• Neu im Laden eingetroffen

  • Seiten

  • Archive

  • Rezis

    Rezensionen sind Artikel zu einzelnen Werken oder Produkten. Für kurze Empfehlungen, Topps oder Flops gibt es die Kategorie "Tipps"

    Eine Reise mit Tolkiens Hobbit, Herr der Ringe und Silmarillion (Teil 3 von 3)

    von am 20. Oktober 2021 noch kein Kommentar

    J.R.R. Tolkien
    Das Silmarillion
    Ted Nasmith (Illustrator)
    Gebundene Ausgabe : 589 Seiten
    ISBN: 9783608938296

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3 und hier klicken für Teil 2 von 3

    Ich hatte also Tolkiens "Der Herr der Ringe“ gelesen, eine feurige Neugier nach Mythen und Legenden war entfacht und ich wollte jetzt einfach mehr erfahren, d.h. mehr von den Ringen der Macht sowie mehr vom „Letzten Bündnis“, mehr von Saurons Ursprung und von Númenor, vor allem aber mehr von den Elben und der Entstehung Mittelerdes. Und dieses Verlangen führte mich zu Tolkiens "Bibel", seinem Buch "Das Silmarillion".

    DAS SILMARILLION

    Dabei erinnerte ich mich noch gut an eine alte Begebenheit vor fast 30 Jahren, als der weise Hermke im Laden (und zwar in dem urigen Neubücherraum gleich rechts nach dem Eingang) eine eindringliche Warnung an den kleinen Mitch von damals aussprach: „Mitch, … ne, ne, das Silmarillion ist jetzt nichts für Dich, … selbst für mich ist es nicht so leichte Kost gewesen, so viele Namen, Namen, Namen …“, meinte Hermke und schaute mich dabei über seine Brille mit lehrreichen Augen fest an und er zog ganz klar eine gutgemeinte deutliche Grenze, die rückblickend für mich goldrichtig gewesen ist; damals konnte ich noch nicht den nötigen Durst für Tolkiens Quelle „Das Silmarillion“ haben, und dies wußte Hermke damals ganz genau.

    Aber eben weil die eigenen Erfahrungen in hinwegziehenden Jahren fast immer mehr Platz für den eigenen inneren Mentor erschaffen, beschloss ich "im Alter" dann jenes Buch "Das Silmarillion" zu lesen. Und prompt schenkte mir meine Frau vor ein paar Jahren sowohl eine recht schöne Buchausgabe, und zwar die mit Ted Nasmith (als Illustrator), als auch ein "Bon-Bon" (und das war für mich ein Segen), nämlich den „Historischen Mittelerde-Atlas“ sowie „Das große Mittelerde-Lexikon“.

    Irgendwann im Jahr 2017 begann ich dann das Buch zu lesen, es begann:

    “Eru war da, der Eine, der auf Arda Illúvatar heißt; und er schuf erstens die Ainur, die Heiligen, Sprößlinge seiner Gedanken; und sie waren bei ihm, bevor irgend andres geschaffen war…” (S. 53).

    … und vor mir entfaltete sich eine bezaubernde und sagenreiche Geschichte, die mich durch die Jahrhunderte und Zeitalter von Mittelerde führte. „Das Silmarillion“ erzählt mythisch mit grandioser Sprache über Herkunft der Elben, über deren helle und dunkle Seiten, sowie über das Entstehen und das traurige Schicksal der stolzen Dunedain, und über Mittelerdes Anfänge, Götter, Orte und Schicksale.

    Den ganzen Beitrag lesen »

    J.R.R. Tolkien
    Das Silmarillion
    Ted Nasmith (Illustrator)
    Gebundene Ausgabe : 589 Seiten
    ISBN: 9783608938296

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3 und hier klicken für Teil 2 von 3

    Ich hatte also Tolkiens "Der Herr der Ringe“ gelesen, eine feurige Neugier nach Mythen und Legenden war entfacht und ich wollte jetzt einfach mehr erfahren, d.h. mehr von den Ringen

    weiterlesen…

    Eine Reise mit Tolkiens Hobbit, Herr der Ringe und Silmarillion (Teil 2 von 3)

    von am 11. Oktober 2021 2 Kommentare

    Der Herr der Ringe: illustriert Gebundene Ausgabe
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Zeichner), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1293 Seiten
    ISBN: 9783608960358

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3.

    Bevor ich meine eigene Reise mit "Der Herr der Ringe" schildere, sei ein kurzer Abriss des Buchinhalts erlaubt, denn es gibt auf dem Planeten Erde noch Menschen und Leser, die weder Film noch Geschichte von Tolkiens Jahrhundertroman kennen:

    ZUM INHALT

    Mittelerde. Das dritte Zeitalter ist längst angebrochen. Die Welt ist im Wandel. Das Böse in Gestalt von Sauron erwacht.

    Mordors dunklem Meister dürstet es nach seinem Ring, dem magischen "Herrscherring", ein Zauberring, der Macht über alle anderen Zauberringe hat:

    "Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
    Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
    Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
    Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
    Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

    Den ganzen Beitrag lesen »

    Der Herr der Ringe: illustriert Gebundene Ausgabe
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Zeichner), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1293 Seiten
    ISBN: 9783608960358

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3.

    Bevor ich meine eigene Reise mit "Der Herr der Ringe" schildere, sei ein kurzer Abriss des Buchinhalts erlaubt, denn es gibt auf dem Planeten Erde

    weiterlesen…

    Die Tote mit der roten Strähne

    von am 6. Oktober 2021 noch kein Kommentar

    Kathleen Kent
    Die Tote mit der roten Strähne
    Suhrkamp, Berlin 2021, 365 Seiten
    ISBN 978-3-518-47170-8

    Den literarischen Empfehlungen der eigenen Lieblingsautoren zu folgen, führt oft zu interessanten anderen Kreativen und Büchern. Nehmen wir dieses Beispiel. Über Kathleen Kents Krimi „Die Tote mit der roten Strähne“ sagt und blurbt der texanische Kulterzähler, Alleskönner und Krimimeister Joe R. Lansdale: „Ich liebe dieses Buch! Betty ist meine Heldin. Klug, entschlossen, absolut einzigartig.“

    Erfunden hat sie die 1953 geborene Kathleen Kent, die sich mit historischen Romanen einen Namen als Bestseller-Autorin machte. Ihr erster lupenreiner Hardboiled-Roman dreht sich um Betty Rhyzyk, Sprössling einer Brooklyner Polizistenfamilie mit polnischen Wurzeln. Allen internen und externen Widerständen zum Trotz, wird die große, taffe rothaarige „Amazone“ (um den Roman mal zu zitieren) selbst ein Cop. Am Ende landet sie aber im texanischen Dallas, wo sie als lesbische Polizistin nicht weniger aushalten muss. Dass ein Einsatz gegen ein mexikanisches Kartell völlig aus dem Ruder läuft, plötzlich überall Leichen/Leichenteile auftauchen und ein gefährlicher Irrer Betty ins Visier nimmt, macht’s kein bisschen leichter …

    „Die Tote mit der roten Strähne“ ist solider und allemal unterhaltsamer Hardboiled-Cop-Stoff. Und obwohl es im letzten Drittel dann doch ein bisschen zu trashig zugeht, würde man sicher weitere Fälle von Betty Rhyzyk lesen, sollte Herausgeber Thomas Wörtche sie in seiner stets beachtenswerten Krimi-Reihe bei Suhrkamp bringen.

    Christian Endres

    @MisterEndres auf Twitter folgen

    Kathleen Kent
    Die Tote mit der roten Strähne
    Suhrkamp, Berlin 2021, 365 Seiten
    ISBN 978-3-518-47170-8

    Den literarischen Empfehlungen der eigenen Lieblingsautoren zu folgen, führt oft zu interessanten anderen Kreativen und Büchern. Nehmen wir dieses Beispiel. Über Kathleen Kents Krimi „Die Tote mit der roten Strähne“ sagt und blurbt der texanische Kulterzähler, Alleskönner und Krimimeister Joe R. Lansdale: „Ich liebe dieses Buch! Betty

    weiterlesen…

    Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

    von am 4. Oktober 2021 noch kein Kommentar

    C Pam Zhang
    Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
    S. Fischer, Frankfurt 2021, 352 Seiten
    ISBN 978-3-10-397392-1

    Der Western ist ein Genre der Klischees – im Guten wie im Schlechten. Ab und an werden die Regeln und Tropen natürlich auch gebrochen und verdreht, aber das passiert nur selten in der virtuosen Manier von C Pam Zhangs Romanerstling „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“. 1990 in China geboren, wuchs die Autorin in den USA auf und studierte u. a. in Cambridge. Ihre früheren Texte erschienen in renommierten Publikationen, etwa „McSweeny’s Quarterly“, „The New Yorker“, „The New York Times“ und „Best American Short Stories“.

    In ihrem Debütroman erzählt Zhang von der harten Suche nach Glück im Wilden Westen der Goldgräber und Siedler – allerdings aus der Sicht einer Familie mit chinesischen Wurzeln, und hier vor allem aus der Perspektive der beiden Kinder Lucy und Sam, zwei ungleichen Geschwistern. In mal rauer, mal zarter, aber stets wunderschöner Prosa geht es bei Zhang um Rassismus, Sexismus, Identität, Gender, Familie, Klassenkampf und mehr. Die Kulisse und der Mythos sind vertraut, die Prägung und Ausleuchtung eine ganz andere. Ein Geist wird kurzzeitig sogar zum Erzähler, und angeblich streicht ein Tiger durch die Berge und Städte im Westen …

    C Pam Zhangs kühner Roman landete auf der Longlist für den Booker Prize und unter den Finalisten für den PEN/Hemingway Award, außerdem erhielt er den Asian/Pacific American Award for Literature. Barack Obama, dessen Leseempfehlungen jedes Jahr mit Spannung erwartet werden, war von „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“ ebenfalls sehr angetan. Verdiente Würdigungen für den wohlklingenden Western der etwas anderen Art, der den Mythos mit historischen Wahrheiten, diversen Blickwinkeln und modernem Bewusstsein bereichert. Kurzum: Literarisches Gold.

    Christian Endres

    @MisterEndres auf Twitter folgen

    C Pam Zhang
    Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
    S. Fischer, Frankfurt 2021, 352 Seiten
    ISBN 978-3-10-397392-1

    Der Western ist ein Genre der Klischees – im Guten wie im Schlechten. Ab und an werden die Regeln und Tropen natürlich auch gebrochen und verdreht, aber das passiert nur selten in der virtuosen Manier von C Pam Zhangs Romanerstling „Wie viel von diesen Hügeln

    weiterlesen…

    Eine Reise mit Tolkiens Hobbit, Herr der Ringe und Silmarillion (Teil 1 von 3)

    von am 29. September 2021 1 Kommentar

    Der Hobbit: oder Hin und zurück. Mit Illustrationen von Alan Lee
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Illustrator), Wolfgang Krege (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 398 Seiten
    ISBN: 9783608938005

    EINLEITUNG

    Keine Erzählungen haben mich so lange begleitet und beschäftigt, wie „die drei“ Bücher von Tolkien zu Mittelerde: Der Hobbit, Der Herr der Ringe und Das Silmarillion.

    Für eingefleischte „alte“ Fantasy-Fans sind die Handlungen (jedenfalls) in „Der Hobbit“ und in „Der Herr der Ringe“ meist bestens bekannt und ein jeder hat zu den Büchern und den Verfilmungen seine eigene Meinung – je nach persönlichem Geschmack und Erleben.

    Doch für den ein oder anderen – vermutlich (aber nicht zwingend) „jüngeren“ – Leser, der "nur" die zwei grandiosen Filmtrilogien von Peter Jackson kennt, kommen Tolkiens Bücher vielleicht etwas "abschreckend" daher, was viele Gründe haben mag: Den Einen scheut womöglich der Umfang, den anderen die Tiefe des Inhalts, den Nächsten die Dichte der Sprache des „älteren“ Autors und/oder die Intensität seiner Weltenschilderungen.

    Gerade diese bislang „tolkienlosen“ Leser möchte ich hiermit entfachen und neugierig auf ein echtes Abenteuer machen, auf eine leichte, zugleich intensive Art, um Tolkiens Mittelerde zu besuchen, um Schritt für Schritt weiter in seine Welt der Elben, der Dúnedain und der Hobbits zu versinken.

    Mittels meinem eigenen biographischen Erleben mit Tolkiens Werk werde ich dem Leser einen persönlichen Vorschlag zu einer immer tiefer führenden, schönen Lesereihenfolge und -/reise unterbreiten:

    Man beginne als erstes mit „Der Hobbit“, gehe als zweites weiter mit „Der Herr der Ringe“ und zum dritten versinke man mit „Das Silmarillion“ gänzlich in den Kosmos von Mittelerde, gerne gewappnet mit dem „Historischen Atlas von Mittelerde“ sowie dem „Mittelerde-Lexikon".

    Wie gesagt, am besten vermag meine eigene Reise nach Mittelerde dies zu veranschaulichen, wobei ich stilgetreu in drei Teilen (mittels drei eigenen Rezensionen) erzählen werde:

    MEIN ERSTES TREFFEN MIT TOLKIEN

    Ich bin Ende der 80er als etwa zehnjähriger Knabe im Italienurlaub durch Zufall zunächst mit Tolkiens „Der Herr der Ringe“ in Kontakt gekommen. Damals hatte eine Bekannte meiner Mutter, Dunja, das Buch am Bolsenasee mit dabei und Dunja las am Strand von Zeit zu Zeit in Teil 1 "Die Gefährten" (es war die alte Ausgabe mit dem stechend grünen Einband mit der alten Übersetzung von Carroux). Und als das Buch so am Strand rumlag, schnappte ich es mir und begann mit der Neugier des Kindes darin zu lesen: "Wow!" – dachte ich. Ich lernte sogleich Bilbo Beutlin und die Hobbits kennen, auch kam Gandalf in Beutelsend vorbei. Ich war hin und weg. Und fast jeden Tage im Urlaub las ich immer mal wieder ein paar Seiten, mehr schaffte ich damals nicht, denn für mich als Bub war ja bereits Band 1 vom Umfang her ein "riesiges" Buch, ein Buch mit kindlich gefühlten zehntausend Seiten. Der Urlaub war dann schneller vorbei als gedacht und Dunja verschwand mit „Der Herr der Ringe“ aus meinem Blickfeld, ich war damals zwar nur bis etwa Seite 40 gekommen (auch heute noch lese ich leider immer noch viel zu langsam), … doch ich hatte Tolkiens „Blut geleckt“.

    Den ganzen Beitrag lesen »

    Der Hobbit: oder Hin und zurück. Mit Illustrationen von Alan Lee
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Illustrator), Wolfgang Krege (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 398 Seiten
    ISBN: 9783608938005

    EINLEITUNG

    Keine Erzählungen haben mich so lange begleitet und beschäftigt, wie „die drei“ Bücher von Tolkien zu Mittelerde: Der Hobbit, Der Herr der Ringe und Das Silmarillion.

    Für eingefleischte „alte“ Fantasy-Fans

    weiterlesen…

    Der Astronaut

    von am 27. September 2021 1 Kommentar

    Andy Weir
    Der Astronaut
    Übersetzt von Jürgen Langowski
    Heyne Taschenbuch
    Mai 2021 – 554 Seiten
    ISBN: 3453321340

    "Was ist zwei plus zwei? … Aus irgendeinem Grund ärgert mich die Frage. Ich bin müde. Beinahe schlafe ich wieder ein."

    … und mit diesen Sätzen begann für mich eine so herrlich abenteuerliche und zugleich schöne Reise im All. Hab Dank Andy Weir für Deinen neuen Roman: "Der Astronaut"!

    Um es vorneweg zu sagen: Ich liebe gute Ich-Erzählungen. Und mit gut meine ich "arg gut". Solche Ich-Geschichten ziehen mich in ihren Bann, ich bin dabei, im Buch, im Erzähler. Das "gekonnte Ich" trifft dann bei mir so wunderbar mein Leserherz.

    Und Hey! Andy Weir ist ein begnadeter Ich-Autor. Schon sein erstes Buch "Der Marsianer" zeigte, was Herr Weir kann, nämlich eine ganze Menge (… doch "Der Marsianer" ist freilich Teil einer eigenen Rezension von Horst).

    Jetzt aber nochmal von Anfang an. Also, ich beginne "Der Astronaut" zu lesen und …

    … ich wache auf, vermutlich nach einem Koma, geweckt vom Bordcomputer in einem Raumschiff (und zwar mit den Worten "Was ist zwei plus zwei?"), … und ich habe erstmal keine Erinnerung – und zwar an rein gar nichts. Warum um Himmels willen liege ich in einem Raumfahrzeug und weshalb doktern irgendwelche Maschinenarme an mir rum? Meine beiden Kameraden der Crew liegen im Schlafraum. Beide tot. Unfassbar! Nur nach und nach kommen Fetzen meiner Erinnerung hoch und mir dämmert nur ganz langsam, weshalb ich hier bin, was meine Mission sein sollte, … eine apropos gänzlich unschaffbare Mission, die zudem zu dritt hätte von statten gehen müssen. Ich denke, "Holy Shit, ich bin doch nur der Wissenschaftler der Crew, die eigentlichen Astronauten, der Captain und die Ingenieurin, sind tot. Was tun im Spaceshuttle? Scheiße, ich bin allein … und (um Andy Weir zu zitieren:) "Ich bin so was von im Arsch!". Außerdem hängt das Schicksal der Erde von meinem Gelingen (oder von meinem Scheitern) ab. Heftig!"

    Schon dieses Anfangsszenario von Andy Weir geht mir wirklich unter die Haut. Gleichzeitig schenkt Andy Weir mir (dem Helden) den Einfallsreichtum und das Geschick von MacGyver (ich meine freilich den Besten, den aus den 80ern!) und zudem segnet Herr Weir mich später mit einer würzigen Wendung meines Abenteuers, die ich jetzt zwar nicht verraten kann, aber die ich mit den Worten "eine herrlich außergewöhnliche Freundschaft" andeuten kann.

    Die Geschichte in "Der Astronaut" ist für mich persönlich das bislang Beste, was ich von Andy Weir gelesen habe. Er lässt mich wie in einer gigantischen Wasserrutsche die Story spürbar miterleben, ständig kommen überraschende Handlungskurven, die meinen Magen flau werden lassen, sodann folgen steile Talfahrten für den Helden, die mich Tränen verdrücken und mich Schlucken lassen; … eben weil so gut erzählte Erlebnisse von (geschickt dosiertem) Heldentum, von Integrität und von Verbundenheit mich schlichtweg berühren.

    So gerne würde ich Euch das ein oder andere Lesevergnügen im Buch genauer schildern, etwas mehr Handlung verraten … aber nein, bei "Der Astronaut" geht das einfach nicht. Ihr müsst schon selbst zum Astronauten werden, schon selbst allein aufwachen im All und verdammt nochmal selbst versuchen, die Erde zu retten! Und das wird ein einmaliger und wunderbarer Trip, das kann ich Euch sagen (bis auf den „Komabrei“, der wird wohl auch für Euch widerlich schmecken; zum Ende des Buchs werdet Ihr wissen, was ich damit meine).

    Fazit:

    "Der Astronaut" kommt auf den ersten Blick als Bruder von "Der Marsianer" daher. Jedoch, wie es bei Brüdern oft so ist, beide sehen sich vielleicht ähnlich, aber sind doch so verschieden, jeder hat seine Eigenheiten, seinen ganz eigenen Charme.

    Beide Romane von Weir haben mich begeister, gleichzeitig hat gerade "Der Astronaut" mich echt ergriffen und ich feiere "Andy Weir" dafür!

    PS: Ob Ihr "Der Marsianer" kennt oder nicht kennt, egal, Ihr könnt hier und heute Anlauf nehmen, losrennen und am Ende des Sprungbretts abheben, um sodann im Weltraum mit "Der Astronaut" eine verdammt gute Zeit zu haben.

    MITCH
    warenkorb

    Der Astronaut
    im Webshop oder via e-mail im Laden bestellen

    Andy Weir
    Der Astronaut
    Übersetzt von Jürgen Langowski
    Heyne Taschenbuch
    Mai 2021 – 554 Seiten
    ISBN: 3453321340

    "Was ist zwei plus zwei? … Aus irgendeinem Grund ärgert mich die Frage. Ich bin müde. Beinahe schlafe ich wieder ein."

    … und mit diesen Sätzen begann für mich eine so herrlich abenteuerliche und zugleich schöne Reise im All. Hab Dank Andy Weir für Deinen neuen

    weiterlesen…

    Ein frommer Mörder

    von am 22. September 2021 noch kein Kommentar

    Liam McIlvanney
    Ein frommer Mörder
    Heyne, München 2021, 448 Seiten
    ISBN 978-3-453-44093-7

    Im Jahr 1968 muss das alte Glasgow immer mehr den modernen Hochhäusern und Sozialsiedlungen weichen. Überall stehen Wohnungen leer und wird abgerissen. Die Polizei jagt außerdem den Quäker, einen Serienkiller, der Frauen in seinem frömmlerischen Wahn vergewaltigt und ermordet. Doch auch nach einem Jahr, drei Leichen sowie 50.000 Aussagen und Hinweisen aus der Bevölkerung haben die Polizisten keinen Durchbruch zu vermelden. Nun soll der aus den Highlands stammende Sonderermittler Duncan McCormack die damals teuerste Untersuchung in der Geschichte der schottischen Polizei prüfen, was ihm den Hass seiner Kollegen sichert. Gleichzeitig kommt ein Safeknacker dem Quäker-Fall nach einem erfolgreichen Bruch näher, als ihm lieb ist …

    „Ein frommer Mörder“ ist ein ganz feiner Schottenkrimi, der vom realen Fall des Serienmörders Bible John inspiriert wurde – aber das ist noch nicht alles. Denn Liam McIlvanney, der in Neuseeland als Autor und Professor für Schottland-Studien arbeitet, ist der Sohn von William McIlvanney (1936–2015): Jenem schottischen Crime-Autor, der in den 1970ern mit seinen „Laidlaw“-Romanen den Tartan Noir bzw. den schottischen Hardboiled-Krimi begründete und den Weg für Bestsellerautor Ian Rankin und Co. ebnete. Und für „Ein frommer Mörder“, dessen deutscher Titel eine hübsche Alternative für „The Quaker“ darstellt, gewann Liam McIlvanney 2018 zurecht den schottischen Krimipreis, der inzwischen nach seinem Vater benannt ist.

    Ian Rankin, das der Vollständigkeit halber, hat übrigens just den vierten nie vollendeten Laidlaw-Roman über den ersten Fall des legendären Ermittlers von McIlvaney Sr. zu Ende geschrieben, der im September als „The Dark Remains“ auf Englisch erschienen ist. Am Namen McIlvanney kommt man gerade wieder mal nicht vorbei, wenn man Krimis von der Insel schätzt.

    Christian Endres

    @MisterEndres auf Twitter folgen

    Liam McIlvanney
    Ein frommer Mörder
    Heyne, München 2021, 448 Seiten
    ISBN 978-3-453-44093-7

    Im Jahr 1968 muss das alte Glasgow immer mehr den modernen Hochhäusern und Sozialsiedlungen weichen. Überall stehen Wohnungen leer und wird abgerissen. Die Polizei jagt außerdem den Quäker, einen Serienkiller, der Frauen in seinem frömmlerischen Wahn vergewaltigt und ermordet. Doch auch nach einem Jahr, drei Leichen sowie 50.000 Aussagen und

    weiterlesen…

    Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur

    von am 20. September 2021 2 Kommentare

    Christian Endres
    SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR.
    Illustrationen: Timo Kümmel
    Stolberg, Atlantis, 2021, 240 S.
    ISBN 978-3-86402-777-2 / 17,90 Euro
    Hardcover

    Nachdem Christian Endres in bisher zwei Büchern, die den Doyle-Helden Sherlock Holmes zum Protagonisten erkoren hatten, ausgiebig gezeigt hat, dass er dieser Figur sowohl in der kurzen Prosaform (2009 in der Story-Sammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES) als auch auf Romanlänge (SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN, 2015) gerecht werden kann, darf die geneigte Leserschaft sich weitere sechs Jahre später erneut unter die Fittiche dieses äußerst talentierten Geschichtenerzählers begeben.

    Seit der einzigartige Edgar Allan Poe vor fast zweihundert Jahren erstmals seinen C. Auguste Dupin als Ermittler auftreten ließ, wissen wir, dass es gerade die Kurzgeschichte ist, die sich für die Darstellung spannender Kriminalfälle und deren Lösung hervorragend eignet. Diese etwas in Vergessenheit geratene Tatsache wieder ins Bewusstsein der Leserinnen und Leser gerufen zu haben, ist nicht das kleinste Verdienst von Endres.

    In seiner soeben erschienenen Kurzgeschichtensammlung SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR zieht er erneut alle Register und bittet den englischen Meisterdetektiv Holmes und seinen treuen Freund und Chronisten Dr. Watson zum Tanz.

    Die Herausforderungen, denen sich das dynamische Duo stellen muss, reichen von weltbewegenden (da das Empire für die Briten ja „die Welt“ darstellt) Bedrohungen durch uraltes Geheimwissen hin zu Problemen mit exotischen Tieren, geheimnisvollen Todesfällen ohne erkennbare Ursachen und den Schwierigkeiten, die durch Langeweile oder Überarbeitung entstehen. Außerdem darf Holmes hin und wieder über seinen eigenen Schatten springen und sich mit „Klienten“ abgeben, denen er normalerweise die Tür gewiesen hätte, bzw. die ihn gar nicht zur Hilfe gerufen haben. Und dann muss er in „Unten am Fluss“, der anrührendsten Geschichte des Bandes, auch noch schweren Herzens Abschied nehmen von einem alten Weggefährten.

    Das Buch enthält 15 Erzählungen, 24 Short-Short-Stories, ein Vorwort sowie einen Anhang mit kurzen Notizen des Autors zur Entstehungsgeschichte (plus einen „Hidden Track“). Für die sehr stimmige Umschlaggestaltung, die Innenausstattung und die diversen Illustrationen zeichnet Timo Kümmel verantwortlich.

    Wer Holmes und Watson und Endres (oder auch nur einen davon) mag, sollte sich getrost über SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR hermachen – es bietet nicht nur Reisen in exotische Länder, fantastische Unterhaltung und schwarzhumorige Kabinettstückchen, sondern auch genügend Düsternis und Nebel um selbst Holmes-Puristen zufrieden zu stellen.

    Horst Illmer
    warenkorb

    Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur
    im Webshop oder via e-mail im Laden bestellen

    Christian Endres
    SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR.
    Illustrationen: Timo Kümmel
    Stolberg, Atlantis, 2021, 240 S.
    ISBN 978-3-86402-777-2 / 17,90 Euro
    Hardcover

    Nachdem Christian Endres in bisher zwei Büchern, die den Doyle-Helden Sherlock Holmes zum Protagonisten erkoren hatten, ausgiebig gezeigt hat, dass er dieser Figur sowohl in der kurzen Prosaform (2009 in der Story-Sammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES) als

    weiterlesen…

    ES

    von am 15. September 2021 2 Kommentare

    Stephen King
    ES. Roman.
    Übersetzt von Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber
    Heyne Taschenbuch
    Februar 2011 – 1533 Seiten
    ISBN: 9783453435773

    "Der Schrecken, der weitere 28 Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm –, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb."

    Und so beginnt das Buch "ES", … für mich einer der besten und herausragenden Romane von Stephen King.

    Ich selbst bin durch reinen Zufall auf den Titel gestoßen, als ich mir das US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Josh Boone "Love Stories" im TV ansah. Der (übrigens recht gute) Film handelt von einer außergewöhnlichen Schriftstellerfamilie und deren Leben mit dem Schreiben: Für den Sohn – der selbst schreibt – ist Stephen King großes Vorbild und "ES" sein absolutes Lieblingsbuch, es ist das "beste Buch der Welt!". Irgendwie hat mich dann nicht nur dieser Film berührt, sondern auch der für mich schicksalshafte Fingerzeig auf "ES".

    Also kaufte ich mir vor ein paar Jahren (das bei Heyne erschiene) Taschenbuch, dies obwohl ich schon die Verfilmung aus dem Jahr 1990 von "ES" kannte (die mich aber so gar nicht in Begeisterung hatte schwelgen lassen).

    Uns so begann ich Kings "ES" zu lesen … und das Buch schlug mich absolut in seinen Bann.

    Zum "äußeren Inhalt" will ich gar nicht viel sagen, denn viele dürften (wie ich) eine der Filmversionen bereits kennengelernt haben:

    Derry, eine Kleinstadt, wird alle 28 Jahre vom ultimativen Bösen heimgesucht, es verschwinden Kinder, sterben Menschen. Als 1957 der kleine Bruder von Bill brutal von "ES" getötet wird und für die Außenwelt "verschwindet", beginnt für Bill und andere elfjährige Kinder eine Heldenreise … gemeinsam finden sich die Kinder, werden dabei Freunde, gehen durch dick und dünn und erforschen als Bande Vergangenheit und Wesen von "ES". Schlußendlich stellt sich der "Club der Verlierer" dem Monster und gemeinsam besiegen die Verlierer "ES" (jedenfalls vorläufig). Aber im Jahr 1985 scheint "ES" wieder aufzutauchen, zuerst durch einen Mord an einem homosexuellen Mann. Dann beginnen wieder, Kinder zu verschwinden. Die Freunde kommen als Erwachsene erneut in Derry zusammen und ein erbitterter (und verbitterter) Kampf gegen Vergessenes, Vergangenheit und Schrecken beginnt.

    So, und an dieser Stelle möchte ich Eines loswerden, für alle die bislang nur die Filme kennen:

    Alle Verfilmungen zu "ES" (denn ja, ich habe mir dann nach der Lektüre des Buchs auch die "neuen" ES-Filme angesehen – Teil1 aus 2017 und Teil2 aus 2019) beschränken sich bedauerlicherweise darauf, diese "äußere" Handlung irgendwie "abzuspulen", die Filmhandlung dabei mit irgendwelchen Horror- und Schocker-Elementen, die zudem oft gekünstelt und peinlich wirken, zu versalzen; die Inhalte der Verfilmungen weichem im Detail dann auch noch sehr stark von der Romanvorlage ab.

    Die Filme sind mithin echt enttäuschend. So nicht aber – ganz im Gegenteil – das Buch!

    Natürlich ist mir klar, dass eine Verfilmung mit anderen Wegen und Mitteln arbeiten muss, eben visuell und vertont, und dabei meist filmisch immer etwas "Anderes" geschaffen wird als die Romanvorlage. Aber das ist für mich hier nicht der springende Punkt. Denn jede gute Romanverfilmung (auch wenn sie vom Roman abweicht) hat aus meiner Sicht eine vordringliche Kardinalsaufgabe: Sie muss die "Seele und Essenz des Romans" transportieren!, wenn dies dem Film nicht gelingt, … dann (wie man so schön sagt) ist das "Thema verfehlt".

    Vielen Verfilmungen von Stephen Kings Erzählungen gelingt dieser Seelentransport aber sehr gut, zu nennen sind bspw. "Die Verurteilten", "Misery", "The Green Mile", und "Stand by Me". Bei "ES" wiederum ist der Versuch einer guten Verfilmung leider vollkommen gescheitert.

    Denn die Geschichte "ES" ist keine blosse in Bildern präsentierte "Horrorgeschichte", es ist aus meiner Sicht pure "Phantastik" auf ganz hohem Niveau.

    Vor allem der "innere Inhalt" von Kings "ES" macht es zu einem glänzenden Werk: Der Roman ist von Stephen King nämlich so genial gewoben, wie ich es bislang nur selten in Büchern erleben durfte. Die Zeitsprünge passieren an genau der richtigen Stelle, die einzelnen Charaktere werden so detailreich, liebevoll und authentisch ausgebreitet, die Handlung spielt dabei wie eine gut gestimmte Gitarrenseite mal abwechselnd rasante und packende Töne, dann wieder tiefe und dichte Erzählerklänge. Es ist für mich ergreifend gewesen, wie die Kinder mit den Geschichten, Ängsten und Themen ihrer Herkunftsfamilien umgehen und (über)leben, wie sie sich anfreunden und darüber gemeinsam erstarken. Gleichzeitig ist es schaurig fesselnd, immer mehr über die Vergangenheit und Hintergründe von "ES" zu erfahren. Die beiden Showdowns der angeblichen "Verlierer" mit "ES" erzeugen dann eine unglaubliche Stimmung und die finale Auflösung zur Herkunft von "ES" ist pure phantastische "Phantastik".

    Ich möchte hier abschließend appellieren an alle, die "ES" noch gar nicht kennen, und noch viel mehr an alle, die nur die "ES"-Filme kennen: Wagt den Sprung ins Buch, nach Derry, in die Jahre 1957 und 1985 und findet dort vielleicht Teile von Eurem eigenen "ES", denn genau dieser Fund ist für mich Seele und Essenz von Kings "ES" gewesen.

    Übrigens, das Buch gewann 1987 den British Fantasy Society Award und war für den World Fantasy Award nominiert. Und erst im Februar 2011 erschien bei Heyne die erste Komplettübersetzung: Das Taschenbuch ist 1534 Seiten lang (und 860g schwer), wirbt aber kaum für die Tatsache, dass nun erstmals der komplette Text im Deutschen vorliegt. Nur der leicht zu übersehende Hinweis "Ungekürzte Neuausgabe" trägt dem Rechnung.

    MITCH
    warenkorb

    ES
    im Webshop oder via e-mail im Laden bestellen

    Stephen King
    ES. Roman.
    Übersetzt von Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber
    Heyne Taschenbuch
    Februar 2011 – 1533 Seiten
    ISBN: 9783453435773

    "Der Schrecken, der weitere 28 Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm –, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb."

    Und so beginnt das Buch

    weiterlesen…

    Science-Fiction 100 Seiten

    von am 13. September 2021 2 Kommentare

    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich, ob seines Pessimismus, zutiefst verstörte. Dann wiederum ist Mamczak als Nachfolger des legendären Wolfgang Jeschke seit vielen Jahren für das SF-Programm des Heyne Verlags zuständig (und das ist, trotz einiger Schwächen, immer noch das in seiner Breite und Vielfalt beste hierzulande). Zuletzt hat er sogar mit EINE NEUE WELT ein lesenswertes Jugendsachbuch geschrieben. Und jetzt also erklärt uns Sascha Mamczak „die“ Science Fiction auf den einhundert kleinformatigen Seiten eines Reclam-Bändchens?!
    Etwas wofür der Kenner und Könner Dietmar Dath in seiner NIEGESCHICHTE weit mehr als den zehnfachen Platz benötigte. (Andererseits hat Dath die SUPERHELDEN in die „100 Seiten“-Reihe von Reclam gepackt – auch ’ne Überlegung wert.)
    Einhundertundzwei Seiten später (die zwei Seiten mit „Lese- und Filmtipps“ wurden aus der Zählung rausgenommen) weiß ich gar nicht mehr, wovor ich eigentlich „Bammel“ hatte. Mamczaks Text ist außergewöhnlich gut durchkonzipiert. Er enthält alles, was ein Kenner der Materie als unverzichtbar ansehen würde. Er ist sehr gut lesbar und anschaulich geschrieben (inklusiver einiger weniger Abbildungen und Schautafeln, die zur Auflockerung eingestreut sind). Er betrachtet die Science-Fiction als Medienverbund und legt das Hauptaugenmerk auf die enge Verbindung von Text und Film, die beide Kunstformen seit ihren Anfängen prägt.
    In vier Schritten (Grundlagen, Entwicklung, Etablierung, Ausblick) zeigt Mamczak seinen Lesern, was es braucht, um die Science-Fiction als genuin künstlerische Darstellung unserer Gegenwart (und Zukunft) zu erkennen. Und er zeigt auch, dass für „die“ Science Fiction weder 100 noch 1000 Seiten, noch ein ganzes Leben ausreichen.
    So macht Zukunft wieder Spaß!

    Horst Illmer
    warenkorb

    Science-Fiction 100 Seiten
    im Webshop oder via e-mail im Laden bestellen

    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich,

    weiterlesen…