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  • Eine Reise mit Tolkiens Hobbit, Herr der Ringe und Silmarillion (Teil 2 von 3)

    von am 11. Oktober 2021

    Der Herr der Ringe: illustriert Gebundene Ausgabe
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Zeichner), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1293 Seiten
    ISBN: 9783608960358

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3.

    Bevor ich meine eigene Reise mit "Der Herr der Ringe" schildere, sei ein kurzer Abriss des Buchinhalts erlaubt, denn es gibt auf dem Planeten Erde noch Menschen und Leser, die weder Film noch Geschichte von Tolkiens Jahrhundertroman kennen:

    ZUM INHALT

    Mittelerde. Das dritte Zeitalter ist längst angebrochen. Die Welt ist im Wandel. Das Böse in Gestalt von Sauron erwacht.

    Mordors dunklem Meister dürstet es nach seinem Ring, dem magischen "Herrscherring", ein Zauberring, der Macht über alle anderen Zauberringe hat:

    "Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
    Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
    Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
    Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
    Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

    Die Geschichte beginnt mit einem Abschiedsfest in Hobbingen. Der Hobbit Bilbo verlässt das Auenland, sein Neffe Frodo soll nunmehr seinen alten Ring verwahren. Gandalf der Zauberer erkennt später die Gefahr des Ringes, es ist nämlich "der Eine", der Herrscherring:

    "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
    Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden"
    (Tolkien, Der Herr der Ringe, Band 1, Klett-Cotta, Stuttgart 1979, S. 7. Übers.: Margaret Carroux)

    Frodo soll den Zauberring nach Bruchtal zum Elbenkönig Elrond bringen, seine Reise mit seinen Freunden Sam, Merry und Pippin ist voller Gefahren, er wird auf dem Weg dabei von einer bösen Morgul-Klinge schwer verletzt. Frodo findet in Bruchtal ein wenig Heilung und trifft anschließend im "Rat von Elrond" – während einer hitzigen Debatte aller Volksvertreter – eine folgenschwere Entscheidung: Frodo selbst will den Herscherring – von dessen Meister Sauron unbemerkt – nach Mordor bringen, um den Ring dort in das Feuer des Schicksalsberg zu werfen, er will damit Saurons Macht brechen und zugleich Mittelerde retten. Eine Gruppe von außergewöhnlichen Gefährten begleitet sodann den Ringträger auf seinem Weg Richtung Süden und Osten, allen voran der Waldläufer Streicher (alias Aragorn). Doch nach einem Orkangriff zerbricht die Gemeinschaft, und ein jeder der Gefährten muss seinen eigenen schweren Weg gehen. So muss Aragorn seine Rolle als König entdecken und diese gänzlich annehmen und einnehmen. So müssen Frodo und Sam, die bislang im beschaulichen Auenland in (naiver?) Freude und Frohsinn lebten, einen dunklen und schweren Lebenspfad beschreiten, der gänzlich unmöglich und gar unerträglich erscheint …

    MEINE QUEST MIT "DER HERR DER RINGE"

    So leicht mein Abenteuer mit „Der Hobbit“ gewesen ist, so schwierig waren meine Anfänge und meine Reise mit "Der Herr der Ringe“.

    Als Jugendlicher schob ich die Lektüre von "Der Herr der Ringe“ – trotz stetig vorhandener Neugier (ein Paradoxon?) – Jahr für Jahr ständig vor mir her, irgendwie war ich in dem jungen Alter dafür wohl noch nicht bereit … es nagte an mir, aber ich schaffte den Sprung in das Buch einfach nicht.

    Erst als junger Erwachsender (als Student) griff ich dann irgendwann ins Bücherregal und holte mir endlich den grünen Dreibänder heraus, denn ich wollte "das Buch der Bücher" unbedingt lesen, vor allem im Hinblick auf die damals angekündigte Ausstrahlung des Kinofilms "Die Gefährten" von Peter Jackson.

    Bei meinem ersten „studentischen“ Lesedurchgang genoss ich "Der Herr der Ringe“ zunächst sichtlich, die ersten zwei Bände las ich fließend, ich war von Mittelerde ergriffen; doch plötzlich, kurz vor dem dritten Band, stoppte ich die Lektüre in Band 2 („Die zwei Türme“) und fand plötzlich einfach nicht mehr in das Buch zurück. Ich musste "Der Herr der Ringe“ weglegen. Verrückt! Ich wußte damals noch nicht, weshalb ich als junger Mann den dritten Band einfach nicht lesen konnte.

    DIE ERFAHRUNG MIT DER HERR DER RINGE

    Heute weiß ich warum: Denn es vergingen wieder viele, viele Jahre ohne weiteren Kontakt mit Tolkiens Meisterwerk, … bis ich vor fast zehn Jahren eine eigene und recht lange schwere und schmerzhafte Lebenszeit durchlief, die bei mir tiefe Spuren und Narben, sowie einen gänzlich neuen Blick auf des Menschen (all zu oft treulose) Welt hinterlassen hat:

    „Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“
    (Tolkien, Der Herr der Ringe, Band 1, Klett-Cotta, 1979, S. 342. Übers.: Margaret Carroux).

    Jedenfalls schenkte mir meine Frau in dieser recht schweren Zeit "meiner Verwundung" (ich denke dabei an die "Morgul-Klinge" und Frodos "Pfad durch Mordor") kurz vor meinem 40. Geburtstag die wunderschön illustrierte und gebundene Geburtstagsausgabe von "Der Herr der Ringe" (mit Alan Lee als Zeichner). Dieses Geschenk war für mich ein Wink von Fortuna, erst jetzt war ich gänzlich bereit:

    Ich begann also "Der Herr der Ringe“ nochmal zu lesen; und diesmal traf mich das ganze Buch mit voller Wucht und einer Eigenheit, die für mich transformatorischen Charakter hatte. Ich las und verstand nicht nur, … ich "verwirklichte" die Heldenreisen der Gefährten, deren Motive und Eigenverantwortung sowie den stets zu zahlenden "Preis“, der einer jeden Entscheidung im Leben inne wohnt. Besonders die Bürden des verkannten Königs Aragorn und des „kleinen großen“ Hobbits Frodo setzten mir innerlich zu. Plötzlich war Band 3 „Die Rückkehr des Königs“ für mich kein Hindernis mehr, sondern wie eine Offenbarung; die schwere Wanderung von Frodo und Sam durch das Land Mordor konnte ich förmlich spüren und miterleben, … ich gebe zu, ich habe auch einige Tränen geweint.

    Die Tapferen gehen den schweren Weg. Doch auch ein gutes Ende hinterlässt seine Narben. Der beherzte Hobbit Samweis Gamdschie bringt es für mich auf den Punkt, als er auf Frodos Wehklagen ob ihres schweren Wegs seinem Freund antwortet:

    „Und wir würden überhaupt gar nicht hier sein, wenn wir mehr darüber gewusst hätten, ehe wir aufbrachen. Aber ich nehme an, dass es oft so ist. Die tapferen Taten in den alten Geschichten und Liedern, Herr Frodo: Abenteuer, wie ich sie immer nannte. Ich glaubte, das wären Taten, zu denen die wundervollen Leute in den Geschichten sich aufmachten und nach denen sie Ausschau hielten, weil sie es wollten, weil das aufregend war und das Leben ein bisschen langweilig, eine Art Zeitvertreib, könnte man sagen. Aber so ist es nicht bei den Geschichten, die wirklich wichtig waren, oder bei denen, die einem im Gedächtnis bleiben. Gewöhnlich scheinen die Leute einfach hineingeraten zu sein – ihre Wege waren nun einmal so festgelegt, wie du es ausdrückst. Aber ich nehme an, sie hatten eine Menge Gelegenheiten, wie wir, umzukehren, nur taten sie es nicht. Und wenn sie es getan hätten, dann wüssten wir’s nicht, denn dann wären sie vergessen worden. Wir hören von denen, die einfach weitergingen – und nicht alle zu einem guten Ende, wohlgemerkt; zumindest nicht zu dem, was die Leute in einer Geschichte und nicht außerhalb ein gutes Ende nennen.“ (Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, 1969, Viertes Buch, Achtes Kapitel, Die Treppen von Cirith Ungol).

    Langes Zitat, jedoch mit viel Weisheit.

    Heute noch wache ich manchmal des Nachts auf und merke, dass ich einen Traum hatte, einen von Tolkiens Frodo und Sam, oder von Aragorn, und von ihren symbolträchtigen Kämpfen in Mittelerde.

    EINE EINLADUNG

    Eigentlich war diese Rezension zu "Der Herr der Ringe“ schon seit Wochen fix und fertig im System, aber wenige Tage vor Veröffentlichung schickte mir Gerd das Buch "Schecks Kanon" von Denis Scheck (vgl. Horsts Rezension), welches einen neuen wichtigen Gedanken in mir zum Vorschein brachte, der hier und heute noch erwähnt werden muss: Bei aller Schicksalsschwere in "Der Herr der Ringe“ darf (und muss) auch die Lebensleichtigkeit der Hobbits sein. Die Hobbits sind es, die mit ihrer Art Kraft und Zuversicht schenken, sie leben Frohsinn und Hoffnung und zeigen, dass es sich lohnt, diese Eigenschaften, die uns durchs Leben tragen, zu kultivieren. Wie Scheck es so wunderbar zum Ausdruck bringt: "Der Herr der Ringe“ ist auch eine "Einladung zum Abenteuer Leben" (Scheck, Schecks Kanon, Piper 3. Aufl., S. 36).

    FAZIT

    Was soll ich sagen? Meine Antwort: Das Buch ist einmalig, das Buch hat mich geprägt, das Buch hat meine Überzeugungen, meine "Urteile" verändert. Hierzu Gandalf: „Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.“ (Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, Stuttgart 1979, Erstes Buch, S. 82. Übers.: Margaret Carroux)

    DIE REISE GEHT WEITER

    Irgendwann nach "Der Herr der Ringe“ lag es dann nahe, dass ich mich anschließend dem Wunsch nach Tolkiens „Das Silmarillion“ zuwandte, denn ich war durstig geworden, wollte weiteres Mittelerdeambrosia trinken, schlussendlich lies ich meine schweren Vorurteile, die mir gegen „Das Silmarillion“ inne wohnten, fallen:

    Und so erwachte für mich das totgeglaubte Silmarillion zum Leben. Die Fortsetzung meiner Reise mit „Das Silmarillion“ folgt in Teil 3 …

    MITCH

    Übrigens:

    Der Herr der Ringe: Luxussonderausgabe mit Illustrationen des Autors
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1309 Seiten
    ISBN: 9783608980806

    "Der Herr der Ringe" erscheint im Oktober 2021 als Luxusausgabe bei Klett-Cotta. Zum ersten Mal erscheint eine Ausgabe des klassischen Meisterwerks, komplett zweifarbig und durchgehend farbig illustriert von J.R.R. Tolkien selbst.

    von am 11. Oktober 2021

    Der Herr der Ringe: illustriert Gebundene Ausgabe
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Alan Lee (Zeichner), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1293 Seiten
    ISBN: 9783608960358

    —> Hier klicken für Teil 1 von 3.

    Bevor ich meine eigene Reise mit "Der Herr der Ringe" schildere, sei ein kurzer Abriss des Buchinhalts erlaubt, denn es gibt auf dem Planeten Erde noch Menschen und Leser, die weder Film noch Geschichte von Tolkiens Jahrhundertroman kennen:

    ZUM INHALT

    Mittelerde. Das dritte Zeitalter ist längst angebrochen. Die Welt ist im Wandel. Das Böse in Gestalt von Sauron erwacht.

    Mordors dunklem Meister dürstet es nach seinem Ring, dem magischen "Herrscherring", ein Zauberring, der Macht über alle anderen Zauberringe hat:

    "Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
    Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
    Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
    Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
    Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

    Die Geschichte beginnt mit einem Abschiedsfest in Hobbingen. Der Hobbit Bilbo verlässt das Auenland, sein Neffe Frodo soll nunmehr seinen alten Ring verwahren. Gandalf der Zauberer erkennt später die Gefahr des Ringes, es ist nämlich "der Eine", der Herrscherring:

    "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
    Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden"
    (Tolkien, Der Herr der Ringe, Band 1, Klett-Cotta, Stuttgart 1979, S. 7. Übers.: Margaret Carroux)

    Frodo soll den Zauberring nach Bruchtal zum Elbenkönig Elrond bringen, seine Reise mit seinen Freunden Sam, Merry und Pippin ist voller Gefahren, er wird auf dem Weg dabei von einer bösen Morgul-Klinge schwer verletzt. Frodo findet in Bruchtal ein wenig Heilung und trifft anschließend im "Rat von Elrond" – während einer hitzigen Debatte aller Volksvertreter – eine folgenschwere Entscheidung: Frodo selbst will den Herscherring – von dessen Meister Sauron unbemerkt – nach Mordor bringen, um den Ring dort in das Feuer des Schicksalsberg zu werfen, er will damit Saurons Macht brechen und zugleich Mittelerde retten. Eine Gruppe von außergewöhnlichen Gefährten begleitet sodann den Ringträger auf seinem Weg Richtung Süden und Osten, allen voran der Waldläufer Streicher (alias Aragorn). Doch nach einem Orkangriff zerbricht die Gemeinschaft, und ein jeder der Gefährten muss seinen eigenen schweren Weg gehen. So muss Aragorn seine Rolle als König entdecken und diese gänzlich annehmen und einnehmen. So müssen Frodo und Sam, die bislang im beschaulichen Auenland in (naiver?) Freude und Frohsinn lebten, einen dunklen und schweren Lebenspfad beschreiten, der gänzlich unmöglich und gar unerträglich erscheint …

    MEINE QUEST MIT "DER HERR DER RINGE"

    So leicht mein Abenteuer mit „Der Hobbit“ gewesen ist, so schwierig waren meine Anfänge und meine Reise mit "Der Herr der Ringe“.

    Als Jugendlicher schob ich die Lektüre von "Der Herr der Ringe“ – trotz stetig vorhandener Neugier (ein Paradoxon?) – Jahr für Jahr ständig vor mir her, irgendwie war ich in dem jungen Alter dafür wohl noch nicht bereit … es nagte an mir, aber ich schaffte den Sprung in das Buch einfach nicht.

    Erst als junger Erwachsender (als Student) griff ich dann irgendwann ins Bücherregal und holte mir endlich den grünen Dreibänder heraus, denn ich wollte "das Buch der Bücher" unbedingt lesen, vor allem im Hinblick auf die damals angekündigte Ausstrahlung des Kinofilms "Die Gefährten" von Peter Jackson.

    Bei meinem ersten „studentischen“ Lesedurchgang genoss ich "Der Herr der Ringe“ zunächst sichtlich, die ersten zwei Bände las ich fließend, ich war von Mittelerde ergriffen; doch plötzlich, kurz vor dem dritten Band, stoppte ich die Lektüre in Band 2 („Die zwei Türme“) und fand plötzlich einfach nicht mehr in das Buch zurück. Ich musste "Der Herr der Ringe“ weglegen. Verrückt! Ich wußte damals noch nicht, weshalb ich als junger Mann den dritten Band einfach nicht lesen konnte.

    DIE ERFAHRUNG MIT DER HERR DER RINGE

    Heute weiß ich warum: Denn es vergingen wieder viele, viele Jahre ohne weiteren Kontakt mit Tolkiens Meisterwerk, … bis ich vor fast zehn Jahren eine eigene und recht lange schwere und schmerzhafte Lebenszeit durchlief, die bei mir tiefe Spuren und Narben, sowie einen gänzlich neuen Blick auf des Menschen (all zu oft treulose) Welt hinterlassen hat:

    „Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“
    (Tolkien, Der Herr der Ringe, Band 1, Klett-Cotta, 1979, S. 342. Übers.: Margaret Carroux).

    Jedenfalls schenkte mir meine Frau in dieser recht schweren Zeit "meiner Verwundung" (ich denke dabei an die "Morgul-Klinge" und Frodos "Pfad durch Mordor") kurz vor meinem 40. Geburtstag die wunderschön illustrierte und gebundene Geburtstagsausgabe von "Der Herr der Ringe" (mit Alan Lee als Zeichner). Dieses Geschenk war für mich ein Wink von Fortuna, erst jetzt war ich gänzlich bereit:

    Ich begann also "Der Herr der Ringe“ nochmal zu lesen; und diesmal traf mich das ganze Buch mit voller Wucht und einer Eigenheit, die für mich transformatorischen Charakter hatte. Ich las und verstand nicht nur, … ich "verwirklichte" die Heldenreisen der Gefährten, deren Motive und Eigenverantwortung sowie den stets zu zahlenden "Preis“, der einer jeden Entscheidung im Leben inne wohnt. Besonders die Bürden des verkannten Königs Aragorn und des „kleinen großen“ Hobbits Frodo setzten mir innerlich zu. Plötzlich war Band 3 „Die Rückkehr des Königs“ für mich kein Hindernis mehr, sondern wie eine Offenbarung; die schwere Wanderung von Frodo und Sam durch das Land Mordor konnte ich förmlich spüren und miterleben, … ich gebe zu, ich habe auch einige Tränen geweint.

    Die Tapferen gehen den schweren Weg. Doch auch ein gutes Ende hinterlässt seine Narben. Der beherzte Hobbit Samweis Gamdschie bringt es für mich auf den Punkt, als er auf Frodos Wehklagen ob ihres schweren Wegs seinem Freund antwortet:

    „Und wir würden überhaupt gar nicht hier sein, wenn wir mehr darüber gewusst hätten, ehe wir aufbrachen. Aber ich nehme an, dass es oft so ist. Die tapferen Taten in den alten Geschichten und Liedern, Herr Frodo: Abenteuer, wie ich sie immer nannte. Ich glaubte, das wären Taten, zu denen die wundervollen Leute in den Geschichten sich aufmachten und nach denen sie Ausschau hielten, weil sie es wollten, weil das aufregend war und das Leben ein bisschen langweilig, eine Art Zeitvertreib, könnte man sagen. Aber so ist es nicht bei den Geschichten, die wirklich wichtig waren, oder bei denen, die einem im Gedächtnis bleiben. Gewöhnlich scheinen die Leute einfach hineingeraten zu sein – ihre Wege waren nun einmal so festgelegt, wie du es ausdrückst. Aber ich nehme an, sie hatten eine Menge Gelegenheiten, wie wir, umzukehren, nur taten sie es nicht. Und wenn sie es getan hätten, dann wüssten wir’s nicht, denn dann wären sie vergessen worden. Wir hören von denen, die einfach weitergingen – und nicht alle zu einem guten Ende, wohlgemerkt; zumindest nicht zu dem, was die Leute in einer Geschichte und nicht außerhalb ein gutes Ende nennen.“ (Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, 1969, Viertes Buch, Achtes Kapitel, Die Treppen von Cirith Ungol).

    Langes Zitat, jedoch mit viel Weisheit.

    Heute noch wache ich manchmal des Nachts auf und merke, dass ich einen Traum hatte, einen von Tolkiens Frodo und Sam, oder von Aragorn, und von ihren symbolträchtigen Kämpfen in Mittelerde.

    EINE EINLADUNG

    Eigentlich war diese Rezension zu "Der Herr der Ringe“ schon seit Wochen fix und fertig im System, aber wenige Tage vor Veröffentlichung schickte mir Gerd das Buch "Schecks Kanon" von Denis Scheck (vgl. Horsts Rezension), welches einen neuen wichtigen Gedanken in mir zum Vorschein brachte, der hier und heute noch erwähnt werden muss: Bei aller Schicksalsschwere in "Der Herr der Ringe“ darf (und muss) auch die Lebensleichtigkeit der Hobbits sein. Die Hobbits sind es, die mit ihrer Art Kraft und Zuversicht schenken, sie leben Frohsinn und Hoffnung und zeigen, dass es sich lohnt, diese Eigenschaften, die uns durchs Leben tragen, zu kultivieren. Wie Scheck es so wunderbar zum Ausdruck bringt: "Der Herr der Ringe“ ist auch eine "Einladung zum Abenteuer Leben" (Scheck, Schecks Kanon, Piper 3. Aufl., S. 36).

    FAZIT

    Was soll ich sagen? Meine Antwort: Das Buch ist einmalig, das Buch hat mich geprägt, das Buch hat meine Überzeugungen, meine "Urteile" verändert. Hierzu Gandalf: „Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben? Dann sei auch nicht so rasch mit einem Todesurteil bei der Hand.“ (Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta, Stuttgart 1979, Erstes Buch, S. 82. Übers.: Margaret Carroux)

    DIE REISE GEHT WEITER

    Irgendwann nach "Der Herr der Ringe“ lag es dann nahe, dass ich mich anschließend dem Wunsch nach Tolkiens „Das Silmarillion“ zuwandte, denn ich war durstig geworden, wollte weiteres Mittelerdeambrosia trinken, schlussendlich lies ich meine schweren Vorurteile, die mir gegen „Das Silmarillion“ inne wohnten, fallen:

    Und so erwachte für mich das totgeglaubte Silmarillion zum Leben. Die Fortsetzung meiner Reise mit „Das Silmarillion“ folgt in Teil 3 …

    MITCH

    Übrigens:

    Der Herr der Ringe: Luxussonderausgabe mit Illustrationen des Autors
    von J.R.R. Tolkien (Autor), Margaret Carroux (Übersetzer)
    Gebundene Ausgabe : 1309 Seiten
    ISBN: 9783608980806

    "Der Herr der Ringe" erscheint im Oktober 2021 als Luxusausgabe bei Klett-Cotta. Zum ersten Mal erscheint eine Ausgabe des klassischen Meisterwerks, komplett zweifarbig und durchgehend farbig illustriert von J.R.R. Tolkien selbst.

    2 Kommentare zu “Eine Reise mit Tolkiens Hobbit, Herr der Ringe und Silmarillion (Teil 2 von 3)”

    1. Markus sagt:

      Hi Mitch
      Ich finde deine Erinnerungen zu Tolkien genial, weil sie Erzählung und Rezension in einem sind.
      Bin schon auf den dritten Teil gespannt.

      1. MITCH sagt:

        Hi Markus, lieben Dank für Dein Feedback. Freut mich sehr 🙂

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