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  • Little Brother

    von am 12. Mai 2010

    LittleBrotherNach all den Beiträgen zum Thema Comic im Zuge des Gratis Comic Tages 2010, kommt hier wieder ein Buch. Ja, meine lieben Romanleser, ihr sollt nicht zu kurz kommen ;-)…

    …und an erster Stelle soll von einem Buch die Rede sein, das uns im Laden allen sehr am Herzen liegt. Ein ganz besonderer Tip, denn es handelt sich meines Wissens um eine einzigartige Kombination. Ein Jugendbuch als moderne Dystopie. Modern, spannend, brandaktuell. Der richtige Stoff um junge Augen zu öffnen.

    Schon der Titel des Romans des Canadiers Cory Doctorow zeigt, welchen Bezug er nimmt. Orwells 1984 "Big Brother is watching you" war für Generationen das Schreckgespenst eines damals gedachten zukünftigen Überwachungsstaates.

    Doctorow beschreibt unsere Realität als Solchen und lässt seine jungen Helden mit den Mitteln einer neuen Generation gegen das Regime kämpfen. Konsolenkids versus Überwachungsstaat. Wie viele Autoren benutzt er das Deckmäntelchen der SF um ein durchaus realistisches Szenario kritisch zu behandeln. Seine Realität unterscheidet sich von unserer nur durch Kleinigkeiten und eigentlich lässt er seine Helden gegen bestehende Bedrohungen unserer Freiheit kämpfen.

    Obwohl der Autor eindeutig umfassend recherchiert hat und relativ komplexe technische Sachverhalte einbaut, bleibt alles, ein paar Computergrundkenntnisse vorrausgesetzt, verständlich und nachvollziehbar. Doctorows Roman will in erster Linie davor warnen, dass unsere Freiheit eine Lüge der Medien ist und nichts mit echter Freiheit zu tun hat. Er zeigt, mit welcher Ahnungslosigkeit sich die meisten Menschen in der scheinbaren Anonymität des www bewegen, wie einfach und umfassend heutige Überwachungsmöglichkeiten funktionieren und wie weit wir über die Horrorvorstellungen eines Orwell hinausgeschossen sind, ohne diesen Zustand als solchen zu empfinden.

    Die Verknüpfung aktueller Themen wie Terrorgefahr, Piratenpartei und Vorratsdatenspeicherung macht dieses Jugendbuch zu einem brisanten politischen Roman, den jeder einmal lesen sollte, der seine rosa Brille abnehmen möchte. Schnell zu lesen, spannend und, ich denke, für viele ältere Leser augenöffnend…und es ist wahr.

    Little Brother

    Cory Doctorow

    rororo, 2010, € 14,95

    von am 12. Mai 2010

    LittleBrotherNach all den Beiträgen zum Thema Comic im Zuge des Gratis Comic Tages 2010, kommt hier wieder ein Buch. Ja, meine lieben Romanleser, ihr sollt nicht zu kurz kommen ;-)…

    …und an erster Stelle soll von einem Buch die Rede sein, das uns im Laden allen sehr am Herzen liegt. Ein ganz besonderer Tip, denn es handelt sich meines Wissens um eine einzigartige Kombination. Ein Jugendbuch als moderne Dystopie. Modern, spannend, brandaktuell. Der richtige Stoff um junge Augen zu öffnen.

    Schon der Titel des Romans des Canadiers Cory Doctorow zeigt, welchen Bezug er nimmt. Orwells 1984 "Big Brother is watching you" war für Generationen das Schreckgespenst eines damals gedachten zukünftigen Überwachungsstaates.

    Doctorow beschreibt unsere Realität als Solchen und lässt seine jungen Helden mit den Mitteln einer neuen Generation gegen das Regime kämpfen. Konsolenkids versus Überwachungsstaat. Wie viele Autoren benutzt er das Deckmäntelchen der SF um ein durchaus realistisches Szenario kritisch zu behandeln. Seine Realität unterscheidet sich von unserer nur durch Kleinigkeiten und eigentlich lässt er seine Helden gegen bestehende Bedrohungen unserer Freiheit kämpfen.

    Obwohl der Autor eindeutig umfassend recherchiert hat und relativ komplexe technische Sachverhalte einbaut, bleibt alles, ein paar Computergrundkenntnisse vorrausgesetzt, verständlich und nachvollziehbar. Doctorows Roman will in erster Linie davor warnen, dass unsere Freiheit eine Lüge der Medien ist und nichts mit echter Freiheit zu tun hat. Er zeigt, mit welcher Ahnungslosigkeit sich die meisten Menschen in der scheinbaren Anonymität des www bewegen, wie einfach und umfassend heutige Überwachungsmöglichkeiten funktionieren und wie weit wir über die Horrorvorstellungen eines Orwell hinausgeschossen sind, ohne diesen Zustand als solchen zu empfinden.

    Die Verknüpfung aktueller Themen wie Terrorgefahr, Piratenpartei und Vorratsdatenspeicherung macht dieses Jugendbuch zu einem brisanten politischen Roman, den jeder einmal lesen sollte, der seine rosa Brille abnehmen möchte. Schnell zu lesen, spannend und, ich denke, für viele ältere Leser augenöffnend…und es ist wahr.

    Little Brother

    Cory Doctorow

    rororo, 2010, € 14,95

    4 Kommentare zu “Little Brother”

    1. Mark sagt:

      Also ich habe es mit Begeisterung gelesen, Leon (12) war kaum wegzukriegen und hat es auch nur verschlungen. Harmlos? Naja, ich weiß ja nicht – weder unrealistisch noch sehr weit weg von realen Begebenheiten zeigt es die möglichen Bedrohungen, aber auch die Möglichkeiten auf. Das ganze ist aus meiner Sicht so nah dran an den alltäglichen Bedrohungen, dass es durchaus realistisch erscheint. Die Themen "Folter von Unschuldigen mit "guten" Motiven", aber auch die Gefahren und Möglichkeiten des Internets sind gut dargestellt. Also gerade für Kinder und Jugendliche ein tolles Buch, und nebenbei einfach gut geschrieben und emotional toll. Ich werde auf jeden Fall mehr von ihm lesen…
      Mark

    2. Volker sagt:

      Sieht so aus, als wäre die Sammelaktion zur Umsetzung von Little Brother als ungekürztes Hörbuch gescheitert:

    3. Gerd sagt:

      Ich habe nie gesagt, dass Cory Doctorows "Little Brother" ein Meilenstein in der SF Geschichte ist, oder werden wird. Der Roman wendet sich tatsächlich in erster Linie an ein junges Publikum und zeigt diesem einen Weg auf, mit ihren Mitteln neue Wege zu gehen. Ich bin nicht der Meinung, dass man eine heutige Generation noch mit ollen Kammellen wie "PLanet der Habenichtse" hinter dem Ofen hervorlocken kann (das ich persönlich sehr schätze und in einem ähnlichen Alter das erste mal gelesen habe…). Ich finde es durchaus interessant und schön, dass dieses Buch bewusst mit allen potentiellen Vorbildern bricht und einen völlig neuen Weg beschreitet.
      Ich sehe das Buch als Buch für eine neue Generation und für alle, die nicht zu alt sind um sich auf Denkweisen dieser neuen Generation einzulassen.

    4. Camille Desmoulin sagt:

      Leider muss ich, trotz meiner Freude, wieder einmal bei einem Thema mitreden zu können, ein deutliches Veto einlegen.
      Ich habe Cory Doctorows Jugendbuch ebenfalls gelesen und meine Beurteilung fällt doch wesentlich weniger euphorisch aus. Möglicherweise bin ich mit einer viel zu hohen Erwartungshaltung an die Sache herangegangen, wurde mir das Buch doch von verschiedenen Seiten ans Herz gelegt.
      Cory Doctorow ist selbst Aktivist in Sachen Internetfreiheit. Als eines der Gründungsmitglieder der Open Rights Group in England ist er bekennender Pirat und veröffentlicht auch seine eigenen Bücher unter der Creative-Commons-Lizenz. Er setzt sich für eine Liberalisierung des Urheberrechts ein, protestiert gegen die Auswüchse des Digital-Rights-Management und kämpft für mehr Datenschutz (wer sich hierüber informieren möchte, es gibt eine deutsche Übersetzung einer Rede über DRM, die er in Redmond am Hauptsitz von Microsoft gehalten hat: http://www.ltrebing.de/misc/doctorow-drm/ sehr interessant!)
      "Little Brother" liest sich wie eine Schullektüre. Der Vergleich mit "Rolltreppe Abwärts", das Generationen von Schülern lesen mussten liegt viel näher als mit der namensgebenden Dystopie von Georg Orwell.
      Das Buch wirkt von Anfang bis Ende bemüht, angepasst und wenig kritisch und was noch viel schlimmer ist: Das "Deckmäntelchen der SF", das in diesem Beitrag als Stilmittel bezeichnet wird, stellt sich als fatales Eigentor heraus.
      Durch sein was-wäre-wenn-Szenario erreicht Doctorow unbeabsichtigt das Gegenteil von dem, was er vermitteln möchte. Seine Kritik an bestehenden Missständen verwandelt sich in die Kritik einer Situation, die in den Augen des Lesers "Gott sei Dank noch nicht eingetroffen ist". Die jugendlichen Rebellen bekämpfen nicht, wie der Autor selbst, reale Bedrohungen unserer individuellen Freiheit. Ihr Kampf gilt einer fiktiven Situation und legitimiert sich ausschließlich durch die fast groteske Eskalation und Pervertierung eines ansonsten "normalen" Systems.
      Hat Doctorow diese harmlose Variante aus Angst vor Zensur gewählt? Will der Autor damit eine breitere Akzeptanz erreichen, womöglich als potentielle Schullektüre? Für mich hat es eher so gewirkt, als wäre er sich des Weichzeichners gar nicht bewusst, mit dem er sein eigentlich ambitioniertes Werk verwischt hat.
      In jedem Fall ist dieses „Stilmittel“, welches von Autoren wie, Maria Johanna Pfannholz, der Tochter des großartigen Carl Amery, in „Den Überlebenden“ oder in neuerer Zeit auch von Andreas Eschbach in „Ein König für Deutschland“, so trefflich eingesetzt wurde, in der Feder von Cory Doctorow kläglich verpufft. Im Sinne einer politisch bildenden, rebellischen Jugendliteratur steht er ebenso tief im Schatten der frechen, kraftvollen Spannung von Edward Abbeys „Die UniversalSchraubenSchlüsselBande“, wie in dem, der zeitlosen Genialität von William Goldings Robinsonade „Herr der Fliegen“ oder der realistischen Nähe von Morton Rhues „Die Welle“. Wer seinem Kind mehr zutraut und wirklich etwas vermitteln möchte, das relevant und wertvoll für eine politische Bildung sein könnte, der sollte Ursula K. LeGuins „Planet der Habenichtse“ irgendwo gebraucht besorgen. Das war ein Meilenstein politisch-philosophischer Science-Fiction, der bis heute wirklich freies Denken fördern kann …uns hat er damals sicher auch nicht geschadet, weder in punkto freies Denken, noch in Bezug auf literarische Bildung (Ich habe ihn mit 14, 15 das erste mal gelesen).
      „Little Brother“ eignet sich vielleicht, um eine heutige Schulklasse an eine interessante Diskussion und Analyse heranzuführen, für erwachsene, kritische Leser wirkt der Roman in jedem Fall konstruiert, billig und unglaubwürdig. „Fünf Freunde gegen das Regime“.

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