Das Buch der gefallenen Blätter
von Gerd am 28. September 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

- A. S. Tamaki
Herbst des Imperiums 1
Das Buch der gefallenen Blätter
Ü: Michael Pfingst
Stuttgart, Klett-Cotta Verlag, 2026, 696 S.
ISBN 9783608967517/ 26,00 Euro
Hardcover
Ich habe es erst wieder einmal erwähnt, dass das Verlagshaus Klett-Cotta ein Stern am Himmel bleibt. Auch wenn die Anzahl der Fantasy-Publikationen nicht sehr hoch ist, verbinde ich seit jeher mit dem Namen ein treffsicheres Gespür für anspruchsvolle Phantastik mit literarischem Gewicht. Mit Herbst des Imperiums 1: Das Buch der gefallenen Blätter schlägt das Lektorat der Hobbit Presse nun ein neues, faszinierendes Kapitel auf. A. S. Tamaki legt einen Reihenauftakt vor, der das Fundament klassischer High Fantasy mit der melancholischen Erhabenheit japanischer Epen kreuzt. Dass dieser Spagat auf Deutsch so eindrucksvoll gelingt, ist nicht zuletzt der verdienstvollen Übersetzungsarbeit von Michael Pfingstl zu verdanken, der den Tonfall zwischen höfischer Zeremonie und "kinetischer" Dynamik punktgenau trifft.
Der fernöstliche Einschlag erweist sich dabei rasch als weit mehr als eine bloße ästhetische Kulisse. Tamaki, der als ehemaliger Hollywood-Drehbuchautor und Kampfsportler über ein geschultes Auge für Dramaturgie und Bewegungsabläufe verfügt, schöpft aus eigenen Wurzeln: Seine Familie blickt auf eine historische Samurai-Linie zurück. Als zentrales Gerüst nutzt er die japanische National-Saga Heike Monogatari über die blutigen Genpei-Clan-Kriege des 12. Jahrhunderts und durchwebt sie mit Motiven aus dem Shintō und der Philosophie des Zen-Buddhismus.
Im Zentrum der Handlung steht Sen Hoshiakari. Nach dem Scheitern einer Rebellion verliert der junge Prinz in einer einzigen blutigen Nacht seine Familie, seine Heimat und seinen Thron. Als Überlebender des ausgelöschten Gensei-Clans fristet er ein Dasein im Exil, getrieben vom unerschütterlichen Willen zur Rache und dem Wiederaufbau seines Hauses. Einzig das einfache Bauernmädchen Rui, das ihm einst das Leben rettete, hält ihn in der Wirklichkeit verankert. Doch während das kaiserliche Reich in einem grausamen Bürgerkrieg zu zerfallen droht und uralte Rachegeister erwachen, wird klar, dass auch Rui ein Schicksal in sich trägt, das die Aufmerksamkeit der Götter auf sich zieht.
Tamakis Hintergrund beim Film macht sich auf jeder Seite positiv bemerkbar. Die Szenen sind hochgradig visuell geschnitten, die Spannungsbögen greifen wie Zahnräder ineinander und das Timing sitzt perfekt. Durch Pfingstls präzise Übersetzung entfaltet der Text eine sprachliche Eleganz, die der historischen Schwere des Stoffs gerecht wird, ohne je ins Sperrige abzugleiten. Herbst des Imperiums 1 ist ein bildgewaltiges, klug konstruiertes Epos, das im Werbetext als "Shogun meets Game of Thrones" bezeichnet wird. Ich würde das niemals so plump ausdrücken. Aber wenn man von Lesern oder Buchhändlern erwartet, dass sie eben nur diese beiden Schlagwörter verstehen, ist das wohl der geeignete Vergleich.
Ich kann nur sagen: Lesen! Das Buch der gefallenen Blätter ist ein durchweg gelungener Auftakt, der große Lust auf die Fortsetzung macht. (Die hoffentlich keinen Vergleich mit Game of Thrones ziehen muss / aber Teil zwei ist auf englisch bereits angekündigt)
- Kategorien: Bücher , Fantasy , Gerds Lesestapel
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- A. S. Tamaki
Herbst des Imperiums 1
Das Buch der gefallenen Blätter
Ü: Michael Pfingst
Stuttgart, Klett-Cotta Verlag, 2026, 696 S.
ISBN 9783608967517/ 26,00 Euro
Hardcover
Ich habe es erst wieder einmal erwähnt, dass das Verlagshaus Klett-Cotta ein Stern am Himmel bleibt. Auch wenn die Anzahl der Fantasy-Publikationen nicht sehr hoch ist, verbinde ich seit jeher mit dem Namen ein treffsicheres Gespür für anspruchsvolle Phantastik mit literarischem Gewicht. Mit Herbst des Imperiums 1: Das Buch der gefallenen Blätter schlägt das Lektorat der Hobbit Presse nun ein neues, faszinierendes Kapitel auf. A. S. Tamaki legt einen Reihenauftakt vor, der das Fundament klassischer High Fantasy mit der melancholischen Erhabenheit japanischer Epen kreuzt. Dass dieser Spagat auf Deutsch so eindrucksvoll gelingt, ist nicht zuletzt der verdienstvollen Übersetzungsarbeit von Michael Pfingstl zu verdanken, der den Tonfall zwischen höfischer Zeremonie und "kinetischer" Dynamik punktgenau trifft.
Der fernöstliche Einschlag erweist sich dabei rasch als weit mehr als eine bloße ästhetische Kulisse. Tamaki, der als ehemaliger Hollywood-Drehbuchautor und Kampfsportler über ein geschultes Auge für Dramaturgie und Bewegungsabläufe verfügt, schöpft aus eigenen Wurzeln: Seine Familie blickt auf eine historische Samurai-Linie zurück. Als zentrales Gerüst nutzt er die japanische National-Saga Heike Monogatari über die blutigen Genpei-Clan-Kriege des 12. Jahrhunderts und durchwebt sie mit Motiven aus dem Shintō und der Philosophie des Zen-Buddhismus.
Im Zentrum der Handlung steht Sen Hoshiakari. Nach dem Scheitern einer Rebellion verliert der junge Prinz in einer einzigen blutigen Nacht seine Familie, seine Heimat und seinen Thron. Als Überlebender des ausgelöschten Gensei-Clans fristet er ein Dasein im Exil, getrieben vom unerschütterlichen Willen zur Rache und dem Wiederaufbau seines Hauses. Einzig das einfache Bauernmädchen Rui, das ihm einst das Leben rettete, hält ihn in der Wirklichkeit verankert. Doch während das kaiserliche Reich in einem grausamen Bürgerkrieg zu zerfallen droht und uralte Rachegeister erwachen, wird klar, dass auch Rui ein Schicksal in sich trägt, das die Aufmerksamkeit der Götter auf sich zieht.
Tamakis Hintergrund beim Film macht sich auf jeder Seite positiv bemerkbar. Die Szenen sind hochgradig visuell geschnitten, die Spannungsbögen greifen wie Zahnräder ineinander und das Timing sitzt perfekt. Durch Pfingstls präzise Übersetzung entfaltet der Text eine sprachliche Eleganz, die der historischen Schwere des Stoffs gerecht wird, ohne je ins Sperrige abzugleiten. Herbst des Imperiums 1 ist ein bildgewaltiges, klug konstruiertes Epos, das im Werbetext als "Shogun meets Game of Thrones" bezeichnet wird. Ich würde das niemals so plump ausdrücken. Aber wenn man von Lesern oder Buchhändlern erwartet, dass sie eben nur diese beiden Schlagwörter verstehen, ist das wohl der geeignete Vergleich.
Ich kann nur sagen: Lesen! Das Buch der gefallenen Blätter ist ein durchweg gelungener Auftakt, der große Lust auf die Fortsetzung macht. (Die hoffentlich keinen Vergleich mit Game of Thrones ziehen muss / aber Teil zwei ist auf englisch bereits angekündigt)
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