Das Flirren der Hoffnung
von Horst Illmer am 13. Juli 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

- Hannes Riffel (Hrsg.)
DAS FLIRREN DER HOFFNUNG.
Ein phantastischer Almanach. Zweite Folge.
Ü: Anna Lerch, Karin Will u. a.
Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 410 S.
ISBN 978-3-910914-54-4 / 24,00 Euro
Klappenbroschur
So ein Almanach hat ja immer etwas von einer Wundertüte, und der Inhalt ist mehr für die Menschen gedacht, die Abwechslung lieben und weniger für jene, die das Immergleiche bevorzugen. In DAS FLIRREN DER HOFFNUNG, der „zweiten Folge“ des Carcosa-Almanachs, bietet uns Herausgeber und Verlagschef Hannes Riffel genau jenen erwarteten und erhofften bunten Strauß aus Geschichten, Essays, Interviews, Vorschauen und Rückblenden, der die Lektüre ebenso abwechslungsreich wie spannend macht.
Da wechseln sich Stories von Becky Chambers und Aiki Mira ab mit Texten von Bewunderern von Gene Wolfe, dessen Meisterwerk DAS BUCH DER NEUEN SONNE derzeit bei Carcosa neu übersetzt für die Veröffentlichung in diesem Herbst vorbereitet wird. Matthias Fersterer erinnert sich noch einmal an die „Freuden und Leiden“ beim Übersetzen von Ursula K. Le Guin und, da auch er einen Almanach herausgibt, an die Kärrnerarbeit und den Spaß, den so ein Projekt bietet.
In der Folge schwärmen Erik Simon vom Schriftsteller-Ehepaar Angela und Karlheinz Steinmüller und Helmut W. Pesch von der gänzlich unbekannten Utopie ISLANDIA von A. T. Wright, unterhält sich Samuel R. Delany mit Joanna Russ, ruft uns Marc Sagnol seinen viel zu früh verstorbenen Freund Andreas Fliedner ins Gedächtnis, von dem es zudem eine Kurzgeschichte zu lesen gibt und dem der Almanach auch gewidmet ist. Es machen sich Barbara Slawig und Kim Stanley Robinson wichtige und richtige Gedanken über „climate fiction“ und Kelly Link antwortet auf die Interviewfragen von Elizabeth Hand.
Wie stark die Werke vieler Autor*innen der englischen (besser vielleicht sogar: der britischen) Literatur auch im 21. Jahrhundert noch untereinander verbunden sind, belegen die Texte von Arthur Machen, Alan Moore und Michael Moorcock – und wie unabhängig davon die in den USA „erfundene“ Science Fiction agieren kann, zeigt ein meisterlicher Essay von Nicola Griffith.
Überhaupt: unabhängig. Diese Grundhaltung gehört zu den liebenswertesten Eigenschaften von Carcosa. Und was könnte das besser belegen als der DAS FLIRREN DER HOFFNUNG eröffnende Essay von Benoit Bréville und Pierre Rimbert über Le Monde Diplomatique, eine der wenigen wirklich unabhängigen Zeitungen dieses Planeten.
Der Begriff „Almanach“ wird ja oft mit „Jahrbuch“ gleichgesetzt, aber entgegen dieser Zuteilung gleichsam eines Verfallsdatums scheinen Carcosa-Almanache einfach zeitlos zu sein.
Horst Illmer
von Horst Illmer am 13. Juli 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

- Hannes Riffel (Hrsg.)
DAS FLIRREN DER HOFFNUNG.
Ein phantastischer Almanach. Zweite Folge.
Ü: Anna Lerch, Karin Will u. a.
Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 410 S.
ISBN 978-3-910914-54-4 / 24,00 Euro
Klappenbroschur
So ein Almanach hat ja immer etwas von einer Wundertüte, und der Inhalt ist mehr für die Menschen gedacht, die Abwechslung lieben und weniger für jene, die das Immergleiche bevorzugen. In DAS FLIRREN DER HOFFNUNG, der „zweiten Folge“ des Carcosa-Almanachs, bietet uns Herausgeber und Verlagschef Hannes Riffel genau jenen erwarteten und erhofften bunten Strauß aus Geschichten, Essays, Interviews, Vorschauen und Rückblenden, der die Lektüre ebenso abwechslungsreich wie spannend macht.
Da wechseln sich Stories von Becky Chambers und Aiki Mira ab mit Texten von Bewunderern von Gene Wolfe, dessen Meisterwerk DAS BUCH DER NEUEN SONNE derzeit bei Carcosa neu übersetzt für die Veröffentlichung in diesem Herbst vorbereitet wird. Matthias Fersterer erinnert sich noch einmal an die „Freuden und Leiden“ beim Übersetzen von Ursula K. Le Guin und, da auch er einen Almanach herausgibt, an die Kärrnerarbeit und den Spaß, den so ein Projekt bietet.
In der Folge schwärmen Erik Simon vom Schriftsteller-Ehepaar Angela und Karlheinz Steinmüller und Helmut W. Pesch von der gänzlich unbekannten Utopie ISLANDIA von A. T. Wright, unterhält sich Samuel R. Delany mit Joanna Russ, ruft uns Marc Sagnol seinen viel zu früh verstorbenen Freund Andreas Fliedner ins Gedächtnis, von dem es zudem eine Kurzgeschichte zu lesen gibt und dem der Almanach auch gewidmet ist. Es machen sich Barbara Slawig und Kim Stanley Robinson wichtige und richtige Gedanken über „climate fiction“ und Kelly Link antwortet auf die Interviewfragen von Elizabeth Hand.
Wie stark die Werke vieler Autor*innen der englischen (besser vielleicht sogar: der britischen) Literatur auch im 21. Jahrhundert noch untereinander verbunden sind, belegen die Texte von Arthur Machen, Alan Moore und Michael Moorcock – und wie unabhängig davon die in den USA „erfundene“ Science Fiction agieren kann, zeigt ein meisterlicher Essay von Nicola Griffith.
Überhaupt: unabhängig. Diese Grundhaltung gehört zu den liebenswertesten Eigenschaften von Carcosa. Und was könnte das besser belegen als der DAS FLIRREN DER HOFFNUNG eröffnende Essay von Benoit Bréville und Pierre Rimbert über Le Monde Diplomatique, eine der wenigen wirklich unabhängigen Zeitungen dieses Planeten.
Der Begriff „Almanach“ wird ja oft mit „Jahrbuch“ gleichgesetzt, aber entgegen dieser Zuteilung gleichsam eines Verfallsdatums scheinen Carcosa-Almanache einfach zeitlos zu sein.
Horst Illmer

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