Science Fiction

Panini Buchauslieferung KW 5

von am 3. Februar 2023 noch kein Kommentar

DENNING, TROY: HALO MASTER-CHIEF #1 STILLER STURM € 18,00
OLDER, DANIEL JOSE: STAR WARS DIE HOHE REPUBLIK PB #3 MITTERNACHTSHORIZONT € 17,00

DENNING, TROY: HALO MASTER-CHIEF #1 STILLER STURM € 18,00
OLDER, DANIEL JOSE: STAR WARS DIE HOHE REPUBLIK PB #3 MITTERNACHTSHORIZONT € 17,00

Panini Auslieferung KW 4

von am 25. Januar 2023 noch kein Kommentar

STAR WARS MC COLLECTION #46 ZERSTÖRTE HOFFNUNG € 16,99
WILLIGHAM,BILL/DIVERSE: SANDMAN DELUXE #10 DESTINY € 39,00
BUCKINGHAM,MARK/WILLINGHAM, BILL: FABLES DELUXE EDITION #4 € 39,00
BENDIS / BAGLEY: ULTIMATIVE SPIDER-MAN COMIC COLLECTION #10 ^ € 15,99
BENDIS / BAGLEY: ULTIMATIVE SPIDER-MAN COMIC COLLECTION #9 DIE ULTIMATIVEN SECHS € 15,99
TAKASHIGE, HIROSHI/MINAGAWA, RYOJI: SPRIGGAN DELUXE #7 € 19,00
KOJIMA/KOIKR: LONE WOLF AND CUB MASTER EDITION #4 € 32,00
RIFUJIN NA MAGONOTE: MUSHOKU TENSEI – IN DIESER WELT MACH ICH ALLES ANDERS #10 € 10,00
YAMASHITA, TOMOKO: DIE NACHT HINTER DEM DREIECKSFENSTER #6 € 8,99
URUSHIBARA, YURA: TOGEN AKI #1 TEUFELSBRUT € 8,99
SACKS, ETHAN/SLINEY, BILL: STAR WARS SONDERBAND #145 DIE GESCHICHTE DER HALCYON € 17,00
LAMBERT, JEREMY/ZAGARIA, CARMELO: BUFFY THE VAMPIRE SLAYER NEUSTART #9 VERGISS MEIN NICHT € 29,00
PEREZ, GEORGE/GIORDANO, DICK: DC HARDCOVER #84 CRISIS ON INFINITE EARTH DELUXE EDITION € 69,00
ENNIS, DILLON: PUNISHER COMPLETE COLLECTION HC #3 € 99,00
MORECI,MICHAEL/HRISTOV,TODOR: STRANGER THINGS #6 KAMCHATKA € 13,00
TYNION IV,JAMES/ ESTHERREN, LISANDRO: SANDMAN ALBTRAUMLAND #1 DER LÄCHELNDE MANN € 19,00
HILL, JOE/MCDAID, DAN: JOE HILL #6 SEA DOGS BLUTIGE WELLEN € 13,00

STAR WARS MC COLLECTION #46 ZERSTÖRTE HOFFNUNG € 16,99
WILLIGHAM,BILL/DIVERSE: SANDMAN DELUXE #10 DESTINY € 39,00
BUCKINGHAM,MARK/WILLINGHAM, BILL: FABLES DELUXE EDITION #4 € 39,00
BENDIS / BAGLEY: ULTIMATIVE SPIDER-MAN COMIC COLLECTION #10 ^ € 15,99
BENDIS / BAGLEY: ULTIMATIVE SPIDER-MAN COMIC COLLECTION #9 DIE ULTIMATIVEN SECHS € 15,99
TAKASHIGE, HIROSHI/MINAGAWA, RYOJI: SPRIGGAN DELUXE #7 € 19,00
KOJIMA/KOIKR: LONE WOLF AND CUB MASTER EDITION #4 € 32,00
RIFUJIN

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Die Weltenschöpfer Band 3

von am 18. Januar 2023 noch kein Kommentar

Charles Platt
DIE WELTENSCHÖPFER. Band 3.
Kommentierte Gespräche mit Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren.
Ü: Frank Böhmert, Horst Illmer, Matita Leng u.v.a.m.
(DREAM MAKERS II / 1983)
Berlin, Memoranda, 2022, 338 Seiten
ISBN 978-3-948616-74-8 / 21,90 Euro
Klappenbroschur

Es ist ja häufig so: Das Beste kommt zuletzt.

Auch die Reihe der WELTENSCHÖPFER-Bücher von Charles Platt, die von 2021 bis 2022 im Memoranda Verlag erschienen ist, macht da keine Ausnahme. Allerdings spielt hier wohl eher der Zufall eine Rolle, als bewusste Planung. Durch die Aufteilung der zwei Originalbücher der DREAM MAKERS in drei deutsche Ausgaben kam es jedenfalls zu einer Häufung der interessantesten Interviews, die Platt mit gut fünf Dutzend Schriftsteller*innen führte, in DIE WELTENSCHÖPFER. Band 3.

Erstmals kommen hier mit Andre Norton, Kit Reed, Joanna Russ, Alice Sheldon (aka James Tiptree jr.) Janet Morris und Joan D. Vinge gleich mehrere Autorinnen ausführlich zu Wort und rechtfertigen dadurch den Untertitel der „kommentierten Gespräche mit Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren“. Hinzu kommen dann viele weitere interessante Künstler und Herausgeber wie Theodore Sturgeon, Fritz Leiber, Poul Anderson, Harry Harrison, Donald A. Wollheim, Joe Haldeman und Piers Anthony. Bei den Interviews mit den „Außenseitern“ Robert Anton Wilson und L. Ron Hubbard beweist Platt erneut, dass er den Blick über den Tellerrand nicht scheut und auch vor einem intensiven persönlichen Einsatz (wie im Fall des Scientology-Gründers Hubbard) nicht zurückscheut. Glanz- und Schlusspunkt ist das Doppelinterview, das Platt zusammen mit seinem Freund Douglas E. Winter mit dem 1982 zwar schon weltberühmten, aber eigentlich noch am Anfang seiner Karriere stehenden Stephen King führte. Der „Meister des Horrors“ erweist sich auch als „Meister der Inszenierung“ wie Platt in seinen Nachbemerkungen eindrücklich schildert.
Überhaupt muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass alle drei WELTENSCHÖPFER-Bände Welterstveröffentlichungen darstellen. Die von Platt als „Historischer Kontext“ bezeichneten Anmerkungen und Erinnerungen sind zwar bei einigen der Interviewten recht kurz – dafür erreichen sie bei den wichtigen und spannenden Leuten zuweilen einen Umfang, der den Interviewtext verdoppelt. Die hier gewährten Einblicke in das „Allerheiligste“ der Science Fiction sind von unschätzbaren Wert für alle an diesem Genre Interessierten und zudem auch noch unterhaltsam zu lesen!

So muss gute Sekundärliteratur aussehen!!

Horst Illmer
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Die Weltenschöpfer Band 3
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Charles Platt
DIE WELTENSCHÖPFER. Band 3.
Kommentierte Gespräche mit Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren.
Ü: Frank Böhmert, Horst Illmer, Matita Leng u.v.a.m.
(DREAM MAKERS II / 1983)
Berlin, Memoranda, 2022, 338 Seiten
ISBN 978-3-948616-74-8 / 21,90 Euro
Klappenbroschur

Es ist ja häufig so: Das Beste kommt zuletzt.
Auch die Reihe der WELTENSCHÖPFER-Bücher von Charles Platt, die von 2021 bis 2022 im Memoranda Verlag erschienen ist, macht da keine Ausnahme. Allerdings spielt

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Heute, am vorletzten Tag der Jubiläumswoche

von am 13. Januar 2023 noch kein Kommentar

…komme ich zum ersten mal etwas eher dazu, die Bilder des Tages und meinen kleinen Text online zu stellen. Der heutige Tag war ein kleines Bisschen Athemholen. Nicht, weil nichts aufregendes passiert wäre, sondern weil unser Programm am Vorabend des letzten Tages einfach zeitlich etwas kompakter angelegt war, als in den vergangenen Tagen.

ABER. Der Nachmittag mit Aiki Mira war ebenfalls wieder ein echtes Erlebnis. Die Lesung und die anschließenden Ausführungen zu Hintergründen unter dem Motto "von der Science zur Fiction" waren spannend, plastisch und professionell. Keine Frage aus dem Publikum ist unbeantwortet geblieben und aus der Lesung und dem geführten Gespräch ist fast so etwas wie ein Austausch unter begeisterten Fans geworden. Danke Aiki für den tollen Nachmittag, die Lesung und die spannende Gesprächsrunde danach. Wer "Titans Kinder" noch nicht kennt, sollte unbedingt morgen die zweite Chance wahrnehmen, sich ein signiertes Exemplar zu sichern. Auch wenn Aiki morgen aus ihrem aktuellen Roman "Neongrau" lesen wird, und damit noch einmal ganz andere Themen anspricht, kann ich das Doppelpack nur jedem Science Fiction Fan nahelegen. Eine wirklich großartige Stimme der Science Fiction. Danke Aiki für den heutigen Nachmittag…

und natürlich neue Bilder…

…komme ich zum ersten mal etwas eher dazu, die Bilder des Tages und meinen kleinen Text online zu stellen. Der heutige Tag war ein kleines Bisschen Athemholen. Nicht, weil nichts aufregendes passiert wäre, sondern weil unser Programm am Vorabend des letzten Tages einfach zeitlich etwas kompakter angelegt war, als in den vergangenen Tagen.
ABER. Der Nachmittag mit Aiki Mira war ebenfalls

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Das wichtigste Jubiläum im Universum: 42 Jahre Hermkes Romanboutique – Tag 5

von am 2. Januar 2023 noch kein Kommentar

Freitag 13.01. Ist sozusagen das Warmup für den Haupttag. Trotzdem haben wir an diesem Tag einen Gast, auf den ich mich ganz besonders freue.

Aiki Mira…

…lebt in Hamburg und in der Science Fiction.

Drei Storys von Aiki wurden 2022 für den Deutschen Science Fiction Preis & für den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Mit der Story "Utopie27" gewann Aiki beide Preise.

Zusammen mit den beiden Künstlern Uli Bendick und Mario Franke gab Aiki die Anthologie "Am Anfang war das Bild" heraus, die 2022 ebenfalls für den Kurd Laßwitz Preis nominiert war und den zweiten Platz erreichte.

Im Jahr 2022 erschienen neben Kurzgeschichten und Essays auch zwei Romane von Aiki: „Titans Kinder. Eine Space-Utopie" sowie „Neongrau. Game Over im Neurosubstrat".

Der Kontakt zu Aiki hat sich über Horst Illmer ergeben. Schon im Vorfeld gab es einen regen Gedankenaustausch und die Autorin erscheint mir als beeindruckend tief in der Thematik verwurzelt. In diesem Zusammenhang habe ich ihre Romane und einige Essays gelesen. Ihre fundierte Herangehensweise an fachliche Themen ist sicher nicht zuletzt Ergebnis ihrer Forschungsarbeit und ihrem Studium der Medienkommunikation geschuldet. Ich bin auf jeden Fall persönlich extrem gespannt auf die Lesung(en, denn Samstag wird sie einen zweiten Auftritt haben) und vor allem auf den Austausch danach.

Das für Freitag ab ca 16:00 Uhr geplante Thema ist mehr als spannend: Von der Science zur Fiction: Titans Kinder. Eine Space-Utopie – Methanseen gibt es wirklich! Aiki Mira liest und signiert aktuelle Space-Utopie. Im Anschluss Gespräch mit Bildmaterial

Freitag 13.01. Ist sozusagen das Warmup für den Haupttag. Trotzdem haben wir an diesem Tag einen Gast, auf den ich mich ganz besonders freue.
Aiki Mira…
…lebt in Hamburg und in der Science Fiction.
Drei Storys von Aiki wurden 2022 für den Deutschen Science Fiction Preis & für den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Mit der Story "Utopie27" gewann Aiki beide Preise.
Zusammen mit

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Adventskalender 2022 T-02: "Neongrau"

von am 22. Dezember 2022 noch kein Kommentar

Aiki Mira
NEONGRAU – GAME OVER IM NEUROSUBSTRAT
Heidelberg, Polarise, 2023, 520 S.
ISBN 978-3-949345-28-9 / 16,95 Euro

Es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass Hamburg in einhundert Jahren nicht mehr am Meer liegt, sondern im Meer. Um dennoch als Stadt, Besuchermagnet und Wirtschaftszone bestehen zu können, sind drastische Änderungen nötig. Schwimmende Wohnungen, Unterwasser-Touristenbusse für Besichtigungstouren in den versunkenen Stadtteilen und die Übergabe der Stadtschlüssel an einen E-Sport-und-Gaming-Konzern sind nur einige der Lösungsansätze wie sie Aiki Mira (die selbst begeisterte Hamburgerin ist) in ihrem neuen Roman NEONGRAU – GAME OVER IM NEUROSUBSTRAT anbietet.
Erleben lässt sie uns diese Zukunftswelt durch die (bioelektrisch veränderten) Augen von ELLL und Stuntboi , zwei Jugendlichen, die sich erstmals begegnen, als ELLL dafür sorgt, dass sich Stuntboi bei einer gewagten Stunt-Szene für ein VR-Video so schwer verletzt, dass die Karriere als Risiko-Double erst mal auf Eis liegt. Den Auftrag dazu erhielt ELLL von einer älteren Freundin, für die sie hin und wieder solche Jobs erledigt. Allerdings war es nicht eingeplant, dass sich die Beiden bei dieser Aktion ineinander verlieben …
Eingebettet ist deren immer komplizierter werdende Beziehung in eine Rahmenhandlung, in der in Hamburg ein VR-Gaming-Turnier der Superlative stattfindet, bei der sich sowohl für ELLL wie für Stuntboi ganz neue Wege zum Ruhm auftun, wo sich die immer „stärker“ werdenden Gaming-KIs überlegen, ob sie ihre Überlegenheit zeigen und „ausspielen“ sollen – und dann gibt es noch einen bösen alten Mann, der hektisch an einer Bombe bastelt, die er während des Turniers hochgehen lassen will.
Abstrakte Beschreibungen einer Zukunft in der abstrakte Protagonisten abstrakte Dinge tun gibt es zuhauf. Bei Aki Mira dagegen lässt sich miterleben was mit richtigen Personen in ihrem zukünftigen Dasein geschieht und wie sie darauf reagieren. Wenn Gamer im Neurosubstrat versinken und eintauchen in die virtuellen Realitäten ihrer Spiele, wenn Konzertbesucher sich den Beats ihrer Lieblingsbands hingeben, wenn zwei frisch Verliebte scheue Blicke miteinander tauschen, dann fühlt sich das beim Lesen so an als sei man dabei und spiele mit, fiebere mit, leide mit.
Nachdem Aiki Mira schon mehrfach bewiesen hat, dass sie stilistisch praktisch alle Sub-Genres der Science Fiction beherrscht (Space Opera, Utopie, Steampunk usw.), ist es keine allzu große Überraschung, dass sie genauso überzeugend im Jugendslang des Jahres 2112 erzählen kann.
NEONGRAU ist eine brillant geschriebene, fiebrig pulsierende, rasant sich entwickelnde Geschichte, deren Sog sich bis zur letzten Seite sogar noch steigert. Es bleibt keine Zeit zum Luft holen, Atmen wird total überschätzt, bestellen Sie einfach ein Reanimationsteam – und LOS!

Horst Illmer
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Neongrau
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Aiki Mira
NEONGRAU – GAME OVER IM NEUROSUBSTRAT
Heidelberg, Polarise, 2023, 520 S.
ISBN 978-3-949345-28-9 / 16,95 Euro
Es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass Hamburg in einhundert Jahren nicht mehr am Meer liegt, sondern im Meer. Um dennoch als Stadt, Besuchermagnet und Wirtschaftszone bestehen zu können, sind drastische Änderungen nötig. Schwimmende Wohnungen, Unterwasser-Touristenbusse für Besichtigungstouren in den versunkenen Stadtteilen und die Übergabe der

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Adventskalender 2022 T-17 "Fern vom Licht des Himmels"

von am 7. Dezember 2022 noch kein Kommentar

Tade Thompson
FERN VOM LICHT DES HIMMELS.
Ü: Jakob Schmidt
(Far from the Light of Heaven / 2021)
München, Golkonda, 2022, 381 S.
ISBN 978-3-96509-059-0 / 20,00 Euro
Klappenbroschur

Für die Anhänger der „Reinen Lehre“ ist es sicherlich immer wieder verstörend, wenn sie mit ansehen müssen, dass sich als gegensätzlich Empfundenes nicht abstößt, sondern anzieht, vermengt und in amalgamierter Form als ein „Mehr-als-seine-Einzelteile“ weiterexistiert.
Ein gutes Beispiel für dieses Kuddelmuddel ist die utopisch-phantastische Kriminalerzählung (der SF-Krimi), in der sich die Genres Krimi und Science Fiction vereinen und, im Idealfall, die Leserschaft in beiden Lagern begeistert. So wie das FERN VOM LICHT DES HIMMELS, dem neuen Roman von Tade Thompson gelingt.

Für den Rezensenten ergibt sich dabei ein kleines Problem: Was für die Science-Fiction-Fraktion normalerweise dazugehört, sind Erläuterungen des Was, Wo und vor allem Wie – während die Liebe zum Krimi normalerweise auch aus dem Verlangen herrührt, das Was, Wo und vor allem Wie selbst herauszufinden. Belassen wir es im Folgenden also bei einem quecksilbrigen Amalgam aus Expostion und Cliffhanger.

Wenn in der Zukunft Menschen zu weit entfernten Kolonialplaneten reisen, so geschieht dies in modular aufgebauten Raumschiffen, deren Steuerung eine starke KI übernimmt (und als deren „Back up“ ein einzelner Mensch mitgeschickt wird). Natürlich fällt eine solche KI niemals aus, deshalb fliegt auf der neugebauten „Ragtime“ die Raumfahrt-Novizin Michelle Campion, genannt „Shell“, mit. Ziel ist es, eintausend Passagiere zum Planeten Bloodroot zu befördern.

Shell ist die Tochter eines im Weltraum verschollenen (und deshalb berühmten) Astronauten und wird von dem für den Flug verantwortlichen Raumfahrtkonzern vor allem aus PR-Gründen engagiert. Ihr Anspruch ist es jedoch, durch eigene Leistungen den „Bonus“ einer Prominententochter hinter sich zu lassen. Als sie nach dem letzten Raumsprung am Zielort aus dem Traumschlaf geweckt wird, muss sie plötzlich zeigen, ob sie diesen Erwartungen gerecht werden kann.

Die KI hat sich abgeschaltet, das Schiff läuft im Notbetrieb, einige Passagiere sind auf nicht natürliche Weise ums Leben gekommen – und auf ihren Notruf hin schickt Bloodroot Shell mit dem psychisch labilen Rasheed Fin und seinem Androiden-Helfer Salvo ein Ermittlergespann zur Unterstützung, das ihr äußerst suspekt erscheint …

FERN VOM LICHT DES HIMMELS bedient also gleichermaßen die Anforderungen einer Space Opera wie des typischen Verbrechens hinter einer verschlossenen Tür. Da ist es nur gut, dass sich Tade Thompson ausdrücklich auf Edgar Allan Poe bezieht – der hat ja nicht nur die Detektivstory „erfunden“, sondern seine Helden auch mehrfach auf „Große Fahrt“ (u. a. sogar zum Mond) geschickt. Und um im oben begonnen alchemistischen Bild zu bleiben: FERN VOM LICHT DES HIMMELS erweist sich als ätherisch-leicht zu lesendes, inhaltlich aber gewichtiges „Goldstück“.

Horst Illmer
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Fern vom Licht des Himmels
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Tade Thompson
FERN VOM LICHT DES HIMMELS.
Ü: Jakob Schmidt
(Far from the Light of Heaven / 2021)
München, Golkonda, 2022, 381 S.
ISBN 978-3-96509-059-0 / 20,00 Euro
Klappenbroschur

Für die Anhänger der „Reinen Lehre“ ist es sicherlich immer wieder verstörend, wenn sie mit ansehen müssen, dass sich als gegensätzlich Empfundenes nicht abstößt, sondern anzieht, vermengt und in amalgamierter Form als ein „Mehr-als-seine-Einzelteile“ weiterexistiert.
Ein gutes Beispiel für

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Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction 4: Die große Revolution

von am 16. November 2022 noch kein Kommentar

Paul Scheerbart
DIE GROSSE REVOLUTION – ein Mondroman.
LESABÉNDIO – ein Asteroiden-Roman.
Vorwort: Michael Marrak, Nachwort: Hans Frey
Berlin, Hirnkost, 2022, 408 S.
ISBN 978-3-949452-40-6 / 32,00 Euro (bzw. 28,00 Euro im Abonnement)
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 4

Der „aus Wut“ zum Humoristen gewordene Berliner Boheme-Künstler Paul Scheerbart (1863–1915) gehört zu den wenigen wirklich eigenständigen Figuren der phantastischen Literatur. Während H. G. Wells, Kurd Laßwitz und Jules Verne (von Vorläufern wie Julius von Voss einmal abgesehen) zwischen 1870 und 1910 fast den gesamten Themenkanon der Science Fiction festschrieben, gelang es Paul Scheerbart, unabhängig und unbeeinflusst von diesen Unterhaltungsströmungen, einen Großteil dieser Themen in einer völlig eigenen Art aufzugreifen und zu verwenden. Dabei schrieb er in einem eigentümlichen Stil, der gewollt Simplizität mit mystischen Ideen und krudestem Humor vereinigte.

Einen ersten Eindruck dieser Unabhängigkeit gibt Scheerbart im „Mondroman“ DIE GROSSE REVOLUTION, der 1902 erschien und der ihm den großen Durchbruch beim Publikum bringen sollte. Allerdings erzählt er hier eine so weit von allem Gängigen entfernte satirisch-philosophische Geschichte, dass auch hundert Jahre später das Kunstverständnis der Leserschaft immer noch aufs Äußerste beansprucht wird. Kurz gesagt gibt es auf dem Mond zwei Parteien von Mondbewohnern: die einen wollen die seit Jahrhunderten andauernde Beobachtung der Erdbewohner fortführen, die andere Fraktion ist vom ewig Krieg führenden Homo Sapiens so enttäuscht, dass sie lieber von der Mondrückseite aus in die Ferne des Weltraums schauen wollen. Das alles beschreibt der Autor in einem Stilgemisch, dass sich in einigen Passagen wie ein Vorläufer der „New Wave“ der 1960er Jahre liest, aber auch schon in Einzelstellen auf den aufkeimenden Expressionismus hinweist.

Gleiches gilt für den 1913 veröffentlichten „Asteroiden-Roman“ LESABÉNDIO. Scheerbarts Meisterwerk über die Bewohner des Asteroiden Pallas, deren Anführer (und Titel-Held) Lesabéndio es versteht, ihrer aller Streben nach einem gemeinsamen Ziel hin auszurichten (der Vereinigung mit einer Plasmawolke) und der am Ende selbst zu einem Himmelskörper wird, sprüht geradezu über von skurrilsten Einfällen. Die geneigten Leser*innen werden bombardiert mit wirklich „fremden“ Lebensformen, mit einem politischen und kulturellen System, welches ein provozierend unvermitteltes Gegenbild zum Erdenleben darstellt, und mit einem absolut gesetzten ästhetischen Modell, das Technik und Philosophie ganz anders betrachtet und wertet als die traditionelle Science-Fiction-Literatur.

Ähnlich wie bei Olaf Stapledon gelingt es hier einem Außenseiter, in den Kosmos der phantastischen Literatur einzubrechen, ihn aus­zuweiten und um zwei wundervolle Werke reicher zu machen.

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Die große Revolution
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Paul Scheerbart
DIE GROSSE REVOLUTION – ein Mondroman.
LESABÉNDIO – ein Asteroiden-Roman.
Vorwort: Michael Marrak, Nachwort: Hans Frey
Berlin, Hirnkost, 2022, 408 S.
ISBN 978-3-949452-40-6 / 32,00 Euro (bzw. 28,00 Euro im Abonnement)
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 4

Der „aus Wut“ zum Humoristen gewordene Berliner Boheme-Künstler Paul Scheerbart (1863–1915) gehört zu den wenigen wirklich eigenständigen Figuren der phantastischen Literatur. Während H. G. Wells,

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Laylayland

von am 14. November 2022 noch kein Kommentar

Judith und Christian Vogt
LAYLAYLAND – Science-Fiction Roman.
Hamburg, Plan 9, 2022, 330 S.
ISBN 978-3-948700-77-5 / 18,00 Euro

LAYLAYLAND ist mir auf dem wunderbaren BuCon 2022 im hessischen Dreieich am Stand des Hamburger Plan 9 Verlages sofort ins Auge gesprungen. Dafür war aber das angemessen dystopische Titelbild nur zum Teil verantwortlich. Es lag eher an etwas, das literaturwissenschaftlich eindeutig in den Bereich Readers Response Theory (im deutschsprachigen Raum Rezeptionsästhetik genannt) fällt. Menschen fügen beim Lesen immer eigene Erfahrungen und Assoziationen mit ein. In meinem Fall las ich zu „Laylay“ noch „Kay Kay“ hinzu. So rief ich jahrelang meine Jüngste. Ob diese Parallele auch nach der Lektüre noch Bestand hat?

Laylay ist mit ihrem todkranken Freund Zeeto, der unter anderem auch noch eine bipolare Störung hat, und Mtoto, einem virusresistenten Säugling, bei deren Rettung sich Zeeto mit dem Wasteland-Virus angesteckt hat, auf der Suche nach einem Heilmittel gegen das Virus, das gerade dabei ist, den Rest der bisher überlebenden Homo sapiens sapiens auszulöschen.

Der Handlungszeitraum erstreckt sich vom 22. März bis zum 10. April 2064 und genauso flott und Holter-di-polter, wie das klingt, ist der Roman auch geschrieben.

Erzählt wird die Handlung abwechselnd von Laylay, Zeeto und einer namenlosen Cyborg-Person, die sich den Titel Root 2.0 erkämpft hat. Sprachlich unterscheiden sich die verschiedenen Erzählstimmen aufs Feinste.

Der Roman besticht durch ein vertrautes Post-Apokalyptisches Szenario mit marodierenden Banden, (die die nach 40 Jahren noch vorhandenen Vorräte an Medikamenten, Nahrungsmitteln, Maschinen und anderen Schätzen plündern), nomadisierenden Familienverbänden, (die sich vor allem unauffällig verhalten) und kleinen Siedlungen (in denen die Leute versuchen, in Ruhe und Frieden zu leben). Und natürlich gibt es ein aufstrebendes Reich, das versucht, möglichst viel Gebiet zu beherrschen und möglichst viele Menschen zu versklaven.

Soweit nichts aufregend Neues. Spannend ist aber, dass die treibende Kraft in diesem Reich eine Königin ist, die sich ihren Platz durch direkte Ausübung brutaler körperlichen Gewalt erobert hat. Darüber hinaus spielen sich die Ereignisse auf dem Gebiet des ehemaligen Polen und der ehemaligen BRD ab. Die Kultur der Überlebenden ist ein bunter Schmelztiegel, in dem afrikanische, türkische, mitteleuropäische und anglo-amerikanische Einflüsse zusammengekommen sind. Auch das Spektrum der Einstellungen reicht von ultra-weltoffen über ultra-konservativ bis zu ultra-faschistisch.

LAYLAYLAND ist ein sehr spannendes, vielschichtiges Buch voller knallharter Kämpfe auf Leben und Tod, deren Autor*innen sogar mutig genug waren, eine zarte Liebesgeschichte zu spinnen. Sprachlich habe ich lange nichts mehr so Frisches auf Deutsch gelesen, das auch eine ganze Menge Slang und Wortneuschöpfungen bietet.

Interessant finde ich darüber hinaus auch, dass meine Kay Kay eine erstaunlich große Schnittmenge an Charakterzügen und Angewohnheiten mit Laylay teilt. Ist vielleicht auch nicht überraschend, schließlich ist an Wissenschaft immer etwas dran, auch wenn es in diesem Fall „nur“ die Literaturwissenschaft ist.

Matita Leng

PS
LAYLAYLAND ist die Fortsetzung von WASTELAND; der Roman ist allerdings bei Knaur erschienen. Es gibt eine Zusammenfassung am Anfang, sodass LAYLAYLAND auch einzeln lesbar ist.
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Laylayland
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Judith und Christian Vogt
LAYLAYLAND – Science-Fiction Roman.
Hamburg, Plan 9, 2022, 330 S.
ISBN 978-3-948700-77-5 / 18,00 Euro

LAYLAYLAND ist mir auf dem wunderbaren BuCon 2022 im hessischen Dreieich am Stand des Hamburger Plan 9 Verlages sofort ins Auge gesprungen. Dafür war aber das angemessen dystopische Titelbild nur zum Teil verantwortlich. Es lag eher an etwas, das literaturwissenschaftlich eindeutig in den Bereich Readers

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Die Gelehrtenrepublik – Kurzroman aus den Roßbreiten

von am 7. November 2022 noch kein Kommentar

Arno Schmidt
DIE GELEHRTENREPUBLIK. Kurzroman aus den Roßbreiten.
Mit 26 Holzstichcollagen von Thomas Franke, einer Kartenskizze der »Gelehrtenrepublik« von Arno Schmidt und einem editorischen Nachwort von Bernd Rauschenbach
Winnert, p.machinery Michael Haitel, 2022, 243 S.
ISBN 978-3-95765-302-4
Fulminant Fantastische Folianten, Band 1 / Großformat 26 x 18 cm
Hardcover / Normalausgabe 99,90 Euro / Vorzugsausgabe (111 Expl.) in Planung

Arno Schmidts „Kurzroman aus den Roßbreiten“, der 1957 unter dem Titel DIE GELEHRTENREPUBLIK veröffentlicht wurde, liest sich auf den ersten Blick wie ein klassischer Schelmenroman.

In der (damaligen) Zukunft des Jahres 2008 erhält der Journalist Charles H. Winer die (selten erteilte) Erlaubnis, eine schwimmende Insel (aus heutiger Sicht ist es ein überdimensionierter Kreuzfahrtdampfer), die „International Republic of Artists and Scientists“ (kurz auch IRAS oder eben „Gelehrtenrepublik“ genannt), zu besuchen und eine „Homestory“ über deren von der Weltgemeinschaft alimentierte „Bewohner“ (lauter berühmte Künstler und Forscher) zu machen.

Bereits die Anreise wird zum Abenteuer, erfolgt sie doch per Ballonflug über einen sogenannten „Hominidenstreifen“ hinweg, ein riesiges, atomverseuchtes Areal inmitten der USA, das von zwei gigantischen Mauern eingeschlossen ist und von Tier-Mensch-Mutanten bewohnt wird, mit denen jeder Umgang strengstens untersagt ist. Nachdem Winers Ballon dort notlanden muss, kommt er allerdings ungewollt in sehr direkten (und teileweise auch sehr intimen) Kontakt mit den dort lebenden Zentauren.

Endlich auf der IRAS angekommen, braucht Winer nicht allzu lange, um herauszufinden, dass auch in einer „Gelehrtenrepublik“, dieser scheinbar zivilisiertesten aller Gesellschaften, der Schein trügt. Die in zwei politische Lager geteilte Insel, auf der die IRAS-Bewohner durch die Weltmeere schippern, erweist sich als „Labor“, in dem zum Beispiel Sportler mittels Bioengineering zu Höchstleistungen gebracht und sogar die Gehirne der Genies von den jeweiligen Geheimdiensten „entführt“ werden.

Bei Schmidt liest sich das zuerst einmal sehr unterhaltsam, bis man dann merkt, welche Schrecken unter dieser obersten Erzählschicht liegen. Zutiefst pessimistisch ist Schmidts Erkenntnis, dass sich die alteingefahrenen Muster von Machtmissbrauch und Schwarz-Weiß-Denken, von skrupellosem Gewinnstreben und naivem Obrigkeitsglauben auch nach einem Atomkrieg nicht ändern werden.

Im Verlag p.machinery erschien nun Anfang Oktober eine außergewöhnliche und hochpreisige Neuausgabe der GELEHRTENREPUBLIK. Bei diesem Künstlerbuch im Überformat (26 x 18 cm) handelt es sich um den ersten Band der Reihe „Fulminant Fantastische Folianten“, die der Künstler Thomas Franke gemeinsam mit Verleger Michael Haitel ersonnen hat. Das Werk zieren 26 Holzstichcollagen Frankes (sowie ein Faksimile mit Schmidts Planskizze der schwimmenden Insel IRAS), viele davon als ausklappbare Doppelseiten angelegt. Nach dem Nachwort von Bernd Rauschenbach äußert sich auch Franke kurz zu seinen programmatischen Überlegungen. Zusätzlich zur (bereits vorliegenden) „Normalausgabe“ ist eine „Vorzugsausgabe“ von 111 Exemplaren in Planung, die eine zusätzliche, nummerierte und signierte Grafik enthalten soll. Beide Ausgaben sind in CABRA eingebunden, einem Material, das sich anfühlt als würde man(n) eine Zentaurin streicheln. Gefühlsecht!

Horst Illmer
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Arno Schmidt Die Gelehrtenrepublik
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Arno Schmidt
DIE GELEHRTENREPUBLIK. Kurzroman aus den Roßbreiten.
Mit 26 Holzstichcollagen von Thomas Franke, einer Kartenskizze der »Gelehrtenrepublik« von Arno Schmidt und einem editorischen Nachwort von Bernd Rauschenbach
Winnert, p.machinery Michael Haitel, 2022, 243 S.
ISBN 978-3-95765-302-4
Fulminant Fantastische Folianten, Band 1 / Großformat 26 x 18 cm
Hardcover / Normalausgabe 99,90 Euro / Vorzugsausgabe (111 Expl.) in Planung

Arno Schmidts „Kurzroman aus den Roßbreiten“, der 1957

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Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction 3: Ini

von am 2. November 2022 noch kein Kommentar

Julius von Voss
INI.
Roman aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert.
Vorwort: Hans Frey, Nachwort: Hans Esselborn
Berlin, Hirnkost, 2022, 276 S.
ISBN 978-3-949452-34-5 / 32,00 Euro (bzw. 28,00 Euro im Abonnement)
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 3

Schon vor Jahren stieß ich bei Forschungen über die frühe deutsche Science Fiction in der Sekundärliteratur auf Julius von Voss und INI, seinen 1810 erstmals erschienenen Roman aus dem 21. Jahrhundert. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es praktisch unmöglich war, dieses Buch aufzutreiben und zu lesen. Und das, obwohl es sich, nach den Beschreibungen, ganz offensichtlich um einen recht ansprechenden Text zu handeln schien. Im Hirnkost Verlag hat man sich jetzt meiner, der Genreforschung und der interessierten Leserschaft erbarmt und INI nach über zweihundert Jahren neu herausgegeben. Damit hat das lange Warten und Suchen ein Ende – und das Werk übertrifft tatsächlich noch die kühnsten Erwartungen.

Der Roman spielt am Ende des 21. Jahrhunderts und beschreibt anhand der Liebesgeschichte von Guido und Ini, das durch stetigen Fortschritt wesentlich weiter entwickelte Leben der Menschheit. Die sittlich-moralische Bildung seiner Hautpersonen begleitend, führt uns Julius von Voss durch diese Zeit und lässt uns die Wunder der von ihm erdachten Zukunft schauen.
Die beiden Königskinder Guido und Ini wachsen auf Sizilien in benachbarten Häusern auf, angeleitet von Mentoren, denen von den Eltern der Auftrag erteilt wurde, künftige Führungspersönlichkeiten mit idealen Charakterzügen heranzubilden. Natürlich verlieben sich die Beiden ineinander. Als Guido Ini seine Liebe gesteht, entwirft ihm diese ein Ideal-Bild, dem er sich durch stetiges geistiges und körperliches Streben annähren soll. Bis er dies erreicht hat, will auch Ini an sich arbeiten – und ihn dann erhören. Guido nimmt diese Herausforderung an.
Er reist in Begleitung seines Lehrers durch Europa, lernt die Geschichte und politische Entwicklung der »Vereinigten Staaten von Europa« kennen, dient im Heer, bei der Luftwaffe und in der Marine, um danach in den Metropolen der alten Welt auch noch das mondäne Leben der Schönen und Reichen kennen zu lernen.
Anschließend führt die Reise nach Amerika (mittels einer von Walen gezogenen »Reise-Insel«) und weiter zum Nordpol. Dort erleidet er Schiffbruch und muss ein ganzes Jahr am unwirtlichsten Punkt der Erde überleben. Als eine zweite Expedition ihn endlich findet und rettet, hat sich die weltpolitische Situation dramatisch zugespitzt. Die diversen Blöcke (Europa, Asien, Afrika) sind sich spinnefeind und beginnen einen Weltkrieg …

Bei INI handelt es sich zuforderst um einen klassischen Erziehungs- und Bildungsroman. Das von der geliebten Ini aufgestellte Ideal gilt es für Guido zu erreichen. Seine Ausbildung, seine Mühen und Kämpfe, seine Entsagungen und Erlebnisse führen ihn auf dieses Ziel hin.
Zugleich versucht sich Julius von Voss allerdings auch als Zukunftsdeuter und greift mit seinen utopischen und phantastischen Darstellungen weit voraus. Die Darstellung des politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kriegerischen Wesens der zukünftigen Gesellschaft zeugen von der regen Phantasie des Verfassers und seinem reichen Schatz an ironischen und humoristischen Ideen.
Interessant sind sowohl die politischen wie die technischen Veränderungen, die Voss für die nächsten Jahrhunderte antizipiert: Verbesserungen beim Luftverkehr, bei der Kommunikation und im häuslichen Bereich helfen, das Leben der Menschen zu vereinfachen. Die meisten näher ausgeführten Erfindungen sind waffentechnischer Art werden jedoch oftmals für den zivilen Gebrauch weiterentwickelt. Die politischen Verbesserungen, hin zu einem mittels Verfassung gesicherten Gesamteuropa, sind wohlüberlegt, aber immer noch utopisch.

Die Originalausgabe von 1810 wurde in einen Neusatz übertragen. Die Kommentare von Hans Frey und Professor Esselborn geben wertvolle Erläuterungen zu Leben und Werk des ehedem erfolgreichen und bekannten, inzwischen aber völlig vergessenen Autors sowie zur Textgestalt und einigen zeitgleich veröffentlichten Werken u. a. von Jean Paul.

Mit INI ist einer der wichtigsten frühen Science-Fiction-Texte in deutscher Sprache endlich zugänglich. Hier zeigt sich, dass auch in Deutschland bereits zur Goethe-Zeit hervorragende utopisch-phantastische Literatur geschrieben wurde. Dieses Buch ist eine echte Entdeckung und es zu lesen macht (trotz der manchmal für moderne Augen ein wenig ungewohnten Sprache) riesigen Spaß und bringt (vor allem wegen der teilweise immer noch nicht erreichten Wunschvorstellungen und manchmal auch wegen der zutreffenden Einsichten in die immer noch recht traurigen politischen Verhältnisse) zum Nachdenken – und Träumen.
Ein sehr empfehlenswertes Buch, das von der Liebhaberin der utopischen Literatur bis zum Fan historischer Romane alle anzusprechen vermag.

Horst Illmer
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Ini – Roman aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert
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Julius von Voss
INI.
Roman aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert.
Vorwort: Hans Frey, Nachwort: Hans Esselborn
Berlin, Hirnkost, 2022, 276 S.
ISBN 978-3-949452-34-5 / 32,00 Euro (bzw. 28,00 Euro im Abonnement)
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 3

Schon vor Jahren stieß ich bei Forschungen über die frühe deutsche Science Fiction in der Sekundärliteratur auf Julius von Voss und INI, seinen 1810 erstmals erschienenen Roman aus

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Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction 1: Der Tunnel

von am 17. Oktober 2022 1 Kommentar

Bernhard Kellermann
DER TUNNEL.
Vorwort: Andreas Eschbach, Nachwort: Hans Frey
Berlin, Hirnkost, 2022, 485 Seiten
ISBN 978-3-949452-28-4 / 32,00 Euro / 28,00 Euro im Abonnement
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 1

Egal ob technische Großprojekte wie Stuttgart 21 oder das Constellation-Raumfahrtprogramm der NASA, irgendwer zieht deren Realisierung, den Sinn des Ganzen, die Finanzierbarkeit oder unsere technischen Fähigkeiten dazu in Zweifel oder gibt die ethisch-moralischen Verwicklungen, die dabei entstehen könnten, zu Protokoll.
Wie einfach hatten es da die Erfinder, Ingenieure, Planer, Politiker, Wissenschaftler (und Kapitalisten) in der „guten alten Zeit“. Da spielten alle diese Punkte doch gar keine Rolle!?

Nun, ganz so war es dann doch wohl auch nicht. Jedenfalls nicht, wenn man in Bernhard Kellermanns technischer Zukunftsutopie DER TUNNEL einmal genau nachliest. Zwar schwappt in dem 1913 erstmals erschienen Roman zuerst eine fast grenzenlose Welle der Begeisterung von der amerikanischen Ostküste an die französische Atlantikküste (den beiden Endpunkten des geplanten Eisenbahntunnels zwischen den USA und Europa), doch als sich die ersten Schwierigkeiten zeigen, beginnt es auch für den Industriellen Mac Allan und sein „Atlantic-Tunnel-Syndikat“ eng zu werden. Dass und wie weitergebaut wird, gehört dann zu den Dingen, die uns Heutigen zeigen, dass sich so viel in den letzten hundert Jahren gar nicht geändert hat …

Das trifft es sich doch hervorragend, dass der Titel soeben wieder in einer vorbildlich editierten Neuauflage zugänglich ist. Versehen mit einem begeisterten Vorwort von Andreas Eschbach und einem klugen, ausführlichen Nachwort von Hans Frey, bildet der Roman den Auftakt einer neuen Buchreihe mit lange vergriffenen Meisterwerken aus einer Zeit, als bei uns Science Fiction noch „Erzählung aus der Zukunft“ hieß.

Horst Illmer
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Der Tunnel
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Bernhard Kellermann
DER TUNNEL.
Vorwort: Andreas Eschbach, Nachwort: Hans Frey
Berlin, Hirnkost, 2022, 485 Seiten
ISBN 978-3-949452-28-4 / 32,00 Euro / 28,00 Euro im Abonnement
Hardcover mit Lesebändchen
Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction, Band 1

Egal ob technische Großprojekte wie Stuttgart 21 oder das Constellation-Raumfahrtprogramm der NASA, irgendwer zieht deren Realisierung, den Sinn des Ganzen, die Finanzierbarkeit oder unsere technischen Fähigkeiten dazu in Zweifel oder gibt die

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Das Science Fiction Jahr 2022

von am 12. Oktober 2022 noch kein Kommentar

Hardy Kettlitz & Melanie Wylutzki (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2022.
Berlin, Hirnkost, 2022, 570 Seiten
ISBN 978-3-949452-69-7 / 28,00 Euro
Klappenbroschur

„Zunächst muss jedoch festgestellt werden, dass es offenbar leichter ist, sich ein Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Während der Postkolonia­lismus bereits als Thema in der neuen Space Opera angekommen ist, bleibt der Postkapitalismus noch nicht denkbar. Und was nicht vorstellbar ist, kann auch nicht Zukunft werden.“
Soweit Aiki Mira in ihrem überaus lesenswerten Essay „Die neue Space Opera im Zeitalter der kommerziellen Raumfahrt“, veröffentlicht im soeben erschienenen Jahrbuch DAS SCIENCE FICTION JAHR 2022.
Die fleißigen Herausgeber Hardy Kettlitz und Melanie Wylutzki haben es mal wieder geschafft und erneut ein SCIENCE FICTION JAHR zusammengetragen, lektoriert, gesetzt und veröffentlicht. Der Schwerpunkt im SCIENCE FICTION JAHR 2022 liegt diesmal auf der privat finanzierten Raumfahrt und den ökonomischen Interessen und Versuchungen, die dadurch entstehen.
Die Betrachtungen, Essays und Übersichts- Artikel dazu stammen u. a. von Judith Vogt (über die Science-Fiction-Autorinnen Octavia E. Butler und Mary R. Kowal), Bernd Flessner (über superreiche Raumfahrtpioniere), Hartmut Kasper (über Kolonien im Weltraum) und Wolfgang Neuhaus (über John Brunners Meisterwerk MORGENWELT).
Dazu gibt es wie gewohnt jede Menge Besprechungen und Informationen zu Allem was die Science-Fiction-Gemeinde im letzten Jahr beschäftigt hat.
Mehr als dreißig Beiträger*innen widmeten ihre Zeit und Arbeitskraft diesem nach wie vor unverzichtbaren (und immerhin schon zum 37. Mal erscheinenden) Jahrbuch – also unbedingt kaufen!

Horst Illmer
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Das Science Fiction Jahr 2022
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Hardy Kettlitz & Melanie Wylutzki (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2022.
Berlin, Hirnkost, 2022, 570 Seiten
ISBN 978-3-949452-69-7 / 28,00 Euro
Klappenbroschur

„Zunächst muss jedoch festgestellt werden, dass es offenbar leichter ist, sich ein Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Während der Postkolonia­lismus bereits als Thema in der neuen Space Opera angekommen ist, bleibt der Postkapitalismus noch nicht denkbar. Und was nicht

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Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt

von am 28. September 2022 noch kein Kommentar

Erika, Swyler
Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt
Originaltitel: Light from other Stars
Übersetzung: Astrid, Finke
Blanvalet Taschenbuchverlag 445 Seiten 2022 € 11,00
ISBN: 9783734111242

Dünnes Eis, auf das ich mich begebe. Das Buch ist definitiv bei unserer Kundschaft relativ schlecht angekommen (Die gebundene Version ist bereits 21 erschienen). Zu zäh, zu verwirrend technisch, zu emotional, zu ungreifbar, zu…

Und ja, ich kann vieles davon nachvollziehen. Auch mir ist das Lesen nicht immer flüssig von der Hand gegangen. Ich habe immer wieder einzelne Absätze nachgelesen. Trotzdem hat mich das Buch auf eine seltsame Weise absolut fasziniert. Der SF Aspekt ist trotz des relativ anspruchsvollen technischen und physikalischen Anteils im Grunde nur ein erzählerischer Kniff. Denn im Grunde dreht sich die komplette Geschichte um zwischenmenschliche Beziehungen, Eltern Kind Ängste und Gefühlswelten. Entsprechend habe ich große Teile des Buches auch eher gefühlsmäßig als mit dem Verstand aufgenommen. Erika Swyler schreibt den Roman mit den zwei Zeitebenen einer Jugend in den 80ern und einer Reise zu fremden Welten in einer nicht näher definierten Zukunft fast eher wie eine Anthologie. Die Stränge sind teilweise stilistisch und handlungsbezogen derart weit entfernt, dass es fast wie ein Bruch wirkt. Ich war lange Zeit nicht sicher, ob ich den Stil einfach nur unfertig finden soll, oder ob mich genau das als bewusst gesetztes Mittel fasziniert.

Nedda ist Teil der Crew des Raumschiffes "Chawla". Auf dem Weg zu einem fernen Planeten. Die, vor allem zu Anfang, über weite Strecken in Neddas Erinnerung an ihre Kindheit spielende Handlung ist gefühlvoll und sprachlich wunderbar an eine kindliche Sicht angepasst. Die Verknüpfung der Geschehnisse damals und der in der zukünftigen Handlungsebene zu bewältigenden Probleme ist physikalisch und emotional verknüpft. Es fällt mir schwer das in Worte zu fassen, ohne Spoiler, der ohnehin stark durch meine persönliche Wahrnehmung gefärbt wäre.

Deswegen belasse ich es dabei, euch einfach das Buch nahezulegen. All denen, die zwischen den Zeilen und mit dem Herzen lesen. Ähnlich wie "Gewitter über Pluto" von Herrn Steinfest ist auch das vorliegende Werk von Erika Swyler ein SF Roman, ohne einer zu sein. Wenn ihr also diese Erwartungshaltung ausschalten könnt, euch an gewagten Gedankenspielen und einfühlsamer Sprache erfreuen könnt: Lesen.

Erika, Swyler
Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt
Originaltitel: Light from other Stars
Übersetzung: Astrid, Finke
Blanvalet Taschenbuchverlag 445 Seiten 2022 € 11,00
ISBN: 9783734111242
Dünnes Eis, auf das ich mich begebe. Das Buch ist definitiv bei unserer Kundschaft relativ schlecht angekommen (Die gebundene Version ist bereits 21 erschienen). Zu zäh, zu verwirrend technisch, zu emotional, zu ungreifbar, zu…
Und ja, ich kann vieles

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Freiheitsgeld von Andreas Eschbach

von am 5. September 2022 noch kein Kommentar

Eschbach, Andreas
Freiheitsgeld
Lübbe Hardcover 26.08.2022
526 Seiten 25,- €
ISBN 9783785728123

Noch ganz frisch, der neue Roman von Andreas Eschbach. Bereits der zweite nach "Eines Menschen Flügel". Ihr wisst, wie ich das Buch gefeiert habe und immer noch fällt es mir schwer, nicht jedes weitere seiner Bücher an diesem Werk zu bemessen. Ist vielleicht ein wenig ungerecht von mir, aber so ist das eben.

Dabei lese ich von Anfang an jedes Buch von Herrn Eschbach und bin selten wirklich enttäuscht gewesen. Man muss sich wohl damit abfinden, dass der explizite Phantastik Leser nicht die direkte Zielgruppe ist. So gut die Ideen eigentlich immer sind, bleibt die letztendliche Auflösung dann doch fast immer harmloser und netter, als die oft explosiven Themen hoffen lassen. Dem Mainstream geschuldet. Kann ich verstehen, schließlich will Herr Eschbach weiterhin auf den Bestsellerlisten ganz oben angesiedelt sein. Verdient ja seine Brötchen damit. Da muss man den ein oder anderen bitteren Drop dann doch vorher rundlutschen. Warum ich doch immer wieder dabei bleibe? Weil die Ideen wirklich gut, die Erzählweise spannend und auch die Sprache "angenehm passend" ist.

Auch "Freiheitsgeld" reißt Themen an, die mir wichtig sind und die in meinen persönlichen utopischen oder dystopischen Tabernakel gehören. Wie gewohnt ist der Aufbau spannend und der Leser erfährt in kurzen schlaglichtartigen (Aktion)Szenen gleich zu Beginn, wann die Geschichte spielt, nämlich in einer nicht allzu fernen Zukunft, basierend auf Entscheidungen, die in einem denkbaren Heute getroffen wurden und was die großen Themen sind. Leider waren mir die Unterschiede zwischen dem Hier und Jetzt und dieser erdachten Zukunftswelt noch ein wenig "harmlos". Und die "angenehm passende" Sprache wirkt diesmal tatsächlich viel zu schwach oder gar unpassend. Begrifflichkeiten und auch Gegenstände des täglichen Bedarfs, die schon heute aus der Mode gekommen sind, werden fleißig weiterbenutzt. Vielleicht sind diesmal die Zugeständnisse an ein Bestsellerlisten Publikum einfach zu deutlich. Trotzdem hat mich Andreas Eschbach sofort gepackt und so konnte ich das Buch nur selten aus der Hand legen.

Die Geschichte mit dem bedingungslosem Grundeinkommen, dem Überwachungsstaat, soziale Apartheid, der opportunistischen Denkweise der Individuen und die letztendlichen Konsequenzen habe ich schon härter und glaubwürdiger gelesen, aber selten so leicht verpackt. Entsprechend lässt sich das Buch fast in einem Rutsch durchlesen, hält den Leser auf Trapp und bei Laune und am Ende verzeit man die der Massenkompatibilität geschuldete Harmlosigkeit. Immerhin lässt Herr Eschbach ausreichend Platz für die eigene Phantasie.

Wie bei (fast) jedem seiner Bücher hätte ich mir am Ende mehr Härte und Konsequenz gewünscht. Andererseits ist vielleicht gerade die in der eigenen Vorstellungskraft ablaufende, innere Diskussion dann doch mehr wert, als man zuerst wahrnimmt. Deswegen von meiner Seite eine Empfehlung für Leser, die dem Genre nicht so treu und mit ihm nicht so vertraut sind, wie ich. Und immer noch ein sehr unterhaltsamer Tipp, für alle, die eben das Mainstream Auge zudrücken können und sich einfach gerne von Herrn Eschbach unterhalten lassen.

Eschbach, Andreas
Freiheitsgeld
Lübbe Hardcover 26.08.2022
526 Seiten 25,- €
ISBN 9783785728123

Noch ganz frisch, der neue Roman von Andreas Eschbach. Bereits der zweite nach "Eines Menschen Flügel". Ihr wisst, wie ich das Buch gefeiert habe und immer noch fällt es mir schwer, nicht jedes weitere seiner Bücher an diesem Werk zu bemessen. Ist vielleicht ein wenig ungerecht von mir, aber so ist das eben.
Dabei

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GRM oder GRiMe

von am 22. August 2022 noch kein Kommentar

GRM – Brainfuck
Berg, Sibylle
Kiepenheuer & Witsch 2019
Hardcover 9783462051438 € 25,00
Paperback 9783462000207 € 14

Die ENTSCHULDIGUNG: Ich gestehe es. Ich bin relativ unbedarft an diesen Roman von Sibylle Berg herangegangen. Diese Naivität war bereits nach wenigen Seiten vaporisiert. Irgendwie zwischen Faszination, Fassungslosigkeit und Impertinenz.

Ich bin wegen der Fortsetzung "RCE – #RemoteCodeExecution" zufällig im Kundengespräch über das Buch gestolpert. Wie so oft schamvoll versteckt im Verlagsprogramm ohne Hinweis auf Science Fiction oder Dystopie. Im Nachhinein war das wohl wieder ein peinlicher blinder Fleck in meiner unzureichenden, maskulinen Wahrnehmung. Ich sag nur Spiegel-Bestsellerliste, eigener Wikipedia-Eintrag (für das Buch!), riesige Fangemeinde. Wie gesagt, ich gestehe es.

Und dann habe ich dieses Buch auch noch als geeignetes, unterhaltsames Hörbuch für eine Autofahrt in einen Kurzurlaub mit einem befreundeten Pärchen gewählt. Ich höre da immer gerne um die Fahrtzeit zu verkürzen und eben nebenbei zu lesen, ohne zu lesen. Mir war nicht klar, dass ich Pandoras Büchse in den MP3 Player gepackt habe.

Das ERGEBNIS: Wir sind nicht ganz fertig geworden. Alle wollten unbedingt weiterlesen und ich habe das Buch jeweils bestellt.

Das BUCH: Ganz ehrlich, ich habe noch nie einen so wütenden, bösen und gleichzeitig faszinierend realen Roman über unsere Welt und unsere Zukunft gelesen. "Die Straße" von Cormac McCarthy wirkt dagegen wie eine romantische Erzählung. Dazu tragen die entlarvend direkte Sprache, die plakativen Charaktere und die absolute Nähe zur Realität bei.  Erst spät im Buch wird aus dem hässlichen Zerrbild der Gegenwart eine  noch viel hässlichere Zukunft. Abscheu und eine sieche Akklamation fesseln den Leser oder in unserem Fall den Hörer. Ich habe das Buch am Ende dann noch fertig gehört UND gelesen. Es hält, was es verspricht. Bitter bis zum Ende. Selbst der aufglimmende Funke von Hoffnung erlischt. Als wäre es den Protagonisten nicht mehr möglich, eigene Entscheidungen zu treffen.

"Wenn ein Mensch nicht wählen kann, hört er auf, Mensch zu sein" (Anthony Burgess in Clockwork Orange)

Der TITEL: Der den Titel gebende Musikstil Grime ist tatsächlich im Londoner Eastend entstanden. Kaputte, aggressive No Future Jugendbewegung. Punk von heute.

Die AUTORIN: (oder "an die Autorin") Das Buch hat die Wucht eines Dampfhammers. Dabei wird mit dessen Hilfe ein virtuos gefaltetes Stück Stahl geschmiedet. Glühend die Sprache, hitzig die Sicht der Dinge, scharf die Zunge und tödlich die Sense.

Ich würde dieses Buch gerne vollständig verehren und lieben können. Ich bin seit den ersten paar Minuten des Zuhörens und später des Lesens fasziniert. Ich hätte diesem Buch gerne den (zeitgemäßen) Stellenwert eines "Der Report der Magd" von Margaret Atwood und die treffsichere Kühle eines "Unterleuten" von Juli Zeh attestiert. Immer wieder zwischendrin war ich auch davon überzeugt, dass ich am Ende genau an diesem Punkt stehen würde. So wie ich es sehe gibt es eine gewaltige Gruppe Fans, die das wohl auch so sehen. Nichts für ungut. Ich liebe das Buch (und mittlerweile auch weitere), aber manchmal ist mir die eskalierende Frustration zu Y lastig, der Fokus zu zentriert, die exemplarischen Lebenswege zu plakativ. Für den Olymp reicht es mir nicht ganz. Aber vermutlich soll dieses Buch ja gar nicht meinen persönlichen Gerd Award bekommen, sondern einfach nur Luft machen, aufrütteln und schreien. Und das kann es hervorragend. Ich gebe nur zu bedenken, dass man mit extremer Provokation selten Erkenntnis oder Sympathie für die Sache erzeugt. Und der reale Bezug braucht mehr als nur zustimmendes Nicken aus den eigenen Reihen.

Manchmal muss man sich halt einfach Luft machen. Und bei derart eloquenter Stimme kommt dann ein Buch heraus, dessen Lektüre ich (mit Verspätung) einfach nur empfehlen muss.

RCE – #RemoteCodeExecution
Berg, Sibylle
Kiepenheuer & Witsch 2022
Hardcover 9783462001648 € 26,00

GRM – Brainfuck
Berg, Sibylle
Kiepenheuer & Witsch 2019
Hardcover 9783462051438 € 25,00
Paperback 9783462000207 € 14

Die ENTSCHULDIGUNG: Ich gestehe es. Ich bin relativ unbedarft an diesen Roman von Sibylle Berg herangegangen. Diese Naivität war bereits nach wenigen Seiten vaporisiert. Irgendwie zwischen Faszination, Fassungslosigkeit und Impertinenz.
Ich bin wegen der Fortsetzung "RCE – #RemoteCodeExecution" zufällig im Kundengespräch über das Buch gestolpert. Wie so oft schamvoll

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Unter den Sternen von Tha

von am 17. August 2022 noch kein Kommentar

Heribert Kurth
UNTER DEN STERNEN VON THA.
Die Niederschriften zum Fonpo-Rätsel.
Winnert, p.machinery, 2020, 227 S.
ISBN 978-3-95765-169-3 / 15,90 Euro

Es passiert mir nur noch äußerst selten, dass ich das Buch eines deutschen Autors lese (gar ein Erstlingswerk) und mir schon über dessen „Einsortierung“ (Roman oder Geschichtensammlung) nicht klar werden kann, geschweige denn darüber, was ich davon halten soll. Deshalb ist diese Besprechung unter anderem auch ein Klärungsprozess für das Gemüt des Rezensenten.
Was zuerst (auch optisch) auffällt, ist die extreme „Kleinteiligkeit“ des Textes. Es handelt sich um hunderte von Ideen-Keimen, oftmals nur wenige Sätze lang, manchmal ein paar Seiten, nur selten ganze Kapitel. Aneinandergelegt (wenn auch erst nach einer Sortierung durch das Leserhirn) ergeben diese Puzzleteile ein stimmiges Gesamtbild – aber die einzelnen „Keime“ enthaltenen oftmals ganz eigenständige Bilder, aus denen sich dutzende exzellenter Kurzgeschichten machen ließen.
Den Inhalt dieser (laut Untertitel) „Niederschriften zum Fonpo-Rätsel“ könnte man gleichermaßen als Zukunfts-Historie (unsere nächsten 500.000 Jahre!) wie als originellen Weltschöpfungs-Mythos (wo und wann begann das alles?) beschreiben, allerdings braucht Kurth für seine Ausarbeitung kaum mehr als 200 Seiten.
Und während ich noch über Vorläufer wie Olaf Stapledon oder J. R. R. Tolkien nachsinnen wollte, legte mir der Zufall die kaum vier Seiten umfassende Kurzgeschichte „Und so weiter, und so weiter“ von James Tiptree Jr. in die Hände – es gereicht beiden zur Ehre: Tiptree dafür, Jahrzehnte vorher Kurths Vorstellungen bereits auf ein Atom konzentriert zu haben, und Kurth dafür, bei diesem Vergleich durchaus bestehen zu können.
UNTER DEN STERNEN VON THA versucht sich daran, eine Gesamtschau menschlicher Politik, Kultur und Religion zu entwerfen, ohne dabei allzu sehr ins Metaphysische und Schwammig-Religiöse abzudriften. Einer meiner Lieblings-Ideen-Keime ist Kurths ganz pragmatischer Entwurf für ein „Valutaregister“ – (s)eine Form eines galaxisweiten Grundeinkommens!
Ein befreundeter Buchhändler pflegte, wenn er einem seiner eifrigen Adepten ein Buch mit besonderem Nachdruck ans Herz legen wollte, zu sagen, dass man ebenjenen Titel „nicht Jedem“ empfehlen könne. Das machte aus Buch und Leser ein magisches Amalgam und beförderte gleichermaßen Leselust und Aufmerksamkeit.
In diesem Sinne ist UNTER DEN STERNEN VON THA definitiv ein Buch, das ich „nicht Jedem“ empfehlen kann.

Horst Illmer
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Unter den Sternen von Tha
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Heribert Kurth
UNTER DEN STERNEN VON THA.
Die Niederschriften zum Fonpo-Rätsel.
Winnert, p.machinery, 2020, 227 S.
ISBN 978-3-95765-169-3 / 15,90 Euro

Es passiert mir nur noch äußerst selten, dass ich das Buch eines deutschen Autors lese (gar ein Erstlingswerk) und mir schon über dessen „Einsortierung“ (Roman oder Geschichtensammlung) nicht klar werden kann, geschweige denn darüber, was ich davon halten soll. Deshalb ist diese Besprechung

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Titans Kinder

von am 8. August 2022 Kommentare deaktiviert für Titans Kinder

Aiki Mira
TITANS KINDER. Eine Space-Utopie.
Winnert, p.machinery, 2022, 194 Seiten
ISBN 978-3-95765- 294-2
Kartoniert / 14,90 Euro

Dieses Jahr scheint das Jahr des literarischen Durchbruchs für Aiki Mira zu sein: Nicht nur, dass sie für ihre Geschichte „Utopie 27“ (aus der Hirnkost-Anthologie AM ANFANG WAR DAS BILD) sowohl den Kurd Laßwitz Preis als auch den Deutschen Science Fiction Preis abräumen konnte, bei p.machinery erschien mit TITANS KINDER auch ihr erster Roman.

Als der ESA-Astronaut Marlon kurz vor Erreichen des Mars erfährt, dass er mit seinen zwei Kolleginnen auf einer Geheimmission und ihr eigentliches Ziel der Saturn-Mond Titan ist, braucht er einige Zeit, um das zu verarbeiten und akzeptieren zu können. Als die ESP3 Titan schließlich erreicht und Marlon endlich mehr über die Hintergründe erfährt, vor allem aber, als er die inzwischen auf dem Titan etablierte Mensch-Alien-Kolonie näher kennen lernt, ist er mit seinem Schicksal, nie wieder zur Erde zurückkehren zu können, versöhnt.

Auf nicht einmal 200 Seiten entwickelt Mira „eine Space-Utopie“, die gleichermaßen auf großen Genre-Klassikern wie Arthur C. Clarke und Robert A. Heinlein aufbaut und doch erzähltechnisch absolut auf der Höhe der Zeit ist. In TITANS KINDER gibt es Raumschiffe und KIs, Aliens und Genderprobleme, internationale Verwicklungen und hilfreiche NGOs.

Wenn es nicht so abgedroschen klänge, würde ich sagen: Ich habe die Zukunft der deutschen Science Fiction gesehen!

Horst Illmer
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Titans Kinder
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Aiki Mira
TITANS KINDER. Eine Space-Utopie.
Winnert, p.machinery, 2022, 194 Seiten
ISBN 978-3-95765- 294-2
Kartoniert / 14,90 Euro

Dieses Jahr scheint das Jahr des literarischen Durchbruchs für Aiki Mira zu sein: Nicht nur, dass sie für ihre Geschichte „Utopie 27“ (aus der Hirnkost-Anthologie AM ANFANG WAR DAS BILD) sowohl den Kurd Laßwitz Preis als auch den Deutschen Science Fiction Preis abräumen konnte, bei p.machinery erschien

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Nachruf auf H. W. Franke (1927 – 2022)

von am 20. Juli 2022 Kommentare deaktiviert für Nachruf auf H. W. Franke (1927 – 2022)

Herbert W. Franke ist im Alter von 95 Jahren gestorben!
Wie jetzt? War das nicht erst gestern, dass ich ihm in der EXODUS zu seinem 90. Geburtstag gratuliert habe – und kurz vorher in der phantastisch! die Frage stellte: „Was macht eigentlich … Herbert W. Franke?“ So war es eigentlich immer mit diesem Wiener Tausendsassa – wenn man ihn irgendwo dingfest machen wollte, war er schon wieder weiter. Rastlos verfolgte er mehr als ein halbes Dutzend Karrieren, von denen jede Einzelne für einen „Normalmenschen“ ausgereicht hätte. Egal ob als Schriftsteller, Herausgeber, Dichter, Dramatiker, Höhlenforscher, Computer-Künstler, Philosoph, Philologe, Futurologe, immer gab er sein Bestes und immer stellte er sein Publikum zufrieden. Experimentierfreudig, innovativ, unabhängig – all dies traf auf Herbert W. Franke zu wie auf kaum einen anderen deutschsprachigen Künstler, der sich in die vermeintlichen Niederungen der Genreliteratur begeben hat. Unbedingt hinzufügen muss ich an dieser Stelle noch ein „großzügig“! In den Genuss dieser Großzügigkeit kamen 1980 eine Handvoll junger Science-Fiction-Fans aus Würzburg, die, ohne große Ahnung und eigentlich recht naiv und respektlos, den arrivierten Professor Doktor Franke anschrieben, ob er nicht „irgendwas“ hätte, das sie in ihrem, noch in Planung befindlichen, neuen „Magazin für Science-Fiction“ veröffentlichen könnten? Unfassbar freundlich und eben auch großzügig stellte Herbert W. Franke uns das Drehbuch für sein soeben fertiggestelltes Fernsehspiel „Die Stimmen der Sylphiden“ (Produziert vom ZDF) zur Verfügung, das dann auch das Herzstück des ersten COSMONAUT wurde. (Für meine Illustrationen wage ich mich bis heute nicht zu entschuldigen – ich war jung und wollte den Ruhm.) Als „Bezahlung“ (natürlich hatte Franke von uns keinerlei Entlohnung verlangt) sandten wir ihm damals zwei „Bocksbeutel“ – und unseren tief empfundenen Dank.
Prof. Dr. phil. Herbert W. Franke wurde am 14. Mai 1927 in Wien geboren. An der dortigen Universität studierte er Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. 1950 Dissertation zum Doktor der Philosophie. Von 1973 bis 1997 hatte er einem Lehrauftrag für »Kybernetische Ästhetik und Computerkunst« an der Universität München. Weitere Lehraufträge u. a. für Computergrafik an der Akademie der Bildenden Künste München und für eine »Einführung in die Science-Fiction-Literatur« an der Hochschule für Gestaltung in Bielefeld. 1979 war er Mitbegründer des ARS ELECTRONICA-Festivals in Linz, Österreich. 1980 wurde Herbert W. Franke zum Mitglied des deutschen PEN-Clubs gewählt; im selben Jahr wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Seit 1957 veröffentlichte Franke Sachbücher und erzählende Texte, darunter etwa 20 SF-Romane, mehrere Story-Sammlungen und Dutzende Anthologien. Er war jahrelang für die SF-Programme der Verlage Goldmann und Heyne verantwortlich, gab bei Ullstein 1984 die Reihe „Ozeanische Bibliothek“ heraus, und erhielt für sein Schaffen mehrfach den Deutschen Science Fiction Preis und den Kurd Laßwitz Preis. Seit 2015 sind in der von p.machinery veranstalteten Herbert W. Franke-Werkausgabe bereits 18 Bände erschienen.
Am 16. Juli 2022 informierte seine Frau Susanne Päch die Öffentlichkeit über das Ableben ihres „geliebten Dinosauriers“ (Päch).

Horst Illmer

Herbert W. Franke ist im Alter von 95 Jahren gestorben!
Wie jetzt? War das nicht erst gestern, dass ich ihm in der EXODUS zu seinem 90. Geburtstag gratuliert habe – und kurz vorher in der phantastisch! die Frage stellte: „Was macht eigentlich … Herbert W. Franke?“ So war es eigentlich

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Zerbrechliche Dinge: Geschichten und Wunder

von am 15. Juni 2022 Kommentare deaktiviert für Zerbrechliche Dinge: Geschichten und Wunder

Neil Gaiman
ZERBRECHLICHE DINGE: Geschichten und Wunder
Eichborn; 1. Aufl. 2019 Edition (29. März 2019)
Taschenbuch: ‎ 416 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3847906551

Die Sammlung von Erzählungen in ZERBRECHLICHE DINGE habe ich mir gekauft, weil Neil Gaiman freilich als Garant für gute Stories gilt und weil die Geschichtensammlung den Titel "Eine Studie in Smaragdgrün" enthält, in der mein guter Freund Sherlock Holmes ermittelt.

ZERBRECHLICHE DINGE (im Original: "Fragile Things – Short Fictions & Wonders") erschien bereits 2006. Die hier von Eichborn 2019 veröffentlichte Kurzgeschichtensammlung enthält Prosa und Lyrik aus mehr als 10 Jahren Gaiman (1995 bis 2006). Im Gegensatz zur deutschen Erstveröffentlichung bei Klett-Cotta im Jahre 2010 sind alle 23 Geschichten, acht Gedichte und auch das längere Vorwort der englischen Originalausgabe enthalten.

Neil Richard Gaiman (am 10. November 1960 in Portchester geboren) ist ein recht bekannter britischer Autor zahlreicher Science-Fiction- und Fantasygeschichten, Comics und Drehbücher. Zu seinen bekanntesten Werken dürften das Jugendbuch Coraline, die Serie Sandman und mehrfach ausgezeichnete Bücher wie American Gods (2002), Anansi Boys (2006), The Graveyard Book (2008) und der Roman Der Ozean am Ende der Straße (2013) zählen. Im Jahr 2019 wurde Neil Gaiman für sein Lebenswerk sogar in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen.

Der Umfang seiner Geschichten in ZERBRECHLICHE DINGE bewegt sich zwischen einer Seite und knapp 60 Seiten, die Stories lassen sich daher allesamt gut am Abend vor dem Einschlafen lesen. Die Erzählungen und Gedichte machen wieder einmal deutlich, dass Gaiman ein ausgesprochen guter Stilist ist, der recht wunderbar schreiben kann, was Dank der sehr guten Leistung der Übersetzer unterstrichen wird.

Aber Achtung: Zu sehen ist bei ZERBRECHLICHE DINGE, dass der Inhalt Gaimans Erzählungen mit dem stilistischen Niveau des Autors mitunter nicht immer mitzieht. Gaiman besticht zwar auch hier meist durch brillanten Stil und traumhaft skurrile Atmosphäre (a la Sandman), die er für den Leser in ZERBRECHLICHE DINGE "herbeizaubert", jedoch sind andererseits der Plot und das Ende der Geschichten (jedenfalls für mich) oft nicht so herausragend, wie es Gaimans Stil eigentlich fordern müsste.

In ZERBRECHLICHE DINGE passen das Niveau von Plot einerseits (oft mittelmäßig) und Stil andererseits (meist grandios) nicht immer zusammen. Freilich gibt es hier auch richtig gute Geschichten, wie die Story “Eine Studie in Smaragdgrün”, welche den Meisterdetektiv Holmes bei seinen Ermittlungen in einer Parallelwelt a la Lovecraft zeigt.

Unter dem Strich kann ich (mit Abstrichen) ZERBRECHLICHE DINGE durchaus empfehlen, es ist kein Meisterwerk, jedoch gute Unterhaltung, vor allem Fans von Sprache und Stil (für die auch ein "unrunder" Plot kein Problem ist) kommen hier auf ihre Kosten.

MITCH

Neil Gaiman
ZERBRECHLICHE DINGE: Geschichten und Wunder
Eichborn; 1. Aufl. 2019 Edition (29. März 2019)
Taschenbuch: ‎ 416 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3847906551
Die Sammlung von Erzählungen in ZERBRECHLICHE DINGE habe ich mir gekauft, weil Neil Gaiman freilich als Garant für gute Stories gilt und weil die Geschichtensammlung den Titel "Eine Studie in Smaragdgrün" enthält, in der mein guter Freund Sherlock Holmes ermittelt.
ZERBRECHLICHE DINGE (im Original:

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Pantopia

von am 13. Juni 2022 Kommentare deaktiviert für Pantopia

Theresa Hannig
PANTOPIA. Roman.
Frankfurt, Fischer TOR, 2022, 460 Seiten
ISBN 978-3-596-70640-2 / 16,99 Euro
Klappenbroschur

Die 1984 geborene Theresa Hannig entwickelt sich nach ihrem überraschend erfolgreichen Erstlings-Duo DIE OPTIMIERER / DIE UNVOLLKOMMENEN (Bastei Lübbe) zu einer der interessantesten Autorinnen im Bereich der deutschen Science Fiction.

Wenn PANTOPIA ein Kriminalroman wäre, würde er auf Seite 10 enden. Denn dort „verrät“ die Autorin bereits, wie die Geschichte ausgeht. Glücklicherweise handelt es sich hier jedoch um einen Science-Fiction-Roman und in diesem Fall gilt immer noch: Das Wichtigste ist „die Idee“ und „Der Weg ist das Ziel“.
Wenn ich einen gewöhnlichen Roman besprechen würde, wäre meine Rezension hier zu Ende, denn eigentlich habe ich schon zu viel „verraten“. Glücklicherweise handelt es sich hier jedoch um eine Utopie von Theresa Hannig – und wenn es irgendwo „unzuverlässige“ Erzähler*innen gibt, dann in utopischen Geschichten.
Es könnte also alles auch ganz anders gewesen sein.

Bei Fischer TOR ist soeben Hannigs neuer Roman PANTOPIA erschienen, in dem sie es tatsächlich wagt, eine Utopie nicht nur anzudenken, sondern als erfolgversprechende Möglichkeit durchzudeklinieren. Im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Büchern ihrer Kollegen, sieht Hannig in der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz eine Chance (wenngleich auch nur eine kleine) für das Überleben der menschlichen Zivilisation.
Allein dafür gebührt ihr schon jede Menge Respekt; unabhängig von solchen Vorschusslorbeeren zeigt sich dann zudem noch, dass Hannig eine glänzende Erzählerin ist, sodass schon in diesem Frühjahr einer der wichtigsten Romane des Jahres 2022 vorliegt.
Unbedingt lesenswert.

Horst Illmer
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Pantopia
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Theresa Hannig
PANTOPIA. Roman.
Frankfurt, Fischer TOR, 2022, 460 Seiten
ISBN 978-3-596-70640-2 / 16,99 Euro
Klappenbroschur

Die 1984 geborene Theresa Hannig entwickelt sich nach ihrem überraschend erfolgreichen Erstlings-Duo DIE OPTIMIERER / DIE UNVOLLKOMMENEN (Bastei Lübbe) zu einer der interessantesten Autorinnen im Bereich der deutschen Science Fiction.
Wenn PANTOPIA ein Kriminalroman wäre, würde er auf Seite 10 enden. Denn dort „verrät“ die Autorin bereits, wie die Geschichte

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Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug: Ein Pflichttanz mit dem Tode

von am 8. Juni 2022 Kommentare deaktiviert für Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug: Ein Pflichttanz mit dem Tode

Kurt Vonnegut mit Ryan North (Text) & Albert Monteys (Bilder)
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG: EIN PFLICHTTANZ MIT DEM TODE.
Ü: Matthias Wieland
(SLAUGHTERHOUSE-FIVE / 2020)
Ludwigsburg, Cross Cult, 2022, 192 S.
ISBN 978-3-96658-504-0 / 35,00 Euro
Hardcover-Album

Ich kenne und liebe Vonneguts Roman SLAUGHTERHOUSE-FIVE/SCHLACHTHOF 5 seit vielen Jahrzehnten, habe ihn immer mal wieder zur Hand genommen (auch mehrfach rezensiert) und betrachtete den Hinweis auf eine Visualisierung via Bildergeschichte mit etwas zwiespältigen Gefühlen.

Nun, nach der Lektüre der Graphic Novel SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG, für deren Skript der Kanadier Ryan North verantwortlich zeichnet und deren Bilder vom Spanier Albert Monteys stammen, überwiegt die Erleichterung: Dieses Buch war ein Monument seit es 1969 erschienen ist – und es ist ein monumentaler Comic daraus geworden!

Autor und Zeichner nehmen sich viel Raum (fast 200 Seiten) und „übersetzen“ Vonneguts Text gekonnt und respektvoll ins Medium Comic. Beachtlich ist dabei, dass sie nicht nur die, auch bei Vonnegut schon vorhandenen, plakativen Szenen von Sex, Gewalt und Alien-Exotik in den Vordergrund stellen und so billige Effekthascherei betreiben, sondern ihren Protagonisten Billy Pilgrim ebenso geduldig wie liebevoll auch dann begleiten, wenn er sinnend im Bett liegt, Patienten in seiner Praxis untersucht, mit Geschäftsfreunden langweilige Partys feiert oder geduldig die besorgten Vorwürfe seiner Tochter über sich ergehen lässt.

SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG war schon immer mehr als „nur“ ein Anti-Kriegsbuch oder ein Science-Fiction-Roman oder eine satirische Zustandsbeschreibung der menschlichen Rasse: Vonneguts Text ist ein erzählerisches Meisterwerk, ein Jahrhundertbuch – und die Graphic Novel von North und Monteys wird dem absolut gerecht.

Die Transformation in ein anderes Medium ist geglückt und so wird SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG nicht nur Menschen erfreuen, die das Original noch nicht kennen, sondern auch allen anderen Vergnügen beim „Wieder-Lesen“ bereiten.

Horst Illmer
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Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug
im Webshop oder via e-mail im Laden bestellen

Kurt Vonnegut mit Ryan North (Text) & Albert Monteys (Bilder)
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG: EIN PFLICHTTANZ MIT DEM TODE.
Ü: Matthias Wieland
(SLAUGHTERHOUSE-FIVE / 2020)
Ludwigsburg, Cross Cult, 2022, 192 S.
ISBN 978-3-96658-504-0 / 35,00 Euro
Hardcover-Album

Ich kenne und liebe Vonneguts Roman SLAUGHTERHOUSE-FIVE/SCHLACHTHOF 5 seit vielen Jahrzehnten, habe ihn immer mal wieder zur Hand genommen (auch mehrfach rezensiert) und betrachtete den Hinweis auf

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Supernova

von am 30. Mai 2022 Kommentare deaktiviert für Supernova

Cixin Liu
SUPERNOVA
Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (13. Dezember 2021)
Broschiert: ‎ 512 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3453320314

Liu präsentiert mit SUPERNOVA einen doch recht bemerkenswerten Roman, der ursprünglich aus dem Jahr 2003 stammt und quasi als sein Debüt gilt.

Die titelgebende Strahlenwolke ("Supernova") aus dem All löst auf Erden eine schleichende Katastrophe aus. Alle Menschen mit dem Alter über 13 Jahre erkranken und werden bald sterben, da ihre genetische Regenerationsrate zum Überleben zu niedrig ist. Der Menschheit bliebt nicht viel Zeit, um die immunen Kinder dieser Erde auf das "Überleben", d.h. das Leben ohne Erwachsene auf dem Planeten, vorzubereiten. Ausgangspunkt ist zunächst der Blickwinkel einer Gruppe chinesischer Kinder, die später ab dem Tag X als Regierungseinheit fungieren und das Land regieren sollen. Später im Buch werden auch die Sichtweisen von weiteren Kindern anderer Nationen und Gruppen erzählt.

Der gefühlte erste (kürzere) Teil von SUPERNOVA (der die weltweiten Vorbereitungen auf den Todestag der erwachsenen Menschheit beschreibt) hat mich echt gepackt und ich war gespannt auf den Fortgang der Geschichte.

Als dann ab dem Tag X (quasi der zweite Teil des Buches) die Kinder die Macht auf dem Planeten inne hatten, da entfaltete sich eine teilweise recht skurrile und manchmal eher unglaubwürdige Geschichte, welche vor allem der kindlichen Unvernunft und dem infantilen Streben nach Spass und Lustgewinn der Überlebenden geschuldet ist. Liu bringt in der Geschichte einerseits ein doch recht "krasses" Kinderbild zu Tage, andererseits fragte ich mich häufig, ob die innere Natur von Kindern tatsächlich so spassorientiert, so wert- und moralfrei, sowie so sadistisch und grausam sein kann, wie von Liu beschrieben.

Lius halbwegs voluminöser Roman SUPERNOVA ist trotz seiner Schrägheit im Großen und Ganzen schlüssig, der Inhalt war für mich neu und erfrischend, sowie mitunter durchaus rasant, das Buch kommt polarisierend und diskussionswürdig daher. Ich würde das Werk zwar nicht als grandios bezeichnen, jedoch als soliden, neuartigen und guten SF-Roman, der mit außergewöhnlichen Ideen und Bildern aufwartet und sich mit der beim Lesen immer weiter wachsenden Neugier sehr gut weglesen lässt.

MITCH

PS: Nachtrag: 26.02.2022: Ohne Zuviel verraten zu wollen, muss noch erwähnt werden, dass im Buch auch das Thema Weltkrieg eine große Rolle spielt und die Geschichte daher mit Blick auf die aktuelle Russlandkrise und den Krieg in der Ukraine für den ein oder anderen Leser womöglich "bitter aufstoßen" könnte.

Cixin Liu
SUPERNOVA
Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (13. Dezember 2021)
Broschiert: ‎ 512 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3453320314
Liu präsentiert mit SUPERNOVA einen doch recht bemerkenswerten Roman, der ursprünglich aus dem Jahr 2003 stammt und quasi als sein Debüt gilt.
Die titelgebende Strahlenwolke ("Supernova") aus dem All löst auf Erden eine schleichende Katastrophe aus. Alle Menschen mit dem Alter über 13 Jahre erkranken und werden

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Die wandernde Erde: Erzählungen

von am 23. Mai 2022 Kommentare deaktiviert für Die wandernde Erde: Erzählungen

Cixin Liu
DIE WANDERNDE ERDE: ERZÄHLUNGEN
Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (14. Januar 2019)
Broschiert: ‎ 688 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3453319240

DIE WANDERNDE ERDE ist ein sehr lesenswertes Buch mit 11 ausgesprochen gut durchdachten und phantasievollen Science-Fiction-Novellen. Ich bin durch ein tolles Video auf dem Phantastik-Rezensionskanal creepy creatures review (dort stellt Florian Jung schon seit vielen Jahren authentisch und kompetent Bücher vor allem aus den Genre Horror, Science-Fiction und Fantasy vor) auf den Band gestoßen und habe es mir dann gleich gekauft und gelesen.

Vom Inhalt möchte ich gar nicht so viel verraten. Bereits die erste namensgebende Geschichte "Die wandernde Erde" trieft nur vor neuen Ideen und grandiosem Plot. Die Erde steht kurz vor ihrem Ende, weil die Sonne angeblich erlöschen soll und dabei den Planeten zerstören würde. Die Menschen haben einen furiosen und durchaus umstrittenen Plan zur Rettung, der sich bereits in Umsetzung befindet: Auf der ganzen Welt werden atomare Raketenantriebe installiert, um die Erde (quasi wie ein Raumschiff) aus ihrer Umlaufbahn bringen zu können. Denn die Erde braucht ein neues Sonnensystem, und auf jenen Weg dorthin muss sich der Planet begeben. Liu schildert eindrücklich die Folgen einer solchen Szenerie, vor allem im Miteinander der Menschen … mehr wird nicht verraten.

Liu dürfte vielen bereits ein Begriff sein, denn er ist momentan einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren überhaupt. 1988 absolvierte Liu, dessen Eltern Minenarbeiter waren, in Zhengzhou eine Technikerausbildung. Anschließend arbeitete er als Computertechniker in einem abgelegenen Kraftwerk in seiner Heimatprovinz Shanxi. Seine Erfahrungen und sein technisches Wissen aus dieser Zeit hat Liu auch in DIE WANDERNDE ERDE verarbeitet. Seine Romane und Erzählungen sind also "von wissenschaftlichem Feeling" durchdrungen, seine Werke wurden bereits viele Male mit dem Galaxy Award prämiert. Cixin Lius Roman »Die drei Sonnen« wurde 2015 als erster chinesischer Roman überhaupt mit dem Hugo Award ausgezeichnet und wird als ein Meilenstein der Science-Fiction bezeichnet.

DIE WANDERNDE ERDE bietet ein tolles Sammelsurium von einmaligen Kurzgeschichten, die das Leser- und Science-Fiction-Herz höher schlagen lassen. Also ein Buch, welches ich sehr gerne empfehle!

MITCH

Cixin Liu
DIE WANDERNDE ERDE: ERZÄHLUNGEN
Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (14. Januar 2019)
Broschiert: ‎ 688 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3453319240
DIE WANDERNDE ERDE ist ein sehr lesenswertes Buch mit 11 ausgesprochen gut durchdachten und phantasievollen Science-Fiction-Novellen. Ich bin durch ein tolles Video auf dem Phantastik-Rezensionskanal creepy creatures review (dort stellt Florian Jung schon seit vielen Jahren authentisch und kompetent Bücher vor allem aus den

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Die Wächterinnen von New York

von am 18. Mai 2022 Kommentare deaktiviert für Die Wächterinnen von New York

N. K. Jemisin
DIE WÄCHTERINNEN VON NEW YORK. Roman.
Ü: Benjamin Mildner
(THE CITY WE BECAME / 2020)
Stuttgart, Tropen (Klett-Cotta), 2022, 538 S.
ISBN 978-3-608-50018-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Ab einer bestimmten Größe werden Städte lebendig und suchen sich Avatare unter ihren Bewohnern aus, die als Stellvertreter für sie denken und handeln. Ausgestattet mit mystisch-magischen Fähigkeiten (ähnlich den Superhelden-Kräften von Comic-Figuren) müssen diese gegen mächtige und uralte außerweltliche Feinde kämpfen, welche die Gelegenheit eines Generationenwechsels dazu nutzen wollen, aus ihrer Dimension in unsere zu wechseln und hier Fuß zu fassen, einen Brückenkopf für eine Invasion zu errichten.
Als nun in New York gleich mehrere neue „Wächterinnen“ ihre Ämter in den fünf Stadtbezirken übernehmen, mehren sich die Zeichen, dass der Feind diese Situation ausnutzen will. Und noch während die fünf Avatare versuchen, sich in ihren neuen Rollen zurechtzufinden, beginnen die ersten Angriffe …

N. K. Jemisin ist eine der auffälligsten neuen Stimmen der US-amerikanischen Phantastik und hat in den letzten Jahren Genre-Preise abgeräumt wie keine Zweite. In Deutschland erschien zuletzt die Trilogie DIE GROSSE STILLE bei Knaur. Ihren neuesten, wieder allseits hochgelobten Roman DIE WÄCHTERINNEN VON NEW YORK hat sich nun der Tropen Verlag gesichert, wo der Titel in der Übersetzung von Benjamin Mildner als Hardcover erschienen ist.

Auch wenn der von einigen Kritikern gezogene Vergleich zum wohl berühmtesten New York-Buch MANHATTAN TRANSFER von John Dos Passos vielleicht etwas überzogen ist, so finden sich neben mehr oder weniger deutlichen Querverbindungen zu Alan Moores WATCHMEN-Comic und den Erzählungen eines H. P. Lovecraft bei aller Modernität auch Anspielungen auf Walt Whitmans Lyrik und Mark Twains Humor. Der Urban-Fantasy-Roman DIE WÄCHTERINNEN VON NEW YORK steht auch im erzählerischen Werk von Jemisin noch etwas verlassen im Raum, als erster Teil einer neuen Trilogie stellt er jedoch vollumfänglich zufrieden.

Horst Illmer
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Die Wächterinnen von New York
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N. K. Jemisin
DIE WÄCHTERINNEN VON NEW YORK. Roman.
Ü: Benjamin Mildner
(THE CITY WE BECAME / 2020)
Stuttgart, Tropen (Klett-Cotta), 2022, 538 S.
ISBN 978-3-608-50018-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Ab einer bestimmten Größe werden Städte lebendig und suchen sich Avatare unter ihren Bewohnern aus, die als Stellvertreter für sie denken und handeln. Ausgestattet mit mystisch-magischen Fähigkeiten (ähnlich den Superhelden-Kräften von Comic-Figuren) müssen diese gegen mächtige

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