Hochspannung von Mister Endres

Mister Endres, selbst Autor und "Local Hero" zeigt uns mit seinen Rezis gerne mal einen Blick über den Tellerrand.

Totengraben

von am 25. Mai 2022 noch kein Kommentar

Luke Arnold
Totengraben
Knaur, München 2022, 432 Seiten

Den Australier Luke Arnold kannte man bisher vor allem für seine Rolle in „Black Sails“, das zwischen 2014 und 2017 als game-of-thrones-mäßige Piraten-Fernsehserie und ferner als packendes Prequel zu Stevensons „Die Schatzinsel“ glänzte. Doch Luke Arnold ist nicht nur Stuntman, Schauspieler und Filmemacher, sondern auch Buchautor. Mit „Der letzte Held von Sunder City“ startete er im Original 2020 eine der besten Fantasy-Detektivserien der letzten Jahre. Die dreht sich um Fetch Phillips, einen abgehalfterten privaten Ermittler und Mann für alles in Sunder City, wo Menschen, Elfen, Trolle, Zwerge und andere nicht allzu friedlich zusammenleben, seit die Menschheit in einem Krieg alle Magie ausgelöscht hat, weshalb die übernatürlichen Wesen dahinsiechen. Weil Fetch eine zentrale Rolle dabei einnahm, hassen ihn viele in Sunder bis aufs Blut …

Im starken zweiten Band „Totengraben“ präsentiert sich Arnolds Serie erneut als stimmungsvolle Kombination aus Dashiell Hammett und „Der Malteser Falke“, Glen Cooks „Die Rätsel von Karenta“ und Terry Ptatchetts „Scheibenwelt“-Zyklus – diesmal sind die Pratchett-Verneigungen, etwa vor dem Wachen-Roman „Helle Barden“, noch deutlicher. Der Mix aus traditioneller Fantasy und modernem Fortschritt hat schon in Ankh-Morpork funktioniert, und er tut es ebenfalls in Sunder City. Unbedingt lesenswert, und hoffentlich sehen wir bald den dritten Band in der guten Übersetzung von „Trolle“-Autor Christoph Hardebusch auf Deutsch. Früher hätte man „Der letzte Held von Sunder City“ und „Totengraben“ vermutlich sogar als eine Art Geheim-Tipp oder Unter-Radar-Empfehlung gehandelt, und das Underdog-Image steht Fetch ja durchaus zu Gesicht.

Christian Endres

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Luke Arnold
Totengraben
Knaur, München 2022, 432 Seiten

Den Australier Luke Arnold kannte man bisher vor allem für seine Rolle in „Black Sails“, das zwischen 2014 und 2017 als game-of-thrones-mäßige Piraten-Fernsehserie und ferner als packendes Prequel zu Stevensons „Die Schatzinsel“ glänzte. Doch Luke Arnold ist nicht nur Stuntman, Schauspieler und Filmemacher, sondern auch Buchautor. Mit „Der letzte Held von Sunder City“ startete er im Original

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Brüten

von am 9. Mai 2022 noch kein Kommentar

Jackie Polzin
Brüten
DTV, München 2022, 208 Seiten

Eine Frau berichtet davon, wie sie und ihr Mann sich eine Handvoll Hühner für ihr Grundstück an der Bahnlinie und in der immer weiter herunterkommenden Vorstadt anschaffen. Von den Aufgaben, Beobachtungen, Gedanken, Erkenntnissen, Freuden, Sorgen und Nöten, die das Leben und natürlich das liebe Federvieh betreffen – von Hühnerohren, der Hackordnung und von störrischen Hennen im Auge des Wirbelsturms. Aber auch, ganz dezent, von der Zeit nach einer Fehlgeburt sowie der ständigen Interaktion mit Freundinnen, Nachbarn und Familie. Kling nach lupenreinem, autobiografischem Nature Writing, wie etwa in Helen Macdonalds grandioser Bestseller-Abhandlung „H wie Habicht“, oder? Tut es, ist es aber nicht.

Denn obwohl Jackie Polzin z. B. tatsächlich Hühner gehalten hat, handelt es sich bei „Brüten“ doch um einen Roman, also Fiktion. Dass die Grenzen der kurzen Kapitel – eigentlich eher Episoden – ständig verwischen und man naturschriftstellerische Vibes zu empfangen glaubt, trägt zur Faszination dieses schmalen Buches voller Beobachtungen, Bedachtsamkeit und Bedeutung bei, in dem es nicht zuletzt um Verlust geht. Sechs Jahre hat die US-Autorin mit Unterbrechungen an ihrem Erstling gearbeitet, eine Verfilmung soll in Vorbereitung sein. Und ja, „Brüten“ hat nur rund 200 luftig gesetzte Seiten, doch an dem hübsch gestalteten und schön produzierten Band liest man erstaunlich lange – gegebenenfalls auch nebenher, über einen längeren Zeitraum verteilt als „Zweitbuch“, falls man so eine Lesehackordnung haben sollte.

Christian Endres

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Jackie Polzin
Brüten
DTV, München 2022, 208 Seiten

Eine Frau berichtet davon, wie sie und ihr Mann sich eine Handvoll Hühner für ihr Grundstück an der Bahnlinie und in der immer weiter herunterkommenden Vorstadt anschaffen. Von den Aufgaben, Beobachtungen, Gedanken, Erkenntnissen, Freuden, Sorgen und Nöten, die das Leben und natürlich das liebe Federvieh betreffen – von Hühnerohren, der Hackordnung und von störrischen Hennen im

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Lightwood

von am 27. April 2022 noch kein Kommentar

Steph Post
Lightwood
Polar, Stuttgart 2022, 439 Seiten

Judah Cannon hat den Kopf für seine kriminelle, zudem kriminell undankbare Familie hingehalten und seine Zeit im Florida State Prison abgesessen. Als er nachhause zurückkehrt, dauert es nicht lange, bis er im Bett seiner besten Freundin Ramey aus Schulzeiten landet – und wieder in die üblen Machenschaften seines brutalen Vaters Sherwood Cannon verstickt wird. Dabei würde Judah sein Leben gern ändern. Doch das ist nicht so leicht, und diesmal legen sich die berüchtigten Cannons auch noch mit den Falschen an. Und damit ist jetzt gar nicht mal so sehr der schwächelnde Scorpions-Motorcycle-Club gemeint, den die Cannons bei einem Überfall um eine Menge Geld erleichtern. Nein, viel mehr geht es um die bibeltreue Psychopathin Schwester Tulah, die alle Ungläubigen und Undankbaren mit Hitze, Feuer und Schlangen heimsucht, die ihre unheiligen Geschäfte stören …

„Lightwood“ kommt als ein solides Stück Country Noir aus Florida daher, ohne gleich der beste Krimi des Jahres zu sein. Eher ein kurzweiliges, handwerklich gut inszeniertes Buch für Zwischendurch als für die Favoritenliste, aber dagegen gibt es ja nichts zu sagen, schon gar nicht in diesen Zeiten. Außerdem freut es Crime-Fans, mit Steph Post eine interessante weibliche Stimme des Florida-Noir auf Deutsch kennenzulernen. Post lebt mit ihrem Mann selbst im ländlichen Norden der Region, auf Twitter posted sie Fotos von Adlern, Eulen oder sich und ihren Hühnern. Kollege Brian Panowich sagte sogar einmal, dass Steph Posts Krimis für die Arbeiterklasse Floridas das täten, was Daniel Woodrell oder Ron Rash für andere US-Territorien geleistet haben. Um das zu beurteilen, braucht es noch ein paar Bücher mehr, aber „Lightwood“ ist ja z. B. der Auftakt einer Trilogie.

Christian Endres

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Steph Post
Lightwood
Polar, Stuttgart 2022, 439 Seiten

Judah Cannon hat den Kopf für seine kriminelle, zudem kriminell undankbare Familie hingehalten und seine Zeit im Florida State Prison abgesessen. Als er nachhause zurückkehrt, dauert es nicht lange, bis er im Bett seiner besten Freundin Ramey aus Schulzeiten landet – und wieder in die üblen Machenschaften seines brutalen Vaters Sherwood Cannon verstickt wird. Dabei würde

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Cold Detective

von am 11. April 2022 noch kein Kommentar

John McMahon
Cold Detective
Piper, München 2022, 396 Seiten

P. T. Marsh ist einer der fähigsten Ermittler im Städtchen Mason Falls, Georgia – aber ist er auch ein guter Polizist? Nach dem Unfalltod seiner Frau und seines kleinen Sohnes würde Paul da wohl selbst nicht mehr drauf wetten. Er trinkt zu viel, hört die Stimme seiner Bulldogge Purvis in seinem Kopf und verprügelt mitten in der Nacht den gewalttätigen Freund einer Stripperin. Trotz allem muss Marsh jetzt den gefährlichsten Fall seiner Karriere lösen. Er beginnt mit der verbrannten Leiche eines afroamerikanischen Predigersohns und zu vielen Verdächtigen. Schließlich kommt Marsh sogar einer okkulten Verschwörung auf die Spur …

Webefilmer John McMahon wirft zu viel in seinen Südstaaten-Cop-Krimi und auf seinen Ich-Erzähler. Doch er kommt damit durch, da sein spannender Erstling richtige Pageturner-Qualitäten entwickelt. Wahrscheinlich landete das Buch deshalb 2020 bei den Edgar Awards der Mystery Writers of America auf der Shortlist für das beste Debüt, wo am Ende allerdings „Miracle Creek“ von Angie Kim gewann. Auf Englisch hat Mr. McMahon nach „The Good Detective“ (wie der erste Band im Original heißt) mit „The Evil Men Do“ und „A Good Kill“ seine Serie um P. T. Marsh bereits erfolgreich fortgesetzt.

Christian Endres

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John McMahon
Cold Detective
Piper, München 2022, 396 Seiten

P. T. Marsh ist einer der fähigsten Ermittler im Städtchen Mason Falls, Georgia – aber ist er auch ein guter Polizist? Nach dem Unfalltod seiner Frau und seines kleinen Sohnes würde Paul da wohl selbst nicht mehr drauf wetten. Er trinkt zu viel, hört die Stimme seiner Bulldogge Purvis in seinem Kopf und verprügelt mitten

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Bobby March Forever

von am 4. April 2022 noch kein Kommentar

Alan Parks
Bobby March Forever
Heyne Hardcore, München 2021, 16 Seiten

Der Schotte Alan Parks, der im Musik-Business früher All Saints und andere Acts betreute, kam durch seinen Kumpel John Niven zum Schreiben. „Bobby March Forever“ ist nun schon Parks dritter Hardboiled-Krimi über das Glasgow der frühen 70er-Jahre und seinen Cop Henry McCoy. Diesmal sucht die ganze Stadt ein verschwundenes, wahrscheinlich entführtes Mädchen – nur McCoy wird von einem Erzrivalen bei der Polizei kaltgestellt. Also sucht unser Protagonist ein anderes Mädel, das in Schwierigkeiten stecken könnte, hilft seinem Gangsterboss-Freund aus Kindheitstagen und ermittelt im Mord an Bobby March.

Der fiktive Musiker, der mit Iggy und Syd high wurde und als begnadeter Studiogitarrist für die Stones spielte, fällt natürlich genau in Parks Hoheitsgebiet. Doch auch sonst erweckt der Schotte das Glasgow der 70er wieder voller Schatten und Stimmung zum Leben, obwohl er im dritten Band einen ungewöhnlich heißen Sommer beschreibt und Detectice Zufall ein, zwei Mal nachhelfen muss. Die Ermittlungen und Verstrickungen von McCoy haben trotzdem wieder einem super Flow, und ungefähr ab der Mitte wird der Stoff richtig finster und rechtfertigt das Hardcore im Logo. Die „Hank McCoy“-Serie ist und bleibt eine sichere Nummer, man freut sich auf jeden neuen Band in der Übersetzung von Conny Lösch.

Witziges Easter Egg für Follower dieses Blogs und Fans des Tartan-Noir: Alan Parks erweist sogar Liam McIlvanneys Roman „Ein frommer Mörder“ seine Referenz und verortet die Antihelden McCoy und McCormack damit im selben historischen Krimi-Universum.

Christian Endres

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Alan Parks
Bobby March Forever
Heyne Hardcore, München 2021, 16 Seiten

Der Schotte Alan Parks, der im Musik-Business früher All Saints und andere Acts betreute, kam durch seinen Kumpel John Niven zum Schreiben. „Bobby March Forever“ ist nun schon Parks dritter Hardboiled-Krimi über das Glasgow der frühen 70er-Jahre und seinen Cop Henry McCoy. Diesmal sucht die ganze Stadt ein verschwundenes, wahrscheinlich entführtes Mädchen

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Der grillende Killer

von am 30. März 2022 noch kein Kommentar

Chang Kuo-Li
Der grillende Killer
Knaur, München 2022, 320 Seiten

Chang Kuo-Li ist Romancier, Dichter, Linguist, Historiker, Militärexperte und Food-Kritiker. Dem Roman „Der grillende Killer“ merkt man die vielen Interessengebiete und Kompetenzbereiche seines 1955 geborenen Autors definitiv an – meistens, wenn auch nicht immer im Positiven. Der Fokus der Geschichte liegt allerdings klar auf zwei Hauptfiguren: Dem erfahrenen Kommissar Wu aus Taipeh, der sich zwei Wochen vor seiner Pensionierung mit deutlich zu vielen Leichen aus dem Umfeld von Militär und Marine herumschlagen muss; und dem international arbeitenden Elitescharfschützen Alex Li, der zwischen seinen Aufträgen einen kleinen Reis-Schnell-Imbiss im italienischen Küstendorf Manarola betreibt und der plötzlich um die halbe Welt flüchten muss, als er nach Erledigung eines Jobs selbst ins Visier genommen wird …

Ein salopper Titel wie „Der grillende Killer“ lässt es schon vermuten, dafür braucht man keinen Sherlock Holmes: Dieser asiatische Krimi hat Humor, und das durchaus von der guten, bissigen Sorte. Gerade die Kapitel um Kommissar Wu sind in dieser Hinsicht sehr fein und unterhaltsam zu lesen. Weniger humorvoll geht es zu, wenn sich Kuo-Li mit seinem methodischen Scharschützen befasst, dafür lassen einen diese Passagen oftmals an die John Rain-Bücher von Barry Eisler denken. Überhaupt erinnert die internationale Mainstream-Tauglichkeit stets an Eisler und andere Erfolgsautoren aus der Ecke des eher militärischen Thrillers. Wahrscheinlich werden der vielseitige Chang Kuo-Li, der pfiffige Kommissar Wu und der grillende Sniper am Jahresende auf keiner Top-Liste landen, kurzweiligen Lesespaß bieten sie hinter einem coolen Cover trotzdem.

Christian Endres

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Chang Kuo-Li
Der grillende Killer
Knaur, München 2022, 320 Seiten

Chang Kuo-Li ist Romancier, Dichter, Linguist, Historiker, Militärexperte und Food-Kritiker. Dem Roman „Der grillende Killer“ merkt man die vielen Interessengebiete und Kompetenzbereiche seines 1955 geborenen Autors definitiv an – meistens, wenn auch nicht immer im Positiven. Der Fokus der Geschichte liegt allerdings klar auf zwei Hauptfiguren: Dem erfahrenen Kommissar Wu aus Taipeh, der

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Drag Cop

von am 23. Februar 2022 noch kein Kommentar

Candas Jane Dorsey
Drag Cop
Suhrkamp, Berlin 2021, 251 Seiten

Candas Jane Dorsey, Jahrgang 1952, arbeitete schon als Autorin, Herausgeberin, Verlegerin, Aktivistin und Anwältin. Ende der 1980er war sie eine der Gründerinnen des Kollektivs SF Canada. Für ihren Science-Fiction-Roman „Black Wine“ von 1997 wurde sie mit dem James Tiptree Jr. Award, dem Crawford Award und dem Prix Aurora Award ausgezeichnet. Jetzt liegt ihr Krimi „The Adventures of Isabel: A Postmodern Mystery, By the Numbers“ von 2020 als „Drag Cop“ in der Übersetzung von Conny Lösch auf Deutsch erschienen. Titel und Cover der deutschsprachigen Ausgabe, die Herausgeber Thomas Wörtche in seiner stets beachtenswerten Krimi-Reihe aufgenommen hat, meinen es etwas zu gut und wollen es etwas zu sehr, aber sei’s drum (der Originaltitel und die Kapitelüberschriften stammen übrigens alle aus dem Gedicht „The Adventures of Isabel“ von Ogden Nash, außerdem zitiert Dorsey an einer Stelle Fantastik-Größe R. A. Lafferty). „Drag Cop“, in dem eine pansexuelle Ex-Sozialarbeiterin und Ich-Erzählerin, ihr Kater und ihre in vielen Fällen queeren Freunde in einem Mordfall ermitteln, ist ein sympathisch blubbernder Detektivkrimi mit ein paar witzigen Meta-Allüren. Dass man sich von der Stimmung her ständig an Kinky Friedmans herrliche Detektivromane erinnert fühlt, hat nichts mit der Bedeutung von dessen Vornamen zu tun.

Christian Endres

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Candas Jane Dorsey
Drag Cop
Suhrkamp, Berlin 2021, 251 Seiten

Candas Jane Dorsey, Jahrgang 1952, arbeitete schon als Autorin, Herausgeberin, Verlegerin, Aktivistin und Anwältin. Ende der 1980er war sie eine der Gründerinnen des Kollektivs SF Canada. Für ihren Science-Fiction-Roman „Black Wine“ von 1997 wurde sie mit dem James Tiptree Jr. Award, dem Crawford Award und dem Prix Aurora Award ausgezeichnet. Jetzt liegt ihr

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Bitches Bite Back

von am 31. Januar 2022 noch kein Kommentar

Laura Steven
Bitches Bite Back
Droemer, München 2021, 335 Seiten

„Speak up“, Laura Stevens erster Roman über Izzy O’Neill, war schonungsloser bis himmlischer feministischer Punk in Prosa. Ein Buch, das ungeniert den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt, in der Rachepornos, Internet-Shitstorms und mediale Hetzkampagnen zum realen und virtuellen Alltag gehören. Das frisch erschienene Sequel „Bitches Bite Back“ rekapituliert für alle, die „Speak up“ nicht gelesen haben sollten, auf ein paar Seiten noch einmal knapp die Ereignisse des Auftaktbandes. Dann sind alle ready, die aktuellen rotzigen ‚Blog-Einträge’ der 18-jährigen Schülerin, Drehbuchautorin und Ich-Erzählerin Izzy O’Neill zu lesen, die fest entschlossen ist, als Aktivistin gegen Rachepornos vorzugehen. Und wenn sie und ihre besten Freundinnen dafür den Medien und der Politik einheizen müssen …

„Bitches Bite Back“ hat wieder eine Menge Feuer – und ist eine ebenso unterhaltsame wie wichtige Lektüre, der es trotzdem keineswegs an Witz und Warmherzigkeit mangelt. Mittlerweile wurde mir klar, dass schon der erste Band der Serie ein Stück weit an Cory Doctorows „Little Brother“-Bücher um den Hacker und Aktivisten Marcus Yallow erinnerte. Natürlich ist die Digitalisierung dort ein noch wesentlich zentralerer Bestandteil der Handlung. Doch auch in Izzys Geschichte geht es um die Auswirkungen zwischen virtueller und echter Welt, falsche Gesetze, die Bedeutung von Protestbewegungen und vor allem Freiheit. Nicht nur wer gerne die Science-Fiction von Cory Doctorow liest, sollte mit Laura Steven und der großartigen Izzy in den Kampf ziehen und „Bitches Bite Back“ abfeiern.

Christian Endres

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Laura Steven
Bitches Bite Back
Droemer, München 2021, 335 Seiten

„Speak up“, Laura Stevens erster Roman über Izzy O’Neill, war schonungsloser bis himmlischer feministischer Punk in Prosa. Ein Buch, das ungeniert den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt, in der Rachepornos, Internet-Shitstorms und mediale Hetzkampagnen zum realen und virtuellen Alltag gehören. Das frisch erschienene Sequel „Bitches Bite Back“ rekapituliert für alle, die

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Cordie

von am 19. Januar 2022 noch kein Kommentar

Felicity McLean
Cordie
Polar, Stuttgart 2021, 377 Seiten
ISBN 978-3-948392-34-5

Die Australierin Tikka Molloy lebt in Boston, doch selbst hier sieht sie Gespenster aus ihrer Vergangenheit in der Heimat. Denn als Tikka und ihre beiden Schwestern noch Kinder waren, verschwanden in einem besonders heißen Sommer die drei gleichaltrigen van Apfel-Mädchen von nebenan. Jetzt kehrt Tikka nach Australien zurück und erinnert sich an ihre Jugend, an die fromme Familie aus dem Nachbarhaus, die besonders rebellische van Apfel-Tochter Cordie und alles, was damals, nach dem Kalten Krieg, für so viel Aufsehen in dem kleinen Tal im Busch gesorgt hat. „Cordie“, im Original als „The Van Apfel Girls Are Gone“ erschienen, ist das Romandebüt der australischen Journalistin und Autorin Felicity McLean – und schaffte es immerhin auf die Longlist des John Creasey New Blood Dagger der British Crime Writers Association für den besten Erstling. McLeans Roman präsentiert sich als Coming-of-Age-Geschichte, Gesellschaftsportrait, Vermissten-Krimi und Outback-Noir in einem, und stets spürt man die stacheligen Geheimnisse und unangenehmen Wahrheiten, selbst wenn die junge Tikka sie nur bedingt zu fassen kriegt. Felicity McLeans Buch kann nicht mit jeder Szene vollkommen überzeugen oder den Spannungsbogen halten, hat in der Summe allerdings genügend Megan-Abbott-Vibes, um zu gefallen.

Christian Endres

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Felicity McLean
Cordie
Polar, Stuttgart 2021, 377 Seiten
ISBN 978-3-948392-34-5

Die Australierin Tikka Molloy lebt in Boston, doch selbst hier sieht sie Gespenster aus ihrer Vergangenheit in der Heimat. Denn als Tikka und ihre beiden Schwestern noch Kinder waren, verschwanden in einem besonders heißen Sommer die drei gleichaltrigen van Apfel-Mädchen von nebenan. Jetzt kehrt Tikka nach Australien zurück und erinnert sich an ihre Jugend,

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Adventskalender 2021 T-08 "Sechzehn Wege"

von am 16. Dezember 2021 Kommentare deaktiviert für Adventskalender 2021 T-08 "Sechzehn Wege"

K. J. Parker
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen
Panini, Stuttgart 2021, 389 Seiten
ISBN 978-3-8332-4105-5

Wie viele Bücher habt ihr dieses Jahr gelesen, die euch vor herzhaftem Lachen oder erstauntem Ausrufen mehr als einmal innehalten ließen? Nicht genug? Dann kommt hier noch ein Highlight auf der literarisch-fantastischen Zielgeraden von 2021 …

Geschrieben hat es Tom Holt. Deutschsprachige Leserinnen und Leser kennen ihn für seine gewitzten fantastischen Bücher, von denen in den 1990ern viele bei Heyne herauskamen. In der Rückschau könnte man wohl sagen, dass der 1961 geborene Engländer so eine Art Bindeglied zwischen Douglas Adams, Terry Pratchett und Jasper Fforde darstellt. 2015 wurde zudem bekannt, dass Holt seit 1998 das Pseudonym K. J. Parker verwendet – und unter diesem 2011 sogar den World Fantasy Award für die beste Novelle erhielt. Bei Panini ist jetzt sein grandioser Roman „Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen“ erschienen.

Darin nutzt Holt/Parker eine fiktionalisierte Version des römischen Imperiums als pseudohistorischen Hintergrund seiner Geschichte (etwa so, wie Robert E. Howard das mit den Settings seiner Conan-Erzählungen getan hat). In Parkers Alternativwelt-Interpretation des antiken römischen Weltreichs muss der durchtriebene, opportunistische Oberst Orhan von einem Brückenbau-Regiment die Hauptstadt der Robur verteidigen, die überraschend von einer gewaltigen Armee belagert wird. Orhan erlangt das Kommando und gibt alles für die kaiserliche Metropole, obwohl die Robur den früheren Sklaven wegen seiner hellen Haut eigentlich als minderwertig erachten …

Die Geschichte der Belagerung stellt keineswegs das epische Spektakel aus extremer Action und epischem Heldenmut dar, das man vielleicht erwartet – die Figuren, Probleme und Intrigen abseits der Mauer, direkt in der von verschiedenen Fraktionen beherrschten Stadt, sind immer am wichtigsten. Orhans erfrischend schelmische und zynische Erzählstimme bietet dabei ein konstantes Lesevergnügen. Das gilt letztlich für diesen ganzen fantastischen Roman, der genau das richtige für alle Fans von Steven Brust, Martin Scott und dem bereits erwähnten Sir Terry ist.

Christian Endres

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K. J. Parker
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen
Panini, Stuttgart 2021, 389 Seiten
ISBN 978-3-8332-4105-5

Wie viele Bücher habt ihr dieses Jahr gelesen, die euch vor herzhaftem Lachen oder erstauntem Ausrufen mehr als einmal innehalten ließen? Nicht genug? Dann kommt hier noch ein Highlight auf der literarisch-fantastischen Zielgeraden von 2021 …
Geschrieben hat es Tom Holt. Deutschsprachige Leserinnen und Leser kennen ihn für

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Adventskalender 2021 T-12 "The Rules of Magic"

von am 12. Dezember 2021 Kommentare deaktiviert für Adventskalender 2021 T-12 "The Rules of Magic"

Alice Hoffman
The Rules of Magic – Eine zauberhafte Familie
Fischer, Frankfurt 2021, 364 Seiten
ISBN 978-3-59670060-8

„The Rules of Magic – Eine zauberhafte Familie“ von Alice Hoffman erzählt die Geschichte der Geschwister Franny, Jet und Vincent Owens, die in den 1950ern, 1960ern und 1970ern mit ihren hexerischen Gaben bzw. ihrem magischen Erbe ringen. Zu diesen gehört nämlich auch der Fluch, dass alle sterben, die sie jemals lieben. Ihre Eltern wollen in New York deshalb alles Übernatürliche und Magische von den Kindern fernhalten. Doch deren Hexentante auf dem Land fördert es, und dem Schicksal ist es sowieso egal, was die Menschen wollen oder gar begehren …

Wer das fantastische Genre schon etwas länger im Blick hat, wird es sich schon gedacht haben oder sich zumindest jetzt vage erinnern: „The Rules of Magic – Eine zauberhafte Familie“ ist das Prequel zu Alice Hoffmans berühmten Roman „Im Hexenhaus“ von 1995, der drei Jahre später als „Zauberhafte Schwestern“ mit Nicole Kidman und Sandra Bullock verfilmt wurde (und Anfang 2022 bei Fischer als „Practical Magic – Zauberhafte Schwestern“ ebenfalls neu aufgelegt werden soll). Die 1952 geborene Hoffman hat ihr im Original 2017 veröffentlichtes Prequel allerdings so angelegt und abgefasst, dass man es komplett eigenständig lesen kann, selbst wenn man bisher noch nichts von ihr oder der Familie Owens weiß.

Einfühlsam, charmant und packend geschrieben, berauschend zu lesen, durch und durch magisch – so, wie man mit Franny, Jet und Vincent lacht und leidet, schlägt man sich mit diesem verhext fantastischen Pageturner gerne die Nächte um die Ohren.

Christian Endres
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Alice Hoffman
The Rules of Magic – Eine zauberhafte Familie
Fischer, Frankfurt 2021, 364 Seiten
ISBN 978-3-59670060-8

„The Rules of Magic – Eine zauberhafte Familie“ von Alice Hoffman erzählt die Geschichte der Geschwister Franny, Jet und Vincent Owens, die in den 1950ern, 1960ern und 1970ern mit ihren hexerischen Gaben bzw. ihrem magischen Erbe ringen. Zu diesen gehört nämlich auch der Fluch, dass alle sterben, die sie

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Saubermann

von am 1. November 2021 1 Kommentar

Ken Bruen
Saubermann
Polar, Stuttgart 2021, 224 Seiten
ISBN 978-3-948392-28-4

Die „Jack Taylor“-Romane des irischen Krimi-Könners Ken Bruen, seit 2001 im Umlauf, gehören eigentlich zur Grundausstattung. Noch vor seinem ins Fernsehen vorgestoßenen Detektiv schuf Bruen, dieser Meister des finsteren, zynischen und coolen Hardboiled von der Insel, die Serie um Detective Sergeant Brant, Chief Inspector Roberts und Constable Falls. Der Film „Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“ mit dem schnellen und furiosen Transporter Jason Statham basiert auf den Brant-Romanen, ohne dass das jetzt als Qualitätssiegel gewertet werden soll.

Bei Polar kamen schon ein paar der Brant-Bücher heraus, mit „Saubermann“ liegt nun sogar der allererste auf Deutsch vor. Der Roman, 1998 erstmals veröffentlicht und mit allerhand Anspielungen auf Police-Procedural-Pionier Ed McBain gespickt, ist ein brachiales, fieses Vergnügen, Bruen wie man ihn kennt und liebt (vorausgesetzt, die Wellenlänge stimmt). Brant walzt als der Schandfleck der Londoner Polizei durch Dienst und Leben, korrupt, brutal, nur einer eigenen schrägen Logik verpflichtet. Ein Antiheld auf Talfahrt in die Hölle. Er und sein Chef Roberts, beste Feinde, brauchen einen Saubermann-Fall, einen großen Fisch, der alle Verfehlungen vergessen macht. Zur Auswahl stehen ein Serienkiller, der die englische Cricket-Nationalmannschaft dezimiert, und eine Gruppe selbsternannter Rächer, die Kriminelle aufknüpfen und anzünden …

„Jack Taylor fliegt raus“ wäre ein guter Start in Ken Bruens Schaffen, ebenso die pulpige Fisher/Petrakos-Trilogie von ihm und Jason Starr. Und ja, „Saubermann“, dieser gewalttätige, düstere Gruß aus den 90ern, taugt auch fürs Kennenlernen. Allerdings erinnert einen diese willkommene Veröffentlichung auch schmerzhaft daran, dass noch so einige Bruens, sogar ein paar Jack Taylors, nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Aber immerhin geht es nun mit Brant und Roberts weiter. Oder los. Je nachdem.

Christian Endres

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Ken Bruen
Saubermann
Polar, Stuttgart 2021, 224 Seiten
ISBN 978-3-948392-28-4

Die „Jack Taylor“-Romane des irischen Krimi-Könners Ken Bruen, seit 2001 im Umlauf, gehören eigentlich zur Grundausstattung. Noch vor seinem ins Fernsehen vorgestoßenen Detektiv schuf Bruen, dieser Meister des finsteren, zynischen und coolen Hardboiled von der Insel, die Serie um Detective Sergeant Brant, Chief Inspector Roberts und Constable Falls. Der Film „Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“

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Die Tote mit der roten Strähne

von am 6. Oktober 2021 Kommentare deaktiviert für Die Tote mit der roten Strähne

Kathleen Kent
Die Tote mit der roten Strähne
Suhrkamp, Berlin 2021, 365 Seiten
ISBN 978-3-518-47170-8

Den literarischen Empfehlungen der eigenen Lieblingsautoren zu folgen, führt oft zu interessanten anderen Kreativen und Büchern. Nehmen wir dieses Beispiel. Über Kathleen Kents Krimi „Die Tote mit der roten Strähne“ sagt und blurbt der texanische Kulterzähler, Alleskönner und Krimimeister Joe R. Lansdale: „Ich liebe dieses Buch! Betty ist meine Heldin. Klug, entschlossen, absolut einzigartig.“

Erfunden hat sie die 1953 geborene Kathleen Kent, die sich mit historischen Romanen einen Namen als Bestseller-Autorin machte. Ihr erster lupenreiner Hardboiled-Roman dreht sich um Betty Rhyzyk, Sprössling einer Brooklyner Polizistenfamilie mit polnischen Wurzeln. Allen internen und externen Widerständen zum Trotz, wird die große, taffe rothaarige „Amazone“ (um den Roman mal zu zitieren) selbst ein Cop. Am Ende landet sie aber im texanischen Dallas, wo sie als lesbische Polizistin nicht weniger aushalten muss. Dass ein Einsatz gegen ein mexikanisches Kartell völlig aus dem Ruder läuft, plötzlich überall Leichen/Leichenteile auftauchen und ein gefährlicher Irrer Betty ins Visier nimmt, macht’s kein bisschen leichter …

„Die Tote mit der roten Strähne“ ist solider und allemal unterhaltsamer Hardboiled-Cop-Stoff. Und obwohl es im letzten Drittel dann doch ein bisschen zu trashig zugeht, würde man sicher weitere Fälle von Betty Rhyzyk lesen, sollte Herausgeber Thomas Wörtche sie in seiner stets beachtenswerten Krimi-Reihe bei Suhrkamp bringen.

Christian Endres

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Kathleen Kent
Die Tote mit der roten Strähne
Suhrkamp, Berlin 2021, 365 Seiten
ISBN 978-3-518-47170-8

Den literarischen Empfehlungen der eigenen Lieblingsautoren zu folgen, führt oft zu interessanten anderen Kreativen und Büchern. Nehmen wir dieses Beispiel. Über Kathleen Kents Krimi „Die Tote mit der roten Strähne“ sagt und blurbt der texanische Kulterzähler, Alleskönner und Krimimeister Joe R. Lansdale: „Ich liebe dieses Buch! Betty ist meine

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Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

von am 4. Oktober 2021 Kommentare deaktiviert für Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

C Pam Zhang
Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
S. Fischer, Frankfurt 2021, 352 Seiten
ISBN 978-3-10-397392-1

Der Western ist ein Genre der Klischees – im Guten wie im Schlechten. Ab und an werden die Regeln und Tropen natürlich auch gebrochen und verdreht, aber das passiert nur selten in der virtuosen Manier von C Pam Zhangs Romanerstling „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“. 1990 in China geboren, wuchs die Autorin in den USA auf und studierte u. a. in Cambridge. Ihre früheren Texte erschienen in renommierten Publikationen, etwa „McSweeny’s Quarterly“, „The New Yorker“, „The New York Times“ und „Best American Short Stories“.

In ihrem Debütroman erzählt Zhang von der harten Suche nach Glück im Wilden Westen der Goldgräber und Siedler – allerdings aus der Sicht einer Familie mit chinesischen Wurzeln, und hier vor allem aus der Perspektive der beiden Kinder Lucy und Sam, zwei ungleichen Geschwistern. In mal rauer, mal zarter, aber stets wunderschöner Prosa geht es bei Zhang um Rassismus, Sexismus, Identität, Gender, Familie, Klassenkampf und mehr. Die Kulisse und der Mythos sind vertraut, die Prägung und Ausleuchtung eine ganz andere. Ein Geist wird kurzzeitig sogar zum Erzähler, und angeblich streicht ein Tiger durch die Berge und Städte im Westen …

C Pam Zhangs kühner Roman landete auf der Longlist für den Booker Prize und unter den Finalisten für den PEN/Hemingway Award, außerdem erhielt er den Asian/Pacific American Award for Literature. Barack Obama, dessen Leseempfehlungen jedes Jahr mit Spannung erwartet werden, war von „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“ ebenfalls sehr angetan. Verdiente Würdigungen für den wohlklingenden Western der etwas anderen Art, der den Mythos mit historischen Wahrheiten, diversen Blickwinkeln und modernem Bewusstsein bereichert. Kurzum: Literarisches Gold.

Christian Endres

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C Pam Zhang
Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
S. Fischer, Frankfurt 2021, 352 Seiten
ISBN 978-3-10-397392-1

Der Western ist ein Genre der Klischees – im Guten wie im Schlechten. Ab und an werden die Regeln und Tropen natürlich auch gebrochen und verdreht, aber das passiert nur selten in der virtuosen Manier von C Pam Zhangs Romanerstling „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“.

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Ein frommer Mörder

von am 22. September 2021 Kommentare deaktiviert für Ein frommer Mörder

Liam McIlvanney
Ein frommer Mörder
Heyne, München 2021, 448 Seiten
ISBN 978-3-453-44093-7

Im Jahr 1968 muss das alte Glasgow immer mehr den modernen Hochhäusern und Sozialsiedlungen weichen. Überall stehen Wohnungen leer und wird abgerissen. Die Polizei jagt außerdem den Quäker, einen Serienkiller, der Frauen in seinem frömmlerischen Wahn vergewaltigt und ermordet. Doch auch nach einem Jahr, drei Leichen sowie 50.000 Aussagen und Hinweisen aus der Bevölkerung haben die Polizisten keinen Durchbruch zu vermelden. Nun soll der aus den Highlands stammende Sonderermittler Duncan McCormack die damals teuerste Untersuchung in der Geschichte der schottischen Polizei prüfen, was ihm den Hass seiner Kollegen sichert. Gleichzeitig kommt ein Safeknacker dem Quäker-Fall nach einem erfolgreichen Bruch näher, als ihm lieb ist …

„Ein frommer Mörder“ ist ein ganz feiner Schottenkrimi, der vom realen Fall des Serienmörders Bible John inspiriert wurde – aber das ist noch nicht alles. Denn Liam McIlvanney, der in Neuseeland als Autor und Professor für Schottland-Studien arbeitet, ist der Sohn von William McIlvanney (1936–2015): Jenem schottischen Crime-Autor, der in den 1970ern mit seinen „Laidlaw“-Romanen den Tartan Noir bzw. den schottischen Hardboiled-Krimi begründete und den Weg für Bestsellerautor Ian Rankin und Co. ebnete. Und für „Ein frommer Mörder“, dessen deutscher Titel eine hübsche Alternative für „The Quaker“ darstellt, gewann Liam McIlvanney 2018 zurecht den schottischen Krimipreis, der inzwischen nach seinem Vater benannt ist.

Ian Rankin, das der Vollständigkeit halber, hat übrigens just den vierten nie vollendeten Laidlaw-Roman über den ersten Fall des legendären Ermittlers von McIlvaney Sr. zu Ende geschrieben, der im September als „The Dark Remains“ auf Englisch erschienen ist. Am Namen McIlvanney kommt man gerade wieder mal nicht vorbei, wenn man Krimis von der Insel schätzt.

Christian Endres

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Liam McIlvanney
Ein frommer Mörder
Heyne, München 2021, 448 Seiten
ISBN 978-3-453-44093-7

Im Jahr 1968 muss das alte Glasgow immer mehr den modernen Hochhäusern und Sozialsiedlungen weichen. Überall stehen Wohnungen leer und wird abgerissen. Die Polizei jagt außerdem den Quäker, einen Serienkiller, der Frauen in seinem frömmlerischen Wahn vergewaltigt und ermordet. Doch auch nach einem Jahr, drei Leichen sowie 50.000 Aussagen und Hinweisen aus

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Verlorener Horizont

von am 16. August 2021 Kommentare deaktiviert für Verlorener Horizont

Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

Pascal Dessaint
Verlorener Horizont
Polar, Stuttgart 2021, 222 Seiten
ISBN 978-3-948392-32-1

„Verlorener Horizont“ von Pascal Dessaint ist ein echtes Sommerbuch, durchzogen von einer wunderbaren Leichtigkeit und düsterem Humor, aber auch schrecklich-schöner Melancholie. Die junge Lehrerin Lucille haust an einem Strand bei Calais im Norden Frankreichs, das immer wieder wegen seines provisorischen Migrantenlagers und der Zustände im „Dschungel von Calais“ in die Schlagzeilen gerät. Lucille, die dort unterrichtet hat, lebt nun mit dem alten Entenjäger Anatole und dem Schwerverbrecher Loïk in zwei Wohnwagen und einer alten Frittenbude. Ihr Leben als verschrobene, gezeichnete Außenseiter inmitten der prächtigen Natur, die von den Gezeiten beherrscht wird, beschreibt Dessaint mit all seiner literarischen Begabung – und allerhand Referenzen an den französischen Schauspieler Jean Gabin.

Dieser Roman des 1964 geborenen Dessaint ist von einem „klassischen Krimi“ lange so weit entfernt, wie es nur geht. „Verlorener Horizont“, von Ronald Voullié und Beate Braumann ins Deutsche übertragen, konzentriert sich auf die Charaktere, deren Schicksale und auf die Gesellschaft, die zugleich als Kulisse und als Katalysator dient. Monsieur Dessaint sieht und durchschaut die Menschen. Das Verbrechen und die Finsternis kommen in seiner Geschichte mit der menschlichen Unberechenbarkeit, Impulsivität und Fehlbarkeit, die im Alltag lauert. In dieser Hinsicht ist das Ganze also Noir in seiner reinsten, düstersten Form. Pascal Dessaints grandios geschriebener, kurzer Roman über verlorene Horizonte und ruinierte Perspektiven, dessen Sätze und Szenen dreifach wiegen und nachklingen, bietet 200 der lesenswertesten Seiten, die man sich in diesem Sommer zu Gemüte führen kann.

Christian Endres

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Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.
Pascal Dessaint
Verlorener Horizont
Polar, Stuttgart 2021, 222

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Der Hochsitz

von am 21. Juli 2021 Kommentare deaktiviert für Der Hochsitz

Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

Max Annas
Der Hochsitz
Rowohlt Hundert Augen, Hamburg 2021, 271 Seiten
ISBN 978-3-498-00208-4

Seit 2014 wurde Max Annas bereits fünf Mal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. 1963 in Köln geboren, lebte er lange in Südafrika, ehe er sich in Berlin niederließ. Das alles hatte Einfluss auf die Settings seiner bisherigen Bücher über die Fremde und später die Hauptstadt – „Finsterwalde“ war 2018 dann sogar eine Near-Future-Dystopie über Flüchtlingslager in Deutschland. In seinem neuen Einzelroman „Der Hochsitz“ reist der Wahlberliner nun in die Eifel des Jahres 1978, genauer gesagt ein winziges Dorf an der deutsch-luxemburgischen Grenze.

Hier ist die 11-jährige Sanne in den Osterferien ständig mit ihrer besten Freundin Ulrike und ihrem Bonanza-Rad unterwegs, zu ihrem Hochsitz-Versteck im Wald, zum Hanuta-Fußballbilder-Mopsen, wohin auch immer. Um sie herum heißt es unterdessen: Leben, Sterben und Wahnsinn in der Provinz! Denn in Sannes und Ulrikes beschaulicher Heimat tummeln sich auf einmal Bankräuber, Mörder, RAF-Terroristinnen, Schmuggler, Grenzer, Polizisten und andere, die Geheimnisse haben oder sonst wie für Aufregung und Unfrieden sorgen. Und natürlich ermitteln Sanne und Ulrike ebenfalls und begeben sich in Gefahr …

Die Eifel ist ein ganz anderes Milieu als Südafrika, Berlin oder die nahe Zukunft. Doch auch auf dem Land wendet Annas sein gutes Gespür für Figuren, Stimmen, Atmosphäre und Sound an, erweckt er die Menschen sowie deren Nöte und Schicksale zum Leben. Wer Max Annas in den letzten Jahren überallhin folgte, wird „Der Hochsitz“ lieben, und wer noch nie etwas von ihm gelesen hat, kann von hier aus einen guten ersten Blick in das Schaffen des Krimi-Könners werfen.

Christian Endres

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Max Annas
Der Hochsitz
Rowohlt Hundert Augen, Hamburg

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Der heilige King Kong

von am 28. Juni 2021 Kommentare deaktiviert für Der heilige King Kong

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James McBride
Der heilige King Kong
btb, München, 445 Seiten
ISBN 978-3-442-75924-8

James McBride schrieb das autobiografische Buch „Die Farbe von Wasser“, den von Spike Lee verfilmten Roman „Das Wunder von St. Anna“ und den Weird Western „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“, der von Netflix und Ethan Hawke als Miniserie „The Good Lord Bird“ adaptiert wurde. Mr. McBrides neuer Roman heißt „Der heilige King Kong“, und ob man dieses Jahr einen fabulierfreudigeren Krimi-Schmöker finden wird, bleibt abzuwarten.

Das Buch dreht sich um einen Melting Pot in Brooklyn, der aus einer multinationalen Sozialsiedlung, einer schwarzen Baptistengemeinde und einem Schmugglerhafen besteht. Ende der 1960er wird Heroin zum Problem, doch bei McBride steckt selbst hinter dem größten Dealer eine bittersüße Geschichte und tolle Figur. Genauso wie hinter dem versoffenen Diakon Sportcoat, der am liebsten selbstgebrannten King Kong zuckelt und den Geist seiner Frau sieht, oder dem einsamen Mafia-Schmuggler Tommy Elefante alias Der Elefant. Die historische Verpackung und die köstlichen Abschweifungen machen diesen wunderbar wortgewandten und üppigen Krimi des 1957 geborenen Amerikaners nur noch charmanter, seine Beobachtungen zu Rassismus und urbanem Zusammenleben nicht weniger treffend.

National Book Award-Gewinner James McBride ist ein Meistererzähler, der einem das Gefühl gibt, dass am Ende alles gut werden kann, obwohl und gerade weil wir alle nur Menschen sind.

Christian Endres

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James McBride
Der heilige King Kong
btb, München,

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Tote ohne Namen

von am 21. Juni 2021 Kommentare deaktiviert für Tote ohne Namen

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Louisa Luna
Tote ohne Namen
Suhrkamp, Berlin 2021, 445 Seiten
ISBN 978-3-518-47135-7

„Tote ohne Namen“ ist der zweite Romankrimi über die taffe Privatdetektivin Alice Vega und ihren Freund Max Caplan, jedoch das erste Buch der Serie, das auf Deutsch veröffentlicht wird. Macht nichts: Autorin Louisa Luna sorgt dafür, dass man diese beiden Figuren und ihre Beziehung schnell zu fassen kriegt. Was die Chemie zwischen den Ermittlern angeht, erinnert „Tote ohne Namen“ in seinen besten Momenten an die großartigen „Kenzie & Gennaro“-Romane von Dennis Lehane. Das Setting an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, mit korrupten Polizisten, skrupellosen Menschenhändlern und brutalen Kartellgangstern, lässt einen dagegen eher an Don Winslow denken. Aber die 1977 in San Francisco geborene Luna zeigt schnell, dass sie ihre eigene Alchemie, ihren eigenen Rhythmus und Stil hat, während Vega und Cap in einem Fall von verschleppten mexikanischen Mädchen ermitteln müssen. Lee Child und Donald Ray Pollock, die Luna tolle Blurbs auf den Einband diktierten, hat sie damit überzeugt, und als deutschsprachiger Krimi-Fan wird man sich die Namen Louisa Luna und Alice Vega definitiv merken.

Christian Endres

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Louisa Luna
Tote ohne Namen
Suhrkamp, Berlin 2021,

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Weiter Himmel

von am 2. Juni 2021 Kommentare deaktiviert für Weiter Himmel

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Kate Atkinson
Weiter Himmel
DuMont, Kölnt 2021, 476 Seiten
ISBN 978-3-8321-8001-0

„Weiter Himmel“ ist Kate Atkinsons fünfter Roman-Krimi über ihren Ermittler Jackson Brodie, der unter dem Titel „Case Histories“ eine BBC-Fernsehserie erhalten hat. Der Vorgängerband wurde 2012 zudem mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Im neuesten Buch, das man problemlos ohne die Vorgänger lesen könnte, stolpert der in die Jahre kommende Privatdetektiv in einen hässlichen Fall von modernem Mädchenhandel hinter schöner Fassade – eine Verschwörung zwischen alten Schandtaten, anhaltender Korruption und neuem Horror.

Das könnte man als grundsoliden britischen Krimi betrachten, der viele Ecken und Aspekte des gegenwärtigen Brexit-Großbritanniens aufgreift, und das wäre schon gut genug. Doch Kate Atkinson zu lesen bedeutet, einer Meisterin bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Die Konstruktion, der Stil, die Charaktere, der Humor – das alles ist überdurchschnittlich, wenn man genau hinsieht. Da geht es dann auch klar, dass die 1951 geborene Engländerin den Zufall hinter den verknüpften Schicksalen ihrer Protagonisten so am Limit ausfährt wie einen perfekt eingestellten Boliden in der Kurve.

Christian Endres

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Kate Atkinson
Weiter Himmel
DuMont, Kölnt 2021, 476

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Die weite Leere

von am 19. Mai 2021 Kommentare deaktiviert für Die weite Leere

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J. Todd Scott
Die weite Leere
Polar, Stuttgart 2021, 442 Seiten
ISBN 978-3-948392-16-1

Craig Johnson, Autor der kongenial fürs Fernsehen adaptierten „Longmire“-Romanserie, kennt sich aus mit der Weite, die man im modernen Amerika noch immer findet. Man sollte also besser aufhorchen, wenn Mr. Johnson einen schreibenden Kollegen empfiehlt, den ebenfalls die Weite irgendwo im amerikanischen Westen beschäftigt. Die Rede ist von J. Todd Scott, der seit 20 Jahren als Bundesagent für die DEA (Drug Enforcement Administration) arbeitet, die nicht zuletzt wachsam auf die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten schaut. Hier, am Rio Grande, verortet Scott in seinem Romandebüt „Die weite Leere“ die fiktive texanische Kleinstadt Murfee mitten im großen Nirgendwo.

Beherrscht wird der Ort von einem überlebensgroßen, gierigen Sheriff, den alle nur den Judge nennen – Sheriff, Ankläger, Richter, Henker und Gangster in einem. Aber auch sein wütender Sohn, ein drogenabhängiger Deputy, ein junger Gesetzhüter mit einer gescheiterten Football-Karriere, dessen Freundin und eine Lehrerin mit aufgewühlter Vergangenheit lassen die Dunkelheit aus der Weite und der Leere bereitwillig nach Murfee sowie in ihre Leben. Das nutzt J. Todd Scott für spannenden, guten texanischen Noir, der hin und wieder spürbar Western-Gepflogenheiten folgt, aber lediglich am Etikett des Neo-Westerns kratzt. Im Original sind bereits zwei Fortsetzungen erschienen. Hoffentlich kriegen wir sie bald zu lesen.

Christian Endres

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J. Todd Scott
Die weite Leere
Polar, Stuttgart

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Factory Town

von am 3. Mai 2021 Kommentare deaktiviert für Factory Town

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Jon Bassoff
Factory Town
Polar, Stuttgart 2021, 256 Seiten
ISBN 978-3-948392-22-2

Jon Bassoffs Roman „Zerrüttung“, 2016 auf Deutsch erschienen, war ein Musterbeispiel modernen Noirs in der Tradition von James M. Cain. Mit „Factory Town“ liegt nun ein neues Werk des 1974 geborenen Mr. Bassoff bei Polar vor und beschert der aktuelle Taschenbuch-Reihe des Stuttgarter Verlags einen weiteren schmalen, jedoch umso ungewöhnlicheren Titel. Einen kurzen, befremdenden und hammerharten Roman in literarischer Trickbetrüger-Tradition, der wie ein surrealer Fiebertraum die Grenze zwischen Krimi und Horror durchbricht – und von dem es einen als deutschsprachigen Fan extremer Genre-Lektüre dieser Art auch nicht gewundert hätte, wenn er im Festa Verlag herausgekommen wäre.

Russell Carvers verzweifelte Suche nach einem seit Jahren verschwundenen Mädchen wird zu einer unwirklichen, unberechenbaren Odyssee durch die verkommene, verzerrte Sündenstadt Factory Town – zu dem, was man so gerne als Tour de force bezeichnet. „Zerrüttung“ ist sicher Jon Bassoffs gefälligeres Buch, doch wer seine genreübergreifende Lektüre finster, verstörend bösartig, heftig und anders mag, kann sich ruhig mal nach Factory Town wagen. Es kann allerdings sein, dass man sich verirrt. Krimi-Kenner Marcus Müntefering liefert Touristen dieser Hölle des Bizarren und Perversen im Nachwort die passende Analyse und Einordnung.

Christian Endres

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Jon Bassoff
Factory Town
Polar, Stuttgart 2021, 256

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Zum Fluss

von am 26. April 2021 Kommentare deaktiviert für Zum Fluss

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Olivia Laing
Zum Fluss. Eine Reise unter die Oberfläche
btb, München 2021, 384 Seiten
ISBN 978-3-442-75865-4

Die Kunst der Naturschriftstellerei besteht nicht nur darin, Tiere, Pflanzen, Landschaften, Wetterlagen und Jahreszeiten möglichst präzise und poetisch einzufangen. Die besten Bücher aus dem Bereich des Nature Writing geben uns weit mehr als sinnliche Beschreibungen und aufmerksame Beobachtungen in Sachen Heimatkunde: Persönliches und Autobiografisches, vielfältiges Wissen und spannenden Kontext – literarische, historische, philosophische, etymologische und andere Abschweifungen, verbunden mit kuriosen Zitaten und Einsprengseln. So ist es auch mit Olivia Laings Buch „Zum Fluss. Eine Reise unter die Oberfläche“. Laing zählt zu den angesehensten Kulturjournalistinnen Großbritanniens, hat allerdings auch eine Vergangenheit als Umweltaktivistin und Pflanzenheilkundlerin. „Zum Fluss“ zu lesen ist, als würde man neben einer Universalgelehrten durch die einander überlagernden Epochen Englands wandern und staunend lauschen.

Im Buch folgt die 1977 geborene Laing nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten dem Lauf der Ouse, die sich durch den hübschen, jedoch wandelbaren Süden Englands windet und z. B. gern mit der Schriftstellerin Virginia Woolf in Verbindung gebracht wird, die sich 1941 in diesem Fluss ertränkte. Laing schildert die Beschaffenheit der Ouse und des Landes ringsum sowie ihre Pilgerfahrt durch Sussex von Ort zu Ort, Pub zu Pub, Gasthaus zu Gasthaus, Cottage zu Cottage. Sie erzählt von – of course – Virginia Woolf, Kenneth Grahame („Der Wind in den Weiden“), dem ersten gefundenen Dinosaurierfossilien Englands und vielem mehr. Man weiß nie, wohin der Fluss, Olivia Laings Streifzug und ihre Gedankenreise einen als nächstes führen. Doch jede Biegung, jede Betrachtung und jedes Thema sind es wert, bewusst aufgenommen zu werden.

Christian Endres

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Olivia Laing
Zum Fluss. Eine Reise unter

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Love & Bullets

von am 19. April 2021 Kommentare deaktiviert für Love & Bullets

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Nick Kolakowski
Love & Bullets
Suhrkamp, Berlin 2020, 423 Seiten
ISBN 978-3-518-47056-5

Seit einigen Jahren gibt Thomas Wörtche im Suhrkamp Verlag eine sensationell treffsichere und frische Krimi-Reihe heraus. Eines der jüngeren Highlights? Der Roman „Love & Bullets“ des Amerikaners Nick Kolakowski.

Das Cover macht trotz Elvis-Anhänger nicht mal im Ansatz deutlich, wie cool dieses Buch ist. Obwohl, vielleicht ja doch. Im Original erschienen die drei Kurzromane mit den prächtigen Titeln „A Brutal Bunch of Heartbroken Saps“, „Slaughterhouse Blues“ und „Main Bad Guy“ (übersetzt: Brutale Trottel mit gebrochenen Herzen, Schlachthaus-Blues und Der Härteste von allen) bei einem Verlag mit dem nicht minder prächtigen Namen Shotgun Honey. Das deutsche Taschenbuch versammelt alle drei Teile, die zusammen eine Geschichte ergeben: Die des Abzockers Bill und der Killerin Fiona, die als Paar vor der rachsüchtigen New Yorker Mafia fliehen, die sie hintergangen haben. Aber das sind nicht die Einzigen mörderischen Verrückten, die ihnen zwischen Texas und Kuba das Leben schwer machen …

Einmal aufs Gaspedal gestiegen, wird Nick Kolakowskis brutale, blutige Gangster-Komödie nicht mehr langsamer. Atemloser Crime-Pulp, der nie mehr sein will, als er ist, und das ist genug für Fans von Winslow, dem frühen Tarantino, Westlake, Lansdale. „Love & Bullets“ bietet massig Liebe, Hiebe und Kugeln, jede Menge Action sowie rasanten Lesespaß.

Christian Endres

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Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.
Nick Kolakowski
Love & Bullets
Suhrkamp, Berlin 2020,

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Der große Sommer

von am 7. April 2021 Kommentare deaktiviert für Der große Sommer

Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

Ewald Arenz
Der große Sommer
DuMont, Köln 2021, 318 Seiten
ISBN 978-3-8321-8153-6

Ewald Arenz wurde 1965 in Nürnberg geboren, lebt heute in Fürth und unterrichtet als Lehrer an einem Gymnasium in seiner Geburtsstadt – und er ist aktuell einer der großen fränkischen Erzähler, wenn mich jemand fragt. Nicht, dass seine Werke allzu sehr auf Dialekt oder Lokalkolorit setzen würden, da sind sie sogar relativ universell und neutral. Arenz, der mit „Herr Müller, die verrückte Katze und Gott“ auch schon einen Ausflug in die Funny Fantasy unternommen hat, ist einfach ein großartiger Erzähler. Nach dem feinfühligen Roman und Bestseller „Alte Sorten“, der sich dem Generationenkonflikt auf überraschende Weise näherte und ein Buch der besten Sorte war, liegt mit „Der große Sommer“ jetzt ein mustergültiger, magisch-melancholischer Coming-of-Age-Roman von Arenz vor. Der junge Frieder berichtet darin von einem turbulenten Sommer in seiner Heimatstadt, in dem sich vieles ändert, er sich erstmals so richtig verliebt, er einiges über seine Familie herausfindet und die Dinge schließlich gehörig eskalieren. Ein gelungener, packender Roman um den aufregendsten und letzten Sommer einer Jugend und das Erwachsenwerden in einer Zeit, als es noch keine Handys und kein Internet und dafür Telefonzellen und Telefonbücher gab.

Christian Endres

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Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.
Ewald Arenz
Der große Sommer
DuMont, Köln 2021,

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