Der König und ich: Warum der kurze King der bessere King ist?!
von MITCH am 22. April 2026 2 Kommentare
Stephen King und ich: Weniger ist oft mehr
Wenn ich auf meine Regale blicke, wird eines schnell klar: Stephen King ist der Schriftsteller, von dem ich mit Abstand die meisten Bücher gelesen habe. Was mich an ihm seit jeher fasziniert, ist seine unglaubliche Nähe zu uns Menschen. Er schafft es wie kaum ein anderer, das Menschsein in all seinen Facetten – den hellen wie den tiefschwarzen – so authentisch einzufangen. Seine Sprache ist bildhaft, eindrücklich und dabei wunderbar flüssig zu lesen.
Mit einem King-Buch macht man eigentlich nie etwas falsch. Sieht man mal von ganz wenigen Ausnahmen wie Talisman oder – bitte nicht aufschreien! – dem Dunklen Turm ab, aber das ist Stoff für einen anderen Beitrag. Bald habe ich die Häfte seiner im deutschsprachigen Raum erschienenen Werke gelesen, viele davon regelrecht verschlungen.
Stand April 2026 blicken wir hierzulande auf stolze 85 eigenständige Bücher. Diese beeindruckende Zahl setzt sich aus 70 Romanen und Novellen (inklusive der Bachman-Bücher), 13 Kurzgeschichten-Sammlungen und zwei Sachbüchern zusammen. Zuletzt erschienen im Juni 2025 der Roman "Kein Zurück" sowie Ende 2025 die Anthologie "Hänsel und Gretel". Nach all diesen Seiten habe ich eine ganz eigene Theorie entwickelt: Der kürzere Stephen King ist der bessere Stephen King.
Die Theorie vom ungekürzten Meister
Man hört oft, dass King seit seinem gewaltigen Erfolg eine so starke Position innehat, dass Verlage seine Manuskripte faktisch ungekürzt und ohne das früher übliche, straffende Lektorat veröffentlichen. King arbeitet natürlich immer noch mit Lektoren zusammen, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass ein Megastar seines Kalibers deutlich mehr kreative Freiheit genießt. Wo jungen Autoren 200 Seiten gestrichen werden, bleiben sie bei King heute stehen.
Das ist aus meiner Sicht nicht immer der bessere Weg für uns Leser. King selbst gibt mir in seinem Sachbuch "Das Leben und das Schreiben" recht. Dort erklärt er sehr intensiv das Handwerkszeug eines Schriftstellers und erhebt das rigorose Kürzen des eigenen Textes fast schon zu einer heiligen Pflicht. Seine berühmte Faustformel für die Überarbeitung lautet: Zweite Fassung = Erste Fassung minus 10 Prozent. Wer erfolgreich Belletristik schreiben will, so King, müsse lernen, Ballast abzuwerfen. Doch hier liegt die Ironie: Während er das Kürzen zum Einmaleins des Schreibens erklärt, gibt er im selben Atemzug zu, dass er dieses Gesetz selbst oft missachtet: Er genießt seit geraumer Zeit die Freiheit, seine Geschichten genau so ausufernd zu erzählen, wie er es möchte – ohne dass ihm ein Lektor den Rotstift ansetzt.
Seine ausufernden Romanwelten sind zwar einnehmend, aber die wahre Brillanz liegt für mich in seinen Werken mit Verdichtung. Meine Theorie vom ungekürzten Meister wird durch meine persönliche Top 10 untermauert: Hier finden sich überwiegend seine kürzeren Erzählungen, in denen die Handlung einen massiven Sog entwickelt, eben weil unnötiges Colorit wegfällt.
Hier ist mein Ranking für euch. Freilich stellt diese Aufstellung nur meinen eigenen Lesegeschmack dar – und darüber lässt sich bekanntermaßen gut streiten!
Meine TOP 10 des Königs
Platz 10: Sara
Ein trauernder Witwer sucht in einem einsamen Sommerhaus Ruhe und findet stattdessen die rachsüchtigen Echos einer dunklen Vergangenheit. Aus meiner Sicht ist dies ein eher leises Buch, aber trotzdem intensiv und faszinierend. Es geht um einen Schriftsteller, den tragischen Tod seiner Frau und um Geister. Für mich ist es einfach ein schönes Buch mit leicht unterschwelligem Grusel und einer ganz eigenen Form von Magnetismus.
Platz 9: Misery
Was als Rettung nach einem Autounfall beginnt, wird für einen Bestsellerautor zum grausamen Kammerspiel unter der Aufsicht seines größten Fans. Auch hier ist es wieder die Atmosphäre und diese spezielle Elektrizität zwischen unserem Helden und der verrückten Krankenschwester, die mich gepackt hat. Als absoluter Page-Turner ließ mich das Buch beim Lesen wirklich Ängste ausstehen.
Platz 8: Das Mädchen
Ein harmloser Familienausflug verwandelt sich in einen existenziellen Albtraum, als eine Neunjährige die Spur im Wald verliert und dem Unbekannten gegenübersteht. Es ist vielleicht der Roman, der mich auch rückblickend am meisten fasziniert und erschreckt, weil das Setting wirklich heftig ist. Ein junges Mädchen verirrt sich im Wald und das einzige, was sie überleben lässt, ist die Hoffnung, ihr Radio und Baseball.
Platz 7: Es
In den Abwasserkanälen einer Kleinstadt lauert ein uraltes Grauen, das alle 27 Jahre erwacht, um sich an den Ängsten der Kinder zu weiden. Ich liebe hier vor allem die Geschichte rund um den Losers Club und die Atmosphäre, die Stephen King in diesem monumentalen Werk erschaffen hat. Es ist stellenweise etwas abgedreht und weitschweifig, aber insgesamt einer der besten Horror-Romane, die je geschrieben wurden.
Platz 6: The Green Mile
Hinter den Mauern eines Todestrakts begegnet ein Wärter einem sanftmütigen Riesen, dessen übernatürliche Gabe die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt. Das Buch ist für mich einfach nur brillant. Es geht um die Herzen der Menschen angesichts des Todes, die Ungerechtigkeit der Todesstrafe und einen Bösewicht, der keiner ist. Das sorgte bei mir für Gänsehaut.
Platz 5: Dead Zone – Das Attentat
Nach fünf Jahren im Koma erwacht Johnny Smith mit der Fähigkeit, durch bloße Berührung in die Zukunft zu blicken – eine Gabe, die ihn vor eine unmenschliche Wahl stellt. Der Plot und die Handlung sind aus meiner Sicht einmalig erzählt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen und dieses Werk hat mich ganze Nächte gekostet.
Platz 4: Zwischen Nacht und Dunkel
Vier abgründige Novellen zeigen uns, wie schnell das normale Leben eines Menschen durch Rache oder Schicksal in einen blutigen Abgrund stürzen kann. Diese Sammlung bietet vier knallharte und unter die Haut gehende Kurzgeschichten von gewöhnlichen Menschen in extremen Situationen mit einem Unterhaltungswert, der seinesgleichen suchen dürfte.
Platz 3: Dolores
Während einer polizeilichen Vernehmung bricht eine alte Haushälterin ihr Schweigen über ein Leben voller Entbehrungen und eine Gewalttat, die Jahre zurückliegt. Dolores ist aus meiner Sicht das Buch mit dem meisten Mitgefühl und mit der größten erzählerischen Brillanz. Ich habe beim Lesen dieser Geschichte Tränen geweint.
Platz 2: Cujo
In der brütenden Hitze eines Sommers wird ein defektes Auto zum Käfig, während vor der Tür ein einst friedlicher Bernhardiner zur tollwütigen Bestie mutiert. Cujo hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen und hat einen Sog auf mich ausgeübt, wie es nur ganz selten Bücher machen. Zudem fand ich das Ende extrem hart und gleichzeitig extrem gut. Für mich sein bester Roman.
Platz 1: Frühling, Sommer, Herbst und Tod
Vier meisterhafte Novellen führen uns durch die Jahreszeiten der menschlichen Seele – von der Hoffnung eines unschuldig Inhaftierten bis zur Entdeckung des Todes durch vier Kinder. Dies ist für mich das beste Buch, das jemals von King geschrieben wurde, seine beiden Geschichten "Die Leiche" und "Pin-Up" sind legendär!
Erster Tipp: Danse Macabre – Die Welt des Horrors
Für alle, die noch tiefer in die Materie eintauchen wollen, möchte ich explizit "Danse Macabre – Die Welt des Horrors" empfehlen. Dieses Buch ist für mich das Grundlagenwerk über die Geschichte des Horrors in Film und vor allem Literatur vom viktorianischen Zeitalter bis heute. In zehn Kapiteln widmet sich King hier intensiv und mit seiner sehr unterhaltsamen Schreibe dem Genre des Horrors. Das Buch ist bereits ab der ersten Seite sehr lesenswert; allein die Vorworte mit fast 60 Seiten bieten einen enormen Mehrwert. Neben einem Nachwort enthält das Werk zudem eine fantastische Liste von Vorschlägen zu Romanen und Kurzgeschichtensammlungen, die den gesamten in "Danse Macabre" besprochenen Zeitraum abdecken. Es geht dabei um Bücher, die aus Sicht von Stephen King für das Genre wegweisend waren. Er hat diese Liste von etwa 100 Werken zusätzlich bewertet und jedem Buch ein Sternchen (*) gegeben, das seiner Meinung nach besonders wichtig ist. Für mich ist dieses Buch ein Juwel für das Genre, doch eine Warnung sei erlaubt: Wer dieses Buch liest, wird seinen Stapel ungelesener Bücher danach unweigerlich um mehrere Dutzend Titel erweitern. Das ist einerseits im Sinne großartiger Entdeckungen sehr positiv, führt andererseits jedoch im wahrsten Sinne des Wortes zu weiterem Platzmangel im heimischen Regal. Gewidmet hat King dieses Werk übrigens sechs großen Autoren des Makaberen: Robert Bloch, Jorge Luis Borges, Ray Bradbury, Frank Belknap Long, Donald Wandrei sowie Manly Wade Wellman.
Zweiter Tipp: Holly Gibney
Besonders bei seinem neuesten Werk "Kein Zurück" zeigt sich Kings Vorliebe für vertraute Gesichter, denn hier steht erneut Holly Gibney im Mittelpunkt – seine erklärte Lieblingsermittlerin. Aber hier ist Vorsicht geboten: Wer die Geschichten rund um Holly in der falschen Reihenfolge liest, manövriert sich unweigerlich in massive Spoiler-Fallen, da die Charakterentwicklung und die Ereignisse der vorangegangenen Fälle essenziell aufeinander aufbauen. Damit ihr das volle Leseerlebnis ohne böse Überraschungen genießen könnt, empfehle ich euch dringend, diese sieben Bücher in der genau richtigen chronologischen Abfolge zu lesen: Den Anfang macht die Bill-Hodges-Trilogie mit 1. "Mr. Mercedes", gefolgt von 2. "Finderlohn" und 3. "Mind Control". Danach solltet ihr zum Roman 4. "Der Outsider" greifen, bevor ihr die Novelle 5. "Blutige Nachrichten" (aus der gleichnamigen Sammlung) lest. Erst danach seid ihr bereit für den Roman 6. "Holly" und findet schließlich mit dem aktuellen Werk 7. "Kein Zurück" den vorläufigen Abschluss dieser großartigen Reise.
Fazit
Mich faszinieren gar nicht so sehr seine übernatürlichen Geschichten sowie geisterhaften Horrorstories. Es sind eher seine "normalen" Erzählungen von gewöhnlichen Menschen in außergewöhnlichen Situationen, die mich wirklich packen; der "Horror" im echten Leben wiegt oft schwerer, oder was meint Ihr?
Stephen King und ich: Weniger ist oft mehr
Wenn ich auf meine Regale blicke, wird eines schnell klar: Stephen King ist der Schriftsteller, von dem ich mit Abstand die meisten Bücher gelesen habe. Was mich an ihm seit jeher fasziniert, ist seine unglaubliche Nähe zu uns Menschen. Er schafft es wie kaum ein anderer, das Menschsein in all seinen Facetten – den hellen wie den tiefschwarzen – so authentisch einzufangen. Seine Sprache ist bildhaft, eindrücklich und dabei wunderbar flüssig zu lesen. den ganzen Beitrag lesen…
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Arena:
Games Workshop:
Klett Cotta:
Lily Seafield
Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
Der BuCon* war auch in diesem Jahr wieder eine große Freude und ein Füllhorn der Inspiration. Schon meine Vorfreude war allein dadurch nochmal gesteigert, dass Bernie relativ desillusioniert von seinem Buchmesse-Tripp am Mittwoch zurückgekehrt war. Auch wenn das Konzept des BuCon die großen Verlage nicht einschließt und auch räumlich gar nicht stemmen könnte, trifft sich an besagtem Samstag während der Buchmesse, in Dreieich unweit von Frankfurt, doch (fast) alles, was Rang und Namen in der deutschsprachigen Phantastik hat.
Kleine Geschichte: Der BuCon wurde Mitte der 80er Jahre ins Leben gerufen um eine Plattform für Phantastik-Begeisterte und Phantastik-Schaffende zu bilden. Als thematische Ergänzung oder Erweiterung zur damals noch sehr konservativen Ausrichtung der Buchmesse. Seit 2000 findet die Veranstaltung in Dreieich statt und die Räume der Bürgerhäuser sind regelmäßig prall gefüllt und gut besucht. Neben den mehr als 50 Ausstellern geht die Hauptanziehungskraft von den zahlreichen Veranstaltungen aus. Lesungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge und Preisverleihungen.
Der BuCon ist weniger ein Messeveranstaltung, als einfach ein Treffen Gleichgesinnter. All die Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger, Künstlerinnen und Künstler live vor Ort zu treffen macht einfach gute Laune und schmeichelt der eigenen Fanseele. Für mich eine echte Energietankstelle. Die Stimmung, die Leute und das ganze Drumherum beflügeln und befriedigen den Fanboy in mir. Auch wenn ich mir vielleicht noch mehr Akzeptanz und Mitwirken seitens der großen und mittleren Verlage wünschen würde, um den Stellenwert der Veranstaltung und des Genres weiter anzuheben, ist die Veranstaltung so wie sie ist schon eines der Highlights meines buchhändlerischen Jahres. Und Platz wäre in den aktuellen Räumen eh nicht mehr.
Jetzt zurück, voller Eindrücke und toller Ideen kann ich euch nur, wie jedes Jahr anraten, beim nächsten BuCon dabei zu sein. Danke an die Orga und an all die Künstlerinnen, Teilnehmer, Verlegerinnen und Autoren. Es war wieder eine Freude…
Stephen King
Michael Marrak
Stephen King
Thomas Finn
Stephen King
Dietmar Dath
Mitch schreibt viele Rezis für unsere Seite und trägt damit zur Vielfalt und Diversität bei. Wie jeder unserer Autoren hat er einen ganz eigenen und subjektiven Blick auf die Szene. Dieser einzigartige Blickwinkel steht ab und an ein wenig außerhalb meines eigenen Horizontes. Ich selbst bin natürlich außer Fanboy auch noch Verkäufer und Ladeninhaber. Deswegen gibt es ab und an auch Bücher, die mir weniger munden, weil Beispielsweise die Konditionen sehr schlecht sind oder das Werk nicht mehr lieferbar ist.
Jeff Strand
Dan Simmons
Ronald Malfi
Robert McCammon
Neil Gaiman
Anne Rice
Kurd Laßwitz
Detlef Münch
Iain Banks
Stephen King
Torsten Sträter
The Dandy Is Dead präsentiert
Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
Joshi, S. T.
Denis Scheck
Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
Wer gerne mehr von seinem profunden Wissen profitieren möchte, dem lege ich einmal mehr an dieser Stelle das
The Dandy Is Dead präsentiert
The Dandy Is Dead präsentiert
Buchmesse ist Arbeit, Trubel und in Zeiten heutiger Informationsflüsse wesentlich weniger relevant, als zu früheren Zeiten. Besonders für uns als Spezialbuchhandlung für Phantastik, die bei den großen Verlagshäusern deutlich an Stellenwert verloren zu haben scheint. Umso schöner, dass es den BuCon gibt, wo sich die Crème de la Crème deutscher Phantastikschaffender die Klinke in die Hand gibt, mit Menschen, die das Genre und Bücher an sich lieben. Wie sonst käme es zu wunderschönen Verlagsnamen wie "PAPIERVERZIERER"?
Als Highlight für mich persönlich konnte ich das nette Gespräch mit einem alten Bekannten verbuchen, der mir gleich am Vormittag (wo ich es natürlich noch nicht wusste) sein ernstgemeint bescheidenes Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht hat, dass er (wie sich später herausstellt, neben Erik Schreiber) einer von zwei diesjährigen Preisträgern sein wird. Und zwar für das Lebenswerk. Da kann ich mich nur anschließen. Gratulation und flammende Zustimmung von mir persönlich, Werner Fuchs. Du hast vielleicht im Einzelnen weniger bewirkt oder geschaffen als andere, aber du bist eben der gute Geist der Phantastik. Netzwerker und Allrounder. Über Genres und Grenzen hinweg und ja, als Lebenswerk kann man das mit Sicherheit betrachten, egal, wie viel noch von dir geleistet werden wird.




Zum Gratis Rollenspiel Tag 19.03.2016:
Mit von der Partie wird auch wieder Rollenspieler-Autor und
Ich hab grad noch einen ausführlichen Beitrag zur Ork Con hochgestellt. Wer also mehr wissen will, kann
Über die Cave Con haben wir hier schon
Neben all diesen Rollenspiel-Events dürft ihr den Mittwoch nicht vergessen! Da kommt 
Mittlerweile hat Tom sein Repertoire an Romanen um einiges erweitert. Fantasy, Science Fiction, Jugendbücher, Urban Fantasy und jetzt auch Krimis. Tom muss sich keinesfalls hinter anderen deutschen Größen der Phantastik verstecken und – und das vor allem – er ist einfach ein begnadeter Vorleser.
Ihr könnt euch also auf einen unterhaltsamen Abend mit Tom freuen. Die Lesung findet am Mittwoch, 16. März ab 18:00 Uhr hier bei uns statt. Wir arbeiten gerade noch an einer Ausweichlocation in der AMV. Das wäre dann ja genau gegenüber, also auch kurzfristig kein Problem – nur für den Fall, dass es sonst hier zu voll wird…




Stephen King
Über Thomas Ligotti zu schreiben, stellt für mich stets eine gewisse Herausforderung dar. Zwar habe ich in einschlägigen Foren oder persönlichen Gesprächen schon das eine oder andere Wort über ihn verloren, aber an ein konzentriertes und ausführliches Statement habe ich mich bisher nicht gewagt. Zum Teil aus dem Gefühl heraus, „dem“ nicht gerecht zu werden. Aber auch aufgrund der Wirkung Ligottis Geschichten auf meine eigene Stimmung. Der 1953 in Detroit geborene Autor befleißigt sich einer fast schon poetischen Sprache, seine Geschichten sind zu einem guten Teil Spiegel seiner eigenen, dunkel gefärbten Weltsicht. Diese wiederum begründet sich in den psychischen Problemen Ligottis, bei dem eine bipolare Störung (manisch-depressive Störung) diagnostiziert wurde und der u. a. mit Agoraphobie („Platzangst“) und Anhedonie (die Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden) zu kämpfen hat. Das führt zu einer besonderen Atmosphäre in den Kurzgeschichten des zurückgezogen lebenden Schriftstellers, die im besten Sinne verstörend und dadurch vielfach erschreckender ist, als es die Blut- und Gewaltorgien einiger Kollegen Ligottis jemals sein werden. So ist er der einzige Autor, dessen Erzählungen ich bewusst nur in Maßen goutiere, da zu viel auf einen Schlag bei mir zu nicht zu verachtenden Stimmungseinbrüchen führt.