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Horst Illmer | comicdealer.de - Part 11
  • Juli 2019
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    31. Juli 2019

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  • Der Terraformer

    von am 19. Januar 2015 Kommentare deaktiviert für Der Terraformer

    terraformerMatthias Falke
    DER TERRAFORMER.
    Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S.
    ISBN 978-3-86402-189-3

    So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer.
    Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, dafür aber mit der Möglichkeit, Gott zu spielen und der Schöpfung ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und dann sowas: Gerade als seine kürzlich freigesetzten Blaualgen den ersten Sauerstoff produzieren, spaziert da plötzlich ein Mann über die noch sehr karg bewachsenen Felsen und bitte McCoy um Hilfe und Asyl.
    Es handelt sich dabei um Roderick, einen in die „Wolfszeit“ verstoßenen Clanchef von einer der eher rückständigen Erzwelten vom Rande der menschlichen Hegemonie, der bei dem Terraformer Unterschlupf findet und für einige Monate sein Gehilfe wird. Doch wenn Roderick seine Ehre, seine Familie und sein Leben (in dieser Reihenfolge) retten will, muss er vor Ablauf eines Jahres zurück auf seine Heimatwelt und dort sein Recht einfordern.
    Eher widerwillig überlässt ihm McCoy schließlich seine Rettungskapsel, mit der Roderick ins nächste Sternensystem aufbricht. Noch bevor Anders McCoy seinen neuen Freund so richtig vermissen kann, bekommt er schon wieder Besuch. Diesmal allerdings eher unfreundlichen, von Rodericks Feinden – und schon wird er von seinem Projekt weggeschleppt und steckt mitten in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die halbe Galaxis.
    Matthias Falke ist mit DER TERRAFORMER ein gut geschriebener, spannender und häufig auch sehr humorvoller Science-Fiction-Roman der „alten Schule“ gelungen. Keine Stilexperimente, keine überbordende Gewalt, keine Apokalypse, die kurzfristig gestoppt werden muss – sondern einfach nur ein herrlich-versponnenes Weltraum-Garn, wie man es sich auf Beta 7 oder Centauri 13 abends bei einem guten Gläschen am Tresen einer Raumfahrer-Kneipe erzählt.
    Lesevergnügen pur!

    Horst Illmer

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    Der Terraformer
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    19. Januar 2015 und Kommentare deaktiviert für Der Terraformer

    Matthias Falke DER TERRAFORMER. Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S. ISBN 978-3-86402-189-3 So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer. Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, weiterlesen…

    Der Club für bizarre Berufe

    von am 25. Dezember 2014 Kommentare deaktiviert für Der Club für bizarre Berufe

    Club der BerufeG. K. Chesterton
    DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen.
    Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg
    Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904)
    Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S.
    ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro

    Der Engländer als solcher ist ja gerne Mitglied in einem Club – und je exklusiver, desto besser. Da nimmt es kaum Wunder, dass Mr. Swinburne, ein typischer Londoner wie nur je einer vor unser Angesicht trat, stets nach Mitgliedschaften in solch vornehmen Zirkeln strebt. Bis er jedoch Eintritt in den „Club für bizarre Berufe“ erlangt, muss er sich durch eine Reihe herrlich-schräger Großstadtabenteuer schlagen, die seiner Naivität und Gutgläubigkeit wirklich alles abverlangen.
    Von der Existenz dieser Vereinigung erfährt er, als er sich mit den „bemerkenswerten Abenteuern des Major Brown“ beschäftigen muss, die von einer Firma in die Wege geleitet werden, die man heutzutage wohl unter „Abenteuer GmbH“ im Branchenverzeichnis finden würde. Deren Inhaber erklärt auch kurz und bündig, unter welchen Voraussetzungen man in besagten Club Mitglied werden kann: Man muss einen völlig neuen Beruf erfinden oder entdecken – und damit dann auch seinen Lebensunterhalt bestreiten.
    Wie sich in den insgesamt sechs Erzählungen des Buches zeigt, lassen sich Londons Geschäftsleute einige sehr „bizarre“ Berufe einfallen, allesamt wohl nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen – wobei: hin und wieder beschleicht einen, nach besonders herzhaftem Gelächter, dann doch der Verdacht, dass sich einige dieser „Queer Trades“ bis heute gehalten oder sogar weiterentwickelt haben.

    Über einhundert Jahre her ist die Erstveröffentlichung der Geschichten, die sich Gilbert Keith Chesterton ausdachte, um seinem staunenden Publikum den CLUB OF QUEER TRADES vorzustellen. Erstmals 1904 in England als Buch erschienen, konnten sich seit 1928 auch deutsche Leser erheitert und kopfschüttelnd freuen über die bemerkenswerten Abenteuer der ungleichen Brüder Basil und Rupert Grant, erzählt von ihrem Freund Swinburne, dem ganz und gar nicht objektiven Begleiter der beiden.
    Allerdings hatte sich auf der bis in die 1980er Jahre verwendeten Übersetzung ein wenig der Staub der Jahrzehnte angesammelt. Unter dem Titel DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE sind die vergnüglichen „Londoner Erzählungen“ in der Neuübersetzung von Jakob Vandenberg im Coesfelder Elsinor Verlag neu aufgelegt worden.
    Chesterton hat seine Protagonisten vermutlich nicht zufällig als liebevolle Parodie von Conan Doyles Ermittler-Duo Holmes & Watson angelegt (an einigen Stellen wird aus dem Augenzwinkern ein freundschaftlicher Rippenstoß). Und so stolpert der selbsternannte Privatermittler Rupert Grant nur allzu gerne über vermeintliche „Fälle“, bei deren Lösung ihm Swinburne immer wieder voller Enthusiasmus beisteht, die jedoch letztlich vom gutmütigen Ex-Richter Basil Grant (einem der eindrucksvollsten Charaktere, die Chesterton je aufs Papier warf, vermutlich wegen gewisser biographischer Ähnlichkeiten) vermittelst Intuition und unter Ablehnung aller offensichtlichen Fakten („Wie Fakten doch die Wahrheit verschleiern“) entwirrt werden müssen.
    Wer bereit ist, sich auf den etwas speziellen englischen Humor der damals gerade erst vergangenen viktorianischen Ära einzulassen und sich an klug konzipierten und (trotz fehlender Bluttaten oder sonstiger Grausamkeiten) nicht unspannenden Geschichten zu erfreuen vermag, wird hier vollkommen zufrieden gestellt.
    DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE ermöglicht eine herrlich entspannende Wiederentdeckung eines Autors, der leider viel zu oft auf seine FATHER BROWN-Geschichten reduziert wird!

    Horst Illmer

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    25. Dezember 2014 und Kommentare deaktiviert für Der Club für bizarre Berufe

    G. K. Chesterton DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen. Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904) Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S. ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro Der Engländer als solcher ist ja gerne Mitglied in einem Club weiterlesen…

    Der Jesus-Deal

    von am 17. Dezember 2014 Kommentare deaktiviert für Der Jesus-Deal

    JesusDealAndreas Eschbach
    DER JESUS-DEAL. Thriller.
    Köln, Lübbe, 2014, 724 S.
    ISBN 978-3-431-03900-9
    Hardcover mit Schutzumschlag

    Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser vorher – und das gleich aus mehreren Gründen – schon weiß, wie er ausgeht, ja, ausgehen muss?
    Wer Andreas Eschbach einmal kennen gelernt hat, wird diesem liebenswert zurückhaltenden Menschen jedenfalls keinerlei Hang zum Größenwahn vorwerfen mögen. Also handelte es sich wohl tatsächlich um das Wissen um und das Vertrauen auf die Gesetze des Erzählens, des Spannungsaufbaus und das eigene Geschick, daraus tolle Bücher entstehen zu lassen, das hinter der Idee stand, dem großen Erfolg von DAS JESUS-VIDEO eine Fortsetzung folgen zu lassen.
    Eine Fortsetzung? Oder doch eher die Vorgeschichte? Oder das damals Weggelassene hinzufügen? Schon hier beginnen die Probleme – handelt es sich doch um eine Zeitreisegeschichte!
    Seit die Reise durch die Zeit in phantastischen Erzählungen vorkommt, hat sie Autoren und Leser gleichermaßen fasziniert. Geht es nur zurück? Geht es vorwärts? In beide Richtungen? Ortsgebunden oder an jeden beliebigen Fleck der Welt? Und, die wichtigste Frage von allen, kann man den Zeitablauf verändern? Kann man also zum Beispiel 2000 Jahre zurückreisen nach Jerusalem und die Kreuzigung Jesu verhindern?
    All dies beschäftigt natürlich auch Andreas Eschbach in DER JESUS-DEAL. Ausführlich referiert er über die naturwissenschaftlichen Hintergründe und philosophischen Probleme der Zeitreise. Doch damit lässt sich noch lange kein guter Roman schreiben. Dazu bedarf es toller Figuren, starker Gefühle und einer möglichst großen Bedrohung, gegen die ein Kampf aussichtslos erscheint, der von den Helden aber natürlich trotzdem geführt wird.
    Einen Großteil der Protagonisten kennt man aus DAS JESUS-VIDEO, einige der neu hinzugekommenen Handlungsträger ergeben sich schlüssig aus familiären oder gesellschaftlichen Beziehungen und selbst bei seinen Nebenfiguren gibt sich Eschbach alle erdenkliche Mühe bei deren Charakterisierung.
    Neben der Liebe und der Angst vor dem Tod gehört wohl vor allem die Religion zu den stärksten Antrieben des menschlichen Handelns. Den Aspekt des religiösen Fundamentalismus und seiner zerstörerischen Auswirkungen stellt Eschbach denn auch in den Mittelpunkt seines Romans. Er beschreibt die fast unvermeidliche geistige Verwirrung, die dieser Absolutheitsanspruch bewirkt – und lässt dabei den drei großen Weltreligionen gleichermaßen Gerechtigkeit widerfahren. Denn wenn es um die fanatische Auslegung von Gottes Wort geht, stehen sich Judentum, Christentum und der Islam in nichts nach …
    Wenn man nach über siebenhundert Seiten ideenreicher, herzergreifender und spannender Lektüre schließlich rundum zufrieden das Buch schließt, ist man sich sicher, dass dieser Mann seiner Fähigkeit als Geschichtenerzähler völlig zu Recht vertraut.

    Horst Illmer

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    Der Jesus-Deal
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    17. Dezember 2014 und Kommentare deaktiviert für Der Jesus-Deal

    Andreas Eschbach DER JESUS-DEAL. Thriller. Köln, Lübbe, 2014, 724 S. ISBN 978-3-431-03900-9 Hardcover mit Schutzumschlag Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser weiterlesen…

    Das Jesus-Video

    von am 28. November 2014 Kommentare deaktiviert für Das Jesus-Video

    JesusVideoAndreas Eschbach
    Das Jesus-Video. Thriller.
    Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten
    BL-TB 17035 / 9,99 Euro

    Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, wittert der Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith eine Sensation. Er verständigt John Kaun, Geldgeber der Ausgrabung und zugleich einer der mächtigsten Männer der Nachrichten-Branche.
    Eine Theorie ist schnell zur Hand: Ein Zeitreisender hat damals Jesus gefilmt, konnte nicht mehr zurückreisen und hat vermutlich die Kamera irgendwo versteckt. Kaun will unbedingt diese Kamera und die Aufzeichnungen um sein angeschlagenes Imperium zu sanieren. Sein Gegenspieler ist der junge Amerikaner Stephen Foxx, der das Skelett gefunden hat. Dabei hat er einen der Anleitung beiliegenden Brief an sich genommen, und versucht nun selbst, mithilfe eines befreundeten Wissenschaftlers, diesen zu entziffern.
    Aber Kaun hat viel Geld und keine Skrupel und will mit allen Mitteln Ergebnisse herbeizwingen. Es beginnt ein Wettlauf, bei dem mal Kaun, mal Foxx die Nase vorne hat. Wem es nun gelingt diese Kamera zu finden, welche Informationen sich auf deren Siliziumspeichern befinden und was ein „Jesus Video“ ist, beantwortet der Verfasser in seiner hervorragend erzählten Geschichte, die seit ihrer Erstveröffentlichung 1998 nichts von ihrer Spannung und Faszinationskraft eingebüßt hat.
    Andreas Eschbach braucht den Vergleich mit britischen und amerikanischen Autorenkollegen nicht zu scheuen. Es ist alles da, was einen guten Roman ausmacht: Ein ungleiches Liebespaar, jede Menge Geld und Technik, Verschwörungen, Geheimgänge, die Katholische Kirche, tapsige Wissenschaftler und harte Soldaten – und auch ein deutscher Science-Fiction-Schriftsteller hat seine Sternstunde.

    Horst Illmer

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    28. November 2014 und Kommentare deaktiviert für Das Jesus-Video

    Andreas Eschbach Das Jesus-Video. Thriller. Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten BL-TB 17035 / 9,99 Euro Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, weiterlesen…

    Ubik

    von am 7. November 2014 Kommentare deaktiviert für Ubik

    UbikPhilip K. Dick
    UBIK. Roman.
    Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux.
    (Originaltitel: Ubik / 1969)
    Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten
    ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro

    Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit.
    Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus der Sicht des Autors damals noch ferne Zukunft, für uns heutige Leser natürlich lange schon Vergangenheit. Entstanden ist UBIK während der Psychodelic-Ära Ende der 1960er Jahre und so scheint die Geschichte manchmal den Geist dieser Zeit zu verströmen. Die Story wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär.
    Und trotzdem beschleicht mich bei der Lektüre jedes Mal ein Gefühl von Verunsicherung. Plötzlich wirkt das Geschehen so real, dass ich mich am Kragen gepackt fühle und mitten hinein versetzt in diese Konsumwelt, deren Darstellung als allumfassender Moloch inzwischen gar nicht mehr so übertrieben erscheinen mag wie vielleicht noch 1969.
    Der Roman erzählt die Erlebnisse einer Gruppe von Agenten eines privatwirtschaftlich geführten Geheimdienstes, die, gemeinsam mit ihrem Chef Glen Runciter und dem Techniker Joe Chip, auf dem Mond in einen Hinterhalt geraten und dabei fast alle getötet werden. In der von Philip K. Dick entworfenen Welt, existiert jedoch die Möglichkeit, mittels „Kältepackung“ Menschen, die sonst sterben würden, einzufrieren und sich so ihre geistigen Fähigkeiten noch eine zeitlang zunutze zu machen. Während Joe Chip nun glaubt, nach dem Attentat seinen Chef Runciter solcherart „gerettet“ zu haben, muss er im weiteren Verlauf der Geschichte nach und nach erkennen, dass er es wohl selbst ist, der als „Halb-Lebender“ mit der Außenwelt kommuniziert – und dass die künstlich erzeugte Zwischenwelt ihre ganz eigenen Gefahren besitzt.
    In UBIK gelingt dem Autor der künstlerische Spagat zwischen einer kafkaesken Atmosphäre wie man sie aus dem SCHLOSS kennt und einer reinen SF-Idee a la MATRIX. Mit diesem Werk reiht sich Philip K. Dick ein in die Weltliteratur und gesellt sich zu jenen Autoren, aus deren – in einer Art literarischem „Halbleben“ schlummernden – Meisterwerken sich spätere Generationen gerne bedienen und daraus mit Hilfe ungeheurer Werbeetats mehr oder weniger gelungene Blockbuster erzeugen.
    Zu keiner Zeit war UBIK aktueller als heute.

    Horst Illmer

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    Ubik
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    7. November 2014 und Kommentare deaktiviert für Ubik

    Philip K. Dick UBIK. Roman. Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux. (Originaltitel: Ubik / 1969) Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit. Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus weiterlesen…

    Der Marsianer

    von am 14. Oktober 2014 Kommentare deaktiviert für Der Marsianer

    MarsianerAndy Weir
    DER MARSIANER. Roman.
    Ü: Jürgen Langowski
    (The Martian / 2014)
    München, Heyne, 2014, 509 S.
    ISBN 978-3-453-31583-9

    Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot halten, auf dem Roten Planeten zurückgelassen. Verwundet und ohne Kommunikationsmöglichkeiten kann er sich in die Forschungsbasis retten. Während die unter Schock stehende Crew den Heimflug zur Erde antritt, wo das Scheitern der dritten Marsmission natürlich ein gewaltiges Medienspektakel hervorruft, macht Mark Bestandsaufnahme. Kurzfristig stehen seine Überlebenschance nicht schlecht – aber als Totgeglaubter kann er nicht einmal auf eine Rettungsmission hoffen. Trotzdem versucht er alles, um a Leben zu bleiben. Und als NASA-Mitarbeiter einige Wochen später die Unglücksstelle per Teleskop untersuchen wollen, sehen sie Unglaubliches …

    Im Jahr 1964, vor genau fünfzig Jahren, kam der Independent-Film ROBINSON ON MARS in die Kinos, eine freie Adaption des ROBINSON CRUSOE (1719) von Daniel Defoe. Und auch wenn die Beschreibung von DER MARSIANER fast so klingt wie „Das Buch zum Film“, so verfügt der Roman von Andy Weir dann doch über genügend eigenes Potenzial, um seiner Top-Titel-Funktion im Herbstprogramm der Heyne-SF-Reihe gerecht zu werden. Das von Jürgen Langowski übersetzte Buch war in den USA ein Überraschungserfolg, denn so spannend und emotional Weir auch erzählt, so nahe an den realen Gegebenheiten einer NASA-Mars-Mission bleibt er. Die Originalausgabe THE MARTIAN erschien zuerst 2011 als selbstproduziertes E-Book, bevor Del Rey Books aufmerksam wurde und der Autor seinen Erstling für die Druckausgabe nochmals überarbeitete.

    DER MARSIANER ist vor allem gut gemachte Unterhaltungsliteratur für Leser jeden Alters. Allerdings gelingt es Weir hervorragend, seine eigene Begeisterung für Technik und Raumfahrt glaubhaft und mitreißend in die Geschichte einzubringen. Die geschickten Wechsel zwischen dem Überlebenskampf auf dem Mars und dem fast ebenso heroischen Wettlauf der irdischen Raumfahrtspezialisten mit der Zeit, bringen ordentlich Tempo und Dramatik ins Buch. So geht gute Science Fiction!

    Horst Illmer

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    Der Marsianer
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    14. Oktober 2014 und Kommentare deaktiviert für Der Marsianer

    Andy Weir DER MARSIANER. Roman. Ü: Jürgen Langowski (The Martian / 2014) München, Heyne, 2014, 509 S. ISBN 978-3-453-31583-9 Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot weiterlesen…

    Die Insel der besonderen Kinder

    von am 12. September 2014 2 Kommentare

    inselRansom Riggs
    DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
    (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011)
    München, Pan, 2011, 416 S.
    ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro
    Auch als Taschenbuch erhältlich:
    München, Knaur, 2013, 416 S.
    ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 Euro

    Das Beste an dem seit einiger Zeit kursierenden Schlagwort von der »All Age«-Literatur ist, dass man seither auch in fortgeschrittenem Lesealter zu diesen Büchern greifen kann, ohne so alberne Entschuldigungen wie »Ich möchte einmal prüfen, ob das für die Enkelkinder geeignet ist« gebrauchen zu müssen. Im schlimmsten Fall ist das Buch dann halt auch nur das: Für die Enkelkinder geeignet.
    Manchmal jedoch stößt man auf ein Werk, das sich einem öffnet wie eine Schachtel voller alter, vergilbter Schwarzweiß-Fotos. Man blättert die Seiten um und hat dabei das Gefühl, mit jedem neuen Bild einer zwar längst vergangenen, aber bis heute immer noch wirksamen Magie zu erliegen. So geschehen bei der Lektüre von DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER des amerikanischen Drehbuchschreibers Ransom Riggs.
    Jacob Portman ist Fünfzehn und führt mit seinen wohlhabenden Eltern ein einigermaßen langweiliges Leben in Florida – bis zu dem Tag, an dem er mit ansehen muss, wie sein Großvater von einem Monster getötet wird. Ausgerechnet der von Jacob über alles geliebte Grandpa Abraham, der in jungen Jahren als Einziger seiner Familie den Nazi entkam – und, wie der unvergleichliche Erzähler unheimlicher Geschichten immer wieder beteuerte, den »Monstern«!
    Die örtliche Polizei glaubt allerdings nicht an solche Spinnereien, oder gar an »Monster«, und gibt die Schuld einem Rudel verwilderter Hunde. Für Jacob beginnt eine Zeit des Zweifels, des Leidens und der Desorientierung. Denn in den, mit alten Fotos »belegten« Erzählungen von Abraham kamen immer wieder zwei Motive vor: eine paradiesische Insel voller ganz »spezieller« Kinder und jene Monster, die er von dort fernhalten und bekämpfen musste. Allerdings hatte Jacob in den letzten Jahren seinem Großvater nicht mehr geglaubt und diese Geschichten schlicht für Märchen und die Bilder für schlechte Fälschungen gehalten.
    Um das schreckliche Geschehen zu verarbeiten, reist Jacob schließlich (auch auf Anraten seines Psychiaters) auf jene kleine Insel vor der walisischen Küste, auf der das Waisenhaus stand, in dem der junge Abraham Zuflucht vor dem Holocaust fand und eine glückliche Zeit zwischen ganz besonderen Kindern verlebte.
    Dort angekommen, findet Jacob nur noch eine ausgebombte Ruine vor, die von den Inselbewohnern als Spukhaus bezeichnet und furchtsam gemieden wird. Alles Suchen und Stöbern in den verfallenen Resten ist vergeblich, außer weiteren alten Fotos gibt es keinerlei Hinweise mehr darauf, wer vor dem September 1940 (als die Bombe auf das Haus fiel) hier gelebt hatte. Erst als er kurz vor seiner Abreise ein vorzeitliches Steingrab erkundet, macht Jacob die entscheidende Entdeckung – vielleicht hatten die Geschichten seines Großvaters doch einen wahren Kern …
    Für einen echten Entwicklungsroman ist der Handlungszeitraum von etwas mehr als einem Jahr zu kurz, dafür ist die Beschreibung der widersprüchlichen Gefühle, der Zerrissenheit der eigenen Persönlichkeit an der Schwelle vom Kind zum jungen Erwachsenen aber außergewöhnlich gut gelungen.
    Ransom Briggs hat mit DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER einen berührenden, zartfühlenden, unheimlichen und spannenden Roman verfasst, der auch erfahrene Leser zu fesseln versteht und trotz seiner Ansiedlung in der Gegenwart und seiner sehr modernen Sprache zwischen den Zeilen (und vor allem durch die vielen Bildbeigaben) ein leicht melancholisches Gefühl von Nostalgie zu vermitteln weiß.
    Ach, und bevor ich es vergesse: für die Enkelkinder ist das Buch auch hervorragend geeignet.

    Horst Illmer

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    Die Insel der besonderen Kinder
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    12. September 2014 und 2 Kommentare

    Ransom Riggs DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman. Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011) München, Pan, 2011, 416 S. ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro Auch als Taschenbuch erhältlich: München, Knaur, 2013, 416 S. ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 weiterlesen…

    Der unmögliche Roman

    von am 31. August 2014 Kommentare deaktiviert für Der unmögliche Roman

    UnmöglicheRomanZoran Zivkovic
    DER UNMÖGLICHE ROMAN.
    Aus dem Serbischen von Margit Jugo und Astrid Philippsen
    Köln, DuMont, 2011, 480 S.
    ISBN 978-3-8321-9615-8

    Inhalt:
    Zeitgeschenke (Vremenski Darovi /1997) 4 Geschichten
    Unmögliche Begegnungen (Nemoguci Susreti / 2000) 6 Geschichten
    Sieben Berührungen der Musik (Sedam Dorida Muzike / 2001) 7 Geschichten
    Die Bibliothek (Biblioteka / 2002) 6 Geschichten
    Schritte durch den Nebel (Koraci Kroz Maglu /2003) 5 Geschichten

    Bei der Durchsicht meiner während der sich aus diversen Gründen in die Länge ziehenden Lektüre von Zivkovics UNMÖGLICHEM ROMAN niedergeschriebenen Notizen fielen mir zwei Dinge auf: erstens hätte ich auf keine der insgesamt 28 Kurzgeschichten verzichten mögen und zweitens hatten sich über die Wochen und Monate hinweg einige davon so deutlich ins Gedächtnis eingeprägt, dass ich durchaus von „Lieblingsgeschichten“ sprechen möchte. Damit wird vielleicht auch deutlicher, worin die vielen Stärken (und die wenigen, ja, Schwächen mag man’s kaum nennen) des Buches liegen – in seiner fast paradoxen „geschlossenen Disparatheit“.
    Der deutsche Verlag von DER UNMÖGLICHE ROMAN macht etwas für Leser eigentlich sehr Unschönes: Er bastelt aus gleich fünf, im serbischen Original zwischen 1997 und 2003 erschienenen, Story-Sammlungen ein Buch, welches im Titel die Gattungsbezeichnung „Roman“ führt. Das zeugt entweder von ordentlicher Chuzpe oder großem Leichtsinn – einfacher macht es die Entscheidung, gerade dieses Buch zu kaufen und zu lesen jedenfalls nicht. Dafür erhält der Mutige eine Belohnung wie sie nur die besten Erzähler ihrem aufmerksamen Publikum bescheren – Geschichten, die im Gedächtnis bleiben und in ihrer Langzeitwirkung tatsächlich eine Bereicherung des Wissens- und Erfahrungsschatzes jedes Einzelnen mit sich bringen.
    Wer also alle „Hürden“ überwunden hat und sich auf das Abenteuer des „unmöglichen Romans“ einlässt, stößt schon auf der ersten Seite der ersten Erzählung („Der Astronom“) auf etwas, das alle Texte der vorliegenden Sammlung auszeichnet: auf eine Sprache (und ich vermute einmal, dass dies auch im serbischen Original so ist, nicht nur in der großartigen Übersetzung von Margit Jugo und Astrid Philippsen), die man einfach nur als „gepflegt“ bezeichnen kann.
    Natürlich hilft es, dass eigentlich alle Figuren wahre Stoiker sind und „Action“ oder selbst „Eile“ aus den beschriebenen Handlungen zum Großteil verbannt sind. Aber auch wenn sich die Geschehnisse oft in Räumen von unterschiedlicher Größe (von der Folterkammer bis zur „Großen Bibliothek“) abspielen, ist das noch keine wirkliche Erklärung für die Faszination, die Zivkovics Stil entwickelt. Vielmehr scheint es so zu sein, dass der „heimliche Held“ dieser Geschichten – die Zeit – Größe und Unüberwindlichkeit gerade in der Ausformulierung von Sätzen zeigt, in denen eine absolute Beherrschung der Sprache erkennbar wird.
    Es ist also ein Genuss, diese Geschichten zu lesen – und es ist ein Genuss, wie sich die einzelnen Szenarien vor dem inneren Auge öffnen und die Teilhabe an Geschehnissen ermöglichen, die (nach der Logik des Textes) jedem von uns jederzeit passieren könnten. Bis eben auf jenes winzige Moment des Phantastischen, das, teilweise nur in einem Wort, einem Satz oder einer Andeutung (die auch ganz anders ausgelegt werden könnte), in diese Jedermanns-Geschichten einbricht und ihnen ihren ganz speziellen „Geschmack“ verleiht.
    Wenn zum Beispiel einer der namenlosen Ich-Erzähler (der, wenn er denn tatsächlich als Alter Ego des Autors angelegt ist, einige Dutzend Inkarnationen durchmacht) in „Die Nachtbibliothek“ vom Bibliothekar sein „Lebensbuch“ vorgelegt bekommt, ist es nicht so sehr die Vorstellung, dass es eine Institution gibt, die alles über uns weiß (und sammelt), die zur Verstörung führt, sondern der im Vorraum eingeschlossene Regenschirm, der nach der überstürzten Flucht aus den Bibliotheksräumen dem nun vor den (auf immer?) verschlossenen Türen Stehenden gut sichtbar zeigt, dass dieses unmögliche Ereignis kein (Alp-)Traum war.

    Zoran Zivkovic hat sich mit seinen Erzählungen weltweit ein treues Publikum erobert, und dass dies in Deutschland noch nicht so ist, liegt sicherlich an der hierzulande oftmals gepflegten, zumeist ungerechtfertigten Bevorzugung des Romans gegenüber der Kurzgeschichte. Dabei vermögen es solch herausragende Schriftsteller wie Zivkovic in seinem UNMÖGLICHEN ROMAN, die Ideenkeime zu gleich 28 mehr oder weniger langen Gedankenspielen auszusäen und zum Erblühen zu bringen.
    Dieses Buch birgt 28 Chancen in sich, eines ihrer Lieblingsbücher zu werden – geben Sie ihm wenigstens eine!

    Horst Illmer

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    Der unmögliche Roman
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    31. August 2014 und Kommentare deaktiviert für Der unmögliche Roman

    Zoran Zivkovic DER UNMÖGLICHE ROMAN. Aus dem Serbischen von Margit Jugo und Astrid Philippsen Köln, DuMont, 2011, 480 S. ISBN 978-3-8321-9615-8 Inhalt: Zeitgeschenke (Vremenski Darovi /1997) 4 Geschichten Unmögliche Begegnungen (Nemoguci Susreti / 2000) 6 Geschichten Sieben Berührungen der Musik (Sedam Dorida Muzike / 2001) weiterlesen…

    Blumen für Algernon

    von am 24. August 2014 Kommentare deaktiviert für Blumen für Algernon

    AlgernonDaniel Keyes
    BLUMEN FÜR ALGERNON. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Eva-Maria Burger
    (Flowers for Algernon / 1966)
    (Hardcover nicht mehr lieferbar: Stuttgart, Klett-Cotta, 2006, 300 S.
    ISBN 3-608-93631-9 / 19,50 Euro)
    Paperback: Stuttgart, Klett-Cotta, 2015, 298 S.
    ISBN 3-608-96029-5 / 14,94 Euro

    Ist es möglich, so frage ich mich, ein Buch so erschöpfend zu studieren, seine Besonderheiten mit solchem Detailreichtum zu erfassen und zu beschreiben, dass es unsichtbar wird? Ist es möglich, dass wir, während wir penibel die Spannung seiner Handlung oder die Länge seiner Dialoge ausmessen, den Blick für seine Schönheit verlieren? Dass wir unserer prosaischen Beschreibung seines farbigen oder typographisch herausragenden Umschlages wegen das Leben zwischen den Zeilen nicht mehr sehen, dessen fein abgestimmte Zwischentöne viele Autoren vor Neid erblassen ließe, dessen psychologische Raffinesse die meisten anderen Werke in den Schatten stellt?
    Ich glaube, genau das tun wir oftmals. Ich glaube, indem wir uns unseren Studienobjekten mit der Haltung von Statistikern und Archivaren annähern, entfernen wir uns mehr und mehr von der wundersamen und magischen Welt der Phantasie, deren Anziehungskraft uns erst dazu anregte, uns mit diesen Büchern zu befassen.
    Es sind, natürlich, vor allem unsere Lieblingsbücher, die zuerst Gefahr laufen, solcherart betrachtet zu werden. Deshalb schadet es ihnen auch nicht, wenn wir sie für einen längeren Zeitraum aus den Augen verlieren. Stoßen wir dann eines Tages wieder auf solch ein Buch, und beginnen wir die Lektüre aus einer anderen, neuen, gewandelten Einstellung, so erfahren wir beim erneuten Lesen, ob die von uns erinnerten Qualitäten immer noch vorhanden sind und entdecken, im günstigsten Fall, sogar neue.
    BLUMEN FÜR ALGERNON von Daniel Keyes gehört zu meinen frühesten und eindrücklichsten Leseerinnerungen. Sowohl die Kurzgeschichte von 1959 als auch der 1966 zum Roman erweiterte Text beeindruckten mich mit ihrer überwältigenden Sprachkraft und der wunderbaren Charakterzeichnung des Protagonisten Charlie Gordon.
    Charlie ist ein geistig zurückgebliebener junger Mann, der als Reinigungskraft in einer Bäckerei einigermaßen mit dem Leben zurechtkommt. Zwei Eigenschaften zeichnen ihn aus: Seine freundliche und zuvorkommende Art und ein stark entwickelter Drang, Lesen und Schreiben zu lernen. Denn Charlie glaubt, wenn er intelligenter wäre, könnte er mehr Freunde haben und seine Arbeit noch besser verrichten.
    Alice Kinnian, seine Lehrerin in der Abendschule für retardierte Erwachsene, findet ihn sympathisch und freut sich über sein Engagement. Deshalb empfiehlt sie Charlie für ein Forschungsprogramm, bei dem die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch eine Operation und gleichzeitige medikamentöse Unterstützung gesteigert werden soll. Das Verfahren wurde erfolgreich an Versuchtieren getestet; das Vorzeigeexemplar ist eine weiße Maus mit Namen Algernon.
    Das Buch erzählt aus Charlies Sicht den Verlauf der Ereignisse in Form von datierten »Fortschrittsberichten«, welche den Zeitraum von März bis November eines Jahres umfassen. In diesen Einträgen zeigt sich das geistige Niveau Charlies bereits auf den ersten Blick an der verwendeten Rechtschreibung. Am Beginn stehen Sätze wie »Ich hofe sie nemen mich weil Miss Kinnian sagt fileich könen sie mich Intelgent machen.« (An dieser Stelle soll einmal der Übersetzerin gedacht werden, deren Übertragung von Charlies schlechtem Amerikanisch in schlechtes Deutsch als gelungen zu bezeichnen keinerlei Ironie darstellt!)
    Später, als sich die Erfolge der Behandlung einstellen, gelingt es Charlie rasend schnell, Rechtschreibung und Grammatik zu erlernen und zu beherrschen. Sein Stil wird glasklar, und die Berichte vermitteln nun gleichzeitig die Intelligenzsteigerung des Probanten und seine emotionale Unreife.
    Denn zwar gelingt es Charlie nun, Algernons Vorsprung im Lösen von Labyrinthen einzuholen und sich eine große Menge von »Wissen« anzulesen, aber die ihm zugefügten seelischen Schäden verhindern eine ähnlich schnell voranschreitende Sozialisierung. Aus dem netten Charlie wird ein arrogant-genialer Mister Gordon. Allerdings ist es dann auch sein hochentwickelter Geist, der zuerst erkennt, dass Algernons Entwicklung nicht mehr stabil ist, sondern rückwärts läuft …
    BLUMEN FÜR ALGERNON ist ein Buch, das es verstanden hat, mich Jahrzehnte nach seiner ersten Lektüre erneut in seinen Bann zu schlagen. Die Art und Weise in der Daniel Keyes die Entwicklung seines Protagonisten schildert, ist unverändert faszinierend. Auch aus dem Abstand vieler Jahre und nach vielen anderen Büchern bleibt BLUMEN FÜR ALGERNON ein Erlebnis.

    Horst Illmer

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    Blumen für Algernon
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    24. August 2014 und Kommentare deaktiviert für Blumen für Algernon

    Daniel Keyes BLUMEN FÜR ALGERNON. Roman. Aus dem Amerikanischen von Eva-Maria Burger (Flowers for Algernon / 1966) (Hardcover nicht mehr lieferbar: Stuttgart, Klett-Cotta, 2006, 300 S. ISBN 3-608-93631-9 / 19,50 Euro) Paperback: Stuttgart, Klett-Cotta, 2015, 298 S. ISBN 3-608-96029-5 / 14,94 Euro Ist es möglich, weiterlesen…

    Blade Runner

    von am 10. Juli 2014 Kommentare deaktiviert für Blade Runner

    BladeRunnerPhilip K. Dick
    BLADE RUNNER. Roman.
    (Do An­droids Dream of Electric Sheep? / 1968)
    Ü: Michael Nagula
    Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 224 S.
    Fischer Klassik
    ISBN 978-3-596-90559-1

    Ein Kopfgeldjäger ist normalerweise ein moralisch ziemlich bedenklicher Zeitgenosse, dem man am besten einfach aus dem Weg geht. Wenn er aber für die Polizei die unangenehme Arbeit erledigt, geflohene Androiden aufzuspüren und zu eliminieren, wandelt sich die Einstellung – je nachdem, ob man ein Mensch ist, der geschützt werden will, oder ein gejagter Androide. Wie steht man aber zu einem „Blade Runner“ (wie diese Sonderkräfte der Polizei der Zukunft genannt werden), der vielleicht selbst ein Androide ist?
    Diese Frage stellt sich eines schönen Tages Rick Deckard, einem der erfolgreichsten seines Fachs, als er bei einem neuen Job tiefer in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner „Beute“ eindringen muss, als bisher üblich. Denn wenn selbst die hübsche Rachael Rosen, Nichte des Gründers der Androiden-Fabrik, ein „Nexus-6-Andy“ ist – wieweit kann er sich dann bei der Identifizierung von Kunstmenschen noch sicher sein? Gibt es denn überhaupt einen (moralisch bedeutsamen) Unterschied zwischen Mensch und Maschine?
    Beim Lesen des Textes blenden sich fast zwangsläufig Bilder und Inhalt der Verfilmung vor das geistige Auge. Nun handelt es sich bei DO AN­DROIDS DREAM OF ELECTRIC SHEEP?  nicht um das Buch zum Film, sondern um den bereits 1968 geschriebenen Original-Roman, bei dem es Dick auch auf ganz andere Aspekte ankam, als 1982 Ridley Scott, dem Regisseur von BLADE RUNNER, dem damit ebenfalls ein Meisterwerk gelang.
    Um wie vieles weiter gefasst ist jedoch Philip K. Dicks Buch. Die Figur des Rick Deckard ist viel weniger linear, die Ausstattung der Nebenfiguren reicher und die Welt im Hintergrund weniger reduziert. Dick thematisiert hier, wie so oft, die Unmöglichkeit, zwischen einer echten und einer gefälschten Realität objektiv zu unterscheiden. Die von anderen Menschen vermittelten „Wahrheiten“, die Nachrichten und Mitteilungen der Medien, die Geschäftspolitik riesiger Konzerne sind es, die bestimmen, welchen Ausschnitt der „Realität“ wir wahrnehmen.
    Obwohl das Werk schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wirkt es frisch und spritzig, seine Inhalte haben nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren – denn man braucht für „Androide“ nur „Boat People“ zu setzen, schon hat einen die Zukunft eingeholt!
    BLADE RUNNER, oder TRÄUMEN ANDROIDEN VON ELEKTRISCHEN SCHAFEN?, wie der Roman früher hieß, ist ein Buch, bei dem sich der Leser in hohem Maße gefordert sieht, das zum Nachdenken und Diskutieren einlädt, ein Buch, das Stellung bezieht und das hilft, selbst Stellung zu beziehen – auch deshalb ist die Aufnahme in die Reihe Fischer Klassik unbedingt notwendig gewesen.

    Horst Illmer

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    10. Juli 2014 und Kommentare deaktiviert für Blade Runner

    Philip K. Dick BLADE RUNNER. Roman. (Do An­droids Dream of Electric Sheep? / 1968) Ü: Michael Nagula Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 224 S. Fischer Klassik ISBN 978-3-596-90559-1 Ein Kopfgeldjäger ist normalerweise ein moralisch ziemlich bedenklicher Zeitgenosse, dem man am besten einfach aus dem Weg weiterlesen…

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