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Exodus

von am 3. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Peter F. Hamilton
    Exodus
    Archimedes Engine 1 In die Ferne
    Ü: Manuela Würz
    (Exodus – Become the Traveler Teil 1)
    Dettenhausen, Pahlberg Verlag, 2026, 530 S.
    ISBN 9783988453006 / 17,90 Euro
    Klappenbroschur

In Windeseile habe ich meinen Lesestapel ignorierend Hamiltons Exodus gelesen (auf Deutsch natürlich wieder einmal geteilt in "In die Ferne" und "In die Heimat" / wartet lieber, ihr hängt echt in der Luft). Und anschließend habe ich ein wenig im Netz recherchiert, um mir ein paar Infos zu dem anstehenden Videospiel zusammenzusuchen. Und musste erst mal ungläubig den Kopf schütteln. Nicht wegen dem Spiel, sondern wegen seiner früheren Werke. Die Debatte, die da draußen in einigen Foren über Hamiltons angebliche "Sünden" der Vergangenheit tobt, lässt mich ziemlich sprachlos zurück.

Als langjähriger SF-Fan erinnere ich mich gern an seine Klassiker. Ja, da gab es Sex. Aber für uns war das damals kein billiger Schund, sondern verdammt konsequentes Worldbuilding! Hamilton dachte seine Zukunftsentwürfe einfach physikalisch und gesellschaftlich zu Ende.

Wie funktioniert Liebe in der Schwerelosigkeit? Und noch weiter… Wenn Hamilton beschreibt, wie die "Edenisten" (die im Gegensatz zu den "Adamisten" telepathische, gentechnisch modifizierte Fraktion) Intimität als Werkzeug zur mentalen Synchronisation nutzen, oder wie die Schwerelosigkeit Stellungen verändert, dann ist das Worldbuilding. Es ist das konsequente Durchdenken von "Was macht die Technologie mit unserer Biologie?".

Wie verändert genetische Unsterblichkeit unsere Moral? In der Commonwealth-Saga sind Menschen im Grunde unsterblich. Sie leben mehrere Jahrhunderte, wechseln ihre Körper wie Kleidung und behalten die Libido von 20-Jährigen. Dass sich dadurch die traditionelle bürgerliche Moral komplett auflöst und Intimität extrem beiläufig, fast schon sportlich konsumiert wird, ist ein absolut logisches soziologisches Gedankenspiel. Er nutzt das, um die Dekadenz und die Entfremdung dieser Post-Aging-Gesellschaften darzustellen.

Dass sich die heutige Online-Bubbles so lautstark darüber echauffiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet in einer Zeit, in der der Buchmarkt von hochgradig expliziter, oft peinlich flacher spicy Romantasy und Space Romance überschwemmt wird, wirkt die Kritik an Hamiltons technologischen Spielereien wie purer, selektiver Zeitgeist-Aktivismus.

In Exodus hat er diese intimen Details nun komplett gestrichen. Ein bisschen schade eigentlich – auch wenn dieser "Filter" wohl der massentauglichen Kooperation mit dem Entwicklerstudio Archetype Entertainment für das kommende AAA-Videospiel (Tripple-A steht für ein gewaltiges Budget) geschuldet ist. 

So, jetzt bin ich wieder einmal abgeschweift. Denn dem Buch selbst tut all das keinen Abbruch. Man hat auf keinen Fall das Gefühl eine runtergeschriebene Auftragsarbeit als Vorbereitung (Lore) für ein kommerziel im Vordergrund stehendes Spiel zu lesen. Das Worldbuilding rund um den Centauri-Cluster und die gottgleichen Celestials ist wieder einmal gigantisch, die Physik der Zeitdilatation gewohnt packend (obwohl das grundsätzliche Konzept in der SF alles andere als neu ist). Die engere Taktung durch das "Gaming-Korsett" tut seinem oft ausschweifenden Stil sogar richtig gut. Wer epische Space Operas liebt, wird diesen Neustart verschlingen. Obwohl ich mich ein wenig geärgert habe, dass das Buch "mittendrin" aufhört, habe ich es mit einem nostalgischen Lächeln zugeklappt… und freue mich (mindestens!) auf die Fortsetzung. Zum Glück muss ich nicht allzu lange warten. Teil zwei erscheint bereits am 21.08.2026 und ber geteilte zweite Band mit Helium Sea 1 und 2 im Oktober und November.

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von am 3. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Peter F. Hamilton
    Exodus
    Archimedes Engine 1 In die Ferne
    Ü: Manuela Würz
    (Exodus – Become the Traveler Teil 1)
    Dettenhausen, Pahlberg Verlag, 2026, 530 S.
    ISBN 9783988453006 / 17,90 Euro
    Klappenbroschur

In Windeseile habe ich meinen Lesestapel ignorierend Hamiltons Exodus gelesen (auf Deutsch natürlich wieder einmal geteilt in "In die Ferne" und "In die Heimat" / wartet lieber, ihr hängt echt in der Luft). Und anschließend habe ich ein wenig im Netz recherchiert, um mir ein paar Infos zu dem anstehenden Videospiel zusammenzusuchen. Und musste erst mal ungläubig den Kopf schütteln. Nicht wegen dem Spiel, sondern wegen seiner früheren Werke. Die Debatte, die da draußen in einigen Foren über Hamiltons angebliche "Sünden" der Vergangenheit tobt, lässt mich ziemlich sprachlos zurück.

Als langjähriger SF-Fan erinnere ich mich gern an seine Klassiker. Ja, da gab es Sex. Aber für uns war das damals kein billiger Schund, sondern verdammt konsequentes Worldbuilding! Hamilton dachte seine Zukunftsentwürfe einfach physikalisch und gesellschaftlich zu Ende.

Wie funktioniert Liebe in der Schwerelosigkeit? Und noch weiter… Wenn Hamilton beschreibt, wie die "Edenisten" (die im Gegensatz zu den "Adamisten" telepathische, gentechnisch modifizierte Fraktion) Intimität als Werkzeug zur mentalen Synchronisation nutzen, oder wie die Schwerelosigkeit Stellungen verändert, dann ist das Worldbuilding. Es ist das konsequente Durchdenken von "Was macht die Technologie mit unserer Biologie?".

Wie verändert genetische Unsterblichkeit unsere Moral? In der Commonwealth-Saga sind Menschen im Grunde unsterblich. Sie leben mehrere Jahrhunderte, wechseln ihre Körper wie Kleidung und behalten die Libido von 20-Jährigen. Dass sich dadurch die traditionelle bürgerliche Moral komplett auflöst und Intimität extrem beiläufig, fast schon sportlich konsumiert wird, ist ein absolut logisches soziologisches Gedankenspiel. Er nutzt das, um die Dekadenz und die Entfremdung dieser Post-Aging-Gesellschaften darzustellen.

Dass sich die heutige Online-Bubbles so lautstark darüber echauffiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet in einer Zeit, in der der Buchmarkt von hochgradig expliziter, oft peinlich flacher spicy Romantasy und Space Romance überschwemmt wird, wirkt die Kritik an Hamiltons technologischen Spielereien wie purer, selektiver Zeitgeist-Aktivismus.

In Exodus hat er diese intimen Details nun komplett gestrichen. Ein bisschen schade eigentlich – auch wenn dieser "Filter" wohl der massentauglichen Kooperation mit dem Entwicklerstudio Archetype Entertainment für das kommende AAA-Videospiel (Tripple-A steht für ein gewaltiges Budget) geschuldet ist. 

So, jetzt bin ich wieder einmal abgeschweift. Denn dem Buch selbst tut all das keinen Abbruch. Man hat auf keinen Fall das Gefühl eine runtergeschriebene Auftragsarbeit als Vorbereitung (Lore) für ein kommerziel im Vordergrund stehendes Spiel zu lesen. Das Worldbuilding rund um den Centauri-Cluster und die gottgleichen Celestials ist wieder einmal gigantisch, die Physik der Zeitdilatation gewohnt packend (obwohl das grundsätzliche Konzept in der SF alles andere als neu ist). Die engere Taktung durch das "Gaming-Korsett" tut seinem oft ausschweifenden Stil sogar richtig gut. Wer epische Space Operas liebt, wird diesen Neustart verschlingen. Obwohl ich mich ein wenig geärgert habe, dass das Buch "mittendrin" aufhört, habe ich es mit einem nostalgischen Lächeln zugeklappt… und freue mich (mindestens!) auf die Fortsetzung. Zum Glück muss ich nicht allzu lange warten. Teil zwei erscheint bereits am 21.08.2026 und ber geteilte zweite Band mit Helium Sea 1 und 2 im Oktober und November.

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