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    Adventskalender 2020 T-8 "Sleep little Baby"

    von am 16. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Philippe "Tome" Vandevelde
    Sleep little Baby
    Gesamtausgabe
    Schreiber + Leser Juli 2020 – 152 Seiten
    ISBN: 9783965820289

    Nicht neu, aber jetzt in einem Band: Der geniale Dreiteiler "Tödliches Wiegenlied", der bereits Anfang des Jahrtausends bei Tilsner erschienen war. Leider auch einer von den Verlagen, die mit guter Nase ungewöhnliche Stoffe, wie Transmetropolitan oder Preacher, ausgraben, die dann aber doch auf der Strecke bleiben. Die jetzt vorliegende Ausgabe bei Schreiber und Leser ist ein weiteres Juwel in deren tollem Verlagsprogramm.

    Ein Band, drei Comics. Eine Geschichte, drei Perspektiven. Ein Krimi, der nicht nur unterschiedliche Versionen, Sichten oder Perspektiven aufzeigt, sondern den Leser selbst an der Rezeption des gerade Gelesenen zweifeln lässt, aufs Glatteis führt und immer wieder überrascht. Ein Wechselbad der Gefühle.

    Tome, der bereits als Autor von Spirou und Soda auf sehr facettenreichen Wegen unterwegs war, ist hier in Bestform. Sensationell. DER Tipp für gute, abgeschlossene Comic-Krimis. Ihr werdet staunen…

    Philippe "Tome" Vandevelde
    Sleep little Baby
    Gesamtausgabe
    Schreiber + Leser Juli 2020 – 152 Seiten
    ISBN: 9783965820289

    Nicht neu, aber jetzt in einem Band: Der geniale Dreiteiler "Tödliches Wiegenlied", der bereits Anfang des Jahrtausends bei Tilsner erschienen war. Leider auch einer von den Verlagen, die mit guter Nase ungewöhnliche Stoffe, wie Transmetropolitan oder Preacher, ausgraben, die dann aber doch auf der weiterlesen…

    Adventskalender 2019 T-17 "Alte Knacker"

    von am 7. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Lupano & Cauuet
    Die alten Knacker Bd. 6: Der Guyana-Fetisch
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter, 2020, 56 Seiten
    ISBN: 978-3-96219-217-4

    Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Paul Cauuet schufen mit ihrer Comic-Serie „Die alten Knacker“ 2014 einen Bestseller. Inzwischen sind wir beim sechsen Album angelangt und ist es schon sieben verflixte Jahre her, dass das erste Rentner-Roadmovie völlig zurecht mit dem Publikumspreis in Angoulême prämiert wurde.

    Im neuen Band reisen der anarchistische, an allem rumnörgelnde Pierrot und sein wesentlich ausgeglichenerer und aufgeschlossenerer Kumpel Antoine in den Regenwald Amazoniens, um ihren alten Freund Mimile zu treffen. Der Trip läuft vor allem für Pierrot (vor 2020 hätte man ihn liebevoll als schrulligen Querdenker bezeichnet) natürlich nicht ohne tierische Begegnungen, unerwartete Wendungen oder saftige Kritik an Umweltverschmutzung und Kapitalismus ab, in Folge derer auch schon mal Amazon-Chef Jeff Bezos mit Dagobert Duck verglichen wird …

    Das Rezept der erfolgreichen Feel-Good-Serie aus Frankreich ändert sich logischerweise nicht mehr, die Qualität der Storys und der Zeichnungen sowie der Fun-Faktor allerdings genauso wenig. Mit Lupanos und Cauuets rüstigen alten Knackern gibt es im Angesicht des Zeitgeists immer viel traditionellen frankobelgischen Comic-Klamauk und obendrein eine ordentliche Portion Libertarismus. In einer Welt, die ökologisch und ökonomisch mit jedem Tag weiter in Schieflage gerät, können wir beides gut gebrauchen.

    Christian Endres

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    Lupano & Cauuet
    Die alten Knacker Bd. 6: Der Guyana-Fetisch
    Aus dem Französischen von Tanja Krämling
    Splitter, 2020, 56 Seiten
    ISBN: 978-3-96219-217-4

    Autor Wilfrid Lupano und Zeichner Paul Cauuet schufen mit ihrer Comic-Serie „Die alten Knacker“ 2014 einen Bestseller. Inzwischen sind wir beim sechsen Album angelangt und ist es schon sieben verflixte Jahre her, dass das erste Rentner-Roadmovie völlig zurecht mit weiterlesen…

    Adventskalender 2020 T-19 "5 ist die perfekte Zahl"

    von am 5. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Igort
    5 ist die perfekte Zahl – Deluxe
    Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
    Avant-Verlag, 2020, 216 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-029-6

    Zwischen 1994 und 2002 arbeitete der italienische Künstler Igort an seinem Comic-Roman „5 è il numero perfetto“ alias „5 ist die perfekte Zahl“: der Geschichte eines alten Auftragskillers der neapolitanischen Mafia, der für die Rache an den Mördern seines Sohnes aus dem Ruhestand kommt. Inzwischen ist der Crime Comic, dessen erste Skizzen und Szenen während Igorts Zeit in Tokio entstanden, in rund zwei Dutzend Ländern auf drei Kontinenten erschienen. 2019 wurde die einflussreiche italienische Graphic Novel, deren deutsche Erstausgabe 2003 als Comic des Jahres ausgezeichnet wurde, sogar von Igort als Regisseur verfilmt. 2020 hat der Berliner Avant-Verlag dem Album jetzt eine Deluxe-Neuausgabe spendiert, die im Anhang um ein interessantes Interview mit dem 1958 geborenen Igort, ein Nachwort von ihm sowie allerhand Artwork, Skizzen, Fotos und mehr erweitert wurde.

    Der Comic selbst ist in all den Jahren seit seinem Entstehen und Erscheinen – wie zu erwarten – kein bisschen schlecht gealtert. Igort schrieb und zeichnete eben eine fast perfekte, teils kunstfertig stilisierte Mafia-Story über die Camorra und das Neapel der späten 1970er. Mit viel Gefühl, viel Nostalgie, viel Pulp und damit auch mit vielen knallharten Shootouts. Seine schwarz-weiß-blauen Duplex-Seiten vereinen europäische, amerikanische und japanische Einflüsse und Traditionen. Obendrein huldigt Igort Klassikern wie „Dick Tracy“, „Batman“ oder „Diabolik“ quasi im Subtext seines Panel-Krimis.

    Nach Avants wunderbarer „Allack Sinner“-Komplettausgabe aus dem vergangenen Jahr präsentiert diese Deluxe-Edition von „5 ist die perfekte Zahl“ einen weiteren vermeintlich alt gewordenen Krimi-Antihelden des internationalen Comics noch einmal im besten Licht. Perfetto!

    Christian Endres

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    Igort
    5 ist die perfekte Zahl – Deluxe
    Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
    Avant-Verlag, 2020, 216 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-029-6

    Zwischen 1994 und 2002 arbeitete der italienische Künstler Igort an seinem Comic-Roman „5 è il numero perfetto“ alias „5 ist die perfekte Zahl“: der Geschichte eines alten Auftragskillers der neapolitanischen Mafia, der für die Rache an den Mördern seines Sohnes aus dem Ruhestand kommt. weiterlesen…

    Adventskalender 2020 T-21 "Corto Maltese"

    von am 3. Dezember 2020 noch kein Kommentar

    Hugo Pratt
    Corto Maltese Bd. 12: Mu
    Aus dem Französischen von Reinhold Reitberger
    und aus dem Italienischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser, 2020, 260 Seiten
    ISBN: 978-3-96582-042-5

    Zwischen 1967 und 1991 schickte der italienische Comicmeister und Weltenbummler Hugo Pratt seinen lässigen, ebenso träumerischen wie ironischen Seemann Corto Maltese auf Abenteuer- und Schatzsuche – und beeinflusste damit selbst Frank „The Dark Knight Returns“ Miller, der sogar eine Insel im Batman-Kosmos nach Corto benannte. Der Verlag Schreiber & Leser hat die Neuausgabe der klassischen „Corto Maltese“-Alben – wahlweise in Farbe oder Schwarz-Weiß – Ende 2020 nun mit dem zwölften Hardcover-Band „Mu“ abgeschlossen.

    Corto und einige seiner Freunde wollen darin das Geheimnis im Meer verschwundener Inseln und Kontinente lüften, am Ende meditiert Pratt in einem Comic, der mehr Drogentraum als traditionelle Abenteuergeschichte ist, jedoch primär über Sehnsuchtsorte im Allgemeinen und ignoriert narrative Erwartungen und Tugenden dabei weitgehend. Sein herrlich grober, gekonnt abstrahierender Strich trägt das natürlich trotzdem mühelos. Zudem stehen der surrealistischen Bildergeschichte fast 100 Seiten Einleitung voran, Sachtexte zu den versunkenen Reichen genauso wie eine Prosa-Vignette von Pratt. Es gibt eben viel zu erzählen über die faszinierenden Meta-Mythen von Atlantis, Mu, Eden und Co. – und kaum jemand verstand ihren wahren Kern und ihren Sirenenruf besser als Hugo Pratt. Wer Corto bis zu diesem letzten Abenteuer unter seinem Schöpfer folgte, kriegt Quintessenz und Message von „Mu“ deshalb durchaus zu fassen. Wer dagegen noch nie mit Corto und Pratt segelte, fängt besser am Anfang mit „Die Südseeballade“ oder mit einem der Highlights wie „Die Kelten“ oder „Die Äthiopier“ an.

    Übrigens kommen bei Schreiber & Leser auch die neuen Corto-Prequels und -Sequels von Autor Juan Diaz Canales („Blacksad“) und Zeichner Rubén Pellejero („Dieter Lumpen“) heraus, die diese seit 2015 umsetzen. Denn auch das gehört zur Suche nach Abenteuern und Sehnsuchtsorten, wie wir dank Corto und Pratt wissen: Sie ist niemals wirklich zu Ende.

    Christian Endres

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    Hugo Pratt
    Corto Maltese Bd. 12: Mu
    Aus dem Französischen von Reinhold Reitberger
    und aus dem Italienischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser, 2020, 260 Seiten
    ISBN: 978-3-96582-042-5

    Zwischen 1967 und 1991 schickte der italienische Comicmeister und Weltenbummler Hugo Pratt seinen lässigen, ebenso träumerischen wie ironischen Seemann Corto Maltese auf Abenteuer- und Schatzsuche – und beeinflusste damit selbst Frank „The Dark Knight weiterlesen…

    Ein Affe am Himmel

    von am 20. August 2020 noch kein Kommentar

    Étienne Willem
    Ein Affe am Himmel Bd. 1 & 2
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser seit 2020, 48 Seiten pro Band
    ISBN: 978-3-96582-011-1 & 978-3-96582-031-9

    Burn hat ja schon in einem der letzten Podcasts aus dem Laden vom aktuellen Comic-Programm des Verlags Schreiber & Leser geschwärmt. Dabei hat er besonders die Neuausgaben gelobt. Burn feiert so etwa den Komplettband des düsteren Noir-Rachekrimis „Sleep Little Baby“ von Tome und Ralph Meyer ab, ich würde jedem die „Corto Maltese“-Werkausgabe von Hugo Pratt empfehlen, und wir alle sind uns wohl einig, dass „Strangers in Paradise“ von Terry Moore in jede Comic-Bibliothek gehört, die diese Bezeichnung verdient – und dass die Freaks in den schicken Sammelbänden von Jodorowskys und Boucqs hammerharter Westernserie „Bouncer“ nach wie vor ordentlich reinhauen.

    Aber auch unter den S&L-Neuerscheinungen sind ein paar Perlen dabei, selbst wenn sie vielleicht erst einmal unter Radar fliegen. Ein gutes Beispiel: Die neue Serie „Ein Affe am Himmel“ des belgischen Künstlers Étienne Willem, die Anfang 2020 unter dem Alles Gute!-Imprint des Verlags startete. Angesiedelt in einer Version der 1930er, in der alle Figuren nach Entenhausener Vorbild vermenschlichte Tierfiguren sind, ist der draufgängerische Affe und Pilot Harry Faulkner ein Magnet für handfesten Ärger mit schönen Frauen und mächtigen Männern. Die ersten beiden Hardcover-Alben „Wakanda“ und „Hollywoodland“ bieten schwungvolle, unterhaltsame Pulp-Action, die dank gelungener Noir-Atmosphäre, Furry-Sexappeal und herrlichem Artwork letztlich zwischen den Dauerbrennern „Inspektor Canardo“ und „Blacksad“ landet. Wer nur einen dieser beiden Titel mag, muss trotz Willems Tendenz zum Deus ex machina definitiv mal mit dem Affen abheben.

    Christian Endres

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    Étienne Willem
    Ein Affe am Himmel Bd. 1 & 2
    Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
    Schreiber & Leser seit 2020, 48 Seiten pro Band
    ISBN: 978-3-96582-011-1 & 978-3-96582-031-9

    Burn hat ja schon in einem der letzten Podcasts aus dem Laden vom aktuellen Comic-Programm des Verlags Schreiber & Leser geschwärmt. Dabei hat er besonders die Neuausgaben gelobt. Burn feiert so etwa den weiterlesen…

    Sweet Salgari

    von am 21. Juli 2020 Kommentare deaktiviert für Sweet Salgari

    Paolo Bacilieri
    Sweet Salgari
    Aus dem Italienischen von Myriam Alfano
    Avant Verlag, Berlin 2020, 172 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-027-2

    In „Fun“ beleuchtete der preisgekrönte italienische Comic-Macher Paolo Bacilieri die Geschichte und Evolution des Kreuzworträtsels – und packte noch viele andere Dinge auf 300 imposant und detailwütig gestaltete Seiten. „Sweet Salgari“, sein neuestes auf Deutsch erschienenes Panel-Werk, am dem der 1965 geborene Italiener vier Jahre lang arbeitete, ist inhaltlich deutlich luftiger geraten.

    Mit großen Sprüngen durch das Leben des italienischen Autors Emilio Salgari (1862–1911) sowie urbanen Impressionen samt Zitaten aus Salgaris Büchern, komprimiert Bacilieri das Wirken und Schaffen seines berühmten Landsmannes auf Episoden und Geschichtchen. Das ergibt keine klassische, stringente Biografie, aber einen guten Eindruck des Schriftstellers – und eine Fundgrube für Anekdoten über den „italienischen Karl May“, der abenteuerliche, posthum vielfach verfilmte Romanzyklen um Helden wie Sandokan oder den schwarzen Kosar erschuf, sich einmal mit einem Kritiker duellierte, Riesenauflagen erreichte, unter die Räder des modernen Verlagswesens geriet und Selbstmord beging. Es geht im Comic also weniger um das Autorenleben als viel mehr um das Schriftstellerschicksal.

    Bei all dem tut sich „Sweet Salgari“ durch Bacilieris Zeichenstil und sein fantastisches visuelles Storytelling hervor. Wie der Italiener manche Seiten mit Strichen und Details zugleich abstrahiert und füllt ist ebenso beachtlich wie die Atmosphäre, die er oft ganz ohne Worte und mithilfe kleiner Panel-Stafetten generiert. Bei Salgari ging es nicht ohne Pathos, vielleicht kann man deshalb im Kontext ohne Skrupel festhalten, dass Paolo Bacilieri schon ein außergewöhnlicher Künstler, ja, ein geborener Comic-Erzähler ist, der sich auf jedes Projekt zwischen Kreuzworträtselhistorie und Historienabenteuerautor einlässt.

    Christian Endres

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    Paolo Bacilieri
    Sweet Salgari
    Aus dem Italienischen von Myriam Alfano
    Avant Verlag, Berlin 2020, 172 Seiten
    ISBN: 978-3-96445-027-2

    In „Fun“ beleuchtete der preisgekrönte italienische Comic-Macher Paolo Bacilieri die Geschichte und Evolution des Kreuzworträtsels – und packte noch viele andere Dinge auf 300 imposant und detailwütig gestaltete Seiten. „Sweet Salgari“, sein neuestes auf Deutsch erschienenes Panel-Werk, am dem der 1965 geborene Italiener vier Jahre lang weiterlesen…

    HeXen hexen

    von am 29. Juni 2020 Kommentare deaktiviert für HeXen hexen

    Roald Dahl & Pénélope Bagieu
    HeXen hexen
    Aus dem Französischen von Silv Bannenberg
    Reprodukt, Berlin 2020, 304 Seiten
    ISBN: 978-3-95640-225-8

    Der walisische Autor Roald Dahl (1916–1990) schenkte uns Romane und Kinderbücher wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Der fantastische Mister Fox“, „Matilda“ oder „James und der Riesenpfirsich“ – denkwürdige Werke mit einem ganz besonderen, gerne mal schwarzem Humor, die nicht umsonst Filmemacher vom Kaliber eines Tim Burton oder Wes Anderson zu herrlich skurrilen Verfilmungen inspirierten. Dahls starke, makabre Kurzgeschichten oder sein Drehbuch zum James Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ nicht zu vergessen.

    Nun hat die 1982 in Frankreich geborene Comic-Künstlerin Pénélope Bagieu („Eine erlesene Leiche“, „Wie ein leeres Blatt“) Mr. Dahls Buch „Hexen hexen“, das ebenfalls schon verfilmt wurde, als Comic-Roman adaptiert. Bagieu interpretiert die Geschichte über den Kampf eines Jungen, seiner Oma und – neu – eines Mädchens gegen die fiesesten Hexen der Welt, indem sie einerseits auf die Zeitlosigkeit der Vorlage setzt, andererseits eigenständig interpretiert, lokalisiert, fokussiert und arrangiert. Ihr nie realistischer und nie klassischer, aber immer dynamischer und gefälliger Strich passt zur schwungvollen Story; die bunten Farben und der Humor liefern einen wirksamen Kontrast zur gelegentlichen Düsternis von Dahls modernem Märchen.

    Pénélope Bagieus Adaption von „Hexen hexen“ präsentiert sich auf 300 Seiten im Hardcover als mustergültiger All-Age-Comic, den Erwachsene ebenso gern und vergnügt lesen wie Kinder. Verhext viel Comic-Spaß für alle.

    Christian Endres

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    Roald Dahl & Pénélope Bagieu
    HeXen hexen
    Aus dem Französischen von Silv Bannenberg
    Reprodukt, Berlin 2020, 304 Seiten
    ISBN: 978-3-95640-225-8

    Der walisische Autor Roald Dahl (1916–1990) schenkte uns Romane und Kinderbücher wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Der fantastische Mister Fox“, „Matilda“ oder „James und der Riesenpfirsich“ – denkwürdige Werke mit einem ganz besonderen, gerne mal schwarzem Humor, die nicht umsonst Filmemacher vom Kaliber eines weiterlesen…

    Conan der Cimmerier

    von am 15. Juni 2020 1 Kommentar

    Conan der Cimmerier (bisher 8 Bände)
    Verschiedene Autoren u. Zeichner
    Aus dem Französischen von Harald Sachse
    Splitter, Bielefeld seit 2018, 64-80 Seiten pro Album

    Seit einiger Zeit interpretieren zeitgenössische Comic-Künstler aus vor allem Frankreich und Belgien die originalen Conan-Prosageschichten von Robert E. Howard neu. Auf Deutsch erscheinen diese aktuellen Panel-Variationen der einflussreichen Klassiker der Sword-and-Sorcery-Fantasy bei Splitter im großen Hardcover-Album, wobei jeder Titel als Einzelband gelesen werden kann und mit einem fachkundigen Artikel im Anhang daherkommt. Das sind die bisherigen Highlights der Reihe „Conan der Cimmerier“, bei Crom!

    Gleich im ersten Band „Die Königin der Schwarzen Küste“ inszenieren Jean-David Morvan („Sillage“) und Pierre Alary („SinBad“) Howards ultimativen Conan-Meilenstein von 1933 neu – bis heute eine der intensivsten, kraftvollsten und besten Storys des Conan-Mythos und des Genres. Die bittersüße Liebesgeschichte von Conan und der unabhängigen Piratin Bêlit – einer der wenigen starken Frauenfiguren der damaligen Fantasy-Ära – ist gekonnt komprimiert und obendrein herausragend, um nicht zu sagen aufsehenerregend frisch und eigensinnig visualisiert. Ein barbarenstarker Comic, der alte Haudegen begeistert und Neulesern alles gibt, was es für eine gute Conan-Ersterfahrung braucht.

    Nachdem der Franzose Robin Recht bereits eine tolle Adaption von Michael Moorcocks Antihelden Elric (ebenfalls bei Splitter) mitverantwortete, wandte er sich Howards Conan zu. In seiner beeindruckenden Comic-Fassung der posthum erschienenen REH-Story „Ymirs Tochter“, einer der bekanntesten Conan-Erzählungen, jagt der Cimmerier in den Bergen der verführerischen Tochter eines göttlichen Riesen nach. Recht entfesselt in seinen imposanten Seitenlayouts und kunstvollen, wuchtigen Bildern den gesamten sexuellen Subtext der Vorlage. Seine Seiten muss man einfach gesehen haben. Neben einem weiteren kenntnisreichen Artikel über das Original rundet ein Vorwort von Altmeister Moorcock dieses Album perfekt ab.

    Seien wir ehrlich: Conan-Comics sind ‚traditionell’ nicht gerade das Revier weiblicher Comic-Macher – Becky Cloonan war vor einigen Jahren die große Ausnahme. Nun tritt die französische Künstlerin Virginie Augustin („Alim der Gerber“) hervor. Sie setzt Howards „Schatten im Mondlicht“ optisch stark um – und findet eine zeitgemäße Balance, was die einerseits klassische, andererseits ironische Darstellung angeht. Etwa wenn Augustin nicht allein die Vorzüge der entflohenen Sklavin Olivia zeigt, sondern ebenso Muskelpaket Conan beim Baden ein paar erotische Einstellungen spendiert. Eine famose moderne Annäherung an den betagten Stoff und seine gelegentlich angestaubten Rollenbilder.

    Aus den Katakomben“ stellt ein weiteres Glanzstück dar. Régis Hautiere („Aquablue – New Era“), Olivier Vatine („Die lebende Tote“) und Didier Cassegrain („Schwarze Seerosen“) adaptieren die ungebrochen faszinierende Story von 1936 in interessanten Bildern, erwecken REHs Erzählung über Conan und die Söldnerin Valeria zu pulsierendem Leben. Valeria war für damalige Verhältnisse eine weitere taffe Protagonistin, „Aus den Katakomben“ überdies eine Konzept-Geschichte, in der es Howard einmal mehr um den Niedergang der Hochkultur und die Überlegenheit der Barbarei ging. Hautiere, Vatine und Cassegrain wählen zudem ein Ende, das heutige Leserinnen nicht mit den Augen rollen lässt.

    Das gerade erschienene achte Album bestreiten übrigens Szenarist Sylvain Runberg („Orbital“) und – ausnahmsweise – der koreanische Künstler Jae Kwang Park („Kiliwatch“) und sein japanischer Kollege Hiroyuki Ooshima (Zeichner des „Spirou“-Manga). Sie kleiden das von Howards Interesse für Orientabenteuer beeinflusste Conan-Abenteuer „Der schwarze Kreis“ in ein relativ schruftiges und für Conan eher ungewohntes Manhwa-Gewand.

    Christian Endres

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    Conan der Cimmerier (bisher 8 Bände)
    Verschiedene Autoren u. Zeichner
    Aus dem Französischen von Harald Sachse
    Splitter, Bielefeld seit 2018, 64-80 Seiten pro Album

    Seit einiger Zeit interpretieren zeitgenössische Comic-Künstler aus vor allem Frankreich und Belgien die originalen Conan-Prosageschichten von Robert E. Howard neu. Auf Deutsch erscheinen diese aktuellen Panel-Variationen der einflussreichen Klassiker der Sword-and-Sorcery-Fantasy bei Splitter im großen Hardcover-Album, wobei jeder weiterlesen…

    Geburt eines Galliers

    von am 23. Mai 2020 Kommentare deaktiviert für Geburt eines Galliers

    Catel Muller
    Die Geschichte der Goscinnys. Geburt eines Galliers
    Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
    Carlsen, Hamburg 2020, 336 Seiten
    ISBN: 978-3-551-76045-6

    Für ihre Comic-Biografie „Die Geschichte der Goscinnys. Geburt eines Galliers“ hat die französische Comic-Künstlerin Catel Muller („Kiki de Montparnasse“) viele Interviews und Dokumente von Asterix’ Autorenvater René Goscinny (1926-1977) gesichtet und allerhand Gespräche mit dessen Tochter Anne geführt. Das alles destilliert Catel in einer klassischen Künstler-Biografie mit Ich-Erzähler Goscinny, in die auch einige Skizzen, Zeichnungen und Comics von Goscinny selbst eingebunden sind. Denn der versuchte sich zunächst als Autor und Zeichner, während er in New York sogar mit der Künstler-Gang um „MAD “-Gründer Harvey Kurtzman abhing. Zudem geht es um seine Kindheit in Argentinien, sein weiteres Leben, seine Karriere und – natürlich – um Goscinnys Liebe zu Humor und Comics, die von Laurel und Hardy sowie von Disney geweckt wurden. Der Zeitgeist des 20. Jahrhunderts und der internationalen Comic-Branche wird als Kontext stets berücksichtigt. Zwischendurch sind noch einige der Unterhaltungen abgebildet, die Catel mit Anne Goscinny führte, der obendrein Prolog und Epilog gehören. Asterix und Obelix beherrschen ungefähr 30 der rund 300 Seiten. Die Gallier stehlen ihrem Schöpfer also nie die Show. Genau so stellt man sich eine Comic-Biografie vor, beim Teutates!

    Christian Endres

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    Catel Muller
    Die Geschichte der Goscinnys. Geburt eines Galliers
    Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
    Carlsen, Hamburg 2020, 336 Seiten
    ISBN: 978-3-551-76045-6

    Für ihre Comic-Biografie „Die Geschichte der Goscinnys. Geburt eines Galliers“ hat die französische Comic-Künstlerin Catel Muller („Kiki de Montparnasse“) viele Interviews und Dokumente von Asterix’ Autorenvater René Goscinny (1926-1977) gesichtet und allerhand Gespräche mit dessen Tochter Anne geführt. Das alles destilliert weiterlesen…

    Uderzo 25. April 1927 – 24. März 2020

    von am 24. März 2020 Kommentare deaktiviert für Uderzo 25. April 1927 – 24. März 2020

    Asterix steht in Deutschland wie kein anderes Comic für breite Akzeptanz. Entgegen aller sonstigen Ablehnung war Asterix bereits in meiner Jugend auch hierzulande verbreitet und ist bis heute eine der auflagenstärksten Comicpublikationen im deutschsprachigen Raum. Heute ist in hohem Alter der zweite Vater des kleinen Galliers verstorben. Albert Uderzo folgt damit Jahre später René Goscinny in den Olymp ewigen Ruhmes. Die zeichnerische Brillianz hat uns über Jahrzehnte unendliche Momente Genuss und Spaß bereitet. Am Abend eines Langen Lebens kann er getrost auf Großes zurückblicken. Durch seinen Erfolg weit über die Grenzen hinaus ist Uderzo auch zu einem Botschafter francobelgischer Comic-Kunst geworden. 
    Danke für all die Freude die du uns geschenkt hast und für das was du für das Comic getan hast. Mögest du jetzt deine Ruhe finden… vielleicht in einem kleinen gallischen Dorf.

     

    Asterix steht in Deutschland wie kein anderes Comic für breite Akzeptanz. Entgegen aller sonstigen Ablehnung war Asterix bereits in meiner Jugend auch hierzulande verbreitet und ist bis heute eine der auflagenstärksten Comicpublikationen im deutschsprachigen Raum. Heute ist in hohem Alter der zweite Vater des kleinen Galliers verstorben. Albert Uderzo folgt weiterlesen…