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    Das Science Fiction Jahr 2021

    von am 25. Oktober 2021 noch kein Kommentar

    Melanie Wylutzki & Hardy Kettlitz (Hrsg.)
    DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021.
    Berlin, Hirnkost, 2021, 608 S.
    ISBN 978-3-949452-12-3 / 28,00 Euro
    Klappenbroschur

    Es ist fast schon ein liebgewonnenes Ritual geworden – aber immer noch ist DAS SCIENCE FICTION JAHR das einzige Sekundärwerk, auf dessen Erscheinen ich mich regelmäßig schon lange im Voraus freue. Und auch die inzwischen 36. Ausgabe, DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021, herausgegeben von Melanie Wylutzki und Hardy Kettlitz, hat mich nicht enttäuscht.

    Um jetzt nicht einfach nur das Inhaltsverzeichnis abzuschreiben, hier eine launige Kurz-Interpretation der Beiträge: Die Welt geht unter, aber wir Science-Fiction-Leser wussten das wenigstens schon vorher, wie hier gleich zu Beginn ein Dutzend Artikel im „Climate-Fiction-Feature“ beweisen. Stanislaw Lem wäre im Jahr 2021 Einhundert Jahre alt geworden, auch dieses Ereignis wird intensiv, spielerisch und philosophisch gewürdigt. Die 200 Seiten Buchbesprechungen (von unterschiedlicher Länge und Qualität) versprechen unglaublich viel Information (und entfachen jede Menge „Nachkauf-Bedarf“). Etwas kürzer dann die Abteilungen mit Comics, Filmen, TV-Serien und Games – etwas umfänglicher dafür wieder die Statistik-Sektion (Preise, Nachrufe, Bibliografie).

    Meine Highlights: Christian Endres interviewt gleich elf Orwell-Neu-ÜbersetzerInnen, Bernd Flessner und Karlheinz Steinmüller schreiben über ihre Lem-Eindrücke und Simon Spiegel liest ausführlich in Dietmar Daths NIEGESCHICHTE.

    Nach über 600 Seiten purem Science-Fiction-Input lautet das Fazit: Ich freue mich jetzt schon auf DAS SCIENCE FICTION JAHR 2022!

    Horst Illmer
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    Das Science Fiction Jahr 2021
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    Melanie Wylutzki & Hardy Kettlitz (Hrsg.)
    DAS SCIENCE FICTION JAHR 2021.
    Berlin, Hirnkost, 2021, 608 S.
    ISBN 978-3-949452-12-3 / 28,00 Euro
    Klappenbroschur

    Es ist fast schon ein liebgewonnenes Ritual geworden – aber immer noch ist DAS SCIENCE FICTION JAHR das einzige Sekundärwerk, auf dessen Erscheinen ich mich regelmäßig schon lange im Voraus freue. Und auch die inzwischen 36. Ausgabe, DAS SCIENCE FICTION

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    Der Astronaut

    von am 27. September 2021 1 Kommentar

    Andy Weir
    Der Astronaut
    Übersetzt von Jürgen Langowski
    Heyne Taschenbuch
    Mai 2021 – 554 Seiten
    ISBN: 3453321340

    "Was ist zwei plus zwei? … Aus irgendeinem Grund ärgert mich die Frage. Ich bin müde. Beinahe schlafe ich wieder ein."

    … und mit diesen Sätzen begann für mich eine so herrlich abenteuerliche und zugleich schöne Reise im All. Hab Dank Andy Weir für Deinen neuen Roman: "Der Astronaut"!

    Um es vorneweg zu sagen: Ich liebe gute Ich-Erzählungen. Und mit gut meine ich "arg gut". Solche Ich-Geschichten ziehen mich in ihren Bann, ich bin dabei, im Buch, im Erzähler. Das "gekonnte Ich" trifft dann bei mir so wunderbar mein Leserherz.

    Und Hey! Andy Weir ist ein begnadeter Ich-Autor. Schon sein erstes Buch "Der Marsianer" zeigte, was Herr Weir kann, nämlich eine ganze Menge (… doch "Der Marsianer" ist freilich Teil einer eigenen Rezension von Horst).

    Jetzt aber nochmal von Anfang an. Also, ich beginne "Der Astronaut" zu lesen und …

    … ich wache auf, vermutlich nach einem Koma, geweckt vom Bordcomputer in einem Raumschiff (und zwar mit den Worten "Was ist zwei plus zwei?"), … und ich habe erstmal keine Erinnerung – und zwar an rein gar nichts. Warum um Himmels willen liege ich in einem Raumfahrzeug und weshalb doktern irgendwelche Maschinenarme an mir rum? Meine beiden Kameraden der Crew liegen im Schlafraum. Beide tot. Unfassbar! Nur nach und nach kommen Fetzen meiner Erinnerung hoch und mir dämmert nur ganz langsam, weshalb ich hier bin, was meine Mission sein sollte, … eine apropos gänzlich unschaffbare Mission, die zudem zu dritt hätte von statten gehen müssen. Ich denke, "Holy Shit, ich bin doch nur der Wissenschaftler der Crew, die eigentlichen Astronauten, der Captain und die Ingenieurin, sind tot. Was tun im Spaceshuttle? Scheiße, ich bin allein … und (um Andy Weir zu zitieren:) "Ich bin so was von im Arsch!". Außerdem hängt das Schicksal der Erde von meinem Gelingen (oder von meinem Scheitern) ab. Heftig!"

    Schon dieses Anfangsszenario von Andy Weir geht mir wirklich unter die Haut. Gleichzeitig schenkt Andy Weir mir (dem Helden) den Einfallsreichtum und das Geschick von MacGyver (ich meine freilich den Besten, den aus den 80ern!) und zudem segnet Herr Weir mich später mit einer würzigen Wendung meines Abenteuers, die ich jetzt zwar nicht verraten kann, aber die ich mit den Worten "eine herrlich außergewöhnliche Freundschaft" andeuten kann.

    Die Geschichte in "Der Astronaut" ist für mich persönlich das bislang Beste, was ich von Andy Weir gelesen habe. Er lässt mich wie in einer gigantischen Wasserrutsche die Story spürbar miterleben, ständig kommen überraschende Handlungskurven, die meinen Magen flau werden lassen, sodann folgen steile Talfahrten für den Helden, die mich Tränen verdrücken und mich Schlucken lassen; … eben weil so gut erzählte Erlebnisse von (geschickt dosiertem) Heldentum, von Integrität und von Verbundenheit mich schlichtweg berühren.

    So gerne würde ich Euch das ein oder andere Lesevergnügen im Buch genauer schildern, etwas mehr Handlung verraten … aber nein, bei "Der Astronaut" geht das einfach nicht. Ihr müsst schon selbst zum Astronauten werden, schon selbst allein aufwachen im All und verdammt nochmal selbst versuchen, die Erde zu retten! Und das wird ein einmaliger und wunderbarer Trip, das kann ich Euch sagen (bis auf den „Komabrei“, der wird wohl auch für Euch widerlich schmecken; zum Ende des Buchs werdet Ihr wissen, was ich damit meine).

    Fazit:

    "Der Astronaut" kommt auf den ersten Blick als Bruder von "Der Marsianer" daher. Jedoch, wie es bei Brüdern oft so ist, beide sehen sich vielleicht ähnlich, aber sind doch so verschieden, jeder hat seine Eigenheiten, seinen ganz eigenen Charme.

    Beide Romane von Weir haben mich begeister, gleichzeitig hat gerade "Der Astronaut" mich echt ergriffen und ich feiere "Andy Weir" dafür!

    PS: Ob Ihr "Der Marsianer" kennt oder nicht kennt, egal, Ihr könnt hier und heute Anlauf nehmen, losrennen und am Ende des Sprungbretts abheben, um sodann im Weltraum mit "Der Astronaut" eine verdammt gute Zeit zu haben.

    MITCH
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    Der Astronaut
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    Andy Weir
    Der Astronaut
    Übersetzt von Jürgen Langowski
    Heyne Taschenbuch
    Mai 2021 – 554 Seiten
    ISBN: 3453321340

    "Was ist zwei plus zwei? … Aus irgendeinem Grund ärgert mich die Frage. Ich bin müde. Beinahe schlafe ich wieder ein."

    … und mit diesen Sätzen begann für mich eine so herrlich abenteuerliche und zugleich schöne Reise im All. Hab Dank Andy Weir für Deinen neuen

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    Science-Fiction 100 Seiten

    von am 13. September 2021 2 Kommentare

    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich, ob seines Pessimismus, zutiefst verstörte. Dann wiederum ist Mamczak als Nachfolger des legendären Wolfgang Jeschke seit vielen Jahren für das SF-Programm des Heyne Verlags zuständig (und das ist, trotz einiger Schwächen, immer noch das in seiner Breite und Vielfalt beste hierzulande). Zuletzt hat er sogar mit EINE NEUE WELT ein lesenswertes Jugendsachbuch geschrieben. Und jetzt also erklärt uns Sascha Mamczak „die“ Science Fiction auf den einhundert kleinformatigen Seiten eines Reclam-Bändchens?!
    Etwas wofür der Kenner und Könner Dietmar Dath in seiner NIEGESCHICHTE weit mehr als den zehnfachen Platz benötigte. (Andererseits hat Dath die SUPERHELDEN in die „100 Seiten“-Reihe von Reclam gepackt – auch ’ne Überlegung wert.)
    Einhundertundzwei Seiten später (die zwei Seiten mit „Lese- und Filmtipps“ wurden aus der Zählung rausgenommen) weiß ich gar nicht mehr, wovor ich eigentlich „Bammel“ hatte. Mamczaks Text ist außergewöhnlich gut durchkonzipiert. Er enthält alles, was ein Kenner der Materie als unverzichtbar ansehen würde. Er ist sehr gut lesbar und anschaulich geschrieben (inklusiver einiger weniger Abbildungen und Schautafeln, die zur Auflockerung eingestreut sind). Er betrachtet die Science-Fiction als Medienverbund und legt das Hauptaugenmerk auf die enge Verbindung von Text und Film, die beide Kunstformen seit ihren Anfängen prägt.
    In vier Schritten (Grundlagen, Entwicklung, Etablierung, Ausblick) zeigt Mamczak seinen Lesern, was es braucht, um die Science-Fiction als genuin künstlerische Darstellung unserer Gegenwart (und Zukunft) zu erkennen. Und er zeigt auch, dass für „die“ Science Fiction weder 100 noch 1000 Seiten, noch ein ganzes Leben ausreichen.
    So macht Zukunft wieder Spaß!

    Horst Illmer
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    Science-Fiction 100 Seiten
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    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich,

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    Optimismus und Overkill

    von am 30. August 2021 noch kein Kommentar

    Hans Frey
    OPTIMISMUS UND OVERKILL – DEUTSCHE SCIENCE FICTION IN DER JUNGEN BUNDESREPUBLIK.
    Von den Anfängen der BRD bis zu den Studentenprotesten 1945–1968.
    Berlin, Memoranda, 2021, 542 S.
    ISBN 978-3-948616-56-4 / 26,90 Euro
    Klappenbroschur

    Mit OPTIMISMUS UND OVERKILL liegt nun bereits der dritte Teil von Hans Freys „Literaturgeschichte der deutschen Science Fiction“ (S. 12) vor. Wie erwartet, setzt sich der Trend zu immer kürzeren Zeiträumen und zu mehr Umfang fort. Nach FORTSCHRITT UND FIASKO (das auf 300 Seiten die Jahre 1810 bis 1918 beleuchtet) und AUFBRUCH IN DEN ABGRUND (gute 500 Seiten für die Zeit von 1918 bis 1945) untersucht Frey in OPTIMISMUS UND OVERKILL die Nachkriegszeit in der BRD von 1945 bis 1968 und braucht dafür deutlich über 500 Seiten Platz.

    Dass das Ende des Zweiten Weltkriegs eine epochale Zäsur für Deutschland und seine Literatur darstellt, ist eine Binsenweisheit. Frey legt überzeugend dar, weshalb für ihn das Jahr 1968 eine ebensolche (wenngleich naturgemäß weniger desaströse) Bruchlinie ist. Nach Wiederaufbau und Wirtschaftwunder wird die neugeschaffene Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Verlauf der Studentenunruhen und Jugendproteste der Sechzigerjahre endlich „erwachsen“.

    Parallel dazu führt Frey aus, dass dies für die in der BRD erschienene Science-Fiction-Literatur gleichermaßen gilt. Maßgeblich unterstützt von den drei Westmächten entsteht ein neuer, freier Literaturbetrieb – in dem allerdings immer wieder auch noch die „alten“ Protagonisten (Autoren, Verleger, Lektoren, Kritiker und Literaturwissenschaftler) auftauchen und, manchmal nur leicht in der Wolle gefärbt, erneut mitspielen wollen.
    Trotzdem weht ein frischer Wind in der phantastischen Literaturszene – und er weht vor allem aus Westen: die amerikanische Science Fiction hatte zwanzig Jahre Zeit (ihr „goldenes Zeitalter“) und drängt mit aller Macht in diesen neuen Markt. Und hierzulande wird das schmerzlich Vermisste, aus anderen Sprachen Übersetzte, wie von einem trockenen Schwamm aufgesogen. Viele Traditionslinien werden jetzt erst einmal gekappt, einige davon später wieder aufgenommen, manche sind bis heute nur noch antiquarisch erforschbar.
    Aber es gibt auch viele Versuche, Eigenständiges zu produzieren.

    OPTIMISMUS UND OVERKILL erzählt all dies spannend, kenntnisreich und stilsicher – ein Sachbuch wie es eigentlich nur englischsprachige Autoren schreiben können. Aber auch hier haben wir in Deutschland inzwischen dazugelernt!

    Horst Illmer
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    Optimismus und Overkill
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    Hans Frey
    OPTIMISMUS UND OVERKILL – DEUTSCHE SCIENCE FICTION IN DER JUNGEN BUNDESREPUBLIK.
    Von den Anfängen der BRD bis zu den Studentenprotesten 1945–1968.
    Berlin, Memoranda, 2021, 542 S.
    ISBN 978-3-948616-56-4 / 26,90 Euro
    Klappenbroschur

    Mit OPTIMISMUS UND OVERKILL liegt nun bereits der dritte Teil von Hans Freys „Literaturgeschichte der deutschen Science Fiction“ (S. 12) vor. Wie erwartet, setzt sich der Trend zu immer

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    DAVE

    von am 25. August 2021 1 Kommentar

    Raphaela Edelbauer
    DAVE. Roman.
    Stuttgart, Klett-Cotta, 2021, 431 Seiten
    ISBN 978-3-608-96473-8 / 25,00 Euro

    Eine Künstliche Intelligenz programmieren.
    Genesis! Schöpfung!
    Wer ist/sind der/die Schöpfer und wie funktioniert das mit dem Erschaffen?
    Was wird das für ein Geschöpf sein?

    Wer solche grundstürzenden Fragen stellt, muss sich seine Antworten womöglich selbst irgendwo im Universum zusammensuchen. Die 1990 in Wien geborene Schriftstellerin Raphaela Edelbauer zeigt in ihrem neuen Roman, dass sie sich das zutraut. Ihrer KI hat sie den Namen DAVE verliehen (auch wenn sie nach drei Komplettüberarbeitungen nicht mehr weiß, wofür die Abkürzung steht) und ihr Roman beginnt mit dem Urknall, dem Entstehen von Sonnen, Planeten, Molekülen, Bakterien – und der ersten erkenntnisfähigen Lebensform Archea Methanopyri, von der aus es nur noch »ein Wimpernschlag« war, so »eine, zwei Milliarden Jahre« bis zur finalen Apotheose: DAVE.

    Der Ort an dem »DAVE« spielt bleibt im Unbestimmten, ist aber ein eigener Arbeitsplatz-Lebenserhaltungs-Versorgungs-Kosmos. Die MitarbeiterInnen (Programmierer, Servicekräfte, Sicherheitsdienst, Techniker) und Vorgesetzten haben zwar Namen, ihr Erscheinungsbild bleibt aber seltsam fluide. Die Welt in der sich Syz, der »Held der Geschichte«, in die Ärztin Khatun verliebt ist zuallererst eine Serverfarm. Das Geschehen nimmt einen schicksalhaften, unaufhaltsamen Verlauf, dessen Abfolge sich liest wie eine postmodern-kafkaeske Um- und Neuschreibung des »Frankenstein«-Mythos.

    Edelbauer, die zwar schon seit zehn Jahren schriftstellerisch tätig ist, jedoch erst seit ihrer 2017 veröffentlichten Poetik ENTDECKER und dem 2019 folgenden Debüt-Roman DAS FLÜSSIGE LAND so richtig ins Rampenlicht getreten ist, wurde in den letzten drei Jahren mit Preisen geradezu überhäuft. Ihr Stil ist bildgewaltig und Reich an Metaphern, ist unterlegt mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors, eignet sich hervorragend zum Vorlesen und besitzt eine erfrischend eigene Klangfarbe.

    Man spürt auf jeder Seite, in jedem Satz, die brennende Intelligenz dieser Autorin, die nicht nur Angewandte Kunst und Philosophie studiert hat, die nicht nur innerhalb kürzester Zeit jede Menge Preise abgeräumt hat und in Interviews immer auf das Primat der Naturwissenschaften hinweist. »DAVE« ist so viel mehr als nur ein spannender Wissenschafts-Thriller, auch mehr als ein Diskussionsbeitrag zu einem der spannendsten Zukunftsprojekte – wer sich mit »DAVE« ernsthaft auseinandersetzt, kommt nicht darum herum, sich selbst zu befragen: Wie hältst Du es denn, mit Dem/Deinem Schöpfer?

    Horst Illmer
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    DAVE
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    Raphaela Edelbauer
    DAVE. Roman.
    Stuttgart, Klett-Cotta, 2021, 431 Seiten
    ISBN 978-3-608-96473-8 / 25,00 Euro

    Eine Künstliche Intelligenz programmieren.
    Genesis! Schöpfung!
    Wer ist/sind der/die Schöpfer und wie funktioniert das mit dem Erschaffen?
    Was wird das für ein Geschöpf sein?

    Wer solche grundstürzenden Fragen stellt, muss sich seine Antworten womöglich selbst irgendwo im Universum zusammensuchen. Die 1990 in Wien geborene Schriftstellerin Raphaela Edelbauer zeigt in

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    Der Wüstenplanet

    von am 23. August 2021 3 Kommentare

    Frank Herbert
    DER WÜSTENPLANET. Roman.
    Ü : Jakob Schmidt, Ill.: John Schoenherr
    (DUNE / 1965)
    München, Heyne, 2016, 800 S.
    ISBN 978-3-453-31717-8

    Seit der ersten (stark gekürzten) deutschen Übersetzung von Frank Herberts Roman DER WÜSTENPLANET durch Wulf H. Bergner im Jahr 1967 lebten die Leser hierzulande mit der Frage, was denn an diesem Werk so besonderes sei. Auch die 1978 erfolgte (und danach noch mehrmals überarbeitete) Fassung von Ronald M. Hahn wurde der Sprachgewalt Herberts nicht wirklich gerecht. Erst die seit 2016 vorliegende Übertragung durch Jakob Schmidt kann als wirklich gelungen gelten und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für viele Jahre ihre Gültigkeit bewahren.
    Bei wenigen Büchern aus dem Bereich der Science Fiction gibt es derart unterschiedliche Urteile wie bei diesem, mittlerweile über fünfzig Jahre alten Roman. Immer wieder gewinnt das Buch Umfragen nach dem besten Science-Fiction-Roman aller Zeiten und ebenso vehement bestreiten seine Kritiker jede inhaltliche wie stilistische Qualität.
    Frank Herbert hat einen Abenteuer-Roman geschrieben, der auf einem Planeten namens Arrakis spielt und die Entwicklung eines jungen Mannes zum Anführer und Rebellen beschreibt. Auf dieser obersten Textschicht entwickelt sich eine Geschichte, die ebenso farbig wie spannend ist und einen faszinierend detaillierten Weltentwurf vorstellt.
    Der Wüstenplanet selbst wird zum machtvoll Mitwirkenden und entfaltet sich vor dem Leser als ein ökologisches System, dessen Darstellung weit über alles hinausgeht, was die Science Fiction bis dahin kannte. Herbert gelingt es, das Zusammenspiel von Sand, Wind, Würmern, Wasser, Luft- und Bodenschichten, ja selbst der Mikroorganismen als spannenden Bestandteil der Erzählung mitzugeben. Es wird klar, dass grobe Eingriffe, wie zum Beispiel das Terraforming, nur zur Vernichtung dieses Kreislaufs führen können. Wenn man Arrakis verändern will, wenn man für die einheimischen Fremen eine leichter erträgliche Welt formen will, muss man mit ihnen und den naturgegebenen Möglichkeiten ein langsames und vorsichtiges Programm entwickeln und ausführen.
    Von allen unterschwelligen Motiven, die Frank Herbert in dieses Buch gelegt hat, ist das wohl am leichtesten zu übersehende das der utopischen Gesellschaft der Fremen. Mit der Beschreibung der Lebensweise dieses Wüstenvolkes, seiner Riten und Gebräuche, seiner Stammesstruktur und Religion, seiner Kunst, die Möglichkeiten dieser unwirtlichen Welt zu nutzen und jede Verschwendung zu vermeiden, bringt der Autor viele Ideen auf den Punkt, die sich erst Jahre später in den Programmen von Umweltgruppen und Parteien artikulierten.
    Das alles macht aus dem WÜSTENPLANETEN ein meisterhaftes Buch, einen Jahrhundert-Roman, den zu lesen man sich keinesfalls entgehen lassen sollte!

    Horst Illmer
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    Der Wüstenplanet
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    Frank Herbert
    DER WÜSTENPLANET. Roman.
    Ü : Jakob Schmidt, Ill.: John Schoenherr
    (DUNE / 1965)
    München, Heyne, 2016, 800 S.
    ISBN 978-3-453-31717-8

    Seit der ersten (stark gekürzten) deutschen Übersetzung von Frank Herberts Roman DER WÜSTENPLANET durch Wulf H. Bergner im Jahr 1967 lebten die Leser hierzulande mit der Frage, was denn an diesem Werk so besonderes sei. Auch die 1978 erfolgte (und danach noch

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    Klara und die Sonne

    von am 11. August 2021 3 Kommentare

    Kazuo Ishiguro
    KLARA UND DIE SONNE. Roman.
    Übersetzt von Barbara Schaden
    (Klara and the Sun / 2021)
    München, Blessing, 2021, 350 S.
    ISBN 978-3-89667-693-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

    Ein paar Jahre hat er sich Zeit gelassen, der Literatur-Nobelpreisträger von 2017, aber dann hat es Kazuo Ishiguro wieder gepackt und er musste seinen nächsten Science-Fiction-Roman schreiben. Herausgekommen ist dabei KLARA UND DIE SONNE, ein Roman in dem eine Androidin als „beste Freundin“ für eine Jugendliche herhalten muss und in dem sich wieder einmal die alte Frage stellt: sind Maschinen die besseren Menschen?
    Ishiguro behandelt dieses Problem natürlich auf die ihm eigene Weise, die so gar nichts zu tun hat mit dem, was ein Genre-Autor daraus machen würde (bzw. schon hundertfach gemacht hat). Wer ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN (2005) gelesen hat, weiß, dass Ishiguros Kennzeichen vor allem die zurückgenommene Erzählerstimme ist, die langsam, leise und unbeirrbar mitprotokolliert.
    Die Geschichte von Klara und ihrer menschlichen „Freundin“ Josie folgt dem klassischen Muster des (kybernetischen) Entwicklungsromans, von den ersten Eindrücken Klaras im Schaufenster des Geschäfts, in dem sie zum Verkauf steht, bis hin zur Erkenntnis, dass Menschen nicht immer meinen was sie sagen und letztendlich der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit.
    Etwas viel philosophischer Überbau – aber es ist ja auch das Buch eines Nobelpreisträgers.

    Horst Illmer
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    Klara und die Sonne
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    Kazuo Ishiguro
    KLARA UND DIE SONNE. Roman.
    Übersetzt von Barbara Schaden
    (Klara and the Sun / 2021)
    München, Blessing, 2021, 350 S.
    ISBN 978-3-89667-693-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

    Ein paar Jahre hat er sich Zeit gelassen, der Literatur-Nobelpreisträger von 2017, aber dann hat es Kazuo Ishiguro wieder gepackt und er musste seinen nächsten Science-Fiction-Roman schreiben. Herausgekommen ist dabei KLARA UND DIE SONNE, ein Roman

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    Feuerseelen

    von am 4. August 2021 noch kein Kommentar

    Annie Francé-Harrar
    FEUERSEELEN.
    Herausgegeben von Sandra Thoms
    Hamburg, Plan 9, 2021, 180 Seiten,
    ISBN 978-3-948700-29-4, 20 Euro
    Hardcover

    Ökologie als Thema in der Science Fiction? Zeitgeistgemäß in den 1980er erstmals aufgetaucht und derzeit groß in Mode – Falsch!
    Bereits 1920 erschien der phantastische Roman FEUERSEELEN erstmals, in dem die 1886 geborene Münchenerin Annie Harrar (nach ihrer Heirat Annie Francé-Harrar) nicht nur eine technisch hochentwickelte Zivilisation der Zukunft beschreibt, sondern auch deren Untergang, hervorgerufen durch die ungezügelte Verschwendung von Ressourcen und die Zerstörung von Natur und Umwelt. Während bedeutend Einzelne dieses Problem erkennen und versuchen, ihre Zeitgenossen zu warnen, wollen die meisten von ihnen jedoch nicht von Luxus und Laster lassen. Sehenden Auges laufen sie in ihr Verderben …
    Herausgegeben und überarbeitet von Sandra Thoms liegt FEUERSEELEN jetzt in der Reihe „Vergessene Sterne“ im Verlag Plan 9 in einer vorbildlich aufgemachten Ausgabe vor. Wie Thoms in ihrem Nachwort erläutert, wurde das Buch für heutige Leser sprachlich etwas modernisiert und dadurch seine Bedeutung und Originalität besser erkennbar.
    Francé-Harrar war als Biologin ihrer Zeit weit voraus und entwickelte gemeinsam mit ihrem Ehemann Raoul Francé wegweisende Konzepte zur Kompostierung von Großstadtmüll. Als sie 1971 starb, hatte sie zudem fast fünfzig Bücher geschrieben, hunderte von Vorträgen gehalten und tausende von Artikeln veröffentlicht.
    Und die deutsche Science Fiction um einen einzigartig visionären Roman bereichert.

    Horst Illmer
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    Feuerseelen
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    Annie Francé-Harrar
    FEUERSEELEN.
    Herausgegeben von Sandra Thoms
    Hamburg, Plan 9, 2021, 180 Seiten,
    ISBN 978-3-948700-29-4, 20 Euro
    Hardcover

    Ökologie als Thema in der Science Fiction? Zeitgeistgemäß in den 1980er erstmals aufgetaucht und derzeit groß in Mode – Falsch!
    Bereits 1920 erschien der phantastische Roman FEUERSEELEN erstmals, in dem die 1886 geborene Münchenerin Annie Harrar (nach ihrer Heirat Annie Francé-Harrar) nicht nur eine technisch hochentwickelte

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    Eines Menschen Flügel

    von am 28. Juli 2021 noch kein Kommentar

    Andreas Eschbach
    Eines Menschen Flügel
    Köln, Lübbe, 2020, 1257 Seiten
    ISBN 978-3-7857-2702-7

    Ein Epos

    Der Aufforderung von Gerd, doch noch eine Rezension zu schreiben, komme ich gerne nach. Doch ganz so einfach wird man dem Text nicht gerecht. Denn in diesem Roman sind so viele verschiedene Aspekte, Ideen und Themen miteinander verwoben, dass es nahezu unmöglich ist, allen Teilen gerecht zu werden, ohne den Roman nochmal nachzuerzählen.

    Ich beschreibe einfach die Aspekte, die bei mir den nachdrücklichsten Eindruck hinterlassen haben.

    Eschbach unterteilt den Roman in drei Abschnitte.

    Im ersten dieser drei Abschnitte wird die Welt beschrieben, in der die geflügelten Menschen ihre Heimat gefunden haben. Das Stammeswesen, das friedliche Miteinander der unterschiedlichen Clans, die strikten Regeln, die von den Urahnen stammen. Wieso die Menschen ihre Flügel haben und was es bedeutet, vom Clanleben ausgeschlossen zu sein.
    Aus einem dieser Clans sticht Owen, die Hauptfigur des ersten Teils des Romans, heraus.
    Er stellt durch seine Flugkünste die bestehende Ordnung auf die Probe, wonach ein gutes Leben nur dann gut ist, wenn man den Ahnen entsprechend lebt. Letztlich scheitert er aber an den Umständen und an seinem überkommenen Rollenverständnis.

    Sein Sohn Oris, eine der Hauptfiguren des zweiten Teils, versucht zu ergründen, wieso sein Vater gescheitert ist, und möchte das Ansehen seines Vaters wiederherstellen. Aus diesem individuellen Wunsch heraus setzt er einen Prozess in Gang, aus dem sich eine massive gesellschaftliche Umwälzung entwickelt, die aufzeigt, wie fragil gesellschaftliche Ordnungen sind, aber wie schwer es ist, eine neue Ordnung zu schaffen.

    Im dritten Teil entwickelt sich ganz langsam ein neues Verständnis der Welt, wobei das für das Individuum bedeutet, Schicksalsschläge auszuhalten, Freundschaften zerbrechen zu sehen und generell, das man die „alte“ Welt nicht mit der „neuen“ vergleichen sollte.

    Dieser Roman hat mich gerade deswegen so begeistert, weil es Eschbach gelingt, den Plot so auszuarbeiten, dass ich immer dachte, ich wüsste, wie die Geschichte weiter geht, um dann ein paar Seiten weiter, durch einen immer logisch nachvollziehbaren Twist, erkennen zu müssen wie falsch ich mit meiner Vermutung lag.

    Zu dem habe ich selten so viele unterschiedliche erzählerische Facetten zwischen zwei Buchdeckeln gefunden, wie in diesem Epos. Man kann den Roman als Technikkritik verstehen, oder als das genaue Gegenteil. Er enthält Coming-of-Age-Motive, hat Aspekte eines Roadmovies, ist Thriller und sozio-politische Studie. Und das ist längst noch nicht alles.

    Was allerdings haften bleibt, sind die Charaktere, die Tiefe der Geschichten und die Erkenntnis, dass man mehr als 1200 Seiten Roman produzieren kann, ohne jemals langweilig oder langatmig erzählt zu haben und einem logischen Ende, das weit von kitschig entfernt ist.

    Für mich einer der besten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

    Danke Gerd, dass du mich aufgefordert hast, mir explizit Gedanken zu machen. Ich könnte den Roman geradewegs ein zweites Mal lesen.

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    Eines Menschen Flügel
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    Andreas Eschbach
    Eines Menschen Flügel
    Köln, Lübbe, 2020, 1257 Seiten
    ISBN 978-3-7857-2702-7

    Ein Epos

    Der Aufforderung von Gerd, doch noch eine Rezension zu schreiben, komme ich gerne nach. Doch ganz so einfach wird man dem Text nicht gerecht. Denn in diesem Roman sind so viele verschiedene Aspekte, Ideen und Themen miteinander verwoben, dass es nahezu unmöglich ist, allen Teilen gerecht

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    phantastisch! 83

    von am 26. Juli 2021 noch kein Kommentar

    Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
    phantastisch!
    Heft 83, Ausgabe 3/2021
    Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror
    Stolberg, Atlantis, 2020, 88 Seiten / 6,50 €

    Nicht fehlen darf an dieser Stelle natürlich der Hinweis auf die soeben erschienene Ausgabe 83 der ebenso unverzichtbaren wie hervorragenden Zeitschrift phantastisch! (Atlantis). Wieder einmal hat das „Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror“ seinen Maximalumfang (88 Seiten) ausgereizt und quillt trotzdem aus allen Nähten.
    Drei Interviews (mit Kathleen Weise, Hardy Kettlitz und Karlheinz Steinmüller), zwei hervorragende Kurzgeschichten (von Aiki Mira und Rüdiger Schäfer), die Mitschrift eines Gesprächs zwischen David Falk und Timo Kümmel, mehrere Werkstattberichte, viele Buchbesprechungen, noch mehr Nachrichten und zehn Artikel streiten um die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser und es fällt schwer, einzelnes hervorzuheben.
    Der Memoranda Verlag beispielsweise wird diesmal intensiv gewürdigt, ein übersehenes Kleinod aus P. K. Dicks Romanwerk wird kritisch begutachtet und die vielen Neu­ausgaben von George Orwells Hauptwerk 1984 liegen auf dem „Seziertisch“.
    Das sollte erst mal reichen, um auch dem oder der letzten Zögernden den Mund wässrig zu machen.

    Horst Illmer
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    phantastisch! 83
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    Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
    phantastisch!
    Heft 83, Ausgabe 3/2021
    Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror
    Stolberg, Atlantis, 2020, 88 Seiten / 6,50 €

    Nicht fehlen darf an dieser Stelle natürlich der Hinweis auf die soeben erschienene Ausgabe 83 der ebenso unverzichtbaren wie hervorragenden Zeitschrift phantastisch! (Atlantis). Wieder einmal hat das „Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror“ seinen

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