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    Der kleine Prinz

    von am 20. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Der kleine Prinz

    PrinzAntoine de Saint-Exupéry
    DER KLEINE PRINZ.
    (Le Petit Prince / 1946)
    Übersetzt von Peter Sloterdijk
    Illustriert von Nicolas Mahler
    Berlin, Insel Verlag, 2015, 107 S.
    Insel-Bücherei Band 2017, Fester Einband
    ISBN 978-3-458-20017-8

    Es war vermutlich die wichtigste Entscheidung, die der Verleger Karl Rauch jemals getroffen hat, als er 1950 den Vertrag für die deutsche Ausgabe des französischen Kinderbuchs LE PETIT PRINCE unterzeichnete. Geschrieben hatte das 1946 posthum veröffentlichte Trostbüchlein der Flugpionier Antoine de Saint Exupéry (1900 – 1944) im New Yorker Exil für einen im besetzten Frankreich zurückgebliebenen Freund. Die deutsche Ausgabe die unter dem Titel DER KLEINE PRINZ in der Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb erschien, wurde, ähnlich wie überall sonst auf der Welt, ein gleichermaßen Long- wie Bestseller. Bis zum Jahr 2000 verkaufte man alleine hierzulande mehr als sieben Millionen Exemplare.
    Damit gehört die – vom Autor auch noch liebevoll illustrierte – Geschichte um den kleinen blonden Jungen vom Asteroiden B 612, der auf der Suche nach Antworten durchs Weltall zieht, inzwischen zum Allgemeingut, ist ins kollektive Gedächtnis eingegangen, und einzelne Sätze daraus wurden zu geflügelten Worten.

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    Antoine de Saint-Exupéry
    DER KLEINE PRINZ.
    (Le Petit Prince / 1946)
    Übersetzt von Peter Sloterdijk
    Illustriert von Nicolas Mahler
    Berlin, Insel Verlag, 2015, 107 S.
    Insel-Bücherei Band 2017, Fester Einband
    ISBN 978-3-458-20017-8

    Es war vermutlich die wichtigste Entscheidung, die der Verleger Karl Rauch jemals getroffen hat, als er 1950 den Vertrag für die deutsche Ausgabe des französischen weiterlesen…

    Das Haus der vergessenen Bücher

    von am 18. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Das Haus der vergessenen Bücher

    HausChristopher Morley
    DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann
    (The Haunted Bookshop / 1919)
    Hamburg, Atlantik bei Hoffmann & Campe, 2014, 255 S.
    ISBN 978-3-455-60012-4

    Wie in jeder gut geführten Bibliothek gibt es auch in meiner Sammlung verschiedene Abteilungen und Unter-Sparten, in die frisch eingehende Bücher einsortiert werden. Je kleiner eine solche Unterabteilung ist, desto wertvoller sind normalerweise die darin eingestellten Werke. Wobei sich „wertvoll“ nicht nur nach dem Alter oder Preis bemisst, sondern auch im Sinne von „besonders gut“ oder „hervorragend durch Inhalt und/oder Stil“ gemeint sein kann.
    Was uns nun endlich zu jenem Buch führt, das hier vorgestellt werden soll: Es handelt sich um ein etwas aus der Zeit gefallenes Stück Literatur, ist THE HAUNTED BOOKSHOP doch bereits 1919 in den Vereinigten Staaten erschienen und sein Autor Christopher Morley (1890 – 1957) auch schon länger tot als ich diesen Planeten bewohne. Umso erstaunlicher also, dass jemand im Verlag Hoffmann & Campe (der für die Atlantik-Bücher verantwortlich zeichnet) der Meinung war, diesen Roman 2014 erstmals dem deutschen Publikum präsentieren zu wollen. (Noch mehr verwundert dies, wenn man herausgefunden hat, dass es sich um den zweiten Band einer bereits 1917 begonnenen Folge von Geschichten handelt.)
    Im Großen und Ganzen geht es in DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER jedoch um ein Sujet, das als „zeitlos“ gelten kann, nämlich die Liebe zu Büchern.
    Roger Mifflin ist, gemeinsam mit seiner Gattin Helen, Inhaber der Buchhandlung Parnassus in Brooklyn. Es handelt sich dabei um ein Antiquariat und wenn der Buchhändler von einem seiner Prachtstücke besonders angetan ist, so kann es durchaus passieren, dass er dessen Verkauf schlichtweg verweigert. Trotzdem fühlt man sich schon beim ersten Betreten des Ladens heimisch, gleich nachdem man an dem Schild vorbeigekommen ist, auf dem die „Warnung“ steht:

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    Christopher Morley
    DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann
    (The Haunted Bookshop / 1919)
    Hamburg, Atlantik bei Hoffmann & Campe, 2014, 255 S.
    ISBN 978-3-455-60012-4

    Wie in jeder gut geführten Bibliothek gibt es auch in meiner Sammlung verschiedene Abteilungen und Unter-Sparten, in die frisch eingehende Bücher einsortiert werden. Je kleiner eine solche Unterabteilung ist, desto wertvoller sind normalerweise die weiterlesen…

    Drohnenland

    von am 7. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Drohnenland

    DrohnenlandTom Hillenbrand
    DROHNENLAND. Kriminalroman.
    Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2014, 425 S.
    KiWi-Taschenbuch
    ISBN 978-3-462-04662-5

    Manche Bücher passen in ihre Zeit wie die Faust aufs Auge. Der als Kriminalroman „getarnte“ Near-Future-Thriller DROHNENLAND des deutschen Bestseller-Autors Tom Hillenbrand ist so ein Buch. Obwohl bereits im Frühsommer 2014 erschienen, beschäftigt es sich mit den immer noch aktuellen „Aufregern“ Vorratsdatenspeicherung, Cyberkriminalität, überstaatliche Zusammenarbeit der Polizei innerhalb der Europäische Union und Drohnenkriegsführung.

    Der1972 geborene Hillenbrand war Ressortleiter bei SPIEGEL ONLINE, wurde jedoch durch eine Reihe kulinarischer Krimis bekannt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Offenbar überkam ihn dann jedoch eine Vision, wie ein Kapitalverbrechen in einigen Jahren von den dann europäisch organisierten und geführten Polizeibehörden untersucht und behandelt wird. Wie dabei die heute schon erkennbaren Überwachungsstrukturen praktisch ins Unendliche ausgeweitet wurden, wie virtuelle Welten den klassischen Tatort-Besuch ersetzen – und wie Verdächtige sich in digitalen Parallelwelten verstecken, ist eigentlich ein klassisches Science-Fiction-Thema.

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    Tom Hillenbrand
    DROHNENLAND. Kriminalroman.
    Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2014, 425 S.
    KiWi-Taschenbuch
    ISBN 978-3-462-04662-5

    Manche Bücher passen in ihre Zeit wie die Faust aufs Auge. Der als Kriminalroman „getarnte“ Near-Future-Thriller DROHNENLAND des deutschen Bestseller-Autors Tom Hillenbrand ist so ein Buch. Obwohl bereits im Frühsommer 2014 erschienen, beschäftigt es sich mit den immer noch aktuellen „Aufregern“ Vorratsdatenspeicherung, Cyberkriminalität, überstaatliche Zusammenarbeit weiterlesen…

    Das Science Fiction Jahr 2015

    von am 27. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Das Science Fiction Jahr 2015

    SFJahrHannes Riffel & Sascha Mamczak (Hrsg.)
    DAS SCIENCE FICTION JAHR 2015
    Berlin, Golkonda, 2015, 650 S.
    ISBN 978-3-944720-48-7
    Klappenbroschur

    Seien wir doch mal ehrlich: Ein wenig mehr als in den vergangenen Jahren haben wir schon gezweifelt, ob auch 2015 ein SF-JAHR erscheinen würde. Schließlich räumten die fleißigen und mutigen Herausgeber und Mitarbeiter von Golkonda aber alle Zweifel aus dem Weg und Ende September kamen die Bücher aus der Druckerei und in die Verkaufsregale.
    Bereits der erste Eindruck konnte überzeugen; durch das größere Format der bei Golkonda üblichen Klappenbroschur wirkt das Jahrbuch etwas schlanker als die zuletzt bei Heyne üblichen „Backsteine“, und es liegt auch besser in der Hand. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigte, was die spätere Lektüre bestätigte: Es fehlt nichts! Nahtlos, „wie beim Staffellauf“, wurde der „Stab“ übergeben. Als Herausgeber firmieren Hannes Riffel und Sascha Mamczak, die Redaktion blieb Größtenteils bei der Stange und einige kleine Änderungen, dienen durchgängig der besseren Lesbarkeit und der Konzentration auf das Wesentliche.
    Dieses Wesentliche ist die Übersicht über die Bücher, Comics, Spiele, Filme und Hörbücher mit Genrebezug, die im letzten Jahr erschienen sind. Das wurde mit gewohnter Bravour gemeistert. Zwischen die einzelnen Blöcke wurden Artikel, Essays und Interviews gesetzt, die Einzelaspekte und Besonderheiten in den Fokus nahmen.
    Allem voran natürlich die unabdingbare Verneigung vor dem Gründervater: Über 70 Seiten mit Nachrufen und Erinnerungen an Wolfgang Jeschke, niedergeschrieben von Kollegen, Freunden, Weggefährten und Bewunderern.
    Danach folgen unter anderem ein Beitrag von Ken Liu über „Chinesische SF“, ein Interview mit MARSIANER-Autor Andy Weir, Dietmar Dath schreibt über Greg Egan und Michael K. Iwoleit über deutschsprachige Science-Fiction-Kurzgeschichten, von Kameron Hurley gibt es die großartige Streitschrift „Wir kämpfen seit jeher“, die 2014 mit einem HUGO Award belohnt wurde, Hardy Kettlitz und Bartholomäus Figatowski beschäftigen sich mit Aspekten der Science-Fiction-Frühzeit, während Christian Endres (Film) und Uwe Neuhold (Technik) die Zukunft fest im Blick haben.
    Gelungener Abschluss ist die Bibliografie, für die der Österreicher Christian Pree gewonnen werden konnte. Verzeichnet sind auf gut fünfzig Seiten die deutschsprachigen Science-Fiction-Publikationen des Jahres 2014 aus (fast) allen Verlagen und in (fast) allen Erscheinungsformen, aus Platzgründen allerdings ohne bei Erzählungsbänden die einzelnen Stories aufzulisten.
    So, und wenn es jetzt noch gelingt, gedanklich das Präfix „Heyne“ vom Haupttitel DAS SCIENCE FICTION JAHR zu lösen, kann man dem Golkonda Verlag (und sich selbst als SF-Fan) eigentlich nur zur dreißigsten Ausgabe dieses immer noch einzigartigen Jahrbuchs gratulieren.

    Horst Illmer

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    Das Science Fiction Jahr 2015
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    Hannes Riffel & Sascha Mamczak (Hrsg.)
    DAS SCIENCE FICTION JAHR 2015
    Berlin, Golkonda, 2015, 650 S.
    ISBN 978-3-944720-48-7
    Klappenbroschur

    Seien wir doch mal ehrlich: Ein wenig mehr als in den vergangenen Jahren haben wir schon gezweifelt, ob auch 2015 ein SF-JAHR erscheinen würde. Schließlich räumten die fleißigen und mutigen Herausgeber und Mitarbeiter von Golkonda aber alle Zweifel aus dem Weg weiterlesen…

    Die letzten und die ersten Menschen

    von am 7. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Die letzten und die ersten Menschen

    letztenerstenMenschenOlaf Stapledon
    DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN. Roman.
    Aus dem Englischen von Kurt Spangenberg.
    Mit einem Vorwort des Autors und einem Nachwort von Klaus N. Frick
    (LAST AND FIRST MEN / 1930)
    München Berlin Zürich, Piper, 2015, 464 S.

    Über fünfzig Jahre mussten vergehen, bevor 1983 endlich die erste deutsche Ausgabe von Olaf Stapledons 1930 im englischen Original erschienenem Meisterwerk LAST AND FIRST MEN veröffentlicht wurde, das sich damals bereits zu einem der größten Klassiker der Science-Fiction-Literatur entwickelt hatte. Nun sind seither auch schon wieder mehr als drei Jahrzehnte vergangen, bis der Piper Verlag sich entschloss, seine neue Reihe „Piper Science Fiction“ mit diesem Meilenstein zu eröffnen.

    Die überarbeitete Neuausgabe von Kurt Spangenbergs hervorragender Übersetzung enthält ein gleichermaßen lobendes wie geistreich-kritisches Nachwort von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick und bietet sich als Hardcover mit Folienumschlag und Lesebändchen nicht nur zum Lesen, sondern gleichzeitig auch noch als wundervolles Sammlerstück dar. Ob es sich allerdings lohnt, im Jahr 2015 DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN zu lesen, hängt viel davon ab, wie weit man als Leser bereit ist, sich auf einen selbst in der Science Fiction einzigartig weitgefassten Weltentwurf einzulassen.

    Kurz vor dem Eintritt einer kosmischen Katastrophe erzählt ein „Mensch“ aus einer viele Millionen Jahre entfernten Zukunft die Geschichte der menschlichen Spezies seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. In achtzehn Stufen erfolgt diese Entwicklung, und es geht keineswegs kontinuierlich voran. Immer wieder erweisen sich einzelne dieser Entwicklungslinien als Sackgassen, doch niemals, bis in die Zeit des „letztgeborenen“ Berichterstatters hinein, hält die Evolution inne auf ihrem Weg, das Leben zu verbreiten. Gute und schlechte Zeiten, körperliche Entwicklung und moralischer Verfall, ungeahnte geistige Höhen und schließlich die Lösung des Geistes vom Soma bieten sich dem staunenden Betrachter dar – und eine von der Liebe zum Leben geprägte Erkenntnis der letztendlichen Sterblichkeit durchzieht das Buch.
    Olaf Stapledon wollte mit DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN einen Mythos erschaffen, der die Menschheit in ihrer kosmischen Bestimmung zeigt. Er wollte unseren Geist aufnahmebereit sehen, wollte zum Nachdenken anregen, wollte die Freiräume schaffen, in denen neue moralische Erkenntnisse entstehen können.
    Einer der Vorzüge seines Romans ist es, dass Stapledon nicht mittels einzelner Schlagwörter statische Utopien vorführt, sondern Veränderungen konkret und in ihrer vielfältigen Komplexität, jedoch immer gewürzt mit Ironie und Anekdoten, anschaulich darzustellen vermag.
    Als nachgerade genial erweist sich sein am Ende des Buches auftauchende Gedanke, die Geschichte könnte eine Symphonie sein, in der bestimmte Themen in Variationen immer wieder durchgespielt werden, wobei diese Wiederholungen womöglich eine Spiralstruktur besitzen. Daran schließt sich logisch die Idee an, Zukunft und Vergangenheit könnten einander behilflich sein. Und so verschränken sich die Kadenzen, und es tritt eine Selbstreferenz ein, die schon uns Heutigen eine Verantwortung für alles spätere Geschehen zuweist. Die mythische Leistung des Buches besteht in diesem Hinfällig werden der Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität.

    Es gibt Bücher, die mit ihrem Erscheinen eine Literaturgattung (oder zumindest ein Kapitel der jeweiligen Gattungsgeschichte) letztgültig behandeln, sodass ein Darüber hinaus gehen, ein Weiterschreiben durch andere Autoren schlicht nicht vorstellbar ist. Bis zum Beweis des Gegenteils stellt Olaf Stapledons Betrachtung der menschlichen Zukunft ein solches Werk dar.

    Horst Illmer

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    Olaf Stapledon
    DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN. Roman.
    Aus dem Englischen von Kurt Spangenberg.
    Mit einem Vorwort des Autors und einem Nachwort von Klaus N. Frick
    (LAST AND FIRST MEN / 1930)
    München Berlin Zürich, Piper, 2015, 464 S.

    Über fünfzig Jahre mussten vergehen, bevor 1983 endlich die erste deutsche Ausgabe von Olaf Stapledons 1930 im englischen Original erschienenem Meisterwerk LAST AND FIRST weiterlesen…

    Finderlohn

    von am 2. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Finderlohn

    KingStephen King
    FINDERLOHN. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
    (OT: Finders Keepers / 2015)
    München, Heyne, 2015, 541 S.
    ISBN 978-3-453-27009-1

    FINDERLOHN beginnt mit einem Mord aus Leidenschaft, aus Leidenschaft für Jimmy Gold, den Anti-Helden einer höchst erfolgreichen Roman-Trilogie, den sein Autor John Rothstein schon vor Jahrzehnten ad acta gelegt hat. Noch schlimmer: Rothstein hat Jimmy Gold zu einem amerikanischen Durchschnittsspießer gemacht, was ihm sein größter Fan, der Kleinkriminelle Morris Bellamy, nie verziehen hat. Bei einem Einbruch in Rothsteins Haus erbeutet Bellamy über 100 Notizbücher, doch bevor er dazu kommt, sie zu lesen, wird er wegen eines ganz anderen Verbrechens verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.
    Als er 35 Jahre später schließlich auf Bewährung freikommt, will er nur noch die damals gut versteckten Notizbücher holen und endlich erfahren, was Rothstein in seinen letzten Lebensjahren aufgeschrieben hat. Doch inzwischen hat ein anderer diesen Schatz entdeckt – und obwohl Peter Saubers erst Siebzehn ist und noch zur Schule geht, ist er von Rothstein und Jimmy Gold mindestens genauso fasziniert wie Morris Bellamy. Es beginnt ein Kampf um die Manuskripte, der mit ungleichen Mitteln geführt wird – und bei dem es sehr schnell um Leben und Tod geht …

    FINDERLOHN ist als Mittelband einer Trilogie angelegt, zeigt jedoch keine der Schwächen, die solche „Zwischenstücke“ sonst an sich zu haben pflegen. Geschickt vermeidet Stephen King es, dass man sich einfach in einem weiteren Kapitel aus MR MERCEDES wähnt, indem er FINDERLOHN im ersten Drittel mit einem komplett neuen Personal ausstattet. Der Ex-Polizist Bill Hodges, dem die Trilogie ihren Namen verdankt, tritt erst nach über einem Drittel der Geschichte erstmals in Erscheinung. Gleichermaßen meisterlich bereitet King sein Publikum auf die Weiterführung im nächsten Buch vor: man spürt irgendwo im Unterbewusstsein, dass da noch „offene Fragen“ sind, dass noch nicht alles erzählt ist – doch wohin die Reise geht bleibt unter der Oberfläche verborgen und dadurch erhöht sich der Reiz nur noch zusätzlich.

    Verbrechen, Zeitgeschichte, phantastische Elemente und die Liebe zur Literatur – in FINDERLOHN findet man all dies, niedergeschrieben von einem der besten Geschichtenerzähler der Welt. Ein Buch, dessen Sog man sich nicht entziehen kann.

    Horst Illmer

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    Finderlohn
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    Stephen King
    FINDERLOHN. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
    (OT: Finders Keepers / 2015)
    München, Heyne, 2015, 541 S.
    ISBN 978-3-453-27009-1

    FINDERLOHN beginnt mit einem Mord aus Leidenschaft, aus Leidenschaft für Jimmy Gold, den Anti-Helden einer höchst erfolgreichen Roman-Trilogie, den sein Autor John Rothstein schon vor Jahrzehnten ad acta gelegt hat. Noch schlimmer: Rothstein hat Jimmy Gold zu einem amerikanischen Durchschnittsspießer weiterlesen…

    Captain Future

    von am 31. August 2015 Kommentare deaktiviert für Captain Future

    CaptainFutureHardy Kettlitz
    EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE.
    Berlin, Memoranda, 2015, 206 S.
    ISBN 978-3-944720-77-7
    Klappenbroschur

    Das ging ja überraschend schnell! Schon kurz nach dem Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 (vgl. die Besprechung weiter unten) legt Hardy Kettlitz soeben in seinem Memoranda Verlag das zweite Buch vor. Diesmal beschäftigt er sich mit EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE, einem echten „Altmeister“ aus dem goldenen Zeitalter der amerikanischen Science Fiction.
    Dabei ist der CAPTAIN FUTURE-Bezug natürlich vor allem als ein Aufhänger zu der seit einigen Jahren bei Golkonda erscheinenden CAPTAIN FUTURE-Werkausgabe gedacht, schließlich hat der 1904 geborene Edmond Hamilton in den Jahren zwischen 1926 und seinem Tod 1977 mehr als dreißig weitere Romane und hunderte von Kurzgeschichten geschrieben.
    Wie nicht anders zu erwarten, stellt das reich bebilderte Sachbuch eine wahre Fundgrube an Wissenswertem und Informativem dar, bringt den Autor und Menschen Edmond Hamilton plastisch vors Leserauge, stellt ihn auch als Ehemann von Leigh Brackett vor und spart nicht mit lesenswerten Geschichten aus der Frühzeit der „Space Opera“, zu deren Mitbegründern er gehört. Als Bonus-Material gibt es neben einer ausführlichen Bibliografie einen „Hinter den Kulissen“-Artikel von Hamilton selbst, ein Interview mit Patrick Nielsen Hayden sowie einen ausführlichen Essay von Dietmar Dath. Und natürlich „passt“ auch noch das einem Pulp-Magazin entlehnte Umschlagbild zum hervorragenden Gesamteindruck, den EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE hinterlässt.
    Als Ergänzung zur Werkausgabe unverzichtbar, als Informationsquelle über die Frühgeschichte der Science Fiction unerschöpflich.

    Horst Illmer

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    Edmond Hamilton – Autor von Captain Future
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    Hardy Kettlitz
    EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE.
    Berlin, Memoranda, 2015, 206 S.
    ISBN 978-3-944720-77-7
    Klappenbroschur

    Das ging ja überraschend schnell! Schon kurz nach dem Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 (vgl. die Besprechung weiter unten) legt Hardy Kettlitz soeben in seinem Memoranda Verlag das zweite Buch vor. Diesmal beschäftigt er sich mit EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN weiterlesen…

    Der Yark

    von am 28. August 2015 Kommentare deaktiviert für Der Yark

    DerYarkBertrand Santini (Text) & Laurent Gapaillard (Illustrationen)
    DER YARK.
    Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
    (Le Yark / 2011)
    Berlin, Jacoby & Stuart, 2014, 75 S.
    ISBN 978-3-942787-36-9

    Der Yark hat Kinder zum Fressen gern, und ich verschlinge Bücher – allerdings nicht jedes Kind, beziehungsweise nicht jedes Buch.
    Gut, wenn man in solchen Fällen echte Freunde hat.
    Denn der Yark hat das Problem, dass er sich nur von braven Kindern ernähren kann, weil ihm die verdorbenen Rotzlöffel und Gören den Magen umdrehen. Ich habe das Problem, dass ich nur gute Bücher lesen kann, weil mir die schlechten … naja, is’ klar, oder?
    Da trifft es sich dann prima, dass der Yark auf die kleine Madeleine stößt und dass mich ein Freund mit der Nase auf den YARK gestoßen hat.
    Sonst wäre es wohl schlecht um uns beide gestanden, denn die Zahl der bösen Bücher und schlechten Kinder – oder andersherum – ist so groß, dass Mann oder Monster einfach den Überblick verlieren können.
    DER YARK ist eines der schönsten und überraschendsten Bücher der letzten Jahre. In der Form eines illustrierten Kunstmärchens präsentieren Santini und Gapaillard die zeitlose Geschichte von der Schönen und dem Biest als durchaus aktuelle Fabel um die weltverändernde Kraft einer Freundschaft.
    Wem jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft, kann sich die Abenteuer des kinderverschlingenden Kuschel-Monsters in seinem nächstgelegenen Bücher-Deli besorgen. Wer noch einen Appetitanreger braucht, schaut vielleicht mal in die verlagseigene Speisekarte – www.jacobystuart.de –, wobei allerdings die Gefahr besteht, dass man von der Auswahl überwältigt wird.

    Horst Illmer

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    Der Yark
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    Bertrand Santini (Text) & Laurent Gapaillard (Illustrationen)
    DER YARK.
    Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
    (Le Yark / 2011)
    Berlin, Jacoby & Stuart, 2014, 75 S.
    ISBN 978-3-942787-36-9

    Der Yark hat Kinder zum Fressen gern, und ich verschlinge Bücher – allerdings nicht jedes Kind, beziehungsweise nicht jedes Buch.
    Gut, wenn man in solchen Fällen echte Freunde hat.
    Denn der Yark hat das Problem, dass weiterlesen…

    Aquamarin

    von am 12. August 2015 Kommentare deaktiviert für Aquamarin

    aquamarinAndreas Eschbach
    AQUAMARIN.
    Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
    ISBN 978-3-401-60022-2

    Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, dem einzigen Mädchen in der australischen Küstenstadt Seaheaven, dass aufgrund einer körperlichen Disposition nicht schwimmen kann, was sie in einer Spaß-Gesellschaft am Meer sowieso schon zur Außenseiterin macht. Dazu kommt noch, dass sie das erklärte Lieblingsopfer für die »Streiche« der Klassenprimadonna Carilja ist.
    Als sie aufgrund eines dieser »Streiche« jedoch im Tauchbecken der Schule landet, entdeckt Saha, dass ihre »Behinderung« alles andere als eine solche ist – sie kann unter Wasser »atmen«. Doch damit hat sie nur ein neues Problem: Mutationen oder Genmanipulationen sind in der Zone, in der Seaheaven liegt, strengstens verboten.
    Unterstützt von ihrem Mitschüler Pigrit und einer mitfühlenden Lehrerin versucht Saha ihr »Geheimnis« zu verbergen und sich einen Platz im Sozialgefüge Seaheavens zu erobern. Für kurze Zeit scheint ihr das auch zu gelingen, doch ein Zwischenfall beim großen Hafenfest zwingt sie, sich zu ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zu bekennen und die Konsequenzen ihres »Anders-seins« zu akzeptieren …
    Spannend, emotional bewegend und psychologisch stimmig beschreibt Andreas Eschbach in seinem mittlerweile elften Jugendbuch für den Arena Verlag den Leidensweg von Saha, den sie gehen muss, bevor sie erkennt, dass auch für sie in der Schöpfung – und in der menschlichen Gemeinschaft – ein Platz vorhanden ist. Dabei verknüpft er die Handlung geschickt mit gegenwärtig schon erkennbaren Tendenzen in den Bereichen der Gentechnik, der Erschließung der Meeresböden und der Entstehung immer kleinerer und spezialisierter »Staaten«, die letztlich nur noch Interessenzonen politisch-kommerzieller oder religiöser Art darstellen.
    Dass Eschbach in der Science Fiction alles kann, zeigte er zuletzt erneut in zwei PERRY RHODAN-Romanen, dass er auch weiß wie Kinder und Jugendliche »ticken«, macht den besonderen Reiz seiner Jugendbücher aus. Insoweit ist »Aquamarin« eine gelungene Mischung aus beiden »Welten« und ebenso tiefgründige wie kurzweilige Lektüre für den Strand – und irgendwo auf unserer Welt ist immer Sommer.

    Horst Illmer

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    Aquamarin
    im Webshop oder via e-mail im Laden…

    Andreas Eschbach
    AQUAMARIN.
    Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
    ISBN 978-3-401-60022-2

    Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, weiterlesen…

    Dschiheads

    von am 16. Juni 2015 Kommentare deaktiviert für Dschiheads

    Vorwort von Gerd:

    Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen ist es eine schöne Koinzidenz, wenn ich aus diesem Anlass jetzt eine Rezension des frischgebackenen Kurd Laßwitz Preisträgers Horst Illmer zum letztveröffentlichen Titel Jeschkes online stelle. Wolfgang Jeschke hat vergangenes Jahr für "Dschiheads" den Kurd Laßwitz Preis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger SF-Roman mit Erstausgabe von 2013″ erhalten.

    Gerd

    DschiheadsWolfgang Jeschke
    DSCHIHEADS. Roman
    München, Heyne, 2013, 367 S.
    ISBN 978-3-453-31491-7

    Ein Zukunfts-Roman aus Deutschland, auf dem Cover der Name des Autors WOLFGANG JESCHKE dreimal so groß wie der Titel DSCHIHEADS und ein Klappentext, der im Vergleich zu anderen Ergüssen aus den Werbeabteilungen der Verlage sogar ziemlich nahe am Inhalt bleibt – so präsentiert sich das immer noch aktuelle Buch unseres besten (und leider am 10. Juni 2015 verstorbenen) Science-Fiction-Autors.
    Wolfgang Jeschke hat sich dieses Prädikat mit seinen Kurzgeschichten und Romanen in den letzten Jahrzehnten ohne jede Einschränkung (wie „derzeitig“) verdient. Und auch DSCHIHEADS erweist sich als überzeugendes Werk eines Alleskönners. Denn obwohl Jeschke auf dem Einband als Autor der Zeitreiseromane DER LETZTE TAG DER SCHÖPFUNG und DAS CUSANUS-SPIEL herausgestellt wird, geht DSCHIHEADS weit eher in eine Richtung, die er in einigen seiner neueren Kurzgeschichten eingeschlagen hat: das religionskritische Moment trat erstmals 2001 in aller Deutlichkeit in „Allah akhbar – And So Smart Our NLWs“ zutage, und in der 2004 veröffentlichten Geschichte „Das Geschmeide“ zog Jeschke für einen kurzen Moment den Vorhang der ganz großen Space Opera auf.
    In DSCHIHEADS fließen diese beiden Motivstränge in einer rasanten, spannenden Handlung zusammen, deren glitzernde Oberfläche gewollt beiläufig den Blick auf einen reichhaltigen und tiefgründigen Weltentwurf verdeckt.
    Drei Wissenschaftler (ein Farbiger und eine Frau sowie ihr mittels Gentechnik und KI-Implantat „up-gelifteter“ Hund/Assistent) werden vom Kommandanten eines Flottenstützpunktes auf Hot Edge, einem unwirtlichen, aber dünn besiedelten Planeten am Rande des menschlichen Einflussraums, angefordert. Als sie Monate später eintreffen, stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar, als erwartet. Der Kommandant ist „verschwunden“, sein Nachfolger will nicht recht mit der Sprache heraus (und mit den Wissenschaftlern schon gar nicht zusammenarbeiten), die Einheimischen sind religiöse Fundamentalisten, die alles Fremde (und vieles andere auch, z. B. Hunde, Frauen und dunkelhäutige Menschen) ablehnen.
    Da der verschwundene Kommandant überzeugt war, auf  „Kunstwerke“ der ursprünglichen Bewohner gestoßen zu sein, ist die Konfliktlinie klar: Falls die Wissenschaftler in der einheimischen Tierpopulation eine kulturfähige Intelligenzform entdecken würden, hätte dies für die menschlichen Siedler und den Flottenstützpunkt gravierende Folgen. Die unter einem absolutistischen Oberpriester dahin darbende Menschenkolonie und die Soldaten des Stützpunktes kämpfen ihren immerwährenden Kampf gegen die Unbilden ihrer Umwelt. Die Anführer jedoch haben sich auf Hot Edge inzwischen ganz bequem eingerichtet. Sie beuten nicht nur die ihnen anvertrauten Menschen, sondern vor allem die Tier- und Pflanzenwelt des Planeten aus. Was aber würde geschehen, wenn sich nicht nur die augapfelgroßen Edelsteine und die gigantischen Steinfresken entlang der Flussufer als in vollem Bewusstsein hergestellte Kunstwerke einer einheimischen Spezies erwiesen …?
    Mit atemraubender Eleganz und einzigartigen Metaphern gelingt es Wolfgang Jeschke, aus einem Schmuckstück eine ganze Zivilisation und aus einer kurzen Erinnerung ein ganzes Universum zu zaubern. Und das macht ihm so schnell Niemand nach.

    Horst Illmer

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    Vorwort von Gerd:

    Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen weiterlesen…