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  • Mister Endres' Neunte Kunst

    Unzählige Editorials für Panini, jede Menge kompetenter Artikel in Fachmagazinen und eine profunde Kenntnis der Comic-Szenerie. Danke für deine Artikel auf unserer Seite…

    Ringo Gesamtausgabe

    von am 12. Juli 2021 noch kein Kommentar

    William Vance u. a.
    Ringo (Gesamtausgabe)
    Splitter Verlag, 2021, 192 Seiten
    ISBN: 978-3-95839-355-4

    Der belgische Autor und Zeichner William Vance (1935–2018) sollte dank Werken wie „Bob Morane“, „Bruno Brazil“, „XIII“ und „Marshal Blueberry“ in die Ruhmeshalle des europäischen Comics einziehen. Zwischen 1965 und 1978 arbeitete Vance mit einigen Mitstreitern außerdem an der Westernserie „Ringo“, die vornehmlich im Magazin „Tintin“ herauskam. Splitter hat nun alle drei Alben sowie zwei Kurzgeschichten in einen großen, dicken Komplettband gepackt. Der reitende und schießende Titelheld Ray Ringo eskortiert darin für das Unternehmen Wells Fargo Postkutschen mit wertvoller Fracht durch den Wilden Westen, kämpft allerdings auch im amerikanischen Bürgerkrieg in der Schlacht von Gettysburg – und verhält sich stets äußerst ehrenvoll und heroisch.

    Ringos Abenteuer sind eben sehr klassische und traditionelle, nichtsdestotrotz gute und unterhaltsame Western-Kost. Der neue Sammelband, der die bisherige Gesamtausgabe in zwei Bänden ablöst, ermöglicht es einem obendrein, die Entwicklung von Vance und dessen Zeichenstil nachzuvollziehen – vom sensationellen Debütanten zum sagenhaften Meister. Jede Episode im Hardcover ist gut bebildert und behauptet sich problemlos gegen den Banditen namens Zeit, doch besonders die letzte lange Story von Ende der 1970er, in der es Ringo während eines Blizzards in den Bergen mit ein paar mexikanischen Outlaws aufnehmen muss, begeistert. Vance’ Inszenierung und Visualisierung dieses Duells im Schnee ist und bleibt zeitlose Western-Exzellenz.

    Christian Endres

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    William Vance u. a.
    Ringo (Gesamtausgabe)
    Splitter Verlag, 2021, 192 Seiten
    ISBN: 978-3-95839-355-4

    Der belgische Autor und Zeichner William Vance (1935–2018) sollte dank Werken wie „Bob Morane“, „Bruno Brazil“, „XIII“ und „Marshal Blueberry“ in die Ruhmeshalle des europäischen Comics einziehen. Zwischen 1965 und 1978 arbeitete Vance mit einigen Mitstreitern außerdem an der Westernserie „Ringo“, die vornehmlich im Magazin „Tintin“ herauskam. Splitter hat weiterlesen…

    Conan der Cimmerier

    von am 30. Juni 2021 noch kein Kommentar

    Conan der Cimmerier: Der rote Priester
    Conan der Cimmerier: Der Gott in der Schale
    Aus dem Französischen von Harald Sachse
    Splitter, Bielefeld 2021, 72 bzw. 64 Seiten pro Album

    Die Conan-Reihe des Splitter Verlags, in der mit jedem Einzelalbum ein klassisches Fantasy-Abenteuer des berühmten Barbaren von einem frischen Kreativteam adaptiert wird, wächst munter weiter. Die beiden neuesten Comics nach den prägenden Pulp-Geschichten von Robert E. Howard sind „Der rote Priester“ und „Der Gott in der Schale“. Patrice Louinet, der die bisherigen Alben mit kenntnisreichen Nachworten ausgestattet hat, durfte in „Der rote Priester“ nun einmal selbst als Autor ran. Der Einstieg in den Comic ist ein bisschen mühsam, REH vermittelte sein politisches Setting klarer und direkter, aber ansonsten zeigt sich „Der rote Priester“ als ordentliche Interpretation. Auch und vor allem, weil Zeichner Paolo Martinello einen überzeugenden Stil hat und ein paar sensationelle, sehenswerte Doppelseiten liefert – und den allemal ungewöhnlichen Querschnitt eines Zaubererturms.

    „Der Gott in der Schale“ hat Doug Headline adaptiert, Sohn des berühmten Krimiautors Jean-Patrick Manchette, der im Laufe der Jahre auch schon einige Geschichten seines Vaters in Comics umwandelte. Sinnig, dass er den „Conan-Krimi“ in Howards Schaffen angeht, obwohl der Cimmerier in Ich-Perspektive etwas seltsam anmutet – die macht jedoch nur einen Teil der Geschichte und Blickwinkel aus. Das Artwork von Emmanuel Civiello kann man problemlos noch als interessant verbuchen, seine pastelligen Bilder eifern oft sogar der Plastizität in den Arbeiten von Richard Corben nach. Gewohnt gut ist das Nachwort des bereits erwähnten Louinet, da er „Der Gott in der Schale“ als Conan-Story über Polizeigewalt in den USA aufschlüsselt, die Howard in den 1930ern inspirierte und die noch heute ein so präsentes Thema ist.

    Christian Endres

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    Conan der Cimmerier: Der rote Priester
    Conan der Cimmerier: Der Gott in der Schale
    Aus dem Französischen von Harald Sachse
    Splitter, Bielefeld 2021, 72 bzw. 64 Seiten pro Album

    Die Conan-Reihe des Splitter Verlags, in der mit jedem Einzelalbum ein klassisches Fantasy-Abenteuer des berühmten Barbaren von einem frischen Kreativteam adaptiert wird, wächst munter weiter. Die beiden neuesten Comics nach den prägenden Pulp-Geschichten weiterlesen…

    Hammaburg

    von am 16. Juni 2021 noch kein Kommentar

    Jens Natter
    Hammaburg
    Ellert & Richter Verlag 2020, 96 Seiten

    In „Hammaburg“ entführt der Autor und Zeichner Jens Natter in die frühen Tage dessen, was einmal die Hansestadt Hamburg werden sollte. In seinem Album, dessen Geschichte im Jahre 834 einsetzt, ist der Ort noch eine unscheinbare kleine Siedlung an der Küste. Der Geistliche Bruder Ansgar soll Hammaburg für den fränkischen Kaiser Ludwig den Frommen zum Ausgangspunkt einer Missionierung des Nordens machen. Doch Hammaburgs Herrscher, die wechselhafte, von Machtkämpfen geprägte Politik im Kaiserreich und nicht zuletzt die plündernden Wikinger aus Skandinavien machen Ansgars Mission zu einem schwierigen Unterfangen. Comickünstler, Illustrator, Karikaturist und Schnellzeichner Jens Natter, Jahrgang 1975, wirft einen sowohl humorvollen als auch historisch durchaus akkuraten Blick auf Hamburgs Anfänge im Mittelalter. Dass ihm am Ende nicht jede Pose gelingt, nimmt seinen Zeichnungen und Seiten weder den Charme, noch die Effektivität. Eingeleitet wird der Band übrigens durch ein Vorwort von Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, der für den Comic als Berater fungierte.

    Christian Endres

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    Jens Natter
    Hammaburg
    Ellert & Richter Verlag 2020, 96 Seiten

    In „Hammaburg“ entführt der Autor und Zeichner Jens Natter in die frühen Tage dessen, was einmal die Hansestadt Hamburg werden sollte. In seinem Album, dessen Geschichte im Jahre 834 einsetzt, ist der Ort noch eine unscheinbare kleine Siedlung an der Küste. Der Geistliche Bruder Ansgar soll Hammaburg für den fränkischen Kaiser weiterlesen…

    Bis zum bitteren Ende

    von am 9. Juni 2021 noch kein Kommentar

    Félix, Gastine
    Bis zum bitteren Ende
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter 2021, 80 Seiten

    Where have all the Cowboys gone?

    In „Bis zum bitteren Ende“, einem neuen Westerncomic von Autor Jérôme Félix und Zeichner Paul Gastine, sind sie noch da. Aber nur gerade so, denn ihre Ära im Wilden Westen neigt sich dem Ende entgegen, weil die Eisenbahn das Grenzland erschließt und die großen Viehtriebe überflüssig macht. Der knurrige alte Haudegen Two-Colts Russell weiß, dass das sein letzter Ritt mit einer großen Herde ist. Er will sich mit dem jungen Burschen Bennett, den er quasi adoptiert hat, und seiner rechten Hand Kirby auf einer Ranch in Montana niederlassen. Unterwegs schlägt allerdings das Schicksal zu, und um in dem kleinen Städtchen Sundance Gerechtigkeit oder zumindest Rache zu bekommen, tut sich Russell mit ein paar Outlaws zusammen …

    Der Spätwestern der Franzosen Félix und Gastine, die bereits an der Serie „Das Erbe des Teufels“ zusammen gearbeitet haben, hat einen guten Plot und reichlich genretypisch, aber treffend charakterisierte Figuren. Außerdem gelingt es Félix bei allen bedienten Klischees auf exzellente Weise, in vielen kleinen und großen Dingen das Gefühl des Wandels im Wilden Westen einzufangen. Und Paul Gastines feines Artwork sieht vom Cover bis zum letzten Barthaar, von der Landschaft bis zu den Figuren, atemberaubend gut aus.

    Das alles macht dieses atmosphärische, packende Einzelalbum zur Pflichtlektüre für Western-Fans. Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“, „Open Range“) ist leider schon ein bisschen zu alt, doch so mit 50 wäre diese Geschichte der perfekte Stoff für einen letzten großen Westernfilm-Ritt des großen Darstellers gewesen.

    Christian Endres

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    Félix, Gastine
    Bis zum bitteren Ende
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter 2021, 80 Seiten

    Where have all the Cowboys gone?

    In „Bis zum bitteren Ende“, einem neuen Westerncomic von Autor Jérôme Félix und Zeichner Paul Gastine, sind sie noch da. Aber nur gerade so, denn ihre Ära im Wilden Westen neigt sich dem Ende entgegen, weil die Eisenbahn das weiterlesen…

    Der ferne schöne Klang

    von am 7. Juni 2021 noch kein Kommentar

    Zep
    Der ferne schöne Klang
    Aus dem Französischen von Claudia Sandberg
    Schreiber & Leser 2021, 84 Seiten

    Wer den Schweizer Künstler Philippe Chappuis alias Zep primär für dessen versaute Funny-Comics „Titeuf“ und „Happy Sex“ kennt, wird von Zeps anderer künstlerischer Seite überrascht sein. Die zeigt er erst seit Kurzem, etwa als Szenarist des SF-Albums „Paris 2219“, des Fantasy-Pornos „Esmera“ oder als Autor und Zeichner der endzeitlichen Baum-Verschwörung „The End“. Nun liegt Zeps Einzelalbum „Der ferne schöne Klang“ auf Deutsch vor. Darin muss William, der 25 Jahre als Kartäusermönch unter dem Schweigegelübde in einem abgelegenen Kloster gelebt hat, wegen einer Testamentsöffnung nach Paris. Zep nutzt die Konfrontation zwischen Williams gewähltem Lebensweg zu Gott, seiner Vergangenheit und den Verlockungen der Welt für eine leise, gefühlvolle, nachdenkliche und trotzdem sehr leichte Comic-Erzählung. Noch vor ein paar Jahren hätte man Zep solche Werke nicht zugetraut. Sie schlichtweg nicht erwartet, denn wieso hätte sich ein Bestseller-Cartoonist auch derart neu erfinden sollen? Gut, dass er es getan hat. Uns wären sonst ein paar lesenswerte Comics entgangen.

    Christian Endres

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    Zep
    Der ferne schöne Klang
    Aus dem Französischen von Claudia Sandberg
    Schreiber & Leser 2021, 84 Seiten

    Wer den Schweizer Künstler Philippe Chappuis alias Zep primär für dessen versaute Funny-Comics „Titeuf“ und „Happy Sex“ kennt, wird von Zeps anderer künstlerischer Seite überrascht sein. Die zeigt er erst seit Kurzem, etwa als Szenarist des SF-Albums „Paris 2219“, des Fantasy-Pornos „Esmera“ oder als Autor weiterlesen…

    Ein Baby auf Abwegen

    von am 26. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Benjamin Renner
    Ein Baby auf Abwegen
    Aus dem Französischen von Lilian Pithan
    Avant 2021, 296 Seiten

    Vor einigen Jahren veröffentlichte der französische Cartoonist, Animationskünstler und Filmemacher Benjamin Renner seine Comic-Komödie „Der große böse Fuchs“, die auf Deutsch ebenfalls bei Avant herausgekommen ist. Während der 1983 geborene Renner für den Zeichentrickfilm „Ernest & Célestine“ sogar schon eine Oscar-Nominierung erhielt, wurde auch sein ausgefuchster Comic-Spaß als „Der kleine Fuchs und seine Freunde – Das große Kinoabenteuer“ filmisch adaptiert.

    In Renners neuem, querformatigen Comic „Ein Baby auf Abwegen“ erhalten und erleben nun Ente, Schwein und Hase, das naive Trio aus dem Vorgänger-Band mit dem Fuchs, ein eigenes Abenteuer; Füchse spielen diesmal indes nur eine Nebenrolle. Darum geht’s: Für einen verletzten Storch sollen die drei schusseligen Antihelden aus dem Wald ein Menschenbaby in die Stadt bringen und an die designierten Eltern ausliefern. Eine Aufgabe, die in den „Händen“ der tierisch trotteligen Chaoten zu einer wahren, wilden Odyssee wird …

    Minimalistische Zeichnungen, maximaler Klamauk und Spaß: Renners Bilder haben erneut den skizzenhaften, illustrativen Charme eines Kinderbuchs, obwohl die Zielgruppe doch etwas erwachsener sein sollte. Die Story bietet nämlich recht zotigen zeichentrickartigen Slapstick, der zwischendurch ein wenig härter ausfällt. Insgesamt bewegt sich „Ein Baby auf Abwegen“ wieder irgendwo zwischen A. A. Milnes Hundert-Morgen-Wald von Pu und der Gang, Lewis Trondheims Comic-Schaffen, den Looney Tunes und den Pinguinen aus Madagascar.

    Christian Endres

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    Benjamin Renner
    Ein Baby auf Abwegen
    Aus dem Französischen von Lilian Pithan
    Avant 2021, 296 Seiten

    Vor einigen Jahren veröffentlichte der französische Cartoonist, Animationskünstler und Filmemacher Benjamin Renner seine Comic-Komödie „Der große böse Fuchs“, die auf Deutsch ebenfalls bei Avant herausgekommen ist. Während der 1983 geborene Renner für den Zeichentrickfilm „Ernest & Célestine“ sogar schon eine Oscar-Nominierung erhielt, wurde auch sein ausgefuchster weiterlesen…

    Auf der Suche nach Moby Dick

    von am 12. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Venayre, Wens
    Auf der Suche nach Moby Dick
    Aus dem Französischen von Anja Koontz
    Knesebech 2020, 224 Seiten

    Anno 1851 veröffentlichte Herman Melville seinen berühmten Roman „Moby Dick“, der seitdem unzählige Male adaptiert und interpretiert wurde – etwa von Ray Bradbury und John Huston in einer der denkwürdigsten Verfilmungen. Auch Comic-Fassungen gab es so einige, zum Beispiel von Bill Sienkiewicz oder dem großen Will Eisner. Vor Kurzem machten sich der Historiker und Autor Sylvain Venayre sowie der Zeichner Isaac Wens in „Auf der Suche nach Moby Dick“ an eine weitere Comic-Verquickung, die jedoch weit mehr wurde als eine reduzierte Adaption des 170 Jahre alten literarischen Leviathans.

    Venayre und Wens nutzen über 200 Seiten im Albumformat, um die ikonischsten Szenen des sperrigen, ausschweifenden und facettenreichen Originals einzufangen, wobei Venayre den Versuch der totalen Glättung und Vereinfachung unterlässt, während Wens’ Zeichnungen sogar ein wenig an Eddie Campbell („From Hell“) erinnern. Darüber hinaus streuen sie in ihren Comic mehrere Passagen ein, in denen ein junger Radiojournalist mit diversen Spezialisten über die Interpretation, die Besonderheiten und z. B. den biblischen Symbolismus von „Moby Dick“ spricht.

    Dieser hochinteressante Kommentar tritt gegen Ende des Bandes in der Hintergrund, irgendwann wird das dramatische Geschehen um den obsessiven Ahab und den weißen Wal dann doch wichtiger – man hätte gern noch ein paar Einschübe mitgenommen. Trotzdem, der Meta-Ansatz weiß zu gefallen und stellt eine echte Bereicherung dar, da man wesentlich tiefer in Melvilles Werk, Zeit, Gedanken und Welt eintaucht. Und wenn am Ende nur etwas Partywissen hängenbleiben sollte. Auf der Suche nach einer besonders guten Comic-Adaption von „Moby Dick“? Das ist sie.

    Christian Endres

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    Venayre, Wens
    Auf der Suche nach Moby Dick
    Aus dem Französischen von Anja Koontz
    Knesebech 2020, 224 Seiten

    Anno 1851 veröffentlichte Herman Melville seinen berühmten Roman „Moby Dick“, der seitdem unzählige Male adaptiert und interpretiert wurde – etwa von Ray Bradbury und John Huston in einer der denkwürdigsten Verfilmungen. Auch Comic-Fassungen gab es so einige, zum Beispiel von Bill Sienkiewicz oder dem weiterlesen…

    Lucky Luke: Wanted

    von am 5. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Matthieu Bonhomme
    Lucky Luke: Wanted
    Aus dem Französischen von Klaus Jöken
    Egmont Comic Collection 2021, 68 Seiten

    Zum zweiten Mal spielt der französische Künstler Matthieu Bonhomme (»Texas Cowboys«, »Esteban«), der Lucky Luke zu seinen Kindheitsfreunden zählt, mit dem Mythos des Revolverhelden, der schneller zieht und schießt als sein Schatten. Nach seinem grandiosen ersten Hommage-Album »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« legt der 1973 geborene Bonhomme mit »Lucky Luke: Wanted« eine weitere eigenständige, individuelle Interpretation der Comic-Ikone vor, die im Dezember ihren 75-jährigen Geburtstag feiert.

    Ausgerechnet der lässige, stets dem Guten verpflichtete Lucky Luke wird per Steckbrief gesucht. Trotzdem helfen er und sein getreues Pferd Jolly Jumper drei hübschen Schwestern dabei, ihre Rinderherde durch die Wüste zu bringen, wo es schon ohne Kopfgeld genügend Gefahren zu bestehen gilt. Das hat humoristischen Seiten, wann immer Bonhomme augenzwinkernd mit der von ihm so geliebten Comic-Legende spielt, zielt jedoch nie darauf ab, ein klassischer, allzu vorwitziger und pfiffiger Funny zu sein. Dafür handelt es sich bei »Lucky Luke: Wanted« um einen überragend inszenierten Panel-Western und eine wunderbarere Hommage an den Poor Lonesome Cowboy.

    Bonhommes unabhängig zu lesende Werke »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« und »Wanted« sind das Beste, was Lucky Luke seit Langem passiert ist – es lohnt sich, sie auch dann zu lesen, wenn man sonst lieber um den Cowboy herum reitet, den die Altmeister Morris und Goscinny geprägt haben. Beide Bände gibt es als Hard- und Softcover bei Egmont.

    Christian Endres

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    Matthieu Bonhomme
    Lucky Luke: Wanted
    Aus dem Französischen von Klaus Jöken
    Egmont Comic Collection 2021, 68 Seiten

    Zum zweiten Mal spielt der französische Künstler Matthieu Bonhomme (»Texas Cowboys«, »Esteban«), der Lucky Luke zu seinen Kindheitsfreunden zählt, mit dem Mythos des Revolverhelden, der schneller zieht und schießt als sein Schatten. Nach seinem grandiosen ersten Hommage-Album »Der Mann, der Lucky Luke erschoss« legt der weiterlesen…

    Bouncer

    von am 28. April 2021 noch kein Kommentar

    Alejandro Jodorowsky & François Boucq
    Bouncer – Gesamtausgabe Bd. 4
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser 2021, 128 Seiten

    Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der chilenische Autor Alejandro Jodorowsky („Der Incal“, „El Topo“) und der französische Künstler François Boucq („Mondgesicht“, „Little Tulip“) ihre Westernserie „Bouncer“ starteten. Pünktlich zum Jubiläum liegen beim Verlag Schreiber & Leser erstmals alle Alben der Serie auf Deutsch vor: Die ersten Geschichten in dicken Sammelbänden einer Gesamtausgabe, die neuen Abenteuer als dünnere Einzelalben in deutscher Erstveröffentlichung.

    „Bouncer“ ist einer der besten, aber auch brutalsten und heftigsten neuzeitlichen Comic-Western, so ein bisschen der fiese Cousin von „Blueberry“. Jodorowsky nutzt Gewalt, Obszönitäten, Freaks und das Bizarre, shakespearhafte Motive und sogar einen schamanischen Trip für die Bildergeschichten über den einarmigen Rausschmeißer und Titelhelden aus Barro City. Der frisch erschienene vierte Band der Gesamtausgabe, der mit einem Zweiteiler die Lücke zwischen altem und neuen Material schließt, ist wieder eine starke, harte und rohe Rachegeschichte. Sie führt Bouncer in ein abgelegenes Gefängnis in der Wüste, bei dem es sich jedoch um ein verkommenes Paradies für die übelsten Verbrecher handelt. Jodorowsky schlägt einmal mehr schön über die Stränge, und Boucq, der die Serie nach dieser Story alleine fortgesetzt hat, illustriert das alles gewohnt souverän und üppig. Der Wilde Westen lebt bei Boucq, und dank Jodorowsky ist er wirklich wild und hemmungslos.

    Wer auf Westerncomics steht und sie auch mal etwas deftiger und fieser mag, muss „Bouncer“ lesen, und da sind die schicken Sammelbände eine super Gelegenheit.

    Christian Endres

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    Alejandro Jodorowsky & François Boucq
    Bouncer – Gesamtausgabe Bd. 4
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser 2021, 128 Seiten

    Zwanzig Jahre ist es nun her, dass der chilenische Autor Alejandro Jodorowsky („Der Incal“, „El Topo“) und der französische Künstler François Boucq („Mondgesicht“, „Little Tulip“) ihre Westernserie „Bouncer“ starteten. Pünktlich zum Jubiläum liegen beim Verlag Schreiber & Leser erstmals alle weiterlesen…

    Gegen mein Gewissen

    von am 22. März 2021 noch kein Kommentar

    Hannah Brinkmann
    Gegen mein Gewissen
    Avant Verlag, 2020, 232 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-040-1

    Wehrpflicht ist heute in Deutschland kein Thema mehr, doch lange Zeit war sie das. Besonders in den Jahren und Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte sie für Proteste und für einen verhärteten ideologischen Konflikt zwischen Alt und Jung. Die 1990 geborene Künstlerin Hannah Brinkmann erzählt in ihrem Comic-Album „Gegen mein Gewissen“ die Geschichte ihrer eigenen Familie und ihres Onkels Hermann Brinkmann, die in den 1970ern bundesweit für Schlagzeilen sorgte – die tragische Geschichte eines jungen Mannes, der auf keinen Fall zum Dienst an der Waffe gezwungen werden wollte.

    Weil seine Nichte Jahrzehnte später in ihrem Comic über die Vergangenheit auf 230 Seiten Persönliches, Gesellschaftliches und Historisches sehr gut aufbereitet und verknüpft, entsteht ein starkes Zeitgemälde. Außerdem beeindrucken Hannah Brinkmanns Inszenierung und Zeichenstil: Der durchaus eigensinnige Strich, die gedämpften und doch klaren Farben, die sichere Panel-Auswahl und die Layouts lassen einen an große nordamerikanische Comic-Romanciers denken. „Gegen mein Gewissen“ ist ein überzeugendes Werk über Pazifismus, Kriegsdienstverweigerung, Familienschicksal und die Vergangenheit Deutschlands sowie der Bundeswehr, und nicht zuletzt ein handwerklich exzellent gemachter Comic.

    Christian Endres

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    Hannah Brinkmann
    Gegen mein Gewissen
    Avant Verlag, 2020, 232 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-040-1

    Wehrpflicht ist heute in Deutschland kein Thema mehr, doch lange Zeit war sie das. Besonders in den Jahren und Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte sie für Proteste und für einen verhärteten ideologischen Konflikt zwischen Alt und Jung. Die 1990 geborene Künstlerin Hannah Brinkmann erzählt in ihrem Comic-Album „Gegen mein weiterlesen…