Avatar
von Gerd am 18. Dezember 2009 3 Kommentare
Bereits als ich das erste Mal von James Camerons Projekt gehört habe, ist der Funke übergesprungen.
Ein einfaches SF-Thema, das ich aus unzähligen Büchern kenne. Das große Projekt einer fremden Welt auf der Leinwand. Ein visionärer Filmemacher. Das ist der Stoff, aus dem epochale Werke entstehen.
Das Thema ist alt. So alt wie die Menschheit. Eine Kultur trifft auf eine andere, in diesem Fall die Menschheit einer nicht allzu fernen Zukunft und das Volk der Navi, das in Einklang mit seiner Welt auf dem Planeten Pandora lebt. Gesellschaftlich hat sich bei uns nicht viel geändert. Wir haben die Resourcen unserer Welt geplündert und den blauen Planeten in einen grauen Betonblock verwandelt. Immer noch regiert die Riege der Konzerne, unterstützt von den ohnmächtigen Regierungen, die selbst zum Formulieren eines Protestschreibens zu uneinig sind. Begleitet von Alibi-Wissenschaftlern und geschützt von Söldnern und Soldaten wird auf Pandora, der Heimat der Navi, nach scheinbar unendlich kostbaren Bodenschätzen geschürft. Der Konflikt mit den Eingeborenen ist unausweichlich. Das jeweilige Verständnis der beiden Kulturen füreinander ist gleich Null. Um die Navi zu erforschen, in einer perfiden Mischung aus wissenschaftlichem Interesse und dem Streben nach einem etwaigen taktischen Vorteil, werden menschliche Gehirne mit geklonten Körpern verbunden. Diese Avatare werden aus genetischem Material der Einheimischen, gemischt mit menschlicher DNS konstruiert. Der querschnittgelähmte Ex-Marine Jake Sully steuert einen solchen Avatar und begibt sich damit in zwei Welten. Je weiter er die Sicht der Navi erlernt, desto fremder empfindet er unser Denken. Sully wird vom Spion zum Botschafter und schließlich zum Krieger.
Camerons Handlung kommt ohne große Überraschungen aus. Der Film erfüllt alle Wünsche des Zuschauers und wer dem Genre SF nahesteht, wird viele Träume erfüllt bekommen. Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus "Das Wort für Welt ist Wald" von Ursula K. Le Guin, der Geschichte jedes Naturvolkes auf unserer Welt und unserer Realität. Dabei gelingt es dem Regisseur mit wenigen Einstellungen eine komplexe Welt zu umreißen. Ohne große Einführungsrunde beginnt die Story direkt auf Pandora. Camerons Charaktere sind eindeutig und dabei wundervoll plastisch besetzt. Seine Geschichte ist genial einfach. Das Publikum hat also während der fast drei Stunden Zeit zu staunen, Zeit zu entdecken, Zeit zu träumen, Zeit zu weinen, Zeit zu lachen. Pandora ist das Produkt einer begnadeten Phantasie, einem ausgeprägten Gefühl für Schönheit und Exotik und einer nahezu perfekten Technik. Cameron hat eine Welt entworfen, um die ihn sogar Slartibartfast, der legendäre Weltendesigner aus dem "Anhalter" beneiden würde. Pandora wird auf der Leinwand Wirklichkeit. Der Zuschauer erforscht den Dschungel, erklimmt die Bäume und springt in Wasserfälle.
Cameron kumuliert nicht nur Träume von fremden Welten, er schafft tatsächlich eine Welt, die schöner als die Vorstellung ist. Er erfüllt den uralten Traum der Menschheit vom "Garten Eden", stellvertretend für alle wundervollen Traumwelten. Er setzt all die Bilder um, die in unseren Köpfen entstanden sind bei Fosters "Die denkenden Wälder", "Prisma" oder "Der lange Nachmittag der Erde" von Aldiss . Wer schon immer Planetenromane gelesen und geliebt hat, wird viele Bilder erkennen.
Trotz all der schönen Bilder, dem "Braveheart" Pathos und der unglaublichen Action pflanzt Cameron die Saat der Liebe in unsere Herzen. Der Liebe zu Anderen und zu der Welt, in der wir leben.
Danke für diese drei Stunden Reise. Ich war nicht im Kino, sondern ich war auf Pandora.
Bereits als ich das erste Mal von James Camerons Projekt gehört habe, ist der Funke übergesprungen.
Ein einfaches SF-Thema, das ich aus unzähligen Büchern kenne. Das große Projekt einer fremden Welt auf der Leinwand. Ein visionärer Filmemacher. Das ist der Stoff, aus dem epochale Werke entstehen.
Das Thema ist alt. So alt wie die Menschheit. Eine Kultur trifft auf eine andere, in diesem Fall die Menschheit einer nicht allzu fernen Zukunft und das Volk der Navi, den ganzen Beitrag lesen…
- Kategorien: Bücher , Diskussionen , Science Fiction
- 3 Kommentare

Krieg zwischen den Weltmächten: eine kleine, reiche Nation schottet sich ab, bleibt verschont von der Zerstörung und den Folgen des Krieges. Baut einen „Zaun“ um ein eigenes totalitäres, aber funktionierendes System. Lässt niemanden rein und niemanden raus, existiert autark, aber scheinbar perfekt funktionierend. Allen Menschen geht es gut? Ihr Dasein ist von Geburt an komplett vom System bestimmt, was man wird, macht oder ob man überhaupt „lebenswert“ ist.
1982 im Heyne Verlag erschienen, ist dieser Roman von Michael Coney bis heute eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Leider ist die Ausgabe lange vergriffen. In solchen Fällen freue ich mich über jedes einzelne Exemplar, das bei uns im Antiquariat auftaucht und in gute Hände weitergegeben wird. Der Wiedereintritt eines Buches in den Lesekreislauf, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist etwas kostbares und je seltener dieses Ereignis, desto wertvoller ist es.
Soeben ist "Metro 2034" bei Heyne erschienen. Grund genug für mich rückblickend eine kleineRezension zu Dmitry Glukhovsky zu schreiben.
Mit keiner Silbe wird bei der Bewerbung dieses Buches der Begriff Science Fiction erwähnt. Ebenso wie Dennis Scheck in seinem letzten „Druckfrisch“ war also auch ich vollkommen überrascht, als sich die mit Witz und wohlklingenden Worten geformte Handlung plötzlich und unerwartet als klassische, eindeutige Science Fiction Story entpuppt.
So, gerade frisch aus dem Urlaub zurück. War aber auch wirklich gut. Neben viel Glück mit dem Wetter war die Buchauswahl durchweg fesselnd und wirklich gut. Überraschende Schmankerln so wie gewohnt spannende Unterhaltung von alten Bekannten. Auf jeden Fall gab es keinen Griff ins Klo, sondern ausschließlich rundum glücklich machende Urlaubslesefreude.
„Crooked little vein“ – könnte Krampfader heißen. Eine kranke Ader zum Herzen oder eine kranke Ader zum Hirn? Egal, schon beim Originaltitel habe ich mir gewünscht besser Englisch zu können, damit das ganze dreckige aber soundige Vokabular, das aus manchem begabten Kopf hervorquillt und den Finger in die Wunde legt, mir direkt ins Blut schießt. Wer Warren Ellis´ Comics mal im Original gelesen hat, weiß, dass diese Übersetzung seines ersten Romans einfach zu brav, zu akademisch, zu arielgewaschen ist. Da klingt Rattenpisse nach Streichelzoo und ficken nach Blümchensex. Ein bisschen mehr Scharfsinn und –züngigkeit wären eine Wohltat und dem Autor angemessen…
Über dieses Juwel aus dem Jahre 2003 (Spanien / 2005 deutsche Erstveröffentlichung) bin ich ganz zufällig in einem Kundengespräch gestolpert. Ich hatte das Buch in keinen Zusammenhang mit Fantasy oder SF gebracht und da es bei keinem unserer "Hauptverlage" erschienen ist ist es mir auch nicht beim Verlagsprospekte-durchstöbern aufgefallen. Ein großer Fehler, denn so ist mir die wunderbar verwobene und phantastische Lektüre lange Zeit vorenthalten worden.
Soeben habe ich in zwei Tagen das wundervolle Buch von Peter V. Brett "Das Lied der Dunkelheit" gelesen. Fast 700 Seiten faszinierender Entwicklungen und Ereignisse. Eine harte, erschreckende Welt, die dennoch märchenhaft und oft sogar heimelig wirkt. Diese Welt formt den jungen Arlen, den Held des Romanes. Sie formt ihn in einer Art, die dem Leser die Gänsehaut über den Rücken jagt. Ein faszinierendes Buch über einen scheinbar hoffnungslosen Kampf. Ein Buch über Mut und Verzweiflung und die Stärke des Individuums und seine Schwäche. Das Buch hat mich gefesselt, fasziniert, erschreckt und umgarnt. 700 Seiten können wie im Flug vergehen.
2 x Neil Gaiman, 2 x ein Kinderbuch, 2 x geht es um Angst und darum sie zu besiegen. Und um 2 moderne Mädchen, die emanzipiert von tradierten Rollenklischees, selbstbewusst ihre Wünsche äußern und gewitzt im Umgang mit Technik und Schwierigkeiten sind. Mit Grips, viel Mut und Unbestechlichkeit stellen sie sich ihren Gegnern und behalten damit die Kontrolle über die Situation. Sie geben nicht auf und setzen sich für das ein, was ihnen am Herzen liegt. Abspeisen läuft nicht…
Zwei kurze Lese-Tipps möchte ich an dieser Stelle loswerden. Bei der allgemeinen Frustration, die ein gewisser Herr Martin durch seine anhaltende Schreibmüdigkeit verbreitet, liegt es mir sehr am Herzen aufzuzeigen, dass es andere Autoren gibt, die mit der Qualität seiner Winterfell-Romane zumindest gleichziehen, es jedoch geschafft haben den Leser nicht durch jahrelanges "in der Luft hängen und auf Fortsetzung warten" zu quälen.
Meine zweite Empfehlung ist für mich persönlich das stärkste, was ich in dieser Strömung der Fantasy gelesen habe. Die gesamte Trilogie ist bereits als Hardcover bei Klett Cotta erschienen und demnächst kommt auch als Taschenbuch der letzte Band beim Heyne Verlag heraus. R. Scott Bakker stellt in seinem "Krieg der Propheten" hohe Ansprüche an den Leser. Sein Werk fordert aufmerksames Lesen und seine philosophischen Hintergründe sind teilweise wirklich anspruchsvoll. Dafür bekommt der Leser eine unglaubliche Vielfalt und Hintergründigkeit geboten. Die Mühe, die es anfänglich macht, Bakkers anspruchsvollen Stil und seine Vielschichtigkeit zu durchschauen wird mit fortschreitendem Lesen absolut belohnt. Wer sich die Mühe Macht, diese drei wunderbaren Bücher zu lesen wird meine Begeisterung verstehen. Viele Aspekte der Trilogie sind Bilder unserer Welt und wer ein wenig nachdenken will wird durch die Lektüre bestimmt viele Anstöße bekommen.
Nein keine Angst, keine Remake des Klassikers mit Charles Bronson. Der Gerd legt nur zur Zeit die Datensätze für die neuen zu erwartenden Taschenbücher in unserer Datenbank an. Und wer glaubt, dass es bis jetzt schon viele Vampirromane gab, dann wartet mal auf das nächste Halbjahr. Und sie haben alle so einfallsreiche Titel, wie Blutspiel, Blutspur, Blutlinien, Blutrache, Blutwurst. Alle Titel kommen übrigens schon mehrfach vor, was beim Inhalt sicherlich auch der Fall ist. Die Spreu vom Weizen zu trennen ist hier echt schwer. Wir geben uns ja Mühe, aber wer will denn überhaupt so viele Vampirschinken lesen, um das zu schaffen.
Rumo und die Wunder im Dunkeln
Gedankenhaie (The Raw Shark Texts)
Blumen für Algernon
Die Wand
Die Triffids
Ausgebrannt
Das gestohlene Kind
Die Maske der Verräter
Nocturna
Seide und Schwert
Titel: Am Vorabend der Ewigkeit (Hothouse bzw. The Long Afternoon of Earth)


