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    Weiter Himmel

    von am 2. Juni 2021 noch kein Kommentar

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Kate Atkinson
    Weiter Himmel
    DuMont, Kölnt 2021, 476 Seiten
    ISBN 978-3-8321-8001-0

    „Weiter Himmel“ ist Kate Atkinsons fünfter Roman-Krimi über ihren Ermittler Jackson Brodie, der unter dem Titel „Case Histories“ eine BBC-Fernsehserie erhalten hat. Der Vorgängerband wurde 2012 zudem mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Im neuesten Buch, das man problemlos ohne die Vorgänger lesen könnte, stolpert der in die Jahre kommende Privatdetektiv in einen hässlichen Fall von modernem Mädchenhandel hinter schöner Fassade – eine Verschwörung zwischen alten Schandtaten, anhaltender Korruption und neuem Horror.

    Das könnte man als grundsoliden britischen Krimi betrachten, der viele Ecken und Aspekte des gegenwärtigen Brexit-Großbritanniens aufgreift, und das wäre schon gut genug. Doch Kate Atkinson zu lesen bedeutet, einer Meisterin bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Die Konstruktion, der Stil, die Charaktere, der Humor – das alles ist überdurchschnittlich, wenn man genau hinsieht. Da geht es dann auch klar, dass die 1951 geborene Engländerin den Zufall hinter den verknüpften Schicksalen ihrer Protagonisten so am Limit ausfährt wie einen perfekt eingestellten Boliden in der Kurve.

    Christian Endres

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    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Kate Atkinson
    Weiter Himmel
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    Die weite Leere

    von am 19. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    J. Todd Scott
    Die weite Leere
    Polar, Stuttgart 2021, 442 Seiten
    ISBN 978-3-948392-16-1

    Craig Johnson, Autor der kongenial fürs Fernsehen adaptierten „Longmire“-Romanserie, kennt sich aus mit der Weite, die man im modernen Amerika noch immer findet. Man sollte also besser aufhorchen, wenn Mr. Johnson einen schreibenden Kollegen empfiehlt, den ebenfalls die Weite irgendwo im amerikanischen Westen beschäftigt. Die Rede ist von J. Todd Scott, der seit 20 Jahren als Bundesagent für die DEA (Drug Enforcement Administration) arbeitet, die nicht zuletzt wachsam auf die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten schaut. Hier, am Rio Grande, verortet Scott in seinem Romandebüt „Die weite Leere“ die fiktive texanische Kleinstadt Murfee mitten im großen Nirgendwo.

    Beherrscht wird der Ort von einem überlebensgroßen, gierigen Sheriff, den alle nur den Judge nennen – Sheriff, Ankläger, Richter, Henker und Gangster in einem. Aber auch sein wütender Sohn, ein drogenabhängiger Deputy, ein junger Gesetzhüter mit einer gescheiterten Football-Karriere, dessen Freundin und eine Lehrerin mit aufgewühlter Vergangenheit lassen die Dunkelheit aus der Weite und der Leere bereitwillig nach Murfee sowie in ihre Leben. Das nutzt J. Todd Scott für spannenden, guten texanischen Noir, der hin und wieder spürbar Western-Gepflogenheiten folgt, aber lediglich am Etikett des Neo-Westerns kratzt. Im Original sind bereits zwei Fortsetzungen erschienen. Hoffentlich kriegen wir sie bald zu lesen.

    Christian Endres

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    J. Todd Scott
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    Factory Town

    von am 3. Mai 2021 noch kein Kommentar

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Jon Bassoff
    Factory Town
    Polar, Stuttgart 2021, 256 Seiten
    ISBN 978-3-948392-22-2

    Jon Bassoffs Roman „Zerrüttung“, 2016 auf Deutsch erschienen, war ein Musterbeispiel modernen Noirs in der Tradition von James M. Cain. Mit „Factory Town“ liegt nun ein neues Werk des 1974 geborenen Mr. Bassoff bei Polar vor und beschert der aktuelle Taschenbuch-Reihe des Stuttgarter Verlags einen weiteren schmalen, jedoch umso ungewöhnlicheren Titel. Einen kurzen, befremdenden und hammerharten Roman in literarischer Trickbetrüger-Tradition, der wie ein surrealer Fiebertraum die Grenze zwischen Krimi und Horror durchbricht – und von dem es einen als deutschsprachigen Fan extremer Genre-Lektüre dieser Art auch nicht gewundert hätte, wenn er im Festa Verlag herausgekommen wäre.

    Russell Carvers verzweifelte Suche nach einem seit Jahren verschwundenen Mädchen wird zu einer unwirklichen, unberechenbaren Odyssee durch die verkommene, verzerrte Sündenstadt Factory Town – zu dem, was man so gerne als Tour de force bezeichnet. „Zerrüttung“ ist sicher Jon Bassoffs gefälligeres Buch, doch wer seine genreübergreifende Lektüre finster, verstörend bösartig, heftig und anders mag, kann sich ruhig mal nach Factory Town wagen. Es kann allerdings sein, dass man sich verirrt. Krimi-Kenner Marcus Müntefering liefert Touristen dieser Hölle des Bizarren und Perversen im Nachwort die passende Analyse und Einordnung.

    Christian Endres

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    Jon Bassoff
    Factory Town
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    Castle Freeman

    von am 21. April 2021 1 Kommentar

    Castle Freeman
    Männer mit Erfahrung
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2017)
    München, dtv, 2018, 170 Seiten
    ISBN 978-3-423-14622-7

    Auf die sanfte Tour
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2017)
    München, dtv, 2018, 185 Seiten
    ISBN 978-3-423-14678-4

    Der Klügere lädt nach
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2020)
    München, dtv, 2020, 201 Seiten
    ISBN 978-3-423-14755-2

    Hinterwäldler in Vermont

    Die drei unterhaltsamen Romane von Castle Freeman spielen im mehr als ländlichen Vermont, wo man erst ab der dritten Generation zu den Einheimischen zählt und alle, die aufgrund familiärer Band erst wenige Jahrzehnte dort leben, nicht verstehen, worüber sich die Einheimischen unterhalten.

    Kern der Romane sind Sheriff Wing im ersten Roman und dessen Nachfolger Sheriff Wingate in den beiden anderen. Mit dem Wechsel des Sheriffs wechselt auch die Erzählperspektive. Castle Freeman erzählt die letzten beiden Romane aus der Ich-Perspektive.

    Das Motto des Sheriffs Wing, in seinem Amt als Vollstrecker von Recht und Ordnung, ist es, die Dinge auf sich zukommen zu lassen.

    Wingate, der im Roman „Auf die sanfte Tour“, seinen ersten großen Fall bearbeitet, findet sich, obwohl er vorher als Deputy gearbeitet hat, erst nach und nach in diese Methode ein. Da er ein großer Bewunderer seines Vorgängers ist, versucht er dessen Arbeitsweise zu übernehmen, weil das einerseits seinen eigenen Arbeitsaufwand reduziert und andererseits der Philosophie folgt, dass die Lösung eines jeden Falls in diesem bereits angelegt ist und nur zu Tage treten möchte.

    Diese stoische Art Fälle zu lösen oder bei deren Lösung zu beobachten, wie sich diese lösen, sind eines der Highlights dieser kurzweiligen Geschichten.

    Was mich aber zwischendurch immer wieder hat innehalten lassen, waren die pointierten Dialoge, die so knochentrocken sind, dass ich nur empfehlen kann, diese konzentriert zu lesen, denn diese sind die Essenz aller drei Romans. Daneben weisen diese Dialoge so viel Situationskomik auf, dass ich zwischendurch laut lachen musste.

    Drei äußerst kurzweilige Romane, die vielleicht nur einer Einschränkung bedürfen. Möglicherweise sind die Ansichten und der Humor eher der Geschmack von Männern ab 40.

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    Castle Freeman
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    Castle Freeman
    Männer mit Erfahrung
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2017)
    München, dtv, 2018, 170 Seiten
    ISBN 978-3-423-14622-7

    Auf die sanfte Tour
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2017)
    München, dtv, 2018, 185 Seiten
    ISBN 978-3-423-14678-4

    Der Klügere lädt nach
    Aus dem amerikanischen Englischen von Dirk van Gunsteren
    (New York 2140, 2020)
    München, dtv, 2020, 201 Seiten
    ISBN 978-3-423-14755-2

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    Love & Bullets

    von am 19. April 2021 noch kein Kommentar

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    Nick Kolakowski
    Love & Bullets
    Suhrkamp, Berlin 2020, 423 Seiten
    ISBN 978-3-518-47056-5

    Seit einigen Jahren gibt Thomas Wörtche im Suhrkamp Verlag eine sensationell treffsichere und frische Krimi-Reihe heraus. Eines der jüngeren Highlights? Der Roman „Love & Bullets“ des Amerikaners Nick Kolakowski.

    Das Cover macht trotz Elvis-Anhänger nicht mal im Ansatz deutlich, wie cool dieses Buch ist. Obwohl, vielleicht ja doch. Im Original erschienen die drei Kurzromane mit den prächtigen Titeln „A Brutal Bunch of Heartbroken Saps“, „Slaughterhouse Blues“ und „Main Bad Guy“ (übersetzt: Brutale Trottel mit gebrochenen Herzen, Schlachthaus-Blues und Der Härteste von allen) bei einem Verlag mit dem nicht minder prächtigen Namen Shotgun Honey. Das deutsche Taschenbuch versammelt alle drei Teile, die zusammen eine Geschichte ergeben: Die des Abzockers Bill und der Killerin Fiona, die als Paar vor der rachsüchtigen New Yorker Mafia fliehen, die sie hintergangen haben. Aber das sind nicht die Einzigen mörderischen Verrückten, die ihnen zwischen Texas und Kuba das Leben schwer machen …

    Einmal aufs Gaspedal gestiegen, wird Nick Kolakowskis brutale, blutige Gangster-Komödie nicht mehr langsamer. Atemloser Crime-Pulp, der nie mehr sein will, als er ist, und das ist genug für Fans von Winslow, dem frühen Tarantino, Westlake, Lansdale. „Love & Bullets“ bietet massig Liebe, Hiebe und Kugeln, jede Menge Action sowie rasanten Lesespaß.

    Christian Endres

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    Nick Kolakowski
    Love & Bullets
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    Maybelline

    von am 1. März 2021 noch kein Kommentar

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    Taylor Brown
    Maybelline
    Polar, Stuttgart 2021, 412 Seiten
    ISBN 978-3-948392-18-5

    Rory kehrt mit einem Bein weniger aus dem Koreakrieg zurück nach North Carolina, wo er von seiner Großmutter Granny May alias Maybelline Docherty aufgezogen wurde. Granny ist eine Institution in der Gegend, für manche sogar eine Hexe. Sie kennt sich aus mit Naturheilkunde und den Geistern von Howl Mountain, einem unzugänglichen Berg über einem gefluteten Tal. Da oben wimmelt es in den 1950ern vor Schwarzbrennern, die dank der Prohibition gute Geschäfte machen, obgleich sie gefährlich leben. Besonders Rory, der mit einem aufgemotzten Wagen – respektvoll Maybelline getauft – den Moonshine-Whiskey vom Berg runter fährt, verfolgt von Bundesagenten und der Konkurrenz. Aber seine Gefühle für die Tochter eines Priesters sowie eine Gewalttat aus der Vergangenheit werfen einen noch größeren Schatten auf Rorys Leben als Howl Mountain …

    Wer Country Noir und besonders Südstaaten-Geschichten über die Appalachen mag, bekommt mit Taylor Browns Roman „Maybelline“ richtig guten, starken Booze geboten. Ein Buch für alle, die sich auch an den Werken von William Gay, Donald Ray Pollock und Brian Panowich berauschen und die es zu schätzen wissen, wenn rauer Hillbilly-Crime auf eine regelrecht alttestamentarische, mythische Natur – der Menschen, der Umgebung – trifft. Im amerikanischen Original heißt der von Susanna Mende übertragene Roman passenderweise „Gods of Howl Mountain“, allerdings ist „Maybelline“ ausnahmsweise mal eine wirklich schöne und sinnige deutsche Eigenlösung. Was diese hochprozentige, kraftvolle Art Hinterwald-Krimi angeht, macht es sich Taylor Browns „Maybelline“ erst einmal auf dem Gipfel gemütlich. Allzu viele Romane werden dieses Jahr vermutlich nicht so weit nach oben kommen.

    Christian Endres

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    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Taylor Brown
    Maybelline
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    Das System

    von am 28. Januar 2021 noch kein Kommentar

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Ryan Gattis
    Das System
    Rowohlt Hundert Augen, Hamburg 2020, 542 Seiten
    ISBN 978-3-498-02538-0

    Seit seinem Romandebüt „In den Straßen die Wut“ gehört der 1987 geborene Amerikaner Ryan Gattis zu den nachrückenden Krimi-Autoren, die man unbedingt im Blick haben muss. Nach der Gangster-Geschichte „Safe“ liegt mit „Das System“ nun sein neuester Roman auf Deutsch vor, und der unterstreicht nur noch einmal, wie gut und lesenswert Gattis wirklich ist.

    Auf über 500 Seiten geht es ihm um die Menschen des Systems aus kriminellen Gangs und der staatlichen Strafverfolgung, das in den USA viele Leben bestimmt und beherrscht. Im Roman sind da etwa die jungen Gangster Dreamer und Wizard, die 1993 im Gefängnis landen, weil ein Bewährungshelfer einen Junkie zu einer Falschaussage zwingt. Um seinen unschuldigen Freund Dreamer zu helfen, steigt der smarte Little bei seinen Ermittlungen tiefer in die Welt der Banden, als er es je wollte. Doch auch Dreamers schöne Schwester Angela oder eine ehrgeizige Staatsanwältin spielen eine Rolle und sind Teil Des Großen Systems, das aus vielen kleinen Systemen und Geschichten und Schicksalen und Menschen besteht, die wiederum alle ihre Makel und Begierden haben – und dafür zu lügen und tricksen bereit sind.

    Dieser dritte Krimi von Ryan Gattis, weit mehr als nur ein Police Procedural mit Hand und Fuß, tut sich besonders durch seine glaubhaften Charakterisierungen und seine imposante Vielstimmigkeit hervor: Gattis lässt seine Protagonisten auf beiden Seiten des Gesetzes, des Gefängniszauns und des Prozesses reihum als Ich-Erzähler auftreten und gibt jedem eine eigene Stimme, einen eigenen Sound. Gigantisch gemacht und großartig zu lesen.

    Christian Endres

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    Ryan Gattis
    Das System
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    Stadt, Land, Raub

    von am 12. Januar 2021 noch kein Kommentar

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Marcie Rendon
    Stadt, Land, Raub
    ariadne, Hamburg 2020, 237 Seiten
    ISBN 978-3-86754-245-6

    2017 veröffentlichte die Amerikanerin Marcie Rendon, die dem Stamm der Anishinabe White Nation People angehört, „Am Roten Fluss“: ihren ersten Krimi über Fargo in den 1970ern zwischen Vietnamkrieg und Hippiebewegung, der Renee Blackbear alias Cash sofort zu einer neuen Lieblingsheldin machte. Nun ist mit „Stadt, Land, Raub“ der zweite Roman in Else Laudans ariadne-Imprint bei Argument erschienen, wo starke Autorinnen und Protagonistinnen des modernen Krimis ein Zuhause haben und z. B. auch neue Bücher der Schottin Denise Mina herauskommen, die einst sogar mal „Hellblazer“-Comics verfasste.

    Die 19-jährige Cash, taffe Ziehtochter des Sheriffs, studiert in „Stadt, Land, Raub“ mit Erfolg an der Uni, hat hin und wieder außerkörperliche Traumerfahrungen und bessert ihr Taschengeld mit Kneipen-Billard und dem nächtlichen Fahren von Rübenlastern auf. Diesmal stolpert sie über einen Fall verschwundener Mädchen, der vom ländlichen Leben am Red River in die gemeine große Stadt führt. Überdies kehrt ein verloren geglaubter Verwandter zu ihr zurück …

    Marcie Rendons Sound und ihre Hauptfigur sind so großartig, dass man bereitwillig den Zufall ignoriert, der wieder eine recht große Rolle für die Handlung spielt. Außerdem erzählt Rendon gekonnt von den 1970ern, Bürgerrechtsbewegungen, posttraumatischen Belastungsstörungen sowie den historischen und anhaltenden Verfehlungen gegenüber den Native Americans. Cash ist eine wunderbare Antiheldin, der man überallhin folgt, ob an die Uni, auf den Rübenacker oder in die gefährlichen Twin Citys – und garantiert auch in einem dritten Band.

    Christian Endres

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    Marcie Rendon
    Stadt, Land, Raub
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    Tin Men

    von am 25. November 2020 Kommentare deaktiviert für Tin Men

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Mike Knowles
    Tin Men
    Polar, Stuttgart 2020, 337 Seiten
    ISBN 978-3-948392-14-7

    Drei Cops sind es, die der kanadische Autor Mike Knowles in seinem Roman „Tin Men“ auf Gesellschaft, Verbrecher, Zeugen und nicht zuletzt einander loslässt: Den brillanten, aber selbst drogenabhängigen Woody, dessen brutalen und riesenhaften, Blechmann genannten Partner Os sowie den unsicheren Schaumschläger Dennis. Sie sollen mit vereinten Kräften herausfinden, wer ihre schwangere Kollegin Julie Owen ermordet und das Baby aus ihrem Leib geschnitten hat …

    Knowles schont seine drei dämonengeplagten Detectives weder am unglaublich blutigen Tatort dieses Verbrechens, noch im weiteren Verlauf ihrer unbequemen Ermittlungen, die zu Tiefschlägen führen und die Problembullen weiter gegeneinander aufhetzen. Auf rund 300 ziemlich knackigen, spannenden Seiten inszeniert Knowles ein Police procedural light, das primär auf Härte und Finsternis setzt. Keine Schnörkel, keine Kompromisse, sondern immer nur mehr Dunkelheit, Gewalt und Ausweglosigkeit. Das hellt einem beim Lesen vielleicht nicht die Stimmung auf, passt jedoch zu diesem gelungenen eigenständigen Roman über drei grundverschiedene dirty cops.

    Abgerundet wird das Buch, das Karen Witthuhn ins Deutsche übertragen hat, durch ein langes Nachwort von Krimi-Kritiker Markus Müntefering, der u. a. die fundamentalen Cop-Romane von Ed McBain kurz vorstellt und Mike Knowles schließlich innerhalb des Genres und der kanadischen Kriminalliteratur einordnet.

    Christian Endres

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    Mike Knowles
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    Das weite Herz des Landes

    von am 9. November 2020 Kommentare deaktiviert für Das weite Herz des Landes

    Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

    Richard Wagamese
    Das weite Herz des Landes
    Blessing, München 2020, 288 Seiten
    ISBN 978-3-89667-666-5

    „Das weite Herz des Landes“ ist ein Roman des indigenen kanadischen Autors Richard Wagamese (1955–2017), der den First Nations angehörte. Im Buch geht es um den jungen Halbindianer Franklin Starlight, der in den Bergen British Columbias bei seinem Ziehvater aufwächst. Dieser bringt dem Jungen das Jagen und Überleben im Einklang mit der rauen Natur bei, obwohl der alte Mann selbst kein Indianer ist. Franks leiblicher Vater Eldon Starlight vegetiert unterdessen in der Stadt am Fuße der Berge als Säufer vor sich hin. Als Eldon erkennt, dass seine Leber bald den Geist aufgeben wird, bittet er Frank ungeachtet ihrer Entfremdung, ihn zum Sterben auf einen bestimmten Gipfel zu bringen. Unterwegs erzählt der schwache Vater von seinem Leben und seinen Fehlern, und der Junge erfährt endlich von seiner Mutter und wie er bei seinem Ziehvater landete …

    Richard Wagamese’ Roman, der im Original 2014 als „Medicine Wak“ herauskam, begeistert beim Lesen von der ersten Seite an als großartige Geschichte mit überzeugenden Figuren und traumhafter Prosa – kantig, hart, schroff und präzise, aber zugleich auch edel und poetisch. Jeder Satz hat spürbar viel Gewicht, ob bei den Beschreibungen der Natur oder der emotionalen Landschaften im Inneren der Figuren. Das Buch, das unter der 300-Seiten-Grenze bleibt und trotz seiner herben Knackigkeit stets viel Gehalt und Substanz bietet, erinnert an die besten Romane der famosen Louise Erdrich sowie an die Werke der Südstaaten-Giganten Cormac McCarthy und William Gay.

    „Das weite Herz des Landes“ stellt man ins Regal mit seinen Lieblingsbüchern und möchte es während und nach der Lektüre jedem voller Enthusiasmus empfehlen. Hiermit getan.

    Christian Endres

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    Richard Wagamese
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