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    MarkusT ist nicht nur langjähriger Kunde und Vielleser, er findet auch immer wieder lesenswerte Bücher, die mir durch die Lappen gegangen sind. Außerdem war er der Ideengeber für unsere Serie: Parallelen.

    Wandernde Himmel

    von am 16. April 2020 Kommentare deaktiviert für Wandernde Himmel

    Hao Jingfang
    Wandernde Himmel
    Aus dem amerikanischen Englisch von Marc Hermann
    (Stray Skies, 2016)
    Hamburg, Rowohlt Taschenbuch, 2018, 752 Seiten
    ISBN 978-3-499-27418-3

    Es ist schon etwas her, dass ich den Roman „Wandernde Himmel“ gelesen habe. Doch noch immer geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf. Nicht, weil es actiongeladen zugeht, revolutionäre Ideen ausgerollt werden oder eine kurzweilige Geschichte präsentiert wird. Nein. Es ist etwas ganz anderes und wird erst nach und nach deutlich.

    Luoying, die Protagonisten, auf dem Mars in eine egalitäre Gesellschaft hineingeboren, nimmt mehr oder minder freiwillig an einem Schüleraustauschprogramm mit der Erde teil. Hintergrund sind dabei politische Verhandlungen um die Unabhängigkeit der Marskolonie von der Erde, die vor mehreren Jahrzehnten Siedler auf den Mars entsendet hat. Dabei haben sich die politischen Systeme der Erde und der Marskolonie in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

    Die Euphorie Luoyings bei Reiseantritt ist am Ende ihres Aufenthalts auf der Erde Ernüchterung gewichen. Die Vorfreude auf die alte Heimat hält indessen auch nicht lange an. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem alten und neuen Leben, zumal sie bei Reiseantritt noch ein Schulmädchen war und auf der Erde erwachsen werden musste, ohne dass ihre Familie ihr zur Seite stand.

    Durch Luoyings Augen erleben wir beide Welten, in denen sie immer die Außenseiterin bleibt. Auf der Erde ist sie das Mädchen vom Mars, auf dem Mars ist sie „Besucherin“ von der Erde. Zudem muss sie entdecken, dass sie Teil einer politischen Intrige wurde, da ihr Großvater, einer der politische Führer des Mars, sie als Faustpfand benutzt hat und der Tod Ihrer Eltern kurz vor Ihrer Abreise, der für sie ein Grund war am Austauschprogramm teilzunehmen, ebenfalls einem politischen Komplott entsprungen ist.

    Der Autorin gelingt es gut, die Fremdheit Luoyings plastisch zu schildern, ohne ins Pathetische zu verfallen. Die von Luoying empfundene Leere und ihre Suche nach sich selbst und der Gesellschaft, in der sie leben möchten bilden den Kern dieses faszinierenden Romans.

    Daher passt dieser Roman aktuell in die Diskussion, die wir zwar nicht führen, aber sicherlich führen müssen, wie wir in Zukunft leben möchten. Dieser Roman liefert Anschauungsmaterial, welche grundlegenden politischen Parameter wie Einfluss auf das Zusammenleben nehmen.

    Die Widerspenstigkeit Luoyings transportiert die Autorin gelungen und schafft eine ganz eigene Atmosphähre. Für mich einer der besten Romane, den ich im Jahr 2019 gelesen habe.

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    Wandernde Himmel
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    Hao Jingfang
    Wandernde Himmel
    Aus dem amerikanischen Englisch von Marc Hermann
    (Stray Skies, 2016)
    Hamburg, Rowohlt Taschenbuch, 2018, 752 Seiten
    ISBN 978-3-499-27418-3

    Es ist schon etwas her, dass ich den Roman „Wandernde Himmel“ gelesen habe. Doch noch immer geht mir die Geschichte nicht aus dem Kopf. Nicht, weil es actiongeladen zugeht, revolutionäre Ideen ausgerollt werden oder eine kurzweilige Geschichte präsentiert wird. Nein. Es ist

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    Die Mauer

    von am 12. April 2020 Kommentare deaktiviert für Die Mauer

    John Lanchester
    Die Mauer
    Aus dem englischen von Dorothee Merkel
    (The Wall, 2019)
    Stuttgart, Klett-Cotta Verlag, 2019, 528 Seiten
    ISBN 978-3-608-96391-5

    Romantitel haben die Tendenz, den Leser in die Irre zu führen. „Die Mauer“ nicht. John Lanchester beschreibt eine postapokalyptische Welt, in der sich Britannien hinter einer soliden Betonmauer verschanzt hat und alle Fremden durch Mauerwächter von seinen Grenzen fernhält.
    Der Ich-Erzähler beginnt seine Geschichte mit dem ersten Tag seiner zweijährigen Dienstpflicht auf der Mauer, die jeder Einwohner Britanniens absolvieren muss.
    Wie es zu dieser Abschottung kam, wird nicht weiter ausgeführt und ist der Qualität des Romans nicht abträglich. Vielmehr steht im Vordergrund wie die Mauer das Denken der Bewohner hinter und auf der Mauer beeinflusst und was es mit den Menschen macht, die nicht in der glücklichen Lage sind, in Britannien aufzuwachsen.
    Ein sehr dichter, düsterer Roman, der mehr als deutlich macht, wie armselig Menschen werden, wenn sie sich von der Welt abschotten. Wie kleingeistig sie sind und was der Staat tun muss, damit seine Bürger nicht rebellieren.
    In der im Roman herrschenden Diktatur werden die Bürger permanent überwacht, Fehler auf der Mauer werden mit Verbannung bestraft. Die Generation der Mauerwächter kennt nichts anderes und nimmt daher alles als einzige Wahrheit, was zu einer Widerspruchslosigkeit führt und damit für den Leser umso erschreckender ist.
    Lanchester ist ein düsterer Roman in der Tradition Orwells und Huxleys gelungen, in der der einzelne nichts zählt und die Absurdität des Regimes sich dann zeigt, wenn man nicht mehr Teil davon ist.

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    Die Mauer
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    John Lanchester
    Die Mauer
    Aus dem englischen von Dorothee Merkel
    (The Wall, 2019)
    Stuttgart, Klett-Cotta Verlag, 2019, 528 Seiten
    ISBN 978-3-608-96391-5

    Romantitel haben die Tendenz, den Leser in die Irre zu führen. „Die Mauer“ nicht. John Lanchester beschreibt eine postapokalyptische Welt, in der sich Britannien hinter einer soliden Betonmauer verschanzt hat und alle Fremden durch Mauerwächter von seinen Grenzen fernhält.
    Der Ich-Erzähler beginnt seine Geschichte

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    Autonom

    von am 5. April 2020 Kommentare deaktiviert für Autonom

    Annalee Newitz
    Autonom
    Aus dem amerikanischen Englisch von Birgit Herden
    (Autonomous, 2017)
    Frankfurt, TOR Fischer, 2018, 350 Seiten
    ISBN 978-3-596-70258-9

    Autonome Roboter sind die größte Gefahr in einer Welt, in der Roboter nur dazu gedacht sind als eine Art Sklavenklasse gehalten zu werden.

    Dabei verpackt die Autorin die autonomen Roboter in eine Welt, die durch Pharmahersteller geprägt ist, die den Profit an erste Stelle setzen und eine Gesellschaft, die im Umgang mit Robotern ihre schlechteste Seite zum Vorschein bringt.
    Eine rebellische Untergrundbewegung versucht den Pharmaherstellern ein Bein zu stellen, indem Medikamente nachgebaut und den Menschen, die es sich ansonsten nicht leisten kann, zur Verfügung gestellt werden.

    Als die Pharmapiratin Jack ein neues Medikament synthetisiert kommt es zu einer Tragödie. Bei der Beseitigung der angerichteten Katastrophe gerät Jack in die eine und andere Komplikationen und muss ihre Lebensweise und ihr vorurteilsbehaftetes Denken an vielen Stellen überdenken. Unter anderem ihren Umgang mit ihren Mitmenschen und ihrem Piratendasein.

    Ihr auf den Fersen ist ein Agent, der sich in den Killerroboter verliebt, der mit ihm zusammen auf der Fahndung nach Jack ist. Diese Liebesgeschichte wird weder kitschig noch lächerlich dargestellt, sondern zwingt den Leser sein eigenes möglicherweise Weltbild zu hinterfragen.

    Mit diesem Roman verknüpft die Autorin Fragen zur Maschinenethik, dem Patentgebaren der Pharmaindustrie und unserem Umgang mit künstlicher Intelligenz sowie einer deutlichen Kapitalismuskritik.
    Gut zu lesen, weil es der Autorin gelingt, neue Perspektiven auf bekannte Themen eröffnet.

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    Autonom
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    Annalee Newitz
    Autonom
    Aus dem amerikanischen Englisch von Birgit Herden
    (Autonomous, 2017)
    Frankfurt, TOR Fischer, 2018, 350 Seiten
    ISBN 978-3-596-70258-9

    Autonome Roboter sind die größte Gefahr in einer Welt, in der Roboter nur dazu gedacht sind als eine Art Sklavenklasse gehalten zu werden.

    Dabei verpackt die Autorin die autonomen Roboter in eine Welt, die durch Pharmahersteller geprägt ist, die den Profit an erste

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    Rejoice – Die letzte Entscheidung

    von am 1. April 2020 Kommentare deaktiviert für Rejoice – Die letzte Entscheidung

    Steven Erikson
    Rejoice – Die letzte Entscheidung
    Aus dem englischen von Andreas Decker
    (Rejoice, 2018)
    München, Piper Verlag, 2019, 528 Seiten
    ISBN 978-3-492-70558-5

    Rezensionen interpretieren Romane immer in einem bestimmten Kontext. Diesen Roman von Erikson habe ich vor zwei Wochen gelesen und mir fest vorgenommen, das eine oder andere Wort darüber zu verlieren, da ich ihn kontextunabhängig als sehr stark empfunden habe.

    Durch das Thema Parallelen hat sich mein Fokus, was mich an diesem Roman so gefesselt hat, etwas verschoben.

    Zentrale Frage des Romans: „Wie wollen wir leben?“

    Erikson ist in der Lage, siehe der Zyklus „Die Gärten des Mondes“, spannende Geschichten in komplexen Erzählsträngen zu verweben. Bei Rejoice packt er in den flüssig zu lesenden Band auch den einen oder anderen Erzählstrang. Das führt dazu, dass man gezwungen ist aufmerksam zu bleiben und die Seiten nicht als Lesefutter einfach und schnell weg zu lesen.

    Die Auflösung der zentralen Frage ist schnell geklärt. Eine außerirdische künstliche Intelligenz entführt eine kanadische Science-Fiction Schriftstellerin, um mit ihr zu verhandeln, ob die Menschheit geeignet ist für den nächsten Schritt ihrer zvilisatorischen Entwicklung.
    Parallel dazu verhindert diese Intelligenz die Ausübung von Gewalt, die Ausbeutung des Planeten und versorgt die unterentwickelten Weltregionen mit Informationen und Wissen.

    Das Buch habe ich zur Hand genommen, weil mich das Thema künstliche Intelligenz in den letzten Jahren mehr und mehr zu interessieren begann, muss nach der Lektüre aber konstatieren, dass Erikson unserer Gesellschaft mit diesem Roman den Spiegel vorhält, wie wir miteinander umgehen, was wir dem Planeten antun und wohin unsere Gier nach immer mehr führt. Die künstliche Intelligenz greift in das menschliche Miteinander wie ein strenger, aber gutmütiger Erzieher ein und tritt ansonsten nicht weiter in Erscheinung.
    Man könnte es als Kapitalismuskritik auffassen, man kann es als Kritik an der herrschenden Klasse lesen.
    Eigentlich, und das ist die Stärke des Buchs, geht es darum, sich selbst zu fragen, wie man leben möchte und wie sich das auf den eigenen Umgang mit seiner Umwelt auswirken müsste.

    Ein kurzweiliger, prägnant geschriebener Roman, der zum Nachdenken anregt und geradezu passend die aktuelle Situation aufnimmt.

    Steven Erikson
    Rejoice – Die letzte Entscheidung
    Aus dem englischen von Andreas Decker
    (Rejoice, 2018)
    München, Piper Verlag, 2019, 528 Seiten
    ISBN 978-3-492-70558-5

    Rezensionen interpretieren Romane immer in einem bestimmten Kontext. Diesen Roman von Erikson habe ich vor zwei Wochen gelesen und mir fest vorgenommen, das eine oder andere Wort darüber zu verlieren, da ich ihn kontextunabhängig als sehr stark empfunden habe.

    Durch

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    Freiheit ist Sklaverei

    von am 28. März 2020 Kommentare deaktiviert für Freiheit ist Sklaverei

    Was ich bei den vier Aspekten, die Gerd genannt hat, vermisse, ist das Thema Information bzw. Wahrheit der Information oder wer welche Informationen besitzt. Als Anregung dazu ein paar Bücher, die sich unter anderem mit diesem Aspekt beschäftigen.

    Angefangen mit dem Klassiker der Desinformation „1984“ von George Orwell, der die Sprache in seinem Roman dazu verwendet, das Denken zu manipulieren und damit die Menschen an den neuen, gewünschten Status quo zu gewöhnen. Wir erleben so etwas gerade in der einen oder anderen westlichen Demokratie. In Diktaturen ist das natürlich die Regeln, denn darauf fußt der Hintergrund in Orwells düstere Sicht auf die Welt.

    Nicht das wir schon so weit wären. Was mir in der aktuellen Corona-Krise fehlt, sind die kritischen Stimmen, die das gewählte Vorgehen hinterfragen oder die vielfach vorhandenen verschiedenen Informationen sortieren und bewerten. Alleine mit Opfer- und Infiziertenzahlen zu hantieren, ohne einen historischen Bezug herzustellen führt nicht zu weniger, sondern zu mehr Verwirrung.

    Dies erinnert mich an den Roman von Marc Elsberg „Zero“, den es sich lohnt zu lesen. Auslöser ist nicht ein Fehler in einer technischen Anlage, sondern ein falsch interpretierter Anzeigewert dieser Maschine. Die falsch weiter gegebene Information führt in letzter Konsequenz zu einem europaweiten Shutdown.

    An dieser Stelle möglicherweise ungewöhnlich über die Duologie von Leigh Bardugo zu sprechen. Für mich besteht ein wesentlicher Aspekt der Geschichte darin, dass Kaz Brekker, der Protagonist der beiden Bände, seinen Freunden und Gegnern immer einen Schritt voraus ist und damit seinen Plan durchziehen kann. Immer dann, wenn das nicht der Fall ist, beginnt Kaz zu zweifeln und benötigt einen Moment, um sich wieder zu fangen. In den Romanen sind das die Situationen, die beim Leser Spannung hervorrufen.
    Parallelen sind in der aktuellen Situation angezeigt. Mit jeder Verschärfung der getroffenen Maßnahmen fast schon im Stundentakt, wird erst einmal Spannung erzeugt und erst nach und nach legt sich diese Verunsicherung wieder.

    Andreas Eschbach spielt das Thema Information bzw. Informationsvorsprung oft in seinen Romanen durch. Beispielhaft in „Ein König für Deutschland“ und „NSA“. Im ersten Fall führt Insiderwissen zu einer maximalen Destabilisierung und im zweiten geht es um Informationen um jeden Preis und deren Interpretation.

    Wieso ich das Thema aufgegriffen habe? Möglicherweise geht es nur mir so. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass lange noch nicht alle Informationen auf dem Tisch liegen, die Zahlen je nach Quelle stark schwanken (übrigens ein Problem einer mangelhaften Vorbereitung auf ein solches Szenario) und die Maßnahmen in jedem europäischen Land und jedem deutschen Bundesland zu einem anderen Zeitpunkt getroffen und irgendwie kommuniziert werden.

    Das Schließen von Grenzen und das Abschotten, auch das zeigen uns andere Romane, verhindern nicht, das sich ein Virus, eine Seuche ausbreiten können. Informationen offen und bereitwillig geteilt sind eines der Heilmittel.

    Selbst kritisch denken und Ruhe bewahren helfen, damit Freiheit nie Sklaverei wird.

    Was ich bei den vier Aspekten, die Gerd genannt hat, vermisse, ist das Thema Information bzw. Wahrheit der Information oder wer welche Informationen besitzt. Als Anregung dazu ein paar Bücher, die sich unter anderem mit diesem Aspekt beschäftigen.

    Angefangen mit dem Klassiker der Desinformation „1984“ von George Orwell, der die Sprache in seinem Roman dazu verwendet,

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    Die Siliziuminsel

    von am 27. März 2020 Kommentare deaktiviert für Die Siliziuminsel

    Kurzes Vorwort von Gerd

    Ich stecke diese Rezension mal in die Schublade "III Soziale und politische Science Fiction". Neben dem von mir ursprünglich hervorgehobenen Aspekt "Bedrohung der Freiheit"sind "Ängste vor gesellschaftlichen Umbrüchen" ein weiteres Thema, das in aktuellem Kontext gesehen werden kann. Unübersehbar sind die Ängste vor weitreichenden Folgen im Nachfeld der Corona Krise. Dabei steht natürlich in erster Linie die wirtschaftliche Stabilität im Fokus. Genauso interessant sind jedoch mögliche Auswirkungen auf einen möglichen Wandel zukünftiger Verteilung von Vermögen, Veränderungen in politischen Strukturen und potentiell sogar einem reellen Bruch sozialen Verhaltens. Ich hoffe als Optimist nur das Beste, kann mir aber eine Vielzahl potentieller Richtungen vorstellen.

    Quifan Chen
    Die Siliziuminsel
    Aus dem chinesischen von Marc Hermann
    (Huang chao, 2013)
    München, Wilhelm Heyne Verlag, 2019, 478 Seiten
    ISBN 978-3-453-31922-6

    Die Siliziuminsel ist ein dystopischer Technologieroman, der aktuelle Trends aufgreift und diese in eine mögliche Zukunft weiterspinnt.

    Ort des Geschehens ist eine dem chinesischen Festland vorgelagerte Insel, auf der sich die Menschen darauf spezialisiert haben, elektronischen Abfall jeder Art zur zerlegen, recyclen und als Rohstoffe wieder in Umlauf zu bringen.
    Drei untereinander verfeindete Clans teilen sich die anfallenden Aufträge und beschäftigen billige Lohnsklaven, die in dem dabei entstehenden Müll vegetieren.

    Als eines Tages ein amerikanischer Unternehmer auftaucht und als Investor versucht die menschenunwürdigen Bedingungen durch ein Recyclingzentrum zu beenden, kommt Bewegung in die verfestigten politischen Strukturen der Insel. Sein Übersetzer Kaizong Chen und Mimi, ein auf der Insel lebendes „Abfall-Mädchen“ spielen dabei die Hauptrollen.

    Die mafiösen Strukturen der Insel, die Erkenntnis, dass die Menschen im Westen intelligente Prothesen benutzten, um besser zu werden, neben den vermeintlich ungebildeten Arbeitskräften, die unter einem Vorwand auf die Siliziuminsel verkauft werden, bilden den Kern einer packenden Geschichte am Grenzverlauf zwischen Mensch und Cyborg bzw. künstlicher Intelligenz.

    Für mich ein Highlight, weil es dem Autor gelingt zwischen lapidarer Darstellung grausamer Behandlungen der Müllmenschen durch die Chefs der Clans und blumiger Beschreibung der wenigen schönen Augenblicke mühelos zu wechseln.
    Zudem liebe ich gut geschriebene Dialoge. Der Roman ist allerdings nicht nur einfach Lesefutter, da die Erzählstränge ineinandergreifen und man leicht den Faden verlieren könnte.
    Aber bei mir wirkt der Roman noch immer nach.

    Hier hätte ich die Rezension im Normalfall beendet in der Hoffnung ausreichend Interesse für die Lektüre geweckt zu haben. Aus aktuellen Anlass noch eine kleine Schleife ohne allzu viel Inhalt zu verraten. Quifan Chen spielt in seinem Roman mit den Unsicherheiten und Angst, wenn es zu einem gesellschaftlichen Umbruch kommt.

    Und abschließend kann ich mich dem Zitat von Cixin Liu „…ein Meisterwerk der Zukunftsliteratur…“ auf dem Cover nur anschließen.

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    Die Siliziuminsel
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    Kurzes Vorwort von Gerd

    Ich stecke diese Rezension mal in die Schublade "III Soziale und politische Science Fiction". Neben dem von mir ursprünglich hervorgehobenen Aspekt "Bedrohung der Freiheit"sind "Ängste vor gesellschaftlichen Umbrüchen" ein weiteres Thema, das in aktuellem Kontext gesehen werden kann. Unübersehbar sind die Ängste vor weitreichenden Folgen im Nachfeld der Corona Krise. Dabei steht natürlich

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    Aliens unter uns – die Trilogie des Tao

    von am 27. Dezember 2016 Kommentare deaktiviert für Aliens unter uns – die Trilogie des Tao

    Aliens unter uns
    Titel: Die Leben des Tao, Original: The Lives of Tao (2016/2013)    
    Autor: Wesley Chu
    Verlag: Fischer TOR
    ISBN: 978-3-596-03487-6
    und
    Titel: Die Tode des Tao, Original: The Deaths of Tao (2016/2013)    
    Autor: Wesley Chu
    Verlag: Fischer TOR
    ISBN: 978-3-596-03488-8

    Wieso eine Trilogie besprechen, wenn erst zwei Bände erschienen sind?

    Die Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man wie ich die ersten beiden Bände gelesen hat und der dritte erst im Februar 2017 erscheinen wird.

    Seit Jahrmillionen nutzen außerirdische Tiere und Menschen als Wirte, nachdem der Absturz ihrer Raumschiffe sie gezwungen hatte, auf der Erde notzulanden. Diese Beziehung mussten die sogenannten Quasing eingehen, da ihr Überleben in der Erdatmosphäre unmöglich war. Aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihres technologischen Verständnisses konnten sie den Lauf der menschlichen Zivilisation beeinflussen, haben sich auf ihrem Weg in die Neuzeit aber in zwei konkurrierende Gruppen aufgespalten. Roen Tan, ein dicklicher IT-Administrator und Softwareentwickler, wird durch unglückliche Umstände zu einem Wirt für einen der bedeutendsten Quasing. Ein Quasing kann seinen Wirt nur verlassen, wenn dieser stirbt. Das Zusammenleben zwischen Quasing und Mensch muss von gegenseitigem Respekt getragen sein, damit sowohl Mensch als auch Quasing davon profitieren. Durch diesen Zufall gerät Roen mitten in den Konflikt der beiden außerirdischen Parteien. Nach Anpassungsschwierigkeiten auf beiden Seiten findet Roen sich mit seinem Schicksal ab, entflieht seinem alten Leben, widmet sich seiner neuen Rolle und gründet nebenbei eine Familie. Die beiden Gruppierungen streben danach die Menschen als Wirte zu benutzen, die den Lauf der Welt beeinflussen können. Roen Tan wird zum Geheimagenten, dessen Aufgabe darin besteht, Aktionen der gegnerischen Seite zu behindern oder ganz zu unterbinden.

    Mit seinem Erstling, sowie dem zweiten Teil der Trilogie gelingt dem Autor ein unterhaltsamer, furioser Start. Der Cliffhanger im zweiten Band verspricht einen weiteren interessanten Roman. Dem Autor gelingt dabei nicht nur ein cooler Sci-Fi Thriller, sondern die Dialoge zwischen Quasing und Mensch würzen den Roman mit einer Prise Humor. Eine zusätzliche Tiefe verleiht der Autor dem Roman, in dem er verschiedene Quasing zu Beginn jedes Kapitels mit einem Rückblick auf ihre eigene Geschichte zu Wort kommen lässt.
    Für mich spannende Unterhaltung, die mit einem Augenzwinkern durch die Weltgeschichte spaziert. Lediglich der Klappentext des zweiten Bands führt ein wenig in die Irre.
    Sollte Fischer TOR so weiter machen, sind für mich noch einige interessante Romane zu erwarten.

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    Wesley Chu – Das Leben des Tao
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    Aliens unter uns
    Titel: Die Leben des Tao, Original: The Lives of Tao (2016/2013)    
    Autor: Wesley Chu
    Verlag: Fischer TOR
    ISBN: 978-3-596-03487-6
    und
    Titel: Die Tode des Tao, Original: The Deaths of Tao (2016/2013)    
    Autor: Wesley Chu
    Verlag: Fischer TOR
    ISBN: 978-3-596-03488-8

    Wieso eine Trilogie besprechen, wenn erst zwei Bände erschienen sind?

    Die Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man wie ich die ersten beiden

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    Zukunft ist Vergangenheit!

    von am 12. November 2014 Kommentare deaktiviert für Zukunft ist Vergangenheit!

    ShockwaveriderTitel: Der Schockwellenreiter (1979), Original: The Shockwave Rider (1975)
    Autor: John Brunner
    Verlag: Heyne Verlag
    Letzte deutschsprachige Ausgabe: Illustrierte Sonderausgabe, Bibliothek der Science Fiction Literatur 06/78

    Das Buch der Schockwellenreiter von John Brunner lag schon eine ganze Weile bei mir im Regal bevor ich es erst kürzlich gelesen habe.

    Nick ein begnadeter Softwareentwickler und Hacker wird durch Regierungsorgane erzogen, da seine eigenen Eltern nicht für ihn sorgen konnten oder wollten. Aufgrund seiner Begabung erhält er Aufträge mit großer Brisanz und erarbeitet sich eine Menge Privilegien, die er, als er sich vom Saulus zum Paulus wandelt, gegen das System richtet. Das gesellschaftliche Leben wird durch Pharmazeutika, eine rigide und gesteuerte Informationspolitik und gezielte Überwachung unter Kontrolle gehalten. Das Ganze ist garniert durch das Medium Fernsehen mit interaktiven Elementen, die das Volk ruhig stellen soll. Jede Abweichung von der vorgegebenen Norm wird als krankhaft angesehen und entsprechend behandelt, so dass selbst kleine Kinder schon durch Psychopharmaka ruhig gestellt werden.

    Mit Waisen verfährt das System streng und nach einer vorgegebenen Prozedur. Je nach Intelligenz werden die Kinder verschiedenen Aufgaben zugeführt. Im Falle von Nick, der eine große Begabung in Mathematik hat, ist der Weg in die Informationstechnologie vorgezeichnet. Im Gegensatz dazu bleibt die seelische Entwicklung auf der Strecke. Unfähig Gefühle auszudrücken bzw. auszuleben ist die gesamte Gesellschaft und Nick im Besonderen in einer Art Käfig gefangen.

    Erst als Nick auf seiner Flucht vor dem System auf Kate trifft, die sich dem System verweigert ohne es zu sabotieren, lernt Nick seine emotionale Seite kennen und wird sich klar darüber, was er für sich und andere erreichen möchte.

    Zusammen mit Kate flieht er in eine alternativen Kommune, und beweisen dort, wie wenig ausreicht, um das System zum Einsturz zu bringen.

    Was mir an diesem Roman aus dem Jahre 1975 so wahnsinnig gefallen hat, sind die vielen Ideen bzw. gesellschaftliche Themen, die John Brunner anspricht und die heute aktueller denn je sind. Die Überversorgung mit Psychopharmaka in Schule und Beruf, die totale Überwachung durch den Staat, in unserem Fall durch NSA und Konsorten, das Internet und eine Medienpolitik, die den Menschen bewusst Dinge vorenthält. Die Verdammung aller abweichenden Meinungen und eine Politik, die von den Unternehmen gefangen genommen wurden. Diese Unternehmen haben sich ihre eigene Lebenswirklichkeit geschaffen und glauben ohne rechtlichen Rahmen agieren zu können.

    Brunner schafft eine kühne Sicht auf eine Gesellschaft, die völlig erstarrt zu sein scheint und die verkörpert durch Nick auf den Erlöser wartet, der das System zum Einsturz bringt, in dem er sich die Errungenschaften des Systems zu eigen macht.

    Für mich ein sehr beeindruckender Roman, der einen aus heutiger Sicht überspitzten, aber der Realität nahe kommende Gesellschaftskritik ist. Interessant auch zu sehen, wie viel Mühe sich der Heyne Verlag mit vielen Illustrationen in dieser Sonderausgabe gemacht hat.

    MarkusT

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    Leider ist der Roman derzeit in Printform noch nicht einmal im englischen Original lieferbar.

    Alternativ legt der Heyne Verlag im Moment etliche Klassiker der SF Literatur als eBook auf! Schockwellenreiter (eBook)
    im Webshop (für den 27. November vor) bestellen…

    Titel: Der Schockwellenreiter (1979), Original: The Shockwave Rider (1975)
    Autor: John Brunner
    Verlag: Heyne Verlag
    Letzte deutschsprachige Ausgabe: Illustrierte Sonderausgabe, Bibliothek der Science Fiction Literatur 06/78

    Das Buch der Schockwellenreiter von John Brunner lag schon eine ganze Weile bei mir im Regal bevor ich es erst kürzlich gelesen habe.

    Nick ein begnadeter Softwareentwickler und Hacker wird durch Regierungsorgane erzogen, da seine

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    Starters

    von am 23. September 2014 1 Kommentar

    StartersTitel: Starters
    Autor: Lissa Price
    Verlag: Piper Fantasy

    Was für ein Debütroman! Lissa Price schildert eine Welt in nicht all zu ferner Zukunft.  Durch ein mißglücktes genetisches Experiment, starben alle Menschen, die nicht wie Kinder und Jugendliche und Rentner durch eine Impfung geschützt waren.

    Inhalt:
    Der Teenie Callie, die Hauptperson des Romans kämpft in den Straßen des Großraums Los Angeles mit ihrem jüngeren kränklichen Bruder ums Überleben. In verlassenen Häusern finden sie immer nur eine Bleibe auf Zeit. Obwohl durch ihre Eltern mehr oder weniger gut auf diese Zeit vorbereitet, scheint einzig das Angebot der Body Bank einen Ausweg aus dem Dilemma zu bieten. Callie entschließt sich eines Tages das Angebot anzunehmen, um Geld für sich und ihren Bruder zu verdienen. Die Betreiber der Body Bank haben einen Weg gefunden, den Geist reicher Senioren in den Körper junger Spender zu implantieren, so dass sich diese für die Mietdauer wieder jung fühlen und dem nachgehen können, wozu sie mit ihrem alten Körper nicht mehr in der Lage sind. Der Geist des jungen Besitzers „schläft“ während der Mietzeit.
    Mehr zum Inhalt des Buches zu erzählen würde an dieser Stelle zu viel verraten.

    Beurteilung:
    Ein außergewöhnliches Setting, das die Autorin glaubwürdig darstellt und das einige interessante Wendungen bietet. Alte Menschen in jungen Körpern sind einfach keine junge Menschen in jungen Körpern und sie verhalten sich auch nicht so. So muss Callie, wenn sie wieder Herr über ihren Körper ist, ein ums andere Mal feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Die Tragweite einer solchen Gesellschaft erschließt sich nach und nach, genauso wie die Geschichte mehr und mehr Fahrt aufnimmt. Die Utopie die hier dargestellt wird hat mich tief beeindruckt. Alter hat nichts mit Biologie zu tun, und Machtmissbrauch durch Reichtum und fadenscheinige Gesetze ebenfalls nicht.

    Für mich besteht die Faszination an dieser Geschichte in dem Grausen, das zwischen den Zeilen zu lesen ist und weniger in der Geschichte, die sehr geradlinig beschrieben ist. Genauso auch die Amoralität der Reichen und der nicht vorhandene politische Motivation der jungen Bewohner aktiv an diesem Zustand etwas zu ändern.

    Wenn die Geschichte an sich die eine oder andere unlogische Stelle aufweist, so überzeugt der erste Band, der auf zwei Bände angelegten Geschichte durch sein Gesamtbild und due klare Sprache und die lebendigen Charaktere.

    Für mich ein sehr eindrücklicher Roman, der haften bleibt.

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    Starters
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    Titel: Starters
    Autor: Lissa Price
    Verlag: Piper Fantasy

    Was für ein Debütroman! Lissa Price schildert eine Welt in nicht all zu ferner Zukunft.  Durch ein mißglücktes genetisches Experiment, starben alle Menschen, die nicht wie Kinder und Jugendliche und Rentner durch eine Impfung geschützt waren.

    Inhalt:
    Der Teenie Callie, die Hauptperson des Romans kämpft in den Straßen des Großraums Los

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    Codex Alera

    von am 1. Juli 2014 Kommentare deaktiviert für Codex Alera

    CodexAleraTitel: Die Elementare von Calderon
    Im Schatten des Fürsten
    Die Verschwörer von Kalare
    Der Protektor von Calderon
    Die Befreier von Canea
    Der erste Fürst
    Serien/Zyklentitel: Codex Alera
    Autor: Jim Butcher
    Verlag: blanvalet

    Jim Butcher ist durch seine Harry Dresden Reihe dem einen oder anderen bekannt. Bei dem vorliegenden Zyklus handelt es sich um einen High-Fantasy-Zyklus der sehr stark geschrieben ist und so einige Klischees klassischer Fantasy Romane a la Tolkien über Bord wirft.

    Inhalt:
    Der Junge Tavi wächst behütet bei seiner Tante Isana und seinem Onkel Bernhard auf dessen Hof auf. Im Gegensatz zu allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft ist er nicht in der Lage Magie anzuwenden. Hinzu kommt, dass er als Waisenkind wenig bis gar nichts über seine Herkunft weiß. Diese klärt sich auch erst vollständig im Verlauf der sechs Bände.
    Nachdem er mit einer Feindin, einem Maratmädchen Namens Kitai, nach einem Wettkampf Freundschaft geschlossen hat und er an den Hof Alera Imperia gerufen wird, treten seine Talente nach und nach zu Tage.
    Er ist gerecht, klug und pragmatisch in der Anwendung seiner Fähigkeiten und in der Anwendung der Gesetze.

    Im Verlauf der sechs Bände wird seine wahre Bestimmung sichtbar und er führt das Land Alera in ein neues Zeitalter. Dabei lässt Tavi keinen Stein auf dem anderen.

    Beurteilung:
    Die Idee, dass alle Einwohner des Landes mehr oder weniger stark magiebegabt sind, eröffnet ganz neue Perspektiven. Das führt dazu, dass einfache Aufgaben durch sogenanntes Elementarwirken erbracht werden und der menschliche Geist keine neuen Ideen aushecken muss. Der Außenseiter Tavi ist derjenige, der sich innovatives Denken und Handeln zu Eigen machen muss, um seine Aufgaben bewerkstelligen und um sich in dieser Welt behaupten zu können.
    Was den Zyklus darüber hinaus so bemerkenswert macht ist, dass das Klischee von Gut gegen Böse hier nicht verfängt. Die vermeintlich Guten haben ihre Schattenseiten und die Bösen sind nicht per Se böse. Man kann seine Sympathien daher nicht so einfach verteilen, sondern der Facettenreichtum der handelnden Personen verleiht dem Zyklus Tiefe und Glaubwürdigkeit.
    Auch Tavi ist nicht nur der unschuldige Junge, da er sich mit Gerissenheit aus der einen oder anderen Falle heraus manövriert und damit seine Freunde nicht nur einmal vor den Kopf stößt.

    Vor lauter Feinden könnte man beim Lesen leicht den Überblick verlieren, aber Tavi als Mittler schafft es immer wieder den Feinden klar zu machen, das man manchmal besser miteinander als gegeneinander kämpfen muss, um zu gewinnen.

    Dabei profitiert Tavi davon, dass er sich sehr gut in andere hinein versetzen kann und deren Beweggründe rational erfasst und emotional lenken kann.
    Hinzu kommt, dass sich der Autor sehr viel Zeit nimmt, nicht nur die Charaktere auszuarbeiten, sondern auch die politische Dimension mit Tiefe gestaltet, so dass man als Leser nicht einfach in den Modus von Licht und Schatten verfallen kann.

    Das Reich wird zudem nicht nur von Außen bedroht, sondern auch die innere Spaltung steht bevor.  Der erste Fürst Sextus hat durch seine Intrigen und Geheimniskrämerei das Land an den Rand eines Bürgerkriegs manövriert. Dabei sind die äußeren Feinde oft weniger blutrünstig, als man sie gerne sehen möchte und eher bereit zu verhandeln, denn zu kämpfen.

    Das Ende der sechs Bände ist, ohne mehr verraten zu wollen, für einen Fantasy-Zyklus geradezu revolutionär.

    Fazit:
    Für mich zählt dieser Zyklus zum Besten, was ich in den letzten Jahrzehnten gelesen habe.
    In den sechs Bänden hat Butcher eine Unzahl Genrethemen eingebracht. Neben Tavis Erwachsenwerden, kommen Liebe und Romantik (nicht zu schmalzig), Schwert-Degen-Spektakel, großartige Schlachten, politische Ränkespiel und der eine oder andere Held nicht zu kurz. Ein Setting mit vielen Feinden und nichtmenschlichen Wesen sowie eine feindliche Bedrohung, die es in sich hat.
    Wohltuend für mich, dass es nicht die klassische Schwarz-Weiß-Malerei gibt, sondern, dass sich die Helden ihre Welt so zu recht legen, wie sie sie gerne sehen möchten.

    Ein sehr moderner Zyklus, der sich nicht vor den großen der Fantasy verstecken muss. Im Gegenteil. Der Autor bringt eine Menge frische Ideen mit ein und schafft eine Welt, die für mich vollständig erscheint und die keine Aspekte des menschlichen Lebens auslässt und für mich mit einem starken Ende eine nachhaltige Wirkung erzielt.

    Auch wenn die einzelnen Bände mehr oder minder in sich abgeschlossen sind, sollte jeder die sechs Bände lesen. Ich habe keine Seite bereut.

    MarkusT
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    Codex Alera: Die Elementare von Calderon
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    Titel: Die Elementare von Calderon
    Im Schatten des Fürsten
    Die Verschwörer von Kalare
    Der Protektor von Calderon
    Die Befreier von Canea
    Der erste Fürst
    Serien/Zyklentitel: Codex Alera
    Autor: Jim Butcher
    Verlag: blanvalet

    Jim Butcher ist durch seine Harry Dresden Reihe dem einen oder anderen bekannt. Bei dem vorliegenden Zyklus handelt es sich um einen High-Fantasy-Zyklus der sehr stark geschrieben ist und so einige Klischees klassischer Fantasy Romane

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