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    Horst Illmer
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    Insgesamt 213 Beiträge

    Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur

    von am 20. September 2021 2 Kommentare

    Christian Endres
    SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR.
    Illustrationen: Timo Kümmel
    Stolberg, Atlantis, 2021, 240 S.
    ISBN 978-3-86402-777-2 / 17,90 Euro
    Hardcover

    Nachdem Christian Endres in bisher zwei Büchern, die den Doyle-Helden Sherlock Holmes zum Protagonisten erkoren hatten, ausgiebig gezeigt hat, dass er dieser Figur sowohl in der kurzen Prosaform (2009 in der Story-Sammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES) als auch auf Romanlänge (SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN, 2015) gerecht werden kann, darf die geneigte Leserschaft sich weitere sechs Jahre später erneut unter die Fittiche dieses äußerst talentierten Geschichtenerzählers begeben.

    Seit der einzigartige Edgar Allan Poe vor fast zweihundert Jahren erstmals seinen C. Auguste Dupin als Ermittler auftreten ließ, wissen wir, dass es gerade die Kurzgeschichte ist, die sich für die Darstellung spannender Kriminalfälle und deren Lösung hervorragend eignet. Diese etwas in Vergessenheit geratene Tatsache wieder ins Bewusstsein der Leserinnen und Leser gerufen zu haben, ist nicht das kleinste Verdienst von Endres.

    In seiner soeben erschienenen Kurzgeschichtensammlung SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR zieht er erneut alle Register und bittet den englischen Meisterdetektiv Holmes und seinen treuen Freund und Chronisten Dr. Watson zum Tanz.

    Die Herausforderungen, denen sich das dynamische Duo stellen muss, reichen von weltbewegenden (da das Empire für die Briten ja „die Welt“ darstellt) Bedrohungen durch uraltes Geheimwissen hin zu Problemen mit exotischen Tieren, geheimnisvollen Todesfällen ohne erkennbare Ursachen und den Schwierigkeiten, die durch Langeweile oder Überarbeitung entstehen. Außerdem darf Holmes hin und wieder über seinen eigenen Schatten springen und sich mit „Klienten“ abgeben, denen er normalerweise die Tür gewiesen hätte, bzw. die ihn gar nicht zur Hilfe gerufen haben. Und dann muss er in „Unten am Fluss“, der anrührendsten Geschichte des Bandes, auch noch schweren Herzens Abschied nehmen von einem alten Weggefährten.

    Das Buch enthält 15 Erzählungen, 24 Short-Short-Stories, ein Vorwort sowie einen Anhang mit kurzen Notizen des Autors zur Entstehungsgeschichte (plus einen „Hidden Track“). Für die sehr stimmige Umschlaggestaltung, die Innenausstattung und die diversen Illustrationen zeichnet Timo Kümmel verantwortlich.

    Wer Holmes und Watson und Endres (oder auch nur einen davon) mag, sollte sich getrost über SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR hermachen – es bietet nicht nur Reisen in exotische Länder, fantastische Unterhaltung und schwarzhumorige Kabinettstückchen, sondern auch genügend Düsternis und Nebel um selbst Holmes-Puristen zufrieden zu stellen.

    Horst Illmer
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    Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur
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    20. September 2021 und 2 Kommentare

    Christian Endres
    SHERLOCK HOLMES UND DIE TIGERIN VON ESCHNAPUR.
    Illustrationen: Timo Kümmel
    Stolberg, Atlantis, 2021, 240 S.
    ISBN 978-3-86402-777-2 / 17,90 Euro
    Hardcover

    Nachdem Christian Endres in bisher zwei Büchern, die den Doyle-Helden Sherlock Holmes zum Protagonisten erkoren hatten, ausgiebig gezeigt hat, dass er dieser Figur sowohl in der kurzen Prosaform (2009 in der Story-Sammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES) als

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    Science-Fiction 100 Seiten

    von am 13. September 2021 2 Kommentare

    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich, ob seines Pessimismus, zutiefst verstörte. Dann wiederum ist Mamczak als Nachfolger des legendären Wolfgang Jeschke seit vielen Jahren für das SF-Programm des Heyne Verlags zuständig (und das ist, trotz einiger Schwächen, immer noch das in seiner Breite und Vielfalt beste hierzulande). Zuletzt hat er sogar mit EINE NEUE WELT ein lesenswertes Jugendsachbuch geschrieben. Und jetzt also erklärt uns Sascha Mamczak „die“ Science Fiction auf den einhundert kleinformatigen Seiten eines Reclam-Bändchens?!
    Etwas wofür der Kenner und Könner Dietmar Dath in seiner NIEGESCHICHTE weit mehr als den zehnfachen Platz benötigte. (Andererseits hat Dath die SUPERHELDEN in die „100 Seiten“-Reihe von Reclam gepackt – auch ’ne Überlegung wert.)
    Einhundertundzwei Seiten später (die zwei Seiten mit „Lese- und Filmtipps“ wurden aus der Zählung rausgenommen) weiß ich gar nicht mehr, wovor ich eigentlich „Bammel“ hatte. Mamczaks Text ist außergewöhnlich gut durchkonzipiert. Er enthält alles, was ein Kenner der Materie als unverzichtbar ansehen würde. Er ist sehr gut lesbar und anschaulich geschrieben (inklusiver einiger weniger Abbildungen und Schautafeln, die zur Auflockerung eingestreut sind). Er betrachtet die Science-Fiction als Medienverbund und legt das Hauptaugenmerk auf die enge Verbindung von Text und Film, die beide Kunstformen seit ihren Anfängen prägt.
    In vier Schritten (Grundlagen, Entwicklung, Etablierung, Ausblick) zeigt Mamczak seinen Lesern, was es braucht, um die Science-Fiction als genuin künstlerische Darstellung unserer Gegenwart (und Zukunft) zu erkennen. Und er zeigt auch, dass für „die“ Science Fiction weder 100 noch 1000 Seiten, noch ein ganzes Leben ausreichen.
    So macht Zukunft wieder Spaß!

    Horst Illmer
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    Science-Fiction 100 Seiten
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    13. September 2021 und 2 Kommentare

    Sascha Mamczak
    SCIENCE-FICTION. 100 SEITEN.
    Illustriert.
    Ditzingen, Reclam, 2021, 102 S.
    ISBN 978-3-15-020574-7 / 10,00 Euro
    Kartoniert

    Vor diesem Buch hatte ich ein wenig Bammel.
    Einerseits schätze ich den Autor Sascha Mamczak als Verfasser einiger wohldurchdachter und philosophisch gut begründeter Essays, die er in regelmäßigen Abständen auf »diezukunft.de« veröffentlicht. Andererseits schrieb er 2014 mit dem Heyne-Jubiläumsband DIE ZUKUNFT. EINE EINFÜHRUNG ein Sachbuch, das mich,

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    Bookboy

    von am 8. September 2021 noch kein Kommentar

    Ann-Kathrin Karschnick & Stefanie Mühlsteph (Hrsg.)
    BOOKBOY.
    24 Stunden im Leben eines Buchauslieferers.
    Illustrationen von Angelika Barth
    Meitingen, Verlag Torsten Low, 2021, 360 Seiten
    ISBN 978-3-96629-013-5 14,90 Euro
    Kartoniert

    Völlig anders als gewohnt (und ohne die Pandemie, bzw. den Lockdown kaum vorstellbar) präsentiert sich die von Ann-Kathrin Karschnick und Stefanie Mühlsteph zusammengestellte Themenanthologie BOOKBOY – 24 STUNDEN IM LEBEN EINES BUCHAUSLIEFERERS.
    Die in den letzten zwei Jahren für viele kleine Buchhandlungen überlebensnotwendig gewordene Serviceleistung der taggleichen „Direktbelieferung“ führte wohl vielerorts dazu, dass sich alltäglich unzählige Fahrradkuriere (je nach Fitnessgrad sogar die Buchhändler selbst) aufmachten und die begehrte Ware direkt zum Kunden brachten. (Und wer sein Leben nicht als Postbote fristet, weiß gar nicht, wie glücklich die Menschen dreinschauen, wenn’s „zweimal klingelt“.)
    Der „Held“ dieser ungewöhnlichen Story-Sammlung jedenfalls trägt den Namen Fabius, ist „Bookboy“ der Buchhandlung Leseratte, und erlebt in den 25 Geschichten, in denen wir ihn während eines beispielhaften Tags begleiten, genauso viele Abenteuer wie er Bücher an die Frau bzw. den Mann (und was ihm sonst noch die Tür öffnet) bringt.
    Neben einem Vorwort der Herausgeberinnen setzt der Verleger selbst mit gleich drei Texten den Rahmen, während die anderen Autorinnen und Autoren (mit dabei u. a. T. S. Orgel, Torsten Scheib und Katja Richter) im Stundentakt einzelne Episoden präsentieren, sodass BOOKBOY fast zu einem Episodenroman wird. Hübsches Detail am Rande: Der Umschlag und die aufwändige Buchgestaltung, inklusive zweier Porträts des Buchhändlers und von Fabius, stammen von Angelika Barth.
    Ein rundum gelungenes Experiment.

    Horst Illmer
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    Bookboy
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    8. September 2021 und noch kein Kommentar

    Ann-Kathrin Karschnick & Stefanie Mühlsteph (Hrsg.)
    BOOKBOY.
    24 Stunden im Leben eines Buchauslieferers.
    Illustrationen von Angelika Barth
    Meitingen, Verlag Torsten Low, 2021, 360 Seiten
    ISBN 978-3-96629-013-5 14,90 Euro
    Kartoniert

    Völlig anders als gewohnt (und ohne die Pandemie, bzw. den Lockdown kaum vorstellbar) präsentiert sich die von Ann-Kathrin Karschnick und Stefanie Mühlsteph zusammengestellte Themenanthologie BOOKBOY – 24 STUNDEN IM LEBEN EINES BUCHAUSLIEFERERS.
    Die in den letzten

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    Billy Summers

    von am 1. September 2021 1 Kommentar

    Stephen King
    BILLY SUMMERS. Roman.
    Ü: Bernhard Kleinschmidt
    (Billy Summers / 2021)
    München Heyne, 2021, 720 S.
    ISBN 978-453-27359-7 / 26,00 Euro

    Stephen King hat inzwischen weit über fünfzig Bücher geschrieben, gute und weniger gute, spannende und sehr spannende, gruselige und phantastische – niemals jedoch langweilige.
    So nimmt es auch nicht Wunder, dass BILLY SUMMERS, sein Roman über einen Auftragsmörder, trotz der eigentlich nicht zur Identifizierung geeigneten Hauptfigur, von der ersten Seite an den gewohnten Sog auf die Leser ausübt.
    Billy Summers ist zwar ein Attentäter, der gegen Bezahlung Menschen tötet, zugleich aber ist er ein intelligenter, überaus belesener Kriegsveteran. Billy hat Regeln: Er tötet nur „schlechte Menschen“, die es verdient haben zu sterben. Billy versteht es, sich zu verstellen: Auf seine Umwelt wirkt er wie ein etwas unterbelichteter Leser von Unterhaltungscomics. Billy ist ausgelaugt: Er will nur noch diesen einen, letzten Auftrag erledigen. Und, wie sich herausstellt, ist Billy auch noch ein verhinderter Schriftsteller.
    Denn ausgerechnet einen solchen soll er zur Tarnung spielen, während er in Red Bluff (der Südstaatenversion von Derry, Kings Lieblingskleinstadt in Maine) monatelang festsitzt und auf die Ankunft seiner „Zielperson“ wartet. Seine Auftraggeber, die Billy für etwas zurückgeblieben halten und sich wie toll über ihren Scherz freuen, haben ihm nicht nur eine passende Legende als „Dave Lockridge, angehender Bestsellerautor“ zurecht gestrickt, sondern auch ein Haus und ein Büro angemietet. Billy fragt sich zwar, wozu dieser Aufwand gut sein soll, fügt sich dann aber und beginnt, mehr aus Langeweile als aus echter Lust am Schreiben, damit, seine Geschichte aufzuschreiben.
    Und dann passiert mit Billy genau das, was vermutlich auch Stephen King immer wieder passiert, wenn er das Schreibprogramm öffnet: Er ist gefangen in (s)einer Parallelwelt, die er ganz alleine gestalten kann!
    King lässt Billy also einen Roman im Roman schreiben, in dem dieser versucht, Klarheit über sein bisheriges Leben und die Gründe für seine Anwesenheit in Red Bluff zu gewinnen. Wie nicht anders zu erwarten, besitzt auch dieser Meta-Text die nötige Qualität, um nicht als Fremdkörper zu wirken und die Leser bei der Stange zu halten.
    Doch Stephen King ist ein alter Fuchs und hat natürlich noch ganz andere Mittel, um Billys Weg aufzuzeigen, ebenso wie sich noch vor der Hälfte des Buches zeigt, dass dieser „letzte“ Auftrag sich zu etwas ganz anderem ausweitet als gedacht …

    Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass King im Geheimen seit längerem an einer wirklichen (im Sinne von echt/unverfälscht) „Geschichte der USA im 20. & 21. Jahrhundert“ schreibt, dass also neben den jeweiligen, das Publikum zum Mitfiebern bringenden, Erzählungen der Hauptfiguren das eigentlich Wichtige die Nebenfiguren und Hintergrundbilder sind. Hier erweist sich King als der echte Großmeister, als Autor, der wie Charles Dickens oder Émile Zola (die beide, wie zufällig, auf der ersten Seite auftauchen) zukünftigen Historikern ein viel adäquateres Bild seiner Zeit vermittelt, als dies die offiziellen Geschichtsbücher tun werden.
    Aber darauf kann man als Leser wirklich erst beim zweiten Durchgang achten – dafür ist BILLY SUMMERS beim ersten Mal viel zu spannend.

    Horst Illmer
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    Billy Summers
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    1. September 2021 und 1 Kommentar

    Stephen King
    BILLY SUMMERS. Roman.
    Ü: Bernhard Kleinschmidt
    (Billy Summers / 2021)
    München Heyne, 2021, 720 S.
    ISBN 978-453-27359-7 / 26,00 Euro

    Stephen King hat inzwischen weit über fünfzig Bücher geschrieben, gute und weniger gute, spannende und sehr spannende, gruselige und phantastische – niemals jedoch langweilige.
    So nimmt es auch nicht Wunder, dass BILLY SUMMERS, sein Roman über einen Auftragsmörder, trotz der eigentlich nicht

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    Optimismus und Overkill

    von am 30. August 2021 noch kein Kommentar

    Hans Frey
    OPTIMISMUS UND OVERKILL – DEUTSCHE SCIENCE FICTION IN DER JUNGEN BUNDESREPUBLIK.
    Von den Anfängen der BRD bis zu den Studentenprotesten 1945–1968.
    Berlin, Memoranda, 2021, 542 S.
    ISBN 978-3-948616-56-4 / 26,90 Euro
    Klappenbroschur

    Mit OPTIMISMUS UND OVERKILL liegt nun bereits der dritte Teil von Hans Freys „Literaturgeschichte der deutschen Science Fiction“ (S. 12) vor. Wie erwartet, setzt sich der Trend zu immer kürzeren Zeiträumen und zu mehr Umfang fort. Nach FORTSCHRITT UND FIASKO (das auf 300 Seiten die Jahre 1810 bis 1918 beleuchtet) und AUFBRUCH IN DEN ABGRUND (gute 500 Seiten für die Zeit von 1918 bis 1945) untersucht Frey in OPTIMISMUS UND OVERKILL die Nachkriegszeit in der BRD von 1945 bis 1968 und braucht dafür deutlich über 500 Seiten Platz.

    Dass das Ende des Zweiten Weltkriegs eine epochale Zäsur für Deutschland und seine Literatur darstellt, ist eine Binsenweisheit. Frey legt überzeugend dar, weshalb für ihn das Jahr 1968 eine ebensolche (wenngleich naturgemäß weniger desaströse) Bruchlinie ist. Nach Wiederaufbau und Wirtschaftwunder wird die neugeschaffene Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Verlauf der Studentenunruhen und Jugendproteste der Sechzigerjahre endlich „erwachsen“.

    Parallel dazu führt Frey aus, dass dies für die in der BRD erschienene Science-Fiction-Literatur gleichermaßen gilt. Maßgeblich unterstützt von den drei Westmächten entsteht ein neuer, freier Literaturbetrieb – in dem allerdings immer wieder auch noch die „alten“ Protagonisten (Autoren, Verleger, Lektoren, Kritiker und Literaturwissenschaftler) auftauchen und, manchmal nur leicht in der Wolle gefärbt, erneut mitspielen wollen.
    Trotzdem weht ein frischer Wind in der phantastischen Literaturszene – und er weht vor allem aus Westen: die amerikanische Science Fiction hatte zwanzig Jahre Zeit (ihr „goldenes Zeitalter“) und drängt mit aller Macht in diesen neuen Markt. Und hierzulande wird das schmerzlich Vermisste, aus anderen Sprachen Übersetzte, wie von einem trockenen Schwamm aufgesogen. Viele Traditionslinien werden jetzt erst einmal gekappt, einige davon später wieder aufgenommen, manche sind bis heute nur noch antiquarisch erforschbar.
    Aber es gibt auch viele Versuche, Eigenständiges zu produzieren.

    OPTIMISMUS UND OVERKILL erzählt all dies spannend, kenntnisreich und stilsicher – ein Sachbuch wie es eigentlich nur englischsprachige Autoren schreiben können. Aber auch hier haben wir in Deutschland inzwischen dazugelernt!

    Horst Illmer
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    Optimismus und Overkill
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    30. August 2021 und noch kein Kommentar

    Hans Frey
    OPTIMISMUS UND OVERKILL – DEUTSCHE SCIENCE FICTION IN DER JUNGEN BUNDESREPUBLIK.
    Von den Anfängen der BRD bis zu den Studentenprotesten 1945–1968.
    Berlin, Memoranda, 2021, 542 S.
    ISBN 978-3-948616-56-4 / 26,90 Euro
    Klappenbroschur

    Mit OPTIMISMUS UND OVERKILL liegt nun bereits der dritte Teil von Hans Freys „Literaturgeschichte der deutschen Science Fiction“ (S. 12) vor. Wie erwartet, setzt sich der Trend zu immer

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    DAVE

    von am 25. August 2021 1 Kommentar

    Raphaela Edelbauer
    DAVE. Roman.
    Stuttgart, Klett-Cotta, 2021, 431 Seiten
    ISBN 978-3-608-96473-8 / 25,00 Euro

    Eine Künstliche Intelligenz programmieren.
    Genesis! Schöpfung!
    Wer ist/sind der/die Schöpfer und wie funktioniert das mit dem Erschaffen?
    Was wird das für ein Geschöpf sein?

    Wer solche grundstürzenden Fragen stellt, muss sich seine Antworten womöglich selbst irgendwo im Universum zusammensuchen. Die 1990 in Wien geborene Schriftstellerin Raphaela Edelbauer zeigt in ihrem neuen Roman, dass sie sich das zutraut. Ihrer KI hat sie den Namen DAVE verliehen (auch wenn sie nach drei Komplettüberarbeitungen nicht mehr weiß, wofür die Abkürzung steht) und ihr Roman beginnt mit dem Urknall, dem Entstehen von Sonnen, Planeten, Molekülen, Bakterien – und der ersten erkenntnisfähigen Lebensform Archea Methanopyri, von der aus es nur noch »ein Wimpernschlag« war, so »eine, zwei Milliarden Jahre« bis zur finalen Apotheose: DAVE.

    Der Ort an dem »DAVE« spielt bleibt im Unbestimmten, ist aber ein eigener Arbeitsplatz-Lebenserhaltungs-Versorgungs-Kosmos. Die MitarbeiterInnen (Programmierer, Servicekräfte, Sicherheitsdienst, Techniker) und Vorgesetzten haben zwar Namen, ihr Erscheinungsbild bleibt aber seltsam fluide. Die Welt in der sich Syz, der »Held der Geschichte«, in die Ärztin Khatun verliebt ist zuallererst eine Serverfarm. Das Geschehen nimmt einen schicksalhaften, unaufhaltsamen Verlauf, dessen Abfolge sich liest wie eine postmodern-kafkaeske Um- und Neuschreibung des »Frankenstein«-Mythos.

    Edelbauer, die zwar schon seit zehn Jahren schriftstellerisch tätig ist, jedoch erst seit ihrer 2017 veröffentlichten Poetik ENTDECKER und dem 2019 folgenden Debüt-Roman DAS FLÜSSIGE LAND so richtig ins Rampenlicht getreten ist, wurde in den letzten drei Jahren mit Preisen geradezu überhäuft. Ihr Stil ist bildgewaltig und Reich an Metaphern, ist unterlegt mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors, eignet sich hervorragend zum Vorlesen und besitzt eine erfrischend eigene Klangfarbe.

    Man spürt auf jeder Seite, in jedem Satz, die brennende Intelligenz dieser Autorin, die nicht nur Angewandte Kunst und Philosophie studiert hat, die nicht nur innerhalb kürzester Zeit jede Menge Preise abgeräumt hat und in Interviews immer auf das Primat der Naturwissenschaften hinweist. »DAVE« ist so viel mehr als nur ein spannender Wissenschafts-Thriller, auch mehr als ein Diskussionsbeitrag zu einem der spannendsten Zukunftsprojekte – wer sich mit »DAVE« ernsthaft auseinandersetzt, kommt nicht darum herum, sich selbst zu befragen: Wie hältst Du es denn, mit Dem/Deinem Schöpfer?

    Horst Illmer
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    DAVE
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    25. August 2021 und 1 Kommentar

    Raphaela Edelbauer
    DAVE. Roman.
    Stuttgart, Klett-Cotta, 2021, 431 Seiten
    ISBN 978-3-608-96473-8 / 25,00 Euro

    Eine Künstliche Intelligenz programmieren.
    Genesis! Schöpfung!
    Wer ist/sind der/die Schöpfer und wie funktioniert das mit dem Erschaffen?
    Was wird das für ein Geschöpf sein?

    Wer solche grundstürzenden Fragen stellt, muss sich seine Antworten womöglich selbst irgendwo im Universum zusammensuchen. Die 1990 in Wien geborene Schriftstellerin Raphaela Edelbauer zeigt in

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    Der Wüstenplanet

    von am 23. August 2021 3 Kommentare

    Frank Herbert
    DER WÜSTENPLANET. Roman.
    Ü : Jakob Schmidt, Ill.: John Schoenherr
    (DUNE / 1965)
    München, Heyne, 2016, 800 S.
    ISBN 978-3-453-31717-8

    Seit der ersten (stark gekürzten) deutschen Übersetzung von Frank Herberts Roman DER WÜSTENPLANET durch Wulf H. Bergner im Jahr 1967 lebten die Leser hierzulande mit der Frage, was denn an diesem Werk so besonderes sei. Auch die 1978 erfolgte (und danach noch mehrmals überarbeitete) Fassung von Ronald M. Hahn wurde der Sprachgewalt Herberts nicht wirklich gerecht. Erst die seit 2016 vorliegende Übertragung durch Jakob Schmidt kann als wirklich gelungen gelten und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für viele Jahre ihre Gültigkeit bewahren.
    Bei wenigen Büchern aus dem Bereich der Science Fiction gibt es derart unterschiedliche Urteile wie bei diesem, mittlerweile über fünfzig Jahre alten Roman. Immer wieder gewinnt das Buch Umfragen nach dem besten Science-Fiction-Roman aller Zeiten und ebenso vehement bestreiten seine Kritiker jede inhaltliche wie stilistische Qualität.
    Frank Herbert hat einen Abenteuer-Roman geschrieben, der auf einem Planeten namens Arrakis spielt und die Entwicklung eines jungen Mannes zum Anführer und Rebellen beschreibt. Auf dieser obersten Textschicht entwickelt sich eine Geschichte, die ebenso farbig wie spannend ist und einen faszinierend detaillierten Weltentwurf vorstellt.
    Der Wüstenplanet selbst wird zum machtvoll Mitwirkenden und entfaltet sich vor dem Leser als ein ökologisches System, dessen Darstellung weit über alles hinausgeht, was die Science Fiction bis dahin kannte. Herbert gelingt es, das Zusammenspiel von Sand, Wind, Würmern, Wasser, Luft- und Bodenschichten, ja selbst der Mikroorganismen als spannenden Bestandteil der Erzählung mitzugeben. Es wird klar, dass grobe Eingriffe, wie zum Beispiel das Terraforming, nur zur Vernichtung dieses Kreislaufs führen können. Wenn man Arrakis verändern will, wenn man für die einheimischen Fremen eine leichter erträgliche Welt formen will, muss man mit ihnen und den naturgegebenen Möglichkeiten ein langsames und vorsichtiges Programm entwickeln und ausführen.
    Von allen unterschwelligen Motiven, die Frank Herbert in dieses Buch gelegt hat, ist das wohl am leichtesten zu übersehende das der utopischen Gesellschaft der Fremen. Mit der Beschreibung der Lebensweise dieses Wüstenvolkes, seiner Riten und Gebräuche, seiner Stammesstruktur und Religion, seiner Kunst, die Möglichkeiten dieser unwirtlichen Welt zu nutzen und jede Verschwendung zu vermeiden, bringt der Autor viele Ideen auf den Punkt, die sich erst Jahre später in den Programmen von Umweltgruppen und Parteien artikulierten.
    Das alles macht aus dem WÜSTENPLANETEN ein meisterhaftes Buch, einen Jahrhundert-Roman, den zu lesen man sich keinesfalls entgehen lassen sollte!

    Horst Illmer
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    Der Wüstenplanet
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    23. August 2021 und 3 Kommentare

    Frank Herbert
    DER WÜSTENPLANET. Roman.
    Ü : Jakob Schmidt, Ill.: John Schoenherr
    (DUNE / 1965)
    München, Heyne, 2016, 800 S.
    ISBN 978-3-453-31717-8

    Seit der ersten (stark gekürzten) deutschen Übersetzung von Frank Herberts Roman DER WÜSTENPLANET durch Wulf H. Bergner im Jahr 1967 lebten die Leser hierzulande mit der Frage, was denn an diesem Werk so besonderes sei. Auch die 1978 erfolgte (und danach noch

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    Zarter Schmelz

    von am 18. August 2021 1 Kommentar

    Ralf König (Text, Zeichnungen & Farbe)
    LUCKY LUKE HOMMAGE 5 – ZARTER SCHMELZ.
    Berlin, Egmont, 2021, 64 S.
    ISBN 978-3-7704-0500-8 / 16,00 Euro
    Hardcover

    Warum soll es eigentlich immer nur für US-amerikanische Superhelden neue Origin-Storys geben?

    Der inzwischen auch schon 75-jährige Lucky Luke jedenfalls bekommt im fünften „Hommage“-Band ZARTER SCHMELZ vom deutschen Kult-Comic-Zeichner Ralf König ein seinem Alter angemessenes Best-Ager-Abenteuer auf die Unterwäsche (das typische Superhelden-Kostüm) geschrieben – inklusive Rückblick auf die Zeit, als er mit seinem Colt noch etwas unbedachter um sich schoss als heutzutage.

    Der „poor lonesome Cowboy“ tritt in dieser Geschichte erst einmal einen Schritt zurück und überlässt die Bühne einem ebenso ungleichen wie illustren Duo, dessen Schicksal aus der Rückblende erzählt wird: Terrence McQueen und Bud Willis haben während eines gemeinsamen Schafe-Hüten-Auftrags nämliche ihre Zuneigung zueinander entdeckt – und weil im Wilden Westen so etwas noch auf sehr großes Unverständnis stößt, muss Lucky Luke ganz tief in die Trickkiste greifen, um ihnen eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen. Unterstützt und behindert wird er dabei von lieben alten Bekannten wie den Daltons und Calamity Jane, einem Schweizer Viehzüchter mit lila Kühen und den Einwohnern von Straight Gulch, einer typischen Westernstadt, wo Neuankömmlinge auf dem Ortsschild den „freundlichen“ Hinweis lesen können: „Fremder, mach dich vom Acker, sonst liegst du bald drunter!“

    König gelingt das Kunststück, seinen Lucky Luke in jedem Moment „original“ erscheinen zu lassen und trotzdem einen humorvoll geschriebenen und gezeichneten „typischen“ Ralf-König-Comic zu produzieren. Hut ab!

    Horst Illmer
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    Zarter Schmelz
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    18. August 2021 und 1 Kommentar

    Ralf König (Text, Zeichnungen & Farbe)
    LUCKY LUKE HOMMAGE 5 – ZARTER SCHMELZ.
    Berlin, Egmont, 2021, 64 S.
    ISBN 978-3-7704-0500-8 / 16,00 Euro
    Hardcover

    Warum soll es eigentlich immer nur für US-amerikanische Superhelden neue Origin-Storys geben?

    Der inzwischen auch schon 75-jährige Lucky Luke jedenfalls bekommt im fünften „Hommage“-Band ZARTER SCHMELZ vom deutschen Kult-Comic-Zeichner Ralf König ein seinem Alter angemessenes Best-Ager-Abenteuer auf

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    Klara und die Sonne

    von am 11. August 2021 3 Kommentare

    Kazuo Ishiguro
    KLARA UND DIE SONNE. Roman.
    Übersetzt von Barbara Schaden
    (Klara and the Sun / 2021)
    München, Blessing, 2021, 350 S.
    ISBN 978-3-89667-693-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

    Ein paar Jahre hat er sich Zeit gelassen, der Literatur-Nobelpreisträger von 2017, aber dann hat es Kazuo Ishiguro wieder gepackt und er musste seinen nächsten Science-Fiction-Roman schreiben. Herausgekommen ist dabei KLARA UND DIE SONNE, ein Roman in dem eine Androidin als „beste Freundin“ für eine Jugendliche herhalten muss und in dem sich wieder einmal die alte Frage stellt: sind Maschinen die besseren Menschen?
    Ishiguro behandelt dieses Problem natürlich auf die ihm eigene Weise, die so gar nichts zu tun hat mit dem, was ein Genre-Autor daraus machen würde (bzw. schon hundertfach gemacht hat). Wer ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN (2005) gelesen hat, weiß, dass Ishiguros Kennzeichen vor allem die zurückgenommene Erzählerstimme ist, die langsam, leise und unbeirrbar mitprotokolliert.
    Die Geschichte von Klara und ihrer menschlichen „Freundin“ Josie folgt dem klassischen Muster des (kybernetischen) Entwicklungsromans, von den ersten Eindrücken Klaras im Schaufenster des Geschäfts, in dem sie zum Verkauf steht, bis hin zur Erkenntnis, dass Menschen nicht immer meinen was sie sagen und letztendlich der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit.
    Etwas viel philosophischer Überbau – aber es ist ja auch das Buch eines Nobelpreisträgers.

    Horst Illmer
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    Klara und die Sonne
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    11. August 2021 und 3 Kommentare

    Kazuo Ishiguro
    KLARA UND DIE SONNE. Roman.
    Übersetzt von Barbara Schaden
    (Klara and the Sun / 2021)
    München, Blessing, 2021, 350 S.
    ISBN 978-3-89667-693-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

    Ein paar Jahre hat er sich Zeit gelassen, der Literatur-Nobelpreisträger von 2017, aber dann hat es Kazuo Ishiguro wieder gepackt und er musste seinen nächsten Science-Fiction-Roman schreiben. Herausgekommen ist dabei KLARA UND DIE SONNE, ein Roman

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    Feuerseelen

    von am 4. August 2021 noch kein Kommentar

    Annie Francé-Harrar
    FEUERSEELEN.
    Herausgegeben von Sandra Thoms
    Hamburg, Plan 9, 2021, 180 Seiten,
    ISBN 978-3-948700-29-4, 20 Euro
    Hardcover

    Ökologie als Thema in der Science Fiction? Zeitgeistgemäß in den 1980er erstmals aufgetaucht und derzeit groß in Mode – Falsch!
    Bereits 1920 erschien der phantastische Roman FEUERSEELEN erstmals, in dem die 1886 geborene Münchenerin Annie Harrar (nach ihrer Heirat Annie Francé-Harrar) nicht nur eine technisch hochentwickelte Zivilisation der Zukunft beschreibt, sondern auch deren Untergang, hervorgerufen durch die ungezügelte Verschwendung von Ressourcen und die Zerstörung von Natur und Umwelt. Während bedeutend Einzelne dieses Problem erkennen und versuchen, ihre Zeitgenossen zu warnen, wollen die meisten von ihnen jedoch nicht von Luxus und Laster lassen. Sehenden Auges laufen sie in ihr Verderben …
    Herausgegeben und überarbeitet von Sandra Thoms liegt FEUERSEELEN jetzt in der Reihe „Vergessene Sterne“ im Verlag Plan 9 in einer vorbildlich aufgemachten Ausgabe vor. Wie Thoms in ihrem Nachwort erläutert, wurde das Buch für heutige Leser sprachlich etwas modernisiert und dadurch seine Bedeutung und Originalität besser erkennbar.
    Francé-Harrar war als Biologin ihrer Zeit weit voraus und entwickelte gemeinsam mit ihrem Ehemann Raoul Francé wegweisende Konzepte zur Kompostierung von Großstadtmüll. Als sie 1971 starb, hatte sie zudem fast fünfzig Bücher geschrieben, hunderte von Vorträgen gehalten und tausende von Artikeln veröffentlicht.
    Und die deutsche Science Fiction um einen einzigartig visionären Roman bereichert.

    Horst Illmer
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    Feuerseelen
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    4. August 2021 und noch kein Kommentar

    Annie Francé-Harrar
    FEUERSEELEN.
    Herausgegeben von Sandra Thoms
    Hamburg, Plan 9, 2021, 180 Seiten,
    ISBN 978-3-948700-29-4, 20 Euro
    Hardcover

    Ökologie als Thema in der Science Fiction? Zeitgeistgemäß in den 1980er erstmals aufgetaucht und derzeit groß in Mode – Falsch!
    Bereits 1920 erschien der phantastische Roman FEUERSEELEN erstmals, in dem die 1886 geborene Münchenerin Annie Harrar (nach ihrer Heirat Annie Francé-Harrar) nicht nur eine technisch hochentwickelte

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