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  • Mister Endres' Neunte Kunst

    Unzählige Editorials für Panini, jede Menge kompetenter Artikel in Fachmagazinen und eine profunde Kenntnis der Comic-Szenerie. Danke für deine Artikel auf unserer Seite…

    Auf der Suche nach Moby Dick

    von am 12. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Venayre, Wens
    Auf der Suche nach Moby Dick
    Aus dem Französischen von Anja Koontz
    Knesebech 2020, 224 Seiten

    Anno 1851 veröffentlichte Herman Melville seinen berühmten Roman „Moby Dick“, der seitdem unzählige Male adaptiert und interpretiert wurde – etwa von Ray Bradbury und John Huston in einer der denkwürdigsten Verfilmungen. Auch Comic-Fassungen gab es so einige, zum Beispiel von Bill Sienkiewicz oder dem großen Will Eisner. Vor Kurzem machten sich der Historiker und Autor Sylvain Venayre sowie der Zeichner Isaac Wens in „Auf der Suche nach Moby Dick“ an eine weitere Comic-Verquickung, die jedoch weit mehr wurde als eine reduzierte Adaption des 170 Jahre alten literarischen Leviathans.

    Venayre und Wens nutzen über 200 Seiten im Albumformat, um die ikonischsten Szenen des sperrigen, ausschweifenden und facettenreichen Originals einzufangen, wobei Venayre den Versuch der totalen Glättung und Vereinfachung unterlässt, während Wens’ Zeichnungen sogar ein wenig an Eddie Campbell („From Hell“) erinnern. Darüber hinaus streuen sie in ihren Comic mehrere Passagen ein, in denen ein junger Radiojournalist mit diversen Spezialisten über die Interpretation, die Besonderheiten und z. B. den biblischen Symbolismus von „Moby Dick“ spricht.

    Dieser hochinteressante Kommentar tritt gegen Ende des Bandes in der Hintergrund, irgendwann wird das dramatische Geschehen um den obsessiven Ahab und den weißen Wal dann doch wichtiger – man hätte gern noch ein paar Einschübe mitgenommen. Trotzdem, der Meta-Ansatz weiß zu gefallen und stellt eine echte Bereicherung dar, da man wesentlich tiefer in Melvilles Werk, Zeit, Gedanken und Welt eintaucht. Und wenn am Ende nur etwas Partywissen hängenbleiben sollte. Auf der Suche nach einer besonders guten Comic-Adaption von „Moby Dick“? Das ist sie.

    Christian Endres

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    Venayre, Wens
    Auf der Suche nach Moby Dick
    Aus dem Französischen von Anja Koontz
    Knesebech 2020, 224 Seiten

    Anno 1851 veröffentlichte Herman Melville seinen berühmten Roman „Moby Dick“, der seitdem unzählige Male adaptiert und interpretiert wurde – etwa von Ray Bradbury und John Huston in einer der denkwürdigsten Verfilmungen. Auch Comic-Fassungen gab es so einige, zum Beispiel von Bill Sienkiewicz oder dem weiterlesen…

    Lucky Luke: Wanted

    von am 5. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Matthieu Bonhomme
    Lucky Luke: Wanted
    Aus dem Französischen von Klaus Jöken
    Egmont Comic Collection 2021, 68 Seiten

    Zum zweiten Mal spielt der französische Künstler Matthieu Bonhomme (»Texas Cowboys«, »Esteban«), der Lucky Luke zu seinen Kindheitsfreunden zählt, mit dem Mythos des Revolverhelden, der schneller zieht und schießt als sein Schatten. Nach seinem grandiosen ersten Hommage-Album »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« legt der 1973 geborene Bonhomme mit »Lucky Luke: Wanted« eine weitere eigenständige, individuelle Interpretation der Comic-Ikone vor, die im Dezember ihren 75-jährigen Geburtstag feiert.

    Ausgerechnet der lässige, stets dem Guten verpflichtete Lucky Luke wird per Steckbrief gesucht. Trotzdem helfen er und sein getreues Pferd Jolly Jumper drei hübschen Schwestern dabei, ihre Rinderherde durch die Wüste zu bringen, wo es schon ohne Kopfgeld genügend Gefahren zu bestehen gilt. Das hat humoristischen Seiten, wann immer Bonhomme augenzwinkernd mit der von ihm so geliebten Comic-Legende spielt, zielt jedoch nie darauf ab, ein klassischer, allzu vorwitziger und pfiffiger Funny zu sein. Dafür handelt es sich bei »Lucky Luke: Wanted« um einen überragend inszenierten Panel-Western und eine wunderbarere Hommage an den Poor Lonesome Cowboy.

    Bonhommes unabhängig zu lesende Werke »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« und »Wanted« sind das Beste, was Lucky Luke seit Langem passiert ist – es lohnt sich, sie auch dann zu lesen, wenn man sonst lieber um den Cowboy herum reitet, den die Altmeister Morris und Goscinny geprägt haben. Beide Bände gibt es als Hard- und Softcover bei Egmont.

    Christian Endres

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    Matthieu Bonhomme
    Lucky Luke: Wanted
    Aus dem Französischen von Klaus Jöken
    Egmont Comic Collection 2021, 68 Seiten

    Zum zweiten Mal spielt der französische Künstler Matthieu Bonhomme (»Texas Cowboys«, »Esteban«), der Lucky Luke zu seinen Kindheitsfreunden zählt, mit dem Mythos des Revolverhelden, der schneller zieht und schießt als sein Schatten. Nach seinem grandiosen ersten Hommage-Album »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« legt der weiterlesen…

    Bouncer

    von am 28. April 2021 noch kein Kommentar

    Alejandro Jodorowsky & François Boucq
    Bouncer – Gesamtausgabe Bd. 4
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser 2021, 128 Seiten

    Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der chilenische Autor Alejandro Jodorowsky („Der Incal“, „El Topo“) und der französische Künstler François Boucq („Mondgesicht“, „Little Tulip“) ihre Westernserie „Bouncer“ starteten. Pünktlich zum Jubiläum liegen beim Verlag Schreiber & Leser erstmals alle Alben der Serie auf Deutsch vor: Die ersten Geschichten in dicken Sammelbänden einer Gesamtausgabe, die neuen Abenteuer als dünnere Einzelalben in deutscher Erstveröffentlichung.

    „Bouncer“ ist einer der besten, aber auch brutalsten und heftigsten neuzeitlichen Comic-Western, so ein bisschen der fiese Cousin von „Blueberry“. Jodorowsky nutzt Gewalt, Obszönitäten, Freaks und das Bizarre, shakespearhafte Motive und sogar einen schamanischen Trip für die Bildergeschichten über den einarmigen Rausschmeißer und Titelhelden aus Barro City. Der frisch erschienene vierte Band der Gesamtausgabe, der mit einem Zweiteiler die Lücke zwischen altem und neuen Material schließt, ist wieder eine starke, harte und rohe Rachegeschichte. Sie führt Bouncer in ein abgelegenes Gefängnis in der Wüste, bei dem es sich jedoch um ein verkommenes Paradies für die übelsten Verbrecher handelt. Jodorowsky schlägt einmal mehr schön über die Stränge, und Boucq, der die Serie nach dieser Story alleine fortgesetzt hat, illustriert das alles gewohnt souverän und üppig. Der Wilde Westen lebt bei Boucq, und dank Jodorowsky ist er wirklich wild und hemmungslos.

    Wer auf Westerncomics steht und sie auch mal etwas deftiger und fieser mag, muss „Bouncer“ lesen, und da sind die schicken Sammelbände eine super Gelegenheit.

    Christian Endres

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    Alejandro Jodorowsky & François Boucq
    Bouncer – Gesamtausgabe Bd. 4
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser 2021, 128 Seiten

    Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der chilenische Autor Alejandro Jodorowsky („Der Incal“, „El Topo“) und der französische Künstler François Boucq („Mondgesicht“, „Little Tulip“) ihre Westernserie „Bouncer“ starteten. Pünktlich zum Jubiläum liegen beim Verlag Schreiber & Leser erstmals alle weiterlesen…

    Gegen mein Gewissen

    von am 22. März 2021 noch kein Kommentar

    Hannah Brinkmann
    Gegen mein Gewissen
    Avant Verlag, 2020, 232 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-040-1

    Wehrpflicht ist heute in Deutschland kein Thema mehr, doch lange Zeit war sie das. Besonders in den Jahren und Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte sie für Proteste und für einen verhärteten ideologischen Konflikt zwischen Alt und Jung. Die 1990 geborene Künstlerin Hannah Brinkmann erzählt in ihrem Comic-Album „Gegen mein Gewissen“ die Geschichte ihrer eigenen Familie und ihres Onkels Hermann Brinkmann, die in den 1970ern bundesweit für Schlagzeilen sorgte – die tragische Geschichte eines jungen Mannes, der auf keinen Fall zum Dienst an der Waffe gezwungen werden wollte.

    Weil seine Nichte Jahrzehnte später in ihrem Comic über die Vergangenheit auf 230 Seiten Persönliches, Gesellschaftliches und Historisches sehr gut aufbereitet und verknüpft, entsteht ein starkes Zeitgemälde. Außerdem beeindrucken Hannah Brinkmanns Inszenierung und Zeichenstil: Der durchaus eigensinnige Strich, die gedämpften und doch klaren Farben, die sichere Panel-Auswahl und die Layouts lassen einen an große nordamerikanische Comic-Romanciers denken. „Gegen mein Gewissen“ ist ein überzeugendes Werk über Pazifismus, Kriegsdienstverweigerung, Familienschicksal und die Vergangenheit Deutschlands sowie der Bundeswehr, und nicht zuletzt ein handwerklich exzellent gemachter Comic.

    Christian Endres

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    Hannah Brinkmann
    Gegen mein Gewissen
    Avant Verlag, 2020, 232 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-040-1

    Wehrpflicht ist heute in Deutschland kein Thema mehr, doch lange Zeit war sie das. Besonders in den Jahren und Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte sie für Proteste und für einen verhärteten ideologischen Konflikt zwischen Alt und Jung. Die 1990 geborene Künstlerin Hannah Brinkmann erzählt in ihrem Comic-Album „Gegen mein weiterlesen…

    Rhapsodie in Blau

    von am 10. März 2021 noch kein Kommentar

    Andrea Serio
    Rhapsodie in Blau
    Schreiber & Leser, 2020, 128 Seiten
    ISBN: 978-3-96582-044-9

    Mit „Rhapsodie in Blau“ adaptiert der italienische Künstler Andrea Serio einen Roman der Autorin Silvia Cuttin, der wiederum auf wahren historischen Begebenheiten und biografischen Fakten beruht: Auf dem Aufstieg des Faschismus im Europa der 1930er und 1940er; auf dem Zweiten Weltkrieg; und auf dem Leben des jungen Andrea bzw. später Andrew Goldstein aus einer jüdischen Familie in Triest, der ohne seine Eltern nach New York City flüchten muss und erst im Krieg noch einmal in seine alte Heimat zurückkehrt.

    Es ist durchaus sehenswert, wie Andrea Serio dieses Einzelschicksal als Variante einer bekannten traurigen Geschichte innerhalb der Geschichte in leichte, individuelle Episoden und große Panels herunterbricht. Wie er den Kontrast zwischen seinem impressionistischen Artwork und der inhaltlichen Finsternis nutzt, obwohl er in der Darstellung fast komplett auf schwere Düsternis verzichtet. Und dennoch ist sie stets da, die Dunkelheit, in diesen hellen, weichen, pastelligen Bildern voller Licht – in diesem letzten Sommer einer Jugend, dem schmerzhaften Verlust der Heimat, der fast magischen Stimmung im alten New York, dem faschistischen Schreckensgespenst und der Brutalität des Krieges.

    Christian Endres

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    Andrea Serio
    Rhapsodie in Blau
    Schreiber & Leser, 2020, 128 Seiten
    ISBN: 978-3-96582-044-9

    Mit „Rhapsodie in Blau“ adaptiert der italienische Künstler Andrea Serio einen Roman der Autorin Silvia Cuttin, der wiederum auf wahren historischen Begebenheiten und biografischen Fakten beruht: Auf dem Aufstieg des Faschismus im Europa der 1930er und 1940er; auf dem Zweiten Weltkrieg; und auf dem Leben des jungen Andrea bzw. weiterlesen…

    Die Lethargie

    von am 22. Februar 2021 noch kein Kommentar

    Prado
    Die Lethargie
    Carlsen, 2021, 102 Seiten
    ISBN: 978-3-551-74858-4

    Miguelanxo Prado, der 1958 in La Coruna geboren wurde, gilt als einer der wichtigsten spanischen Comic-Künstler. Er wurde aber nicht bloß in seiner Heimat mit Preisen bedacht, sondern auch schon mit dem amerikanischen Eisner Award, im französischen Angoulême mit dem Alph’Art für das beste ausländische Album und mit dem deutschen Max-und-Moritz-Preis. Hierzulande erschienen seine Bildergeschichten „Leichte Beute“, „Ardalén“ und natürlich „Der tägliche Wahn“, sein wohl bekanntester Comic. Der Hamburger Carlsen Verlag hat mit dem Album „Die Lethargie“ nun die neueste Arbeit Prados veröffentlicht.

    Der junge Archäologe Artur Rego, der an der Universität unter einem arroganten Professor zu leiden hat, findet in einem Eichenwald seltsame Runen, wenig später stolpert er beim Büchersortieren außerdem über ein merkwürdig-interessantes Notizbuch. Artur geht der Sache neugierig nach und wird mit einem uralten Pakt magischer Mächte und Wesen konfrontiert. Dieser bedroht den Fortbestand der Menschheit – um Gaia, die Erde, im Gegenzug vor den Menschen zu retten. Der Wettlauf zwischen Gut und Böse beginnt, und Artur und seine Mitstreiter sind mittendrin …

    Prados im Kern vielleicht nicht allzu innovative, handwerklich jedoch sehr überzeugend umgesetzte Fantasy-Geschichte verbindet die moderne, wissenschaftlich geprägte Welt mit archaischen Mythen sowie der ökologisch schlechten Perspektive unseres Planeten. Der hübsch-kantige Zeichenstil, die Seitenlayouts, die Figurendesigns und die Farben des Spaniers wissen zu gefallen, zudem spürt man seine Erfahrung als kreativer Tausendsassa und visueller Storyteller. Das ergibt eine funktionierende Mischung und gediegene Genre-Kost.

    Christian Endres

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    Prado
    Die Lethargie
    Carlsen, 2021, 102 Seiten
    ISBN: 978-3-551-74858-4

    Miguelanxo Prado, der 1958 in La Coruna geboren wurde, gilt als einer der wichtigsten spanischen Comic-Künstler. Er wurde aber nicht bloß in seiner Heimat mit Preisen bedacht, sondern auch schon mit dem amerikanischen Eisner Award, im französischen Angoulême mit dem Alph’Art für das beste ausländische Album und mit dem deutschen Max-und-Moritz-Preis. Hierzulande erschienen weiterlesen…

    Aldobrando

    von am 11. Februar 2021 noch kein Kommentar

     Gipi & Luigi Critone
    Aldobrando
    Carlsen, 2020, 208 Seiten
    ISBN: 978-3-551-75106-5

    Autor Gipi („Die Welt der Söhne“, „Mein schlecht gezeichnetes Leben“) und Zeichner Luigi Critone („Der Skorpion“) präsentieren mit ihrer italienischen Co-Produktion „Aldobrando“ einen gefälligen Comic-Roman im über 200 Seiten starken Album: Der junge, weltfremde Aldobrando wächst bei einem Zauberer im Wald auf und muss nun erstmals hinaus in die Welt – und wird prompt in die Irrungen und Intrigen des Lebens und des Königreichs verwickelt. Sein Holzschwert bring ihm gar nichts, und so landet er mit schlechten Aussichten sogar im Kerker …

    Alleskönner Gipi und sein Kollege Critone knüpfen ein feines schicksalhaftes Gespinst zwischen dem naiven, jedoch herzensguten Aldobrando, einer traurigen Prinzessin, einem armseligen König, einem brutalen Mörder, einer freundlichen Sklavin, einem gierigen Inquisitor und einem verlogenen Knappen. Dieses Geflecht trägt zugleich das subtile Worldbuilding ihres Szenarios. Das Ergebnis ist eine klassische, aber gelungene Heldenreise von mittelalterlicher Atmosphäre und geradezu märchenhafter Anmutung, inszeniert in schönen Bildern und Farben.

    Christian Endres

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     Gipi & Luigi Critone
    Aldobrando
    Carlsen, 2020, 208 Seiten
    ISBN: 978-3-551-75106-5

    Autor Gipi („Die Welt der Söhne“, „Mein schlecht gezeichnetes Leben“) und Zeichner Luigi Critone („Der Skorpion“) präsentieren mit ihrer italienischen Co-Produktion „Aldobrando“ einen gefälligen Comic-Roman im über 200 Seiten starken Album: Der junge, weltfremde Aldobrando wächst bei einem Zauberer im Wald auf und muss nun erstmals hinaus in die Welt – und weiterlesen…

    Goldjunge

    von am 6. Januar 2021 noch kein Kommentar

    Mikael Ross
    Goldjunge. Beethovens Jugendjahre
    Avant-Verlag, 2020, 190 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-041-8

    2020 gab Corona den Ton an und bestimmte den Takt. Da ging es weitgehend unter, dass es eigentlich das Beethoven-Jahr war, das den 250. Geburtstag des musikalischen Genies hätte gebührend feiern sollen. Immerhin: Das Comic-Jahr 2020 konnte man mit dem Band „Beethoven – Unsterbliches Genie“ (Carlsen) von Peer Meter und Rem Broo beginnen und zuletzt mit „Goldjunge“ (Avant) von Mikael Ross abschließen. Wo sich Meter und Broo schlaglichtartig den Lebensstationen Beethovens und satirisch der Leichenfledderei nach dessen Tod widmeten, wendet sich Ross den Jugendjahren des großen Musikers zu.

    Der 1984 in München geborene, mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnete Ross inszenierte zuvor bereits Highlights wie „Der Umfall“ und „Totem“. Diese Graphic Novel über Beethovens Jugend und Werdegang als Wunderkind mit familiären und anderen Problemen – pikanterweise gehört sogar eine Pockenepidemie dazu – ist noch ein bisschen fetziger und wilder gezeichnet als Ross’ bisherige Werke. Es passt zum unerwarteten Ton der Geschichte, in der Ross bei starkem historischen Ambiente frechen, deftigen Splapstick neben gelungenen Musik-Visualisierungen arrangiert. Den jungen Beethoven macht er dabei zu einem sympathischen, oft glücklosen Protagonisten, dem man mit Vergnügen folgt.

    Christian Endres

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    Mikael Ross
    Goldjunge. Beethovens Jugendjahre
    Avant-Verlag, 2020, 190 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-041-8

    2020 gab Corona den Ton an und bestimmte den Takt. Da ging es weitgehend unter, dass es eigentlich das Beethoven-Jahr war, das den 250. Geburtstag des musikalischen Genies hätte gebührend feiern sollen. Immerhin: Das Comic-Jahr 2020 konnte man mit dem Band „Beethoven – Unsterbliches Genie“ (Carlsen) von Peer Meter und Rem Broo weiterlesen…

    Adventskalender 2019 T-17 "Alte Knacker"

    von am 7. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Lupano & Cauuet
    Die alten Knacker Bd. 6: Der Guyana-Fetisch
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter, 2020, 56 Seiten
    ISBN: 978-3-96219-217-4

    Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Paul Cauuet schufen mit ihrer Comic-Serie „Die alten Knacker“ 2014 einen Bestseller. Inzwischen sind wir beim sechsen Album angelangt und ist es schon sieben verflixte Jahre her, dass das erste Rentner-Roadmovie völlig zurecht mit dem Publikumspreis in Angoulême prämiert wurde.

    Im neuen Band reisen der anarchistische, an allem rumnörgelnde Pierrot und sein wesentlich ausgeglichenerer und aufgeschlossenerer Kumpel Antoine in den Regenwald Amazoniens, um ihren alten Freund Mimile zu treffen. Der Trip läuft vor allem für Pierrot (vor 2020 hätte man ihn liebevoll als schrulligen Querdenker bezeichnet) natürlich nicht ohne tierische Begegnungen, unerwartete Wendungen oder saftige Kritik an Umweltverschmutzung und Kapitalismus ab, in Folge derer auch schon mal Amazon-Chef Jeff Bezos mit Dagobert Duck verglichen wird …

    Das Rezept der erfolgreichen Feel-Good-Serie aus Frankreich ändert sich logischerweise nicht mehr, die Qualität der Storys und der Zeichnungen sowie der Fun-Faktor allerdings genauso wenig. Mit Lupanos und Cauuets rüstigen alten Knackern gibt es im Angesicht des Zeitgeists immer viel traditionellen frankobelgischen Comic-Klamauk und obendrein eine ordentliche Portion Libertarismus. In einer Welt, die ökologisch und ökonomisch mit jedem Tag weiter in Schieflage gerät, können wir beides gut gebrauchen.

    Christian Endres

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    Lupano & Cauuet
    Die alten Knacker Bd. 6: Der Guyana-Fetisch
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter, 2020, 56 Seiten
    ISBN: 978-3-96219-217-4

    Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Paul Cauuet schufen mit ihrer Comic-Serie „Die alten Knacker“ 2014 einen Bestseller. Inzwischen sind wir beim sechsen Album angelangt und ist es schon sieben verflixte Jahre her, dass das erste Rentner-Roadmovie völlig zurecht mit weiterlesen…

    Adventskalender 2020 T-19 "5 ist die perfekte Zahl"

    von am 5. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Igort
    5 ist die perfekte Zahl – Deluxe
    Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
    Avant-Verlag, 2020, 216 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-029-6

    Zwischen 1994 und 2002 arbeitete der italienische Künstler Igort an seinem Comic-Roman „5 è il numero perfetto“ alias „5 ist die perfekte Zahl“: der Geschichte eines alten Auftragskillers der neapolitanischen Mafia, der für die Rache an den Mördern seines Sohnes aus dem Ruhestand kommt. Inzwischen ist der Crime Comic, dessen erste Skizzen und Szenen während Igorts Zeit in Tokio entstanden, in rund zwei Dutzend Ländern auf drei Kontinenten erschienen. 2019 wurde die einflussreiche italienische Graphic Novel, deren deutsche Erstausgabe 2003 als Comic des Jahres ausgezeichnet wurde, sogar von Igort als Regisseur verfilmt. 2020 hat der Berliner Avant-Verlag dem Album jetzt eine Deluxe-Neuausgabe spendiert, die im Anhang um ein interessantes Interview mit dem 1958 geborenen Igort, ein Nachwort von ihm sowie allerhand Artwork, Skizzen, Fotos und mehr erweitert wurde.

    Der Comic selbst ist in all den Jahren seit seinem Entstehen und Erscheinen – wie zu erwarten – kein bisschen schlecht gealtert. Igort schrieb und zeichnete eben eine fast perfekte, teils kunstfertig stilisierte Mafia-Story über die Camorra und das Neapel der späten 1970er. Mit viel Gefühl, viel Nostalgie, viel Pulp und damit auch mit vielen knallharten Shootouts. Seine schwarz-weiß-blauen Duplex-Seiten vereinen europäische, amerikanische und japanische Einflüsse und Traditionen. Obendrein huldigt Igort Klassikern wie „Dick Tracy“, „Batman“ oder „Diabolik“ quasi im Subtext seines Panel-Krimis.

    Nach Avants wunderbarer „Allack Sinner“-Komplettausgabe aus dem vergangenen Jahr präsentiert diese Deluxe-Edition von „5 ist die perfekte Zahl“ einen weiteren vermeintlich alt gewordenen Krimi-Antihelden des internationalen Comics noch einmal im besten Licht. Perfetto!

    Christian Endres

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    Igort
    5 ist die perfekte Zahl – Deluxe
    Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
    Avant-Verlag, 2020, 216 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-029-6

    Zwischen 1994 und 2002 arbeitete der italienische Künstler Igort an seinem Comic-Roman „5 è il numero perfetto“ alias „5 ist die perfekte Zahl“: der Geschichte eines alten Auftragskillers der neapolitanischen Mafia, der für die Rache an den Mördern seines Sohnes aus dem Ruhestand kommt. weiterlesen…