Thriller

Wenn das Blut im Schnee gefriert

von am 24. August 2022 4 Kommentare

GerdMitch schreibt viele Rezis für unsere Seite und trägt damit zur Vielfalt und Diversität bei. Wie jeder unserer Autoren hat er einen ganz eigenen und subjektiven Blick auf die Szene. Dieser einzigartige Blickwinkel steht ab und an ein wenig außerhalb meines eigenen Horizontes. Ich selbst bin natürlich außer Fanboy auch noch Verkäufer und Ladeninhaber. Deswegen gibt es ab und an auch Bücher, die mir weniger munden, weil Beispielsweise die Konditionen sehr schlecht sind oder das Werk nicht mehr lieferbar ist.

Und dann gibt es auch Produkte, die ich als selbstständiger Buchhändler komplett ablehne. Wenn ein Buch folgendermaßen propagiert wird: "Diese einmalige Ausgabe hat keine ISBN. Sie gelangt also nicht in den offiziellen Buchhandel. Auch eine eBook-Veröffentlichung erscheint nicht." ist es schwierig zu vermitteln, was eine Rezi auf unserer Seite verloren hat. Jetzt ist es aber ein Herzenswunsch von Mitch. Deswegen mache ich eine Ausnahme.

Jeff Strand
WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT
Festa Verlag
Sammlerausgabe
304 Seiten

WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT (englischer Titel: Autumn Bleeds Into Winter) ist einer der jüngeren Romane von Jeff Strand aus dem Jahr 2020, der im Genre Horror-Coming-Of-Age anzusiedeln ist.

Jeff Strand wurde am 14. Dezember 1970 in Baltimore, Maryland, geboren, zog aber schon in jungen Jahren nach Fairbanks, Alaska. Er ist vor allem für seine Horror-Werke bekannt ist. Viele seiner Bücher sind durch einen eigenwilligen makabren Humor und kargen Prosastil geprägt.

Vorweg möchte ich sagen, dass Strands WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT mir außerordentlich gut gefallen hat.

Der Ich-Erzähler ist hier der 14-jährige Curtis aus Fairbanks in Alaska, ein Junge, der mit der passenden jugendlichen Naivität (gepaart mit recht süffisantem Sarkasmus) seine wochenlange Jagd auf einen Serienmörder schildert. Die Erzählung beginnt temporeich und würzig,

"Im Sommer 1979, einige Tage nach meinem 14. Geburtstag, saß ich in einem Van, dessen Seite ein Panther- Graffito zierte, und versuchte, eine nicht registrierte Pistole zu kaufen.",

soll heißen, schon der Buchanfang hat mich gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

Ich habe schon einige Bücher aus dem Genre "Coming-Of-Age" gelesen und möchte behaupten, dass sich Strands WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT bemerkenswert erfrischend vor dem Leser ausbreitet. Der Plot hat echt gute Wendungen und freche Dialoge, irgendwie entsteht beim Lesen eine angespannte Neugier, gerade weil Curtis sich hier mit einem echt brutalen Typen einlässt, der immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Auch das Ende im Roman ist recht heftig und rundet den schnellen Ritt durch die Story schön ab.

Generell liebe ich gute Coming-of-Age-Romane, vor allem (aber nicht nur) wenn ein mitreissender Ich-Erzähler die Handlung ausbreitet; genau Jenes ist hier Strand auf eine ganz individuelle und neue Art gelungen.

Die Erzählung hat nichts Übernatürliches, das Monster ist hier "nur" ein kindermordender Serienkiller, daher ist der Horror hier eher unterschwellig, die Handlung könnte auch Richtung "Thriller" eingeordnet werden.

Mit Vergleichen bin ich eigentlich immer etwas vorsichtig, aber Strands WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT kann sich (gerade wegen seines besonderen Stil und wegen seines durchschlagenden Plots) durchaus mit "den Großen" messen, soll heißen mit Kings ES, mit McCammons BOY’S LIFE oder mit Malfis DECEMBER PARK, sogar mit Simmons SOMMER DER NACHT oder mit Kings DIE LEICHE.

Daher kann ich jedem Coming-Of-Age Fan das Buch WENN DAS BLUT IM SCHNEE GEFRIERT wärmstens empfehlen. Das Buch ist auf deutsch leider schon vergriffen (ist als hochpreisige limitierte Festa-Sammlerausgabe erschienen), ist aber im Internethandel (ebay-kleinanzeigen usw.) derzeit noch gebraucht bzw. teilweise auch OVP zu bekommen.

MITCH

PS: Freilich kann ich Gerds Unmut gegenüber dem FESTA-VERLAG (jedenfalls aus Händlersicht) nachvollziehen. Gleichzeitig ist zu sehen, dass es hier ohne jenen Verlag doch so einige Horror-/Fantastikperlen in deutscher Sprache gar nicht geben würde. Der FESTA-VERLAG bringt neben den offiziell im Buchhandel erhältlichen Titeln auch so einige (streng limitierte) Titel heraus, die (wohl für die eingefleischten Fans) exklusiv eben nur über die Website des Verlags bezogen werden können. Klar, dies ist für die Händler ein spürbarer Nachteil, für den Horror-Leser aber nicht unbedingt: Denn diese limitierten Ausgaben sind zwar alles andere als preisgünstig, aber inhaltlich bemerkenswert sowie handwerklich hochwertig (was den gehobenen Preis – jedenfalls für mich – durchaus rechtfertigt), und machen sich hervorragend im Bücherregal. Ich (als Leser) bin dem FESTA-VERLAG jedenfalls dankbar, dass er solche Belletristikgoldstücke zu uns nach Deutschland bringt und freue mich freilich, wenn auch weiterhin mein Lieblingsgenre (Coming-Of-Age) von den Verlagen gefördert und auf deutsch publiziert wird.

PPS: An der Stelle darf ich auch einmal lobend den jüngeren BUCHHEIM VERLAG erwähnen, der sich in seiner neuen Reihe CEMETERY DANCE GERMANY SELECT (mit ISBN) für das Jahr 2022 explizit dem Genre "Horror-Coming-Of-Age" widmet … und der bei den sog. VORZUGSAUSGABEN (diejenigen ohne ISBN) aktuell (seit vorgestern, 22.08.22) einen bisher längst vergriffenen Roman nun als (auf nur 777 Bücher limitiertes) Hardcover-Schmankerl mit vielen Extras anbietet: WEISSER SCHRECKEN von Thomas Finn ist eine sehr lesenswerte Coming-of-Age-Geschichte aus deutscher Feder (á la Stephen Kings ES), welche gekonnt mythische Monster, uralte Sagen und ländlichen Aberglauben zu echt gutem Horror kombiniert. Neugierig? Klickt doch mal zur sehenswerten Videorezension von Florian.

PPPS: … Und wer mich danach fragt, welcher Comig-Of-Age-Horrorroman "der Beste" sei, dem kann ich – ohne zu zögern – antworten: Dan Simmons ELM HAVEN – SOMMER DER NACHT.

Dan Simmons
ELM HAVEN (Zwei Romane in einem Band)
Heyne Verlag (11. März 2019)
Broschiert: 1008 Seiten
ISBN-13: 978-3453319813

Aus meiner Sicht schlägt Simmons Comig-Of-Age-Horrorbuch sogar das Kultbuch ES von Stephen King fast um Längen, einfach, weil es sich so schön nostalgisch liest, die sprachlichen Fertigkeiten des Autors gigantisch sind und die Gewichtung der durchweg lebendigen Handlung optimal gelingt; so ist es nicht verwunderlich, wenn King selbst über SOMMER DER NACHT schreibt "Eines der wenigen Bücher, die man gelesen haben muss!" und "Dan Simmons schreibt wie ein Gott. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich ihn beneide!".

ELM HAVEN – SOMMER DER NACHT hat alles, was ein herausragender Comig-Of-Age-Horrorroman braucht und zwar in perfekter Rezeptur (und eben Jenes macht das Buch so besonders). Zum Inhalt verweise ich auch hier gerne auf die tolle Videorezension von Florian Jung und kann als Fazit sagen: „Wer eines der besten Bücher aus diesem Genre lesen will, der ist mit ELM HAVEN – SOMMER DER NACHT mehr als gut beraten!“

Und am Ende bleibt zu sagen: 43 ist doch eine recht gute Zahl, finde ich; eine Zahl mit genrestimmiger Quersumme!, … ganz im Sinne von Jacksons SPUK IM HILL HOUSE sage ich: ADIEU!

Mitch schreibt viele Rezis für unsere Seite und trägt damit zur Vielfalt und Diversität bei. Wie jeder unserer Autoren hat er einen ganz eigenen und subjektiven Blick auf die Szene. Dieser einzigartige Blickwinkel steht ab und an ein wenig außerhalb meines eigenen Horizontes. Ich selbst bin natürlich außer Fanboy auch noch Verkäufer und Ladeninhaber. Deswegen gibt es ab und an

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Dunkle Gewässer

von am 29. Juni 2022 noch kein Kommentar

Joe R. Lansdale
DUNKLE GEWÄSSER
Heyne Verlag
Taschenbuch: ‎ 320 Seiten
ISBN-13: ‎978-3453676565

Gestern habe ich die letzte Seite in DUNKLE GEWÄSSER gelesen. Endlich mal wieder ein Buch, welches mit nur rund 300 Seiten auskommt und gleichzeitig eine spannende, bombastische und zugleich tiefgründige Geschichte erzählt.

Der Roman wird in Ich-Form von der jugendlichen Sue Ellen erzählt, die Mitte des 20. Jahrhunderts in den rauen Landen und Zeiten der Südstaaten der USA lebt. Sue Ellens Teenager-Clique besteht aus vier Freunden, nämlich Jinx (einem frechen und vorlauten schwarzen Mädchen), Terry (einem hübschen und wohlerzogenen Jungen aus etwas besserem Hause), sowie May Lynn (der blonden Dorfschönheit).

Das Vierergespann wird in diesem "Coming Of Age" Road-Krimi-Thriller gleich am Anfang dezimiert, weil die Leiche der jungen May Lynn aus dem Sabine River gezogen wird. Die drei Freunde Sue Ellen, Jinx und Terry nehmen dieses Schicksal zum Anlass, um der Armut und ihrem armseeligen und grausamen Leben dort zu entfliehen. Sie fassen einen Plan: Gemeinsam wollen sie die Asche von May Lynn in den Westen nach Hollywood bringen, ihre Reise soll auf dem Sabine River beginnen, mit einem Floss …

Klingt romantisch, wird aber zu einem heftigen Abenteuer mit weiteren Toten und einem waschechten (aber nicht rührseeligen!) Familiendrama, … nicht nur ein Geldfund, ein gieriger "Vater", Rassismus, und eine alkoholkranke Mutter machen die Reise beschwerlich, die Freunde entfliehen nämlich auch den Schatten der Vergangenheit, der gnadenlosen Natur und einem brutalen Monster in Menschengestalt.

Dabei ist DUNKLE GEWÄSSER genial erzählt. Jeder Charakter wird so echt und authentisch von Lansdale gezeichnet, vor allem das schwarze Mädchen Jinx und ihre Dialoge sind so trocken, gleichzietig lebendig und cool, dass ich stellenweise auch bei "krassen Szenen" echt loslachen musste.

Alles in allem bietet Lansdales Roman einen wirklich spannenden, rauen und ergreifenden "Roadtrip", besser gesagt "Rivertrip", der zudem mit einer würzigen und kurzweiligen Charakterstudie der dabei reifenden Heldinnen/Helden glänzt und beim Lesen das gute alte "Western-Feeling" aufkommen lässt.

"Hut ab, Herr Lansdale, DUNKLE GEWÄSSER wird nicht mein erstes Buch von Ihnen bleiben! (Ihr Roman "Die Wälder am Fluss" steht bereits in meinem Regal und wartet auf meine lesenden Augen …)".

MITCH

Joe R. Lansdale
DUNKLE GEWÄSSER
Heyne Verlag
Taschenbuch: ‎ 320 Seiten
ISBN-13: ‎978-3453676565
Gestern habe ich die letzte Seite in DUNKLE GEWÄSSER gelesen. Endlich mal wieder ein Buch, welches mit nur rund 300 Seiten auskommt und gleichzeitig eine spannende, bombastische und zugleich tiefgründige Geschichte erzählt.
Der Roman wird in Ich-Form von der jugendlichen Sue Ellen erzählt, die Mitte des 20. Jahrhunderts in den rauen Landen und

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Bobby March Forever

von am 4. April 2022 Kommentare deaktiviert für Bobby March Forever

Alan Parks
Bobby March Forever
Heyne Hardcore, München 2021, 16 Seiten

Der Schotte Alan Parks, der im Musik-Business früher All Saints und andere Acts betreute, kam durch seinen Kumpel John Niven zum Schreiben. „Bobby March Forever“ ist nun schon Parks dritter Hardboiled-Krimi über das Glasgow der frühen 70er-Jahre und seinen Cop Henry McCoy. Diesmal sucht die ganze Stadt ein verschwundenes, wahrscheinlich entführtes Mädchen – nur McCoy wird von einem Erzrivalen bei der Polizei kaltgestellt. Also sucht unser Protagonist ein anderes Mädel, das in Schwierigkeiten stecken könnte, hilft seinem Gangsterboss-Freund aus Kindheitstagen und ermittelt im Mord an Bobby March.

Der fiktive Musiker, der mit Iggy und Syd high wurde und als begnadeter Studiogitarrist für die Stones spielte, fällt natürlich genau in Parks Hoheitsgebiet. Doch auch sonst erweckt der Schotte das Glasgow der 70er wieder voller Schatten und Stimmung zum Leben, obwohl er im dritten Band einen ungewöhnlich heißen Sommer beschreibt und Detectice Zufall ein, zwei Mal nachhelfen muss. Die Ermittlungen und Verstrickungen von McCoy haben trotzdem wieder einem super Flow, und ungefähr ab der Mitte wird der Stoff richtig finster und rechtfertigt das Hardcore im Logo. Die „Hank McCoy“-Serie ist und bleibt eine sichere Nummer, man freut sich auf jeden neuen Band in der Übersetzung von Conny Lösch.

Witziges Easter Egg für Follower dieses Blogs und Fans des Tartan-Noir: Alan Parks erweist sogar Liam McIlvanneys Roman „Ein frommer Mörder“ seine Referenz und verortet die Antihelden McCoy und McCormack damit im selben historischen Krimi-Universum.

Christian Endres

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Alan Parks
Bobby March Forever
Heyne Hardcore, München 2021, 16 Seiten

Der Schotte Alan Parks, der im Musik-Business früher All Saints und andere Acts betreute, kam durch seinen Kumpel John Niven zum Schreiben. „Bobby March Forever“ ist nun schon Parks dritter Hardboiled-Krimi über das Glasgow der frühen 70er-Jahre und seinen Cop Henry McCoy. Diesmal sucht die ganze Stadt ein verschwundenes, wahrscheinlich entführtes Mädchen

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Systemfehler

von am 21. März 2022 Kommentare deaktiviert für Systemfehler

Wolf Harlander
Systemfehler
Rowohlt Taschenbuch, 2021, 496 S.
ISBN 9783499006616 / 16,00 Euro

Zwischen all den Rezensionen unserer fleißigen Helferlein ist es ab und an gar nicht so einfach, den rechten Moment abzupassen, auch mal wieder selbst in die Tasten zu greifen.

Dass ich jetzt gerade dieses Buch unter die Lupe nehme liegt daran, dass ich mich einfach gut unterhalten habe und dass MITCH vor gar nicht allzu langer Zeit Blackout besprochen hat. Systemfehler ist ein sauberer Mainstream Thriller aus deutscher Feder in der Tradition eines Marc Elsberg. Nicht wirklich neu, nicht wirklich ernsthaft konsequent am Ende, ein bisschen James Bond, stets zur rechten Zeit am rechten Ort, aber eben wirklich unterhaltsam.

Allein der Titel zeigt ja schon, um welche Art Thriller es sich dreht. Ein überzeugend aufgebauter Angriff über Schadprogramme auf unsere vernetzte Welt. Sympathische und ausreichend glaubhafte Protagonisten. Mehr als eine Prise Klischee. Was Wolf Harlander an Ingredenzien verarbeitet ist nicht außergewöhnlich. Trotzdem schafft er es, den Leser zu fesseln und sogar an der ein oder anderen Stelle ins Grübeln zu bringen. Gerade die Nutzung von Klischees und Stereotypen macht die Situation dann doch wieder erschreckend. In zweiter Instanz, nach der oberflächlichen Schilderung der grundsätzlichen Situation erschafft Harlander Bilder und Situationen, die fast real und wirklich eindringlich erscheinen.

Mich hat er ein paarmal tatsächlich überrascht. Nicht mit den großen bewusst filmischen Szenen, sondern bei kleinen, realistischen Situationen. Und in diesem Fall reicht mir das völlig aus. Ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt, habe die fast 500 Seiten im Flug gelesen und war am Ende fast traurig, dass er das Buch wohl doch bewusst als Bestseller geschrieben hat. Mir wäre am Ende ein fataler Rundumschlag lieber gewesen. Das geht aber anscheinend nicht, wenn man sich verkaufen will. Ist ja in dem Genre kein Einzelfall.

Harlander ist dem Genre treu. Auch sein Erstling "42 Grad" bedient die Mainstream Weltuntergangs Schiene und liest sich ebenfalls spannend und bei "Schmelzpunkt", das im Mai erscheint, erwarte ich nicht weniger.

Wolf Harlander
Systemfehler
Rowohlt Taschenbuch, 2021, 496 S.
ISBN 9783499006616 / 16,00 Euro

Zwischen all den Rezensionen unserer fleißigen Helferlein ist es ab und an gar nicht so einfach, den rechten Moment abzupassen, auch mal wieder selbst in die Tasten zu greifen.
Dass ich jetzt gerade dieses Buch unter die Lupe nehme liegt daran, dass ich mich einfach gut unterhalten habe und dass

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Die Chemie des Todes

von am 28. Februar 2022 Kommentare deaktiviert für Die Chemie des Todes

Simon Beckett
DIE CHEMIE DES TODES: David Hunters 1. Fall
Andree Hesse (Übersetzer)
Rowohlt
Taschenbuch: ‎ 430 Seiten
ISBN: ‎ 978-3499241970

"Sally Palmer war nackt und auch im hellen Sonnenlicht nicht mehr zu erkennen. Ihr Körper war durch und durch von Ungeziefer befallen, das unter ihrer Haut brodelte und aus Mund und Nase und anderen, unnatürlichen Körperöffnungen hervorquoll." (S. 9)

Es waren nicht diese schaurigen Sätze im Anfang des Buchs, die mich vor etwa 10 Jahren zu diesem außergewöhnlichen Roman führten. Es war schlichtweg das Thema: Aufklärung von Verbrechen anhand der Leichenbegutachtung. Zu jener Zeit lagen auf meinem eigenen Schreibtisch nicht wenige Rechtsfälle von Opfern, die durch Unfall oder Behandlungsfehler getötet worden waren. Auch für mich galt es damals, zu ermitteln, ob und wer für den Tod der Opfer zur Rechenschaft gezogen werden kann, ich selbst musste hier prüfen, wer vor Gericht dafür "bluten" muss.

Daher weckte Becketts DIE CHEMIE DES TODES mit seinem speziellen (und zu jener Zeit neuartigen) Ermittler David Hunter mein Interesse; Hunter ist nämlich forensischer Anthropologe. Ihr müsst wissen, es gibt drei gerichtliche Wissenschaften vom Menschen, zum einen die Rechtsmedizin, dann die forensische Zahnmedizin und eben die forensische Anthropologie. Letztere beschäftigt sich vor allem mit stark verwesten Leichen und Skeletten und genau hier bewegt sich der Ermittler Hunter.

Hunter erzählt seine Geschichte bravourös in Ich-Form, so dass ich (der Leser) also wieder mit dabei sein darf. Ich gehe also mit ihm und neben ihm, erlebe und sehe, was er sieht. Ich bin sein Watson, sein Buddy, und auf jeder Seite denke ich scharf nach, … denn ich bin Hunters Kollege, der Mitch, und ich werde den Fall lösen!

Alles beginnt damit, dass mein Kollege Hunter traumatisiert von einem Schicksalsschlag aus London in das kleine Dorf Manham umsiedelt, um dort seiner Vergangenheit entfliehen zu können. Hunter wird Assistent des dortigen Landarztes Maitland. Eines Tages wird die Leiche einer Dorfbewohnerin am Rand des Sumpfes gefunden. Die Leiche ist bereits zu stark verwest, um festzustellen, wer die Tote ist. Der Dorfpolizist holt also meinen Kollegen "und mich" zum Leichenort. Es stinkt. Überall Maden und Fliegen. Wir identifizieren dennoch die Leiche als die der Dorfbewohnerin Sally, die seit etwa zehn Tagen tot sein muss, … es ist grausam: Der Mörder hat ihr Schwanenflügel in den Rücken gesteckt!

Und so beginnt eine rasante und wendungsreiche Ermittlung für Hunter, und so auch für mich. Ich erfahre viel über die Anthropologie und zugleich über die Abgründe menschlichen Denkens und Tun. Die Geschichte wird mit jeder Seite spannender und am Ende bin ich platt, … und ich weiß, dass ich ein verdammt gutes Buch lesen durfte; schade zwar, dass es zu Ende ging; zum Glück gibt es aber heute noch weitere Fälle von David Hunter (aktuell sechs Fälle in sechs Büchern).

Für mich ist die David Hunter Reihe (jedes Buch ist in sich abgeschlossen) uneingeschränkt empfehlenswert und gehört für mich absolut zu meinen Lieblingen.

Hier die David Hunter-Thriller in der richtigen Reihenfolge:

  1. Die Chemie des Todes (2006)
  2. Kalte Asche
  3. Leichenblässe (2009)
  4. Verwesung (2010)
  5. Totenfang (2016)
  6. Die ewigen Toten (2019)

Übrigens, die Idee zu den David-Hunter-Büchern, speziell zu DIE CHEMIE DES TODES, kam Beckett, als er die Gelegenheit hatte, für einen Magazinartikel die Body Farm in Tennessee zu besuchen; dies sind Gelände, auf denen wissenschaftliche Studien zu postmortalen Veränderungen an Menschen, also über Verwesungsprozesse von Leichen, an freier Luft erfolgen können. Schon erstaunlich, wie etwas so morbides als Muse für etwas so lebendig Geschriebenes dienen kann.

MITCH

Simon Beckett
DIE CHEMIE DES TODES: David Hunters 1. Fall
Andree Hesse (Übersetzer)
Rowohlt
Taschenbuch: ‎ 430 Seiten
ISBN: ‎ 978-3499241970
"Sally Palmer war nackt und auch im hellen Sonnenlicht nicht mehr zu erkennen. Ihr Körper war durch und durch von Ungeziefer befallen, das unter ihrer Haut brodelte und aus Mund und Nase und anderen, unnatürlichen Körperöffnungen hervorquoll." (S. 9)
Es waren nicht diese schaurigen Sätze im

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Bitches Bite Back

von am 31. Januar 2022 Kommentare deaktiviert für Bitches Bite Back

Laura Steven
Bitches Bite Back
Droemer, München 2021, 335 Seiten

„Speak up“, Laura Stevens erster Roman über Izzy O’Neill, war schonungsloser bis himmlischer feministischer Punk in Prosa. Ein Buch, das ungeniert den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt, in der Rachepornos, Internet-Shitstorms und mediale Hetzkampagnen zum realen und virtuellen Alltag gehören. Das frisch erschienene Sequel „Bitches Bite Back“ rekapituliert für alle, die „Speak up“ nicht gelesen haben sollten, auf ein paar Seiten noch einmal knapp die Ereignisse des Auftaktbandes. Dann sind alle ready, die aktuellen rotzigen ‚Blog-Einträge’ der 18-jährigen Schülerin, Drehbuchautorin und Ich-Erzählerin Izzy O’Neill zu lesen, die fest entschlossen ist, als Aktivistin gegen Rachepornos vorzugehen. Und wenn sie und ihre besten Freundinnen dafür den Medien und der Politik einheizen müssen …

„Bitches Bite Back“ hat wieder eine Menge Feuer – und ist eine ebenso unterhaltsame wie wichtige Lektüre, der es trotzdem keineswegs an Witz und Warmherzigkeit mangelt. Mittlerweile wurde mir klar, dass schon der erste Band der Serie ein Stück weit an Cory Doctorows „Little Brother“-Bücher um den Hacker und Aktivisten Marcus Yallow erinnerte. Natürlich ist die Digitalisierung dort ein noch wesentlich zentralerer Bestandteil der Handlung. Doch auch in Izzys Geschichte geht es um die Auswirkungen zwischen virtueller und echter Welt, falsche Gesetze, die Bedeutung von Protestbewegungen und vor allem Freiheit. Nicht nur wer gerne die Science-Fiction von Cory Doctorow liest, sollte mit Laura Steven und der großartigen Izzy in den Kampf ziehen und „Bitches Bite Back“ abfeiern.

Christian Endres

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Laura Steven
Bitches Bite Back
Droemer, München 2021, 335 Seiten

„Speak up“, Laura Stevens erster Roman über Izzy O’Neill, war schonungsloser bis himmlischer feministischer Punk in Prosa. Ein Buch, das ungeniert den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt, in der Rachepornos, Internet-Shitstorms und mediale Hetzkampagnen zum realen und virtuellen Alltag gehören. Das frisch erschienene Sequel „Bitches Bite Back“ rekapituliert für alle, die

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Der Nullpunkt und Die Goldenen 150

von am 25. Dezember 2021 3 Kommentare

Vorwort von Gerd
In der Weihnachtszeit schreibe ich oft laaaange Beiträge. Manchmal ist es Gejammer, manchmal Dankbarkeit und ab und an auch irgendetwas völlig anderes. Diesmal ist es noch anders. Ich überlasse das Wort nämlich MITCH, der seit in etwa diesem Jahr unsere Seite mit seinen Rezis bereichert. Dieser Elan und seine authentische Herangehensweise sind eine große Bereicherung. Sein teils nicht ganz unstrittiger, sehr persönlicher Blickwinkel weist immer wieder neue Wege und Richtungen. Jetzt hat sich MITCH an etwas sehr umfassendes gewagt, das den "normalen" Rahmen unserer Beiträge bei weitem sprengt. Genau wie meine gewohnten Worte zur Weihnachtszeit. Deswegen könnt ihr in diesem Jahr seine Gedanken zur Phantastik lesen. Nehmt euch auch diesmal Zeit. Der Artikel und die dazugehörige Liste sind zwar wiederum sehr subjektiv, aber genau das hat auch mir so viel Spaß bereitet. Titel zu finden, an die ich niemals gedacht hätte, andere zu vermissen. Ich selbst würde es nie wagen, eine solche Liste zu erstellen, genau wegen möglicher Lücken oder Geschmäcker. MITCH hat es gewagt und ich mag das Ergebnis und bewundere sein Selbstvertrauen. Lasst euch inspirieren…

Kurd Laßwitz
Bis zum absoluten Nullpunkt des Seins
Paperback. Mai 2017 – 156 Seiten; ebooknews press-Verlag
ISBN: 978-3944953533

EINLEITUNG: "150" JAHRE NACH DEM NULLPUNKT

Heute habe ich die Zahl 150 im Blick:

Denn vor 150 Jahren, im Jahr 1871, startete mit Kurd Laßwitz geschriebener Zukunftserzählung BIS ZUM NULLPUNKT DES SEINS, dem Gründungsdokument der deutschen Science Fiction, die moderne deutsche Science-Fiction. Die "150" hat also keine geringe Bedeutung.

Man möge sich vor Augen führen, dass Laßwitz‘ BIS ZUM NULLPUNKT DES SEINS aus einer Zeit stammt, in welcher Sherlock Holmes gerade einmal Teenager gewesen ist. Gleichwohl finden wir darin Internet, Schnellrestaurants, Überbevölkerung, Agrarsteppen, Psychopharmaka, Individualflugverkehr, Zukunftsluftkrieg, Energieversorgung, Bitcoin, Klimabeeinflussung, Frauenemanzipation, Raumfahrt u.v.m.. Folglich beinhaltet Laßwitz‘ Kurzgeschichte mehr an Science Fiction, als das gesamte Werk eines Jules Verne.

Auch so manch weise Worte sind in BIS ZUM NULLPUNKT DES SEINS verborgen:

"Die Nüchternen sind die allerschlimmsten Fanatiker; wenn sie sich auf die `nüchterne Überlegung´ berufen, so lügen sie. Ihre innerste Gemütslage ist eben fremd und abgeneigt den warmen Empfindungen einer ideal fühlenden Seele, die das Leben erfaßt, wie es sein soll, und nicht zergliedert, wie es ist.", vgl. Laßwitz, Traumkristalle, Moewig Verlag 1981, Bis zum Nullpunkt des Seins, S. 209.

Selbst wenn solche Gedanken schon 150 Jahre "alt" sind, können wir uns jetzt durchaus fragen, inwieweit und zu welchem Preis wir in unserer "neuen" Zeit einst uns wichtige (innen) empfundene Ideale heute einer (äußeren) nüchternen Notwendigkeit opfern?!

Und wer nach der Lektüre von BIS ZUM NULLPUNKT DES SEINS noch tiefer in den Ursprung deutscher SF gehen will, der mag sich – wie einst Jules Vernes Professor Lidenbrock – in den Mittelpunkt dessen vorwagen mit dem Titel …

Detlef Münch
150 Jahre Kurd Laßwitz´ Nullpunkt der deutschen Science Fiction am 21. Juni 1871
Taschenbuch: ‎ 224 Seiten
synergenVerlag (23. April 2021)
ISBN: ‎ 978-3946366508

An dieser Stelle ist es obligatorisch, Herrn Laßwitz ein paar gewichtige Worte nachzurufen, und zwar durch Herrn Dath:

"Laßwitz gehört zu den hellsichtigsten Wegbereitern der SF, zu den Menschen, die vor rund zweihundert Jahren eine neue Kunstform, eine neue Denkmaschine bauten, mehr: ein Kulturprinzip, das imstande war, iterativ weitere derartige Maschinen hervorzubringen oder sie in seine Dienste zu nehmen"vgl. Dietmar Dath, Niegeschichte, 2. Aufl., S. 175.

Und last but not least sage ich:

"Jedenfalls können wir heute, Ende des Jahres 2021, mit einer (doch recht tiefen) Verbeugung Richtung Herrn Laßwitz deutsche Science-Fiction feiern, heute, 150 Jahre nach dem Nullpunkt."

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Vorwort von Gerd
In der Weihnachtszeit schreibe ich oft laaaange Beiträge. Manchmal ist es Gejammer, manchmal Dankbarkeit und ab und an auch irgendetwas völlig anderes. Diesmal ist es noch anders. Ich überlasse das Wort nämlich MITCH, der seit in etwa diesem Jahr unsere Seite mit seinen Rezis bereichert. Dieser Elan und seine authentische Herangehensweise sind eine große Bereicherung. Sein teils nicht

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Frühling, Sommer, Herbst und Tod

von am 29. November 2021 Kommentare deaktiviert für Frühling, Sommer, Herbst und Tod

Stephen King
FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD
Harro Christensen (Übersetzer)
Heyne Verlag
Taschenbuch: 720 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453436886

Durch glückliche Fügung stiess ich vor vielen Monaten auf Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD, dies ging in etwa folgendermaßen von statten:

Nach Stephen Kings "ES" wollte ich (im "Kingfieber") wieder mit dem Meister des Horror weiterlesen; ich stöberte also herum und da sprang mir recht schicksalhaft Kings Kurzromanband ins Auge, ich griff – ohne Vorkenntnis – ganz spontan zu.

"Offen für Alles" begann ich also im Buch zu lesen und bereits in der ersten Geschichte PINUP kam mir der Gedanke: "Warte Mal. Die Story kenne ich doch?!".

So ging es mir dann auch mit dem Kurzroman DIE LEICHE: "Aber Hallo! Auch diese Geschichte ist mir nicht fremd?!", dachte ich.

Dazu müsst Ihr wissen, dass ich ein Kind der 80er-Jahre sowie ein Teenager der 90er-Jahre bin und eben in diesen beiden Dekaden gab es zwei Kinofilme, die mich damals schwer beeindruckt hatten: 1986 kam der Jugendfilm "Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers" in die Kinos und im Jahr 1994 sah man den Knastmovie "Die Verurteilten" auf der Leinwand.

Heutzutage sind diese beiden Spielfilme freilich nicht mehr in aller Munde, bspw. viele meiner jüngeren Bekannten, solche aus den Jahrgängen 90 und später, kennen die zwei Meisterwerke überhaupt nicht, was für Jene sehr schade ist, finde ich.

Ich jedenfalls (wie gesagt Jahrgang 77) kannte die beiden Verfilmungen sehr wohl noch. Nur wußte ich bis dato aber nicht (ich hatte damals hierauf schlichtweg nicht geachtet), dass diese beiden Movies in der Tat zwei Kurzromane von "Stephen King" verfilmten. Ich hätte wetten können, dass diese beiden Filme aus der Feder von allen möglichen Autoren stammen könnten, niemals – also never ever (!) – hätte ich gedacht, dass Stephen King die Stories zu den vorgenannten zwei Kinofilmen geschrieben und 1982 als Kurzromane veröffentlicht hatte.

Wie man sich täuschen kann und wie eine Täuschung nicht immer eine Enttäuschung sein muss, sondern das genaue Gegenteil sein kann, beweist Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD.

Zwar lässt nur eine der vier Geschichte, und zwar ATEMTECHNIK, Übersinnliches walten und sich der Fantastik zuordnen. Bemerkenswert ist jedoch, dass gerade die beiden für mich herausragendsten Geschichten dieser Novellensammlung eben jene sind, die keinerlei Bezug zur Fantastik haben, sondern "bloss" im realen und natürlichen Leben spielen, … ich meine jene schon vorgenannten Titel PIN-UP und DIE LEICHE.

Die Inhalte der vier Kurzromane im Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD möchte ich nur ganz kurz streifen, weil hier schon "Ein wenig Verratenes" zu viel verraten wäre:

1. Geschichte – "Pin-up":

Der aus Castle Rock stammende Ich-Erzähler Red sitzt für den Mord an seiner Frau seit mittlerweile 40 Jahren im Gefängnis Shawshank ein. Seine Erzählung handelt jedoch von der Geschichte rund um seinen harmlosen Knastkumpel Andy Dufresne. Andy wurde bei einem sechswöchigen Prozess 1947/1948 vorschnell zu lebenslanger Haft verurteilt. In den Anfangsjahren im Knast wird Andy durch seine Mitgefangenen gedemütigt, doch er arbeitet sich in der harten Gefängnishierarchie Schritt für Schritt immer weiter nach oben, der Leser fragt sich bald: Verfolgt er dabei einen Plan?

2. Geschichte – "Der Musterschüler":

Der 13-jährige Todd Bowden lebt zur Neuzeit in Florida. Er ist von der Geschichte und Zeit des deutschen Nationalsozialismus stark fasziniert und findet heraus, dass in seiner Gegend ein gesuchter Nazi-Kriegsverbrecher unter dem falschen Namen Arthur Denker lebt. Er nimmt Kontakt zu dem alten Mann auf und beide verbindet bald eine zerstörerische und sadistische Freundschaft.

3. Geschichte – "Die Leiche":

Der Schriftsteller Gordon Lachance erzählt aus der Ich-Perspektive rückblickend von seinem besten Sommer, dem Sommer des Jahres 1960, als er 13 Jahre alt war: Die vier gleichaltrigen besten Freunde Gordon, Chris, Teddy und Vern aus Castle Rock hören von der Leiche eines Jungen, die in der Gegend an den Bahngleisen liegen soll. Sie wagen sich auf eine Suche tief in die Wälder Maines, wo sie Abenteuer überwinden, junge Freundschaft leben, erlebten Schmerz teilen, und wo sie mehr über Mut, Liebe und eigene Sterblichkeit erfahren, als sie je geahnt hatten.

4. Geschichte – "Atemtechnik":

Mitglieder eines Herrenclubs in Manhattan treffen sich, um ungewöhnliche und übersinnliche Geschichten und Ereignisse zum Besten zu geben: Hier wird die Geschichte der schwangeren Sandra erzählt, die unter recht phantastischen Umständen ihr Kind entbinden wird.

FAZIT:

Alle vier Kurzromane lesen sich ausgesprochen schön und zeigen vortrefflich, welch ein Meister King ist, gerade wenn es um den Transport von menschlichen und zwischenmenschlichen Achterbahnfahrten und Abgründen geht.

Zur Geschichte DER MUSTERSCHÜLER sei eine kleine Warnung erlaubt: Die Story ist stellenweise ganz schön heftig, insbesondere für all jene, die ein zartes Gemüt haben oder in denen noch tief die (später ab der Nachkriegszeit oft implementierte) Scham der Deutschen steckt. (PS: Die Verfilmung zu "Der Musterschüler" – Regie Bryan Singer – kenne ich selbst noch nicht).

Besonders beeindruckt haben mich aber die zwei Ich-Erzählungen PIN-UP und DIE LEICHE, beide Geschichten haben es mir bis heute schwer angetan, beide möchte ich als grandios bezeichnen! Wie manche von Euch vielleicht wissen, ich bin ein Fan von "guten Ich-Erzählungen", und genau um solche geht es hier.

Bei PIN-UP mag auch der Umstand, dass gute "Gefängniserzählungen" mich fast immer packen, ein Rolle spielen, aber neben der klasse Story haben mich hier vor allem der Spannungsaufbau und die Wendung begeistert.

Bei Kings DIE LEICHE möchte ich offen und ehrlich zugeben, dass die Geschichte mich mit Haut und Haar in meine eigene Zeit als junger Teenager versetzte, die Handlung hat mich echt tief berührt. King bringt hier die Freundschaft zwischen den Jungs so gut rüber, eine Freundschaft, die man in dieser Art später nie mehr haben wird und deren Qualität man im Laufe der fortschreitenden Jahre und des Erwachsendaseins leider immer mehr vergisst. Ja, ja, ja – hier schwingt ein gutes Stück Sehnsucht bei mir mit, bitte seht mir das nach (auch ich würde so gerne wieder einmal einen solchen jugendlichen Sommer erleben, mit kindlichem Leichtsinn, Witzeln, Frotzeln und Blödsinn sowie mit allem anderen Großartigen; sei es am Fahrer-Baggersee oder am Bolsenasee, oder wo auch immer). Natürlich ist diese ganz besondere Zeit heute vorbei, denn dieses Erleben war, um es mit Eschbachs Worten zu sagen, "einem nur in jungen Jahren gegeben, wenn man den Schmerz des Scheiterns noch nicht kannte" (Eschbach, Eines Menschen Flügel, Kap.: "Schlechte Gene").

FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD ist also absolut lesenswert!

Wie gesagt: Die Novelle PIN-UP wurde hervorragend unter dem Titel "Die Verurteilten" von Frank Darabont verfilmt und mehrfach für den Oscar nominiert. Die Novelle DIE LEICHE wurde beeindruckend und mit toller Besetzung unter dem Filmtitel "Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers" verfilmt. Die beiden Filme sind ausgesprochen gut und fangen vortrefflich die Seele ihrer Buchvorlagen ein. Wer die Filme also noch nicht kennt: Am besten erst die beiden Novellen lesen, dann die Filme ansehen.

Ihr werdet Buch und Film nicht bereuen!

MITCH

Stephen King
FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD
Harro Christensen (Übersetzer)
Heyne Verlag
Taschenbuch: 720 Seiten
ISBN: ‎ 978-3453436886
Durch glückliche Fügung stiess ich vor vielen Monaten auf Kings Buch FRÜHLING, SOMMER, HERBST UND TOD, dies ging in etwa folgendermaßen von statten:
Nach Stephen Kings "ES" wollte ich (im "Kingfieber") wieder mit dem Meister des Horror weiterlesen; ich stöberte also herum und da sprang mir recht

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Ausgebrannt

von am 24. November 2021 Kommentare deaktiviert für Ausgebrannt

Andreas Eschbach
AUSGEBRANNT
Taschenbuch: ‎ 752 Seiten
ISBN: ‎ 978-3404159239

Eschbachs AUSGEBRANNT ist ein Roman, den ich mir, als ich ihn erstmals in Händen hielt, ganz anders vorstellte, als er sich dann später beim Lesen offenbarte.

Auf Gerds Erstrezension hin entfachte sich meine Neugier auf dieses Buch samt Thema und ich malte mir zunächst einen rasanten Endzeitthriller (bereits das Cover verspricht: "Thriller") aus, in welchem die Menschheit mit der üblen Katastrophe, dem "ausgebrannten Erdöl" leben muss. Diesen Plot preist ja bereits der Klappentext an …

Doch es kam ganz anders:

Das Buch beginnt nämlich "brav", ganz ohne Katastrophe. Will sagen, der weit größere Teil des Buches handelt von dem Weg der Helden und der gesamten Menschheit hin zum Unheil, zur "Endzeit", die dann zwar später zwischen Mitte und Ende des Buches auch eintritt, aber irgendwie gleichwohl mit leisen Sohlen und dennoch beklemmend spürbar.

Für mich persönlich ist das Thema "überraschender Untergang unserer bekannten Strukturen", sei es beispielsweise durch das Versiegen von Erdöl oder andere Verderben, gegenwärtig so aktuell und wichtig, dass aus meiner Sicht eine weitere (zweite) Rezension des Buches auf comicealer.de erlaubt und angezeigt sein dürfte … wir alle wissen ja, wie sich seit Anfang 2020 unsere Welt "von heute auf morgen" verändert (hat).

Der Hauptheld von Eschbachs AUSGEBRANNT ist Markus Westermann, ein deutscher Vertriebler, der seit seiner Kindheit von den USA träumt und dort Big Business machen will. Er kommt von Deutschland in die USA und beginnt als Freelancer in einem amerikanischen Großunternehmen, um dort eine Software für den deutschen Markt zu optimieren. Markus nennt sich fortan "Marc Westman", sein deutscher Name ist ihm zu profan und er wähnt sich schon auf der Erfolgsleiter nach oben, als die Firmenführung entschließt, auch seiner Karriere ein jähes Ende zu bereiten. Frustriert verlässt er die Firma und lernt Karl Block kennen, einen Erfinder und Ölsucher aus Österreich, der mit der geheimen "Block-Methode" die Macht über das Erdöl verspricht. Und so beginnt für Markus sein neues Leben rund um das Thema Erdöl, welches sich als Pfeiler unserer Gesellschaft entpuppt, und welches das Wohl und Wehe unserer Welt bestimmen kann.

AUSGEBRANNT landet zwar nicht deshalb auf meiner Lieblingsbücherliste, weil es als packender Thriller daher kommt (in Wirklichkeit hat es stellenweise durchaus seine Längen und so manch den Erzählstrang "bremsende" Verästelung; echte Hochspannung kommt doch eher selten auf, das Buch ist aus meiner Sicht nämlich gar kein Thriller, eher ein Roadmovie). Der Roman ist jedoch deshalb auf meiner Empfehlungsliste und recht bemerkenswert, weil er das Thema Erdöl so genial und tief aus verschiedenen Perspektiven ausbreitet, da finden sich gut erzählte Zeitsprünge in die Geschichte, gut recherchierte Ortswechsel (auch nach Saudi Arabien) und damit verbundene Schilderungen der dortigen Gepflogenheiten und politischen Hintergründe, schön erzählte Handlungsstränge scheinbar fremder Protagonisten, die sich am Ende klasse zusammenfügen; all dies macht das Buch zu einem echten Schmankerl.

Hinzu kommt natürlich das "brennende" Thema an sich: Ich war (und bin) stellenweise wirklich schockiert, wie sehr sich die Geschichte unserer Welt in Wirklichkeit um das Thema Erdöl dreht (was ich vorher nicht wusste) und was für Verstrickungen (meist von den USA aus) von den Machthabern "ölbasiert" geflochten wurden und werden.

Freilich kommt für den Leser später im Buch auch "die Tragödie" zum Vorschein, das Erdöl wird knapp! Welche Folgen hat dies für uns Menschen? Und wie gehen Markus und die übrigen Protagonisten damit um?

Alles in allem ist AUSGEBRANNT ein wirklich solider und guter Roman, der (erst) dann so richtig glänzt, wenn der Leser sich für das Thema an sich interessiert. Ich bin sehr froh darüber, Dank Gerds Rezension, über das Werk gestolpert zu sein und es mir gegönnt zu haben.

Auch das Ende der Geschichte fand ich – auch wenn es hierüber durchaus kritische Stimmen gibt – sehr gelungen. Denn ich konnte trotz des schweren Themas mit einem Schmunzeln und einem guten Gefühl das Buch nach der letzten Seite schliessen. Eschbach hat durch sein Buch Eines erreicht: Seither sehe ich unsere Welt ein wenig anders.

Was will man mehr?

MITCH

Andreas Eschbach
AUSGEBRANNT
Taschenbuch: ‎ 752 Seiten
ISBN: ‎ 978-3404159239
Eschbachs AUSGEBRANNT ist ein Roman, den ich mir, als ich ihn erstmals in Händen hielt, ganz anders vorstellte, als er sich dann später beim Lesen offenbarte.
Auf Gerds Erstrezension hin entfachte sich meine Neugier auf dieses Buch samt Thema und ich malte mir zunächst einen rasanten Endzeitthriller (bereits das Cover verspricht: "Thriller") aus, in

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Der Gerechte

von am 15. November 2021 Kommentare deaktiviert für Der Gerechte

John Grisham
DER GERECHTE
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN: 978-3453421820

DREI SÄTZE ZU GRISHAMS "DER GERECHTE"

Erster Satz: Wenn Batman ein Anwalt wäre, dann hieße er "Sebastian Rudd".
Zweiter Satz: Ich liebe Batman und ich liebe Sebastian Rudd.
Dritter Satz: DER GERECHTE ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, eines der besten Romane von John Grisham.

ZUM INHALT VON "DER GERECHTE"

Sebastain Rudd ist wohl der härteste Anwalt, den Grisham je zu Papier brachte, ein dunkler Held, dessen Geschichte sich im Genre Justizthriller (mit einer Brise Phantastik) abspielt. Schon die ersten Zeilen aus dem Munde des Helden sprechen Bände:

"Mein Name ist Sebastian Rudd, und ich bin Strafverteidiger. (…) Mein Name steht in keinem Telefonbuch. So etwas wie eine herkömmliche Kanzlei habe ich nicht. Ich trage legal eine Waffe, weil mein Name und mein Gesicht die Sorte von Menschen anziehen, die selbst Waffen tragen und kein Problem damit haben, sie zu benutzen. Ich lebe allein und schlafe für gewöhnlich auch allein. Für Freundschaften fehlen mir Geduld und Verständnis. Die Justiz ist mein Leben, was rund um die Uhr vollen Einsatz verlangt und hin und wieder von Erfolg gekrönt ist. Jemand hat einmal den Satz geprägt, die Justiz sei wie eine eifersüchtige Geliebte. Für mich ist sie mehr wie eine herrische Ehefrau, die das Budget kontrolliert. Es gibt kein Entrinnen."

Rudds Kanzlei wurde vor fünf Jahren durch einen Sprengstoffanschlag zerstört. Inzwischen bevorzugt der "dunkle Ritter" ein mobiles Büro, das er sich in einen gepanzerten schwarzen Ford-Transporter mit abgedunkelten Scheiben einbauen ließ. Gefahren wird der Wagen von "Partner", der nicht nur sein Chauffeur, sondern auch sein Bodyguard ist (schon all dies erinnert mit etwas Phantasie an Batman, Robin und das legendäre Batmobil).

In seiner Freizeit entspannt sich Sebastian Rudd bei Mixed Martial Arts, er trifft sich Abends ab und an mit seiner Exfrau, die auch Anwältin ist, auf einen Drink, gleichzeitig streitet er sich tagsüber mit ihr regelmäßig vor Gericht.

Rudd kämpft in DER GERECHTE bis aufs Blut für seine Mandanten und für "Fairness" im Justizsystem:

Da ist zum Beispiel Gardy Baker, ein 18-jähriger Schulversager mit einem IQ von 70, dem vorgeworfen wird, zwei elfjährige Zwillingsschwestern umgebracht zu haben, oder da ist der Fall von Douglas Renfro, der in seinem Haus in Notwehr einen SWAT-Polizisten anschießt.

Wie ein "Super-"Held legt sich Rudd gnadenlos mit Richtern, Staatsanwälten und dem System an und nutzt dabei auch unorthodoxe und nicht standesgemäße Methoden, um für seine Mandanten etwas mehr Recht zu kommen.

Der Anwalt teilt viel aus und muss auch viel einstecken, Seite für Seite kämpft er (zusammen mit dem Leser) für Gerechtigkeit.

Wird Sebastian Rudd für seine Mandanten schlußendlich das "Böse" (das korrupte System) bezwingen können?

MEIN ERLEBEN MT "DER GERECHTE"

Ich bin ja ausgewiesener Fan von "Ich-Erzählungen". Grishams DER GERECHTE zauberte mir schon auf den ersten Seiten echte Freudentränen ins Gesicht, denn der Held erzählt die Geschehnisse mit einer so herrlich abgebrühten Coolness und Süffisanz, zudem sind die Wortgefechte mit den "Bösewichten" ein wahrer Sprühregen sprachlicher und argumentativer Sternschnuppen.

So galoppiert der Leser zusammen mit "Batman" (alias Sebastain Rudd: ich erlaube mir diesen Vergleich, auch wenn hier kein Comic-Held agiert) durch das Justizsystem der USA und erlebt dabei aufregende anwaltliche Scharmützel und Duelle. Grisham überzeichnet dabei zwar freilich die Härte, die Kräfte und den Idealismus seines anwaltlichen Helden (insoweit befindet sich Phantastik im Roman), gleichzeitig jedoch spiegelt das Buch zutreffend die unschöne Realität des maroden Justizsystems in den USA wieder (insoweit Justizroman und Thriller).

Zu sehen ist dabei, dass der Plot durchaus so auch in Deutschland hätte spielen können, weil – und das weiß ich aus eigener leidvoller jahrelanger Erfahrung als Patientenanwalt –  das mittlerweile stark vernachlässigte Justizsystem in Deutschland nicht mehr sehr weit entfernt ist von demjenigen der USA; nicht selten spielen auch hierzulande persönliche (oder politische?) Neigungen der Gerichte und/oder fehlende Geldmittel der deutschen Justiz schlichtweg zu gewichtige Rollen, zu oft reibt sich ein Anwalt bis auf die Knochen daran auf.

Sebastain Rudd bietet dem System die Stirn, und zwar auf eine Art und Weise, die den Leser fesselt und richtig mitfiebern lässt.

Wie oft unterwerfen wir uns selbst unserem eigenen "Obrigkeitsdenken"?, da ist es doch sehr erfrischend, wenn da Einer ist, der ein solches restlos über Bord geworfen hat!

Grisham erzählt mit DER GERECHTE extrem eindrücklich eine rasante Geschichte im unfairen Justizmilieu, die den Leser in eine fast düstere Welt (man denke an "Gotham City") eintauchen lässt, welche den Leser stellenweise schockiert, ihn dann zum Weinen, aber auch zum Lachen bringt.

Für mich persönlich einer der kurzweiligsten und besten Romane von Grisham "ever!".

MITCH

PS: Ich gehe hier voll mit MISTER ENDRES, wenn er im Interview mit Gerd (ca. Minute 17.25ff.) offenbart: "Deshalb mag ich es auch hier im BLOG so, Phantastik- und Comicfans mal mit Hardboiled-Krimis oder französischem Country Noir zu bewerfen, für diesen vielzitierten Blick über den Tellerrand, der mir als Leser auch immer wichtig ist!"

John Grisham
DER GERECHTE
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN: 978-3453421820

DREI SÄTZE ZU GRISHAMS "DER GERECHTE"
Erster Satz: Wenn Batman ein Anwalt wäre, dann hieße er "Sebastian Rudd".
Zweiter Satz: Ich liebe Batman und ich liebe Sebastian Rudd.
Dritter Satz: DER GERECHTE ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, eines der besten Romane von John Grisham.
ZUM INHALT VON "DER GERECHTE"
Sebastain Rudd ist wohl der härteste Anwalt, den Grisham je zu

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ES

von am 15. September 2021 2 Kommentare

Stephen King
ES. Roman.
Übersetzt von Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber
Heyne Taschenbuch
Februar 2011 – 1533 Seiten
ISBN: 9783453435773

"Der Schrecken, der weitere 28 Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm –, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb."

Und so beginnt das Buch "ES", … für mich einer der besten und herausragenden Romane von Stephen King.

Ich selbst bin durch reinen Zufall auf den Titel gestoßen, als ich mir das US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Josh Boone "Love Stories" im TV ansah. Der (übrigens recht gute) Film handelt von einer außergewöhnlichen Schriftstellerfamilie und deren Leben mit dem Schreiben: Für den Sohn – der selbst schreibt – ist Stephen King großes Vorbild und "ES" sein absolutes Lieblingsbuch, es ist das "beste Buch der Welt!". Irgendwie hat mich dann nicht nur dieser Film berührt, sondern auch der für mich schicksalshafte Fingerzeig auf "ES".

Also kaufte ich mir vor ein paar Jahren (das bei Heyne erschiene) Taschenbuch, dies obwohl ich schon die Verfilmung aus dem Jahr 1990 von "ES" kannte (die mich aber so gar nicht in Begeisterung hatte schwelgen lassen).

Uns so begann ich Kings "ES" zu lesen … und das Buch schlug mich absolut in seinen Bann.

Zum "äußeren Inhalt" will ich gar nicht viel sagen, denn viele dürften (wie ich) eine der Filmversionen bereits kennengelernt haben:

Derry, eine Kleinstadt, wird alle 28 Jahre vom ultimativen Bösen heimgesucht, es verschwinden Kinder, sterben Menschen. Als 1957 der kleine Bruder von Bill brutal von "ES" getötet wird und für die Außenwelt "verschwindet", beginnt für Bill und andere elfjährige Kinder eine Heldenreise … gemeinsam finden sich die Kinder, werden dabei Freunde, gehen durch dick und dünn und erforschen als Bande Vergangenheit und Wesen von "ES". Schlußendlich stellt sich der "Club der Verlierer" dem Monster und gemeinsam besiegen die Verlierer "ES" (jedenfalls vorläufig). Aber im Jahr 1985 scheint "ES" wieder aufzutauchen, zuerst durch einen Mord an einem homosexuellen Mann. Dann beginnen wieder, Kinder zu verschwinden. Die Freunde kommen als Erwachsene erneut in Derry zusammen und ein erbitterter (und verbitterter) Kampf gegen Vergessenes, Vergangenheit und Schrecken beginnt.

So, und an dieser Stelle möchte ich Eines loswerden, für alle die bislang nur die Filme kennen:

Alle Verfilmungen zu "ES" (denn ja, ich habe mir dann nach der Lektüre des Buchs auch die "neuen" ES-Filme angesehen – Teil1 aus 2017 und Teil2 aus 2019) beschränken sich bedauerlicherweise darauf, diese "äußere" Handlung irgendwie "abzuspulen", die Filmhandlung dabei mit irgendwelchen Horror- und Schocker-Elementen, die zudem oft gekünstelt und peinlich wirken, zu versalzen; die Inhalte der Verfilmungen weichem im Detail dann auch noch sehr stark von der Romanvorlage ab.

Die Filme sind mithin echt enttäuschend. So nicht aber – ganz im Gegenteil – das Buch!

Natürlich ist mir klar, dass eine Verfilmung mit anderen Wegen und Mitteln arbeiten muss, eben visuell und vertont, und dabei meist filmisch immer etwas "Anderes" geschaffen wird als die Romanvorlage. Aber das ist für mich hier nicht der springende Punkt. Denn jede gute Romanverfilmung (auch wenn sie vom Roman abweicht) hat aus meiner Sicht eine vordringliche Kardinalsaufgabe: Sie muss die "Seele und Essenz des Romans" transportieren!, wenn dies dem Film nicht gelingt, … dann (wie man so schön sagt) ist das "Thema verfehlt".

Vielen Verfilmungen von Stephen Kings Erzählungen gelingt dieser Seelentransport aber sehr gut, zu nennen sind bspw. "Die Verurteilten", "Misery", "The Green Mile", und "Stand by Me". Bei "ES" wiederum ist der Versuch einer guten Verfilmung leider vollkommen gescheitert.

Denn die Geschichte "ES" ist keine blosse in Bildern präsentierte "Horrorgeschichte", es ist aus meiner Sicht pure "Phantastik" auf ganz hohem Niveau.

Vor allem der "innere Inhalt" von Kings "ES" macht es zu einem glänzenden Werk: Der Roman ist von Stephen King nämlich so genial gewoben, wie ich es bislang nur selten in Büchern erleben durfte. Die Zeitsprünge passieren an genau der richtigen Stelle, die einzelnen Charaktere werden so detailreich, liebevoll und authentisch ausgebreitet, die Handlung spielt dabei wie eine gut gestimmte Gitarrenseite mal abwechselnd rasante und packende Töne, dann wieder tiefe und dichte Erzählerklänge. Es ist für mich ergreifend gewesen, wie die Kinder mit den Geschichten, Ängsten und Themen ihrer Herkunftsfamilien umgehen und (über)leben, wie sie sich anfreunden und darüber gemeinsam erstarken. Gleichzeitig ist es schaurig fesselnd, immer mehr über die Vergangenheit und Hintergründe von "ES" zu erfahren. Die beiden Showdowns der angeblichen "Verlierer" mit "ES" erzeugen dann eine unglaubliche Stimmung und die finale Auflösung zur Herkunft von "ES" ist pure phantastische "Phantastik".

Ich möchte hier abschließend appellieren an alle, die "ES" noch gar nicht kennen, und noch viel mehr an alle, die nur die "ES"-Filme kennen: Wagt den Sprung ins Buch, nach Derry, in die Jahre 1957 und 1985 und findet dort vielleicht Teile von Eurem eigenen "ES", denn genau dieser Fund ist für mich Seele und Essenz von Kings "ES" gewesen.

Übrigens, das Buch gewann 1987 den British Fantasy Society Award und war für den World Fantasy Award nominiert. Und erst im Februar 2011 erschien bei Heyne die erste Komplettübersetzung: Das Taschenbuch ist 1534 Seiten lang (und 860g schwer), wirbt aber kaum für die Tatsache, dass nun erstmals der komplette Text im Deutschen vorliegt. Nur der leicht zu übersehende Hinweis "Ungekürzte Neuausgabe" trägt dem Rechnung.

MITCH
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ES
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Stephen King
ES. Roman.
Übersetzt von Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber
Heyne Taschenbuch
Februar 2011 – 1533 Seiten
ISBN: 9783453435773
"Der Schrecken, der weitere 28 Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm –, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb."
Und so beginnt das Buch "ES", … für mich

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Billy Summers

von am 1. September 2021 1 Kommentar

Stephen King
BILLY SUMMERS. Roman.
Ü: Bernhard Kleinschmidt
(Billy Summers / 2021)
München Heyne, 2021, 720 S.
ISBN 978-453-27359-7 / 26,00 Euro

Stephen King hat inzwischen weit über fünfzig Bücher geschrieben, gute und weniger gute, spannende und sehr spannende, gruselige und phantastische – niemals jedoch langweilige.
So nimmt es auch nicht Wunder, dass BILLY SUMMERS, sein Roman über einen Auftragsmörder, trotz der eigentlich nicht zur Identifizierung geeigneten Hauptfigur, von der ersten Seite an den gewohnten Sog auf die Leser ausübt.
Billy Summers ist zwar ein Attentäter, der gegen Bezahlung Menschen tötet, zugleich aber ist er ein intelligenter, überaus belesener Kriegsveteran. Billy hat Regeln: Er tötet nur „schlechte Menschen“, die es verdient haben zu sterben. Billy versteht es, sich zu verstellen: Auf seine Umwelt wirkt er wie ein etwas unterbelichteter Leser von Unterhaltungscomics. Billy ist ausgelaugt: Er will nur noch diesen einen, letzten Auftrag erledigen. Und, wie sich herausstellt, ist Billy auch noch ein verhinderter Schriftsteller.
Denn ausgerechnet einen solchen soll er zur Tarnung spielen, während er in Red Bluff (der Südstaatenversion von Derry, Kings Lieblingskleinstadt in Maine) monatelang festsitzt und auf die Ankunft seiner „Zielperson“ wartet. Seine Auftraggeber, die Billy für etwas zurückgeblieben halten und sich wie toll über ihren Scherz freuen, haben ihm nicht nur eine passende Legende als „Dave Lockridge, angehender Bestsellerautor“ zurecht gestrickt, sondern auch ein Haus und ein Büro angemietet. Billy fragt sich zwar, wozu dieser Aufwand gut sein soll, fügt sich dann aber und beginnt, mehr aus Langeweile als aus echter Lust am Schreiben, damit, seine Geschichte aufzuschreiben.
Und dann passiert mit Billy genau das, was vermutlich auch Stephen King immer wieder passiert, wenn er das Schreibprogramm öffnet: Er ist gefangen in (s)einer Parallelwelt, die er ganz alleine gestalten kann!
King lässt Billy also einen Roman im Roman schreiben, in dem dieser versucht, Klarheit über sein bisheriges Leben und die Gründe für seine Anwesenheit in Red Bluff zu gewinnen. Wie nicht anders zu erwarten, besitzt auch dieser Meta-Text die nötige Qualität, um nicht als Fremdkörper zu wirken und die Leser bei der Stange zu halten.
Doch Stephen King ist ein alter Fuchs und hat natürlich noch ganz andere Mittel, um Billys Weg aufzuzeigen, ebenso wie sich noch vor der Hälfte des Buches zeigt, dass dieser „letzte“ Auftrag sich zu etwas ganz anderem ausweitet als gedacht …

Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass King im Geheimen seit längerem an einer wirklichen (im Sinne von echt/unverfälscht) „Geschichte der USA im 20. & 21. Jahrhundert“ schreibt, dass also neben den jeweiligen, das Publikum zum Mitfiebern bringenden, Erzählungen der Hauptfiguren das eigentlich Wichtige die Nebenfiguren und Hintergrundbilder sind. Hier erweist sich King als der echte Großmeister, als Autor, der wie Charles Dickens oder Émile Zola (die beide, wie zufällig, auf der ersten Seite auftauchen) zukünftigen Historikern ein viel adäquateres Bild seiner Zeit vermittelt, als dies die offiziellen Geschichtsbücher tun werden.
Aber darauf kann man als Leser wirklich erst beim zweiten Durchgang achten – dafür ist BILLY SUMMERS beim ersten Mal viel zu spannend.

Horst Illmer
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Billy Summers
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Stephen King
BILLY SUMMERS. Roman.
Ü: Bernhard Kleinschmidt
(Billy Summers / 2021)
München Heyne, 2021, 720 S.
ISBN 978-453-27359-7 / 26,00 Euro

Stephen King hat inzwischen weit über fünfzig Bücher geschrieben, gute und weniger gute, spannende und sehr spannende, gruselige und phantastische – niemals jedoch langweilige.
So nimmt es auch nicht Wunder, dass BILLY SUMMERS, sein Roman über einen Auftragsmörder, trotz der eigentlich nicht zur Identifizierung

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Der Hochsitz

von am 21. Juli 2021 Kommentare deaktiviert für Der Hochsitz

Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.

Max Annas
Der Hochsitz
Rowohlt Hundert Augen, Hamburg 2021, 271 Seiten
ISBN 978-3-498-00208-4

Seit 2014 wurde Max Annas bereits fünf Mal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. 1963 in Köln geboren, lebte er lange in Südafrika, ehe er sich in Berlin niederließ. Das alles hatte Einfluss auf die Settings seiner bisherigen Bücher über die Fremde und später die Hauptstadt – „Finsterwalde“ war 2018 dann sogar eine Near-Future-Dystopie über Flüchtlingslager in Deutschland. In seinem neuen Einzelroman „Der Hochsitz“ reist der Wahlberliner nun in die Eifel des Jahres 1978, genauer gesagt ein winziges Dorf an der deutsch-luxemburgischen Grenze.

Hier ist die 11-jährige Sanne in den Osterferien ständig mit ihrer besten Freundin Ulrike und ihrem Bonanza-Rad unterwegs, zu ihrem Hochsitz-Versteck im Wald, zum Hanuta-Fußballbilder-Mopsen, wohin auch immer. Um sie herum heißt es unterdessen: Leben, Sterben und Wahnsinn in der Provinz! Denn in Sannes und Ulrikes beschaulicher Heimat tummeln sich auf einmal Bankräuber, Mörder, RAF-Terroristinnen, Schmuggler, Grenzer, Polizisten und andere, die Geheimnisse haben oder sonst wie für Aufregung und Unfrieden sorgen. Und natürlich ermitteln Sanne und Ulrike ebenfalls und begeben sich in Gefahr …

Die Eifel ist ein ganz anderes Milieu als Südafrika, Berlin oder die nahe Zukunft. Doch auch auf dem Land wendet Annas sein gutes Gespür für Figuren, Stimmen, Atmosphäre und Sound an, erweckt er die Menschen sowie deren Nöte und Schicksale zum Leben. Wer Max Annas in den letzten Jahren überallhin folgte, wird „Der Hochsitz“ lieben, und wer noch nie etwas von ihm gelesen hat, kann von hier aus einen guten ersten Blick in das Schaffen des Krimi-Könners werfen.

Christian Endres

@MisterEndres auf Twitter folgen

Jede Bestellung zählt in diesen Zeiten, und deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Ihr könnt in Hermkes Romanboutique nicht nur Comics oder Bücher aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror bestellen, sondern auch alle anderen Arten von Literatur. Daher gibt es nun immer mal einen Buchtipp von außerhalb des Genres zur Inspiration.
Max Annas
Der Hochsitz
Rowohlt Hundert Augen, Hamburg

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Grünes Öl

von am 1. Februar 2021 Kommentare deaktiviert für Grünes Öl

Ben Riffko
Grünes Öl
München, Wilhelm Heyne Verlag, 2020, 556 Seiten
ISBN 978-3-453-44004-3

Öl und Waffen

Grünes Öl, wie es die Protagonisten des Thrillers von Ben Riffko, vor haben zu produzieren, würde die herrschende soziale Ordnung auf den Kopf stellen.

Das scheint allen klar zu sein, nur nicht den beiden Gründern der Firma Algamondo, die dieses Produkt aus genetisch veränderten Algen herstellen.

Auf dieser Basis entwirft der Autor einen rasanten Plot, der den Leser kurzweilig auf einen Trip rund um die halbe Welt befördert. Dabei verknüpfen sich der Treibstoff der Welt, Flüchtlingsdrama, Terrorismus, dubioser Waffenhandel und die Arbeit der Geheimdienste zu einer Mischung, die der Autor zu einem gelungenen Amalgam mischt, es gegen Ende des Romans leider etwas zu abrupt enden lässt.

Die Handlung wird blitzlichtartig durch kurze Kapitel im Stile von Marc Elsberg vorangetrieben. Trotz allem gelingt, sind die Figuren gelungen gezeichnet, insbesondere vielen Nebenfiguren, die deutlich plastischer ausgearbeitet sind als die beiden Hauptakteure. Deren Naivität ist phasenweise mit einem zu kräftigen Pinselstrich ausgeführt.

Bei aller Kritik, ein spannender und unterhaltsamer „Öko-Thriller“, mit einer gehörigen Portion blutiger Geheimdienstarbeit und einigen drastischen Bildern, die zartbesaiteten Seelen etwas zu rustikal erscheinen mögen.

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Grünes Öl
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Ben Riffko
Grünes Öl
München, Wilhelm Heyne Verlag, 2020, 556 Seiten
ISBN 978-3-453-44004-3

Öl und Waffen
Grünes Öl, wie es die Protagonisten des Thrillers von Ben Riffko, vor haben zu produzieren, würde die herrschende soziale Ordnung auf den Kopf stellen.
Das scheint allen klar zu sein, nur nicht den beiden Gründern der Firma Algamondo, die dieses Produkt aus genetisch veränderten Algen herstellen.
Auf dieser Basis entwirft der

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20 Jahre phantastisch!

von am 23. Juli 2020 Kommentare deaktiviert für 20 Jahre phantastisch!

Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
phantastisch!
Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror
Heft 79, Ausgabe 3/2020
Stolberg, Atlantis, 2020, 88 Seiten / 5,95 €

Mehr als 88 Seiten Umfang schafft die Druckerei einfach nicht – sonst wäre die neueste Ausgabe der phantastisch! (Heft 79, mit neuem Untertitel: „Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror“) womöglich noch dicker geworden.
Aber auch so „platzt“ das Heft fast aus „allen Nähten“: Vier Interviews, unter anderem mit KILLERBOT-Autorin Martha Wells, dem Experten für chinesische Science Fiction Ken Liu und dem neuen deutschen Comic-Duo Boris Koch und Frauke Berger, zwei Kurzgeschichten von Superstar Ken Liu und der Atlantis-Entdeckung Caroline Hofstätter, Comics und Karikaturen von Olaf Brill, Michael Vogt, Lars Bublitz und Steffen Boiselle, wie gewohnt das Update, eine Handvoll Rezensionen und jede Menge Sachartikel.
Erwähnenswert sind eine faszinierend bilderreiche Huldigung Doktor Dolittles, der vor einhundert Jahren erstmals die Leserherzen von Jung und Alt erfreute, eine Würdigung von Gene Wolfes Meisterwerk »Der fünfte Kopf des Zerberus« und die Vorstellung der »Hombre«-Werkausgabe durch Bernd Frenz. Außerdem schmückt ein echter „Eyecatcher“ von Jan Hoffmann den Umschlag.

Horst Illmer
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phantastisch! 79
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Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
phantastisch!
Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror
Heft 79, Ausgabe 3/2020
Stolberg, Atlantis, 2020, 88 Seiten / 5,95 €

Mehr als 88 Seiten Umfang schafft die Druckerei einfach nicht – sonst wäre die neueste Ausgabe der phantastisch! (Heft 79, mit neuem Untertitel: „Seit zwanzig Jahren das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror“) womöglich noch dicker geworden.
Aber

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Dark Matter

von am 14. Mai 2020 Kommentare deaktiviert für Dark Matter

Blake Crouch
Dark Matter – Der Zeitenläufer
Aus dem amerikanischen Englisch von Klaus Berr
(Black Matter, 2016)
München, Wilhelm Goldmann Verlag, 2019, 416 Seiten
ISBN 978-3-442-48397-6

Ich bin viele!

Der Thriller von Blake Crouch ist ein spannender Multiversum-Roman, der im Chicago der Jetztzeit spielt.

Jason Dessen unterrichtet am Lamont College Physik und führt ein bescheidenes, aber glückliches Leben zusammen mit seiner Frau Daniela und ihrem gemeinsamen Sohn Charlie. Als er eines Abends auf einen Drink seines alten Freundes Ryan Holder eingeladen wird, endet der Abend ganz anders als sich das Jason jemals hätte denken können.
Sein zweites Ich aus einem parallelen Universum hat es geschafft, die Barrieren zwischen den parallel existierenden Universen einzureissen und sein Leben gegen das des Original-Jason einzutauschen. Der Original-Jason landet im Gegenzug in der Welt von Jason2.

In dieser „zweiten“ Welt ist Jason2 ein gefeierter, genialer Physiker, der die Möglichkeiten der gesprengten Grenzen zwischen den Multiversen entdeckt hat und diese nutzt.

Auf diesen Plot baut Blake Crouch eine rasante Geschichte, die im Verlauf einige irre Wendungen nimmt. Dabei verliert sich der Autor nicht in den sich bietenden möglichen Verstrickungen, die eine Parallelweltenerzählung per se anbietet, sondern fokussiert sich auf den Original-Jason.

Durch diese Reduktion auf einen Erzählstrang geht zwar der Tiefgang etwas verloren, aber der Roman ist unterhaltsames Lesefutter für zwischendurch. Wobei ich die angedeuteten Möglichkeiten existierender Multiversen als beunruhigend empfunden habe und es durchaus vorstellbar ist, diese in weiteren Geschichten weiter auszuarbeiten.

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Dark Matter
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Blake Crouch
Dark Matter – Der Zeitenläufer
Aus dem amerikanischen Englisch von Klaus Berr
(Black Matter, 2016)
München, Wilhelm Goldmann Verlag, 2019, 416 Seiten
ISBN 978-3-442-48397-6

Ich bin viele!
Der Thriller von Blake Crouch ist ein spannender Multiversum-Roman, der im Chicago der Jetztzeit spielt.
Jason Dessen unterrichtet am Lamont College Physik und führt ein bescheidenes, aber glückliches Leben zusammen mit seiner Frau Daniela und ihrem gemeinsamen Sohn Charlie.

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Eine neue Parallele

von am 1. April 2020 Kommentare deaktiviert für Eine neue Parallele

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wo ich es einfügen soll, aber ich denke, hier ist wieder einmal ein neuer Aspekt. In der derzeitigen Flut von anstehenden Beiträgen und in der lebendigen Auseinandersetzung mit dem Thema ändern sich viele Parameter stündlich. Fast wie mit den reellen Einschätzungen und Prognosen für Verordnungen, Auswirkungen und Zeiträume. Auch wenn wir euch im Moment wirklich fast schon überrollen, mit Informationen und neuen Beiträgen muss ich diesen jetzt doch noch loswerden. Trotz der gehaltvollen und interessanten Beiträge, die heute bereits auf unserer Seite online gegangen sind.

Um euch nicht zu überstrapazieren und besser mit einzubinden möchte ich – bevor ich heute erneut ein Fass aufmache, noch eine kleine Frage stellen. Wir haben im Moment einen nie gekannten "Stau" an auf Veröffentlichung wartenden Artikeln. Deswegen möchte ich euch bitten, als Kommentar oder email oder was auch immer…ja, es gibt auch jede Menge PNs, Anrufe usw…ein paar Parameter mit abzuklären:

1. Da gibt es keine Debatte. Die meisten Reaktionen und Kommentare kommen zu den audiofiles. Entsprechend werden die auf jeden Fall beibehalten.

2. Die Rubrik "Parallelen" ist für uns schwer zu bemessen. Ja, wir bekommen Reaktionen, aber das Ganze soll kein feedbackloses Ewigkeitsprojekt werden, wenn das Interesse gemäßigt ist.

3. Allgemeine Tipps und Empfehlungen zu 3.1 Lesestoff, 3.2 Comics, 3.3 Spielen (vor allem zwei Personen tauglich)

4. Berichte über unsere Situation. Updates zu den Lieferanten, Neuheiten frisch eingetroffen und allgemein, was wir so machen.

Für ein paar Hinweise wäre ich echt dankbar, weil ich im Moment bereits 19 vorbereitete Artikel zu Literatur im Allgemeinen (vornehmlich von Horst, aber auch von MarkusT, Christian und Carsten) habe und zwei Artikel, die ich unter die Kategorie Sonstiges stellen würde. Täglich kommt jede Menge Input zu Parallelen und aus mir bricht es ja trotz der ungewohnten Arbeitsabläufe auch immer wieder heraus.

Und jetzt zu Punkt zwei. In aller Kürze (sofern ein Gerd dazu in der Lage ist). Der neue Aspekt beim Thema "Parallelen". Ich sehe es im Moment tatsächlich als neuen großen Überbegriff, also neben den bereits existierenden Begriffen I bis IV als V ein neuen Punkt:

I Endzeit- und Katastrophenromane

II Science Thriller

III Soziale und politische Science Fiction

IV Klassische Fremdwesen- und Fremdweltenromane

V Ökologische Science Fiction

Natürlich gibt es – wie immer – auch hier jede Menge Überschneidungen und Unschärfen. Trotzdem ist der Aspekt der Öko-SF für mich wichtig genug und in der Definition abgrenzbar genug, um einen neuen Überbegriff dafür zu verwenden. Wie kommt es dazu? Ein relativ eindeutiges Beispiel hat mich heute Abend dazu gebracht. Nämlich der Roman "Der Sommer geht" von Michael Coney. Die Essenz des Romans, der von Humanoiden auf einer fremden Welt mit einer systemspezifischen Bedrohung handelt, ist auf den ersten Blick gar nicht so nah zu unserer realen Bedrohung durch Covid19. Der eigentliche Faktor einer Parallele ist weder die Art der Bedrohung, noch die Gesellschaft sondern die Frage, des Umgangs mit der Bedrohung. Im Hier und Jetzt haben wir beispielsweise selbst innerhalb Europas eine akute Diskrepanz zwischen Spanien und Schweden. Verbote und Beschränkungen zum Schutze der Bevölkerung gegen ein laissez-faire der natürlichen Abläufe. In "Der Sommer geht",  löst sich die ganze Situation erst in dem Moment auf, wo alles bereits zu spät zu sein scheint. Die Selbstheilungsmechanismen von Mutter Natur können erst dann greifen, wenn der Mensch es zulässt.

Auch hier wieder keine Wertung, aber – wie ich glaube – ein wirklich neuer Aspekt.

Tschüss und bis morgen

euer Gerd

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wo ich es einfügen soll, aber ich denke, hier ist wieder einmal ein neuer Aspekt. In der derzeitigen Flut von anstehenden Beiträgen und in der lebendigen Auseinandersetzung mit dem Thema ändern sich viele Parameter stündlich. Fast wie mit den reellen Einschätzungen und Prognosen für Verordnungen, Auswirkungen und Zeiträume. Auch wenn wir euch

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phantastisch! neues aus anderen welten

von am 22. Juli 2019 Kommentare deaktiviert für phantastisch! neues aus anderen welten

Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
phantastisch! neues aus anderen welten.
Heft 75 / Ausgabe 3/2018 / 19. Jahrgang
Stolberg, Atlantis Verlag, Juli 2019, 88 Seiten
ISSN 1616-8437 / 5,95 Euro

Eigentlich kann man ja jedes phantastisch!-Heft empfehlen, aber die jetzt erschienene Ausgabe vom Juli 2019 ist doch nochmal etwas Besonderes: Das Heft 75 ist für den Atlantis Verlag und den Herausgeber Klaus Bollhöfener ein guter Grund um allen Leserinnen und Lesern einmal zu zeigen, was in diesem Magazin so alles an Spaß, Liebe und Arbeit drinsteckt.
Das Offensichtlichste ist das umlaufende Cover von Michael Vogt, das es mitten im Heft nochmal als Poster gibt (ohne „störende“ Beschriftung). Außerdem wurde der Umfang auf stolze 88 Seiten erhöht (ohne Mehrpreis!). Und auf Seite 4 werden alle ständigen Mitarbeiter und Redakteure im Bild vorgestellt.
Das Wichtigste sind aber natürlich die Artikel, Interviews, Stories, Comics, Cartoons und Buchbesprechungen, die in ihrer Spannweite und Bandbreits die phantastisch! so einzigartig unter den Science-Fiction-Magazinen machen.
Interviewt wurden diesmal der englische Superstar Jasper Fforde, der Jugendbuchautor Karl Olsberg und Tom und Stephan Orgel, die als T. S. Orgel gemeinsam sehr erfolgreich Fantasy und Science Fiction schreiben.
Die Kurzgeschichte „Im Dienst der Legenden“ wurde von Christian Endres exklusiv für die phantastisch! geschrieben und ist eine der stärksten Stories seit Langem.
Neben den gewohnten Standards (update, Buchhandels-Cartoon, Fortsetzungscomic) gibt es noch ein Dutzend Artikel, von denen nur der wunderschön illustrierte Bericht von Achim Schnurrer über das erste Phantastik-Magazin der Welt, Der Orchideengarten, hervorgehoben werden soll, da die Aufzählung sonst jeden Rahmen sprengen würde.
Vertrauen Sie mir – und lesen Sie einfach selbst!

75 Hefte in knapp 20 Jahren, das allein ist im Rahmen der deutschen Science Fiction schon außergewöhnlich. Hoffen wir also, dass wir an dieser Stelle auch noch über die Nummer 100 berichten dürfen!

Horst Illmer
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phantastisch! 75
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Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
phantastisch! neues aus anderen welten.
Heft 75 / Ausgabe 3/2018 / 19. Jahrgang
Stolberg, Atlantis Verlag, Juli 2019, 88 Seiten
ISSN 1616-8437 / 5,95 Euro
Eigentlich kann man ja jedes phantastisch!-Heft empfehlen, aber die jetzt erschienene Ausgabe vom Juli 2019 ist doch nochmal etwas Besonderes: Das Heft 75 ist für den Atlantis Verlag und den Herausgeber Klaus Bollhöfener ein guter Grund um

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Local Heroes Reloaded

von am 7. Juni 2019 1 Kommentar

Lobgesang auf Horst*

Ja, ich habe bereits einmal einen Beitrag zu Horst Illmer geschrieben. In der Kategorie Local Heroes. Da gehört er nämlich hin, auch wenn sein Wirken durchaus überregionaler Natur ist, wie bei vielen "unserer" Local Heroes.

Warum also jetzt ein weiterer Beitrag? Nur zum auffrischen? Aus aktuellem Anlass?

Eigentlich nichts davon. Es ist einfach so, dass wir uns bei Horst bedanken wollen. Er ist nicht nur der Local Hero, den wir bereits vorgestellt haben, sondern er ist mit seinen mitlerweile über hundert Rezis zu einem festen Bestandteil unserer Seite geworden. Unter Horsts Bibliothek finden Phantastik Begeisterte Anregungen, Tipps und fundiertes Wissen. Er preißt uns Pflichtlektüren an, entdeckt Exoten und weist auf Schmankerln hin, die uns auch mal durch die Lappen gegangen wären.

Wer gerne mehr von seinem profunden Wissen profitieren möchte, dem lege ich einmal mehr an dieser Stelle das Magazin Phantastisch! nahe. Phantastisch! ist Pflichtlektüre für alle, die sich für phantastische Literatur interessieren. Informative und spannende Artikel. Interviews, Bücher, Autoren, Rezensionen, Comics, Filme… Dabei schreiben kompetente Mitarbeiter wie Sonja Stöhr, Carsten Kuhr, Christian Endres, Achim Schnurrer und viele andere. Natürlich auch Horst Illmer. DAS Genremagazin. Schnuppert einfach mal im Laden rein, oder schließt gleich ein Abo bei uns ab. Dann bekommt ihr jede Nummer bei Erscheinen weggelegt.

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Phantastisch!
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*  Hommage an "Lobgesang auf Leibowitz" in der Ausgabe Heyne Meisterwerke der SF ISBN: 9783453164192

Lobgesang auf Horst*
Ja, ich habe bereits einmal einen Beitrag zu Horst Illmer geschrieben. In der Kategorie Local Heroes. Da gehört er nämlich hin, auch wenn sein Wirken durchaus überregionaler Natur ist, wie bei vielen "unserer" Local Heroes.
Warum also jetzt ein weiterer Beitrag? Nur zum auffrischen? Aus aktuellem Anlass?
Eigentlich nichts davon. Es ist einfach so, dass wir uns bei

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Einen muss ich doch loswerden

von am 20. März 2019 Kommentare deaktiviert für Einen muss ich doch loswerden

Ich habe mich ja in den letzten Monaten rar gemacht, was Buchrezensionen anbetrifft. Das liegt zum einen daran, dass durch Horsts Bibliothek dieser Part brilliant abgedeckt ist, zum anderen, dass es einfach genug anderweitig zu tun gibt. Dieses Buch liegt mir aber am Herzen und deswegen mache ich eine Ausnahme. Der Text muss einfach raus.

Gier – Wie weit würdest du gehen?
Marc Elsberg
Blanvalet 2019, 24,- €

Marc Elsberg ist als gebürtiger Wiener einer der Autoren, die sich der Phantastik widmen, welche wir im Original in unserer Muttersprache genießen können – ohne Übersetzungsrauschen. Seine Romane fallen allesamt unter das Label Thriller, behandeln Themen einer nahen möglichen Zukunft. Was wäre wenn? Eines der klassischen Subgenres der Science Fiction. Sein erster Roman, "Blackout" hatte mich schon wirklich beeindruckt und gehört meiner Meinung nach auch im internationalen Vergleich zur Spitze dieses Subgenres. Konsequent, spannend, beängstigend und absolut glaubwürdig. Sein neuester Roman "Gier" hat mich ebenfalls wieder in den Bann geschlagen. Atemlose Spannung von Anfang bis Ende. Dabei bei weitem nicht so vordergründig bedrohlich wie "Blackout".

Stimmig und konsequent baut Elsberg eine kleine Utopie inmitten einer Katastrophe auf. Vor dem Szenario einer gnadenlosen Hetzjagd. Ich hatte während des Lesens permanent das Gefühl, die Botschaft aufsaugen zu müssen. Vielmehr gebannt durch die verständlich formulierten Theorien, als durch die gehetzte Action. Das Bedrohungsszenario in diesem Roman ist im Vergleich zu "Blackout" weniger körperlich. Auf den ersten Blick vielleicht etwas weniger Fiction, mehr Action. Die Handlung liest sich wie ein rasantes Drehbuch.

Ich denke, Elsberg wollte in diesem Roman vor allem eine Botschaft unterbringen. Eine Utopie, ein Denkmodell, dessen Stichhaltigkeit ausreichend belegt und gleichzeitig vage genug bleibt, um nicht nach quälender Recherche und erhobenem Zeigefinger zu wirken. Bei mir ist die Botschaft angekommen und ich wünsche mir, dass diesen Roman möglichst viele Menschen lesen. Hut ab Herr Elsberg, den schmale Grat zwischen filmreifer Action und utopischer Theorie meistern ihre Protagonisten bestens. Plakativ aber passend.

Mein Tipp: Lesen! Coole Action, gewürzt mit einer kleinen Utopie zum Nachdenken.

Ich habe mich ja in den letzten Monaten rar gemacht, was Buchrezensionen anbetrifft. Das liegt zum einen daran, dass durch Horsts Bibliothek dieser Part brilliant abgedeckt ist, zum anderen, dass es einfach genug anderweitig zu tun gibt. Dieses Buch liegt mir aber am Herzen und deswegen mache ich eine Ausnahme. Der Text muss einfach raus.
Gier – Wie weit würdest

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BuCon 2018

von am 15. Oktober 2018 Kommentare deaktiviert für BuCon 2018

Der Buchmesse Convent war in diesem Jahr wieder eine tolle Veranstaltung. Inspirierend, phantastisch mit einem Klacks freudiger Überraschung…

Buchmesse ist Arbeit, Trubel und in Zeiten heutiger Informationsflüsse wesentlich weniger relevant, als zu früheren Zeiten. Besonders für uns als Spezialbuchhandlung für Phantastik, die bei den großen Verlagshäusern deutlich an Stellenwert verloren zu haben scheint. Umso schöner, dass es den BuCon gibt, wo sich die Crème de la Crème deutscher Phantastikschaffender die Klinke in die Hand gibt, mit Menschen, die das Genre und Bücher an sich lieben. Wie sonst käme es zu wunderschönen Verlagsnamen wie "PAPIERVERZIERER"?

Vom ambitionierten Selbstverleger bis zum phantastik-affinen Verlagshaus finden wir hier alle. Leider nach wie vor mit Ausnahme der ganz Großen, die sich wohl für solcherlei Veranstaltung im Gegensatz zu "ihren" Autoren wenig erwärmen können. Sei’s drum. Vielleicht erhält ja gerade das auch den Charme des BuCon.

Als Highlight für mich persönlich konnte ich das nette Gespräch mit einem alten Bekannten verbuchen, der mir gleich am Vormittag (wo ich es natürlich noch nicht wusste) sein ernstgemeint bescheidenes Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht hat, dass er (wie sich später herausstellt, neben Erik Schreiber) einer von zwei diesjährigen Preisträgern sein wird. Und zwar für das Lebenswerk. Da kann ich mich nur anschließen. Gratulation und flammende Zustimmung  von mir persönlich, Werner Fuchs. Du hast vielleicht im Einzelnen weniger bewirkt oder geschaffen als andere, aber du bist eben der gute Geist der Phantastik. Netzwerker und Allrounder. Über Genres und Grenzen hinweg und ja, als Lebenswerk kann man das mit Sicherheit betrachten, egal, wie viel noch von dir geleistet werden wird.

Tolle Veranstaltung, nette Kontakte und viel positive Energie für mich persönlich und den Laden.

ps Allen, denen Werner Fuchs nicht ganz so geläufig ist, möchte ich das sensationelle Interview im Eskapodcast und sein Wine & Paper auf orkenspalter.tv empfehlen.

pps Bilder gibt es auch noch ein paar in unserer Galerie

Der Buchmesse Convent war in diesem Jahr wieder eine tolle Veranstaltung. Inspirierend, phantastisch mit einem Klacks freudiger Überraschung…
Buchmesse ist Arbeit, Trubel und in Zeiten heutiger Informationsflüsse wesentlich weniger relevant, als zu früheren Zeiten. Besonders für uns als Spezialbuchhandlung für Phantastik, die bei den großen Verlagshäusern deutlich an Stellenwert verloren zu haben scheint. Umso schöner, dass es den BuCon gibt, wo

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Der Prospektmarathon 2017 – Diagnose: letal

von am 3. März 2017 1 Kommentar

Nach diesem überaus positiven Einstieg in den ersten Prospektmarathon folgt die Ernüchteung auf dem Fuß. Was Heyne, Piper, Blanvalet, Goldmann, Bastei Lübbe und wie sie sonst noch alle heißen, da so auffährt treibt einem die Tränen in die Augen. Um nicht völlig der Verzweiflung anheim zu fallen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die wenigen verbliebenen Highlights aus den Programmen der Großen Alten hervorzuheben. Über den kläglichen Rest breiten wir den barmherzigen Mantel der Verschwiegenheit. Zumindest im Detail und soweit ich mich beherrschen kann.

Peter V. Brett

Heyne ruht sich auf Lorbeeren aus, die schon seit Jahren völlig verdorrt sind…
Das Science Fiction Programm ist noch lächerlicher, peinlicher und minimalistischer als im letzten Jahr. Von "die Zukunft" will ich gar nichts mehr wissen. Einziges Highlight im Sektor Phantastik stellt ein Fantasy Titel dar, auf den ich mich nicht nur persönlich freue, sondern auch aus kaufmännischer Sicht…
Immerhin warten eine ganze Menge von Lesern darauf, wie Peter V. Brett seinen epischen Krieg gegen die dämonischen Mächte zu Ende bringt. Der Abschlussband des DämonenkriegQuintetts erscheint im September unter dem Titel "Das Leuchten der Magie". Bei 950 Seiten muss man auch nicht die Befürchtung hegen, es fällt den Herren wieder ein, das letzte Buch gewinnoptimiert zu teilen…

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Nach diesem überaus positiven Einstieg in den ersten Prospektmarathon folgt die Ernüchteung auf dem Fuß. Was Heyne, Piper, Blanvalet, Goldmann, Bastei Lübbe und wie sie sonst noch alle heißen, da so auffährt treibt einem die Tränen in die Augen. Um nicht völlig der Verzweiflung anheim zu fallen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die wenigen verbliebenen Highlights aus den Programmen

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Der Prospektmarathon 2017 – Diagnose: positiv

von am 2. März 2017 Kommentare deaktiviert für Der Prospektmarathon 2017 – Diagnose: positiv

Gehen wir das Ganze mal etwas anders an. Nicht erst ans Meckern denken. Nicht in alte Muster verfallen. Die guten Ideen und Vorsätze aus dem letzten Jahr – fokusiert durch meinen Besuch auf der Dreieich Con – nicht nur mitnehmen, sondern in den Vordergrund stellen…

Es gibt einige neue Lichter am Firmament. TOR, Mantikore, Cross CultKnaur mischt auch wieder mit… Einfach darüber freuen und alte Gewohnheiten abstreifen. Stell die Neuen vor die Alten. Vielleicht gibt es da noch die ein oder andere Öse, die man verfehlt aber bestimmt auch eine ganze Menge positiver Überraschungen. Also alte Reihenfolge verkehrt. Heyne und Konsorten ans Ende gestellt und die kleineren schön nach vorne gerutscht. Neue Wege…

Neben den Neuen Großen, gibt es auch noch eine Vielzahl netter, kleiner, ambitionierter Verlage. War das nicht alleroberste Priorität, eben mit denen in Kontakt zu treten? Sollte es auch bleiben. Ist vielleicht gerade am Anfang ein bisschen arbeitsintensiv, aber auf jeden Fall mal eine Abwechslung und andere Perspektive. Also wird hierfür auf jeden Fall Platz Nummer eins in der Reihenfolge vergeben…

Herbert W Franke

Die Erwartung ist zäher als der Anfang…
Recherche, Kontaktaufnahme, texten, suchen, fragen und meistens auch Antworten bekommen. Manchmal schneller, manchmal weniger schnell. Neue Wege zu beschreiten ist immer etwas aufwendiger. Mit kleinen Verlagen zu komunizieren und bei ihnen zu bestellen natürlich auch. Die Margen sind auch knapper. Also kommerziell auf jeden Fall unerfreulich.
ABER.
Diversität abseits des Mainstream hat unseren Laden immer mit ausgemacht. Wir sind doch selbst eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die sich in einer Trophieebene behaupten muss, in der amorphe Neuzeitgiganten die vorhandene Vielfalt durch Überweidung längst zerstört haben.
Deshalb also.
Kein Gejammer. Frisch ans Werk und einen Anfang machen. Im Prinzip macht das Spaß, ist eine willkommene Abwechslung zu getrampelten Pfaden und auf jeden Fall ein guter Weg…
…und wie sich auch schnell herausstellt, gar nicht so schwierig und mit mehr Erfolg beschieden, als mit Ärgernissen gespickt. Als schönstes Beispiel möchte ich euch hier die ambitionierte Werksausgabe eines der bedeutendsten deutschsprachigen SF Autoren der Gegenwart vorstellen. Beim netten kleinen p.machinery Verlag in der Reihe Andro-SF versteckt sich die auf 30 Bände angelegte Reihe der Herbert W. Franke Werksausgabe seines literarischen SF-Schaffens. Bisher sind die Bände 1-6 erschienen. Jeweils in einer erschwinglichen Taschenbuch- und einer sehr hübschen und auch nicht teuren Hardcover-Ausgabe. Die wunderbar gestalteten Titelbilder stammen vom ebenfalls vielfach ausgezeichneten Grafiker Thomas Franke.

Wunderbare Ausgabe für Fans, Sammler und Liebhaber schöner Bücher. Ich freue mich, dass die Ausgabe das erste sichtbare Ergebnis in der Kategorie Novis gezeigt hat…

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Gehen wir das Ganze mal etwas anders an. Nicht erst ans Meckern denken. Nicht in alte Muster verfallen. Die guten Ideen und Vorsätze aus dem letzten Jahr – fokusiert durch meinen Besuch auf der Dreieich Con – nicht nur mitnehmen, sondern in den Vordergrund stellen…
Es gibt einige neue Lichter am Firmament. TOR, Mantikore, Cross CultKnaur mischt auch wieder mit…

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Wunschzettel – eBook only – die Downloads zum Fest

von am 7. Dezember 2016 Kommentare deaktiviert für Wunschzettel – eBook only – die Downloads zum Fest

Letztes Jahr hatten wir kurz vor Weihnachten ein unschlagbares Angebot für den damals aktuellen Tolino. Auch dadurch hat es bei uns einen nicht mehr zu übersehenden Zuwachs an Kunden für elektronische Bücher gegeben. Egal, ob wir selbst eBooks mögen, oder die Hardcopy bevorzugen, hatten wir dann auch eine kleine, feine Reihe mit Erklärungen und Erläuterungen zum Thema elektronische Bücher. Die einzelnen Artikel könnt ihr unter I.S.A.A.C. abfragen. Technisch ist da alles noch aktuell, so viele Neuerungen gab es im laufenden Jahr nicht. Ein günstiges Einsteigermodell (Tolino Page € 69,-) ohne Beleuchtung und ein Top-Luxus Modell (Tolino Vision 4 HD € 179,00) mit Tageszeitlicher Lichtanpassung, HD Display und gewohnt wasserdichtem Gehäuse zum in-der-Badewanne-lesen sind aktuell dazugekommen.

Warum ich an dieser Stelle über Reader schreibe hat einen besonderen Grund. Vor allem Heyne, hat in den letzten Jahren konstant das Programm im Bereich SF ausgebaut. Nicht nur aktuelle Titel, sondern auch jede Menge vergriffene Klassiker und nicht mehr lieferbare Youngtimer. Einige der Titel gehören in jedes Bücherregal. Da das jetzt aber nicht so einfach ist, antiquarischen Büchern nachzurennen, geht im Notfall auch die elektronische Bibliothek auf den Lesegeräten. Deswegen von mir ein paar besonders wichtige Romane und Reihen, die nicht mehr oder nicht mehr komplett lieferbar sind. Natürlich könnt ihr auch immer in unseren älteren Tipps und vor allem bei Hermke stöbern…

Und nicht vergessen, Tolino unbedingt bei uns kaufen, dann, und nur dann, ist unser Shop drauf.

wasserstoffsonate

Iain Banks – Der Kultur-Zyklus

Leider bereits 2013 verstorben, zählt Iain Banks zu den Giganten der Science Fiction. "der bedeutendste Science Fiction Autor der Gegenwart" (New York Times) und einer der "größten britischen Schriftsteller seit 1945" (The Times). Für mich steht sein Gesamtwerk tatsächlich auf meinem persönlichen Platz eins aller SF Autoren. Leider gibts die meisten seiner Romane nicht als Druckversion zu erwerben. (Schande!) Aber wenigstens ist der Kultur Zyklus komplett als eBooks erhältlich.

Jedes einzelne der Bücher ist in sich geschlossen. Jedes einzelne ist herausragend und einzigartig. Manche mehr als andere, aber alle lesenswert – als Facetten einer Galaxien umspannenden Gesellschaft. Es gibt nur wenige Romane, über die man mehr diskutieren, reflektieren und streiten kann. Streiten nicht über die Qualität, sondern über die Philosophie und Deutung. Hier einfach mal eine Liste der Kultur Romane in Reihenfolge ihres Erscheinens.

Bedenke Phlebas, 1989, Heyne
Das Spiel Azad, 1990, Heyne
Einsatz der Waffen, 1992, Heyne
Ein Geschenk der Kultur, 1992, Heyne
Exzession, 1997, Heyne
Inversionen, 2000, Heyne
Blicke windwärts, 2003, Heyne
Sphären, 2008, Heyne
Krieg der Seelen, 2012, Heyne
Die Wasserstoffsonate, 2014, Heyne

Selbstverständlich ist auch der Rest von Banks' literarischem Wirken absolut lesenswert und ebenfalls großteils als eBook lieferbar…

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Letztes Jahr hatten wir kurz vor Weihnachten ein unschlagbares Angebot für den damals aktuellen Tolino. Auch dadurch hat es bei uns einen nicht mehr zu übersehenden Zuwachs an Kunden für elektronische Bücher gegeben. Egal, ob wir selbst eBooks mögen, oder die Hardcopy bevorzugen, hatten wir dann auch eine kleine, feine Reihe mit Erklärungen und Erläuterungen zum Thema elektronische Bücher. Die

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Wunschzettel – Bücher vom Weihnachtsmann

von am 5. Dezember 2016 Kommentare deaktiviert für Wunschzettel – Bücher vom Weihnachtsmann

Zu meinen Buchtipps gilt natürlich der gleiche Hinweis, wie bei den Spielen. Um weitere Tipps und Rezis zu lesen ist es das Einfachste, unter den Rubriken der jeweiligen Autoren zu suchen. Bei Hermkes Tips findet ihr jede Menge Klassiker. In Horsts Bibliothek gibt es viel zu stöbern für Freunde des Besonderen und jede Menge Infos zu aktuellen Erscheinungen. Oli L. versorgt euch nicht nur mit Infos zu Superhelden Klassikern, in seiner Bücherecke teilt er auch seine profunde Kenntnis zu phantastischen Romanen. Außerdem gibt natürlich auch hier die Rubrik Tops und Flops Auskunft über ähnliche Listen vergangener Jahre.

Den Anfang bei den diesjährigen Buchtipps zum Fest machen Klassiker. Nach langer Zeit endlich wieder aufgelegte Highlights…

uebungseffekt

Witzige Science Fantasy aus den 80ern – Der Übungseffekt

Zuerst mal war ich überrascht, diesen Roman von David Brin nicht in der Rubrik Hermkes Tips finden zu können. Hermke hat das Buch sehr oft empfohlen und auch unsere antiquarischen Verkaufszahlen waren sehr hoch, obwohl "Der Übungseffekt" wirklich selten geworden war.

Brin kennt man in erster Linie durch sein Uplift Universum. Spannungsgeladene, ernsthafte Science Fiction in einem Universum voll genetisch manipulierter, gelifteter Rassen, die in Intrigen und Kriege um die Vorherrschaft verstrickt sind. Ein Teil der insgesamt sechs Romane ist auch lieferbar.

Ganz anders sein Einzelband "Der Übungseffekt". Hier hat sich David Brin eher der humoresken SF zugewandt. Der Held seiner Geschichte, ein Physikstudent, landet, direkt aus dem Hörsaal, mit Hilfe zievatronischer Technik auf einer fremden Welt – mit völlig anderen Naturgesetzen. Insbesondere des Übungseffektes, der für den wissenschaftlich Geschulten anfangs schwer zu begreifen ist. In dieser Welt werden Gegenstände durch Gebrauch verbessert, nicht wie wir es kennen abgenutzt.

Aus dieser Grundidee strickt Brin ein witziges Fantasy / SF Abenteuer. Easy zu lesen und sicher nicht anspruchsvoll aber einfach unheimlich unterhaltsam. Schön, dass es das wieder gibt.

Der Übungseffekt von David Brin verlegt bei Heyne für  € 9,99

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Zu meinen Buchtipps gilt natürlich der gleiche Hinweis, wie bei den Spielen. Um weitere Tipps und Rezis zu lesen ist es das Einfachste, unter den Rubriken der jeweiligen Autoren zu suchen. Bei Hermkes Tips findet ihr jede Menge Klassiker. In Horsts Bibliothek gibt es viel zu stöbern für Freunde des Besonderen und jede Menge Infos zu aktuellen Erscheinungen.

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