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    Wer könnte besser geeignet sein, über Bücher zu schreiben, als Horst Illmer. Autor des Magazins Phantastisch! Weggefährte meines Vaters und Herausgeber einer Bibliographie über phantastische Literatur.

    Ray Bradbury – Poet des Raketenzeitalters

    von am 14. Juni 2021 1 Kommentar

    Hardy Kettlitz
    RAY BRADBURY – POET DES RAKETENZEITALTERS.
    Mit Beiträgen von Ekkehard Redlin, Erik Simon, Jewgeni Lukin sowie einer Bibliografie von Joachim Körber
    Berlin, Memoranda, 2021, 423 Seiten
    ISBN 978-3-948616-54-0 / Klappenbroschur / 22,90 Euro
    SF-Personality Band 24

    Der Amerikaner Ray Bradbury (1920–2012) gehört zu den wenigen Schriftstellern seiner Generation, die nicht nur bei den Fans der Science Fiction, der Fantasy und des gepflegten Horrors bleibenden Eindruck hinterlassen haben, sondern auch die Krimileser und das Mainstream-Publikum ansprachen. Werke wie DIE MARSCHRONIKEN oder FAHRENHEIT 451 führen längst ein Eigenleben und sind aus der Weltliteratur nicht mehr wegzudenken.

    Zu seinen Lebzeiten schrieb Bradbury nicht nur an die fünfhundert Kurzgeschichten und zehn Romane, sondern auch jede Menge Film-Drehbücher, Theaterstücke, Gedichte, Essays, Comics und Hörspiele. Im 24. Band der Reihe „SF Personality“ bringt Hardy Kettlitz diesen Wust nun in (chronologische) Ordnung.

    Neben einer ausführlichen biografischen Übersicht gibt es Erläuterungen zu allen Romanen und zu über vierhundertfünfzig Stories, durchgehend mit den Entstehungsdaten und (soweit vorhanden) den Angaben zur deutschen Übersetzung. Vielen Einträgen beigestellt sind Cover-Abbildungen der Magazine und Bücher, in denen die jeweiligen Texte erstmals erschienen, darunter sogar einige ganz frühe Fanzines aus den 1930er Jahren.

    Natürlich gibt es eine Bibliografie der in deutscher Sprache erschienenen Bücher Bradburys, dazu noch drei Essays, die sich mit der Bradbury-Rezeption im ehemaligen Ostblock auseinandersetzen sowie ein Register. Auf über 400 Seiten wird so in RAY BRADBURY – POET DES RAKETENZEITALTERS ein langes und produktives Schriftstellerleben konzentriert erschlossen.

    Nicht nur für Bradbury-Fans ein echter Gewinn.

    Horst Illmer
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    Ray Bradbury – Poet des Raketenzeitalters
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    Hardy Kettlitz
    RAY BRADBURY – POET DES RAKETENZEITALTERS.
    Mit Beiträgen von Ekkehard Redlin, Erik Simon, Jewgeni Lukin sowie einer Bibliografie von Joachim Körber
    Berlin, Memoranda, 2021, 423 Seiten
    ISBN 978-3-948616-54-0 / Klappenbroschur / 22,90 Euro
    SF-Personality Band 24

    Der Amerikaner Ray Bradbury (1920–2012) gehört zu den wenigen Schriftstellern seiner Generation, die nicht nur bei den Fans der Science Fiction, der Fantasy und des weiterlesen…

    Ein Modernes Utopia

    von am 24. Mai 2021 noch kein Kommentar

    H. G. Wells
    EIN MODERNES UTOPIA.
    Ü: Joachim Körber, Illustrationen: E. J. Sullivan
    (A Modern Utopia / 1905)
    Kehrig, Joachim Körber Verlag (Edition Phantasia), 2021, 294 S.
    ISBN 978-3-937897-59-2 / 18,90 Euro
    Phantasia Paperback Science Fiction 1015

    Kennen Sie die UTOPIA von Thomas Morus? Oder Platons STAAT? Den RÜCKBLICK von Edward Bellamy? Die SONNENSTADT von Tommaso Campanella?
    Macht nichts. Brauchen Sie auch nicht mehr nachzuholen, denn nachdem Sie EIN MODERNES UTOPIA von H. G. Wells gelesen haben, sind Ihnen die Unzulänglichkeiten seiner Vorläufer bekannt – und vor allem: Sie wissen dann, dass und wie es besser geht!

    Angeregt von der Lektüre einer Vielzahl älterer Staatsromane, aufgebracht durch die Fehler zeitgenössischer Politik und im festen Glauben, eine in sich stimmige und überzeugende utopische Alternative generieren zu können, setzte sich Wells zu Beginn des 20. Jahrhunderts hin und schrieb eine „moderne“ Utopie.
    Erstmals kritisiert hier ein Autor nicht nur die „Fehler“, die nach seiner Meinung den Vorläufern zu Eigen sind, sondern setzt seine Erkenntnisse auch um und schreibt tatsächlich etwas ganz Neues. Dem Statischen, das den „alten“ Utopien anhaftet, setzt Wells die Dynamik und Veränderlichkeit entgegen, welche ein funktionierendes reales Staatswesen ausmachen.
    Betrachtet man z. B. das platonische Ideal oder die originale INSEL UTOPIA, so wollte dort wohl niemand wirklich leben. Das MODERNE UTOPIA der Wells’schen Vorstellung dagegen wirkt auch über einhundert Jahre nach seiner Erfindung noch einladend: Hier herrschen echte Gleichberechtigung der Geschlechter wie der Völker und Religionen. Es gibt praktisch nur noch „grüne“ Energie, ökologische Umweltgestaltung und ein bedingungsloses Grundeinkommen. Niemand isst mehr Fleisch und jeder arbeitet nur so viel wie es seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Angeführt wird dieser Staat von einem „Orden“ von idealistischen, „Samurai“ genannten, Staatsbeamten.
    Einige „utopische“ Konventionen hat Wells beibehalten: Es gibt den Besucher (bzw. hier zwei Besucher) von außerhalb, die neue Gesellschaft wird Schritt für Schritt entdeckt, ein oder mehrere „Führer“ begleiten diese Entdeckungen mit hilfreichen Erklärungen – und die Rahmenhandlung bleibt eine solche: ein Rahmen für die Vorstellungen des Autors.

    Bei der Leserin, beim Leser sollte also eine gesunde Neugier vorhanden sein auf den Weltentwurf eines der klügsten und wichtigsten Autoren des letzten Jahrhunderts, der mit seinen Werken nicht nur der Science Fiction aus der Wiege half, sondern auch die Sozialwissenschaften und die Futurologie mitbegründet hat.

    Horst Illmer
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    Ein Modernes Utopia
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    H. G. Wells
    EIN MODERNES UTOPIA.
    Ü: Joachim Körber, Illustrationen: E. J. Sullivan
    (A Modern Utopia / 1905)
    Kehrig, Joachim Körber Verlag (Edition Phantasia), 2021, 294 S.
    ISBN 978-3-937897-59-2 / 18,90 Euro
    Phantasia Paperback Science Fiction 1015

    Kennen Sie die UTOPIA von Thomas Morus? Oder Platons STAAT? Den RÜCKBLICK von Edward Bellamy? Die SONNENSTADT von Tommaso Campanella?
    Macht nichts. Brauchen Sie auch nicht mehr nachzuholen, weiterlesen…

    Die schwarze Grippe

    von am 10. Mai 2021 4 Kommentare

    Joachim Körber (Hrsg.)
    DIE SCHWARZE GRIPPE.
    Das kleine Corona-Weltuntergangs-Lesebuch.
    Übersetzt von Joachim Körber
    Kehrig, Joachim Körber Verlag, 2021, 224 S.
    ISBN 978-3-937897-62-2 / 15,90 Euro
    Phantasia Paperback Science Fiction 1016 / Klappenbroschur

    Schwarzer Humor ist ja grundsätzlich ein Pluspunkt, den ich einem Autor oder Herausgeber gutschreibe, umso mehr als es in unserer gramgetrübten Gegenwart eines nicht unerheblichen Mutes bedarf, damit öffentlich zu werden. Dank also an Joachim Körber, der gleichermaßen als Verleger, Herausgeber und Übersetzer verantwortlich ist für das „kleine Corona-Weltuntergangs-Lesebuch“, das im Mai 2021 unter dem Titel DIE SCHWARZE GRIPPE als Phantasia Paperback erschienen ist.
    Enthalten sind in dieser „Reiseapotheke des Grauens“ elf sowohl klassische als auch moderne Antidots gegen Weltschmerz und Langeweile. Das beginnt mit einer Pest-Phantasie von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1782 (ja, auch unsere deutschen Klassiker konnten „schaurig“ sein, wenn sie wollten), danach folgen der wie immer unverzichtbare Edgar A. Poe, der große Jack London und der hier nicht erwartete Edgar Wallace, bevor Körber phantastische Geschichten von aktuellen, aber bei uns leider noch viel zu wenig bekannten Autoren wie Richard Kadrey, Greg Egan und Tananarive Due präsentiert.
    Zweihundert Seiten auf denen sich Tod, Verzweiflung, Seuchen und Apokalypsen darum balgen, wer der Menschheit auf möglichst grausige Weise den Garaus machen darf – und wir sind immer noch da, diesen Streit genüsslich zu verfolgen.
    Wie gesagt: Schwarzer Humor ist ein Pluspunkt!

    Horst Illmer
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    Die schwarze Grippe
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    Joachim Körber (Hrsg.)
    DIE SCHWARZE GRIPPE.
    Das kleine Corona-Weltuntergangs-Lesebuch.
    Übersetzt von Joachim Körber
    Kehrig, Joachim Körber Verlag, 2021, 224 S.
    ISBN 978-3-937897-62-2 / 15,90 Euro
    Phantasia Paperback Science Fiction 1016 / Klappenbroschur

    Schwarzer Humor ist ja grundsätzlich ein Pluspunkt, den ich einem Autor oder Herausgeber gutschreibe, umso mehr als es in unserer gramgetrübten Gegenwart eines nicht unerheblichen Mutes bedarf, damit öffentlich zu werden. Dank weiterlesen…

    Der letzte Mensch

    von am 29. März 2021 noch kein Kommentar

    Mary Shelley
    DER LETZTE MENSCH. Roman.
    Übersetzt von Irina Philippi
    Nachworte von Rebekka Rohleder & Dietmar Dath
    (THE LAST MAN / 1826)
    Ditzingen, Reclam, 2021, 585 S.
    ISBN 978-3-15-011328-8 / 26,00 Euro

    Brauchen wir jetzt wirklich noch eine apokalyptische Geschichte, in der es darum geht, dass die Menschheit von einer Seuche dahingerafft wird? Bevor wir darauf antworten, sollten wir doch erst einmal klären, wovon tatsächlich die Rede ist.

    Im Reclam Verlag ist zum Jahresbeginn die Übersetzung von Mary Shelleys (1797–1850) Roman »Der letzte Mensch« erschienen. Ein Buch, das erstmals 1826, also vor fast zweihundert Jahren, das Licht der Welt erblickte. Ein Buch, das (immer noch) in einer Zukunft gegen Ende des 21. Jahrhunderts spielt. Ein Buch, das so verstörend auf seine Zeitgenossen wirkte, dass es jahrzehntelang keine Nachauflagen gab. Ein Science-Fiction-Roman, der auch in Deutschland erst Anfang der 1980er Jahre erstmals (und dann nur stark gekürzt) veröffentlicht wurde.

    Shelley erzählt hier die Lebensgeschichte von Lionel Verney, der in einer weit entfernten Zukunft aus einfachsten Verhältnissen aufsteigt und als Gefährte zweier bedeutender Männer die Welt kennen lernt. Und gerade als er glaubt, alles erreicht zu haben (Familienglück und Wohlstand), bricht eine tödliche Seuche aus und löscht nach und nach nicht nur die Zivilisation, sondern auch jedes menschliche Leben aus.

    Dieser grobe Rahmen umfasst jedoch ein bis in kleinste Details aufs genaueste beobachtetes und beschriebenes Zeitbild, ein „Sittengemälde“, für dessen Betrachtung man sich etwas Zeit nehmen sollte – der Erkenntnisgewinn wiegt weit mehr.

    Dieses gut geschriebene, engagierte und auf mehreren Ebenen interpretierbare Buch liegt jetzt erstmals in der ihm gemäßen Form vor: von Irina Philippi gut und komplett übersetzt und ausführlich kommentiert, von Rebekka Rohleder mit einem engagierten Nachwort versehen und abschließend von Dietmar Dath in einem brillanten Essay historisch-kritisch mit unserer Gegenwart verknüpft: „Mary Shelleys großes Buch […] gehört in die Schule, zu der die Moderne das ganze menschliche Leben gemacht hat“ (S. 585).

    Somit kann die Eingangsfrage also beantwortet werden. Es braucht sicherlich keine weiteren x-beliebigen Katastrophenromane – aber dieses literarische Meisterwerk in einer exquisiten Ausgabe in die Hand nehmen zu können: das brauchte es schon.

    Horst Illmer
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    Der letzte Mensch
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    Mary Shelley
    DER LETZTE MENSCH. Roman.
    Übersetzt von Irina Philippi
    Nachworte von Rebekka Rohleder & Dietmar Dath
    (THE LAST MAN / 1826)
    Ditzingen, Reclam, 2021, 585 S.
    ISBN 978-3-15-011328-8 / 26,00 Euro

    Brauchen wir jetzt wirklich noch eine apokalyptische Geschichte, in der es darum geht, dass die Menschheit von einer Seuche dahingerafft wird? Bevor wir darauf antworten, sollten wir doch erst einmal klären, wovon weiterlesen…

    Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt

    von am 24. März 2021 noch kein Kommentar

    Erika Swyler
    DER TAG, AN DEM MEIN VATER DIE ZEIT ANHIELT. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
    (LIGHT FROM OTHER STARS / 2019)
    München, Limes, 2020, 446 S.
    ISBN 978-3-8090-2708-9 / 20,00 Euro

    Alle paar Jahre schafft es ein spektakuläres Ereignis aus dem Bereich der Weltraumforschung in die Abendnachrichten und – für ein paar Wochen – ins öffentliche Bewusstsein. Derzeit ist es eine Häufung von Marsmissionen, inklusive der ausgiebig gefeierten Landung einer Sonde, sowie deren vom Mars übermittelten Bilder und Töne (!), die es den nationalen Regierungen und Raumfahrtagenturen gestattet, die riesigen Summen zu rechtfertigen, die in solche Missionen gesteckt werden.

    Ein weiterer Effekt solcher Ereignisse ist, dass dadurch immer wieder junge Menschen für den Weltraum und den Flug zu den Sternen begeistert werden. Und hin und wieder schreiben diese Menschen dann Romane wie DER TAG, AN DEM MEIN VATER DIE ZEIT ANHIELT, mit dem die New Yorker Autorin Erika Swyler in diesem Winter für Furore bei den deutschen Science-Fiction-Fans sorgt.

    Eine vierköpfige Besatzung fliegt mit der »Chawla« zu einem terraformten Planeten, um dort einen ersten Brückenkopf für eine eventuell später erfolgende Besiedlung zu errichten. Nun beschreibt Swyler aber nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, das abenteuerliche Leben auf diesem Außenposten der Menschheit, sondern bleibt ganz nahe bei ihren Protagonisten (zwei Frauen und zwei Männer) und ihren Erfahrungen und Erinnerungen während des jahrelangen Fluges. Zugleich schiebt sich – aus guten Gründen, wie sich herausstellt – ein schicksalhaftes Geschehen aus der Jugend eines Besatzungsmitglieds in die in naher Zukunft angesiedelte Haupthandlung.

    Swyler greift geschickt in die große Kiste mit Science-Fiction-Plots und verwendet diese, um ihren Figuren Tiefe und Konturen zu verleihen. Wichtig sind für sie mehr die Verhaltensweisen der Menschen als die Beschreibung zukünftiger Technik oder actionreicher Geschehnisse. Die (SF-)Literatur des 21. Jahrhunderts hat die Beschränkungen des Genres hinter sich gelassen und versucht, alle Leserschichten anzusprechen und zu begeistern.
    Und in ihren besten Momenten gelingt ihr das schon sehr gut.

    Horst Illmer
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    Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt
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    Erika Swyler
    DER TAG, AN DEM MEIN VATER DIE ZEIT ANHIELT. Roman.
    Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
    (LIGHT FROM OTHER STARS / 2019)
    München, Limes, 2020, 446 S.
    ISBN 978-3-8090-2708-9 / 20,00 Euro

    Alle paar Jahre schafft es ein spektakuläres Ereignis aus dem Bereich der Weltraumforschung in die Abendnachrichten und – für ein paar Wochen – ins öffentliche Bewusstsein. Derzeit ist es weiterlesen…

    1984 Punkt 4

    von am 15. März 2021 noch kein Kommentar

    Philip Kerr
    1984.4
    Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
    Mit einem Nachwort von Christiane Steen
    (1984.4 / 2012)
    Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Februar 2021, 320 S.
    ISBN 978-3-499-21857-6

    Eine echte Überraschung hat das „Orwell-Jahr“ 2021 dann doch auch zu bieten:
    Einen richtigen Science-Fiction-Roman des leider viel zu früh verstorbenen schottischen Bestsellerautors Philip Kerr (1956–2018), der vor allem mit seinen Berlin-Krimis um den Privatermittler Bernie Gunther und seiner Jugend-Fantasy-Reihe DIE KINDER DES DSCHINN bekannt ist. Bereits im Jahr 2015 übergab er seiner deutschen Lektorin Christiane Steen das Manuskript von „1984.4“. Damals wurde nichts aus diesem Projekt, da andere Dinge (wie die letztlich tödliche Erkrankung des Autors) wichtiger waren.
    Steen hat den Roman nun bei Rowohlt-Rotfuchs (passend zur gleichzeitig dort erschienenen Neuübersetzung von „1984) als posthume Welt-Erstveröffentlichung im Hardcover herausgegeben.
    Auf knappen 320 Seiten erzählt Kerr hier eine düstere, im Jahr 2034 angesiedelte Coming-of-Age-Geschichte, die zwar auf George Orwells Grundideen zurückgreift, daraus jedoch eine völlig eigenständige Welt entwickelt. Dort wird nicht mehr gegen andere Nationen gekämpft, sondern gegen die alten Menschen, die nicht „freiwillig“ aus dem Leben (und dem Sozialsystem) scheiden wollen.
    Ob uns Heutigen diese neue Version von „1984.4“ jedoch „besser mundet“ als das Winston-Smith-England des originalen „1984“ darf/muss jede/r Leser/in selbst kosten.

    Horst Illmer
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    1984.4
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    Philip Kerr
    1984.4
    Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
    Mit einem Nachwort von Christiane Steen
    (1984.4 / 2012)
    Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Februar 2021, 320 S.
    ISBN 978-3-499-21857-6

    Eine echte Überraschung hat das „Orwell-Jahr“ 2021 dann doch auch zu bieten:
    Einen richtigen Science-Fiction-Roman des leider viel zu früh verstorbenen schottischen Bestsellerautors Philip Kerr (1956–2018), der vor allem mit seinen Berlin-Krimis um den Privatermittler Bernie Gunther weiterlesen…

    Der Netzwerk-Effekt

    von am 8. März 2021 noch kein Kommentar

    Martha Wells
    DER NETZWERK-EFFEKT
    Übersetzt von Frank Böhmert
    (Network Effect / 2020)
    München, Heyne, 2021, 480 Seiten
    ISBN 978-3-453-32123-6

    Merkwürdige Zeiten sind das, wenn eine der (völlig zu Recht) beliebtesten Figuren aus einem aktuellen Science-Fiction-Roman ein geläuterter „Killerbot“ ist (also eine Kampfmaschine, die ursprünglich mal dafür gedacht war, auf Befehl alles zu zerstören was als Ziel genannt wurde).

    Doch genau darum geht es in den Geschichten von Martha Wells, von denen die ersten vier vor einiger Zeit unter dem Titel TAGEBUCH EINES KILLERBOTS bei Heyne erschienen. Jetzt ist mit DER NETZWERK-EFFEKT das erste Killerbot-Abenteuer in Romanlänge in den Buch­handlungen – und auch nach fast 500 Seiten will man einfach immer weiter lesen. Denn diese Killerbot-Einheit ist einfach – ja, sorry! – „knuddelig“.

    Es macht unglaublichen Spaß mit dabei zu sein, wenn Killerbot damit Probleme hat, nach einer gefährlichen Rettungsmission und einem nur knapp vermiedenen „Totalschaden“, den Handlungsfaden der TV-Serie Zeitpatrouille Orion wieder aufzunehmen („wozu es eigentlich nicht viel brauchte“, S. 459) und dann langsam die Erkenntnis dämmert, dass sich neben Menschen auch ein Fifo („fieses Forschungsschiff“) für soziale Interaktionen eignet.

    Da verschlägt es selbst Killerbot (für ganze 2,2 Sekunden) die Sprache!

    Horst Illmer
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    Der Netzwerk-Effekt
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    Martha Wells
    DER NETZWERK-EFFEKT
    Übersetzt von Frank Böhmert
    (Network Effect / 2020)
    München, Heyne, 2021, 480 Seiten
    ISBN 978-3-453-32123-6

    Merkwürdige Zeiten sind das, wenn eine der (völlig zu Recht) beliebtesten Figuren aus einem aktuellen Science-Fiction-Roman ein geläuterter „Killerbot“ ist (also eine Kampfmaschine, die ursprünglich mal dafür gedacht war, auf Befehl alles zu zerstören was als Ziel genannt wurde).

    Doch genau darum geht weiterlesen…

    Die große Stille & Geteilt durch Null

    von am 15. Februar 2021 noch kein Kommentar

    Ted Chiang
    DIE GROSSE STILLE.
    Erzählungen 1990 bis 2020. Band 1.
    Übersetzt von molosovsky, Jacob Schmidt & Karen Will
    (EXHALATION / 2019)
    München, Golkonda, 2020, 390 S.
    ISBN 978-3-96509-035-4 / 24,00 Euro

    GETEILT DURCH NULL.
    Erzählungen 1990 bis 2020. Band 2.
    Übersetzt von molosovsky & Karen Will
    (STORY OF YOUR LIFE & OTHERS / 2016)
    München, Golkonda, 2020, 360 S.
    ISBN 978-3-96509-037-8 / 24,00 Euro

    Der 1967 geborene amerikanische Autor Ted Chiang gilt als einer der wichtigsten Erzähler der Gegenwart, was sich unter anderem auch an der Prominenz seiner Bewunderer ablesen lässt. Wer sonst kann schon mit einem Lob von Barack Obama auf dem Buchrücken Werbung machen. In den letzten zwanzig Jahren veröffentlichte Chiang zwar nur 17 Geschichten, für die er allerdings dutzende von Preisen abräumte und unter anderem je vier Mal den HUGO Award und den Nebula Award verliehen bekam.
    Weltberühmt wurde er 2016 durch die Verfilmung seiner Kurzgeschichte „The Story of Your Life“ durch Denis Villeneuve, die unter dem Titel ARRIVAL in die Kinos kam.

    Der glücklicherweise reanimierte Golkonda Verlag lieferte mit DIE GROSSE STILLE und GETEILT DURCH NULL Ende 2020 endlich die lange angekündigte und dringend erwartete Gesamtausgabe aller dieser „Erzählungen 1990 bis 2020“ in zwei Hardcoverbänden mit zusammen 750 Seiten aus.
    Gegenüber der seit Jahren vergriffenen (ebenfalls zweibändigen) Taschenbuchausgabe wurde die Reihenfolge der Erzählungen verändert, es kamen als deutsche Erstveröffentlichung vier neue Geschichten hinzu und im Anhang findet man jetzt kurze Anmerkungen des Autors zu seinen Texten.

    Inhaltlich und stilistisch sind Ted Chiangs Stories literarische Meisterwerke, in denen sich die gesamte Weite des menschlichen Lebens wiederfinden lässt – und glücklicherweise hat der Autor überhaupt keine Berührungsängste gegenüber der phantastischen Erzählweise (heutzutage besser als Science Fiction bekannt).

    Diese zwei Bücher sollten ab sofort zum unverzichtbaren Grundbestand einer jeden – und sei sie noch so kleinen – Science-Fiction-Sammlung gehören.

    Horst Illmer
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    Die große Stille & Geteilt durch Null
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    Ted Chiang
    DIE GROSSE STILLE.
    Erzählungen 1990 bis 2020. Band 1.
    Übersetzt von molosovsky, Jacob Schmidt & Karen Will
    (EXHALATION / 2019)
    München, Golkonda, 2020, 390 S.
    ISBN 978-3-96509-035-4 / 24,00 Euro

    GETEILT DURCH NULL.
    Erzählungen 1990 bis 2020. Band 2.
    Übersetzt von molosovsky & Karen Will
    (STORY OF YOUR LIFE & OTHERS / 2016)
    München, Golkonda, 2020, 360 S.
    ISBN 978-3-96509-037-8 / 24,00 Euro

    Der 1967 geborene amerikanische weiterlesen…

    Die Mitternachtsbibliothek

    von am 4. Februar 2021 noch kein Kommentar

    Matt Haig
    DIE MITTERNACHTSBIBLIOTHEK. Roman.
    Übersetzt von Sabine Hübner
    (The Midnight Library / 2020)
    München, Droemer Knaur, 2021, 318 S.
    ISBN 978-3-426-28256-4 /20,00 Euro
    Hardcover

    Eigentlich kann man sich beim Thema Selbstmord ja nur in die Nesseln setzen. Trotzdem (oder gerade deswegen) hat sich der Engländer Matt Haig in seinem neuesten Roman DIE MITTERNACHTSBIBLIOTHEK damit auseinander gesetzt. Und es gelingt Haig, der seit seinem Bestseller ICH UND DIE MENSCHEN von 2014 bei vielen Lesern als „Wohlfühl“-Schriftsteller gilt, einfühlsam und unprätentiös dieses schwierige Feld anzugehen.
    Nachdem sich seine Protagonistin Nora Seed aus lauter Verzweiflung entschlossen hat, ihrem Leben ein Ende zu machen, entdeckt sie auf ihrem Weg ins Jenseits eine riesige Bibliothek, in der es immerfort Mitternacht ist. Die Unmenge an Büchern dort haben nur ein Thema: All die Leben, die Nora nicht gelebt hat! Also beginnt sie zu lesen – und immer häufiger taucht die Frage auf, ob es wirklich ein besseres Leben gibt, als jenes, welches wir tatsächlich leben?
    In Haigs „Mitternachtsbibliothek“ herrscht eine traumhaft schöne Stimmung und am Ende ist nur eines sicher: „Man weiß nie, wie es ausgeht“ (S. 318).
    Ein Buch zum Wohlfühlen.

    Horst Illmer
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    Die Mitternachtsbibliothek
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    Matt Haig
    DIE MITTERNACHTSBIBLIOTHEK. Roman.
    Übersetzt von Sabine Hübner
    (The Midnight Library / 2020)
    München, Droemer Knaur, 2021, 318 S.
    ISBN 978-3-426-28256-4 /20,00 Euro
    Hardcover

    Eigentlich kann man sich beim Thema Selbstmord ja nur in die Nesseln setzen. Trotzdem (oder gerade deswegen) hat sich der Engländer Matt Haig in seinem neuesten Roman DIE MITTERNACHTSBIBLIOTHEK damit auseinander gesetzt. Und es gelingt Haig, der seit seinem Bestseller weiterlesen…

    Adventskalender 2020 T-13 "Qualityland 2.0"

    von am 11. Dezember 2020 Kommentare deaktiviert für Adventskalender 2020 T-13 "Qualityland 2.0"

    Marc-Uwe Kling
    QUALITYLAND 2.0 – Kikis Geheimnis.
    Ungekürzte Autoren-Lesung
    Hamburg, HörbuchHamburg, 2020, 8 CDs, 586 Minuten
    ISBN 978-3-95713-215-4
    &
    QUALITYLAND 2.0 – Kikis Geheimnis.
    Berlin, Ullstein, 2020, 430 S.
    ISBN 978-3-550-20102-8

    Von QUALITYLAND, dem ersten Science-Fiction-Roman Marc-Uwe Klings, war ich regelrecht begeistert, allerdings hätte es für mich keiner Fortsetzung bedurft – wer richtet sich schon gerne häuslich in einer dystopischen Welt ein?

    Nun überrascht es aber auch nicht wirklich bei einem Autor, der vier Bücher über ein sprechendes Känguru geschrieben hat, dass er seinem Erfolgsrezept treu bleibt: Vor Kurzem erschien nun also QUALITYLAND 2.0, die nahtlose Weiterführung der Geschichte von Peter Arbeitsloser und Kiki Unbekannt, inklusive diverser Wiederbegegnungen mit (mehr oder weniger) beliebten Nebenfiguren und der Einführung neuer Schurken.

    Diesmal geht es (siehe Untertitel) vor allem um die Herkunftsgeschichte Kikis, deren Erforschung sich als Überlebensnotwendig für Kiki und Peter erweist, ist doch ein kaltblütiger Killer-Avatar hinter der sympathischen Anarcho-Hackerin und ihrem On/Off-Beziehungspartner Peter her. Allerdings ergeben sich unerwartete Hilfsmöglichkeiten durch die Unterstützung bisheriger Antagonisten – und so manche „asoziale“ Aktion endet mit einer positiven Überraschung …

    Die Geschichte gibt es als Buch (diesmal nur eine Version) und als vom Autor eingelesenes Hörbuch (aufgrund von Klings Vortragskünsten in jedem Fall die vorzüglichere Fassung).

    Um es mal so zu formulieren: Wem auch der vierte Känguru-Band noch Spaß gemacht hat, wird hier sicherlich nicht enttäuscht.

    Horst Illmer
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    Qualityland 2.0
    via e-mail im Laden oder im Libri-Shop bestellen

    Marc-Uwe Kling
    QUALITYLAND 2.0 – Kikis Geheimnis.
    Ungekürzte Autoren-Lesung
    Hamburg, HörbuchHamburg, 2020, 8 CDs, 586 Minuten
    ISBN 978-3-95713-215-4
    &
    QUALITYLAND 2.0 – Kikis Geheimnis.
    Berlin, Ullstein, 2020, 430 S.
    ISBN 978-3-550-20102-8

    Von QUALITYLAND, dem ersten Science-Fiction-Roman Marc-Uwe Klings, war ich regelrecht begeistert, allerdings hätte es für mich keiner Fortsetzung bedurft – wer richtet sich schon gerne häuslich in einer dystopischen Welt ein?

    Nun überrascht weiterlesen…