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Jenseits der Grenzen

von am 8. April 2026

  • Joanna Russ
    JENSEITS DER GRENZEN. Werke 3.
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jeanne Cortiel
    Ü: Charlotte Krafft & Hannes Riffel
    Originalausgabe
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 355 S.
    ISBN 978-3-910914-48-3 / 26,00 Euro
    Klappenbroschur

Der Untertitel „Werke 3“, den der „abschließende Band“ der Joanna Russ-Werkausgabe des Carcosa Verlags trägt, ist eigentlich eine unzulässige Verkürzung. Die Herausgeberin Jeanne Cortiel formuliert es da in ihrem „Nachwort“ etwas ehrlicher: „Der vorliegende Band schließt die dreibändige deutschsprachige Ausgabe ausgewählter Texte […] ab.“

Denn Joanna Russ, die 1937 geboren wurde und 2011 im Alter von 74 Jahren starb, war unter anderem auch eine fleißige Schreiberin. Sie veröffentlichte zwischen 1955 und 2010, also 55 Jahre lang, auch wenn der Schwerpunkt ihres Schreibens in den Jahren zwischen 1960 und 1990 lag. Da bleibt für eine echte „Werkausgabe“ schon noch was übrig.

Andererseits müssen wir Hannes Riffel und Jeanne Cortiel natürlich dankbar sein, denn ihre Auswahl stellt Russ in Deutschland einem neuen Publikum vor – allzu lange schon waren ihre Bücher hier nicht mehr erhältlich. Und, wie schon in den Bänden 1 und 2, beschränkt sich die Textauswahl nicht nur auf die großen, unverzichtbaren Romane – in Band 3 ist dies DIE TODGEWEIHTEN… aus dem Jahr 1976 – sondern versucht auch, die Kurzgeschichtenautorin (hier mit „Seelen“ und „Körper“ vertreten), die Essayistin und die kenntnisreiche Geisteswissenschaftlerin, die kompetente Buchbesprechungen verfasst, zu präsentieren.

Und spätestens nach der Lektüre von „Pornografie von Frauen für Frauen, mit Liebe“, einer scharfsinnigen Untersuchung von STAR TREK-Fanfiction aus dem Jahr 1985, vermisse ich vor allem einen ganzen Band mit Russ-Essays. (Natürlich gehört Russ zu den wichtigsten feministischen Autorinnen der letzten 50 Jahre und hat mit ihren Prosawerken Maßstäbe und Meilensteine gesetzt – aber der Furor, der aus ihren Rezensionen und Essays sprüht, erreicht mich inzwischen eher als die grausame, trostlose Realitätssucht ihrer späten Romane.)

Und falls ich dann noch einen Wunsch frei hätte, würden mich die gesammelten Kurzgeschichten von Joanna Russ sicherlich auch für lange Zeit ans Lesepult fesseln (Oh, Ihr Ungläubigen! Natürlich habe ich ein Lesepult).

Oder, kürzer: Schade, dass mit JENSEITS DER GRENZEN die Joanna Russ-Werke zu Ende sind.

Horst Illmer

warenkorbIhr könnt alle lieferbaren Artikel
im Webshop bestellen oder via e-mail im Laden anfragen

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  • Joanna Russ
    JENSEITS DER GRENZEN. Werke 3.
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jeanne Cortiel
    Ü: Charlotte Krafft & Hannes Riffel
    Originalausgabe
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 355 S.
    ISBN 978-3-910914-48-3 / 26,00 Euro
    Klappenbroschur

Der Untertitel „Werke 3“, den der „abschließende Band“ der Joanna Russ-Werkausgabe des Carcosa Verlags trägt, ist eigentlich eine unzulässige Verkürzung. Die Herausgeberin Jeanne Cortiel formuliert es da in ihrem „Nachwort“ etwas ehrlicher: „Der vorliegende Band schließt die dreibändige deutschsprachige Ausgabe ausgewählter Texte […] ab.“

Denn Joanna Russ, die 1937 geboren wurde und 2011 im Alter von 74 Jahren starb, war unter anderem auch eine fleißige Schreiberin. Sie veröffentlichte zwischen 1955 und 2010, also 55 Jahre lang, auch wenn der Schwerpunkt ihres Schreibens in den Jahren zwischen 1960 und 1990 lag. Da bleibt für eine echte „Werkausgabe“ schon noch was übrig.

Andererseits müssen wir Hannes Riffel und Jeanne Cortiel natürlich dankbar sein, denn ihre Auswahl stellt Russ in Deutschland einem neuen Publikum vor – allzu lange schon waren ihre Bücher hier nicht mehr erhältlich. Und, wie schon in den Bänden 1 und 2, beschränkt sich die Textauswahl nicht nur auf die großen, unverzichtbaren Romane – in Band 3 ist dies DIE TODGEWEIHTEN… aus dem Jahr 1976 – sondern versucht auch, die Kurzgeschichtenautorin (hier mit „Seelen“ und „Körper“ vertreten), die Essayistin und die kenntnisreiche Geisteswissenschaftlerin, die kompetente Buchbesprechungen verfasst, zu präsentieren.

Und spätestens nach der Lektüre von „Pornografie von Frauen für Frauen, mit Liebe“, einer scharfsinnigen Untersuchung von STAR TREK-Fanfiction aus dem Jahr 1985, vermisse ich vor allem einen ganzen Band mit Russ-Essays. (Natürlich gehört Russ zu den wichtigsten feministischen Autorinnen der letzten 50 Jahre und hat mit ihren Prosawerken Maßstäbe und Meilensteine gesetzt – aber der Furor, der aus ihren Rezensionen und Essays sprüht, erreicht mich inzwischen eher als die grausame, trostlose Realitätssucht ihrer späten Romane.)

Und falls ich dann noch einen Wunsch frei hätte, würden mich die gesammelten Kurzgeschichten von Joanna Russ sicherlich auch für lange Zeit ans Lesepult fesseln (Oh, Ihr Ungläubigen! Natürlich habe ich ein Lesepult).

Oder, kürzer: Schade, dass mit JENSEITS DER GRENZEN die Joanna Russ-Werke zu Ende sind.

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