasst

am 20.07.2011 geschrieben von:

Es gibt wieder ein paar neue Graphic Novels, die empfehlenswert sind. Da ist zum Beispiel die neue Arbeit des Italieners Manuele Fior: “Fünftausend Kilometer in der Sekunde”. Es ist einfach erstaunlich, wie sich Fior mit jedem Titel weiterentwickelt.

In seinem neuen Buch geht es um drei Jugendliche, deren Wege sich zunächst kreuzen und dann wieder trennen. Fior verfolgt in großen Zeitsprüngen die Schicksale des zurückhaltenden Piero und von Lucia. Er illustriert seine Geschichte in wunderschönen Aquarellfarben, die Fior direkt aufzutragen scheint. Clever erzählt, interessante Charaktere, stimmungsvolle Farben!

 

 

Streng genommen vielleicht keine Graphic Novel, aber kunstvolle Zeichungen und eine grandios erzählte Geschichte enthält “Mattéo” von Jean-Pierre Gibrat allemal. Nun ist der zweite und abschließende Band “Zweiter Teil 1917-1918″ erschienen.

Gibrat erzählt mit Augenzwinkern die Geschichte des spanischen Titelhelden, der mit seiner Mutter in Frankreich lebt. Um Juliette zu imponieren meldet er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig und im zweiten Band verschlägt es ihn als Anarchisten nach Russland, um dort die Revolution zu unterstützen. Amüsant, hintergründig, toller Strich!

 

 

“Kein Blick zurück” stammt von dem spanischen Newcomer Dani Montero. Für sein Debüt wurde gleich ausgezeichnet (der Jury war Miguelanxo Prado beigesessen). Der Animationskünstler und Illustrator hat sich nun auch in die Comicwelt gewagt – mit Erfolg!

Montero erzählt mit dynamischem Strich die Geschichte von Jamie und seinem Hund Toby. Nachdem seine Beziehung zu Bruch geht, will er sein Leben nochmal von vorn beginnen. Doch aller Anfang gestaltet sich schwer. Montero überrascht seine Leser, indem er eine ungewohnte Wendung einschlägt. Leichtfüßig gezeichnet, gut konstruiert!

 

 

Baru ist zurück! In “Hau die Bässe rein, Bruno” schöpft der Franzose wieder aus den Vollen. Ein junges afrikanisches Fußballtalent fliegt illegal nach Frankreich, um dort seinen Traum vom Profisport zu verwirklichen endet aber als Hilfsarbeiter.

Ein Ex-Häftling will nach Jahren der Haft noch einmal einen großen Coup landen. Dafür braucht er die Hilfe eines Spezialisten. Doch der perfekte Plan geht nur zur Hälfte auf und die Wege der unterschiedlichen Charaktere kreuzen sich.  Baru at his best – wer ihn noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen!

 

 

Jeff Lemires “Essex County”-Trilogie geht in die zweite Runde. Mit “Geister Geschichten” ist nun die melancholisch-schöne Erinnerungsgeschichte um einen gealterten Hokey-Spieler auch auf Deutsch erschienen.

Als Alkoholiker und Pflegefall entführen den Ex-Profisportler Szenen aus dem trostlosen Alltag in seine bewegte Vergangenheit. Lemire erzählt in cineastischen Schwarzweißbildern von Enttäuschung, Schuld, Sühne, Verlust, aber auch von Erfolg und Liebe. Markanter Strich, cineastische Illustrationen, ergreifende Story!

 

 

Generation Coupland Plus1

am 7.03.2011 geschrieben von:

Okay, ich hatte jetzt ein paar Tage Zeit und hab mich endlich mal an einige Bücher gesetzt, die ich vor mir hergeschoben hatte. Bei manchen wohl zurecht, aber einige echte Schmankerln sind dabei herausgekommen. Das erste Buch, das mir dabei aufgefallen ist, ist eine absolut gelungene Mischung aus gut lesbarer, nachdenklicher SF. Ein wenig Aqua TM, ein bisschen Doctorow, ein Buch für wirklich Alle. Kein als All Ager getarntes Jugendbuch, sondern ein erwachsenes Buch, dass trotzdem auch für interessierte Jugendliche perfekt passt.

 

1991 erschien Generation X. Damals beschrieb Coupland eindrucksvoll verschiedene Seelenzustände einer Generation – der er selbst fast angehörte.

Zwanzig Jahre später bezieht sich Coupland mit dem Titel seines neuen Episodenromanes auf den Titel von damals und auf ein Zitat von Vonnegut, das im Vorwort für alle nachzulesen ist. Er bezeichnet die Generation mit A, denn aus jedem Ende resultiert ein Neuanfang. Und so nennt Coupland sein neues Werk „Generation A“ und drückt damit Hoffnung aus. Schluss mit dem fatalistischen Weltuntergangsgewäsch, es gibt ein Morgen.

Aus der Sicht von fünf unterschiedlichen Charakteren erzählt er diese Geschichte. Fünf Ich-Erzähler, fünf Gesellschaftsgruppen, fünf Fragmente, die eine schreckliche Welt vor dem Leser entstehen lassen. In ein paar Jahren, oder fast schon jetzt, hier und heute.

Coupland schreibt sehr durchdacht und bewusst, ohne dabei konstruiert zu wirken. Die Charaktere sind authentisch, auch wenn der Autor nicht mehr ganz ;-) der Generation angehört. Sein Stil wandelt sich im Verlauf des Buches und wächst mit den Protagonisten.

Der Roman ist sicher nicht ganz große Literatur und auch sicher nicht das beste, was ich im Bereich naher Zukunftsvisionen gelesen habe, aber der Autor schafft es brilliant, wirklich philosophische Gedanken und ein abstrus, schräges Szenario in einen gut lesbaren Kontext zu packen und macht das Buch dadurch zu einem wirklich tollen Buch für alle.

Trotzdem ist Couplands Roman nicht die befürchtete Weichspüler-Version. Die Welt bleibt dreckig und kaputt, nur ist eben nicht alle Hoffnung verloren. Solange es Menschen gibt, die Gutes bewirken wollen, kann auch Gutes geschehen. Und manchmal muss man solche Dinge eben erst lernen. Das Ende ist sicher angreifbar, aber es ist Teil dessen, was das Buch trotz der bitteren Pillen zu einem gut verdaulichem Buch für Viele macht. Eine hohe Verbreitung solcher Themen ist mir tausend mal lieber, als ein elitäres Werk, das nicht gelesen wird. Denn lesenswert sind alle Gedanken des Buches in jedem Fall.

Auch im Deutschen. Die Übersetzung ist über weite Strecken wirklich gelungen, wären da nicht ein paar unglaubliche Aussetzer. Man muss sich wohl auch bei Verlagen wie Klett Cotta im Zeitalter des reinen Kapitalismus daran gewöhnen, dass es kein Lektorat mehr gibt.

Zwei klitzekleine Beispielchen seien mir gegönnt. Ich will das Buch auch wirklich nicht runtermachen. Es ist trotzdem toll!

Seite 82 Zeile 7 „…das Essen hier saugt.“ (Das saugt wirklich!)

Seite 280 Zeile 5 „…wie man sie mit etwas Sprudelwasser und Rubbeln wegbekäme.“ (So, da sollte wohl was anderes stehen, Soda? ;-) )

Generation A

Douglas Coupland

Tropen bei Klett Cotta € 19,95

Zwei Indie-Comic-Tipps

am 1.02.2011 geschrieben von:

Der Kanadier Jeff Lemire hat bereits mit SUPERBOY (DC) und SWEET TOOTH (Vertigo) im Superhelden-Genre Fuß fassen können. In der Edition 52 ist nun seine geniale Trilogie ESSEX COUNTY erschienen. Mit „Geschichten vom Land“ beginnt die eine einfühlsame Geschichte in der fiktiven Stadt Essex County, Ontario in Kanada.

Der zehnjährige Lester hat seine Eltern verloren und lebt bei seinem Onkel Kenny, dem er bei der Farmarbeit hilft. In der Einöde ist sonst nicht viel los – bis der Tankstellenbesitzer Jimmy Lebeuf in sein Leben tritt. Der Ex-NHL-Hockey-Profi flüchtet mit Lester in eine Welt aus Superhelden, außerirdischen Invasoren und Eishockey.

Als erster Comic überhaupt ist ESSEX COUNTY beim jährlichen “Canada reads”-Buchwettbewerb unter die Top 5 gekommen. Völlig zurecht. Mir hat nicht nur die grandiose Story gefallen, sondern auch der harte Strich und die holzschnittartigen Schwarzweißzeichnungen. Witzig fand ich auch den eingebauten Superhelden-Strip “von Lester”.  Unbedingt lesen!

Essex County 1: Geschichten vom Land

Jeff Lemire

Edition 52, € 11,00

2010 ist in der Edition 52 außerdem auch die witzige Graphic Novel UNVERGESSENE ZEITEN erschienen. Alex Robinson hat ja schon mit AUSGETRICKST einen tollen Comic gemacht. Nun schickt er seinen Anti-Helden per Hypnose nochmal in dessen Teenie-Alter zurück.

Damit Andy Wicks das Rauchen aufgibt, schickt ihn seine Frau zum Hypnotiseur. Alles andere hilft ja nicht. Da das Übel an der Wurzel gepackt werden muss, wird er vor die unüberwindbare Aufgabe gestellt, seine erste Kippe abzulehnen. Nur dann kann er das Qualmen aufhören. Also ab in die High School-Zeit!

Mit reduziertem Strich, passenden Schwarzweißzeichnungen und jeder Menge graphischer Einfälle erzählt Robinson seine aberwitzige Zeitreise-Story. Nochmal Teenie? Nein danke! Auch Robinson wurde wie Lemire mit haufenweise Preisen ausgezeichnet.

Unvergessene Zeiten

Alex Robinson

Edition 52, € 12,00

Local Heroes: Christian Endres

am 3.01.2011 geschrieben von:

Christian EndresUm euch den nächsten Local nahezubringen, der am 15.01.11 bei uns signiert, gibt es hier einen Gastbeitrag von Oliver L.:

Für den Band „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“ erhielt Christian 2010 den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie „Beste Original-Anthologie“. Insofern, und da mir die Holmes-Sammlung vorzüglich gefallen hat, war meine Erwartungshaltung an “Die Zombies von Oz” natürlich entsprechend groß.

Ob der Band diesen Erwarungen gerecht werden konnte? Zunächst muss ich sagen, dass ich nie ein sonderlich großer Fan von Zombies oder eben “The Wizard of Oz” war. Letzteres ist ja das große Thema der vorliegenden Anthologie und Zombies kommen dankenswerter Weise nur selten vor. Die titelgebende und längste Erzählung eröffnet den Reigen. Es beginnt sehr westernartig, Fans der Cowboys, Outlaws und Revolverhelden dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, bevor es Frank (dem Westernhelden) und Dorothy nach Oz verschlägt. In vielerlei Hinsicht gibt diese Geschichte auch den Grundton des Buches vor, der oft überraschend böse, fast schon zynisch ist. Das gilt besonders für den Opener, “Kein Abschied hält für ewig” (mein persönlicher Favorit) und “Hoffnung und Voodoo” die nach dieser Betrachtungsweise auch von Ambrose Bierce, Clark Ashton Smith oder Thomas Ligotti hätten stammen können (also drei meiner Lieblingsautoren). Stilistisch fährt Endres natürlich in einem vollkommen anderen Wasser als diese drei. So gibt es wie bei “Sherlock Holmes… ” auch hier wieder einige Anspielungen auf andere Bereiche der Literatur. Das ist natürlich entschieden ein Vorteil, denn einen simplen Aufguss des “Uhrwerks des Todes” braucht niemand.

Die dreizehn Geschichten (vierzehn wenn man die Leseprobe aus “Sherlock Holmes… ” mitzählt) erzählen keine fortlaufende Handlung. Gleichzeitig gibt es ein oder zwei Erzählungen, die man in eine bestimmte Chronologie bringen könnte, aber das legt der Autor in die Entscheidungsgewalt seiner Leser.

Gelegentlich fordert Christian Endres seinen Lesern einiges an Aufmerksamkeit ab, um wirklich jede Anspielung zu finden (mir selber entging in einer der Geschichten die WickedWitch im Onlinechat).

Wie beim Vorgänger so wird auch diese Sammlung mit einigem Bonusmaterial abgerundet. Da wären z. B. die schon erwähnte Geschichte aus “Sherlock Holmes… ” (natürlich das Crossover mit “The Wizard of Oz”) und ein Artikel über L. Frank Baum und Oz, der zuvor schon in “Nautilus” und “zitty” abgedruckt wurde.

Von meiner Seite erhält das Buch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Die Zombies von Oz

Christian Endres

Atlantis Verlag, 2010 Paperback € 13,90

Local Heroes: Horst Illmer

am 30.12.2010 geschrieben von:

Horst Illmer ist Urgestein in der Phantastik Szene Würzburg. Bereits am Entstehen des legendären “Cosmonaut”,  von Herausgeber Michi Kunath, war Horst Illmer seinerzeit beteiligt. In den “guten alten Zeiten”, als es in Würzburg noch SF-Stammtische, Tauschtage und gedruckte Fanzines gab, war Horst bereits immer dabei.

In einer Zeit, an die ich mich nur schemenhaft erinnern kann, in der Gäste wie Michael Moorcock, Cherry Wilder, Helmut Wenske und Dennis Scheck (damals aber noch nicht wirklich als Ehrengast, sondern eher als Dreikäsehoch ;-) ) unsere Börsen und Stammtische besucht haben, als es noch organisierte Fahrten zu den großen SF-Conventions und zum Besuch anderer “Ortsverbände” gab, da hat Horst schon fleißig mitgemischt. Gesammelt, recherchiert, organisiert und katalogisiert. Horst, der Sammler und Jäger von Objekten und Informationen. Der stille Zusammenträger von Puzzlestücken und Kleinodien.

Mittlerweile ist Horst Sparten-Redakteur bei “Phantastisch!”, dem wichtigsten deutschsprachigen Genremagazin, Chefredakteur des Onlinemagazines Temporamores, Herausgeber etlicher Print-Sonderbände und Print-Spezialausgaben, Autor einer Bibliographie der Phantastischen Literatur und Gastautor auf diversen Webseiten, wie Literaturzirkel, einer Rezensions und Empfehlungsseite für SF und Fantasy.

Besonders interessant ist in meinen Augen seine Arbeit an den diversen Temporamores Sonderbänden. Mein persönlicher Favorit ist dabei sein Sonderband zu Frauen in der Phantastik. Horst Illmer lässt sein umfassendes Wissen einfließen und spielt seine Stärke in der Recherche unendlicher Details und liebevollen Zusammentragens von Annekdoten voll aus.

Der aktuelle Temporamores Sonderband hat den klingenden Titel: “Phantastisches aus Main-Franken”. Horst Illmer beleuchtet dabei die aktuelle Szene in Main-Franken. Auszüge aus den Werken von Phantastik-Schaffenden, Stories, Hintergründe, Fakten.

…und wenn ihr schön bitte, bitte sagt, wird er euch am 15. was erzählen. ;-)

Temporamores Sonderband 2010

Herrmann Ibendorf

Temporamores, 2010 DinA5, 350 Seiten, € 18,00

Ein Tripp in die Vergangenheit

am 25.11.2010 geschrieben von:

Danke für den Hinweis, Mr Endres! In der Masse der Neuerscheinungen ist es mir entgangen, dass ein Stück meiner “Jugend” wieder neu aufgelegt worden ist. Die Universal-Schraubenschlüssel-Bande, wie der damalige Titel lautet war seit Mitte der Neunziger vergriffen und wirklich schwierig zu besorgen. Das Buch hatte viele Freunde von mir und mich selbst unglaublich in den Bann geschlagen. Ans Buch angelehnte Spitznamen wie Hayduke und über Jahre hinweg seltsame Geburtstagsgeschenke, wie Bolzenschneider und anderes Sabotagewerkzeug. (ganz liebe Grüße an has_olo, von dem der Tip ursprünglich kam :-) )

Im Walde+Graf Verlag ist jetzt eine wunderbare neue Ausgabe dieses sehr unterschiedlich aufgenommenen “Klassikers” erschienen. Eine vom Meister Robert Crump, seinerzeit 1985, zum zehnjährigen Jubiläum, congenial illustrierte Ausgabe. Mit der ursprünglichen Übersetzung aus dem rororo Verlag, unter dem Titel: “Die Monkey Wrench Gang”.

Der Roman von Edward Abbey ist die  anarchistisch-wahnwitzige Geschichte einer Gruppe von Öko-Aktivisten. Abbeys Version dieses Themas war seiner Zeit weit voraus und sein Erzählstil entbehrt jeglicher Ernsthaftigkeit. Erfrischend locker und unterhaltsam, von vielen Kritikern als platt und dem Thema nicht angemessen bezeichnet, für mich und eine große Gemeinde echter Fans,  aber ein absolutes Kultbuch. Schnell, spannend… und prägend.

Für einen alten Robert Crump Fan wie mich, ist es wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest, dass die Jubiläumsausgabe jetzt auch auf deutsch in gelungenem Gewand erstrahlt.

Lest es, oder lasst es. Ich freu mich und ihr wisst ja nicht, was euch entgeht.

“Da kann man einfach nix falsch machen, beim Zaunschneiden”, wiederholte Smith, der sich für seine Aufgabe zu erwärmen begann (Pling!) “Schneid jeden Zaun durch. Das ist ein Gesetz, jedenfalls westlich vom hundertsten Meridian.”

Die Monkey Wrench Gang

Abbey, Edward mit Illustrationen von Crump, Robert

Walde+Graf, 2010 € 24,95

Wichtige News im Ticker

am 22.11.2010 geschrieben von:

Die letzte Woche und vor allem das Wochenende waren recht angefüllt mit produktiver Planungsarbeit, freudigen Ereignissen und coolen Events.

Um die erste Nachricht erklären zu können, muss ich erst ein wenig weiter ausholen. Seit fast zwei Jahren gibt es nun den Stammtisch der Phantastik Schaffenden aus Würzburg und Umgebung, oder eben Mainfranken. Im Zuge dieses Stammtisches ist klar geworden, dass es in Mainfranken eine unglaublich aktive Szene von Autoren, Zeichnern und sonstigen Aktivisten im Bereich Fantasy, Science Fiction und Comics gibt. Dabei erstreckt sich das Spektrum weit über Fanarbeit und Eigenpublikationen hinaus, ohne damit deren Stellenwert schmälern zu wollen, geht es doch im weiteren um eine Eigenpublikation.

Im Zuge dieser “Stammtisch-Arbeit” hat sich die Idee eines, sozusagen kombinierten Nachschlagewerkes mit Anthologie, ohne Vollständigkeitsanspruch dafür mit viel Lokalkolorit entwickelt. Vorangetrieben und letztendlich realisiert hat diese erste Idee dann der einschlägig bekannte Chefredakteur von Temporamores, Horst Illmer, der neben einem bibliographischen Lexikon der Phantastischen Literatur bereits einige sehr interessante Publikationen im Eigenverlag als “Temporamores-Sonderbände” verwirklicht hat. Seit dieser Woche ist es jetzt käuflich zu erwerben. Der Temporamores Sonderband 2010. Eine 350 Seiten starke, liebevoll zusammengetragene, subjektive Sammlung regionaler Schmankerln. Das Buch gibt es selbstverständlich bei uns im Laden oder zu bestellen.

Temporamores Sonderband 2010

Herrmann Ibendorf

Temporamores, 2010 DinA5, 350 Seiten, € 18,00

Die zweite Meldung ist in eigener Sache und hat sich ebenfalls an diesem Samstag auf dem Treffen eben dieser Phantastik Schaffenden konkretisiert. Hermkes Romanboutique wird 30! Am 15. Januar 2011 wird es in diesem Zusammenhang, wie bei jedem Jubiläum ein Event bei uns im Laden und anschließend eine Feier geben. Was jetzt schon sicher ist, wir werden an diesem Samstag viele der Locals zum signieren bei uns haben. Dass sie großes Interesse wecken, haben bereits einige von ihnen am ersten Gratis Comic Tag im Mai beweisen können. Außerdem laufen die Vorbereitungen auch in Bezug auf einige Stargäste auf Hochtouren. Sobald die ersten Zusagen eintrudeln, werden wir selbstverständlich ein Programm unter “Veranstaltungen” veröffentlichen. Bis dahin könnt ihr euch ja nochmal die Bilder von früheren Events in unserer Galerie zu Gemüte führen.

Im Moment gibt es bei uns im Laden und in Würzburg verteilt Postkarten mit einem kleinen Preisausschreiben zu unserem Jubiläum. Zu gewinnen sind viele Gutscheine und Sachpreise, die es dann ab dem 15.Januar geben wird. Natürlich machen wir das nur um an eure email Adressen zu kommen und euch mit unserem Newsletter zu bombardieren ;-)

Ich hoffe, dass ich möglichst bald genauere Daten ankündigen kann. Der Termin steht auf jeden Fall fest und sollte in allen Kalendern markiert werden! An diesem Wochenende keinen Kurzurlaub in den Alpen und auch nicht auf Mallorca. Alle geschäftlichen Termine abwimmeln. Fete in der Valentin-Becker-Straße!

Außerdem war am Samstag dem 20.November auch noch die dritte TiCon, auf der wir selbstverständlich mit einem Stand vertreten waren. Die Veranstaltung mausert sich wirklich zu einer ausgewachsenen Manga-Anime-Cosplay-Convention. Die Fans kamen von nah und fern geströmt. Der enorme Andrang straft jeden lügen, der das Genre totsagt. Wenn sich die Orga im vierten Jahr wieder ähnlich ins Zeug legt, wird die Ticon wirklich zu einer wichtigen überregionalen Institution, die im Gegensatz zu den großen Cons wie Connichi ohne professionelle Unterstützung und große Sponsoren auskommt.

Neben jeder Menge aufwändiger Cosplay-Kostüme gab es wieder jede Menge Workshops, Wettbewerbe und Unterhaltungsangebote. Neben TV Touring und dem BR war dieses Jahr auch der KiKa mit einem Kamerateam vor Ort. Alle Sendungen sollten im Laufe der nächsten Woche in den Kisten flimmern. Damit ihr euch schon mal eine Vorstellung machen könnt, gibt es hier die ersten Bilder. Ich hoffe, dass noch mehr dazu kommen. Wer sich jetzt dafür interessiert, sei auf die offizielle TiCon-Homepage verwiesen, auf der sicher bald der Termin fürs nächste Jahr verkündet wird.

Ein großes Lob an dieser Stelle an Christopher “Tigga-kun” und sein tolles Team und ein dickes Danke an das Café Domain im Kilianeum, dass von dieser Seite eine solche Veranstaltung in Würzburg möglich gemacht wird!

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