Horsts Bibliothek

Wer könnte besser geeignet sein, über Bücher zu schreiben, als Horst Illmer. Autor des Magazins Phantastisch! Weggefährte meines Vaters und Herausgeber einer Bibliographie über phantastische Literatur.

Amalthea

von am 14. Januar 2016 Kommentare deaktiviert für Amalthea

amaltheaNeal Stephenson
Amalthea. Roman.
Aus dem Englischen von Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl
Mit Illustrationen
(Seveneves / 2015)
München, Manhattan, 2015, 1056 Seiten
ISBN 978-3-442-54762-3

Was wird die Menschheit tun, wenn in einigen Wochen, Monaten oder Jahren der Mond ohne erkennbaren Grund auseinanderbricht? Und was werden die Nachkommen, so es denn welche gibt, in 5000 Jahren noch von ihren Vorfahren wissen (wollen)? Hört sich spannend an, und wer, wenn nicht Neal Stephenson könnte diese Geschichte auf eine Weise erzählen, die gleichermaßen objektiv stimmig ist und unter die Haut geht?! AMALTHEA zeigt den US-amerikanischen Autor auf dem Zenit seiner Fabulierkunst und das von ihm diesmal gewählte Thema wird jeden, der bereit ist, sich auf Stephensons Erzählung einzulassen, bis ins Mark erschüttern.

AMALTHEA startet mit einem Paukenschlag: „Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Er war im Zunehmen, zum Vollmond fehlte nur ein Tag. Später würde man [die Zeit] als A+0.0.0 oder schlicht Null bezeichnen.“ (S.9) Wobei „Explosion“ für das Zerbrechen unseres Trabanten in sieben große und eine Vielzahl kleinerer Brocken, die weiterhin auf der Mondbahn um die Erde ziehen, erst einmal ein fast zu starkes Wort ist. Allerdings wird bald klar, dass die Naturgesetze (Gravitation) und die Mathematik (Statistik) nicht wirklich auf Seiten des Homo sapiens stehen. Es bedarf schon eines – wirklich gewaltigen – Planes, um dem Versuch einer Rettung wenigstens einer kleinen Zahl von Menschen auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit zu verleihen. Etwa zwei Drittel des Buches widmet sich Stephenson der Entwicklung und Ausführung dieses Masterplans – und er beschreibt das Geschehen in diesen wenigen, aber alles entscheidenden Jahren so intensiv, dass man selbst als astronomischer Laie und naturwissenschaftlich eher unterinformierter Normalsterblicher plötzlich mit Begriffen wie „Delta V“, „Mikrogravitation“ oder „Perihel“ vertraut ist. Zugleich fiebert man förmlich mit, wenn wieder eine überraschende Wendung eintritt, ein Manöver schief geht, eine schon aufgegebene Hoffnung sich doch noch erfüllt. Am Ende sind es dann die – für die Originalausgabe titelgebenden – sieben Evas, also sieben Frauen im gebärfähigen Alter, die über die Zukunft der Menschheit entscheiden.

Es spricht schon sehr für den Mut und das Selbstbewusstsein Neal Stephensons, dass er an dieser Stelle den Roman nicht abbricht, sondern einen 5000-Jahre-Sprung wagt und weiter erzählt, wie sich diese Entscheidungen der Urmütter auswirkten, was ihre Nachkommen aus dem Wenigen machten, das über die Zeit gerettet werden konnte. Und es spricht fast noch mehr für den Autor, dass er sich daran macht, eine Utopie zu entwerfen, eine – trotz aller dem Menschen anhaftenden Schwächen – positive Wendung herbeizusehnen und sich ihre Grundlagen vorzustellen.
Die Visionen, die Stephenson im Schlussteil seiner Erzählung vor unser inneres Auge zu holen versteht, gehören zu den großartigsten und eindrücklichsten in der nunmehr auch schon zweihundert Jahre alten Geschichte der Science-Fiction-Literatur.

Ein Wort noch zur Aufmachung: AMALTHEA bietet auf den ersten Blick das für Stephenson-Bücher gewohnte Großformat, ein Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, und ist 1056 Seiten stark. Zur besseren Orientierung findet man auf den Vorsätzen zwei Riss-Zeichnungen (was an die PERRY RHODAN-Silberbände erinnert), mit denen die technischen Beschreibungen diverser Raumfahrzeuge aus dem Buch ergänzt werden, zudem gibt es nach Seite 704 noch eine Farbtafel, welche die Abstammung und Aufteilung der zukünftigen Menschheit übersichtlich macht. (Leider wurde hier bei der Bildlegende gepfuscht, weshalb die Zuordnung der Völker zu den Farben der Habitate zu zwei Dritteln nicht stimmt. Hoffen wir auf einen Errata-Zettel des Verlags und eine Korrektur bei der nächsten Auflage. Hier schon mal vorab inoffizielles Blatt von mir. Berichtigung zu Stephenson Amalthea Ringbild)

Man sollte ja vorsichtig sein mit solchen Zuschreibungen, aber in diesem Fall wage ich es doch, mich soweit vorzuwagen: Dieses Buch gehört in jede Science-Fiction-Sammlung – es hat das Potenzial zum Klassiker!

Horst Illmer
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Amalthea
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Neal Stephenson
Amalthea. Roman.
Aus dem Englischen von Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl
Mit Illustrationen
(Seveneves / 2015)
München, Manhattan, 2015, 1056 Seiten
ISBN 978-3-442-54762-3
Was wird die Menschheit tun, wenn in einigen Wochen, Monaten oder Jahren der Mond ohne erkennbaren Grund auseinanderbricht? Und was werden die Nachkommen, so es denn welche gibt, in 5000 Jahren noch von ihren Vorfahren wissen (wollen)? Hört sich spannend an, und

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Dunkle Stadt Bohane

von am 30. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Dunkle Stadt Bohane

BohaneKevin Barry
DUNKLE STADT BOHANE. Roman.
Ü & Nachbemerkung: Bernhard Robben; Nachwort des Autors
(City of Bohane / 2011)
Stuttgart, Tropen, 2015, 304 S.
ISBN 978-3-608-50145-2

Es ist eine ausgesprochene Männerwelt, dieses Bohane, das eine geteilte, zersplitterte Stadt irgendwie am Ende der Welt ist, einer Welt, die sich um die internen Machtspiele und uralten Zwiste der urbanen Clans und Gangs ebensowenig schert wie um die Korruption der Kommunalpolitiker oder die Riten und Bräuche der Ödlandbewohner, die zwischen Sumpf und Meer ihr Dasein fristen. Und doch dreht sich alles um die Frauen. Egal ob der Anführer der Hartnett-Fancy-Gang täglich bei seiner Mutter vorspricht und deren Rat einholt, oder ob der ins Exil vertriebene Ex-Boss Gant Broderick nur noch einmal seine ehemalige Flamme wiedersehen will – und vor allem egal, wer von den Burschen glaubt, er sei der Kronprinz und der natürliche Nachfolger in der langen Reihe der Könige der Unterwelt –, es ist immer eine Missus, eine Lady oder ein Girl, das den Burschen zeigt, wo’s langgeht.

Kevin Barry erzählt von einem der Wendepunkte in der Geschichte der dunklen Stadt Bohane, von einer Schicksalsvolte wie es sie immer gab und immer wieder geben wird, vom Wechsel der Generationen, der Geschlechter, der Anführer und ihrer Gefolgschaft. Dabei bleibt er nahe bei seinen Protagonisten, bringt ihre Motive, Gefühle und Ansichten glaubwürdig und wortmächtig zum Klingen und spielt ein so souveränes Spiel mit der Sprache (wie man sie in der Gosse, unter Ganoven, in Kneipen und Hurenhäusern, bei Stadtratssitzungen oder im trauten Heim spricht) wie es nur selten einem Gegenwartsautor noch gelingt.

Doch ach, Mister Barry, Sie sind ein Schlawiner, ein Hallodri, ein Lumpazi!

Na, ist doch wahr! Da macht man sich als Rezensent über dreihundert Seiten hinweg begeistert Notizen, freut sich über spontane Einfälle und knackige Formulierungen, mit denen man das soeben Gelesene kritisch-reflektierend in Form einer Buchbesprechung als Leseempfehlung an die nach guten Büchern Hungernden weiterreichen möchte – und dann das: Nach dem Ende des wirklich lesenswerten Romans über die Herrschafts- und Machtstrukturen einer irischen Stadt in der Mitte des 21. Jahrhunderts, kann sich der Autor nicht bremsen und liefert in einem Nachwort gleichzeitig eine Lobeshymne und viele erhellende Erklärungen zu seinem eigenen Text ab und nimmt damit dem Rezensenten praktisch jede Möglichkeit noch irgendwie originell zu erscheinen.
Grummel, knurr, maul ….

Deshalb an dieser Stelle also nur noch die dringende Empfehlung an alle Freunde des guten Buches: Lest DUNKLE STADT BOHANE und geniest den großartigen, stilistisch einzigartigen Roman eines jungen irischen Autors – aber denkt gut darüber nach, ob ihr angesichts dieser treffsicheren und überzeugenden Besprechung tatsächlich noch ein Nachwort und eine Nachbemerkung des Übersetzers benötigt.

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Kevin Barry
DUNKLE STADT BOHANE. Roman.
Ü & Nachbemerkung: Bernhard Robben; Nachwort des Autors
(City of Bohane / 2011)
Stuttgart, Tropen, 2015, 304 S.
ISBN 978-3-608-50145-2
Es ist eine ausgesprochene Männerwelt, dieses Bohane, das eine geteilte, zersplitterte Stadt irgendwie am Ende der Welt ist, einer Welt, die sich um die internen Machtspiele und uralten Zwiste der urbanen Clans und Gangs ebensowenig schert wie um die Korruption

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Der kleine Prinz

von am 20. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Der kleine Prinz

PrinzAntoine de Saint-Exupéry
DER KLEINE PRINZ.
(Le Petit Prince / 1946)
Übersetzt von Peter Sloterdijk
Illustriert von Nicolas Mahler
Berlin, Insel Verlag, 2015, 107 S.
Insel-Bücherei Band 2017, Fester Einband
ISBN 978-3-458-20017-8

Es war vermutlich die wichtigste Entscheidung, die der Verleger Karl Rauch jemals getroffen hat, als er 1950 den Vertrag für die deutsche Ausgabe des französischen Kinderbuchs LE PETIT PRINCE unterzeichnete. Geschrieben hatte das 1946 posthum veröffentlichte Trostbüchlein der Flugpionier Antoine de Saint Exupéry (1900 – 1944) im New Yorker Exil für einen im besetzten Frankreich zurückgebliebenen Freund. Die deutsche Ausgabe die unter dem Titel DER KLEINE PRINZ in der Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb erschien, wurde, ähnlich wie überall sonst auf der Welt, ein gleichermaßen Long- wie Bestseller. Bis zum Jahr 2000 verkaufte man alleine hierzulande mehr als sieben Millionen Exemplare.
Damit gehört die – vom Autor auch noch liebevoll illustrierte – Geschichte um den kleinen blonden Jungen vom Asteroiden B 612, der auf der Suche nach Antworten durchs Weltall zieht, inzwischen zum Allgemeingut, ist ins kollektive Gedächtnis eingegangen, und einzelne Sätze daraus wurden zu geflügelten Worten.

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Antoine de Saint-Exupéry
DER KLEINE PRINZ.
(Le Petit Prince / 1946)
Übersetzt von Peter Sloterdijk
Illustriert von Nicolas Mahler
Berlin, Insel Verlag, 2015, 107 S.
Insel-Bücherei Band 2017, Fester Einband
ISBN 978-3-458-20017-8
Es war vermutlich die wichtigste Entscheidung, die der Verleger Karl Rauch jemals getroffen hat, als er 1950 den Vertrag für die deutsche Ausgabe des französischen Kinderbuchs LE PETIT PRINCE

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Das Haus der vergessenen Bücher

von am 18. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Das Haus der vergessenen Bücher

HausChristopher Morley
DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann
(The Haunted Bookshop / 1919)
Hamburg, Atlantik bei Hoffmann & Campe, 2014, 255 S.
ISBN 978-3-455-60012-4

Wie in jeder gut geführten Bibliothek gibt es auch in meiner Sammlung verschiedene Abteilungen und Unter-Sparten, in die frisch eingehende Bücher einsortiert werden. Je kleiner eine solche Unterabteilung ist, desto wertvoller sind normalerweise die darin eingestellten Werke. Wobei sich „wertvoll“ nicht nur nach dem Alter oder Preis bemisst, sondern auch im Sinne von „besonders gut“ oder „hervorragend durch Inhalt und/oder Stil“ gemeint sein kann.
Was uns nun endlich zu jenem Buch führt, das hier vorgestellt werden soll: Es handelt sich um ein etwas aus der Zeit gefallenes Stück Literatur, ist THE HAUNTED BOOKSHOP doch bereits 1919 in den Vereinigten Staaten erschienen und sein Autor Christopher Morley (1890 – 1957) auch schon länger tot als ich diesen Planeten bewohne. Umso erstaunlicher also, dass jemand im Verlag Hoffmann & Campe (der für die Atlantik-Bücher verantwortlich zeichnet) der Meinung war, diesen Roman 2014 erstmals dem deutschen Publikum präsentieren zu wollen. (Noch mehr verwundert dies, wenn man herausgefunden hat, dass es sich um den zweiten Band einer bereits 1917 begonnenen Folge von Geschichten handelt.)
Im Großen und Ganzen geht es in DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER jedoch um ein Sujet, das als „zeitlos“ gelten kann, nämlich die Liebe zu Büchern.
Roger Mifflin ist, gemeinsam mit seiner Gattin Helen, Inhaber der Buchhandlung Parnassus in Brooklyn. Es handelt sich dabei um ein Antiquariat und wenn der Buchhändler von einem seiner Prachtstücke besonders angetan ist, so kann es durchaus passieren, dass er dessen Verkauf schlichtweg verweigert. Trotzdem fühlt man sich schon beim ersten Betreten des Ladens heimisch, gleich nachdem man an dem Schild vorbeigekommen ist, auf dem die „Warnung“ steht:

IN DIESEM GESCHÄFT SPUKT ES

und man eintaucht in den gedämpften Schein der spärlichen Beleuchtung und den unvergleichlichen Geruch, der von alten Büchern, Pfeifentabak und Staub ausgeht.
Wenngleich der jugendlich-dynamische Werbefachmann Aubrey Gilbert bei seinem ersten Besuch noch leise Zweifel hegt, erfährt er hier doch innerhalb weniger Tage soviel merkwürdige Dinge und „Verzauberung“, dass er fast schon bereit ist, an Spuk und Gespenster zu glauben. Daran nicht ganz unschuldig sind ein altes Buch, das immer wieder verschwindet und unerwartet irgendwo auftaucht – und die strahlend blauen Augen des Lehrmädchens Titania Chapman.
Am Ende dieser wundervoll leichten Komödie (wenngleich zwischendurch auch mal Spione und Attentäter zum Tanz antreten) steht natürlich ein großes HAPPY END, zuvor aber versteht es Morley auf unvergleichliche Weise, seine Leser mit den Freuden und Leiden eines bücherversessenen Antiquars vertraut zu machen – nicht ohne dabei ununterbrochen aus all seinen Lieblingsbüchern zu zitieren und uns Appetit zu machen, auf so manches bisher unbekannte oder übersehene Werk.
Für meine Abteilung mit Büchern über Bücher und Buchhändler reicht ein sehr kleines Regal. DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER aber hat seinen Platz darauf gefunden.

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Christopher Morley
DAS HAUS DER VERGESSENEN BÜCHER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann
(The Haunted Bookshop / 1919)
Hamburg, Atlantik bei Hoffmann & Campe, 2014, 255 S.
ISBN 978-3-455-60012-4
Wie in jeder gut geführten Bibliothek gibt es auch in meiner Sammlung verschiedene Abteilungen und Unter-Sparten, in die frisch eingehende Bücher einsortiert werden. Je kleiner eine solche Unterabteilung ist, desto wertvoller sind normalerweise die darin eingestellten

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Drohnenland

von am 7. Dezember 2015 Kommentare deaktiviert für Drohnenland

DrohnenlandTom Hillenbrand
DROHNENLAND. Kriminalroman.
Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2014, 425 S.
KiWi-Taschenbuch
ISBN 978-3-462-04662-5

Manche Bücher passen in ihre Zeit wie die Faust aufs Auge. Der als Kriminalroman „getarnte“ Near-Future-Thriller DROHNENLAND des deutschen Bestseller-Autors Tom Hillenbrand ist so ein Buch. Obwohl bereits im Frühsommer 2014 erschienen, beschäftigt es sich mit den immer noch aktuellen „Aufregern“ Vorratsdatenspeicherung, Cyberkriminalität, überstaatliche Zusammenarbeit der Polizei innerhalb der Europäische Union und Drohnenkriegsführung.

Der1972 geborene Hillenbrand war Ressortleiter bei SPIEGEL ONLINE, wurde jedoch durch eine Reihe kulinarischer Krimis bekannt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Offenbar überkam ihn dann jedoch eine Vision, wie ein Kapitalverbrechen in einigen Jahren von den dann europäisch organisierten und geführten Polizeibehörden untersucht und behandelt wird. Wie dabei die heute schon erkennbaren Überwachungsstrukturen praktisch ins Unendliche ausgeweitet wurden, wie virtuelle Welten den klassischen Tatort-Besuch ersetzen – und wie Verdächtige sich in digitalen Parallelwelten verstecken, ist eigentlich ein klassisches Science-Fiction-Thema.

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Tom Hillenbrand
DROHNENLAND. Kriminalroman.
Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2014, 425 S.
KiWi-Taschenbuch
ISBN 978-3-462-04662-5
Manche Bücher passen in ihre Zeit wie die Faust aufs Auge. Der als Kriminalroman „getarnte“ Near-Future-Thriller DROHNENLAND des deutschen Bestseller-Autors Tom Hillenbrand ist so ein Buch. Obwohl bereits im Frühsommer 2014 erschienen, beschäftigt es sich mit den immer noch aktuellen „Aufregern“ Vorratsdatenspeicherung, Cyberkriminalität, überstaatliche Zusammenarbeit der Polizei

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Das Science Fiction Jahr 2015

von am 27. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Das Science Fiction Jahr 2015

SFJahrHannes Riffel & Sascha Mamczak (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2015
Berlin, Golkonda, 2015, 650 S.
ISBN 978-3-944720-48-7
Klappenbroschur

Seien wir doch mal ehrlich: Ein wenig mehr als in den vergangenen Jahren haben wir schon gezweifelt, ob auch 2015 ein SF-JAHR erscheinen würde. Schließlich räumten die fleißigen und mutigen Herausgeber und Mitarbeiter von Golkonda aber alle Zweifel aus dem Weg und Ende September kamen die Bücher aus der Druckerei und in die Verkaufsregale.
Bereits der erste Eindruck konnte überzeugen; durch das größere Format der bei Golkonda üblichen Klappenbroschur wirkt das Jahrbuch etwas schlanker als die zuletzt bei Heyne üblichen „Backsteine“, und es liegt auch besser in der Hand. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigte, was die spätere Lektüre bestätigte: Es fehlt nichts! Nahtlos, „wie beim Staffellauf“, wurde der „Stab“ übergeben. Als Herausgeber firmieren Hannes Riffel und Sascha Mamczak, die Redaktion blieb Größtenteils bei der Stange und einige kleine Änderungen, dienen durchgängig der besseren Lesbarkeit und der Konzentration auf das Wesentliche.
Dieses Wesentliche ist die Übersicht über die Bücher, Comics, Spiele, Filme und Hörbücher mit Genrebezug, die im letzten Jahr erschienen sind. Das wurde mit gewohnter Bravour gemeistert. Zwischen die einzelnen Blöcke wurden Artikel, Essays und Interviews gesetzt, die Einzelaspekte und Besonderheiten in den Fokus nahmen.
Allem voran natürlich die unabdingbare Verneigung vor dem Gründervater: Über 70 Seiten mit Nachrufen und Erinnerungen an Wolfgang Jeschke, niedergeschrieben von Kollegen, Freunden, Weggefährten und Bewunderern.
Danach folgen unter anderem ein Beitrag von Ken Liu über „Chinesische SF“, ein Interview mit MARSIANER-Autor Andy Weir, Dietmar Dath schreibt über Greg Egan und Michael K. Iwoleit über deutschsprachige Science-Fiction-Kurzgeschichten, von Kameron Hurley gibt es die großartige Streitschrift „Wir kämpfen seit jeher“, die 2014 mit einem HUGO Award belohnt wurde, Hardy Kettlitz und Bartholomäus Figatowski beschäftigen sich mit Aspekten der Science-Fiction-Frühzeit, während Christian Endres (Film) und Uwe Neuhold (Technik) die Zukunft fest im Blick haben.
Gelungener Abschluss ist die Bibliografie, für die der Österreicher Christian Pree gewonnen werden konnte. Verzeichnet sind auf gut fünfzig Seiten die deutschsprachigen Science-Fiction-Publikationen des Jahres 2014 aus (fast) allen Verlagen und in (fast) allen Erscheinungsformen, aus Platzgründen allerdings ohne bei Erzählungsbänden die einzelnen Stories aufzulisten.
So, und wenn es jetzt noch gelingt, gedanklich das Präfix „Heyne“ vom Haupttitel DAS SCIENCE FICTION JAHR zu lösen, kann man dem Golkonda Verlag (und sich selbst als SF-Fan) eigentlich nur zur dreißigsten Ausgabe dieses immer noch einzigartigen Jahrbuchs gratulieren.

Horst Illmer

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Hannes Riffel & Sascha Mamczak (Hrsg.)
DAS SCIENCE FICTION JAHR 2015
Berlin, Golkonda, 2015, 650 S.
ISBN 978-3-944720-48-7
Klappenbroschur
Seien wir doch mal ehrlich: Ein wenig mehr als in den vergangenen Jahren haben wir schon gezweifelt, ob auch 2015 ein SF-JAHR erscheinen würde. Schließlich räumten die fleißigen und mutigen Herausgeber und Mitarbeiter von Golkonda aber alle Zweifel aus dem Weg und Ende September kamen

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Die letzten und die ersten Menschen

von am 7. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Die letzten und die ersten Menschen

letztenerstenMenschenOlaf Stapledon
DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN. Roman.
Aus dem Englischen von Kurt Spangenberg.
Mit einem Vorwort des Autors und einem Nachwort von Klaus N. Frick
(LAST AND FIRST MEN / 1930)
München Berlin Zürich, Piper, 2015, 464 S.

Über fünfzig Jahre mussten vergehen, bevor 1983 endlich die erste deutsche Ausgabe von Olaf Stapledons 1930 im englischen Original erschienenem Meisterwerk LAST AND FIRST MEN veröffentlicht wurde, das sich damals bereits zu einem der größten Klassiker der Science-Fiction-Literatur entwickelt hatte. Nun sind seither auch schon wieder mehr als drei Jahrzehnte vergangen, bis der Piper Verlag sich entschloss, seine neue Reihe „Piper Science Fiction“ mit diesem Meilenstein zu eröffnen.

Die überarbeitete Neuausgabe von Kurt Spangenbergs hervorragender Übersetzung enthält ein gleichermaßen lobendes wie geistreich-kritisches Nachwort von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick und bietet sich als Hardcover mit Folienumschlag und Lesebändchen nicht nur zum Lesen, sondern gleichzeitig auch noch als wundervolles Sammlerstück dar. Ob es sich allerdings lohnt, im Jahr 2015 DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN zu lesen, hängt viel davon ab, wie weit man als Leser bereit ist, sich auf einen selbst in der Science Fiction einzigartig weitgefassten Weltentwurf einzulassen.

Kurz vor dem Eintritt einer kosmischen Katastrophe erzählt ein „Mensch“ aus einer viele Millionen Jahre entfernten Zukunft die Geschichte der menschlichen Spezies seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. In achtzehn Stufen erfolgt diese Entwicklung, und es geht keineswegs kontinuierlich voran. Immer wieder erweisen sich einzelne dieser Entwicklungslinien als Sackgassen, doch niemals, bis in die Zeit des „letztgeborenen“ Berichterstatters hinein, hält die Evolution inne auf ihrem Weg, das Leben zu verbreiten. Gute und schlechte Zeiten, körperliche Entwicklung und moralischer Verfall, ungeahnte geistige Höhen und schließlich die Lösung des Geistes vom Soma bieten sich dem staunenden Betrachter dar – und eine von der Liebe zum Leben geprägte Erkenntnis der letztendlichen Sterblichkeit durchzieht das Buch.
Olaf Stapledon wollte mit DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN einen Mythos erschaffen, der die Menschheit in ihrer kosmischen Bestimmung zeigt. Er wollte unseren Geist aufnahmebereit sehen, wollte zum Nachdenken anregen, wollte die Freiräume schaffen, in denen neue moralische Erkenntnisse entstehen können.
Einer der Vorzüge seines Romans ist es, dass Stapledon nicht mittels einzelner Schlagwörter statische Utopien vorführt, sondern Veränderungen konkret und in ihrer vielfältigen Komplexität, jedoch immer gewürzt mit Ironie und Anekdoten, anschaulich darzustellen vermag.
Als nachgerade genial erweist sich sein am Ende des Buches auftauchende Gedanke, die Geschichte könnte eine Symphonie sein, in der bestimmte Themen in Variationen immer wieder durchgespielt werden, wobei diese Wiederholungen womöglich eine Spiralstruktur besitzen. Daran schließt sich logisch die Idee an, Zukunft und Vergangenheit könnten einander behilflich sein. Und so verschränken sich die Kadenzen, und es tritt eine Selbstreferenz ein, die schon uns Heutigen eine Verantwortung für alles spätere Geschehen zuweist. Die mythische Leistung des Buches besteht in diesem Hinfällig werden der Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität.

Es gibt Bücher, die mit ihrem Erscheinen eine Literaturgattung (oder zumindest ein Kapitel der jeweiligen Gattungsgeschichte) letztgültig behandeln, sodass ein Darüber hinaus gehen, ein Weiterschreiben durch andere Autoren schlicht nicht vorstellbar ist. Bis zum Beweis des Gegenteils stellt Olaf Stapledons Betrachtung der menschlichen Zukunft ein solches Werk dar.

Horst Illmer

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Olaf Stapledon
DIE LETZTEN UND DIE ERSTEN MENSCHEN. Roman.
Aus dem Englischen von Kurt Spangenberg.
Mit einem Vorwort des Autors und einem Nachwort von Klaus N. Frick
(LAST AND FIRST MEN / 1930)
München Berlin Zürich, Piper, 2015, 464 S.
Über fünfzig Jahre mussten vergehen, bevor 1983 endlich die erste deutsche Ausgabe von Olaf Stapledons 1930 im englischen Original erschienenem Meisterwerk LAST AND FIRST MEN veröffentlicht

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Finderlohn

von am 2. Oktober 2015 Kommentare deaktiviert für Finderlohn

KingStephen King
FINDERLOHN. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
(OT: Finders Keepers / 2015)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-27009-1

FINDERLOHN beginnt mit einem Mord aus Leidenschaft, aus Leidenschaft für Jimmy Gold, den Anti-Helden einer höchst erfolgreichen Roman-Trilogie, den sein Autor John Rothstein schon vor Jahrzehnten ad acta gelegt hat. Noch schlimmer: Rothstein hat Jimmy Gold zu einem amerikanischen Durchschnittsspießer gemacht, was ihm sein größter Fan, der Kleinkriminelle Morris Bellamy, nie verziehen hat. Bei einem Einbruch in Rothsteins Haus erbeutet Bellamy über 100 Notizbücher, doch bevor er dazu kommt, sie zu lesen, wird er wegen eines ganz anderen Verbrechens verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Als er 35 Jahre später schließlich auf Bewährung freikommt, will er nur noch die damals gut versteckten Notizbücher holen und endlich erfahren, was Rothstein in seinen letzten Lebensjahren aufgeschrieben hat. Doch inzwischen hat ein anderer diesen Schatz entdeckt – und obwohl Peter Saubers erst Siebzehn ist und noch zur Schule geht, ist er von Rothstein und Jimmy Gold mindestens genauso fasziniert wie Morris Bellamy. Es beginnt ein Kampf um die Manuskripte, der mit ungleichen Mitteln geführt wird – und bei dem es sehr schnell um Leben und Tod geht …

FINDERLOHN ist als Mittelband einer Trilogie angelegt, zeigt jedoch keine der Schwächen, die solche „Zwischenstücke“ sonst an sich zu haben pflegen. Geschickt vermeidet Stephen King es, dass man sich einfach in einem weiteren Kapitel aus MR MERCEDES wähnt, indem er FINDERLOHN im ersten Drittel mit einem komplett neuen Personal ausstattet. Der Ex-Polizist Bill Hodges, dem die Trilogie ihren Namen verdankt, tritt erst nach über einem Drittel der Geschichte erstmals in Erscheinung. Gleichermaßen meisterlich bereitet King sein Publikum auf die Weiterführung im nächsten Buch vor: man spürt irgendwo im Unterbewusstsein, dass da noch „offene Fragen“ sind, dass noch nicht alles erzählt ist – doch wohin die Reise geht bleibt unter der Oberfläche verborgen und dadurch erhöht sich der Reiz nur noch zusätzlich.

Verbrechen, Zeitgeschichte, phantastische Elemente und die Liebe zur Literatur – in FINDERLOHN findet man all dies, niedergeschrieben von einem der besten Geschichtenerzähler der Welt. Ein Buch, dessen Sog man sich nicht entziehen kann.

Horst Illmer

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Finderlohn
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Stephen King
FINDERLOHN. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
(OT: Finders Keepers / 2015)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-27009-1
FINDERLOHN beginnt mit einem Mord aus Leidenschaft, aus Leidenschaft für Jimmy Gold, den Anti-Helden einer höchst erfolgreichen Roman-Trilogie, den sein Autor John Rothstein schon vor Jahrzehnten ad acta gelegt hat. Noch schlimmer: Rothstein hat Jimmy Gold zu einem amerikanischen Durchschnittsspießer gemacht, was ihm sein

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Captain Future

von am 31. August 2015 Kommentare deaktiviert für Captain Future

CaptainFutureHardy Kettlitz
EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE.
Berlin, Memoranda, 2015, 206 S.
ISBN 978-3-944720-77-7
Klappenbroschur

Das ging ja überraschend schnell! Schon kurz nach dem Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 (vgl. die Besprechung weiter unten) legt Hardy Kettlitz soeben in seinem Memoranda Verlag das zweite Buch vor. Diesmal beschäftigt er sich mit EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE, einem echten „Altmeister“ aus dem goldenen Zeitalter der amerikanischen Science Fiction.
Dabei ist der CAPTAIN FUTURE-Bezug natürlich vor allem als ein Aufhänger zu der seit einigen Jahren bei Golkonda erscheinenden CAPTAIN FUTURE-Werkausgabe gedacht, schließlich hat der 1904 geborene Edmond Hamilton in den Jahren zwischen 1926 und seinem Tod 1977 mehr als dreißig weitere Romane und hunderte von Kurzgeschichten geschrieben.
Wie nicht anders zu erwarten, stellt das reich bebilderte Sachbuch eine wahre Fundgrube an Wissenswertem und Informativem dar, bringt den Autor und Menschen Edmond Hamilton plastisch vors Leserauge, stellt ihn auch als Ehemann von Leigh Brackett vor und spart nicht mit lesenswerten Geschichten aus der Frühzeit der „Space Opera“, zu deren Mitbegründern er gehört. Als Bonus-Material gibt es neben einer ausführlichen Bibliografie einen „Hinter den Kulissen“-Artikel von Hamilton selbst, ein Interview mit Patrick Nielsen Hayden sowie einen ausführlichen Essay von Dietmar Dath. Und natürlich „passt“ auch noch das einem Pulp-Magazin entlehnte Umschlagbild zum hervorragenden Gesamteindruck, den EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE hinterlässt.
Als Ergänzung zur Werkausgabe unverzichtbar, als Informationsquelle über die Frühgeschichte der Science Fiction unerschöpflich.

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Edmond Hamilton – Autor von Captain Future
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Hardy Kettlitz
EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE.
Berlin, Memoranda, 2015, 206 S.
ISBN 978-3-944720-77-7
Klappenbroschur
Das ging ja überraschend schnell! Schon kurz nach dem Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 (vgl. die Besprechung weiter unten) legt Hardy Kettlitz soeben in seinem Memoranda Verlag das zweite Buch vor. Diesmal beschäftigt er sich mit EDMOND HAMILTON – AUTOR VON CAPTAIN FUTURE, einem echten „Altmeister“

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Der Yark

von am 28. August 2015 Kommentare deaktiviert für Der Yark

DerYarkBertrand Santini (Text) & Laurent Gapaillard (Illustrationen)
DER YARK.
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
(Le Yark / 2011)
Berlin, Jacoby & Stuart, 2014, 75 S.
ISBN 978-3-942787-36-9

Der Yark hat Kinder zum Fressen gern, und ich verschlinge Bücher – allerdings nicht jedes Kind, beziehungsweise nicht jedes Buch.
Gut, wenn man in solchen Fällen echte Freunde hat.
Denn der Yark hat das Problem, dass er sich nur von braven Kindern ernähren kann, weil ihm die verdorbenen Rotzlöffel und Gören den Magen umdrehen. Ich habe das Problem, dass ich nur gute Bücher lesen kann, weil mir die schlechten … naja, is’ klar, oder?
Da trifft es sich dann prima, dass der Yark auf die kleine Madeleine stößt und dass mich ein Freund mit der Nase auf den YARK gestoßen hat.
Sonst wäre es wohl schlecht um uns beide gestanden, denn die Zahl der bösen Bücher und schlechten Kinder – oder andersherum – ist so groß, dass Mann oder Monster einfach den Überblick verlieren können.
DER YARK ist eines der schönsten und überraschendsten Bücher der letzten Jahre. In der Form eines illustrierten Kunstmärchens präsentieren Santini und Gapaillard die zeitlose Geschichte von der Schönen und dem Biest als durchaus aktuelle Fabel um die weltverändernde Kraft einer Freundschaft.
Wem jetzt schon das Wasser im Mund zusammenläuft, kann sich die Abenteuer des kinderverschlingenden Kuschel-Monsters in seinem nächstgelegenen Bücher-Deli besorgen. Wer noch einen Appetitanreger braucht, schaut vielleicht mal in die verlagseigene Speisekarte – www.jacobystuart.de –, wobei allerdings die Gefahr besteht, dass man von der Auswahl überwältigt wird.

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Der Yark
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Bertrand Santini (Text) & Laurent Gapaillard (Illustrationen)
DER YARK.
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
(Le Yark / 2011)
Berlin, Jacoby & Stuart, 2014, 75 S.
ISBN 978-3-942787-36-9
Der Yark hat Kinder zum Fressen gern, und ich verschlinge Bücher – allerdings nicht jedes Kind, beziehungsweise nicht jedes Buch.
Gut, wenn man in solchen Fällen echte Freunde hat.
Denn der Yark hat das Problem, dass er sich nur von

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Aquamarin

von am 12. August 2015 Kommentare deaktiviert für Aquamarin

aquamarinAndreas Eschbach
AQUAMARIN.
Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-401-60022-2

Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, dem einzigen Mädchen in der australischen Küstenstadt Seaheaven, dass aufgrund einer körperlichen Disposition nicht schwimmen kann, was sie in einer Spaß-Gesellschaft am Meer sowieso schon zur Außenseiterin macht. Dazu kommt noch, dass sie das erklärte Lieblingsopfer für die »Streiche« der Klassenprimadonna Carilja ist.
Als sie aufgrund eines dieser »Streiche« jedoch im Tauchbecken der Schule landet, entdeckt Saha, dass ihre »Behinderung« alles andere als eine solche ist – sie kann unter Wasser »atmen«. Doch damit hat sie nur ein neues Problem: Mutationen oder Genmanipulationen sind in der Zone, in der Seaheaven liegt, strengstens verboten.
Unterstützt von ihrem Mitschüler Pigrit und einer mitfühlenden Lehrerin versucht Saha ihr »Geheimnis« zu verbergen und sich einen Platz im Sozialgefüge Seaheavens zu erobern. Für kurze Zeit scheint ihr das auch zu gelingen, doch ein Zwischenfall beim großen Hafenfest zwingt sie, sich zu ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zu bekennen und die Konsequenzen ihres »Anders-seins« zu akzeptieren …
Spannend, emotional bewegend und psychologisch stimmig beschreibt Andreas Eschbach in seinem mittlerweile elften Jugendbuch für den Arena Verlag den Leidensweg von Saha, den sie gehen muss, bevor sie erkennt, dass auch für sie in der Schöpfung – und in der menschlichen Gemeinschaft – ein Platz vorhanden ist. Dabei verknüpft er die Handlung geschickt mit gegenwärtig schon erkennbaren Tendenzen in den Bereichen der Gentechnik, der Erschließung der Meeresböden und der Entstehung immer kleinerer und spezialisierter »Staaten«, die letztlich nur noch Interessenzonen politisch-kommerzieller oder religiöser Art darstellen.
Dass Eschbach in der Science Fiction alles kann, zeigte er zuletzt erneut in zwei PERRY RHODAN-Romanen, dass er auch weiß wie Kinder und Jugendliche »ticken«, macht den besonderen Reiz seiner Jugendbücher aus. Insoweit ist »Aquamarin« eine gelungene Mischung aus beiden »Welten« und ebenso tiefgründige wie kurzweilige Lektüre für den Strand – und irgendwo auf unserer Welt ist immer Sommer.

Horst Illmer

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Aquamarin
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Andreas Eschbach
AQUAMARIN.
Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-401-60022-2
Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, dem einzigen Mädchen in

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Dschiheads

von am 16. Juni 2015 Kommentare deaktiviert für Dschiheads

Vorwort von Gerd:

Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen ist es eine schöne Koinzidenz, wenn ich aus diesem Anlass jetzt eine Rezension des frischgebackenen Kurd Laßwitz Preisträgers Horst Illmer zum letztveröffentlichen Titel Jeschkes online stelle. Wolfgang Jeschke hat vergangenes Jahr für "Dschiheads" den Kurd Laßwitz Preis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger SF-Roman mit Erstausgabe von 2013″ erhalten.

Gerd

DschiheadsWolfgang Jeschke
DSCHIHEADS. Roman
München, Heyne, 2013, 367 S.
ISBN 978-3-453-31491-7

Ein Zukunfts-Roman aus Deutschland, auf dem Cover der Name des Autors WOLFGANG JESCHKE dreimal so groß wie der Titel DSCHIHEADS und ein Klappentext, der im Vergleich zu anderen Ergüssen aus den Werbeabteilungen der Verlage sogar ziemlich nahe am Inhalt bleibt – so präsentiert sich das immer noch aktuelle Buch unseres besten (und leider am 10. Juni 2015 verstorbenen) Science-Fiction-Autors.
Wolfgang Jeschke hat sich dieses Prädikat mit seinen Kurzgeschichten und Romanen in den letzten Jahrzehnten ohne jede Einschränkung (wie „derzeitig“) verdient. Und auch DSCHIHEADS erweist sich als überzeugendes Werk eines Alleskönners. Denn obwohl Jeschke auf dem Einband als Autor der Zeitreiseromane DER LETZTE TAG DER SCHÖPFUNG und DAS CUSANUS-SPIEL herausgestellt wird, geht DSCHIHEADS weit eher in eine Richtung, die er in einigen seiner neueren Kurzgeschichten eingeschlagen hat: das religionskritische Moment trat erstmals 2001 in aller Deutlichkeit in „Allah akhbar – And So Smart Our NLWs“ zutage, und in der 2004 veröffentlichten Geschichte „Das Geschmeide“ zog Jeschke für einen kurzen Moment den Vorhang der ganz großen Space Opera auf.
In DSCHIHEADS fließen diese beiden Motivstränge in einer rasanten, spannenden Handlung zusammen, deren glitzernde Oberfläche gewollt beiläufig den Blick auf einen reichhaltigen und tiefgründigen Weltentwurf verdeckt.
Drei Wissenschaftler (ein Farbiger und eine Frau sowie ihr mittels Gentechnik und KI-Implantat „up-gelifteter“ Hund/Assistent) werden vom Kommandanten eines Flottenstützpunktes auf Hot Edge, einem unwirtlichen, aber dünn besiedelten Planeten am Rande des menschlichen Einflussraums, angefordert. Als sie Monate später eintreffen, stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar, als erwartet. Der Kommandant ist „verschwunden“, sein Nachfolger will nicht recht mit der Sprache heraus (und mit den Wissenschaftlern schon gar nicht zusammenarbeiten), die Einheimischen sind religiöse Fundamentalisten, die alles Fremde (und vieles andere auch, z. B. Hunde, Frauen und dunkelhäutige Menschen) ablehnen.
Da der verschwundene Kommandant überzeugt war, auf  „Kunstwerke“ der ursprünglichen Bewohner gestoßen zu sein, ist die Konfliktlinie klar: Falls die Wissenschaftler in der einheimischen Tierpopulation eine kulturfähige Intelligenzform entdecken würden, hätte dies für die menschlichen Siedler und den Flottenstützpunkt gravierende Folgen. Die unter einem absolutistischen Oberpriester dahin darbende Menschenkolonie und die Soldaten des Stützpunktes kämpfen ihren immerwährenden Kampf gegen die Unbilden ihrer Umwelt. Die Anführer jedoch haben sich auf Hot Edge inzwischen ganz bequem eingerichtet. Sie beuten nicht nur die ihnen anvertrauten Menschen, sondern vor allem die Tier- und Pflanzenwelt des Planeten aus. Was aber würde geschehen, wenn sich nicht nur die augapfelgroßen Edelsteine und die gigantischen Steinfresken entlang der Flussufer als in vollem Bewusstsein hergestellte Kunstwerke einer einheimischen Spezies erwiesen …?
Mit atemraubender Eleganz und einzigartigen Metaphern gelingt es Wolfgang Jeschke, aus einem Schmuckstück eine ganze Zivilisation und aus einer kurzen Erinnerung ein ganzes Universum zu zaubern. Und das macht ihm so schnell Niemand nach.

Horst Illmer

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Dschiheads
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Vorwort von Gerd:
Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen ist es

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Yanqui Doodle

von am 2. Juni 2015 1 Kommentar

YanquiJames Tiptree jr.
YANQUI DOODLE. Erzählungen.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Bauche-Eppers u.a.
Wien, Septime Verlag, 2015, 520 Seiten
ISBN 978-3-902711-33-5

Lange Jahre galt die Kurzgeschichte als eine der Säulen, auf denen das Genre-Gebäude der Science Fiction ruhte. Eine schleichende Veränderung der Lesegewohnheiten und des Lesergeschmacks verdrängten Story und längere Geschichten aus der öffentlichen Wahrnehmung, bis nur noch der Roman – und dann am Besten als Trilogie oder gleich als Serie – als der echte „Stoff, aus dem die Träume sind“ gelesen wurde. Welche Perlen damit verloren gingen, wissen die (wenigen) verbliebenen Anhänger der kürzeren Form tränenreich zu beklagen – aber es hilft ja nix.
Außerdem gibt es einige wenige mutige Verlage, in unserem Beispiel der Wiener Septime Verlag, die es sich nicht ausreden lassen, Kurzgeschichtenautoren zu bringen – und wenn das dann wie bei James Tiptree jr. auch noch in der Form einer wundervoll edierten Werkausgabe passiert, kann man sich gar nicht lobend genug dazu äußern. In der Abteilung „Sämtliche Erzählungen in 7 Bänden“ erschien im Frühjahr 2015 der Band YANQUI DOODLE, der auf 520 Seiten die letzten acht Geschichten enthält, die Alice Sheldon in den Jahren 1985 bis 1987 (als sie aus dem Leben schied) unter ihrem Tiptree-Pseudonym bei den Herausgebern diverser Science-Fiction-Magazine und Anthologien einreichte.
Und was das für tolle Geschichten sind: Von der knapp 30 Seiten langen Alien-Sex-Story „Herz Drei“ bis hin zum 120-Seiten-Kurzroman „Die Farbe von Neandertaleraugen“ beweist die Autorin, dass sie zu den ganz Großen der „kleinen“ Form gehört – und dass das phantastische Genre halt nur ihre persönliche Spielwiese war für literarische Kurzgeschichten, die keinen Vergleich mit preisgekrönten Mainstream-Texten zu scheuen brauchen. Vor Story-Anfängen wie „Als Gott starb, überlebte ihn der Teufel noch eine Weile“ (aus: „Unser Dämon vor Ort“, S. 35) können auch die bekanntesten Schriftsteller der Gegenwart immer noch nur demütig den Hut ziehen!

Horst Illmer

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Yanqui Doodle
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James Tiptree jr.
YANQUI DOODLE. Erzählungen.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Bauche-Eppers u.a.
Wien, Septime Verlag, 2015, 520 Seiten
ISBN 978-3-902711-33-5
Lange Jahre galt die Kurzgeschichte als eine der Säulen, auf denen das Genre-Gebäude der Science Fiction ruhte. Eine schleichende Veränderung der Lesegewohnheiten und des Lesergeschmacks verdrängten Story und längere Geschichten aus der öffentlichen Wahrnehmung, bis nur noch der Roman

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Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

von am 8. Mai 2015 Kommentare deaktiviert für Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

SHERLOCK HOLMES...UND DIE TANZENDEN DRACHENChristian Endres
SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN. Roman.
Stolberg, Atlantis, 2015, 360 S.
ISBN 978-3-86402-220-3 / 14,90 Euro (Softcover)
ISBN 978-3-86402-246-3 / 16,90 Euro (Hardcover)

„Willkommen zurück, alter Freund!“
Diesen ersten Satz seines neuen, langerwarteten Romans SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN möchte man als Leser auch dem Autor Christian Endres entgegenrufen, denn seit seinem letzten umfangreicheren Werk sind (geschätzte) 6 Milliarden Jahre vergangen. Doch jetzt ist alles gut – mehr als gut sogar, wie man bereits nach den ersten Seiten dieser neuen und spannenden Abenteuergeschichte erkennen kann.
Zur Einstimmung auf ein London voller Magie und Zauber – was diesmal wörtlich zu nehmen ist – lässt Endres seine Helden wie nebenbei erst einmal einen „kleinen“ Fall lösen, in dem es um einen tätlichen Angriff auf einen Troll geht. Und damit sind wir schon mittendrin, in einem Parallelwelt-England, in dem es nicht nur jede Menge Fabelwesen gibt, sondern auch einen Premierminister Moriarty und einen erfolgreichen Schriftsteller namens John Watson, der seine Werke in einer Phantasie-Welt ansiedelt, in der es nüchtern, rational und total ohne jede Magie zugeht (was seine, überwiegend weiblichen, Leserinnen so herrlich exotisch finden). Im „echten“ London dagegen droht eine Staatskrise: Nicht nur, dass rassistisch motivierte Übergriffe auf die Einwanderer aus Oberons Reich stark zunehmen und ein irrer „Ripper“ Freudenmädchen abschlachtet – jetzt ist auch noch das Zauberschwert Excalibur gestohlen worden. Zeit also, dass Holmes und Watson den Fall übernehmen …
In SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN dreht Christian Endres den erzähltechnischen Spieß einfach um – in einer Welt, in der Zauberkräfte wirklich sind und die königliche „Luftwaffe“ aus Drachen besteht, kann auch ein Sherlock Holmes sich nicht nur auf die Kräfte der Logik und Deduktion verlassen, muss auch ein Dr. Watson einmal über seinen puritanischen Schatten springen und die Beiden müssen sich auf Helfer verlassen, wie man sie noch aus keinem anderen „Sherlock Holmes“-Buch kennt (auch nicht aus Endres‘ eigener Kurzgeschichtensammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES, wenngleich an einigen Stellen die Membran zwischen den Welten nur noch hauchdünn ist).
Der Autor ruft zum Tanz – wählen Sie Ihren Drachen!

Horst Illmer

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Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen
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Christian Endres
SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN. Roman.
Stolberg, Atlantis, 2015, 360 S.
ISBN 978-3-86402-220-3 / 14,90 Euro (Softcover)
ISBN 978-3-86402-246-3 / 16,90 Euro (Hardcover)
„Willkommen zurück, alter Freund!“
Diesen ersten Satz seines neuen, langerwarteten Romans SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN möchte man als Leser auch dem Autor Christian Endres entgegenrufen, denn seit seinem letzten umfangreicheren Werk sind (geschätzte) 6 Milliarden Jahre vergangen. Doch

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Die Hugo Awards 1953 – 1984

von am 1. Mai 2015 Kommentare deaktiviert für Die Hugo Awards 1953 – 1984

HugoAwardsHardy Kettlitz
DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984.
Berlin, Memoranda/Golkonda, 2015, 315 S.
ISBN 978-3-944720-71-5

Wussten Sie eigentlich, dass 1954 das Schicksalsjahr für die HUGO AWARDS war? Nur ein Jahr nach der ersten Preisvergabe in Philadelphia war die Auszeichnung fast schon wieder Schnee von gestern. Erst 1955, auf der 13. World Science Fiction Convention in Cleveland, Ohio, gelang es dann endgültig, die Traditionslinie der von Fans verliehenen Preise für die beliebtesten Romane, Geschichten, Filme, Fan-Zeitschriften, Fan- und Profi-Künstler usw. im noch jungen Genre der Science Fiction zu verfestigen. Auch wenn es in den Folgejahren immer wieder zu recht originellen Ereignissen im Zusammenhang mit den HUGO AWARDS kam (so verweigerten die Abstimmungsberechtigten 1977 Filmen wie FUTUREWORLD und LOGAN’S RUN ihre Stimmen und wählten in der Kategorie Dramatic Presentation »No Award« an die Spitze – nur um danach George Lucas für STAR WARS einen Sonder-HUGO zuzusprechen), gab es jedoch keine wirklichen Skandale oder Misshelligkeiten mehr.
Wie sich der inzwischen wohl uneingeschränkt als wichtigster Science-Fiction-Preis der Welt anerkannte HUGO AWARD aus kleinsten Anfängen entwickelte, welche Kategorien wann und wie oft hinzukamen (inzwischen sind es fast zwanzig!), wer die meisten Preise abräumte, bzw. die meisten Nominierungen erhielt (was durchaus nicht deckungsgleich ist), gegen welche Meisterwerke sich manche Titel durchsetzen konnten – das alles und noch viel mehr findet der interessierte Leser in dem herausragend gemachten Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz.
Kettlitz gehörte lange Jahre zum Kreis der Mitarbeiter beim SF-Magazin Alien Contact und gibt seit über zwanzig Jahren die Sekundärliteratur-Reihe SF Personality (inzwischen 24 Bände) heraus. In den Verlagen Shayol und Golkonda sorgen seine Layout- und Setzer-Fähigkeiten dafür, dass die Lesbarkeit der Bücher weit über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt liegt. Mit der Gründung eines eigenen Imprints (»Memoranda«; im Vertrieb von Golkonda) und der Veröffentlichung von DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 geht Hardy Kettlitz jetzt noch einen Schritt weiter und schafft sich eine unabhängige Plattform für die Veröffentlichung interessanter neuer Sachbücher zu Fantasy und Science Fiction. Nachdem man sich durch die gut 300 Seiten von DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 gewühlt hat, bleibt eigentlich nur noch ein einziger Wunsch offen: der nach dem zweiten Buch, das die Jahre zwischen 1985 und heute beleuchtet.
Dieses Werk ist ein absolut gelungener Start für einen hoffnungsvollen neuen Verlag!

Horst Illmer

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Die Hugo Awards 1953 – 1984
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Hardy Kettlitz
DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984.
Berlin, Memoranda/Golkonda, 2015, 315 S.
ISBN 978-3-944720-71-5
Wussten Sie eigentlich, dass 1954 das Schicksalsjahr für die HUGO AWARDS war? Nur ein Jahr nach der ersten Preisvergabe in Philadelphia war die Auszeichnung fast schon wieder Schnee von gestern. Erst 1955, auf der 13. World Science Fiction Convention in Cleveland, Ohio, gelang es dann endgültig,

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Die Maschinen

von am 7. April 2015 Kommentare deaktiviert für Die Maschinen

MaschinenAnn Leckie
DIE MASCHINEN. Ein Roman aus der fernen Zukunft.
Mit einem Vorwort des Übersetzers und einem Interview mit der Autorin.
Ü: Bernhard Kempen
(Ancillary Justice / 2013)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-31636-2 / 14,99 Euro

Es war einmal, in einer weit entfernten Galaxis – so oder so ähnlich fangen seit vielen Jahren die Zukunftsmärchen an. Ann Leckie vermeidet es zwar, ihren Erstlingsroman mit solchem Kitsch oder Schwulst zu beginnen, dafür hat die Eingangsszenerie viel von einem New-Western-Movie: Nackter Körper im Dreck vor dem Saloon, widerspenstige und hinterhältige Einheimische und ein Lonsome Cowboy mit einer Mission. Nur dass dieser einsame Kämpfer hier eine ehemalige Schiffs-KI ist, deren (Schiffs-)körper und Sensoren, deren Offiziere, menschlichen Besatzungen und Androiden-Hilfstruppen, bis auf die besagte Ausnahme, zerstört wurden. Und zwar von der Alleinherrscherin des größten menschlichen Sternenimperiums persönlich. Dass Anaander Mianaai sich dabei selbst dreimal getötet hat, spielt für sie keine große Rolle – schließlich hat sich die Imperiatrix in sehr viele Sicherungs-Kopien aufgespalten.
Ann Leckie entwickelt in DIE MASCHINEN eine Gesellschaft, in der Menschen und Künstliche Intelligenzen an der Spitze einer sehr starken und wenig durchlässigen Hierarchie stehen, was einen immer wieder mal an die Sklavenhalterzivilisationen der Vergangenheit denken lässt. Ihre Heldin Breq ist sich durchaus bewusst, dass sie als ehemalige Hilfseinheit der Gerechtigkeit der Torren ganz unten in der „Nahrungskette“ angesiedelt ist. Doch besitzt sie nicht nur einen auffälligen Hang zum Sammeln und Singen von Liedern, sondern auch einige so außergewöhnliche Fähigkeiten (und Hilfsmittel), dass ihr Plan, die Herrscherin des Imperiums zu töten, schließlich sehr viel weiter gedeiht und umgesetzt werden kann, als sie es sich selbst je erträumte …
Leckies Androidin Breq ist eine der ungewöhnlichsten Protagonistinnen der Science Fiction seit vielen Jahren. Das vor allem scheint auch der Grund dafür zu sein, dass die Autorin mit ihrem ersten Roman praktisch alle wichtigen SF-Preise Englands und der Vereinigten Staaten abräumen konnte. Zudem entwickelt sie eine „Zukunfts-Sprache“, in der praktisch alle geschlechtsspezifischen Zuschreibungen weiblich sind. (Wie der Übersetzer Bernhard Kempen in seiner Vorbemerkung schreibt, verursacht das im Deutschen weit mehr Probleme als im Englischen.) Davon einmal abgesehen, ist DIE MASCHINEN ein unterhaltsamer Mix aus dem Besten was die Science Fiction in der Nachfolge von Iain M. Banks, Lois McMaster Bujold und Robert A. Heinlein momentan zu bieten hat.

Horst Illmer

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Die Maschinen
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Ann Leckie
DIE MASCHINEN. Ein Roman aus der fernen Zukunft.
Mit einem Vorwort des Übersetzers und einem Interview mit der Autorin.
Ü: Bernhard Kempen
(Ancillary Justice / 2013)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-31636-2 / 14,99 Euro
Es war einmal, in einer weit entfernten Galaxis – so oder so ähnlich fangen seit vielen Jahren die Zukunftsmärchen an. Ann Leckie vermeidet

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Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug

von am 16. Februar 2015 Kommentare deaktiviert für Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug

schlachthof5Kurt Vonnegut jr.
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG. Roman.
(Slaughterhouse-Five or The Children’s Crusade / 1969)
Ü: Kurt Wagenseil
Reinbek, Rowohlt, 2010, 208 S.
ISBN 978-3-499-25313-3

Gott gebe mir die gelassene Gemütsruhe,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und immer die Weisheit, den Unterschied zu erkennen.
(Inschrift auf dem Medaillon, das Montana Wildhack um den Hals trägt.)

Der amerikanische Soldat Kurt Vonnegut (1922 – 2007) hat als Kriegsgefangener die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten am 13. Februar 1945 miterleben müssen – und sie in den Kellern eines Schlachthofs überstanden. Die Aufarbeitung dieses Traumas gelang ihm, nach vielen vergeblichen Versuchen, erst Ende der 1960er Jahre. Als alle Welt vom Vietnamkonflikt sprach, schrieb er mit SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG einen Roman, der gleichzeitig die Distanz des Autors zum gerade herrschenden Zeitgeist bewies und auf die ständigen Wiederholungen der Geschichte anspielte, vom Mittelalter über den 2. Weltkrieg bis Vietnam – und darüber hinaus, bis in die fernste Zukunft.
Billy Pilgrim, ein an unkontrollierbaren „spastischen“ Zeitsprüngen leidender Mensch, ist der „Jedermann“ des Buches. Sein Schicksal führt ihn unter anderem 1945 nach Dresden, aber auch in einen „Alien-Zoo“ der Tralfamadorianer. Er begegnet während seiner Sprünge der kompletten Mannschaft aus Vonneguts Raritätenkabinett, darunter dem unbekannten, bettelarmen Science-Fiction-Autoren Kilgore Trout, dem Hauptmann Rosewater, der eine unheilbare Vorliebe für Trouts Schundromane hat, und der unwiderstehlichen Montana Wildhack, die ebenfalls nach Tralfamadore entführt wurde.
An der zentralen Stelle des Buches erkennt Billy die tiefe Wahrheit von Rosewaters Behauptung, dass „alles“ bereits in Dostojewskis DIE BRÜDER KARAMASOW gestanden habe, dies aber heutzutage nicht mehr ausreiche, die Welt zu erklären. Nach einigen Diskussionsrunden mit den Außerirdischen, in denen Billy unter anderem erfährt, dass die Erde der einzige Planet im Universum ist, auf dem die Vorstellung eines „freien Willens“ kursiert, schließt er sich deren Welt- und Zeitsicht an. Sein Wahlspruch ist nun ein abgeklärtes: „So geht das“.
Kurt Vonnegut zeigt in SCHLACHTHOF 5, dass die gängigen Science-Fiction-Motive im modernen Roman durchaus eine ebensolche satirische Brechung der Realität leisten können, wie schon in der Antike die phantastischen Elemente in den Erzählungen Lukians. Es gelingt ihm, seinen Roman auf spielerische Weise jeder Klassifizierung zu entziehen. Meisterhaft sind Genre- und Hochliteratur, Kriegsdrama und schwarzer Humor zu einem stimmigen Ganzen verschränkt.

Horst Illmer

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Schlachthof 5
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Kurt Vonnegut jr.
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG. Roman.
(Slaughterhouse-Five or The Children’s Crusade / 1969)
Ü: Kurt Wagenseil
Reinbek, Rowohlt, 2010, 208 S.
ISBN 978-3-499-25313-3
Gott gebe mir die gelassene Gemütsruhe,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und immer die Weisheit, den Unterschied zu erkennen.
(Inschrift auf dem Medaillon, das Montana Wildhack um den Hals trägt.)
Der

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Das Gleismeer

von am 9. Februar 2015 Kommentare deaktiviert für Das Gleismeer

GleismeerChina Miéville
DAS GLEISMEER. Roman.
Übersetzt von Eva Bauche-Eppers
(Railsea / 2012)
München, Heyne, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-453-31540-2

Telefonklingeln.
Hallo, Horst. Du hast mir da doch das neue Buch von China Miéville empfohlen …
Äh, ja? (Jetzt bloß vorsichtig.)
Ich wollte nur sagen, dass ich gestern damit angefangen habe – und seitdem habe ich ein so breites Grinsen im Gesicht, dass meine Frau schon misstrauisch wird …
Und auch der Rest des Gesprächs verlief dann sehr positiv, hatte für unser Thema hier aber keine Bedeutung mehr.

Auch bei mir löste DAS GLEISMEER, China Miévilles langerwarteter neuer Roman, den gleichen Effekt auf die Mundwinkel aus. Vermutlich durch den Verlagswechsel zu Heyne hatte sich die deutschsprachige Veröffentlichung des im Original bereits 2012 erschienen Buches ungewöhnlich lange hingezogen und schon Anlass zu Befürchtungen gegeben.
Nach der einbändigen Ausgabe von PERDIDO STREET STATION (und jetzt eben von DAS GLEISMEER) darf man nun aber erleichtert feststellen, dass der britische Autor bei uns endlich wieder eine „Heimatbasis“ besitzt. Zudem konnte man sich darüber freuen, dass Eva Bauche-Eppers wieder mit an Bord ist – und es tut unglaublich gut, dass China Miéville seine »deutsche Stimme« wiederbekommen hat.
Miéville erzählt in DAS GLEISMEER von den Erlebnissen Shams, eines jungen Mannes auf seiner ersten „Großen Fahrt“. Allerdings findet diese nicht auf einem Schiff, sondern auf einem Zug statt, der das titelgebende „Gleismeer“ befährt. In einer Welt, in der die heutigen modernen Techniken und Materialien nur noch als prähistorische Artefakte aus den trügerischen Tiefen einer für Menschen lebensgefährlich veränderten und von mutierten Geschöpfen bewohnten „Erde“ geborgen werden können, hat sich der Homo vorago aperientis, der „Mensch am Rande des Abgrunds“, eingerichtet, so gut es eben geht. Er befährt die Gleise, end- und zeitlos, schon immer & für immer da, und jagt das Geziefer, um Nachschub für die hungrigen Mäuler und die hungrigen Märkte zu erhaschen. Doch wie zu allen Zeiten zweifelt die Jugend an der Weisheit der Alten – und schon steckt man mitten in großen und weltbewegenden Abenteuern.
Denn ein großartiger Abenteuerroman ist DAS GLEISMEER vor allem anderen. Gleichzeitig ist das Werk stilistisch nicht wenig anspruchsvoll und widersetzt sich einer weiteren Genre-Einordnung dadurch, dass es auf seinem Weg durch die mehr als achtzig Kapitel ständig die Richtung, Tonlage und Erzählhaltung ändert, ohne dabei jemals vom Gleis zu springen oder den großen Bogen zu verlieren (symbolisiert wird dies auch optisch durch die Verwendung des „&“-Zeichens für das normale „und“).
Dass man sich dabei außerdem noch über eine herausragende Sprachkraft, eine unglaubliche Ideenfülle und jede Menge (meta-)literarischer Querverweise freuen kann, gehört bei einem Werk von China Miéville einfach dazu!

Horst Illmer

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China Miéville
DAS GLEISMEER. Roman.
Übersetzt von Eva Bauche-Eppers
(Railsea / 2012)
München, Heyne, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-453-31540-2
Telefonklingeln.
Hallo, Horst. Du hast mir da doch das neue Buch von China Miéville empfohlen …
Äh, ja? (Jetzt bloß vorsichtig.)
Ich wollte nur sagen, dass ich gestern damit angefangen habe – und seitdem habe ich ein so breites Grinsen im Gesicht, dass meine Frau schon misstrauisch wird …
Und auch

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Der Terraformer

von am 19. Januar 2015 Kommentare deaktiviert für Der Terraformer

terraformerMatthias Falke
DER TERRAFORMER.
Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S.
ISBN 978-3-86402-189-3

So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer.
Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, dafür aber mit der Möglichkeit, Gott zu spielen und der Schöpfung ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und dann sowas: Gerade als seine kürzlich freigesetzten Blaualgen den ersten Sauerstoff produzieren, spaziert da plötzlich ein Mann über die noch sehr karg bewachsenen Felsen und bitte McCoy um Hilfe und Asyl.
Es handelt sich dabei um Roderick, einen in die „Wolfszeit“ verstoßenen Clanchef von einer der eher rückständigen Erzwelten vom Rande der menschlichen Hegemonie, der bei dem Terraformer Unterschlupf findet und für einige Monate sein Gehilfe wird. Doch wenn Roderick seine Ehre, seine Familie und sein Leben (in dieser Reihenfolge) retten will, muss er vor Ablauf eines Jahres zurück auf seine Heimatwelt und dort sein Recht einfordern.
Eher widerwillig überlässt ihm McCoy schließlich seine Rettungskapsel, mit der Roderick ins nächste Sternensystem aufbricht. Noch bevor Anders McCoy seinen neuen Freund so richtig vermissen kann, bekommt er schon wieder Besuch. Diesmal allerdings eher unfreundlichen, von Rodericks Feinden – und schon wird er von seinem Projekt weggeschleppt und steckt mitten in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die halbe Galaxis.
Matthias Falke ist mit DER TERRAFORMER ein gut geschriebener, spannender und häufig auch sehr humorvoller Science-Fiction-Roman der „alten Schule“ gelungen. Keine Stilexperimente, keine überbordende Gewalt, keine Apokalypse, die kurzfristig gestoppt werden muss – sondern einfach nur ein herrlich-versponnenes Weltraum-Garn, wie man es sich auf Beta 7 oder Centauri 13 abends bei einem guten Gläschen am Tresen einer Raumfahrer-Kneipe erzählt.
Lesevergnügen pur!

Horst Illmer

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Der Terraformer
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Matthias Falke
DER TERRAFORMER.
Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S.
ISBN 978-3-86402-189-3
So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer.
Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, dafür aber mit der Möglichkeit, Gott zu spielen und der Schöpfung ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und

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Der Club für bizarre Berufe

von am 25. Dezember 2014 Kommentare deaktiviert für Der Club für bizarre Berufe

Club der BerufeG. K. Chesterton
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen.
Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg
Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904)
Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S.
ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro

Der Engländer als solcher ist ja gerne Mitglied in einem Club – und je exklusiver, desto besser. Da nimmt es kaum Wunder, dass Mr. Swinburne, ein typischer Londoner wie nur je einer vor unser Angesicht trat, stets nach Mitgliedschaften in solch vornehmen Zirkeln strebt. Bis er jedoch Eintritt in den „Club für bizarre Berufe“ erlangt, muss er sich durch eine Reihe herrlich-schräger Großstadtabenteuer schlagen, die seiner Naivität und Gutgläubigkeit wirklich alles abverlangen.
Von der Existenz dieser Vereinigung erfährt er, als er sich mit den „bemerkenswerten Abenteuern des Major Brown“ beschäftigen muss, die von einer Firma in die Wege geleitet werden, die man heutzutage wohl unter „Abenteuer GmbH“ im Branchenverzeichnis finden würde. Deren Inhaber erklärt auch kurz und bündig, unter welchen Voraussetzungen man in besagten Club Mitglied werden kann: Man muss einen völlig neuen Beruf erfinden oder entdecken – und damit dann auch seinen Lebensunterhalt bestreiten.
Wie sich in den insgesamt sechs Erzählungen des Buches zeigt, lassen sich Londons Geschäftsleute einige sehr „bizarre“ Berufe einfallen, allesamt wohl nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen – wobei: hin und wieder beschleicht einen, nach besonders herzhaftem Gelächter, dann doch der Verdacht, dass sich einige dieser „Queer Trades“ bis heute gehalten oder sogar weiterentwickelt haben.

Über einhundert Jahre her ist die Erstveröffentlichung der Geschichten, die sich Gilbert Keith Chesterton ausdachte, um seinem staunenden Publikum den CLUB OF QUEER TRADES vorzustellen. Erstmals 1904 in England als Buch erschienen, konnten sich seit 1928 auch deutsche Leser erheitert und kopfschüttelnd freuen über die bemerkenswerten Abenteuer der ungleichen Brüder Basil und Rupert Grant, erzählt von ihrem Freund Swinburne, dem ganz und gar nicht objektiven Begleiter der beiden.
Allerdings hatte sich auf der bis in die 1980er Jahre verwendeten Übersetzung ein wenig der Staub der Jahrzehnte angesammelt. Unter dem Titel DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE sind die vergnüglichen „Londoner Erzählungen“ in der Neuübersetzung von Jakob Vandenberg im Coesfelder Elsinor Verlag neu aufgelegt worden.
Chesterton hat seine Protagonisten vermutlich nicht zufällig als liebevolle Parodie von Conan Doyles Ermittler-Duo Holmes & Watson angelegt (an einigen Stellen wird aus dem Augenzwinkern ein freundschaftlicher Rippenstoß). Und so stolpert der selbsternannte Privatermittler Rupert Grant nur allzu gerne über vermeintliche „Fälle“, bei deren Lösung ihm Swinburne immer wieder voller Enthusiasmus beisteht, die jedoch letztlich vom gutmütigen Ex-Richter Basil Grant (einem der eindrucksvollsten Charaktere, die Chesterton je aufs Papier warf, vermutlich wegen gewisser biographischer Ähnlichkeiten) vermittelst Intuition und unter Ablehnung aller offensichtlichen Fakten („Wie Fakten doch die Wahrheit verschleiern“) entwirrt werden müssen.
Wer bereit ist, sich auf den etwas speziellen englischen Humor der damals gerade erst vergangenen viktorianischen Ära einzulassen und sich an klug konzipierten und (trotz fehlender Bluttaten oder sonstiger Grausamkeiten) nicht unspannenden Geschichten zu erfreuen vermag, wird hier vollkommen zufrieden gestellt.
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE ermöglicht eine herrlich entspannende Wiederentdeckung eines Autors, der leider viel zu oft auf seine FATHER BROWN-Geschichten reduziert wird!

Horst Illmer

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Der Club für bizarre Berufe
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G. K. Chesterton
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen.
Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg
Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904)
Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S.
ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro

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Der Jesus-Deal

von am 17. Dezember 2014 Kommentare deaktiviert für Der Jesus-Deal

JesusDealAndreas Eschbach
DER JESUS-DEAL. Thriller.
Köln, Lübbe, 2014, 724 S.
ISBN 978-3-431-03900-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser vorher – und das gleich aus mehreren Gründen – schon weiß, wie er ausgeht, ja, ausgehen muss?
Wer Andreas Eschbach einmal kennen gelernt hat, wird diesem liebenswert zurückhaltenden Menschen jedenfalls keinerlei Hang zum Größenwahn vorwerfen mögen. Also handelte es sich wohl tatsächlich um das Wissen um und das Vertrauen auf die Gesetze des Erzählens, des Spannungsaufbaus und das eigene Geschick, daraus tolle Bücher entstehen zu lassen, das hinter der Idee stand, dem großen Erfolg von DAS JESUS-VIDEO eine Fortsetzung folgen zu lassen.
Eine Fortsetzung? Oder doch eher die Vorgeschichte? Oder das damals Weggelassene hinzufügen? Schon hier beginnen die Probleme – handelt es sich doch um eine Zeitreisegeschichte!
Seit die Reise durch die Zeit in phantastischen Erzählungen vorkommt, hat sie Autoren und Leser gleichermaßen fasziniert. Geht es nur zurück? Geht es vorwärts? In beide Richtungen? Ortsgebunden oder an jeden beliebigen Fleck der Welt? Und, die wichtigste Frage von allen, kann man den Zeitablauf verändern? Kann man also zum Beispiel 2000 Jahre zurückreisen nach Jerusalem und die Kreuzigung Jesu verhindern?
All dies beschäftigt natürlich auch Andreas Eschbach in DER JESUS-DEAL. Ausführlich referiert er über die naturwissenschaftlichen Hintergründe und philosophischen Probleme der Zeitreise. Doch damit lässt sich noch lange kein guter Roman schreiben. Dazu bedarf es toller Figuren, starker Gefühle und einer möglichst großen Bedrohung, gegen die ein Kampf aussichtslos erscheint, der von den Helden aber natürlich trotzdem geführt wird.
Einen Großteil der Protagonisten kennt man aus DAS JESUS-VIDEO, einige der neu hinzugekommenen Handlungsträger ergeben sich schlüssig aus familiären oder gesellschaftlichen Beziehungen und selbst bei seinen Nebenfiguren gibt sich Eschbach alle erdenkliche Mühe bei deren Charakterisierung.
Neben der Liebe und der Angst vor dem Tod gehört wohl vor allem die Religion zu den stärksten Antrieben des menschlichen Handelns. Den Aspekt des religiösen Fundamentalismus und seiner zerstörerischen Auswirkungen stellt Eschbach denn auch in den Mittelpunkt seines Romans. Er beschreibt die fast unvermeidliche geistige Verwirrung, die dieser Absolutheitsanspruch bewirkt – und lässt dabei den drei großen Weltreligionen gleichermaßen Gerechtigkeit widerfahren. Denn wenn es um die fanatische Auslegung von Gottes Wort geht, stehen sich Judentum, Christentum und der Islam in nichts nach …
Wenn man nach über siebenhundert Seiten ideenreicher, herzergreifender und spannender Lektüre schließlich rundum zufrieden das Buch schließt, ist man sich sicher, dass dieser Mann seiner Fähigkeit als Geschichtenerzähler völlig zu Recht vertraut.

Horst Illmer

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Der Jesus-Deal
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Andreas Eschbach
DER JESUS-DEAL. Thriller.
Köln, Lübbe, 2014, 724 S.
ISBN 978-3-431-03900-9
Hardcover mit Schutzumschlag
Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser vorher – und das gleich aus mehreren Gründen – schon weiß, wie er ausgeht, ja, ausgehen

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Das Jesus-Video

von am 28. November 2014 Kommentare deaktiviert für Das Jesus-Video

JesusVideoAndreas Eschbach
Das Jesus-Video. Thriller.
Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten
BL-TB 17035 / 9,99 Euro

Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, wittert der Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith eine Sensation. Er verständigt John Kaun, Geldgeber der Ausgrabung und zugleich einer der mächtigsten Männer der Nachrichten-Branche.
Eine Theorie ist schnell zur Hand: Ein Zeitreisender hat damals Jesus gefilmt, konnte nicht mehr zurückreisen und hat vermutlich die Kamera irgendwo versteckt. Kaun will unbedingt diese Kamera und die Aufzeichnungen um sein angeschlagenes Imperium zu sanieren. Sein Gegenspieler ist der junge Amerikaner Stephen Foxx, der das Skelett gefunden hat. Dabei hat er einen der Anleitung beiliegenden Brief an sich genommen, und versucht nun selbst, mithilfe eines befreundeten Wissenschaftlers, diesen zu entziffern.
Aber Kaun hat viel Geld und keine Skrupel und will mit allen Mitteln Ergebnisse herbeizwingen. Es beginnt ein Wettlauf, bei dem mal Kaun, mal Foxx die Nase vorne hat. Wem es nun gelingt diese Kamera zu finden, welche Informationen sich auf deren Siliziumspeichern befinden und was ein „Jesus Video“ ist, beantwortet der Verfasser in seiner hervorragend erzählten Geschichte, die seit ihrer Erstveröffentlichung 1998 nichts von ihrer Spannung und Faszinationskraft eingebüßt hat.
Andreas Eschbach braucht den Vergleich mit britischen und amerikanischen Autorenkollegen nicht zu scheuen. Es ist alles da, was einen guten Roman ausmacht: Ein ungleiches Liebespaar, jede Menge Geld und Technik, Verschwörungen, Geheimgänge, die Katholische Kirche, tapsige Wissenschaftler und harte Soldaten – und auch ein deutscher Science-Fiction-Schriftsteller hat seine Sternstunde.

Horst Illmer

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Andreas Eschbach
Das Jesus-Video. Thriller.
Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten
BL-TB 17035 / 9,99 Euro
Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, wittert der Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith eine Sensation. Er verständigt John Kaun, Geldgeber der Ausgrabung und zugleich einer der mächtigsten

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Ubik

von am 7. November 2014 Kommentare deaktiviert für Ubik

UbikPhilip K. Dick
UBIK. Roman.
Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux.
(Originaltitel: Ubik / 1969)
Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten
ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro

Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit.
Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus der Sicht des Autors damals noch ferne Zukunft, für uns heutige Leser natürlich lange schon Vergangenheit. Entstanden ist UBIK während der Psychodelic-Ära Ende der 1960er Jahre und so scheint die Geschichte manchmal den Geist dieser Zeit zu verströmen. Die Story wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär.
Und trotzdem beschleicht mich bei der Lektüre jedes Mal ein Gefühl von Verunsicherung. Plötzlich wirkt das Geschehen so real, dass ich mich am Kragen gepackt fühle und mitten hinein versetzt in diese Konsumwelt, deren Darstellung als allumfassender Moloch inzwischen gar nicht mehr so übertrieben erscheinen mag wie vielleicht noch 1969.
Der Roman erzählt die Erlebnisse einer Gruppe von Agenten eines privatwirtschaftlich geführten Geheimdienstes, die, gemeinsam mit ihrem Chef Glen Runciter und dem Techniker Joe Chip, auf dem Mond in einen Hinterhalt geraten und dabei fast alle getötet werden. In der von Philip K. Dick entworfenen Welt, existiert jedoch die Möglichkeit, mittels „Kältepackung“ Menschen, die sonst sterben würden, einzufrieren und sich so ihre geistigen Fähigkeiten noch eine zeitlang zunutze zu machen. Während Joe Chip nun glaubt, nach dem Attentat seinen Chef Runciter solcherart „gerettet“ zu haben, muss er im weiteren Verlauf der Geschichte nach und nach erkennen, dass er es wohl selbst ist, der als „Halb-Lebender“ mit der Außenwelt kommuniziert – und dass die künstlich erzeugte Zwischenwelt ihre ganz eigenen Gefahren besitzt.
In UBIK gelingt dem Autor der künstlerische Spagat zwischen einer kafkaesken Atmosphäre wie man sie aus dem SCHLOSS kennt und einer reinen SF-Idee a la MATRIX. Mit diesem Werk reiht sich Philip K. Dick ein in die Weltliteratur und gesellt sich zu jenen Autoren, aus deren – in einer Art literarischem „Halbleben“ schlummernden – Meisterwerken sich spätere Generationen gerne bedienen und daraus mit Hilfe ungeheurer Werbeetats mehr oder weniger gelungene Blockbuster erzeugen.
Zu keiner Zeit war UBIK aktueller als heute.

Horst Illmer

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Ubik
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Philip K. Dick
UBIK. Roman.
Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux.
(Originaltitel: Ubik / 1969)
Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten
ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro
Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit.
Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus der Sicht des Autors damals noch ferne Zukunft, für uns heutige Leser natürlich lange schon Vergangenheit. Entstanden

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Der Marsianer

von am 14. Oktober 2014 Kommentare deaktiviert für Der Marsianer

MarsianerAndy Weir
DER MARSIANER. Roman.
Ü: Jürgen Langowski
(The Martian / 2014)
München, Heyne, 2014, 509 S.
ISBN 978-3-453-31583-9

Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot halten, auf dem Roten Planeten zurückgelassen. Verwundet und ohne Kommunikationsmöglichkeiten kann er sich in die Forschungsbasis retten. Während die unter Schock stehende Crew den Heimflug zur Erde antritt, wo das Scheitern der dritten Marsmission natürlich ein gewaltiges Medienspektakel hervorruft, macht Mark Bestandsaufnahme. Kurzfristig stehen seine Überlebenschance nicht schlecht – aber als Totgeglaubter kann er nicht einmal auf eine Rettungsmission hoffen. Trotzdem versucht er alles, um a Leben zu bleiben. Und als NASA-Mitarbeiter einige Wochen später die Unglücksstelle per Teleskop untersuchen wollen, sehen sie Unglaubliches …

Im Jahr 1964, vor genau fünfzig Jahren, kam der Independent-Film ROBINSON ON MARS in die Kinos, eine freie Adaption des ROBINSON CRUSOE (1719) von Daniel Defoe. Und auch wenn die Beschreibung von DER MARSIANER fast so klingt wie „Das Buch zum Film“, so verfügt der Roman von Andy Weir dann doch über genügend eigenes Potenzial, um seiner Top-Titel-Funktion im Herbstprogramm der Heyne-SF-Reihe gerecht zu werden. Das von Jürgen Langowski übersetzte Buch war in den USA ein Überraschungserfolg, denn so spannend und emotional Weir auch erzählt, so nahe an den realen Gegebenheiten einer NASA-Mars-Mission bleibt er. Die Originalausgabe THE MARTIAN erschien zuerst 2011 als selbstproduziertes E-Book, bevor Del Rey Books aufmerksam wurde und der Autor seinen Erstling für die Druckausgabe nochmals überarbeitete.

DER MARSIANER ist vor allem gut gemachte Unterhaltungsliteratur für Leser jeden Alters. Allerdings gelingt es Weir hervorragend, seine eigene Begeisterung für Technik und Raumfahrt glaubhaft und mitreißend in die Geschichte einzubringen. Die geschickten Wechsel zwischen dem Überlebenskampf auf dem Mars und dem fast ebenso heroischen Wettlauf der irdischen Raumfahrtspezialisten mit der Zeit, bringen ordentlich Tempo und Dramatik ins Buch. So geht gute Science Fiction!

Horst Illmer

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Der Marsianer
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Andy Weir
DER MARSIANER. Roman.
Ü: Jürgen Langowski
(The Martian / 2014)
München, Heyne, 2014, 509 S.
ISBN 978-3-453-31583-9
Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot halten, auf dem Roten Planeten zurückgelassen. Verwundet und ohne Kommunikationsmöglichkeiten kann er sich in die Forschungsbasis

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Die Insel der besonderen Kinder

von am 12. September 2014 2 Kommentare

inselRansom Riggs
DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011)
München, Pan, 2011, 416 S.
ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro
Auch als Taschenbuch erhältlich:
München, Knaur, 2013, 416 S.
ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 Euro

Das Beste an dem seit einiger Zeit kursierenden Schlagwort von der »All Age«-Literatur ist, dass man seither auch in fortgeschrittenem Lesealter zu diesen Büchern greifen kann, ohne so alberne Entschuldigungen wie »Ich möchte einmal prüfen, ob das für die Enkelkinder geeignet ist« gebrauchen zu müssen. Im schlimmsten Fall ist das Buch dann halt auch nur das: Für die Enkelkinder geeignet.
Manchmal jedoch stößt man auf ein Werk, das sich einem öffnet wie eine Schachtel voller alter, vergilbter Schwarzweiß-Fotos. Man blättert die Seiten um und hat dabei das Gefühl, mit jedem neuen Bild einer zwar längst vergangenen, aber bis heute immer noch wirksamen Magie zu erliegen. So geschehen bei der Lektüre von DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER des amerikanischen Drehbuchschreibers Ransom Riggs.
Jacob Portman ist Fünfzehn und führt mit seinen wohlhabenden Eltern ein einigermaßen langweiliges Leben in Florida – bis zu dem Tag, an dem er mit ansehen muss, wie sein Großvater von einem Monster getötet wird. Ausgerechnet der von Jacob über alles geliebte Grandpa Abraham, der in jungen Jahren als Einziger seiner Familie den Nazi entkam – und, wie der unvergleichliche Erzähler unheimlicher Geschichten immer wieder beteuerte, den »Monstern«!
Die örtliche Polizei glaubt allerdings nicht an solche Spinnereien, oder gar an »Monster«, und gibt die Schuld einem Rudel verwilderter Hunde. Für Jacob beginnt eine Zeit des Zweifels, des Leidens und der Desorientierung. Denn in den, mit alten Fotos »belegten« Erzählungen von Abraham kamen immer wieder zwei Motive vor: eine paradiesische Insel voller ganz »spezieller« Kinder und jene Monster, die er von dort fernhalten und bekämpfen musste. Allerdings hatte Jacob in den letzten Jahren seinem Großvater nicht mehr geglaubt und diese Geschichten schlicht für Märchen und die Bilder für schlechte Fälschungen gehalten.
Um das schreckliche Geschehen zu verarbeiten, reist Jacob schließlich (auch auf Anraten seines Psychiaters) auf jene kleine Insel vor der walisischen Küste, auf der das Waisenhaus stand, in dem der junge Abraham Zuflucht vor dem Holocaust fand und eine glückliche Zeit zwischen ganz besonderen Kindern verlebte.
Dort angekommen, findet Jacob nur noch eine ausgebombte Ruine vor, die von den Inselbewohnern als Spukhaus bezeichnet und furchtsam gemieden wird. Alles Suchen und Stöbern in den verfallenen Resten ist vergeblich, außer weiteren alten Fotos gibt es keinerlei Hinweise mehr darauf, wer vor dem September 1940 (als die Bombe auf das Haus fiel) hier gelebt hatte. Erst als er kurz vor seiner Abreise ein vorzeitliches Steingrab erkundet, macht Jacob die entscheidende Entdeckung – vielleicht hatten die Geschichten seines Großvaters doch einen wahren Kern …
Für einen echten Entwicklungsroman ist der Handlungszeitraum von etwas mehr als einem Jahr zu kurz, dafür ist die Beschreibung der widersprüchlichen Gefühle, der Zerrissenheit der eigenen Persönlichkeit an der Schwelle vom Kind zum jungen Erwachsenen aber außergewöhnlich gut gelungen.
Ransom Briggs hat mit DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER einen berührenden, zartfühlenden, unheimlichen und spannenden Roman verfasst, der auch erfahrene Leser zu fesseln versteht und trotz seiner Ansiedlung in der Gegenwart und seiner sehr modernen Sprache zwischen den Zeilen (und vor allem durch die vielen Bildbeigaben) ein leicht melancholisches Gefühl von Nostalgie zu vermitteln weiß.
Ach, und bevor ich es vergesse: für die Enkelkinder ist das Buch auch hervorragend geeignet.

Horst Illmer

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Die Insel der besonderen Kinder
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Ransom Riggs
DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011)
München, Pan, 2011, 416 S.
ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro
Auch als Taschenbuch erhältlich:
München, Knaur, 2013, 416 S.
ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 Euro
Das Beste an dem seit einiger Zeit kursierenden Schlagwort von der »All Age«-Literatur ist, dass

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