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Adventskalender 2021 T-16 "Asterix und der Greif"

von am 8. Dezember 2021 noch kein Kommentar

Ferri, Jean-Yves/Conrad, Didier
Asterix und der Greif
Aus dem Französischen von Jöken, Klaus
(Astérix et le Griffon)
Berlin, Egmont Comic Collection, 2021, 48 S.
ISBN 9783770424399

Eigentlich braucht es zu Asterix keine Empfehlung. Soweit ich weiß ist Asterix das – in Deutschland – verbreitetste und akzeptierteste Comic. Trotzdem gibt es regelmäßig die gleiche Aussage, wenn ein neuer Band erscheint: "Die waren früher viel besser!"

Ihr tut dem (nicht mehr ganz so) neuen Team damit wirklich unrecht. Die Details, die Stimmung der Bilder, die Dynamik, all das ist viel besser, als bei den letzten Werken Uderzos. Nichts gegen den begnadeten Zeichner – Gott hab ihn selig – aber es war an der Zeit, loszulassen. Und die Wahl von Didier Conrad und Jean-Yves Ferri war sicher nicht die schlechteste, sondern eine enorm gute. Frischer Wind, neue Ideen. wundervolle Bilder mit liebevollen Details und Eastereggs.

Und der am häufigsten monierte Punkt: Die Geschichte? Ich kann nur sagen, ich habe mich köstlich amüsiert, wunderbare Anspielungen gefunden und herrliche running Gags. Was erwarte ich sonst von einem neuen Asterix Band?

Gut, einziges Manko, er war nicht fränggisch, aber da gabs ja auch einen neuen in diesem Jahr! Ebenfalls tolles Weihnachtsgeschenk übrigens 😉

8. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

Ferri, Jean-Yves/Conrad, Didier
Asterix und der Greif
Aus dem Französischen von Jöken, Klaus
(Astérix et le Griffon)
Berlin, Egmont Comic Collection, 2021, 48 S.
ISBN 9783770424399

Eigentlich braucht es zu Asterix keine Empfehlung. Soweit ich weiß ist Asterix das – in Deutschland – verbreitetste und akzeptierteste Comic. Trotzdem gibt es regelmäßig die gleiche Aussage, wenn ein neuer Band erscheint: "Die waren früher viel besser!"

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Adventskalender 2021 T-17 "Die Flüchtigen"

von am 7. Dezember 2021 noch kein Kommentar

Oweh, der Gerd hat mal wieder eines jener Bücher, bei denen er selbst schon absolut sicher ist: es wird polarisieren… Ich erinnere mich gut an "Gedankenhaie" von Steven Hall oder "Das gestohlene Kind" von Keith Donohue. Diese Beiden Bücher wurden mir fast schon als provokanter Versuch der Emanzipation oder des "aus dem Schatten meines Vaters treten" angekreidet. Ist noch gar nicht so lange her.

Heute ist mein Vater eigentlich (fast) nicht mehr im Laden. Es gibt keinen Schatten, aus dem ich treten muss. In meinen Augen war ich auch damals bereits deutlich und offen mit der Aussage. Diese Bücher – und ganz ehrlich, für mich sind es bis heute einzigartige und herausragende Werke – sind außergewöhnlich und nicht für jedermann oder jederfrau. Später gab es weitere Werke, deren Wert beständig bleibt, deren Rezeption aber stets subjektiv stark differieren wird. Trotzdem traue ich mich auch in diesem Jahr wieder, ein Buch anzupreisen, das wieder eines dieser ganz besonderen Bücher ist*.

Alain Damasio
Die Flüchtigen
Berlin, Matthes & Seitz
838 Seiten, gebunden
aus dem Französischen von Milena Adam
Preis: 28,00 €

Ich bin mir sicher, es wird euch geben, die dieses Buch in gleicher Weise verehren werden, wie ich es tue, ich bin genauso sicher, es wird auf Unverständnis und Kopfschütteln stoßen. Das Buch "Die Flüchtigen" von Alain Damasio ist schwer einzuordnen. Zum Schluss ist es eine Utopie, denn es zeigt sich ein Licht am Ende des Tunnels. Der komplette Text bleibt immer ein Fühlen, Schmecken und Interpretieren. Die Vordergründige Handlung wäre schnell erzählt, aber auch unnötig. Der Einstieg, also die ersten Seiten sind in derartigem Kontrast zu Klappentext und Teaser, dass ich fast schon verunsichert war, das richtige Buch zu lesen.

Ich hasse diese Werbetexte ja eh. Insofern nicht so schlimm. Die über 800 Seiten waren dann schnell gelesen und ich war verwirrt, berührt, gefangen, verzaubert und was man eben sonst noch so sein kann, bei einem besonderen Buch. Ich traue mich nichts zum Inhalt zu sagen. Ich werde das Buch nicht empfehlen, aber es ist das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen oder erfühlt habe. Wer sich auf dieses Experiment einlassen will, sei eingeladen. Wer mehr wissen möchte soll lieber das Übersetzungsjournal von Milena Adam (tolle Arbeit!) beschnuppern. Wer dann noch nicht Feuer gefangen hat, soll es lassen. Von mir wird es nicht mehr geben. Außer, ihr habt es gelesen. Dann rede ich sehr gerne mit euch darüber.

War das eine Empfehlung?**

*Auch wenn ich ärgerlich über das verdammt schlampige Endprodukt inklusive Lektorat meckern muss. Satzdopplung auf den ersten Seiten.

**Leser, die sich von Gedankenhaie nicht abschrecken ließen, interessierten sich auch für…

7. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

Oweh, der Gerd hat mal wieder eines jener Bücher, bei denen er selbst schon absolut sicher ist: es wird polarisieren… Ich erinnere mich gut an "Gedankenhaie" von Steven Hall oder "Das gestohlene Kind" von Keith Donohue. Diese Beiden Bücher wurden mir fast schon als provokanter Versuch der Emanzipation oder des "aus dem Schatten meines Vaters treten" angekreidet. Ist

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Adventskalender 2021 T-18 "Der Wald"

von am 6. Dezember 2021 noch kein Kommentar

Der Wald
Thomas Ott
Carlsen 2021, 30 Seiten

Comics stehen eigentlich für die Verbindung von Bild und Text auf einer Seite, oft sogar in mehreren Panels. Thomas Otts neuestes Werk „Der Wald“ sollte daher wohl besser als Bildergeschichte bezeichnet werden, denn die Magie entsteht hier zwischen wortlosen Einzelseiten. Allerdings möchte man gleichzeitig von großer Comic-Kunst sprechen, insofern tut sich hier ein gewisses Paradoxon auf. So oder so bietet Otts „Der Wald“ ein Erlebnis. Auf zwei Dutzend schwarz-weißen Bildern bzw. Seiten ohne ein einziges Wort und mit umso mehr Tiefe und Bedeutung, die in der Schabkartontechnik entstanden sind, lässt Ott einen Jungen von einer Beerdigung in den nahen Wald fliehen. Dort begegnet der Bursche Monstern, einer Hexe, Geistern und anderem und kehrt verändert nach Hause zurück …

Thomas Ott, 1966 in Zürich geboren, erhielt bereits 1996 den Max-und-Moritz-Preis, 2013 interpretierte er mit Hollywood-Star Thomas Jane den Film „Dark Country“ auf seine markante künstlerische Art neu, 2017 wurde er bei den Schweizer Design Awards mit dem Grand Prix Design für sein Lebenswerk ausgezeichnet. „Der Wald“ ist ein fantastisches, faszinierendes Narrativ in 25 grandiosen Schwarz-Weiß-Bildern, die an klassische Stiche der alten Meister und Illustratoren gemahnen. Kein dicker Band, keine lange Geschichte, kein episches Stück – doch man liest das Buch gleich mehrere Male hintereinander, weil man bei jedem Durchgang etwas Neues entdeckt. Bemerkenswert.

Christian Endres
@MisterEndres auf Twitter folgen

6. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

Der Wald
Thomas Ott
Carlsen 2021, 30 Seiten

Comics stehen eigentlich für die Verbindung von Bild und Text auf einer Seite, oft sogar in mehreren Panels. Thomas Otts neuestes Werk „Der Wald“ sollte daher wohl besser als Bildergeschichte bezeichnet werden, denn die Magie entsteht hier zwischen wortlosen Einzelseiten. Allerdings möchte man gleichzeitig von großer Comic-Kunst sprechen, insofern tut sich

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Adventskalender 2021 T-19 "Das Spiel der Götter"

von am 5. Dezember 2021 noch kein Kommentar

Erikson, Steven
Das Spiel der Götter 19
Der verkrüppelte Gott
Aus dem Amerikanischen von Weinert, Simon
(The Crippled God (The Malazan Book of the Fallen 10, Part 2))
Blanvalet, München, 2021, 767 S.
ISBN 9783734161162 / 12,00 Euro

Es ist vollbracht. Als ich 2000 den ersten band dieser epischen Fantasy-Reihe gelesen habe, war mir nicht klar, wie lange ich darauf warten würde, zu ende zu lesen. Im August ist jetzt (endlich) der letzte Teil dieser unvergleichlichen, meisterhaften und herausragenden Fantasy Saga erschienen.

Dabei kann an Steven Erikson in keinem Fall irgendetwas vorwerfen. Die englischen 10 Bände der Saga sind tatsächlich fast im Jahrestakt erschienen, die Rädchen im Getriebe lagen diesmal ausschließlich in der Lokalisierung. Die und das muss ich zugeben trotz Wechsel des Übersetzers, kurz vor der Ziellinie am Ende vorbildlich gelungen ist.

Zu der Reihe mag ich gar nichts sagen. Zu oft und zu viel ist bereits darüber geschrieben worden. Für mich war alles, vom Aufbau über die Charaktere bis hin zu kleinen Nebengeschichten perfekt. Die Reihe ist sicher nichts für reine Actionleser, wer sich aber auf etwas komplexes und völlig neues einlassen kann, der wird belohnt. Mit sensationellen Bänden, deren Zusammenhang und Gesamtkonzept sich erst ganz langsam für den Leser öffnen.

Das Einzige, was wahrscheinlich bedauerlich bleiben wird, ist, dass es  vermutlich keine weiteren Bände in deutscher Sprache geben wird. Und das, obwohl sowohl Erikson, als auch sein Freund und Mit-Welten-Schaffer Ian Cameron Esslemont noch weitere Geschichten und Ideen in der Welt Malaz zu Papier gebracht haben.

Je mehr Käufer die Reihe findet, desto größer wir die Wahrscheinlichkeit vielleicht doch noch. Probiert es aus, es lohnt sich…

5. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

Erikson, Steven
Das Spiel der Götter 19
Der verkrüppelte Gott
Aus dem Amerikanischen von Weinert, Simon
(The Crippled God (The Malazan Book of the Fallen 10, Part 2))
Blanvalet, München, 2021, 767 S.
ISBN 9783734161162 / 12,00 Euro

Es ist vollbracht. Als ich 2000 den ersten band dieser epischen Fantasy-Reihe gelesen habe, war mir nicht klar, wie lange ich darauf warten würde, zu

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Adventskalender 2021 T-20 "Das Weihnachts-Dingsbums"

von am 4. Dezember 2021 noch kein Kommentar

F. Paul Wilson
DAS WEIHNACHTS-DINGSBUMS.
Illustrationen von Alan M. Clark
Übersetzt von Joachim Körber
(The Christmas Thingy / 2000)
o. O. (Altefähr), Wandler Verlag, 2020, 31 Seiten
ISBN 978-3-948825-01-0 / 16,00 Euro
Reihe Murmelnest 01
Großformatiger Pappband mit Fadenheftung

Einen tollen Start legte der im letzten Jahr neugegründete Wandler Verlag hin:
Als erstes Buch ist dort DAS WEIHNACHTS-DINGSBUMS von F. Paul Wilson erschienen, ein großformatiges Kinderbuch, das natürlich auch sehr von den stimmungsvollen Illustrationen Alan M. Clarks geprägt ist. Leider gab es dann ein kleines logistisches Problem. Deshalb gibt es die Rezi erst in diesem Jahr, da ihr das Buch jetzt auch im Laden erwerben könnt…

Geschildert werden darin die Erlebnisse von Jessica Atkins, deren Eltern aus beruflichen Gründen von Amerika nach England gezogen sind. Jessica, die wegen einer Behinderung nach der Schule überwiegend alleine zuhause ist, wünscht sich ein „freundliches“ Monster als Spielgefährten. Dass die Erfüllung eines solchen Wunsches durchaus zweischneidig ausfallen kann, wie die brave Haushälterin Mrs. Murgatroyd warnt, zeigt sich in den folgenden Wochen, nachdem es sich „das Dingsbums“ unter Jessicas Bett heimisch macht.

Die Abenteuer finden ihren Höhepunkt dann am Weihnachtsabend – denn da entscheidet es sich, ob das „Dingsbums“ wirklich zu einem echten Freund geworden ist, oder ob es seiner ursprünglichen Monster-Bestimmung folgen muss …

Eine großartige Weihnachtsgeschichte für jung und alt, die sich auch hervorragend zum Vorlesen eignet!

Horst Illmer

4. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

F. Paul Wilson
DAS WEIHNACHTS-DINGSBUMS.
Illustrationen von Alan M. Clark
Übersetzt von Joachim Körber
(The Christmas Thingy / 2000)
o. O. (Altefähr), Wandler Verlag, 2020, 31 Seiten
ISBN 978-3-948825-01-0 / 16,00 Euro
Reihe Murmelnest 01
Großformatiger Pappband mit Fadenheftung

Einen tollen Start legte der im letzten Jahr neugegründete Wandler Verlag hin:
Als erstes Buch ist dort DAS WEIHNACHTS-DINGSBUMS von F. Paul Wilson erschienen, ein großformatiges Kinderbuch,

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Adventskalender 2021 T-21 "hinter den Kulissen 11"

von am 3. Dezember 2021 1 Kommentar

Auch wenn es man es kaum wahrnimmt, weihnachtet es langsam. Entsprechend könnt ihr euch wieder auf viele passende Tipps freuen. Comics, Bücher & Spiele. Alles analog und individuell von uns verfasst. Angefangen haben wir ja bereits…

Die Freitage bleiben aber weiterhin unserem Mini-Podcast vorbehalten. Auch in der Adventszeit wollen wir den Faden nicht abreißen lassen…

 

 

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

3. Dezember 2021 und 1 Kommentar

Auch wenn es man es kaum wahrnimmt, weihnachtet es langsam. Entsprechend könnt ihr euch wieder auf viele passende Tipps freuen. Comics, Bücher & Spiele. Alles analog und individuell von uns verfasst. Angefangen haben wir ja bereits…

Die Freitage bleiben aber weiterhin unserem Mini-Podcast vorbehalten. Auch in der Adventszeit wollen wir den Faden nicht abreißen lassen…

 

 

https://www.comicdealer.de/wp-content/uploads/audio/Staffel6/Kulissen011.mp3

Kleiner Tipp:

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Adventskalender 2021 T-22 "Paleo"

von am 2. Dezember 2021 noch kein Kommentar

Paleo
Verlag: Hans im Glück / Asmodee
Autor: Peter Rustemeyer
Spieler: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 45-60 Min
EAN: 4015566018402

Damit "Micro Macro" nicht allein stehen bleibt, muss hier auch das zweite Spiel des Jahres aus der Kategorie Kenner genannt werden.

Paleo ist ein klassisches Mangelverwaltungsspiel im Koopmodus. Ich würde es als Einsteigerfreundlich bezeichnen, da die Frustrationsschwelle von Anfang an relativ niedrig bleibt. Das kleine 6 minütige Tutorial-Video, das mittels QR Code direkt gefunden werden kann, erklärt schon fast das komplette Spiel. Also wirklich gut gemacht mit sehr niedriger Einstiegshürde.

Bei näherem Hinsehen sind mir dann relativ deutlich viele Parallelen zu Robinson Crusoe (Pegasus Spiele) aufgefallen. Dabei ist bei Robinson Crusoe die Einstiegshürde definitiv deutlich höher, dafür aber – zumindest meiner Meinung nach – der Wiederspielwert und der Lohn fürs erste Durchbeißen deutlich höher – wenn man am Ball bleibt. Ist das Spiel erstmal eingemottet, hat man nach drei Monaten wieder keinen Plan, wie der Aufbau funktioniert… Uns hat Paleo auch dazu animiert, Robinson Crusoe mal wieder in der Kampagnen Version "Die Fahrt der Beagle" durchzuspielen.

Nichtsdestotrotz ist Paleo ein rundum gelungenes Spiel – auch für Einsteiger. Die Mechanismen sind eingängig und sehr gut abgestimmt. Durch die geschickt gesteuerte Steigerung der Herausforderung wächst die Runde automatisch mit. Für das dritte Szenario wird dann wahrscheinlich auch bei euch mehr als ein Anlauf nötig sein. Wir hatten das Gefühl, dass es zu zweit wesentlich wichtiger ist, sich ein paar der möglichen Erleichterungen zu gönnen, wenn man die Szenarien beim ersten mal knacken will. Aber gerade dass es eben nicht immer auf Anhieb klappt macht ja eben auch den Reiz solcher Spiele aus.

Solltet ihr dann Paleo vielleicht irgendwann mal "durchgespielt" haben, empfehle ich "Robinson Crusoe". Ihr werdet viele Mechanismen wiedererkennen und neue Herausforderungen finden. Versprochen…

2. Dezember 2021 und noch kein Kommentar

Paleo
Verlag: Hans im Glück / Asmodee
Autor: Peter Rustemeyer
Spieler: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 45-60 Min
EAN: 4015566018402

Damit "Micro Macro" nicht allein stehen bleibt, muss hier auch das zweite Spiel des Jahres aus der Kategorie Kenner genannt werden.

Paleo ist ein klassisches Mangelverwaltungsspiel im Koopmodus. Ich würde es als Einsteigerfreundlich bezeichnen, da die Frustrationsschwelle von Anfang an relativ

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Adventskalender 2021 T-23 "Das Ministerium für Zukunft"

von am 1. Dezember 2021 1 Kommentar

Kim Stanley Robinson
DAS MINISTERIUM FÜR DIE ZUKUNFT. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Paul Bär
(THE MINISTRY FOR THE FUTURE / 2020)
München, Heyne, 2021, 717 S.
ISBN 978-3-453-32170-0 / 17,00 Euro

Auf dieses Buch hat die Welt gewartet. Und wenn nicht die Welt, so jedenfalls meine Wenigkeit, denn ich bin es leid, immer und immer wieder zu lesen (und zu hören), was alles nicht geht. Aber auf den guten alten Kim Stanley Robinson kann man sich halt verlassen! Immer wenn man glaubt, es gäbe keine Utopien mehr, kommt dieser altgediente Kämpe daher und zeigt uns, was alles möglich ist!!

Sein neuester Roman trägt den unschlagbaren Titel DAS MINISTERIUM FÜR DIE ZUKUNFT und er beginnt mit einer Katastrophensequenz, die so wie beschrieben tatsächlich Morgen oder nächste Woche passieren könnte. Was sie von andren Katastrophen unterscheidet (jedenfalls bei Robinson) ist, dass jemand daraus Konsequenzen zieht. „Jemand“ sind hier viele, teilweise sehr unterschiedliche, Individuen und Gruppen und auch die „Konsequenzen“ reichen von verstärkter politischer Arbeit bis hin zu brutalstem Ökoterrorismus und staatlichen Kurzschlussreaktionen.

Allerdings entwickelt sich in DAS MINISTERIUM FÜR DIE ZUKUNFT daraus keine Apokalypse, sondern all diese Reaktionen führen zur Akkumulation von etwas Positivem, zu einem Umdenken bei so vielen Menschen, dass erstmals seit vielen Jahrzehnten ein Lichtstreif am Horizont auftaucht und eine klimaneutralere, gerechtere Welt vorstellbar wird. Robinson bietet keine fertigen Lösungen an, aber er zeigt Wege und Möglichkeiten, und genau wie seine Protagonisten Mary und Frank müssen wir uns schon selbst entscheiden, welchen Weg wir gehen, welche Möglichkeit wir ergreifen wollen.

Barack Obama hat jedenfalls Recht mit seinem auf dem Cover zitierten Ausspruch: „EINES DER WICHTIGSTEN BÜCHER DES JAHRES!“

Horst Illmer

1. Dezember 2021 und 1 Kommentar

Kim Stanley Robinson
DAS MINISTERIUM FÜR DIE ZUKUNFT. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Paul Bär
(THE MINISTRY FOR THE FUTURE / 2020)
München, Heyne, 2021, 717 S.
ISBN 978-3-453-32170-0 / 17,00 Euro

Auf dieses Buch hat die Welt gewartet. Und wenn nicht die Welt, so jedenfalls meine Wenigkeit, denn ich bin es leid, immer und immer wieder zu lesen (und zu hören),

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Adventskalender 2021 T-24 "Micro Macro II"

von am 30. November 2021 noch kein Kommentar

MicroMacro: Crime City II – Full House
Verlag: Edition Spielwiese / Pegasus
Autor: Johannes Sich
Entwicklung: Daniel Goll, Tobias Jochinke, Johannes Sich
Spieler: 1 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 15-45 Min
EAN: 4250231730115

"Ein Krimi-Spiel für ALLE*. Keine Regeln lesen, keine Vorkenntnisse nötig. Sofort losspielen, ob allein oder mit X Mitspielern. Die Grenze von 4 Spielern auf der Packung bezieht sich wohl auf freie Sicht auf den Stadtplan…"

Das war mein Text im letzten Jahr, zu Teil eins. Das Spiel war dann auch noch im Advent erstmal aus – Nachdruck Januar. Ärgerlich, bei einer 1A Empfehlung fürs Wunschzettelchen. das Spiel ist dann auch zum Spiel des Jahres geworden und natürlich gibt es jetzt auch eine Fortsetzung.

Nicht weniger spannend, nicht weniger schlüssig. Selbst das vermeindliche Manko – auf den ersten Blick sind die Coverstories fast identisch – wird noch zum netten Gag. Wir waren wieder sofort gefesselt.

Was in dieser zweiten Edition noch besser ist, ist die Familientauglichkeit. Denn dieses Wimmelbild-Krimi-Spiel wäre schon in Version 1 eigentlich nichts für Kinder. Mord und Totschlag sind ganz schön ungefiltert – ist ja auch ein Krimispiel. Ob ich letztes Jahr einen Fehler gemacht habe, mit der aufgedruckten Altersempfehlung, jetzt steht jedenfalls ab 10 auf der Schachtel. In Version 2 ist jetzt die Kindertauglchkeit schon vorbereitet. Bildlich und auch in Textvarianten. Damit kann jetzt wirklich die ganze Familie Spaß haben, ohne dass die Erwachsenen auf etwas verzichten müssen. Die mögliche Entschärfung tut wirklich keinen Abbruch.

Auch der zweite Teil hat sicher nicht unbegrenzten Wiederspielwert, bietet aber für ebenfalls nur 25 Euro wieder jede Menge Spaß.

30. November 2021 und noch kein Kommentar

MicroMacro: Crime City II – Full House
Verlag: Edition Spielwiese / Pegasus
Autor: Johannes Sich
Entwicklung: Daniel Goll, Tobias Jochinke, Johannes Sich
Spieler: 1 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 15-45 Min
EAN: 4250231730115

"Ein Krimi-Spiel für ALLE*. Keine Regeln lesen, keine Vorkenntnisse nötig. Sofort losspielen, ob allein oder mit X Mitspielern. Die Grenze von 4 Spielern auf der Packung bezieht sich wohl auf freie

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Frühling, Sommer, Herbst und Tod

von am 29. November 2021 noch kein Kommentar

Stephen King
FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD
Harro Christensen (Übersetzer)
Heyne Verlag
Taschenbuch: 720 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453436886

Durch glückliche Fügung stiess ich vor vielen Monaten auf Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD, dies ging in etwa folgendermaßen von statten:

Nach Stephen Kings "ES" wollte ich (im "Kingfieber") wieder mit dem Meister des Horror weiterlesen; ich stöberte also herum und da sprang mir recht schicksalhaft Kings Kurzromanband ins Auge, ich griff – ohne Vorkenntnis – ganz spontan zu.

"Offen für Alles" begann ich also im Buch zu lesen und bereits in der ersten Geschichte PINUP kam mir der Gedanke: "Warte Mal. Die Story kenne ich doch?!".

So ging es mir dann auch mit dem Kurzroman DIE LEICHE: "Aber Hallo! Auch diese Geschichte ist mir nicht fremd?!", dachte ich.

Dazu müsst Ihr wissen, dass ich ein Kind der 80er-Jahre sowie ein Teenager der 90er-Jahre bin und eben in diesen beiden Dekaden gab es zwei Kinofilme, die mich damals schwer beeindruckt hatten: 1986 kam der Jugendfilm "Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers" in die Kinos und im Jahr 1994 sah man den Knastmovie "Die Verurteilten" auf der Leinwand.

Heutzutage sind diese beiden Spielfilme freilich nicht mehr in aller Munde, bspw. viele meiner jüngeren Bekannten, solche aus den Jahrgängen 90 und später, kennen die zwei Meisterwerke überhaupt nicht, was für Jene sehr schade ist, finde ich.

Ich jedenfalls (wie gesagt Jahrgang 77) kannte die beiden Verfilmungen sehr wohl noch. Nur wußte ich bis dato aber nicht (ich hatte damals hierauf schlichtweg nicht geachtet), dass diese beiden Movies in der Tat zwei Kurzromane von "Stephen King" verfilmten. Ich hätte wetten können, dass diese beiden Filme aus der Feder von allen möglichen Autoren stammen könnten, niemals – also never ever (!) – hätte ich gedacht, dass Stephen King die Stories zu den vorgenannten zwei Kinofilmen geschrieben und 1982 als Kurzromane veröffentlicht hatte.

Wie man sich täuschen kann und wie eine Täuschung nicht immer eine Enttäuschung sein muss, sondern das genaue Gegenteil sein kann, beweist Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD.

Zwar lässt nur eine der vier Geschichte, und zwar ATEMTECHNIK, Übersinnliches walten und sich der Fantastik zuordnen. Bemerkenswert ist jedoch, dass gerade die beiden für mich herausragendsten Geschichten dieser Novellensammlung eben jene sind, die keinerlei Bezug zur Fantastik haben, sondern "bloss" im realen und natürlichen Leben spielen, … ich meine jene schon vorgenannten Titel PIN-UP und DIE LEICHE.

Die Inhalte der vier Kurzromane im Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD möchte ich nur ganz kurz streifen, weil hier schon "Ein wenig Verratenes" zu viel verraten wäre:

1. Geschichte – "Pin-up":

Der aus Castle Rock stammende Ich-Erzähler Red sitzt für den Mord an seiner Frau seit mittlerweile 40 Jahren im Gefängnis Shawshank ein. Seine Erzählung handelt jedoch von der Geschichte rund um seinen harmlosen Knastkumpel Andy Dufresne. Andy wurde bei einem sechswöchigen Prozess 1947/1948 vorschnell zu lebenslanger Haft verurteilt. In den Anfangsjahren im Knast wird Andy durch seine Mitgefangenen gedemütigt, doch er arbeitet sich in der harten Gefängnishierarchie Schritt für Schritt immer weiter nach oben, der Leser fragt sich bald: Verfolgt er dabei einen Plan?

2. Geschichte – "Der Musterschüler":

Der 13-jährige Todd Bowden lebt zur Neuzeit in Florida. Er ist von der Geschichte und Zeit des deutschen Nationalsozialismus stark fasziniert und findet heraus, dass in seiner Gegend ein gesuchter Nazi-Kriegsverbrecher unter dem falschen Namen Arthur Denker lebt. Er nimmt Kontakt zu dem alten Mann auf und beide verbindet bald eine zerstörerische und sadistische Freundschaft.

3. Geschichte – "Die Leiche":

Der Schriftsteller Gordon Lachance erzählt aus der Ich-Perspektive rückblickend von seinem besten Sommer, dem Sommer des Jahres 1960, als er 13 Jahre alt war: Die vier gleichaltrigen besten Freunde Gordon, Chris, Teddy und Vern aus Castle Rock hören von der Leiche eines Jungen, die in der Gegend an den Bahngleisen liegen soll. Sie wagen sich auf eine Suche tief in die Wälder Maines, wo sie Abenteuer überwinden, junge Freundschaft leben, erlebten Schmerz teilen, und wo sie mehr über Mut, Liebe und eigene Sterblichkeit erfahren, als sie je geahnt hatten.

4. Geschichte – "Atemtechnik":

Mitglieder eines Herrenclubs in Manhattan treffen sich, um ungewöhnliche und übersinnliche Geschichten und Ereignisse zum Besten zu geben: Hier wird die Geschichte der schwangeren Sandra erzählt, die unter recht phantastischen Umständen ihr Kind entbinden wird.

FAZIT:

Alle vier Kurzromane lesen sich ausgesprochen schön und zeigen vortrefflich, welch ein Meister King ist, gerade wenn es um den Transport von menschlichen und zwischenmenschlichen Achterbahnfahrten und Abgründen geht.

Zur Geschichte DER MUSTERSCHÜLER sei eine kleine Warnung erlaubt: Die Story ist stellenweise ganz schön heftig, insbesondere für all jene, die ein zartes Gemüt haben oder in denen noch tief die (später ab der Nachkriegszeit oft implementierte) Scham der Deutschen steckt. (PS: Die Verfilmung zu "Der Musterschüler" – Regie Bryan Singer – kenne ich selbst noch nicht).

Besonders beeindruckt haben mich aber die zwei Ich-Erzählungen PIN-UP und DIE LEICHE, beide Geschichten haben es mir bis heute schwer angetan, beide möchte ich als grandios bezeichnen! Wie manche von Euch vielleicht wissen, ich bin ein Fan von "guten Ich-Erzählungen", und genau um solche geht es hier.

Bei PIN-UP mag auch der Umstand, dass gute "Gefängniserzählungen" mich fast immer packen, ein Rolle spielen, aber neben der klasse Story haben mich hier vor allem der Spannungsaufbau und die Wendung begeistert.

Bei Kings DIE LEICHE möchte ich offen und ehrlich zugeben, dass die Geschichte mich mit Haut und Haar in meine eigene Zeit als junger Teenager versetzte, die Handlung hat mich echt tief berührt. King bringt hier die Freundschaft zwischen den Jungs so gut rüber, eine Freundschaft, die man in dieser Art später nie mehr haben wird und deren Qualität man im Laufe der fortschreitenden Jahre und des Erwachsendaseins leider immer mehr vergisst. Ja, ja, ja – hier schwingt ein gutes Stück Sehnsucht bei mir mit, bitte seht mir das nach (auch ich würde so gerne wieder einmal einen solchen jugendlichen Sommer erleben, mit kindlichem Leichtsinn, Witzeln, Frotzeln und Blödsinn sowie mit allem anderen Großartigen; sei es am Fahrer-Baggersee oder am Bolsenasee, oder wo auch immer). Natürlich ist diese ganz besondere Zeit heute vorbei, denn dieses Erleben war, um es mit Eschbachs Worten zu sagen, "einem nur in jungen Jahren gegeben, wenn man den Schmerz des Scheiterns noch nicht kannte" (Eschbach, Eines Menschen Flügel, Kap.: "Schlechte Gene").

FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD ist also absolut lesenswert!

Wie gesagt: Die Novelle PIN-UP wurde hervorragend unter dem Titel "Die Verurteilten" von Frank Darabont verfilmt und mehrfach für den Oscar nominiert. Die Novelle DIE LEICHE wurde beeindruckend und mit toller Besetzung unter dem Filmtitel "Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers" verfilmt. Die beiden Filme sind ausgesprochen gut und fangen vortrefflich die Seele ihrer Buchvorlagen ein. Wer die Filme also noch nicht kennt: Am besten erst die beiden Novellen lesen, dann die Filme ansehen.

Ihr werdet Buch und Film nicht bereuen!

MITCH

29. November 2021 und noch kein Kommentar

Stephen King
FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD
Harro Christensen (Übersetzer)
Heyne Verlag
Taschenbuch: 720 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453436886

Durch glückliche Fügung stiess ich vor vielen Monaten auf Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD, dies ging in etwa folgendermaßen von statten:

Nach Stephen Kings "ES" wollte ich (im "Kingfieber") wieder mit dem Meister des Horror weiterlesen; ich stöberte also herum und

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Ein Blick hinter die Kulissen #10: Jetzt kommt der Adventskalender

von am 26. November 2021 6 Kommentare

Ein Crossover mit "Vom Laden und vom Leben" Nummer 15 -Worklifebalance

Wir machen heute mal ein Crossover. "Vom Laden und vom Leben" und "Blick hinter die Kulissen". Warum? Weil es hier eben auch um Beides geht. Was ist in den letzten 6 Wochen im Laden passiert, was ihr vielleicht gar nicht bemerkt habt. Wem gebührt dafür Lob. Aber eben auch, was gehört dazu, nämlich auch der Ausgleich…neudeutsch die Work-Life-Balance
Sollte aber keine Schwere beinhalten, deshalb verpacke ich es in flappsiges Fränkisch.

 

 

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

26. November 2021 und 6 Kommentare

Ein Crossover mit "Vom Laden und vom Leben" Nummer 15 -Worklifebalance

Wir machen heute mal ein Crossover. "Vom Laden und vom Leben" und "Blick hinter die Kulissen". Warum? Weil es hier eben auch um Beides geht. Was ist in den letzten 6 Wochen im Laden passiert, was ihr vielleicht gar nicht bemerkt habt. Wem gebührt dafür Lob. Aber eben

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Ausgebrannt

von am 24. November 2021 noch kein Kommentar

Andreas Eschbach
AUSGEBRANNT
Taschenbuch: ‎ 752 Seiten
ISBN: ‎ 978-3404159239

Eschbachs AUSGEBRANNT ist ein Roman, den ich mir, als ich ihn erstmals in Händen hielt, ganz anders vorstellte, als er sich dann später beim Lesen offenbarte.

Auf Gerds Erstrezension hin entfachte sich meine Neugier auf dieses Buch samt Thema und ich malte mir zunächst einen rasanten Endzeitthriller (bereits das Cover verspricht: "Thriller") aus, in welchem die Menschheit mit der üblen Katastrophe, dem "ausgebrannten Erdöl" leben muss. Diesen Plot preist ja bereits der Klappentext an …

Doch es kam ganz anders:

Das Buch beginnt nämlich "brav", ganz ohne Katastrophe. Will sagen, der weit größere Teil des Buches handelt von dem Weg der Helden und der gesamten Menschheit hin zum Unheil, zur "Endzeit", die dann zwar später zwischen Mitte und Ende des Buches auch eintritt, aber irgendwie gleichwohl mit leisen Sohlen und dennoch beklemmend spürbar.

Für mich persönlich ist das Thema "überraschender Untergang unserer bekannten Strukturen", sei es beispielsweise durch das Versiegen von Erdöl oder andere Verderben, gegenwärtig so aktuell und wichtig, dass aus meiner Sicht eine weitere (zweite) Rezension des Buches auf comicealer.de erlaubt und angezeigt sein dürfte … wir alle wissen ja, wie sich seit Anfang 2020 unsere Welt "von heute auf morgen" verändert (hat).

Der Hauptheld von Eschbachs AUSGEBRANNT ist Markus Westermann, ein deutscher Vertriebler, der seit seiner Kindheit von den USA träumt und dort Big Business machen will. Er kommt von Deutschland in die USA und beginnt als Freelancer in einem amerikanischen Großunternehmen, um dort eine Software für den deutschen Markt zu optimieren. Markus nennt sich fortan "Marc Westman", sein deutscher Name ist ihm zu profan und er wähnt sich schon auf der Erfolgsleiter nach oben, als die Firmenführung entschließt, auch seiner Karriere ein jähes Ende zu bereiten. Frustriert verlässt er die Firma und lernt Karl Block kennen, einen Erfinder und Ölsucher aus Österreich, der mit der geheimen "Block-Methode" die Macht über das Erdöl verspricht. Und so beginnt für Markus sein neues Leben rund um das Thema Erdöl, welches sich als Pfeiler unserer Gesellschaft entpuppt, und welches das Wohl und Wehe unserer Welt bestimmen kann.

AUSGEBRANNT landet zwar nicht deshalb auf meiner Lieblingsbücherliste, weil es als packender Thriller daher kommt (in Wirklichkeit hat es stellenweise durchaus seine Längen und so manch den Erzählstrang "bremsende" Verästelung; echte Hochspannung kommt doch eher selten auf, das Buch ist aus meiner Sicht nämlich gar kein Thriller, eher ein Roadmovie). Der Roman ist jedoch deshalb auf meiner Empfehlungsliste und recht bemerkenswert, weil er das Thema Erdöl so genial und tief aus verschiedenen Perspektiven ausbreitet, da finden sich gut erzählte Zeitsprünge in die Geschichte, gut recherchierte Ortswechsel (auch nach Saudi Arabien) und damit verbundene Schilderungen der dortigen Gepflogenheiten und politischen Hintergründe, schön erzählte Handlungsstränge scheinbar fremder Protagonisten, die sich am Ende klasse zusammenfügen; all dies macht das Buch zu einem echten Schmankerl.

Hinzu kommt natürlich das "brennende" Thema an sich: Ich war (und bin) stellenweise wirklich schockiert, wie sehr sich die Geschichte unserer Welt in Wirklichkeit um das Thema Erdöl dreht (was ich vorher nicht wusste) und was für Verstrickungen (meist von den USA aus) von den Machthabern "ölbasiert" geflochten wurden und werden.

Freilich kommt für den Leser später im Buch auch "die Tragödie" zum Vorschein, das Erdöl wird knapp! Welche Folgen hat dies für uns Menschen? Und wie gehen Markus und die übrigen Protagonisten damit um?

Alles in allem ist AUSGEBRANNT ein wirklich solider und guter Roman, der (erst) dann so richtig glänzt, wenn der Leser sich für das Thema an sich interessiert. Ich bin sehr froh darüber, Dank Gerds Rezension, über das Werk gestolpert zu sein und es mir gegönnt zu haben.

Auch das Ende der Geschichte fand ich – auch wenn es hierüber durchaus kritische Stimmen gibt – sehr gelungen. Denn ich konnte trotz des schweren Themas mit einem Schmunzeln und einem guten Gefühl das Buch nach der letzten Seite schliessen. Eschbach hat durch sein Buch Eines erreicht: Seither sehe ich unsere Welt ein wenig anders.

Was will man mehr?

MITCH

24. November 2021 und noch kein Kommentar

Andreas Eschbach
AUSGEBRANNT
Taschenbuch: ‎ 752 Seiten
ISBN: ‎ 978-3404159239

Eschbachs AUSGEBRANNT ist ein Roman, den ich mir, als ich ihn erstmals in Händen hielt, ganz anders vorstellte, als er sich dann später beim Lesen offenbarte.

Auf Gerds Erstrezension hin entfachte sich meine Neugier auf dieses Buch samt Thema und ich malte mir zunächst einen rasanten Endzeitthriller (bereits das Cover

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Die Wespenfabrik

von am 22. November 2021 noch kein Kommentar

Iain Banks
DIE WESPENFABRIK
übersetzt von Thomas Ballhausen
Gebundene Ausgabe Milena Verlag
242 Seiten
ISBN: ‎ 978-3852862057

Im Laden. Irgendwann in den 90ern: "Die Wespenfabrik, ist einer der härtesten Romane, die ich je gelesen habe", sagte Hermke auf meine jugendlich leichtsinnige Frage nach dem "heftigsten Buch", welches er je gelesen habe. Hermke sprach mir zugleich eine Warnung aus, und riet mir eigentlich von dem Roman ab. Sein gut gemeinter weiser Rat machte mich in meiner einstigen "Sturm-Und-Drang-Zeit" natürlich noch neugieriger auf das Buch.

Also las ich DIE WESPENFABRIK. Und ich war schockiert.

Insgesamt habe ich das Buch zweimal gelesen, einmal – wie gesagt –  als Jugendlicher und einmal – Jahrzehnte später – als Erwachsener; beide Male war ich gefesselt und entsetzt zugleich.

Banks wirft den Leser in den siebzehnjährigen Frank Cauldhame, der (genial aus der Ichperspektive geschrieben) seine Kindheit und sein Leben auf einer Insel beschreibt.

DIE WESPENFABRIK ist dabei so gut erzählt, dass ich mich beim Lesen voll auf Frank einlassen und quasi in ihn hinein tauchen kann, was sich für mich (als Leser) später als um so schlimmer und schmerzhafter herausstellt, denn Frank ist ein Sadist und Psychopath (wie er "im Buche steht"), der mit schaurigen Tierritualen und einer gebastelten Waffensammlung auf "seiner Insel" herrscht. Seine Untertanen sind vor allem Insekten und andere Tiere. Fassungslos erfahre ich nach und nach mehr über Franks Kindheit, über seine bisherigen Gräuel- und Schandtaten und über seine gestörten Gedankengänge, die mir den Atem rauben. Frank ist zwar Herr seiner Insel, hat aber so gut wie keinen Kontakt zur Außenwelt, er ist ein zutiefst zerrissener Charakter, manchmal habe ich für ihn sogar ein wenig Verständnis übrig, was mich wiederum (an mir selbst) erschreckt.

Im Laufe des Buches haut Banks mir brutale Schicksalsschläge und unvorhersehbare Wendungen um die Ohren, in einer Intensität, die mich emotional an die Wand fahren lassen.

Ich habe bislang von Banks nur ein paar (wenige) Werke gelesen (es werden sicher nicht die letzten gewesen sein), er ist und bleibt ein begnadeter Schriftsteller. Ob man das Buch nun dem magischen Realismus, dem realistischen Zeitroman, dem Psychodrama oder der Phantastik zuordnen will, ist freilich rein akademischer Natur und bleibt jedem Leser natürlich selbst überlassen.

DIE WESPENFABRIK ist grandios und gehört zu jenen Büchern, die man NIE mehr vergißt … Versprochen!

MITCH

PS: Bereits im Jahr 1980 schrieb Banks in London das Buch (zugleich sein erster Roman – Originaltitel The Wasp Factory), der 1984 veröffentlicht wurde und mit dem er auf einen Schlag weltberühmt wurde. Die deutsche Übersetzung erschien 1991 bei Heyne in der Reihe "Science Fiction & Fantasy" (Band 4783). Nach seiner Übersetzung ins Deutsche wurde das Buch 1992 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis als bester internationaler Science-Fiction-Roman des Vorjahres ausgezeichnet. Am 9. Juni 2013 starb Iain Banks viel zu früh im Alter von 59 Jahren. Sehr lesenswert sind der Nachruf von Gerd und der Nachruf von Dietmar Dath.

22. November 2021 und noch kein Kommentar

Iain Banks
DIE WESPENFABRIK
übersetzt von Thomas Ballhausen
Gebundene Ausgabe Milena Verlag
242 Seiten
ISBN: ‎ 978-3852862057

Im Laden. Irgendwann in den 90ern: "Die Wespenfabrik, ist einer der härtesten Romane, die ich je gelesen habe", sagte Hermke auf meine jugendlich leichtsinnige Frage nach dem "heftigsten Buch", welches er je gelesen habe. Hermke sprach mir zugleich eine Warnung aus, und riet mir eigentlich von dem

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Ein Blick hinter die Kulissen #9: Spielkultur und Spielbar Teil 1

von am 19. November 2021 noch kein Kommentar

Heute geht die Spieleserie in die zweite Runde. Brettspiele, Kartenspiele, Würfelspiele. Alles, was wir, also KaZu und ich euch in der Spielbar zeigen und erklären. Der Beitrag ist eine Art Appetithappen für die nächste Spielbar und der erste Teil einer (geplanten) Reihe von Beiträgen zum analogen Gesellschaftsspiel… Heute: kleine, leicht zu erlernende Spiele, auch für zwischendurch.

 

 

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

19. November 2021 und noch kein Kommentar

Heute geht die Spieleserie in die zweite Runde. Brettspiele, Kartenspiele, Würfelspiele. Alles, was wir, also KaZu und ich euch in der Spielbar zeigen und erklären. Der Beitrag ist eine Art Appetithappen für die nächste Spielbar und der erste Teil einer (geplanten) Reihe von Beiträgen zum analogen Gesellschaftsspiel… Heute: kleine, leicht zu erlernende Spiele, auch für zwischendurch.

 

 

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Kleiner Tipp:

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Diagnose F: Science-Fiction trifft Psyche

von am 17. November 2021 1 Kommentar

Michael Tinnefeld & Uli Bendick (Hrsg.)
DIAGNOSE F. SCIENCE-FICTION TRIFFT PSYCHE.
Winnert, p.machinery, 2021, 350 Seiten
ISBN 978-3-95765-230-0 / 27,90 Euro (kartonierte Ausgabe)
ISBN 978-3-95765-231-7 / 44,90 Euro (Hardcover)

Alle paar Jahre nur hält man so ein Buch in der Hand, das es eigentlich gar nicht geben dürfte, und doch kann man darin blättern, lesen und (in dem vorliegenden Fall ganz besonders wichtig) schauen. In diesem Fall also die Anthologie DIAGNOSE F – SCIENCE-FICTION TRIFFT PSYCHE, herausgegeben von Michael Tinnefeld und Uli Bendick.
Und „das Besondere“ gibt es hier gar nicht, so viele „Besonderheiten“ sind vorzustellen:
Zuerst fällt das äußere Erscheinungsbild auf. „Quadratisch, praktisch, gut“ (sorry, der K(a)lauer musste sein) kommt einem in den Sinn, wenn man die 350 Seiten im Format 22 mal 22 Zentimeter das erste Mal „hochliftet“. Dann entdeckt man, beim ersten durch-die-Finger-laufen-lassen, die Bilderfülle, ja fast schon -flut! Gemeinsam mit Mario Franke hat Uli Bendick zu jeder Geschichte eine Illustration produziert – und weil’s so viel Spaß gemacht hat, gleich noch ein umlaufendes Cover und einige Bonus-Bilder als Anhang mitgeliefert.
Natürlich „flasht“ auch das Thema, das der Untertitel „Science-Fiction trifft Psyche“ nur andeutet. Tatsächlich behandeln alle 35 in DIAGNOSE F enthaltenen Science-Fiction-Geschichten psychische Störungen – und der Psychologe und Psychotherapeut Tinnefeld erklärt im jeweiligen „Diagnostischen Kommentar“ um welche Störung es dabei geht und welche „F-Diagnose“ nach ICD gestellt werden kann.
Es gehörte also durchaus Mumm dazu, der Ausschreibung für eine solche Themen-Anthologie zu folgen und einen Text einzureichen! Umso schöner, dass die Herausgeber sogar auswählen konnten (bzw. mussten). Die durchweg lesenswerten Beiträge stammen von 32 mehr oder weniger bekannten Autorinnen und Autoren wie Markus K. Korb, Rainer Schorm, Friedhelm Schneidewind, Aiki Mira und Hans Jürgen Kugler, sowie von der mit gleich drei Stories vertretenen Monika Niehaus.
Dass auch der Verlag hinter diesem Projekt steht zeigt sich u. a. daran, dass es von diesem Buch gleichzeitig zwei Ausgaben gibt: Eine fadengeheftete Hardcover-Edition mit Lesebändchen und eine minimal kleinere Softcover-Variante zum deutlich günstigeren Preis.
Auch wenn ich jetzt nicht genau weiß, welche F-Diagnosen-Nummer für das Sammeln außergewöhnlicher Bücher zuständig ist: Anthologien wie DIAGNOSE F dürfte es ruhig öfter geben.

Horst Illmer
warenkorb

Diagnose F
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17. November 2021 und 1 Kommentar

Michael Tinnefeld & Uli Bendick (Hrsg.)
DIAGNOSE F. SCIENCE-FICTION TRIFFT PSYCHE.
Winnert, p.machinery, 2021, 350 Seiten
ISBN 978-3-95765-230-0 / 27,90 Euro (kartonierte Ausgabe)
ISBN 978-3-95765-231-7 / 44,90 Euro (Hardcover)

Alle paar Jahre nur hält man so ein Buch in der Hand, das es eigentlich gar nicht geben dürfte, und doch kann man darin blättern, lesen und (in dem vorliegenden Fall ganz besonders

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Der Gerechte

von am 15. November 2021 noch kein Kommentar

John Grisham
DER GERECHTE
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN: 978-3453421820

DREI SÄTZE ZU GRISHAMS "DER GERECHTE"

Erster Satz: Wenn Batman ein Anwalt wäre, dann hieße er "Sebastian Rudd".
Zweiter Satz: Ich liebe Batman und ich liebe Sebastian Rudd.
Dritter Satz: DER GERECHTE ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, eines der besten Romane von John Grisham.

ZUM INHALT VON "DER GERECHTE"

Sebastain Rudd ist wohl der härteste Anwalt, den Grisham je zu Papier brachte, ein dunkler Held, dessen Geschichte sich im Genre Justizthriller (mit einer Brise Phantastik) abspielt. Schon die ersten Zeilen aus dem Munde des Helden sprechen Bände:

"Mein Name ist Sebastian Rudd, und ich bin Strafverteidiger. (…) Mein Name steht in keinem Telefonbuch. So etwas wie eine herkömmliche Kanzlei habe ich nicht. Ich trage legal eine Waffe, weil mein Name und mein Gesicht die Sorte von Menschen anziehen, die selbst Waffen tragen und kein Problem damit haben, sie zu benutzen. Ich lebe allein und schlafe für gewöhnlich auch allein. Für Freundschaften fehlen mir Geduld und Verständnis. Die Justiz ist mein Leben, was rund um die Uhr vollen Einsatz verlangt und hin und wieder von Erfolg gekrönt ist. Jemand hat einmal den Satz geprägt, die Justiz sei wie eine eifersüchtige Geliebte. Für mich ist sie mehr wie eine herrische Ehefrau, die das Budget kontrolliert. Es gibt kein Entrinnen."

Rudds Kanzlei wurde vor fünf Jahren durch einen Sprengstoffanschlag zerstört. Inzwischen bevorzugt der "dunkle Ritter" ein mobiles Büro, das er sich in einen gepanzerten schwarzen Ford-Transporter mit abgedunkelten Scheiben einbauen ließ. Gefahren wird der Wagen von "Partner", der nicht nur sein Chauffeur, sondern auch sein Bodyguard ist (schon all dies erinnert mit etwas Phantasie an Batman, Robin und das legendäre Batmobil).

In seiner Freizeit entspannt sich Sebastian Rudd bei Mixed Martial Arts, er trifft sich Abends ab und an mit seiner Exfrau, die auch Anwältin ist, auf einen Drink, gleichzeitig streitet er sich tagsüber mit ihr regelmäßig vor Gericht.

Rudd kämpft in DER GERECHTE bis aufs Blut für seine Mandanten und für "Fairness" im Justizsystem:

Da ist zum Beispiel Gardy Baker, ein 18-jähriger Schulversager mit einem IQ von 70, dem vorgeworfen wird, zwei elfjährige Zwillingsschwestern umgebracht zu haben, oder da ist der Fall von Douglas Renfro, der in seinem Haus in Notwehr einen SWAT-Polizisten anschießt.

Wie ein "Super-"Held legt sich Rudd gnadenlos mit Richtern, Staatsanwälten und dem System an und nutzt dabei auch unorthodoxe und nicht standesgemäße Methoden, um für seine Mandanten etwas mehr Recht zu kommen.

Der Anwalt teilt viel aus und muss auch viel einstecken, Seite für Seite kämpft er (zusammen mit dem Leser) für Gerechtigkeit.

Wird Sebastian Rudd für seine Mandanten schlußendlich das "Böse" (das korrupte System) bezwingen können?

MEIN ERLEBEN MT "DER GERECHTE"

Ich bin ja ausgewiesener Fan von "Ich-Erzählungen". Grishams DER GERECHTE zauberte mir schon auf den ersten Seiten echte Freudentränen ins Gesicht, denn der Held erzählt die Geschehnisse mit einer so herrlich abgebrühten Coolness und Süffisanz, zudem sind die Wortgefechte mit den "Bösewichten" ein wahrer Sprühregen sprachlicher und argumentativer Sternschnuppen.

So galoppiert der Leser zusammen mit "Batman" (alias Sebastain Rudd: ich erlaube mir diesen Vergleich, auch wenn hier kein Comic-Held agiert) durch das Justizsystem der USA und erlebt dabei aufregende anwaltliche Scharmützel und Duelle. Grisham überzeichnet dabei zwar freilich die Härte, die Kräfte und den Idealismus seines anwaltlichen Helden (insoweit befindet sich Phantastik im Roman), gleichzeitig jedoch spiegelt das Buch zutreffend die unschöne Realität des maroden Justizsystems in den USA wieder (insoweit Justizroman und Thriller).

Zu sehen ist dabei, dass der Plot durchaus so auch in Deutschland hätte spielen können, weil – und das weiß ich aus eigener leidvoller jahrelanger Erfahrung als Patientenanwalt –  das mittlerweile stark vernachlässigte Justizsystem in Deutschland nicht mehr sehr weit entfernt ist von demjenigen der USA; nicht selten spielen auch hierzulande persönliche (oder politische?) Neigungen der Gerichte und/oder fehlende Geldmittel der deutschen Justiz schlichtweg zu gewichtige Rollen, zu oft reibt sich ein Anwalt bis auf die Knochen daran auf.

Sebastain Rudd bietet dem System die Stirn, und zwar auf eine Art und Weise, die den Leser fesselt und richtig mitfiebern lässt.

Wie oft unterwerfen wir uns selbst unserem eigenen "Obrigkeitsdenken"?, da ist es doch sehr erfrischend, wenn da Einer ist, der ein solches restlos über Bord geworfen hat!

Grisham erzählt mit DER GERECHTE extrem eindrücklich eine rasante Geschichte im unfairen Justizmilieu, die den Leser in eine fast düstere Welt (man denke an "Gotham City") eintauchen lässt, welche den Leser stellenweise schockiert, ihn dann zum Weinen, aber auch zum Lachen bringt.

Für mich persönlich einer der kurzweiligsten und besten Romane von Grisham "ever!".

MITCH

PS: Ich gehe hier voll mit MISTER ENDRES, wenn er im Interview mit Gerd (ca. Minute 17.25ff.) offenbart: "Deshalb mag ich es auch hier im BLOG so, Phantastik- und Comicfans mal mit Hardboiled-Krimis oder französischem Country Noir zu bewerfen, für diesen vielzitierten Blick über den Tellerrand, der mir als Leser auch immer wichtig ist!"

15. November 2021 und noch kein Kommentar

John Grisham
DER GERECHTE
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN: 978-3453421820

DREI SÄTZE ZU GRISHAMS "DER GERECHTE"

Erster Satz: Wenn Batman ein Anwalt wäre, dann hieße er "Sebastian Rudd".
Zweiter Satz: Ich liebe Batman und ich liebe Sebastian Rudd.
Dritter Satz: DER GERECHTE ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, eines der besten Romane von John Grisham.

ZUM INHALT VON "DER GERECHTE"

Sebastain Rudd ist

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Ein Blick hinter die Kulissen #8: Wie geht eigentlich Rollenspiel?

von am 12. November 2021 4 Kommentare

Nach wochenlangem Jammern und Zetern heute vielleicht eine Entschädigung für euch. Woher kommen Rollenspiele, was sind Rollenspiele und wie funktionieren Rollenspiele? Eine Einführung in die Welt der Spiele – für Einsteiger und welche, die es noch gar nicht wissen…

 

 

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

12. November 2021 und 4 Kommentare

Nach wochenlangem Jammern und Zetern heute vielleicht eine Entschädigung für euch. Woher kommen Rollenspiele, was sind Rollenspiele und wie funktionieren Rollenspiele? Eine Einführung in die Welt der Spiele – für Einsteiger und welche, die es noch gar nicht wissen…

 

 

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Die Musik der Stille

von am 10. November 2021 noch kein Kommentar

Patrick Rothfuss
DIE MUSIK DER STILLE
Klett-Cotta
Gebundene Ausgabe: ‎ 173 Seiten
ISBN: ‎ 978-3608960204

"Die schlimmste Form von Egoismus war, sich der Welt aufzudrängen."
(Rothfuss in "Die Musik der Stille")

DIE MUSIK DER STILLE ist ein ganz und gar unaufdringlicher Roman, dessen Titel schon auf den Kern der Geschichte deutet. Denn in der Stille, wenn der Geist im Hier und Jetzt aufmerksam ruht, hören wir in den Dingen vielleicht eine Musik, die uns im Getöse des Alltags meist verborgen bleibt.

Der Roman ist einfach und pur, auf eine Weise, die ich bis dato nur selten in Romanerzählungen erlebt habe.

Die Erzählung in DIE MUSIK DER STILLE, die eigentlich keine klassische Handlung aufweist, schildert einige Tage aus dem Leben der jungen Frau Auri. Auri lebt ganz allein im weitläufigen Keller und Untergeschoss eines großen Universitätskomplexes: Das »Unterding« ist Auris Zuhause. Dort ist ihr Reich, welches in zahlreiche Zimmer aufgeteilt ist, ein Netz verlassener Räume und alter Gänge. Fast jeder Raum hat einen eigenen Namen ("Mantel", "Büse", "Port" …) und einen eigenen Zweck. Auri hat zwar zur menschlichen Außenwelt und zu anderen Lebewesen nahezu keinen Kontakt. Jedoch hat sie – und das ist bemerkenswert – zu jedem Ding, Gegenstand und Etwas ein unglaublich intensives Verhältnis, d.h. eine echte tiefe emotionale Beziehung, sei es zu einer Seife, einem Zahnrad oder einem Bettlaken. Jeder (für uns Lesern eigentlich tote) Gegenstand "lebt" in Auris Welt, hat einen eigenen Namen, einen eigenen Platz. Auri ist in der Lage, Befindlichkeit in jedem Etwas und in jedem Raum zu spüren, jeweils dessen lebendige Subjektivität wahrzunehmen. Auri ist feinfühlig, authentisch und auf ihre eigene Weise weise.

Etwa einmal die Woche bekommt Auri Besuch von einem "Er", darauf freut sie sich besonders, sie sucht nach Geschenken "für Ihn" (*). DIE MUSIK DER STILLE zeigt in zeitlicher Hinsicht einen solchen typischen Wochenzyklus in Auris Leben.

Dem Autor ist beizupflichten, wenn er in seinem Vor- und Nachwort seine Geschichte als „seltsam“ bezeichnet. Nicht folgen kann ich dem Autor jedoch, wenn er seine Auri als etwas verrückt und nicht ganz richtig bezeichnet; denn wer sagt uns denn, dass nicht Auri die eigentlich Normale ist?! Vielleicht haben nur "wir anderen" verlernt, solch echten Kontakt zu den Dingen des Lebens, sei es auch nur zu einem „nutzlosen“ Alltagsgegenstand, herzustellen? Vielleicht sind gar wir es, die mit dem Fortschreiten der Technik und Moderne dafür zu abgestumpft sind; vielleicht sind wir es, die verrückt sind, womöglich, weil wir glauben, dass ausschließlich wir (Menschen) beseelt sein können?

Die Geschichte in DIE MUSIK DER STILLE enthält keinerlei Dialoge. Es gibt darin auch nur eine einzige handelnde Person: Auri. In der Erzählung finden sich immer wieder (wohl gewollte) stilistische Wiederholungen ("Auri…", "Dann …", oder "Sie wußte es …"). Die Sprache ist bildhaft, märchenhaft und schlicht, zugleich schön.

Ich habe in der Tat länger überlegt, ob ich den recht ungewöhnlichen Roman überhaupt auf meine Lieblingsliste nehmen will, denn auch ich bin ab und an beim Lesen abgeschweift und konnte nicht immer ganz bei der Purheit und Einfachheit der Erzählung verweilen. Dieses Unvermögen ist aber nicht dem Buch, sondern meiner eigenen noch unzureichenden Aufmerksamkeit für solch immens ruhige Töne zuzuschreiben. Im Nachhinein ist es aber goldrichtig, dass dieses merkwürdige Büchlein einen Platz auf meiner Lieblingsliste bekommt.

Für meinen alltäglichen "Affengeist" passiert im Roman eigentlich so gut wie gar nichts, denn von außen betrachtet lebt Auri dort ein einsames und einfaches Leben, nichts Weltbewegendes passiert in DIE MUSIK DER STILLE. Mit das Aufregendste im ganzen Roman ist der Umstand, dass der Vorrat an Seife von einem Tier verschleppt und aufgefressen wird.

Für den typischen modernen Alltagsgeist ist die Geschichte daher womöglich zutiefst langweilig?! Für ihn wäre das simple Leben von Auri wohl unerträglich klein und öde, er würde in diesem Gefängnis vermutlich durchdrehen.

Nicht so aber für einen Lesergeist, der offen dafür ist, in die Tiefe zu gehen, der bereit ist, DIE MUSIK DER STILLE wie Kontemplation oder Poesie zu erleben. Für einen solchen Leser kann das Buch eine Reise nach unten, zum Mittelpunkt seiner Welt, werden; dort heißt es, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Auri lebt hinter dicken Mauern bescheiden und doch frei, weil Freiheit bedeutet für Auri nicht, zu tun was sie will, sondern zu wollen was sie tut.

Ein Leser, der zwischen den Zeilen die Lyrik von Auris Leben sehen kann, wird belohnt, denn so still der Roman auch ist, so wunderschöne Musik entfaltet er vor dem Leser; derjenige vermag dann auch die Bedeutung des Buchtitels zu durchdringen: DIE MUSIK DER STILLE. Mehr muss nicht gesagt werden.

MITCH

(*) PS: Der Leser, der "Der Name des Windes" (Rothfuss) kennt, weiß, um welchen "für Ihn" es sich hier handelt, dieses Vorwissen ist für den Roman aber völlig unwesentlich und wird daher auch von mir hier nicht weiter erwähnt.

10. November 2021 und noch kein Kommentar

Patrick Rothfuss
DIE MUSIK DER STILLE
Klett-Cotta
Gebundene Ausgabe: ‎ 173 Seiten
ISBN: ‎ 978-3608960204

"Die schlimmste Form von Egoismus war, sich der Welt aufzudrängen."
(Rothfuss in "Die Musik der Stille")

DIE MUSIK DER STILLE ist ein ganz und gar unaufdringlicher Roman, dessen Titel schon auf den Kern der Geschichte deutet. Denn in der Stille, wenn der Geist im Hier und Jetzt aufmerksam

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Die Geschichte der Science Fiction

von am 8. November 2021 7 Kommentare

Xavier Dollo (Text) & Djibril Morissette-Phan (Zeichnungen & Farbe)
DIE GESCHICHTE DER SCIENCE FICTION.
Übersetzt von Harald Sachse
(HISTOIRE DE LA SCIENCE-FICTION / 2020)
Bielefeld, Splitter, 2021, 216 Seiten
ISBN 978-3-96219-103-0 / 29,80 Euro
Hardcover

Nicht „eine“, sondern DIE GESCHICHTE DER SCIENCE FICTION will uns der französische Buchliebhaber und Autor Xavier Dollo erzählen – illustriert durch die Zeichnungen des Franko-Kanadiers Djibril Morissette-Phan. Denn DIE GESCHICHTE DER SCIENCE FICTION, die im Herbst 2021 von Harald Sachse übersetzt bei Splitter auf Deutsch erschien, ist ein Sach-Comic!

Wie der französische Bestsellerautor Pierre Bordage in seinem Vorwort schreibt, erfordert es „eine gehörige Portion Mut oder Leichtsinn“, solch eine Literaturgeschichte anzugehen. Beides scheinen Dollo und Morissette-Phan im Überfluss zu besitzen.

Sobald man die ersten Seiten hinter sich gelassen hat, verschwindet jeder Zweifel daran, ob ein 200-Seiten-Comic dieser Aufgabe gewachsen sein könne. Natürlich lassen sich Autorinnen, Werke, Filme oder Comics finden, die hier fehlen (Wo wäre das nicht der Fall?), aber weder was die historische Entwicklung unseres Lieblings-Genres, noch die wichtigsten Kunstwerke und ihre Erschaffer angeht, sind allzu auffällig Lücken erkennbar.

Dafür aber gibt es hier (wie nicht anders zu erwarten, wenn die Franzosen das Heft in die Hand nehmen) viele Ansicht, Eindrücke und Hinweise zu entdecken, die in den meisten angloamerikanischen Sekundärwerken zur Science Fiction marginalisiert werden oder ganz fehlen. Sicherlich ist es für uns erst einmal erstaunlich, wieviele französische Werke angeführt werden – andererseits wünsche ich mir oftmals, dass es hierzulande ein stärkeres Bewusstsein dafür gäbe, welch herausragende Geschichten deutschsprachige Erzähler und Erzählerinnen im Bereich der phantastischen Literatur über die Jahrhunderte verfasst haben.

Was die Produktion und das Erscheinungsbild angeht, muss man auch dem Splitter Verlag ein Lob aussprechen, der trotz der ungewöhnlich großen Textmenge das Handlettering beibehalten hat. Und die stabile Fadenheftung sorgt dafür, dass der Band auch bei intensiver Nutzung (Hallo Didaktiker, Aufgemerkt! Dies ist ein Sachbuch, das man im Unterricht durchaus mal verwenden könnte!!) in Form bleibt.

Insoweit: Ein gelungener Versuch!

Horst Illmer
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Die Geschichte der Science Fiction
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8. November 2021 und 7 Kommentare

Xavier Dollo (Text) & Djibril Morissette-Phan (Zeichnungen & Farbe)
DIE GESCHICHTE DER SCIENCE FICTION.
Übersetzt von Harald Sachse
(HISTOIRE DE LA SCIENCE-FICTION / 2020)
Bielefeld, Splitter, 2021, 216 Seiten
ISBN 978-3-96219-103-0 / 29,80 Euro
Hardcover

Nicht „eine“, sondern DIE GESCHICHTE DER SCIENCE FICTION will uns der französische Buchliebhaber und Autor Xavier Dollo erzählen – illustriert durch die Zeichnungen des Franko-Kanadiers Djibril Morissette-Phan. Denn DIE

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Ein Blick hinter die Kulissen #7: Ne Scheibe abschneiden

von am 5. November 2021 noch kein Kommentar

Nepper, Schlepper, Bauernfänger auch bei uns im Buchhandel. Glaubt man kaum. Kosten aber mehr Zeit und Nerven, als man denkt… Hört selbst.

 

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5. November 2021 und noch kein Kommentar

Nepper, Schlepper, Bauernfänger auch bei uns im Buchhandel. Glaubt man kaum. Kosten aber mehr Zeit und Nerven, als man denkt… Hört selbst.

 

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Die Mars-Chroniken

von am 3. November 2021 10 Kommentare

Ray Bradbury
DIE MARS-CHRONIKEN
Roman in Erzählungen.
Übersetzt von Margarete Bormann, Peter Naujack, Thomas Schlück
Diogenes Taschenbücher Mai 2008 – 384 Seiten
ISBN: ‎ 978-3257208634

»Das Leben auf der Erde hat zu keinem Zeitpunkt etwas wirklich Gutes bewirkt. Die Wissenschaften eilten uns zu schnell davon, und die Menschen gingen in einem technischen Dschungel verloren wie Kinder, die sich an schönen Dingen freuten (…), sie gewichteten falsch, (…)« (S. 371)

Zu Bradburys DIE MARS-CHRONIKEN kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Vor einiger Zeit hat mir Gerd einige Stapel von Buchempfehlungen nach Freiburg geliefert und der Roman von Bradbury war darin verborgen. Dann hat mich der Nachruf von Gerd über Herrn Bradbury berührt. Als nächstes hat mir dann auch noch Oliver L. das Buch empfohlen.

Von daher "musste" ich dann freilich unbedingt diesen Klassiker der "Science Fiction" lesen. Ganz bewußt habe ich jedoch den Begriff Science Fiction in Anführungszeichen gesetzt, denn der Autor selbst schreibt in seiner Einführung auf S. 18, dass die Erzählung eher als Mythos oder Sage zu verstehen ist.

Und diesen Fingerdeut sollte man beim Lesen auch nicht aus den Augen verlieren, denn ich selbst hatte (ehrlich gesagt) so meine Anlaufschwierigkeiten mit Bradburys DIE MARS-CHRONIKEN; vermutlich genau deshalb, weil ich trotz dieses Hinweises des Autors irgendwie "typische" (gibt es diese überhaupt?) Science Fiction erwartet hatte.

Tatsächlich waren sogar die ersten 16 (von insgesamt 28) Geschichten des Romans für mich irgendwie suspekt, irgendwie nicht griffig; obwohl die Geschichten freilich zusammengehören, konnte ich mit den Fragmenten erstmal nicht so viel anfangen, was anfänglich womöglich an dem "komischen" und "fiesen" Verhalten der Marsmenschen – die bei Bradbury überdies recht menschlich in Aussehen und Verhalten daher kommen und agieren – liegen mochte. Doch auch die teilweise unlogischen und manchmal eindimensional gezeichneten Gedanken und Verhalten der auf dem Mars landenden und später lebenden Menschen (darunter auch Priester) machten mir den Zugang zum Buch zunächst echt nicht leicht.

Gleichwohl konnte ich mein erstes Unbehagen gut aushalten und durchhalten, weil sich Bradbury einer wirklich hervorragenden Sprache und Erzählkunst bedient, die mich dann doch irgendwie hat weiter lesen lassen.

Schlussendlich wurde ich belohnt:

Mit Geschichte 17 und 19 ist der Knoten dann bei mir geplatzt. Mit der Story "Da oben, mitten in der Luft" fesselte Bradbury mich, mit der Erzählung "Usher II" lies er dann die Bombe platzen und ich wollte und musste mir dann jede weitere Geschichte reinziehen, denn von da an (bis zum Ende) versetzte das Buch mich dann in Erstaunen.

Ich will zu den einzelnen Geschichten inhaltlich nichts verraten, nur möchte in den etwas missverständlichen Klappentext klarstellen: Bradburys DIE MARS-CHRONIKEN erzählt nicht (!) von den "Reisen" zwischen Erde und Mars. Keine der Geschichten beschäftigt sich mit einer Reise im Raumschiff zwischen den Planeten. Vielmehr geht es hautsächlich um das Erleben, Streben, Täuschen, Verteidigen, Erobern, Zerstören, (Aus)Sterben und Überleben sowohl der Marsmenschen als auch der Erdmenschen und zwar (überwiegend) auf dem Mars und (teilweise) auf der Erde; die Handlung in den Stories findet daher auf den Planeten (nicht im All) statt.

Auch sollte man das Buch tatsächlich von Anfang an (d.h. beginnend mit Geschichte 1) lesen und erleben, da die Reihenfolge der Geschichten durchaus einen Zweck verfolgt, wie ein gut abgestimmtes 4-Gänge-Sternemenü, … da fängt man ja auch nicht mir der Nachspeise an.

Unter dem Strich kann ich sagen, dass Bradburys DIE MARS-CHRONIKEN einzigartig ist, und der Autor seine Geschichten völlig zu Recht in den Bereich der Mythen und Sagen ansiedelt, … wenn man beim Lesen dies beherzigt, dann bekommt man, was man erwartet, … und gleichzeitig sind die DIE MARS-CHRONIKEN (um Forest Gump zu zitieren) "wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie, was man kriegt".

Am Ende gebührt Herrn Bradbury natürlich das Wort (und diese Worte aus dem Jahr 1950 passen doch irgendwie – fast schon erschreckend – gerade auch in unsere letzten beiden Jahre 2020 und 2021):

»Wohin schaust du so gespannt, Paps?«
»Ich habe nach irdischer Logik gesucht, nach gesundem Menschenverstand, nach einer guten Regierung, nach Frieden und Verantwortungsgefühl.«
»Und das alles soll es das oben [auf der Erde] geben?«
»Nein. Ich hab´s nicht gefunden. Das gibt es da oben nicht mehr. Vielleicht kommt es auch nie wieder. Vielleicht haben wir uns die ganze Zeit nur etwas vorgemacht, und es hat es nie gegeben.« (S. 360f.)

MITCH

3. November 2021 und 10 Kommentare

Ray Bradbury
DIE MARS-CHRONIKEN
Roman in Erzählungen.
Übersetzt von Margarete Bormann, Peter Naujack, Thomas Schlück
Diogenes Taschenbücher Mai 2008 – 384 Seiten
ISBN: ‎ 978-3257208634

»Das Leben auf der Erde hat zu keinem Zeitpunkt etwas wirklich Gutes bewirkt. Die Wissenschaften eilten uns zu schnell davon, und die Menschen gingen in einem technischen Dschungel verloren wie Kinder, die sich an schönen Dingen

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Saubermann

von am 1. November 2021 1 Kommentar

Ken Bruen
Saubermann
Polar, Stuttgart 2021, 224 Seiten
ISBN 978-3-948392-28-4

Die „Jack Taylor“-Romane des irischen Krimi-Könners Ken Bruen, seit 2001 im Umlauf, gehören eigentlich zur Grundausstattung. Noch vor seinem ins Fernsehen vorgestoßenen Detektiv schuf Bruen, dieser Meister des finsteren, zynischen und coolen Hardboiled von der Insel, die Serie um Detective Sergeant Brant, Chief Inspector Roberts und Constable Falls. Der Film „Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“ mit dem schnellen und furiosen Transporter Jason Statham basiert auf den Brant-Romanen, ohne dass das jetzt als Qualitätssiegel gewertet werden soll.

Bei Polar kamen schon ein paar der Brant-Bücher heraus, mit „Saubermann“ liegt nun sogar der allererste auf Deutsch vor. Der Roman, 1998 erstmals veröffentlicht und mit allerhand Anspielungen auf Police-Procedural-Pionier Ed McBain gespickt, ist ein brachiales, fieses Vergnügen, Bruen wie man ihn kennt und liebt (vorausgesetzt, die Wellenlänge stimmt). Brant walzt als der Schandfleck der Londoner Polizei durch Dienst und Leben, korrupt, brutal, nur einer eigenen schrägen Logik verpflichtet. Ein Antiheld auf Talfahrt in die Hölle. Er und sein Chef Roberts, beste Feinde, brauchen einen Saubermann-Fall, einen großen Fisch, der alle Verfehlungen vergessen macht. Zur Auswahl stehen ein Serienkiller, der die englische Cricket-Nationalmannschaft dezimiert, und eine Gruppe selbsternannter Rächer, die Kriminelle aufknüpfen und anzünden …

„Jack Taylor fliegt raus“ wäre ein guter Start in Ken Bruens Schaffen, ebenso die pulpige Fisher/Petrakos-Trilogie von ihm und Jason Starr. Und ja, „Saubermann“, dieser gewalttätige, düstere Gruß aus den 90ern, taugt auch fürs Kennenlernen. Allerdings erinnert einen diese willkommene Veröffentlichung auch schmerzhaft daran, dass noch so einige Bruens, sogar ein paar Jack Taylors, nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Aber immerhin geht es nun mit Brant und Roberts weiter. Oder los. Je nachdem.

Christian Endres

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1. November 2021 und 1 Kommentar

Ken Bruen
Saubermann
Polar, Stuttgart 2021, 224 Seiten
ISBN 978-3-948392-28-4

Die „Jack Taylor“-Romane des irischen Krimi-Könners Ken Bruen, seit 2001 im Umlauf, gehören eigentlich zur Grundausstattung. Noch vor seinem ins Fernsehen vorgestoßenen Detektiv schuf Bruen, dieser Meister des finsteren, zynischen und coolen Hardboiled von der Insel, die Serie um Detective Sergeant Brant, Chief Inspector Roberts und Constable Falls. Der Film „Blitz – Cop-Killer

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Geschichten aus dem Hermkeverse #11: Ein reuiger Sünder

von am 29. Oktober 2021 3 Kommentare

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Ich wollte kein weiteres mal in diesem Format auf Diebstahl zurückkommen. Das Thema ist auch durch. War es jedenfalls, bis zu jenem rührenden Tag. Hört selbst…
 

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

 

29. Oktober 2021 und 3 Kommentare

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Ich wollte kein weiteres mal in diesem Format auf Diebstahl zurückkommen. Das Thema ist auch durch. War es jedenfalls, bis zu jenem rührenden Tag. Hört selbst…
 

https://www.comicdealer.de/wp-content/uploads/audio/Hermkeverse/Hermkeverse011.mp3

Kleiner Tipp: In der mobilen Vorschau ist der Link nur klickbar, ohne eingebundenen "player". Wenn ihr auf den Artikel direkt springt, dann schon…

 

Enders Spiel

von am 27. Oktober 2021 noch kein Kommentar

Orson Scott Card
ENDERS SPIEL
Karl-Ulrich Burgdorf (Übersetzer)
Taschenbuch 464 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453314207

EINLEITUNG

Diesen Sommer kam ich in den Genuss, die beiden Romane "Enders Spiel" und "Sprecher für die Toten" von Orson Scott Card zu lesen. Inspiriert wurde ich (wie so oft) durch Gerds goldene Buchempfehlungen und auch durch dessen Rezension zur "Ender-Reihe".

Vorab ist zu sagen: Das Buch "Enders Spiel" (obwohl es der Auftakt einer Reihe ist) kann sehr gut als Einzelband gelesen werden, der Roman steht und wirkt für sich, und zwar gewaltig.

EIN GESCHMACK ZUM INHALT

Ein bisschen was zum Inhalt des im Jahr 1985 erschienen Buchs kann und muss ich verraten:

In Orson Scott Cards Zukunft unserer Erde mündet der Planet in einer drastischen Überbevölkerung (hierzu eine ernüchternde Anmerkung zur Realität: Anfang des 20. Jahrhunderts hatten wir rund eineinhalb Milliarden Menschen, in den 80er Jahren – bei Veröffentlichung des Buches – hatten wir auf unserem Planeten schon rund vier Milliarden Menschen, heute im Jahr 2021 leben sogar fast acht Milliarden Menschen auf der Erde). Card hat in "Enders Spiel" diese explosionsartige Zunahme unserer Weltbevölkerungszahl bereits damals im Jahr 1985 thematisiert.

In der fiktiven Gegenwart von "Enders Spiel" erfolgte (einige Jahrzehnte vor der eigentlichen Handlung) ein schlimmer Angriff von aggressiven Außerirdischen, die "Krabbler" genannt, welcher jedoch vom menschlichen Militär zurückgeschlagen werden konnte. Diese Bedrohung eint seither die Völker und Staaten auf der Erde, zugleich wird die Bevölkerung durch staatlich gesetzte Furcht vor erneuter Gefahr und durch Propagandavideos vom heroischen Kampf der "guten" Erdensoldaten gegen die "bösen" Krabbler gelenkt und geführt. Zudem wird ein Vermehrungsverbot für Eltern staatlich verordnet, so dass menschlicher Nachwuchs nur noch bis zur Grenze von maximal zwei Kindern erlaubt ist, jedes weitere Kind (der sogenannte "Dritt") wird von der Gesellschaft geächtet und als Folge asozialen Ursprungsverhaltens verpönt und abgestraft. Ebenso wird im Weltraum eine elitäre Kampfschule errichtet, die gezielt dazu dient, Kinder sowie junge Männer und Frauen als effektive Soldaten und Strategen im drohenden Weltraumkampf gegen die Krabbler auszubilden.

Und in jene Welt wird unser Held, Andrew Wiggin, genannt Ender, hinein geboren, und zwar als staatlich legitimierter "Dritt" der Eheleute Wiggin, die mit behördlicher Ausnahmegenehmigung drei Abkömmlinge in die Welt setzen und – mit staatlichen Monitoren im Nacken versehen – unter Beobachtung großziehen dürfen.

Als Drittgeborener ist Ender in der Schule jedoch schlecht angesehen und seine herausragende Intelligenz sorgt zudem für Neider. Eines Tages wird Ender von der staatlichen Überwachung befreit, was dazu führt, dass er nach Schulschluss von einer Gruppe Kinder abgefangen wird; die Kinder wollen ihn hänseln, schikanieren und quälen. Ender wehrt sich sofort heftig und schlägt Stilson, den Anführer, zu Boden. Ender erkennt bei seiner Verteidigung, dass er sich künftig vor weiteren Attacken nachhaltig schützen kann, wenn er harte Exempel statuiert: Er macht daher seinen Widersacher (vor den Augen der anderen Kinder) brutal "fertig" und droht der ganzen Bande, er würde diese Gnadenlosigkeit Jedem zu Teil werden lassen, der ihn nochmal belästigen würde.

Fortan kommt Ender aufgrund jener (und anderer) "herausragenden" Charaktereigenschaft(en) für die Regierung als (vom Staat gezüchteter und geplanter) Elitesoldat und Kommandant in Betracht, er wird vom Ausbilder der Kampfschule (seiner Familie entrissen und) in die kalte Welt der im All befindlichen Kampfschule geworfen.

Der sechsjährige Ender gilt dort als "Überflieger" und "Streber" und wird zunächst – vor allem von den älteren Kindern – dafür (und für seine Erfolge) mißachtet.

Für Ender gilt es fortan, in der Kampfschule und den darin stattfindenden Übungsspielen (daher der Titel des Romans) zu überleben, sowie sich allerorts Respekt zu verschaffen, er muss dafür aber mit seinen inneren Kämpfen, Gefühlen und Ängsten in Frieden kommen; insbesondere begleitet ihn in der Kriegerschule stets ein schlimmer Gewissenskonflikt: Eigentlich will der Krieger in ihm keinem Wesen schaden, eigentlich will Ender nur in Frieden leben.

Jedoch muss Ender im Laufe der Jahre erkennen, dass er Tag für Tag nicht nur sich selbst verteidigen und schützen muss, sondern dass das Schicksal seiner Familie und das Überleben der ganzen Menschheit allein von seinen Entscheidungen und seinem Tun abhängt. Die schwere Last der Verantwortung und der schwere Preis der Macht zur Führung, die Isolation, setzen dem Jugendlichen immer mehr zu.

Was wird Ender tun? Eine geniale Geschichte mit überraschenden Wendungen wartet auf den Leser.

MEIN ERLEBEN MIT ENDERS SPIEL

Ich habe das Buch verschlungen. Ich habe das Buch geatmet. Ich habe das Buch verinnerlicht.

Die Erzählung in Cards Buch bleibt immer ganz nah am Erleben von Ender als Kind und (später) als Jugendlicher. Dabei dringt die Geschichte unmerklich tiefer in das Selbst des Lesers. Teilweise fühlte ich mich beim Lesen tatsächlich wie Ender, oft musste ich das Buch kurz beiseitelegen und "durchatmen". Die Wahrnehmungen und Konflikte von Ender gingen direkt auf mich über: Freilich habe auch ich in meiner Kindheit böse Hänseleien und einsame Isolation erfahren müssen, auch ich war als Kind "Täter" und "Opfer", erlebte Not, Trennung und Einsamkeit, … wer von uns nicht?

"Enders Spiel" macht deutlich, (erstens) wie unerbittlich doch Menschen (auch Kinder) sein können, (zweitens) wie einfach und wie kraftvoll (gezielt manipulativ gesetzte) angstbasierte Systeme bei Menschen und Gesellschaften funktionieren und (drittens) wie ein junger Mensch in einer solchen Welt gleichwohl sich selbst reflektieren, finden und treu bleiben kann; alles Themen, die (gerade auch für Erwachsene) heute aktueller sind denn je?!

Vor allem der Plot einer "Kampfschule" hat bei mir voll ins Schwarze getroffen, jede Seite im Buch machte mich immer noch neugieriger auf die nächste Buchseite. Das Ende des Romans ist grandios, mir stand sprichwörtlich "der Mund offen".

Nicht umsonst wurde "Enders Spiel" im Jahr 1985 mit dem Nebula Award als bester Roman sowie im Folgejahr mit dem Hugo Award als bester Roman ausgezeichnet.

MITCH

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27. Oktober 2021 und noch kein Kommentar

Orson Scott Card
ENDERS SPIEL
Karl-Ulrich Burgdorf (Übersetzer)
Taschenbuch 464 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453314207

EINLEITUNG

Diesen Sommer kam ich in den Genuss, die beiden Romane "Enders Spiel" und "Sprecher für die Toten" von Orson Scott Card zu lesen. Inspiriert wurde ich (wie so oft) durch Gerds goldene Buchempfehlungen und auch durch dessen Rezension zur "Ender-Reihe".

Vorab ist zu sagen: Das

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Das Science Fiction Jahr 2021

von am 25. Oktober 2021 noch kein Kommentar

Melanie Wylutzki & Hardy Kettlitz (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021.
Berlin, Hirnkost, 2021, 608 S.
ISBN 978-3-949452-12-3 / 28,00 Euro
Klappenbroschur

Es ist fast schon ein liebgewonnenes Ritual geworden – aber immer noch ist DAS SCIENCE FICTION JAHR das einzige Sekundärwerk, auf dessen Erscheinen ich mich regelmäßig schon lange im Voraus freue. Und auch die inzwischen 36. Ausgabe, DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021, herausgegeben von Melanie Wylutzki und Hardy Kettlitz, hat mich nicht enttäuscht.

Um jetzt nicht einfach nur das Inhaltsverzeichnis abzuschreiben, hier eine launige Kurz-Interpretation der Beiträge: Die Welt geht unter, aber wir Science-Fiction-Leser wussten das wenigstens schon vorher, wie hier gleich zu Beginn ein Dutzend Artikel im „Climate-Fiction-Feature“ beweisen. Stanislaw Lem wäre im Jahr 2021 Einhundert Jahre alt geworden, auch dieses Ereignis wird intensiv, spielerisch und philosophisch gewürdigt. Die 200 Seiten Buchbesprechungen (von unterschiedlicher Länge und Qualität) versprechen unglaublich viel Information (und entfachen jede Menge „Nachkauf-Bedarf“). Etwas kürzer dann die Abteilungen mit Comics, Filmen, TV-Serien und Games – etwas umfänglicher dafür wieder die Statistik-Sektion (Preise, Nachrufe, Bibliografie).

Meine Highlights: Christian Endres interviewt gleich elf Orwell-Neu-ÜbersetzerInnen, Bernd Flessner und Karlheinz Steinmüller schreiben über ihre Lem-Eindrücke und Simon Spiegel liest ausführlich in Dietmar Daths NIEGESCHICHTE.

Nach über 600 Seiten purem Science-Fiction-Input lautet das Fazit: Ich freue mich jetzt schon auf DAS SCIENCE FICTION JAHR 2022!

Horst Illmer
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Das Science Fiction Jahr 2021
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25. Oktober 2021 und noch kein Kommentar

Melanie Wylutzki & Hardy Kettlitz (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021.
Berlin, Hirnkost, 2021, 608 S.
ISBN 978-3-949452-12-3 / 28,00 Euro
Klappenbroschur

Es ist fast schon ein liebgewonnenes Ritual geworden – aber immer noch ist DAS SCIENCE FICTION JAHR das einzige Sekundärwerk, auf dessen Erscheinen ich mich regelmäßig schon lange im Voraus freue. Und auch die inzwischen 36. Ausgabe, DAS SCIENCE FICTION

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