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Bücher – muss man eigentlich nicht erklären. In unserem Fall als Überbegriff für alle Arten phantastischer Literatur – traditionell vor allem Fantasy und Science-Fiction. Kommt einfach nach Würzburg und besucht uns in Hermkes Romanboutique.

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Islington II: Die Hierarchie

von am 19. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • James Islington
    Hierarchie-Trilogie
    Band 1: The Will of the Many
    Ü: Gerda M. Pum
    Berlin, Adrian Wimmelbuch Verlag, 2025, 792 S.
    ISBN 9783985852963/ 14,95 Euro
    Paperback

Ich hatte es ja gerade von Islington, dem Adrian Wimmelbuch Verlag und der Licanius Saga. Natürlich muss ich jetzt auch ein paar Takte zu seiner Hierarchie-Saga loswerden, obwohl der Abschlussband noch fehlt.

Auch die Hierarchie Saga ist als Trilogie angelegt:
Band 1: The Will of the Many (Adrian Wimmelbuchverlag )
Band 2: The Strength of the Few (Adrian Wimmelbuchverlag )
Band 3: The Justice of One (Noch nicht erschienen. Frühestens 2027 in englisch)

Die Welt ist stark von der römischen Antike inspiriert und wird von der expansiven Catenischen Republik beherrscht. Das Gesellschafts- und Machtsystem basiert auf einer strikten Pyramide: Der Hierarchie. Menschen der untersten Ränge treten durch ein magisches Ritual einen Teil ihrer physischen und mentalen Lebenskraft (ihren „Willen“ / Will) an die nächsthöhere Stufe ab. Diese Energie fließt pyramidenartig nach oben. Folglich verfügen die Herrschenden an der Spitze (die Senatoren und Prätoren) über unglaubliche Macht. Die gebündelte Stärke, Schnelligkeit und Sinneskraft von tausenden Untertanen. Was sie fast unbesiegbar macht.

Wer sich dem System verweigert oder rebelliert, wird gnadenlos exekutiert oder versklavt.

Die grundsätzliche Vorgeschichte: Der Protagonist Vis ist in Wahrheit Diago, der letzte überlebende Prinz der Insel Suqrath, die von der Hierarchie erobert und deren Königsfamilie hingerichtet wurde. Vis lebt unter falscher Identität im Verborgenen, um dem System nicht seinen Willen übergeben zu müssen. Seine Tarnung fliegt jedoch vor einem mächtigen Senator auf.

Statt ihn zu töten, adoptiert der Senator den Jungen und schickt ihn an die Akademie der Catenischen Republik – die elitäre Kaderschmiede der Oberschicht. Und hier beginnt ein gefährliches Dreiecksspiel.

Für seinen Adoptivvater soll er an der Akademie aufsteigen und den mysteriösen Tod von dessen erstem Adoptivsohn aufklären.

Eine Rebellenorganisation erpresst ihn, als Spion innerhalb der Akademie zu agieren.

Und für sich selbst versucht Vis, schlicht zu überleben, seine wahre Identität zu wahren und einen Weg zu finden, der Hierarchie zu entkommen.

Das Leben an der Akademie ist geprägt von akademischem Drill, politischen Intrigen und lebensgefährlichen Prüfungen (nicht besonders neu, aber wirklich gut beschrieben). Islington verbindet das bekannte (Name des Windes, Harry Potter usw) Setting einer magischen Akademie mit dem brutalen Konkurrenzkampf und der Gesellschaftskritik großer Dystopien. Er erzählt die Geschichte streng aus Vis’ Ich-Perspektive. Vis ist ein hochintelligenter, taktisch agierender Protagonist, der ständig unter enormem Druck steht, weil jeder falsche Schritt seinen Tod bedeutet. Das Tempo ist hoch, die Wendungen sind präzise gesetzt und die Welt wirkt durch die lateinisch-römischen Anleihen relativ unverbraucht.

Islington neigt dazu, reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu vermeiden. Die Catenische Republik ist zwar grausam und ausbeuterisch, hat aber auch den Frieden zwischen einst zerstrittenen Reichen erzwungen. Die Frage für das Finale wird sein: Kann Vis die Hierarchie zerstören, ohne die Welt in ein noch schlimmeres Chaos aus Weltuntergang und Anarchie zu stürzen?

Und jetzt noch ein kleiner Spoiler. Was in Band eins noch nicht so viel zur Sache tut. Es gibt Portale und damit einen Multiversum-Aspekt (hat mich ein wenig an den Ewigen Helden von Moorcock erinnert). Der Cliffhanger von Band 1 enthüllt, dass das antike Portal Vis "geklont" bzw. seine Existenz in parallele Realitäten/Dimensionen aufgespalten hat. Da wird es wohl bald über die Grenzen der Catenischen Republik hinausgehen… 

  • James Islington
    Hierarchie-Trilogie
    Band 1: The Will of the Many
    Ü: Gerda M. Pum
    Berlin, Adrian Wimmelbuch Verlag, 2025, 792 S.
    ISBN 9783985852963/ 14,95 Euro
    Paperback

Ich hatte es ja gerade von Islington, dem Adrian Wimmelbuch Verlag und der Licanius Saga. Natürlich muss ich jetzt auch ein paar Takte zu seiner Hierarchie-Saga loswerden, obwohl der Abschlussband noch fehlt.

Auch die Hierarchie Saga ist als Trilogie angelegt:
Band 1: The Will of the Many (Adrian Wimmelbuchverlag )
Band 2: The Strength of the Few (Adrian Wimmelbuchverlag )
Band 3: The Justice of One (Noch nicht erschienen. den ganzen Beitrag lesen…

Islington I: Die Licanius Saga bei Adrian Wimmelbuch

von am 17. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • James Islington
    Licanius-Trilogie
    Band 1: The shadow of what was lost
    Ü: Ruggero Leò
    Berlin, Adrian Wimmelbuch Verlag, 2026, 784 S.
    ISBN 9783985853847/ 20,00 Euro
    Paperback

Dass ambitionierte Fantasy-Trilogien bei großen Verlagen mitten im Verlauf abgebrochen werden, ist für alle Leser enttäuschend. Für mich ist es eine Katastrophe mittleren Ausmaßes. Nicht nur, dass ich es persönlich hasse, ich sehe auch eine zunehmende (Kauf)Unlust durch Frust, in einem eh schon zerrütteten Markt. Der Droemer Knaur Verlag veröffentlichte ab 2017 die ersten beiden Bände der Licanius-Saga (Das Schattenbild und Das Schild des Schweigens) auf Deutsch, stellte die Übersetzung jedoch vor dem finalen dritten Band ein. Wie so oft (und auch immer wieder lobend von uns erwähnt) schließt ein relativ kleiner und unbekannter Verlag jetzt diese Lücke und bringt die wirklich lesenswerte High-Fantasy-Trilogie von James Islington (endlich vollständig) nach Deutschland.

Den Hintergrund für das erneute Interesse an Islingtons Debütwerk bildet der Erfolg seines Romans "The Will of the Many" (Die Hierarchie-Saga / ebenfalls bei Adrian Wimmelbuch). "The Will of the Many" hat mich unglaublich gepackt. Trotzdem sie streng aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Vis erzählt wird, was für mich immer einen pulpigen Anstrich hat, baut er vor einem römisch inspiriertem Hintergrund eine komplexe, schwer einordenbare Geschichte auf. Irgendwie als Dystopie mit Akademie-Setting.

Im Gegensatz dazu bedient sich die Licanius-Saga an klassischen High-Fantasy-Motiven. Was mich absolut nicht gestört hat. Auch ich habe die beiden ersten Bände bereits bei Knaur gefeiert… und bin jetzt sehr froh über die neuen Ambitionen des Adrian Verlages. Hoffentlich geschieht da noch einiges.

Die Licanius-Saga erzählt ihre Geschichte aus mehreren Perspektiven. Ähnlich dem gängigen Usus von Sanderson oder McClellan besteht in Islingtons Trilogie ein komplexes Magiesystem. In der Welt Andarra wurde, zwei Jahrzehnten vor dem Start der Handlung, die Herrschaft der Auguren – mächtiger Magier mit der Fähigkeit, die Zukunft zu sehen – in einer blutigen Rebellion gewaltsam beendet. Seitdem leben die sogenannten Begabten, die den Auguren einst dienten, unter strenger Überwachung. Sie sind an die „Vier Prinzipien“ gebunden, die den Einsatz ihrer Magie, der sogenannten Essenz, drastisch einschränken und kontrollieren.

Die Geschichte setzt an einer Akademie für Begabte ein. Der junge Protagonist Davian hat Schwierigkeiten, die reguläre Essenz-Magie zu beherrschen.Was jetzt wie eine beliebige Akademie / Coming of Age / Entwicklungsroman Geschichte ablaufen könnte, geht aber weit in philosophische Fragen von Kausalität und Freiem Willen hinein. Ich will damit nicht sagen, dass Islingtons Erstling ein philosophisches Werk wäre, sondern dass es unglaublich spannend ist, wie er sein Weltenkonstrukt als Laborumgebung für tatsächlich interessante Zusammenhänge aufgestellt hat. Neben der vordergründigen Handlung sind die Beweggründe der Protagonisten, deren Suche nach Wahrheiten und deren ständiges Hinterfragen scheinbarer Tatsachen überzeugend und wirklich spannend eingeflochten.

Die Trilogie besteht aus den drei Bänden The Shadow of What Was Lost, An Echo of Things to Come und The Light of All That Falls.

Das allerbeste ist, dass Islingtons Plott sich durch vorausschauend platzierte Details auszeichnet, die immer wieder logisch zusammengeführt werden. Ich bin also allerbester Hoffnung, dass wir im Dezember dieses Jahres ein perfekt passendes Finale der Trilogie in deutscher Sprache vorliegen haben werden.

  • James Islington
    Licanius-Trilogie
    Band 1: The shadow of what was lost
    Ü: Ruggero Leò
    Berlin, Adrian Wimmelbuch Verlag, 2026, 784 S.
    ISBN 9783985853847/ 20,00 Euro
    Paperback

Dass ambitionierte Fantasy-Trilogien bei großen Verlagen mitten im Verlauf abgebrochen werden, ist für alle Leser enttäuschend. Für mich ist es eine Katastrophe mittleren Ausmaßes. Nicht nur, dass ich es persönlich hasse, ich sehe auch eine zunehmende (Kauf)Unlust durch Frust, in einem eh schon zerrütteten Markt. den ganzen Beitrag lesen…

Nanoraptoren

von am 12. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • P. M.
    NANORAPTOREN.
    Berlin, Hirnkost, 2026, 490 S.
    ISBN 978-3-98857-172-4, 28,00 Euro
    Hardcover

»Es ist barbarisch, beim Frühstück witzig sein zu müssen«. […] »Ich bin nicht witzig«. […] »Ich auch nicht, aber ich verfüge über eine Abteilung für angewandten Humor«. (S. 225)

Wer, wie der 1947 geborene Schweizer Autor Hans Widmer (alias P. M.), die 1960er Jahre aktiv miterlebt hat und noch etwas vom damaligen „Weltgeist“ intus hat, neigt inzwischen vermutlich dazu, die Gegenwart des Jahres 2026 nicht mehr ganz so ernst zu nehmen wie die nach der Jahrtausendwende Geborenen.

Nach einigen sehr erfolgreichen Büchern in den 1980er Jahren pausierte P. M. einige Jahrzehnte und Widmer widmete sich der Entwicklung einer „ökosozialen Stadtkommune“ (Wikipedia). Seit einiger Zeit allerdings regt sich die alte Schreib- und Streitlust wohl wieder – und Klaus Farins Hirnkost Verlag bot den alten und neuen P. M.-Werken eine gern genutzte Plattform.
Trotz einiger Schwierigkeiten bei Hirnkost ist im Frühsommer 2026 der neue Science-Fiction-Roman von P. M. ausgeliefert worden, der den schönen Titel NANORAPTOREN trägt und im „Jahr 153.432 nach Einstein“ spielt. Jeder Versuch, dessen Inhalt näher zu definieren, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt, da P. M. seine wilde Mischung aus Space Opera, Utopie, Freundschaft, Missverständnissen und ganz viel Liebe in 67 völlig anarchistisch strukturierten Kapiteln erzählt, in denen mindestens ebenso viele Figuren ihren Wünschen, Bedürfnissen und Gedanken nachkommen bzw. ihnen ihren Lauf lassen.

Was Cixin Lius THREE-BODY PROBLEM für die Entwicklung der Chinesischen Science Fiction war, könnte NANORAPTOREN für die bisher weit unterschätzte Schweizerische sein.

Horst Illmer

  • P. M.
    NANORAPTOREN.
    Berlin, Hirnkost, 2026, 490 S.
    ISBN 978-3-98857-172-4, 28,00 Euro
    Hardcover

»Es ist barbarisch, beim Frühstück witzig sein zu müssen«. […] »Ich bin nicht witzig«. […] »Ich auch nicht, aber ich verfüge über eine Abteilung für angewandten Humor«. (S. 225)

Wer, wie der 1947 geborene Schweizer Autor Hans Widmer (alias P. M.), die 1960er Jahre aktiv miterlebt hat und noch etwas vom damaligen „Weltgeist“ intus hat, den ganzen Beitrag lesen…

Kobolde und Kuchenmesser

von am 10. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Travis Baldree
    Die Viv-Chroniken 3
    Kobolde und Kuchenmesser
    Ü: Wolfgang Thon
    (Brigands & Breadknives)
    München, dtv Verlagsgesellschaft, 2026, 464 S.
    ISBN 9783423264617/ 17,00 Euro
    Klappenbroschur

Gerade ist der dritte Teil von Travis Baldrees Viv-Chroniken erschienen. Da wollte ich gleich ein paar Zeilen dazu schreiben. Weil wir Band 1 Magie und Milchschaum alle total geliebt haben und ziemlich gut verkauft. Vorher wollte ich die Rezi dazu auf unserer Seite finden, um sie zu verlinken. Tja, da war die Vorstellung wohl anders als die Realität. Ich hätte schwören können, dass ich eine Begeisterte Rezi finden würde. Und zwar von Mister Endres. Falsch. Es gibt lediglich Treffer zu Podcast Folgen. Wir haben also akustisch darauf hingewiesen, aber nie etwas geschrieben.

Also ganz von vorne. Die Reise war nämlich bisher eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle.

Band 1, Magie und Milchschaum, war für mich damals eine absolute Sensation. Diese wunderbar liebenswerte Cosy Fantasy war wie ein Urlaub für die Seele. Ich wollte beim Lesen augenblicklich in diese gedachte Welt ziehen, den Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmen Zimtschnecken einatmen und einfach nie wieder weg. Es war die perfekte, meditative Komfortzone.

Umso mehr habe ich dann mit Band 2, Bücher und Barbaren, gehadert. Als Prequel konzipiert, fehlte ihm einfach die magische Aufbruchstimmung des Erstlings. Die Handlung wirkte seltsam unrund, stellenweise sogar inkonsistent, und die gemütliche Wärme war einem eher müden Trott gewichen. Ich hatte echte Sorge, dass die Luft schon raus ist.

Mit Kobolde und Kuchenmesser (Band 3) liegt nun die Wahrheit auf dem Tisch – und sie verlangt uns Lesern einiges ab. Wer gehofft hat, dass wir endlich wieder im gemütlichen Café in Thune sitzen und Viv beim Milchschaum-Schlagen zusehen, muss tapfer sein: Baldree lässt uns erst hoffen, dass es jetzt noch gemütlicher wird. Die Rättin Fern will ihre Bücher künftig neben dem Café ihrer alten Freundin Viv verkaufen. Mit einem köstlichen Kaffee in der Hand schmökert es sich doch am besten! Doch (fast wie in Lankhmar) mischt Teufel Alkohol die Karten neu. Baldree schickt uns stattdessen auf einen waschechten Roadtrip. Rund um die Buchhändlerin Fern, die Kopfgeldjägerin Astryx und die diebische Koboldin Zyll.

Diese Neuausrichtung wird die Leserschaft unweigerlich spalten. Wer die pure, konfliktfreie "Kuscheldecken-Ruhe" und die mütterliche Präsenz von Viv sucht, wird hier wohl endgültig abspringen – denn es wird durch die Flucht und die Scharmützel deutlich unruhiger und aktiver.

Wer sich aber auf diese neue Dynamik einlässt, wird reich belohnt: Ich liebe Fern und ich muss ehrlich sagen, dass diese deutlich abenteuerliche Erzählart für das Buch ein echter Gewinn ist. Die Grenzen der Stadt öffnen sich und wir bekommen einen spannenden Weitwinkel-Blick auf die Welt außerhalb des Cafés.

Für mich ist Band 3 vielleicht nicht die erhoffte Rückkehr in den Wellness-Urlaub aus Band 1, aber eine extrem charmante Versöhnung nach einem schwächeren zweiten Teil. Baldree kreist nicht um Althergebrachtes, sondern lässt seine Welt wachsen – man muss nur bereit sein, die Komfortzone des Cafés für ein Abenteuer zu verlassen. Ein wirklich mitreißendes und unterhaltendes Abenteuer.

  • Travis Baldree
    Die Viv-Chroniken 3
    Kobolde und Kuchenmesser
    Ü: Wolfgang Thon
    (Brigands & Breadknives)
    München, dtv Verlagsgesellschaft, 2026, 464 S.
    ISBN 9783423264617/ 17,00 Euro
    Klappenbroschur

Gerade ist der dritte Teil von Travis Baldrees Viv-Chroniken erschienen. Da wollte ich gleich ein paar Zeilen dazu schreiben. Weil wir Band 1 Magie und Milchschaum alle total geliebt haben und ziemlich gut verkauft. Vorher wollte ich die Rezi dazu auf unserer Seite finden, den ganzen Beitrag lesen…

Der Letzte Kreis

von am 5. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Anne Schröer
    DER LETZTE KREIS 1: VERHÄNGNIS.
    Meschede, Edition Roter Drache, 2026, 589 S.
    ISBN 978-3-96815-089-5 / 18,00 Euro

Im Jahr 267 nach dem Untergang des Technischen Zeitalters – also irgendwann im 24. Jahrhundert, vermute ich mal, – leben die meisten Menschen in ländlichen, vorindustriellen Gemeinschaften wie Dörfern, Clans oder umfangreichen Familienverbänden mit mehr oder weniger feudalen Herrschaftsstrukturen. Aber natürlich leben sie nicht in Frieden. Als nach einem Überfall durch eine feindliche Horde der Großteil von Adis Familie getötet oder verschleppt ist, bleibt der jungen Kriegerin nur noch, ihre Verletzung auszukurieren und sich dann zu rächen. Doch die dafür erforderliche Reise bringt Adi nicht nur in Kontakt mit sehr unterschiedlichen, mal mehr, mal weniger netten Menschen, sondern auch zu der Erkenntnis, dass sich die ganze Welt in einem Umbruch befindet – und ihr Racheplan womöglich ihr kleinstes Problem ist. Denn plötzlich erhebt sich ein uralter Feind der Menschheit, und um diese Gefahr zu bannen, sind bisher unvorstellbare Allianzen nötig.

Diese spannende Ausgangslage wird von Anne Schröer in VERHÄNGNIS, dem ersten Buch ihrer Science-Fiction-Trilogie DER LETZTE KREIS, das im Frühjahr 2026 erschienen ist, in Breitwand ausgemalt. Sie nimmt sich dabei viel Zeit, bringt ihre Protagonist*innen in Stellung, vermischt ihre Lebenswege gekonnt und erzeugt so eine intensive Verbindung von Handelnden und Lesenden, einen Sog, der niemals abnimmt und der die fast 600 Seiten wie im Flug vorbeiziehen lässt. Sehr gerne würde man sehr viel mehr darüber lesen, wie es weitergeht und ob es allen gelingt, das Ende dieser wundervollen Abenteuergeschichte lebend zu erreichen.

Vom Verlag ist zu hören, dass DER LETZTE KREIS eigentlich ein sehr langer Romantext war, der deshalb in drei Teile gepackt werden musste (kennt man ja irgendwie von großartigen Erzähler*innen, dass da die Romane etwas uferlos geraten). Die Bände 2 (ERWACHEN) und 3 (VERNICHTUNG) sollten in absehbarer Zeit erscheinen.

Horst Illmer

  • Anne Schröer
    DER LETZTE KREIS 1: VERHÄNGNIS.
    Meschede, Edition Roter Drache, 2026, 589 S.
    ISBN 978-3-96815-089-5 / 18,00 Euro

Im Jahr 267 nach dem Untergang des Technischen Zeitalters – also irgendwann im 24. Jahrhundert, vermute ich mal, – leben die meisten Menschen in ländlichen, vorindustriellen Gemeinschaften wie Dörfern, Clans oder umfangreichen Familienverbänden mit mehr oder weniger feudalen Herrschaftsstrukturen. Aber natürlich leben sie nicht in Frieden. Als nach einem Überfall durch eine feindliche Horde der Großteil von Adis Familie getötet oder verschleppt ist, den ganzen Beitrag lesen…

Exodus

von am 3. August 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Peter F. Hamilton
    Exodus
    Archimedes Engine 1 In die Ferne
    Ü: Manuela Würz
    (Exodus – Become the Traveler Teil 1)
    Dettenhausen, Pahlberg Verlag, 2026, 530 S.
    ISBN 9783988453006 / 17,90 Euro
    Klappenbroschur

In Windeseile habe ich meinen Lesestapel ignorierend Hamiltons Exodus gelesen (auf Deutsch natürlich wieder einmal geteilt in "In die Ferne" und "In die Heimat" / wartet lieber, ihr hängt echt in der Luft). Und anschließend habe ich ein wenig im Netz recherchiert, um mir ein paar Infos zu dem anstehenden Videospiel zusammenzusuchen. Und musste erst mal ungläubig den Kopf schütteln. Nicht wegen dem Spiel, sondern wegen seiner früheren Werke. Die Debatte, die da draußen in einigen Foren über Hamiltons angebliche "Sünden" der Vergangenheit tobt, lässt mich ziemlich sprachlos zurück.

Als langjähriger SF-Fan erinnere ich mich gern an seine Klassiker. Ja, da gab es Sex. Aber für uns war das damals kein billiger Schund, sondern verdammt konsequentes Worldbuilding! Hamilton dachte seine Zukunftsentwürfe einfach physikalisch und gesellschaftlich zu Ende.

Wie funktioniert Liebe in der Schwerelosigkeit? Und noch weiter… Wenn Hamilton beschreibt, wie die "Edenisten" (die im Gegensatz zu den "Adamisten" telepathische, gentechnisch modifizierte Fraktion) Intimität als Werkzeug zur mentalen Synchronisation nutzen, oder wie die Schwerelosigkeit Stellungen verändert, dann ist das Worldbuilding. Es ist das konsequente Durchdenken von "Was macht die Technologie mit unserer Biologie?".

Wie verändert genetische Unsterblichkeit unsere Moral? In der Commonwealth-Saga sind Menschen im Grunde unsterblich. Sie leben mehrere Jahrhunderte, wechseln ihre Körper wie Kleidung und behalten die Libido von 20-Jährigen. Dass sich dadurch die traditionelle bürgerliche Moral komplett auflöst und Intimität extrem beiläufig, fast schon sportlich konsumiert wird, ist ein absolut logisches soziologisches Gedankenspiel. Er nutzt das, um die Dekadenz und die Entfremdung dieser Post-Aging-Gesellschaften darzustellen.

Dass sich die heutige Online-Bubbles so lautstark darüber echauffiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet in einer Zeit, in der der Buchmarkt von hochgradig expliziter, oft peinlich flacher spicy Romantasy und Space Romance überschwemmt wird, wirkt die Kritik an Hamiltons technologischen Spielereien wie purer, selektiver Zeitgeist-Aktivismus.

In Exodus hat er diese intimen Details nun komplett gestrichen. Ein bisschen schade eigentlich – auch wenn dieser "Filter" wohl der massentauglichen Kooperation mit dem Entwicklerstudio Archetype Entertainment für das kommende AAA-Videospiel (Tripple-A steht für ein gewaltiges Budget) geschuldet ist. 

So, jetzt bin ich wieder einmal abgeschweift. Denn dem Buch selbst tut all das keinen Abbruch. Man hat auf keinen Fall das Gefühl eine runtergeschriebene Auftragsarbeit als Vorbereitung (Lore) für ein kommerziel im Vordergrund stehendes Spiel zu lesen. Das Worldbuilding rund um den Centauri-Cluster und die gottgleichen Celestials ist wieder einmal gigantisch, die Physik der Zeitdilatation gewohnt packend (obwohl das grundsätzliche Konzept in der SF alles andere als neu ist). Die engere Taktung durch das "Gaming-Korsett" tut seinem oft ausschweifenden Stil sogar richtig gut. Wer epische Space Operas liebt, wird diesen Neustart verschlingen. Obwohl ich mich ein wenig geärgert habe, dass das Buch "mittendrin" aufhört, habe ich es mit einem nostalgischen Lächeln zugeklappt… und freue mich (mindestens!) auf die Fortsetzung. Zum Glück muss ich nicht allzu lange warten. Teil zwei erscheint bereits am 21.08.2026 und ber geteilte zweite Band mit Helium Sea 1 und 2 im Oktober und November.

  • Peter F. Hamilton
    Exodus
    Archimedes Engine 1 In die Ferne
    Ü: Manuela Würz
    (Exodus – Become the Traveler Teil 1)
    Dettenhausen, Pahlberg Verlag, 2026, 530 S.
    ISBN 9783988453006 / 17,90 Euro
    Klappenbroschur

In Windeseile habe ich meinen Lesestapel ignorierend Hamiltons Exodus gelesen (auf Deutsch natürlich wieder einmal geteilt in "In die Ferne" und "In die Heimat" / wartet lieber, ihr hängt echt in der Luft). den ganzen Beitrag lesen…

Die Chronik der Weitseher

von am 27. Juli 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Robin Hobb
    DIE CHRONIK DER WEITSEHER:
    1) DIE GABE DER KÖNIGE.
    (Assassin’s Aprentice / 1995)
    2) DER BRUDER DES WOLFS.
    (Royal Assassin / 1996)
    3) DER ERBE DER SCHATTEN.
    (Assassin’s Quest / 1997)
    Ü: Eva Bauche-Eppers, Ill: Jackie Morris
    München, Penhaligon, 2026, 3 Bände mit zus. 2620 S. und 30 Farbtafeln und einer farbigen, mehrfach gefalteten Karte als Beilage.
    ISBN 978-3-7645-3376-2 / ISBN 978-3-7645-3377-9 / ISBN 978-3-7645-3378-6
    3 großformatige Hardcover mit dreiseitigem, illustrierten Farbschnitt und Lesebändchen. Jeweils 28,00 Euro

Einer der erfolgreichsten und beliebtesten Fantasy-Titel der 1990er Jahre war der dreiteilige Roman DIE CHRONIK DER WEITSEHER. Eine rasante Handlung, die fulminante Bildersprache und ein Detailreichtum sondergleichen waren die Zutaten zu einem Werk, welches von vielen mit Recht als Klassiker des Genres angesehen wird. Zum dreißigsten Jubiläum des Erscheinens von Band 1 hat der Penhaligon Verlag eine besonders schöne und liebevoll gemachte dreibändige Sonderausgabe herausgebracht, die es mir leicht gemacht hat, noch einmal in alten Erinnerungen zu schwelgen und meine Besprechung aus dem Jahr 2000 noch einmal durchzusehen. Damals schäumte ich vor Begeisterung nur so über und verfasste eine sechs Seiten lange, detaillierte Nacherzählung – die mir Hermke damals, durchaus zu Recht, um die Ohren haute, und die ich euch heute natürlich erspare.

Nüchtern betrachtet enthält diese Trilogie wenig, was man nicht auch schon in anderen Fantasyromanen gelesen hat. Ein unehelicher Spross des Königshauses als Held, ein böser Onkel als Verkörperung der dunklen Macht. Edelmut und Tragik, Opferbereitschaft der Guten, Grausamkeit der Bösen, Reisen durch eine Welt, in der Zauberei und Magie existieren. Trotzdem gibt es einzelne Aspekte die aus dieser Erzählung etwas Besonderes machen.

Die Protagonisten zeigen gleichermaßen die Stärken wie die Schwächen der Autorin. Während die Nebenfiguren durchaus ein gewisses „Eigenleben“ besitzen, wirken viele Aktionen und Gedanken der Helden sowie ihrer Gegenspieler als ob sie nur Figuren wären, die einem vorgegebenen Plan folgen müssen. Die Art und Weise, in der Fitz immer wieder alles falsch macht und trotzdem am Ende gewinnt, sind genretypisch, und vielleicht muss es ja auch so sein, aber gerade hier hätte man sich etwas mehr Improvisation gewünscht.

Das politische System der „Sechs Provinzen“ ist ein feudales und insofern nicht anders als in den meisten Fantasygeschichten. Das Bergreich jedoch hat eine Lebensweise entwickelt, die utopischen Charakter besitzt. Die dortigen Herrscher sind aus einer Richterkaste hervorgegangen. Der Amtsinhaber betrachtet sich als „Opfer“ für sein Volk. Er ist immer für jeden zu sprechen, stellt sich für Händel jeder Art als Ratgeber und notfalls als Geisel zur Verfügung und lebt ansonsten wie sein Volk in Einklang mit der Natur. Dieses fast ideale System wird zwar liebevoll beschrieben, funktioniert jedoch in Notzeiten auch nur dadurch, dass der Herrscher sein Volk belügt. Die Wahrheit zu sagen, ist im Bergreich letztlich genauso unmöglich wie in den Sechs Provinzen, wenn auch aus anderen Gründen.

Eine weitere Besonderheit sind die starken, durchgängig positiven Frauengestalten des Romans. Angefangen bei Molly, die sich ihren Fitz angelt und dann auch stark genug ist, sich von ihm zu trennen, über Kettricken, die in ihrer Rolle als „Opfer“ aufgeht, aber immer wieder Gefahren auf sich nimmt, um an­de­ren zu helfen, bis hin zu Merle, der Vagantin, die Fitz begleitet und ihm bei Bedarf auch mal den Kopf zurechtrückt. Die Waffenmeisterin Hod, die Gabenträgerin Krähe und viele weibliche Soldaten zeugen von einer Gesellschaft, in der Frauen einigermaßen gleichberechtigt neben den Männern stehen.

Als besonders originell empfinde ich die Konzeption der Drachen. Diese Wesen, „die Uralten“ genannt, werden in Notzeiten von magisch begabten Menschen erschaffen und gestaltet. Herausgehauen aus schwarzem Fels und mittels dieser Gabe bearbeitet, stellt jeder von ihnen ein einzigartiges Kunstwerk dar. Sie tragen in sich alles, was ihre Schöpfer an Kraft und Gefühlen besaßen. Nur das Zusammen­wirken von mehreren Personen vermag es dann, einen dieser Steinkolosse zu erwecken.

Für die Übersetzungsleistung von Eva Bauche-Eppers kann man nur höchste Bewunderung empfinden. Selten wohl ist ein Buch mit mehr Sprachkraft und Einfühlungsvermögen übertragen worden. Selten auch, dass einer Übersetzerin oder einem Übersetzer ein derart großer Wortschatz zur Verfügung steht. Diese Sprachqualität macht sicherlich einen der größten Reize der deutschen Buchausgabe aus.

Schließen möchte ich mit einem klugen Satz von J. R. R. Tolkien: „Helden gibt es viele; gute Drachen sind rar.“

Horst Illmer

  • Robin Hobb
    DIE CHRONIK DER WEITSEHER:
    1) DIE GABE DER KÖNIGE.
    (Assassin’s Aprentice / 1995)
    2) DER BRUDER DES WOLFS.
    (Royal Assassin / 1996)
    3) DER ERBE DER SCHATTEN.
    (Assassin’s Quest / 1997)
    Ü: Eva Bauche-Eppers, Ill: Jackie Morris
    München, Penhaligon, 2026, 3 Bände mit zus. 2620 S. und 30 Farbtafeln und einer farbigen, mehrfach gefalteten Karte als Beilage.
    ISBN 978-3-7645-3376-2 / ISBN 978-3-7645-3377-9 / ISBN 978-3-7645-3378-6
    3 großformatige Hardcover mit dreiseitigem,
  • den ganzen Beitrag lesen…

Die vierzig Sprachen des Regens

von am 15. Juli 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Kim Stanley Robinson
    DIE VIERZIG SPRACHEN DES REGENS.
    Grüne Erde 1.
    Ü: Barbara Slawig
    (FORTY SIGNS OF RAIN / 2004 & 2015)
    Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 365 S.
    ISBN 978-3-910914-56-8 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Nun also doch noch: Gut 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung der GRÜNE ERDE-Trilogie von Kim Stanley Robinson liegt mit DIE VIERZIG SPRACHEN DES REGENS deren erster Teil, übersetzt von Barbara Slawig, endlich auch auf Deutsch vor. Allerdings (kleiner Klugscheißer-Einschub), lesen wir mit leichtem Staunen im extra für diese Ausgabe geschrieben „Vorwort“ des Autors, hat Robinson seine drei Originalromane 2015 für eine einbändige Neuausgabe überarbeitet und gekürzt. Diese Fassung ist also die Vorlage zur bei uns nun wieder dreibändigen Übersetzung.

Davon ebenso unabhängig wie von der seither verstrichenen Zeit bleibt dieser „sehr lange Roman“ eine lesenswerte „Optopie (Robinsons Wortschöpfung), also ein Buch, in dem sehr viel passiert, alles erst mal schlimmer wird, am Ende aber eine Lösung steht, die sehr viel Hoffnung und Trost bietet. Auch wenn Robinsons neuere Bücher inzwischen manchmal etwas viel Moral und weniger Spannung enthalten, die GRÜNE ERDE hat neben einem herausragend charakterisierten Personal auch noch einen großartigen Genre-Mix aus Science Fiction, Spionage-Roman, Liebesgeschichte und politischem Gegenwartsroman zu bieten. (Die von Robinson benutzte Wendung, es handle sich um einen „Thriller in Zeitlupe“, lassen wir mal unkommentiert.)

Die Bände 2 und 3 sind für Herbst 2026 und Frühjahr 2027 angekündigt.

Horst Illmer

  • Kim Stanley Robinson
    DIE VIERZIG SPRACHEN DES REGENS.
    Grüne Erde 1.
    Ü: Barbara Slawig
    (FORTY SIGNS OF RAIN / 2004 & 2015)
    Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 365 S.
    ISBN 978-3-910914-56-8 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Nun also doch noch: Gut 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung der GRÜNE ERDE-Trilogie von Kim Stanley Robinson liegt mit DIE VIERZIG SPRACHEN DES REGENS deren erster Teil, übersetzt von Barbara Slawig, den ganzen Beitrag lesen…

Das Flirren der Hoffnung

von am 13. Juli 2026 2 Kommentare

  • Hannes Riffel (Hrsg.)
    DAS FLIRREN DER HOFFNUNG.
    Ein phantastischer Almanach. Zweite Folge.
    Ü: Anna Lerch, Karin Will u. a.
    Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 410 S.
    ISBN 978-3-910914-54-4 / 24,00 Euro
    Klappenbroschur

So ein Almanach hat ja immer etwas von einer Wundertüte, und der Inhalt ist mehr für die Menschen gedacht, die Abwechslung lieben und weniger für jene, die das Immergleiche bevorzugen. In DAS FLIRREN DER HOFFNUNG, der „zweiten Folge“ des Carcosa-Almanachs, bietet uns Herausgeber und Verlagschef Hannes Riffel genau jenen erwarteten und erhofften bunten Strauß aus Geschichten, Essays, Interviews, Vorschauen und Rückblenden, der die Lektüre ebenso abwechslungsreich wie spannend macht.

Da wechseln sich Stories von Becky Chambers und Aiki Mira ab mit Texten von Bewunderern von Gene Wolfe, dessen Meisterwerk DAS BUCH DER NEUEN SONNE derzeit bei Carcosa neu übersetzt für die Veröffentlichung in diesem Herbst vorbereitet wird. Matthias Fersterer erinnert sich noch einmal an die „Freuden und Leiden“ beim Übersetzen von Ursula K. Le Guin und, da auch er einen Almanach herausgibt, an die Kärrnerarbeit und den Spaß, den so ein Projekt bietet.

In der Folge schwärmen Erik Simon vom Schriftsteller-Ehepaar Angela und Karlheinz Steinmüller und Helmut W. Pesch von der gänzlich unbekannten Utopie ISLANDIA von A. T. Wright, unterhält sich Samuel R. Delany mit Joanna Russ, ruft uns Marc Sagnol seinen viel zu früh verstorbenen Freund Andreas Fliedner ins Gedächtnis, von dem es zudem eine Kurzgeschichte zu lesen gibt und dem der Almanach auch gewidmet ist. Es machen sich Barbara Slawig und Kim Stanley Robinson wichtige und richtige Gedanken über „climate fiction“ und Kelly Link antwortet auf die Interviewfragen von Elizabeth Hand.

Wie stark die Werke vieler Autor*innen der englischen (besser vielleicht sogar: der britischen) Literatur auch im 21. Jahrhundert noch untereinander verbunden sind, belegen die Texte von Arthur Machen, Alan Moore und Michael Moorcock – und wie unabhängig davon die in den USA „erfundene“ Science Fiction agieren kann, zeigt ein meisterlicher Essay von Nicola Griffith.

Überhaupt: unabhängig. Diese Grundhaltung gehört zu den liebenswertesten Eigenschaften von Carcosa. Und was könnte das besser belegen als der DAS FLIRREN DER HOFFNUNG eröffnende Essay von Benoit Bréville und Pierre Rimbert über Le Monde Diplomatique, eine der wenigen wirklich unabhängigen Zeitungen dieses Planeten.

Der Begriff „Almanach“ wird ja oft mit „Jahrbuch“ gleichgesetzt, aber entgegen dieser Zuteilung gleichsam eines Verfallsdatums scheinen Carcosa-Almanache einfach zeitlos zu sein.

Horst Illmer

  • Hannes Riffel (Hrsg.)
    DAS FLIRREN DER HOFFNUNG.
    Ein phantastischer Almanach. Zweite Folge.
    Ü: Anna Lerch, Karin Will u. a.
    Bad Oldesloe, Carcosa, 2026, 410 S.
    ISBN 978-3-910914-54-4 / 24,00 Euro
    Klappenbroschur

So ein Almanach hat ja immer etwas von einer Wundertüte, und der Inhalt ist mehr für die Menschen gedacht, die Abwechslung lieben und weniger für jene, die das Immergleiche bevorzugen. In DAS FLIRREN DER HOFFNUNG, den ganzen Beitrag lesen…

Shadow of Leviathan – A Drop of Corruption

von am 8. Juli 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Bennett, Robert Jackson
    A Drop of Corruption
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2026, 480 Seiten
    ISBN 9783985852994

Die "Shadow of Leviathan"-Reihe geht in die 2. Runde! Nach vergleichsweise kurzer Wartezeit von gerade mal 6,5 Monaten, konnte ich mich wieder in Robert Jackson Bennetts neueste Welt begeben und durch seine gut gewählten Worte ein unfassbar spannendes neues Abenteuer mit Din und Ana erleben. Gleich vorab: Das ist eine definitive Empfehlung, auch wenn ich nicht allzu viel verraten kann um keinen Spoiler abzugeben.

Die Welt bleibt weiterhin düster und einigermaßen dystopisch. Wir entdecken einen neuen Teil des Imperiums, der sogar weit mysteriöser und geheimer als die Mauer ist, die den Schauplatz des 1. Buches darstellte. In Buch 2 befinden wir uns in Yarrowdale, einer Stadt am Rande des Imperiums, direkt angrenzend an das Yarrower Königreich, das uns während unserem Aufenthalt mit mehr als genug Intrigen und politischen Machenschaften versorgen wird. Yarrowdale ist jedoch weit mehr als das, vor der Küste liegt die wohl wichtigste Einrichtung des Imperiums, der "Schleier". Hier werden Rohstoffe gewonnen um die Beizen und Verbesserungen die die Menschen im Imperium und somit auch das Imperium selbst zu dem machen was Sie sind. Din und Ana werden dorthin gerufen um einen äußerst unwirklichen Mord aufzuklären: Ein Mitglied der Schatzmeisterei wurde in seinem abgeschlossenen Zimmer in großer Höhe eines Turms ermordet. Was erst einmal als unlösbar angesehen wird, stellt sich im Laufe des Buches als noch viel schlimmer und tiefgehender heraus als anfangs gedacht. Eventuell erleben wir als Leser tatsächlich wie Ana an Ihre Grenzen stößt.

Neben dem aktuellen Mordfall den es aufzuklären gibt, lernen wir einen ganz anderen Winkel des Imperiums und die Schwierigkeiten die dort herrschen kennen. Wir erfahren mehr und mehr über unser Lieblingsermittlerteam und die Funktionsweise des Imperiums. Soweit ein kleiner Teaser, für alle die sich noch unsicher sind, langweilig wird einem nicht! Es ist meiner Meinung nach auch weiterhin möglich die Bände einzeln zu lesen, Ihr habt also nichts zu verlieren.

Neben dem schönen neuen Cover mit passendem Farbschnitt muss ich jedoch auch einen Mangel in der Aufmachung des Buches anmerken. Leider haben sich in den Text viele orthographische Fehler eingeschlichen. Fehler, bei denen der Buchstabe fehlt oder falsch ist, wodurch ein anderes, prinzipiell nicht falsches, Wort entsteht. Beispielsweise wird aus "dir", "die". Dadurch verändert sich der Kontext, sodass man zwangsläufig ein wenig über die entsprechende Stelle stolpert. Meine Begeisterung für das Buch, die Geschichte und den Autor kann es jedoch nicht schmälern, erwähnen möchte ich aber dennoch. Vielleicht wird sich dieses Problem auch in den kommenden Auflagen erledigen, die Erstauflage mit Farbschnitt ist aber definitiv noch betroffen.

„Und die ganze Welt ein wilder Garten, ohne Verstand und rasend“

  • Bennett, Robert Jackson
    A Drop of Corruption
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2026, 480 Seiten
    ISBN 9783985852994

Die "Shadow of Leviathan"-Reihe geht in die 2. Runde! Nach vergleichsweise kurzer Wartezeit von gerade mal 6,5 Monaten, konnte ich mich wieder in Robert Jackson Bennetts neueste Welt begeben und durch seine gut gewählten Worte ein unfassbar spannendes neues Abenteuer mit Din und Ana erleben. Gleich vorab: Das ist eine definitive Empfehlung, auch wenn ich nicht allzu viel verraten kann um keinen Spoiler abzugeben. den ganzen Beitrag lesen…

Wenn nicht die Menschen

von am 10. Juni 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Vitali Konstantinov (Text & Bilder)
    WENN NICHT DIE MENSCHEN.
    Originalausgabe.
    Mannheim, Kunstanstifter Verlag, 2026, 54 Seiten
    ISBN 978-3-948743-22-2, 28 Euro
    Großformatiges Hardcover

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da erschien im Goldmann Verlag die EDEN-Trilogie, erdacht von Harry Harrison, mit Illustrationen von Bill Sanderson. Darin spielte Harrison auf faszinierende Weise die Möglichkeit durch, dass die Saurier nicht ausgestorben seien, sondern die Welt weiter beherrschten.

Nun gibt es mit WENN NICHT DIE MENSCHEN, geschrieben und illustriert von dem 1963 in der Ukraine geborenen aber inzwischen in Deutschland heimischen Autor, Illustrator und Comic-Zeichner Vitali Konstantinov, einen würdigen Nachfolger.

Konzipiert für Kinder, stellt dieses großformatige Hardcover mit seinen farbigen Ausklappseiten fünf Weltentwürfe vor, in denen Delphine, Waschbären, Oktopusse, Affen und – natürlich – die Dinosaurier jeweils eigene Zivilisationen errichtet haben. Dabei vermittelt Konstantinov, nach einem kurzen Blick auf das was den Menschen und seine Zivilisation ausmacht, auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie lehrreiche Weise Wissenswertes über die ausgewählten Tierarten und deren derzeit bekannten Entwicklungsstand sowie eventuelle evolutionäre Möglichkeiten. Die Farbseiten bieten dann staunenswerte Einblicke in das Leben in Dino-City und Oktopolis, in Affen-Stadt, Waschbärhausen oder Delphinia.

Dieses wunderschön wertig und nachhaltig produzierte Buch ist eine Einladung an die eigene Phantasie. Beim Schmökern und Betrachten, beim Vor- oder Selberlesen tauchen ganze Romane vor dem inneren Auge auf – einfach traumhaft schön.

Horst Illmer

  • Vitali Konstantinov (Text & Bilder)
    WENN NICHT DIE MENSCHEN.
    Originalausgabe.
    Mannheim, Kunstanstifter Verlag, 2026, 54 Seiten
    ISBN 978-3-948743-22-2, 28 Euro
    Großformatiges Hardcover

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da erschien im Goldmann Verlag die EDEN-Trilogie, erdacht von Harry Harrison, mit Illustrationen von Bill Sanderson. Darin spielte Harrison auf faszinierende Weise die Möglichkeit durch, dass die Saurier nicht ausgestorben seien, sondern die Welt weiter beherrschten.

Nun gibt es mit WENN NICHT DIE MENSCHEN, den ganzen Beitrag lesen…

Dungeon Crawler Carl

von am 1. Juni 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Matt Dinniman
    DUNGEON CRAWLER CARL. Roman.
    Mit Illustrationen des Autors
    Ü: Ruggero Leo
    (DUNGEON CRAWLER CARL / 2019/2020)
    Frankfurt a. M., S.Fischer/TOR, 2026, 510 Seiten
    ISBN 978-3-596-71248-9 / 18,00 Euro
    Klappenbroschur

Noch ist es wohl zu früh von einem neuen HARRY POTTER zu sprechen, oder das Phänomen „LitRPG“ mit Hogwarts zu vergleichen, aber der überaus immense Erfolg der inzwischen auf acht Bände angewachsenen DUNGEON CRAWLER CARL-Reihe zeigt doch verblüffende Parallelen mit J. K. Rowlings Erfolgsserie.

Matt Dinniman ist ein US-amerikanischer Zeichner und Autor, Gelegenheits-Bassist in diversen Bands und Shootingstar der aktuell grassierenden LitRPG-Welle. Sein im Jahr 2019 zuerst online veröffentlichter Roman »Dungeon Crawler Carl« erschien soeben in der Übersetzung von Ruggero Leo bei TOR, wo in 3-Monats-Abständen die Bände 2 und 3 folgen sollen.

Der Roman, der damit beginnt, dass ein Alien-Konzern die Erde im Wortsinn „platt macht“, begleitet den Überlebenden Menschen Carl und seine Katze Prinzessin Donut auf ihrem Weg durch die diversen Ebenen des „Dungeon“, eines im Galaktischen Internet verbreiteten, von einer KI gesteuerten Rollenspiels, dessen Gefahren gleichermaßen ungewöhnlich wie gefährlich sind. Obwohl (oder weil) es sich um ein Unterhaltungsprogramm handelt, ist der Tod einer Figur endgültig.

Auch wenn Carl nicht gerade der Prototyp eines Dungeon-Kämpfers ist, so überlebt er mithilfe der tatkräftigen Unterstützung von Prinzessin Donut doch bis zum Ende des Buches immerhin die ersten zwei Level. Tatsächlich werden die beiden sogar zu intergalaktischen Publikumslieblingen mit gigantischen Follower-Zahlen und Einschaltquoten. Und Carls Verzweiflungs-Seufzer »Verdammt noch mal, Donut!« avanciert zur Fan-Hymne.

Das Besondere an DUNGEON CRAWLER CARL ist jedoch nicht das ständige Kämpfen oder die lustigen Sprüche, sondern dass Carl bei alledem ein Mensch bleibt, der sich des Verlusts von Milliarden Mit-Menschen bewusst ist, und der sich auch klar macht, dass all die weiteren Toten zur Unterhaltung des Publikums sterben, während ein skrupelloser Konzern die Bodenschätze der Erde abbaut.

Als Geschichtenerzähler ist Dinniman offensichtlich ein Naturtalent. Er schafft es problemlos, seine Leser*innen auf einer einzigen Seite zu überraschen, zu Tränen zu rühren und vor Lachen nach Luft schnappen zu lassen. Seine Charaktere (inklusive der nichtmenschlichen) laden zur Identifikation ein und schon nach wenigen Seiten vergisst man alles Unplausible und Spielspezifische und fiebert einfach mit.

Und denkt sich mehr als einmal: »Verdammt noch mal, Donut!«

Horst Illmer

  • Matt Dinniman
    DUNGEON CRAWLER CARL. Roman.
    Mit Illustrationen des Autors
    Ü: Ruggero Leo
    (DUNGEON CRAWLER CARL / 2019/2020)
    Frankfurt a. M., S.Fischer/TOR, 2026, 510 Seiten
    ISBN 978-3-596-71248-9 / 18,00 Euro
    Klappenbroschur

Noch ist es wohl zu früh von einem neuen HARRY POTTER zu sprechen, oder das Phänomen „LitRPG“ mit Hogwarts zu vergleichen, aber der überaus immense Erfolg der inzwischen auf acht Bände angewachsenen DUNGEON CRAWLER CARL-Reihe zeigt doch verblüffende Parallelen mit J. den ganzen Beitrag lesen…

Hat der Heyne Verlag auf uns gehört? – Das letzte Spiel

von am 27. Mai 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Iain Banks
    Das letzte Spiel. Roman.
    Heyne, 2026, 496 S.
    ISBN 9783453324275, 14,00 Euro

Jernau Morat Gurgeh ist ein Meister des Spiels. Er lebt in der „Kultur“, einer fernen, utopischen Gesellschaft, in der künstliche Intelligenzen (die „Brains“ oder „Minds“) das Regiment führen und organische Wesen in einem post-knappheitlichen Paradies voller Freiheit, Sex und Drogen leben. Doch Gurgeh ist gelangweilt – bis ihn der Geheimdienst der Kultur, die Sektion „Besondere Umstände“, kontaktiert.
Er soll in das Imperium von Azad reisen, ein sternenumspannendes Reich, das so ganz anders ist als die Kultur: hierarchisch, grausam, sexistisch und imperialistisch. Das gesamte soziale und politische Leben von Azad wird durch ein einziges, unfassbar komplexes Spiel bestimmt: das Spiel Azad. Wer gewinnt, wird Imperator. Gurgeh tritt an, um das Spiel zu spielen – doch er merkt schnell, dass er nicht nur um Steine auf einem Brett kämpft, sondern um den Fortbestand zweier völlig gegensätzlicher Ideologien.
Banks’ Geniestreich ist das Spiel selbst. Er beschreibt die Regeln nie im Detail, aber er macht deutlich, dass das Spiel Azad die Struktur des Imperiums widerspiegelt. Wer in Azad gewinnt, ist derjenige, der am besten manipuliert, unterdrückt und den Sieg über alles andere stellt.
Gurgeh hingegen bringt die Logik der „Kultur“ mit: Kooperation, Flexibilität und eine fast spielerische Leichtigkeit. Der Roman wird so zu einer philosophischen Untersuchung darüber, wie unsere Werkzeuge und Spiele uns formen. Banks nutzt die Sapir-Whorf-Hypothese: So wie die Sprache unser Denken beeinflusst, beeinflusst das Spiel Azad das Wesen der Azad-Bürger.
Bevor Iain M. Banks Ende der 1980er Jahre die Bühne betrat, galt die Space Opera oft als verstaubtes Genre von gestern. Sie war assoziiert mit den pulpigen Abenteuern der 30er bis 50er Jahre oder der technokratischen Härte der Hard-SF. Banks injizierte dem Genre eine literarische Qualität und einen bitterbösen Witz, die es zuvor selten gab. Er bewies, dass man galaktische Imperien und riesige Raumschiffe nutzen kann, um hochrelevante politische und soziologische Fragen zu stellen.
Die meisten SF-Autoren schreiben Dystopien, weil Konflikte dort einfacher zu konstruieren sind. Banks tat das Gegenteil: Er erschuf mit der „Kultur“ eine der fundiertesten und attraktivsten Utopien der Literaturgeschichte.
Die „Kultur“ ist anarcho-kommunistisch, hedonistisch und wird von wohlwollenden KIs geleitet. In „Das letzte Spiel“ hinterfragt Banks diese Utopie jedoch kritisch: Ist eine Gesellschaft, die keine Not mehr kennt, dekadent? Darf sich eine überlegene Zivilisation in die Belange einer „unterentwickelten“ Kultur einmischen? Damit legte Banks den Grundstein für die moderne Diskussion über Post-Knappheit (Post-Scarcity) in der Literatur.
Gurgeh ist kein klassischer Actionheld. Er ist ein Intellektueller, oft arrogant und moralisch ambivalent. Banks bricht mit dem Klischee des „Space Marines“. Die wahre Macht in seinen Büchern liegt bei den Maschinen, also den Drohnen und Schiffshirnen, während die Menschen oft nur Spielfiguren in deren großen Plänen sind. Diese Verschiebung der Perspektive weg vom anthropozentrischen Weltbild hin zu einer Koexistenz mit KI war wegweisend für Autoren wie Ann Leckie oder Yoon Ha Lee.
Die Neuauflage unter dem Titel „Das letzte Spiel“ ist ein Muss für jeden SF-Fan. Der Roman ist heute aktueller denn je: In einer Zeit, in der Algorithmen unser Leben bestimmen und die Kluft zwischen verschiedenen Gesellschaftssystemen wieder tiefer wird, liest sich Banks’ Werk wie ein Kommentar zur Gegenwart. Es ist eine meisterhafte Mischung aus anthropologischer Studie, politischem Thriller und philosophischem Essay.

  • Iain Banks
    Das letzte Spiel. Roman.
    Heyne, 2026, 496 S.
    ISBN 9783453324275, 14,00 Euro

Jernau Morat Gurgeh ist ein Meister des Spiels. Er lebt in der „Kultur“, einer fernen, utopischen Gesellschaft, in der künstliche Intelligenzen (die „Brains“ oder „Minds“) das Regiment führen und organische Wesen in einem post-knappheitlichen Paradies voller Freiheit, Sex und Drogen leben. Doch Gurgeh ist gelangweilt – bis ihn der Geheimdienst der Kultur, die Sektion „Besondere Umstände“, den ganzen Beitrag lesen…

Burns kleines GeBlauder 56: Brauchen wir Helden oder Reacher?

von am 8. Mai 2026 2 Kommentare

Burn wurde eingeladen auf eine Blauderei mit Verköstigung. Grillen im Penthouse von Pete. Pete als Experte für den Charakter "Reacher" aus der Feder von Lee Child erzählt Burn und Euch über den Autor, die spannende Figur und die Werke. Die Serie kennen viele von Euch, die Filme eventuell auch, die Bücher wahrscheinlich die Wenigsten. Warum der Shit so gut ist und warum Reacher Reacher heißt…Hier erfahrt Ihr es…

Die erwähnten Werke:
den ganzen Beitrag lesen…

Burn wurde eingeladen auf eine Blauderei mit Verköstigung. Grillen im Penthouse von Pete. Pete als Experte für den Charakter "Reacher" aus der Feder von Lee Child erzählt Burn und Euch über den Autor, die spannende Figur und die Werke. Die Serie kennen viele von Euch, die Filme eventuell auch, die Bücher wahrscheinlich die Wenigsten. Warum der Shit so gut ist und warum Reacher Reacher heißt…Hier erfahrt Ihr es…

Die erwähnten Werke: den ganzen Beitrag lesen…

Das Geheimnis des Geigenbauers

von am 6. Mai 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Woods, Evie
    Das Geheimnis des Geigenbauers
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2026, 359 Seiten
    ISBN 978-3-985-85363-2

Nach der „Geschichtensammlerin“ hänge ich euch direkt meine Empfehlung für das vierte und neueste Buch von Evie Woods, „Das Geheimnis des Geigenbauers“, hintendran. (Das war’s dann auch erst mal damit, versprochen! ;)) Auch hier handelt es sich um eine seichte und doch spannende Geschichte, die durch Fantasy-, Magie- und diesmal auch Krimi-Elemente heraussticht und deshalb von mir erwähnt werden möchte.

Als Hauptcharaktere treten drei völlig unterschiedliche Personen das Abenteuer rund um die geheimnisvolle Geige an. Neben Devlin, der in der Gepäckabfertigung des Heathrow Airports arbeitet und durch die Entdeckung der Geige der Auslöser für die Geschichte ist, haben wir Walter, den ehemaligen Geschichtslehrer von Devlin, und Gabrielle, eine Instrumentengutachterin. Dass die Geige selbst ihre Geschichte erzählt und mit zwischengeschobenen Kapiteln ihre Vergangenheit und die eigentliche Magie hinter sich beleuchtet, kann ich keineswegs unerwähnt lassen. Jeder dieser Charaktere bringt seine eigene Geschichte, aber auch seine eigenen Geheimnisse mit, die den Leser stetig dazu auffordern, mitzurätseln und sich nicht nur mit der Gegenwart, sondern auch mit der Vergangenheit der drei zu beschäftigen.

Mit diesem Buch schafft Evie Woods es nicht nur, den Leser in die Welt der Geigen, der „gehobeneren Musik“ und deren bislang ungeklärten Mysterien zu entführen, sondern auch schwierige Themen in eine Geschichte zu weben, die von Anfang an nur auf ein Happy End zusteuern kann. Wie in jedem guten Roman konnte ich auch in diesem nicht nur eine, sondern gleich vier großartige Charakterentwicklungen – insofern eine Geige eine Charakterentwicklung haben kann – verfolgen, die die Protagonisten am Ende als neue Menschen mit neuen Leben dastehen lassen. Diese Entwicklungen mitzuverfolgen gibt nicht nur Hoffnung für das eigene Leben, sondern erfüllt einen auch mit einer gewissen Glücksseligkeit. Wer sich also gerne mal wieder in eine Geschichte fallen lassen möchte, die einen mit einem guten Gefühl zurücklässt und nichts mit Action oder Blutvergießen am Hut hat, kann „Das Geheimnis des Geigenbauers“ ohne Probleme auf seinen Lesestapel oder in sein Bücherregal packen.

"Es ist nicht an uns, zu wissen, welche Veränderungen uns von einem Tag auf den anderen entgegenwehen."

  • Woods, Evie
    Das Geheimnis des Geigenbauers
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2026, 359 Seiten
    ISBN 978-3-985-85363-2

Nach der „Geschichtensammlerin“ hänge ich euch direkt meine Empfehlung für das vierte und neueste Buch von Evie Woods, „Das Geheimnis des Geigenbauers“, hintendran. (Das war’s dann auch erst mal damit, versprochen! ;)) Auch hier handelt es sich um eine seichte und doch spannende Geschichte, die durch Fantasy-, Magie- und diesmal auch Krimi-Elemente heraussticht und deshalb von mir erwähnt werden möchte. den ganzen Beitrag lesen…

Die Geschichtensammlerin

von am 29. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Woods, Evie
    Die Geschichtensammlerin
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2025, 317 Seiten
    ISBN 978-3-985-85268-0

Mit ihrem zweiten Roman „Die Geschichtensammlerin“ hat Evie Woods meiner Meinung nach einen vollen Erfolg abgeliefert. Sie schafft es in diesem Buch, eine unaufgeregte, aber trotzdem spannende Geschichte niederzuschreiben, die den Leser mit ein paar „magischen“ Elementen in ihren Bann zieht.

Wir verfolgen einerseits die Geschichte von Sarah, die, vor ihren Problemen in New York fliehend, in einem kleinen Ort in Irland landet. Dort gewinnt sie nicht nur Abstand, sondern mit der Zeit auch sich selbst zurück. Andererseits tauchen wir in die Welt von Anna ein, die ca. 100 Jahre vor Sarah im selben irischen Dorf einem Amerikaner half, Geschichten über Feen und die irische Mythologie zu sammeln. Hierbei bekommen wir einen Einblick in all die wundersamen Geschichten, die Irland mit dem "Guten Volk" in Verbindung bringt und das Vergnügen über eine wissenschaftliche Erklärung dafür zu rätseln. Diese beiden, auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Frauen zeigen dem Leser auf, dass es sich lohnt, trotz allem Übel immer an das Gute zu glauben, weiterzumachen, auch wenn man das Gefühl hat, die eigene Welt würde zusammenbrechen, nach einer Lösung zu suchen und voranzugehen.

Die beiden wachsen einem mit jedem Kapitel mehr ans Herz und sorgen dafür, dass man sich auch ohne das Buch in der Hand zu haben Gedanken darüber macht, wie es wohl weitergeht und ob beide ihr wohlverdientes Happy End bekommen. Man beginnt bereits von Anfang an zu rätseln, wie es wohl ausgeht und welche Geheimnisse die einzelnen Charaktere wohl noch verbergen. Eine Empfehlung kann ich hier vor allem für die Leute aussprechen, die gerne mal was „anderes“, „Zwischendurch“ lesen und offen sind für ein Buch, das zwar keine Fantasy ist, diese aber auf ihre eigene Art und Weise enthält.

"Es stimmt, sie sagen, wenn man viele verstorbene Freunde hat, hat man viele Feenfreunde."

  • Woods, Evie
    Die Geschichtensammlerin
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2025, 317 Seiten
    ISBN 978-3-985-85268-0

Mit ihrem zweiten Roman „Die Geschichtensammlerin“ hat Evie Woods meiner Meinung nach einen vollen Erfolg abgeliefert. Sie schafft es in diesem Buch, eine unaufgeregte, aber trotzdem spannende Geschichte niederzuschreiben, die den Leser mit ein paar „magischen“ Elementen in ihren Bann zieht.

Wir verfolgen einerseits die Geschichte von Sarah, die, vor ihren Problemen in New York fliehend, den ganzen Beitrag lesen…

Der König und ich: Warum der kurze King der bessere King ist?!

von am 22. April 2026 2 Kommentare

Stephen King und ich: Weniger ist oft mehr

Wenn ich auf meine Regale blicke, wird eines schnell klar: Stephen King ist der Schriftsteller, von dem ich mit Abstand die meisten Bücher gelesen habe. Was mich an ihm seit jeher fasziniert, ist seine unglaubliche Nähe zu uns Menschen. Er schafft es wie kaum ein anderer, das Menschsein in all seinen Facetten – den hellen wie den tiefschwarzen – so authentisch einzufangen. Seine Sprache ist bildhaft, eindrücklich und dabei wunderbar flüssig zu lesen.

Mit einem King-Buch macht man eigentlich nie etwas falsch. Sieht man mal von ganz wenigen Ausnahmen wie Talisman oder – bitte nicht aufschreien! – dem Dunklen Turm ab, aber das ist Stoff für einen anderen Beitrag. Bald habe ich die Häfte seiner im deutschsprachigen Raum erschienenen Werke gelesen, viele davon regelrecht verschlungen.

Stand April 2026 blicken wir hierzulande auf stolze 85 eigenständige Bücher. Diese beeindruckende Zahl setzt sich aus 70 Romanen und Novellen (inklusive der Bachman-Bücher), 13 Kurzgeschichten-Sammlungen und zwei Sachbüchern zusammen. Zuletzt erschienen im Juni 2025 der Roman "Kein Zurück" sowie Ende 2025 die Anthologie "Hänsel und Gretel". Nach all diesen Seiten habe ich eine ganz eigene Theorie entwickelt: Der kürzere Stephen King ist der bessere Stephen King.

Die Theorie vom ungekürzten Meister

Man hört oft, dass King seit seinem gewaltigen Erfolg eine so starke Position innehat, dass Verlage seine Manuskripte faktisch ungekürzt und ohne das früher übliche, straffende Lektorat veröffentlichen. King arbeitet natürlich immer noch mit Lektoren zusammen, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass ein Megastar seines Kalibers deutlich mehr kreative Freiheit genießt. Wo jungen Autoren 200 Seiten gestrichen werden, bleiben sie bei King heute stehen.

Das ist aus meiner Sicht nicht immer der bessere Weg für uns Leser. King selbst gibt mir in seinem Sachbuch "Das Leben und das Schreiben" recht. Dort erklärt er sehr intensiv das Handwerkszeug eines Schriftstellers und erhebt das rigorose Kürzen des eigenen Textes fast schon zu einer heiligen Pflicht. Seine berühmte Faustformel für die Überarbeitung lautet: Zweite Fassung = Erste Fassung minus 10 Prozent. Wer erfolgreich Belletristik schreiben will, so King, müsse lernen, Ballast abzuwerfen. Doch hier liegt die Ironie: Während er das Kürzen zum Einmaleins des Schreibens erklärt, gibt er im selben Atemzug zu, dass er dieses Gesetz selbst oft missachtet: Er genießt seit geraumer Zeit die Freiheit, seine Geschichten genau so ausufernd zu erzählen, wie er es möchte – ohne dass ihm ein Lektor den Rotstift ansetzt.

Seine ausufernden Romanwelten sind zwar einnehmend, aber die wahre Brillanz liegt für mich in seinen Werken mit Verdichtung. Meine Theorie vom ungekürzten Meister wird durch meine persönliche Top 10 untermauert: Hier finden sich überwiegend seine kürzeren Erzählungen, in denen die Handlung einen massiven Sog entwickelt, eben weil unnötiges Colorit wegfällt.

Hier ist mein Ranking für euch. Freilich stellt diese Aufstellung nur meinen eigenen Lesegeschmack dar – und darüber lässt sich bekanntermaßen gut streiten!

Meine TOP 10 des Königs

Platz 10: Sara

Ein trauernder Witwer sucht in einem einsamen Sommerhaus Ruhe und findet stattdessen die rachsüchtigen Echos einer dunklen Vergangenheit. Aus meiner Sicht ist dies ein eher leises Buch, aber trotzdem intensiv und faszinierend. Es geht um einen Schriftsteller, den tragischen Tod seiner Frau und um Geister. Für mich ist es einfach ein schönes Buch mit leicht unterschwelligem Grusel und einer ganz eigenen Form von Magnetismus.

Platz 9: Misery

Was als Rettung nach einem Autounfall beginnt, wird für einen Bestsellerautor zum grausamen Kammerspiel unter der Aufsicht seines größten Fans. Auch hier ist es wieder die Atmosphäre und diese spezielle Elektrizität zwischen unserem Helden und der verrückten Krankenschwester, die mich gepackt hat. Als absoluter Page-Turner ließ mich das Buch beim Lesen wirklich Ängste ausstehen.

Platz 8: Das Mädchen

Ein harmloser Familienausflug verwandelt sich in einen existenziellen Albtraum, als eine Neunjährige die Spur im Wald verliert und dem Unbekannten gegenübersteht. Es ist vielleicht der Roman, der mich auch rückblickend am meisten fasziniert und erschreckt, weil das Setting wirklich heftig ist. Ein junges Mädchen verirrt sich im Wald und das einzige, was sie überleben lässt, ist die Hoffnung, ihr Radio und Baseball.

Platz 7: Es

In den Abwasserkanälen einer Kleinstadt lauert ein uraltes Grauen, das alle 27 Jahre erwacht, um sich an den Ängsten der Kinder zu weiden. Ich liebe hier vor allem die Geschichte rund um den Losers Club und die Atmosphäre, die Stephen King in diesem monumentalen Werk erschaffen hat. Es ist stellenweise etwas abgedreht und weitschweifig, aber insgesamt einer der besten Horror-Romane, die je geschrieben wurden.

Platz 6: The Green Mile

Hinter den Mauern eines Todestrakts begegnet ein Wärter einem sanftmütigen Riesen, dessen übernatürliche Gabe die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt. Das Buch ist für mich einfach nur brillant. Es geht um die Herzen der Menschen angesichts des Todes, die Ungerechtigkeit der Todesstrafe und einen Bösewicht, der keiner ist. Das sorgte bei mir für Gänsehaut.

Platz 5: Dead Zone – Das Attentat

Nach fünf Jahren im Koma erwacht Johnny Smith mit der Fähigkeit, durch bloße Berührung in die Zukunft zu blicken – eine Gabe, die ihn vor eine unmenschliche Wahl stellt. Der Plot und die Handlung sind aus meiner Sicht einmalig erzählt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen und dieses Werk hat mich ganze Nächte gekostet.

Platz 4: Zwischen Nacht und Dunkel

Vier abgründige Novellen zeigen uns, wie schnell das normale Leben eines Menschen durch Rache oder Schicksal in einen blutigen Abgrund stürzen kann. Diese Sammlung bietet vier knallharte und unter die Haut gehende Kurzgeschichten von gewöhnlichen Menschen in extremen Situationen mit einem Unterhaltungswert, der seinesgleichen suchen dürfte.

Platz 3: Dolores

Während einer polizeilichen Vernehmung bricht eine alte Haushälterin ihr Schweigen über ein Leben voller Entbehrungen und eine Gewalttat, die Jahre zurückliegt. Dolores ist aus meiner Sicht das Buch mit dem meisten Mitgefühl und mit der größten erzählerischen Brillanz. Ich habe beim Lesen dieser Geschichte Tränen geweint.

Platz 2: Cujo

In der brütenden Hitze eines Sommers wird ein defektes Auto zum Käfig, während vor der Tür ein einst friedlicher Bernhardiner zur tollwütigen Bestie mutiert. Cujo hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen und hat einen Sog auf mich ausgeübt, wie es nur ganz selten Bücher machen. Zudem fand ich das Ende extrem hart und gleichzeitig extrem gut. Für mich sein bester Roman.

Platz 1: Frühling, Sommer, Herbst und Tod

Vier meisterhafte Novellen führen uns durch die Jahreszeiten der menschlichen Seele – von der Hoffnung eines unschuldig Inhaftierten bis zur Entdeckung des Todes durch vier Kinder. Dies ist für mich das beste Buch, das jemals von King geschrieben wurde, seine beiden Geschichten "Die Leiche" und "Pin-Up" sind legendär!

Erster Tipp: Danse Macabre – Die Welt des Horrors

Für alle, die noch tiefer in die Materie eintauchen wollen, möchte ich explizit "Danse Macabre – Die Welt des Horrors" empfehlen. Dieses Buch ist für mich das Grundlagenwerk über die Geschichte des Horrors in Film und vor allem Literatur vom viktorianischen Zeitalter bis heute. In zehn Kapiteln widmet sich King hier intensiv und mit seiner sehr unterhaltsamen Schreibe dem Genre des Horrors. Das Buch ist bereits ab der ersten Seite sehr lesenswert; allein die Vorworte mit fast 60 Seiten bieten einen enormen Mehrwert. Neben einem Nachwort enthält das Werk zudem eine fantastische Liste von Vorschlägen zu Romanen und Kurzgeschichtensammlungen, die den gesamten in "Danse Macabre" besprochenen Zeitraum abdecken. Es geht dabei um Bücher, die aus Sicht von Stephen King für das Genre wegweisend waren. Er hat diese Liste von etwa 100 Werken zusätzlich bewertet und jedem Buch ein Sternchen (*) gegeben, das seiner Meinung nach besonders wichtig ist. Für mich ist dieses Buch ein Juwel für das Genre, doch eine Warnung sei erlaubt: Wer dieses Buch liest, wird seinen Stapel ungelesener Bücher danach unweigerlich um mehrere Dutzend Titel erweitern. Das ist einerseits im Sinne großartiger Entdeckungen sehr positiv, führt andererseits jedoch im wahrsten Sinne des Wortes zu weiterem Platzmangel im heimischen Regal. Gewidmet hat King dieses Werk übrigens sechs großen Autoren des Makaberen: Robert Bloch, Jorge Luis Borges, Ray Bradbury, Frank Belknap Long, Donald Wandrei sowie Manly Wade Wellman.

Zweiter Tipp: Holly Gibney

Besonders bei seinem neuesten Werk "Kein Zurück" zeigt sich Kings Vorliebe für vertraute Gesichter, denn hier steht erneut Holly Gibney im Mittelpunkt – seine erklärte Lieblingsermittlerin. Aber hier ist Vorsicht geboten: Wer die Geschichten rund um Holly in der falschen Reihenfolge liest, manövriert sich unweigerlich in massive Spoiler-Fallen, da die Charakterentwicklung und die Ereignisse der vorangegangenen Fälle essenziell aufeinander aufbauen. Damit ihr das volle Leseerlebnis ohne böse Überraschungen genießen könnt, empfehle ich euch dringend, diese sieben Bücher in der genau richtigen chronologischen Abfolge zu lesen: Den Anfang macht die Bill-Hodges-Trilogie mit 1. "Mr. Mercedes", gefolgt von 2. "Finderlohn" und 3. "Mind Control". Danach solltet ihr zum Roman 4. "Der Outsider" greifen, bevor ihr die Novelle 5. "Blutige Nachrichten" (aus der gleichnamigen Sammlung) lest. Erst danach seid ihr bereit für den Roman 6. "Holly" und findet schließlich mit dem aktuellen Werk 7. "Kein Zurück" den vorläufigen Abschluss dieser großartigen Reise.

Fazit

Mich faszinieren gar nicht so sehr seine übernatürlichen Geschichten sowie geisterhaften Horrorstories. Es sind eher seine "normalen" Erzählungen von gewöhnlichen Menschen in außergewöhnlichen Situationen, die mich wirklich packen; der "Horror" im echten Leben wiegt oft schwerer, oder was meint Ihr?

Stephen King und ich: Weniger ist oft mehr

Wenn ich auf meine Regale blicke, wird eines schnell klar: Stephen King ist der Schriftsteller, von dem ich mit Abstand die meisten Bücher gelesen habe. Was mich an ihm seit jeher fasziniert, ist seine unglaubliche Nähe zu uns Menschen. Er schafft es wie kaum ein anderer, das Menschsein in all seinen Facetten – den hellen wie den tiefschwarzen – so authentisch einzufangen. Seine Sprache ist bildhaft, eindrücklich und dabei wunderbar flüssig zu lesen. den ganzen Beitrag lesen…

Speer

von am 20. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Nicola Griffith
    SPEER. Roman.
    Mit einem Nachwort der Autorin.
    Ü: Elena Helfrecht
    (Spear / 2022)
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 255 S.
    ISBN 978-3-910914-50-6 / 22,00 Euro
    Hardcover

Von der britisch-amerikanischen Autorin Nicola Griffith erschien im März 2026 mit dem kurzen Roman SPEER eine recht ungewöhnliche Neuinterpretation der Artus-Legende.

Peretur, die Tochter einer magisch begabten Waldfrau zieht, ausgestattet mit einer uralten, notdürftig geflickten Rüstung, einem kurzerhand „organisierten“ Speer und verkleidet als Stallbursche, los zum Hof von König Artos um dort ein Ritter zu werden. Natürlich kann diese Camouflage nicht ewig halten, trotzdem erreicht Peretur (eine Figur die in anderen Artus-Fassungen Parzival genannt wird) weit mehr als sie selbst es sich vorstellen und wünschen konnte.

Das Buch atmet einen sehr schönen und tiefgründigen, gleichzeitig märchenhaften und leichtsinnigen Geist von Aventiure und Liebe, Ernsthaftigkeit und Humor und liest sich flott und modern, trotz (oder gerade wegen) einiger Einfälle, die allen bisherigen Fassungen dieses Mythos entgegenlaufen.

In Griffith’ Version kehren sich fast alle Vorzeichen um, sie stellt die Geschichte auf den Kopf, trotzdem wirkt sie gerade deshalb „richtig“ und überzeugend.

SPEER ist für mich die bemerkens- und lesenswerteste Version des altbe­kannten Artus-Stoffes seit Marion Zimmer Bradley.

Horst Illmer

  • Nicola Griffith
    SPEER. Roman.
    Mit einem Nachwort der Autorin.
    Ü: Elena Helfrecht
    (Spear / 2022)
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 255 S.
    ISBN 978-3-910914-50-6 / 22,00 Euro
    Hardcover

Von der britisch-amerikanischen Autorin Nicola Griffith erschien im März 2026 mit dem kurzen Roman SPEER eine recht ungewöhnliche Neuinterpretation der Artus-Legende.

Peretur, die Tochter einer magisch begabten Waldfrau zieht, ausgestattet mit einer uralten, notdürftig geflickten Rüstung, einem kurzerhand „organisierten“ Speer und verkleidet als Stallbursche, den ganzen Beitrag lesen…

Der Gräber

von am 15. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Hendrik Otremba
    DER GRÄBER. Roman.
    Berlin, März, 2026, 275 S.
    ISBN 978-3-7550-0063-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

Manchmal bin sogar ich noch zu verblüffen. Irgendwie kenne ich den März Verlag ja seit Kindertagen, hatte ihn jedoch als seit vielen Jahren „Non-Existent“ abgelegt.

Dann erreichte mich das Angebot, aus dem neuesten Programm doch den Roman DER GRÄBER von Hendrik Otremba zu besprechen. Gesagt, tun getan – wie das Onkel Hotte früher so schön prägnant ausdrückte. Nachdem mich der Klappentext darüber aufgeklärt hatte, wer Hendrik Otremba eigentlich ist (Als ausgebildeter Ignorant war mit natürlich entgangen, dass der Gute 1984 in Recklinghausen zur Welt kam, danach Universalkünstler [Autor, Musiker und Maler] wurde, seit 2017 Romane veröffentlicht, auch noch sechs Alben als Sänger der Gruppe „Messer“ aufgenommen hat und mit seinen Bildern Zeitschriften- und Plattencover schmückt.), machte ich mich also an die Lektüre.

Das Buch hat mir sowohl stilistisch als inhaltlich sehr gefallen und wird darob in meiner Sammlung den Buchstaben „O“ im Autorenalphabet dauerhaft bereichern.

Natürlich kann sich niemand vorstellen wie es ist Unsterblich zu sein, das Ende der Welt, den Untergang der Zivilisation und das Zeitalter des Post-Antropozäns mitzuerleben – aber Otremba gelingt es in DER GRÄBER davon so zu schreiben, dass es sich für die Zeit der Lektüre anfühlt, als wäre das doch vorstellbar.

Dieser großartige (und wunderschön hochwertig aufgemachte) Science-Fiction-Roman jedenfalls ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der März Verlag sehr lebendig ist!

Horst Illmer

  • Hendrik Otremba
    DER GRÄBER. Roman.
    Berlin, März, 2026, 275 S.
    ISBN 978-3-7550-0063-1 / 24,00 Euro
    Hardcover

Manchmal bin sogar ich noch zu verblüffen. Irgendwie kenne ich den März Verlag ja seit Kindertagen, hatte ihn jedoch als seit vielen Jahren „Non-Existent“ abgelegt.

Dann erreichte mich das Angebot, aus dem neuesten Programm doch den Roman DER GRÄBER von Hendrik Otremba zu besprechen. Gesagt, tun getan – wie das Onkel Hotte früher so schön prägnant ausdrückte. den ganzen Beitrag lesen…

Jenseits der Grenzen

von am 8. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Joanna Russ
    JENSEITS DER GRENZEN. Werke 3.
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jeanne Cortiel
    Ü: Charlotte Krafft & Hannes Riffel
    Originalausgabe
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 355 S.
    ISBN 978-3-910914-48-3 / 26,00 Euro
    Klappenbroschur

Der Untertitel „Werke 3“, den der „abschließende Band“ der Joanna Russ-Werkausgabe des Carcosa Verlags trägt, ist eigentlich eine unzulässige Verkürzung. Die Herausgeberin Jeanne Cortiel formuliert es da in ihrem „Nachwort“ etwas ehrlicher: „Der vorliegende Band schließt die dreibändige deutschsprachige Ausgabe ausgewählter Texte […] ab.“

Denn Joanna Russ, die 1937 geboren wurde und 2011 im Alter von 74 Jahren starb, war unter anderem auch eine fleißige Schreiberin. Sie veröffentlichte zwischen 1955 und 2010, also 55 Jahre lang, auch wenn der Schwerpunkt ihres Schreibens in den Jahren zwischen 1960 und 1990 lag. Da bleibt für eine echte „Werkausgabe“ schon noch was übrig.

Andererseits müssen wir Hannes Riffel und Jeanne Cortiel natürlich dankbar sein, denn ihre Auswahl stellt Russ in Deutschland einem neuen Publikum vor – allzu lange schon waren ihre Bücher hier nicht mehr erhältlich. Und, wie schon in den Bänden 1 und 2, beschränkt sich die Textauswahl nicht nur auf die großen, unverzichtbaren Romane – in Band 3 ist dies DIE TODGEWEIHTEN… aus dem Jahr 1976 – sondern versucht auch, die Kurzgeschichtenautorin (hier mit „Seelen“ und „Körper“ vertreten), die Essayistin und die kenntnisreiche Geisteswissenschaftlerin, die kompetente Buchbesprechungen verfasst, zu präsentieren.

Und spätestens nach der Lektüre von „Pornografie von Frauen für Frauen, mit Liebe“, einer scharfsinnigen Untersuchung von STAR TREK-Fanfiction aus dem Jahr 1985, vermisse ich vor allem einen ganzen Band mit Russ-Essays. (Natürlich gehört Russ zu den wichtigsten feministischen Autorinnen der letzten 50 Jahre und hat mit ihren Prosawerken Maßstäbe und Meilensteine gesetzt – aber der Furor, der aus ihren Rezensionen und Essays sprüht, erreicht mich inzwischen eher als die grausame, trostlose Realitätssucht ihrer späten Romane.)

Und falls ich dann noch einen Wunsch frei hätte, würden mich die gesammelten Kurzgeschichten von Joanna Russ sicherlich auch für lange Zeit ans Lesepult fesseln (Oh, Ihr Ungläubigen! Natürlich habe ich ein Lesepult).

Oder, kürzer: Schade, dass mit JENSEITS DER GRENZEN die Joanna Russ-Werke zu Ende sind.

Horst Illmer

  • Joanna Russ
    JENSEITS DER GRENZEN. Werke 3.
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jeanne Cortiel
    Ü: Charlotte Krafft & Hannes Riffel
    Originalausgabe
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 355 S.
    ISBN 978-3-910914-48-3 / 26,00 Euro
    Klappenbroschur

Der Untertitel „Werke 3“, den der „abschließende Band“ der Joanna Russ-Werkausgabe des Carcosa Verlags trägt, ist eigentlich eine unzulässige Verkürzung. Die Herausgeberin Jeanne Cortiel formuliert es da in ihrem „Nachwort“ etwas ehrlicher: „Der vorliegende Band schließt die dreibändige deutschsprachige Ausgabe ausgewählter Texte […] ab.“

Denn Joanna Russ, den ganzen Beitrag lesen…

Deshalb kann ich nicht fort

von am 6. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Aiki Mira
    DESHALB KANN ICH NICHT FORT. Erzählungen.
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 346 S.
    ISBN 978-3-910914-52-0 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Es ist erst gute fünf Jahre her, dass Aiki Mira begann uns mit Romanen und Geschichten, Artikeln und Essays zu be- und verzaubern, und doch ist die deutschsprachige Science Fiction inzwischen ohne diese Stimme unvorstellbar geworden.

Während der 2025 veröffentlichte Roman DENIAL OF SERVICE aktuell immer noch „in den Charts“ steht, liegt mit DESHALB KANN ICH NICHT FORT bei Carcosa nun eine erste Sammlung mit Erzählungen vor. Insgesamt 22 Stories aus fast ebenso vielen Anthologien und Magazinen, alle erschienen zwischen 2021 und 2024, sind im Buch enthalten und belegen nicht nur einen enormen Fleiß, sondern auch die stilistische Qualität und erzählerische Bandbreite Aiki Miras.

Das beginnt bereits bei der ersten Story „Das Universum ohne Eisbärin“, einer todtraurigen und anrührenden Liebesgeschichte aus unserer allernächsten Zukunft, geht über die mit Lob und Preisen überhäufte „Utopie 27“ (die inzwischen sogar in China veröffentlicht wurde) und endet (hoffentlich noch lange nicht) mit „Vakuumfluktuation“, einer bisher nur auf Französisch erschienenen Neo-Space-Opera, die hier erstmals auf Deutsch zu lesen ist.

Von Aiki Mira gibt es zu jeder Geschichte ein kurzes, teilweise sehr persönlich gehaltenes Nachwort, in dem die Texte reflektiert und eingeordnet werden.

DESHALB KANN ICH NICHT FORT bietet also fast zwei Dutzend herausragende Erzählungen, drei von ihnen haben wichtige Science-Fiction-Preise gewonnen, viele waren dafür nominiert – alle sind es wert (nochmals) gelesen zu werden.

Horst Illmer

  • Aiki Mira
    DESHALB KANN ICH NICHT FORT. Erzählungen.
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 346 S.
    ISBN 978-3-910914-52-0 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Es ist erst gute fünf Jahre her, dass Aiki Mira begann uns mit Romanen und Geschichten, Artikeln und Essays zu be- und verzaubern, und doch ist die deutschsprachige Science Fiction inzwischen ohne diese Stimme unvorstellbar geworden.

Während der 2025 veröffentlichte Roman DENIAL OF SERVICE aktuell immer noch „in den Charts“ steht, den ganzen Beitrag lesen…

Deadly Ever After – Blut und Schnee

von am 1. April 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • T. S. Orgel
    DEADLY EVER AFTER – BLUT UND SCHNEE. Roman.
    München, Heyne, 2026, 607 S.
    ISBN 978-3-453-27556-0 / 24,00 Euro
    Hardcover

Nun sind also auch T. S. Orgel unter die Märchenerzähler gegangen und haben mit DEADLY EVER AFTER – BLUT UND SCHNEE eine eindrucksvolle ABG-(Hans Christian Andersen-Ludwig Bechstein-Gebrüder Grimm)-Hommage vorgelegt.

Allbekannte Figuren wie Schneewittchen, Rotkäppchen und tapfere Schneiderlein treten auf, allerdings sind diese Namen nur noch ferne Echos der Ursprungsmythen. Bei Tom und Stephan Orgel sind es handfeste Charaktere in einer dunklen und gefahrvollen Fantasywelt, in der die Grausamkeiten der Märchenerzählungen in sehr realen Geschehnissen münden und eine Kette von Reaktion und Gegenreaktion bewirken, in denen der Kampf um die Beherrschung der Magie im Mittelpunkt steht. Dicht daneben steht dann der leicht angeschwärzte Humor der Gebrüder Orgel (na, ob das später mal ein Markenzeichen wird?), der dafür sorgt, dass die lustigen Stellen der alten Märchen eine zeitgemäße Entsprechung finden.

Das Ganze atmet neben den erwartbaren Anmutungen deutscher Romantik, englischer Gothic Novel und amerikanischer Horror-Schreibe für mich auch einen feinen Hauch Bill Willingham’scher FABLES-Erzählung.
Gut so.

Horst Illmer

  • T. S. Orgel
    DEADLY EVER AFTER – BLUT UND SCHNEE. Roman.
    München, Heyne, 2026, 607 S.
    ISBN 978-3-453-27556-0 / 24,00 Euro
    Hardcover

Nun sind also auch T. S. Orgel unter die Märchenerzähler gegangen und haben mit DEADLY EVER AFTER – BLUT UND SCHNEE eine eindrucksvolle ABG-(Hans Christian Andersen-Ludwig Bechstein-Gebrüder Grimm)-Hommage vorgelegt.

Allbekannte Figuren wie Schneewittchen, Rotkäppchen und tapfere Schneiderlein treten auf, allerdings sind diese Namen nur noch ferne Echos der Ursprungsmythen. den ganzen Beitrag lesen…

Spellshop

von am 30. März 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Durst, Sarah Beth
    Spellshop
    FISCHER TOR, 2024, 496 Seiten
    ISBN 978-3-596-71094-2

Cozy Fantasy ist für mich ein Genre, das sich am allerbesten im Herbst lesen lässt. Man kann sich schön mit einer Tasse Tee, Kaffee oder Kakao aufs Sofa oder in den Sessel setzen, eine Decke über sich ausbreiten und in die langsam vor sich hin plätschernden Geschichten eintauchen. Bei diesem Roman muss ich aber gestehen, dass ich ihn lieber im Sommer gelesen hätte.

Wir begeben uns in ein Reich, bestehend aus vielen verschiedenen Inseln. Im Zentrum steht natürlich eine Hauptstadt, die wohl als Regierungssitz dient und aktuell von den Rebellen übernommen wird. Dies geschieht leider nicht auf friedliche, sondern eher auf chaotische, von Bombenanschlägen begleitete Art. In dieser Hauptstadt arbeitet unsere Protagonistin Kiela in einer Bibliothek – dem Ort, den sie vor allem aufgrund seiner Zurückgezogenheit und selbstverständlich der Bücher liebt. Als eines Tages ihr geliebter Arbeitsplatz den Bomben der Rebellen zum Opfer fällt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als zu fliehen. So packt sie ihre liebsten Bücher und ihren Assistenten Caz, die redebedürftige Zimmerpflanze, ein und segelt mit einem Boot auf ihre Heimatinsel.

Dort erwartet sie das alte Cottage ihrer Eltern, das sie in einem nicht gerade vorzeigbaren Zustand vorfindet. Wir begleiten Kiela und Caz dabei, wie sie nicht nur dem Cottage, sondern auch der gesamten Insel mit ihrer verschrobenen Art neues Leben einhauchen und dabei versuchen, nicht auf die „gestohlenen“ Zauberbücher aufmerksam zu machen. Dabei darf natürlich auch eine kleine Anbändelei mit dem Seepferdhüter sowie eine grundsätzliche Charakterwandlung der introvertierten, oftmals schroffen Kiela nicht fehlen. Weil man sich hier auf einer wunderbar warmen Sommerinsel mit Strandfeeling und blühender Natur wiederfindet, empfehle ich jedoch, das Buch im Frühling oder Sommer zu lesen. Meine Sehnsucht nach Wärme und Strandurlaub wurde im düsteren Herbst trotz Decke und warmem Tee leider unerträglich.

Weiterhin bringt das Buch mit seinen durch und durch schrägen Charakteren und Interpretationen von Fabelwesen einen gewissen Twist in die (zumindest bei mir) eingefahrenen Denkmuster. So sind hier beispielsweise Seepferde wirklich als Pferde mit Schwanzflosse und nicht als die kleinen bekannten Seepferdchen zu verstehen. Wer mal wieder etwas Ruhiges zum Lesen braucht, das zeigt, dass es auch ohne Kriege, Kämpfe, Intrigen und Prophezeiungen spannend sein kann und bleibt, ist hier genau richtig.

"Du solltest nicht davon ausgehen, dass ich keine musikalische Begabung habe, nur weil ich eine Pflanze bin!"

  • Durst, Sarah Beth
    Spellshop
    FISCHER TOR, 2024, 496 Seiten
    ISBN 978-3-596-71094-2

Cozy Fantasy ist für mich ein Genre, das sich am allerbesten im Herbst lesen lässt. Man kann sich schön mit einer Tasse Tee, Kaffee oder Kakao aufs Sofa oder in den Sessel setzen, eine Decke über sich ausbreiten und in die langsam vor sich hin plätschernden Geschichten eintauchen. Bei diesem Roman muss ich aber gestehen, dass ich ihn lieber im Sommer gelesen hätte. den ganzen Beitrag lesen…

Wir haben keine Antimemetik Abteilung

von am 16. März 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Sam Hughes
    Wir haben keine Antimemetik-Abteilung
    München, Heyne Verlag, 2025, 320 Seiten
    ISBN 9783453275539 / 20,00 Euro
    Hardcover

Ich würde so weit gehen, dass dieses Buch mein persönliches Highlight im letzten Jahr war. Zumindest Überraschungs-Highlight. Und ja, ich empfehle es im Laden häufig und es kommt tatsächlich überraschend gut an. Und das, obwohl es nicht wirklich unkompliziert zu lesen ist, im Gegenteil immer wieder verwirrend wirkt und teilweise fast schon Mühe macht, die kognitiven Lücken zu füllen.

Worum es geht? Tja, um genau das, was nicht greifbar ist. Was sich der Wahrnehmung entzieht. Was aber doch wieder Wahrnehmung ausmacht.

Das Buch balanciert irgendwo zwischen cthulhoidem kosmischen Horror, Philip K Dick’schem Wahn, der Stadt der Heiligen und Verrückten von Jeff VanderMeer, der SCP Foundation (nicht von ungefähr) und – ja, einer Prise Douglas Adams’schen Humors. Die Handlung, wenn es denn eine gibt, meandert an den Linien von Puzzlestücken entlang, setzt sich scheinbar zusammen und verschwimmt wieder.

Über das Ende kann man geteilter Meinung sein und im Endeffekt ist das auch fast egal. Man könnte sich andere Enden wünschen und malen. Oder einfach mit dem zufrieden sein, was der Brite Sam Hughes in seinem Erstlingsroman offen gelassen hat.

Ich wünsche mir mehr in dieser Art.

  • Sam Hughes
    Wir haben keine Antimemetik-Abteilung
    München, Heyne Verlag, 2025, 320 Seiten
    ISBN 9783453275539 / 20,00 Euro
    Hardcover

Ich würde so weit gehen, dass dieses Buch mein persönliches Highlight im letzten Jahr war. Zumindest Überraschungs-Highlight. Und ja, ich empfehle es im Laden häufig und es kommt tatsächlich überraschend gut an. Und das, obwohl es nicht wirklich unkompliziert zu lesen ist, im Gegenteil immer wieder verwirrend wirkt und teilweise fast schon Mühe macht, den ganzen Beitrag lesen…

Gefährliche Visionen

von am 11. März 2026 5 Kommentare

  • Harlan Ellison (Hrsg.)
    GEFÄHRLICHE VISIONEN.
    Phantastische Erzählungen.
    Ü: Hannes Riffel und zahlreiche Gleichgesinnte
    (DANGEROUS VISIONS / 1967)
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 784 S.
    ISBN 978-3-910914-42-1 / 48,00 Euro
    Hardcover

Da liegt sie nun also vor mir, die wohl bedeutendste Sammlung von Science-Fiction-Kurzgeschichten, die das damals – 1967 – noch recht junge Genre bis dahin gesehen hatte. Der Herausgeber Harlan Ellison, selbst als „junge Wilder“ verschrien, wollte mit GEFÄHRLICHE VISIONEN eine öffentliche Aufwertung der von der literarischen Welt eher geringgeschätzten Science Fiction erreichen. Und das ist ihm mit einer solchen Bravour und Vehemenz gelungen, dass fast sechzig Jahre später immer noch Neuauflagen erscheinen – und sogar Übersetzungen in andere Sprachen!

Tatsächlich handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um eine Deutsche Erstausgabe, was zum einen eine Schande ist, andererseits aber uns heutige Leser*innen nicht weiter stören muss. Denn, sind wir mal ehrlich, selbst wenn wir uns noch an die verstümmelten früheren Versuche einer Übertragung aus den 1970er Jahren erinnern könnten, hätten wir den Inhalt der allermeisten Geschichten doch längst vergessen.

Also noch einmal: GEFÄHRLICHEN VISIONEN ist die wichtigste Anthologie in der Geschichte der Science Fiction!

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zuerst einmal sind natürlich die 32 Autor*innen zu nennen: Brian W. Aldiss, Poul Anderson, J. G. Ballard, Robert Bloch, Jonathan Brand, John Brunner, David R. Bunch, James Cross, Miriam Allen deFord, Samuel R. Delany, Lester Del Rey, Philip K. Dick, Sonya Dorman, Larry Eisenberg, Harlan Ellison, Carol Emshwiller, Philip José Farmer, Joe L. Hensley, Damon Knight, R. A. Lafferty, Keith Laumer, Fritz Leiber, Kris Neville, Larry Niven, Frederik Pohl, Howard Rodman, Robert Silverberg, John T. Sladek, Henry Slesar, Norman Spinrad, Theodore Sturgeon und Roger Zelazny. (Dazu müssten wir eigentlich noch Isaac Asimov nennen, von dem es jedoch keine Geschichte gibt, sondern »nur« zwei Vorworte; die Erklärung dafür steht dann dort.)

Als nächstes muss kurz auf die innere Struktur dieses Monumentalwerks eingegangen werden: Zuerst kommt jeweils eine Einleitung des Herausgebers zur nachfolgenden Geschichte, dann kommt die Story selbst, der sich wiederum ein Nachwort des Autors/der Autorin anschließt. Dabei ist die Länge der einzelnen Texte sehr unterschiedlich, was dazu führt, dass bei einigen Geschichten die Einleitung und/oder das Nachwort umfangreicher sind als der Haupttext.

Und dann ist da noch das weder vorher noch seither gepflegte Bestreben, selbst intimste Interna und geheimste Details offenzulegen. Es ist kaum vorstellbar, dass irgendein anderer Herausgeber in seiner „Vorrede“ darüber berichtet hätte, wie er planmäßig daran ging, dem Verlag das Geld für die Anthologie aus der Tasche zu ziehen. GEFÄHRLICHE VISIONEN sollte am Ende 33 erstmals veröffentlichte „Phantastische Erzählungen“ enthalten – und dafür wollte Ellison seine Autoren auch ordentlich entlohnen. Diese Offenheit zieht sich durch das ganze Buch: Ellison nennt exakte Zahlen für das Gesamtprojekt – inklusive seiner eigenen Investitionen und noch ausstehender Entlohnungen für einzelne Künstler – und berichtet, dass zum Beispiel Theodore Sturgeon, voller Dankbarkeit, endlich seine Schreibblockade überwunden zu haben, ihm anbietet, seinen Vorschuss zurückzuzahlen, falls die Geschichte nicht gut genug ist.

Desweiteren erweist sich Ellison als genialischer Dirigent, dem es in GEFÄHRLICHE VISIONEN meisterhaft gelingt, aus den Beiträgen literarischer Solisten einen fast symphonisch zu nennenden Wohlklang zu formen, der weit über jede Einzelleistung hinausgeht.

Dass wir nun, im Jahr 2026, endlich auch in Deutschland in den Genuss einer vollständigen Ausgabe dieses Meilensteins der Science Fiction kommen, verdankt sich vor allem dem Carcosa-Verleger und Haupt-Übersetzer Hannes Riffel, der das Projekt seit vielen Jahren verfolgt hat, und einem Dutzend „gleichgesinnter“ Mit-Übersetzer*innen, die dafür sorgen, dass die „Stimmenvielfalt“ der Originalgeschichten erkennbar bleibt.

Die fast 800 Seiten mit 33 Geschichten und einem einzigartigen, bisher unbekannten, romanlangen Essay von Harlan Ellison (und nicht zu vergessen: zwei Vorworten von Isaac Asimov) machen aus GEFÄHRLICHE VISIONEN ein Gesamtkunstwerk, dessen Relevanz und Qualität wohl auch die nächsten sechzig Jahre überdauern werden; vor allem aber: ein unvergessliches Lesevergnügen.

Horst Illmer

  • Harlan Ellison (Hrsg.)
    GEFÄHRLICHE VISIONEN.
    Phantastische Erzählungen.
    Ü: Hannes Riffel und zahlreiche Gleichgesinnte
    (DANGEROUS VISIONS / 1967)
    Wittenberge, Carcosa, 2026, 784 S.
    ISBN 978-3-910914-42-1 / 48,00 Euro
    Hardcover

Da liegt sie nun also vor mir, die wohl bedeutendste Sammlung von Science-Fiction-Kurzgeschichten, die das damals – 1967 – noch recht junge Genre bis dahin gesehen hatte. Der Herausgeber Harlan Ellison, selbst als „junge Wilder“ verschrien, wollte mit GEFÄHRLICHE VISIONEN eine öffentliche Aufwertung der von der literarischen Welt eher geringgeschätzten Science Fiction erreichen. den ganzen Beitrag lesen…

Tod der Autorin

von am 4. März 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Nnedi Okorafor
    TOD DER AUTORIN. Roman.
    Ü: Corinna Rodewald
    (DEATH OF THE AUTHOR / 2025)
    Berlin, Ullstein, 2026, 526 Seiten
    ISBN 978-3-550-20439-5 / 18,99 Euro
    Klappenbroschur

Ein erstes Highlight im Jahr 2026 legt der Ullstein Verlag vor: Dort erschien soeben der neue, heiß diskutierte und lang erwartete Roman von Nnedi Okorafor, der den deutschen Titel TOD DER AUTORIN trägt.

Das ist insoweit stimmig als der englische Originaltitel DEATH OF THE AUTHOR sich geschlechtsneutral sowohl auf den gleichnamigen Essay von Roland Barthes aus dem Jahr 1967 wie auf die Romanfigur Zelu bezieht, die als Autorin zuerst scheitert und dann fast „zu viel“ Erfolg hat.

Zelus letzter Versuch zu einer literarischen Karriere ist ein Science-Fiction-Roman, der in einer fernen Zukunft spielt und den sie eher für sich als für ein Publikum schreibt – doch dann wird daraus ein Überraschungs-Bestseller. Oder ist Zelu vielleicht selbst nur eine Figur in einem Roman?

Das Buch entwickelt sich während der Lektüre zu einer metaliterarischen Spirale, oder vielleicht wäre auch das Bild einer Moebius-Schleife hilfreich, in der sich Autorin und Werk, Figuren und Realitäten, Gegenwart und Zukunft ständig verändern.

Wer Okorafors BINTI-Zyklus gelesen hat, weiß um deren stilistische Brillanz, wer mit TOD DER AUTORIN startet, wird ein literarisches Universum kennen lernen, das sich aus den kulturellen Wurzeln Okorafors entwickelt, die sich gleichermaßen nach Afrika, Europa und Nordamerika erstrecken.
In jedem Fall eine großartige Lektüre!

Horst Illmer

  • Nnedi Okorafor
    TOD DER AUTORIN. Roman.
    Ü: Corinna Rodewald
    (DEATH OF THE AUTHOR / 2025)
    Berlin, Ullstein, 2026, 526 Seiten
    ISBN 978-3-550-20439-5 / 18,99 Euro
    Klappenbroschur

Ein erstes Highlight im Jahr 2026 legt der Ullstein Verlag vor: Dort erschien soeben der neue, heiß diskutierte und lang erwartete Roman von Nnedi Okorafor, der den deutschen Titel TOD DER AUTORIN trägt.

Das ist insoweit stimmig als der englische Originaltitel DEATH OF THE AUTHOR sich geschlechtsneutral sowohl auf den gleichnamigen Essay von Roland Barthes aus dem Jahr 1967 wie auf die Romanfigur Zelu bezieht, den ganzen Beitrag lesen…

Paradise One

von am 2. März 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Red Space-Reihe PB 1 – Paradise One
    Wellington, David
    ISBN: 9783453323209
    Heyne, € 18,00
     

Paradise One ist ein Roman, der mit einem vertrauten Science-Fiction-Szenario beginnt und dieses dann konsequent in den Abgrund treibt. Eine ferne Kolonie außerhalb unseres Sonnensystems ist verstummt, mehr als dreizehntausend Menschen gelten als verschwunden, und eine kleine Crew wird losgeschickt, um herauszufinden, was passiert ist. Was zunächst nach klassischer Rettungsmission klingt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Thriller, in dem das All nicht Ort der Hoffnung, sondern der absoluten Bedrohung ist.
Im Mittelpunkt steht Alexandra Petrova, Agentin einer interplanetaren Sicherheitsbehörde, die zusammen mit einem Piloten, einem Arzt und einer nicht ganz berechenbaren künstlichen Intelligenz ins Paradise-System fliegt. Statt Antworten finden sie Wracks, zerstörte Raumstationen und Spuren eines Geschehens, das weit über einen technischen Unfall hinausgeht. Wellington verbindet hier Space Opera mit Mystery und handfestem Horror und erzählt eine Geschichte, die sich stetig steigert, immer neue Fragen aufwirft und kaum Raum zum Durchatmen lässt.
Sprachlich ist der Roman klar, direkt und sehr visuell. Wellington schreibt nicht poetisch, sondern mit einem ausgeprägten Sinn für Tempo und Spannung. Die Szenen wirken oft wie aus einem Science-Fiction-Film herausgeschnitten: eng, lautlos, bedrohlich. Die Figuren sind keine tiefenpsychologischen Studien, funktionieren aber als glaubwürdige Überlebende in einer Situation, die zunehmend außer Kontrolle gerät. Besonders stark ist der Umgang mit dem Thema künstliche Intelligenz, das hier nicht theoretisch verhandelt, sondern erzählerisch zugespitzt wird – mit allen Konsequenzen.
Mit fast achthundert Seiten ist Paradise One ein umfangreicher Roman, der sich nicht immer straffen lässt, dessen Wucht aber gerade aus dieser Länge entsteht. Der Leser wird immer tiefer in eine Spirale aus Kontrollverlust, technologischer Hybris und kosmischem Horror gezogen. Wer ruhige, philosophische Science Fiction sucht, wird hier eher nicht fündig. Wer jedoch Spannung, düstere Atmosphäre und Science Fiction mit deutlichem Horror-Einschlag mag, kommt voll auf seine Kosten.
Der Autor David Wellington, der zuvor vor allem mit Horror- und Zombie-Romanen bekannt wurde, nutzt in Paradise One genau diese Erfahrung. Das All ist bei ihm kein Ort der großen Verheißung, sondern eine feindliche Leere, in der menschliche Fehler und technologische Entscheidungen gnadenlos zurückschlagen. Paradise One ist damit ein wuchtiger, kompromissloser Science-Fiction-Roman, der lange nachhallt. Eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die es gern ein bischen düsterer mögen.

 

 

  • Red Space-Reihe PB 1 – Paradise One
    Wellington, David
    ISBN: 9783453323209
    Heyne, € 18,00
     

Paradise One ist ein Roman, der mit einem vertrauten Science-Fiction-Szenario beginnt und dieses dann konsequent in den Abgrund treibt. Eine ferne Kolonie außerhalb unseres Sonnensystems ist verstummt, mehr als dreizehntausend Menschen gelten als verschwunden, und eine kleine Crew wird losgeschickt, um herauszufinden, was passiert ist. Was zunächst nach klassischer Rettungsmission klingt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Thriller, den ganzen Beitrag lesen…

Harry Rowohlt

von am 25. Februar 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Alexander Solloch
    HARRY ROWOHLT – EIN FREIES LEBEN.
    Zürich, Kein & Aber, 2025, 320 Seiten
    ISBN 978-3-0369-5057-0 / 26,00 Euro
    Hardcover

Es gibt Bücher, die eignen sich mehr als sogenannte „Klo-Lektüre“ als andere.

Für mich unterscheide ich da sogar noch mal zwei Kategorien: Zur einen gehört z. B. das kürzlich beendete Reisetagebuch UNTERWEGS MIT DEN ARGLOSEN (Mare Verlag) von Mark Twain, in dem ich immer nur, wenngleich mit viel Vergnügen, das „Nötigste“ gelesen habe, und das deshalb schon ein paar Monate rumlag. Die andere besteht aus Büchern wie dem gerade bereitliegenden HARRY ROWOHLT – EIN FREIES LEBEN, der Biografie des Hamburger Sprachkünstlers von Alexander Solloch.

Da lese ich dann möglichst ein ganzes Kapitel fertig, oft weit über das „Nötige“ hinaus, was meine Verweildauer in jenem manchmal auch Locus genannten Raum durchaus verlängert. (Und gibt es denn ein schöneres Qualitätsmaß für Bücher, als deren Vermögen, die Zeit, nach der man sie aus der Hand zu legen vermag, zu verlängern, während sie zugleich immer kurzweiliger wird.)

Solloch erzählt Harry Rowohlts Lebensgeschichte in überaus kurzweiliger Manier, nur ganz grob dem Zeitstrahl verbunden, dafür, in Anlehnung an seinen Protagonisten, durchaus mit allerlei Abschweifungen. Trotzdem fügt sich am Ende des Buches der Lebenslauf zu einem überaus gefälligen Gesamtbild. Harry Rowohlts Leben von der Wiege bis zur Bahre – er selbst hätte wohl seine Freude daran gehabt (und sicherlich jede Menge gaaaanz anders erzählt), da er aber tot ist, müssen nun wir den vollen Genuss daraus schöpfen.

Horst Illmer

  • Alexander Solloch
    HARRY ROWOHLT – EIN FREIES LEBEN.
    Zürich, Kein & Aber, 2025, 320 Seiten
    ISBN 978-3-0369-5057-0 / 26,00 Euro
    Hardcover

Es gibt Bücher, die eignen sich mehr als sogenannte „Klo-Lektüre“ als andere.

Für mich unterscheide ich da sogar noch mal zwei Kategorien: Zur einen gehört z. B. das kürzlich beendete Reisetagebuch UNTERWEGS MIT DEN ARGLOSEN (Mare Verlag) von Mark Twain, in dem ich immer nur, den ganzen Beitrag lesen…

phantastisch! Nummer 100

von am 23. Februar 2026 noch kein Kommentar - schreibe den ersten!

  • Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
    phantastisch! 100
    Seit Januar 2001 das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror.
    Ausgabe 1: 2026 // 26. Jahrgang // 9,00 Euro
    Frankfurt a. M., Calliope Media, 2026, 80 Seiten
    Geheftet

JUHU! GESCHAFFT!! JUBEL-JUBILÄUM!!!
Die 100. Ausgabe unseres Lieblings-Science-Fiction-Magazins ist erreicht!!!!

Mit der soeben erschienenen Ausgabe 1/2026 wechselt die phantastisch! zu Caliope Media nach Frankfurt und startet neu durch. Das Heft ist ein echter Hingucker (das Titelbild ist von Thomas Thiemeyer) mit herausragenden Beiträgen. Die Stories sind von Michael Marrak und Christian Endres, die Interview-Gäste sind der Production Designer Oliver Scholl (SPIDERMAN) und der Comic-Superstar Sylvain Runberg (CAPTAIN FUTURE), die Artikel beschäftigen sich u. a. mit der „Medizin der Zukunft“ (R. Schäfer), der klassischen GATEWAY-Trilogie Frederik Pohls (M. Hofmann), intergalaktischer Gesetzgebung (R. Vaas), neuerschienen Kinder- und Jugendbüchern (S. Stöhr) und der Geschichte der deutschen SF-Magazine (H. Illmer). Dazu gibt’s die üblichen unverzichtbaren Comics, Cartoons, Buchbesprechungen und Rubriken, sowie ein Grußwort der neuen Verlegerin Sandra Thoms.

Aus gegebenem Anlass stellt sich diesmal auch das komplette Produktions- und Redaktions-Team vor. Und für Statistik-Fans hat „der Setzer“ (G. Puschmann) eine durchlaufende Fußzeile eingebaut.

Für alle, die es bis jetzt noch nicht geschafft haben, ist diese Ausgabe eine tolle Möglichkeit des Neueinstiegs. Alle anderen dürfen sich einfach mitfreuen.

Horst Illmer

  • Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
    phantastisch! 100
    Seit Januar 2001 das Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror.
    Ausgabe 1: 2026 // 26. Jahrgang // 9,00 Euro
    Frankfurt a. M., Calliope Media, 2026, 80 Seiten
    Geheftet

JUHU! GESCHAFFT!! JUBEL-JUBILÄUM!!!
Die 100. Ausgabe unseres Lieblings-Science-Fiction-Magazins ist erreicht!!!!

Mit der soeben erschienenen Ausgabe 1/2026 wechselt die phantastisch! zu Caliope Media nach Frankfurt und startet neu durch. den ganzen Beitrag lesen…

The Tainted Cup

von am 18. Februar 2026

  • Robert Jackson Bennett
    THE TAINTED CUP. Ein Roman.
    Shadow of the Leviathan: Buch 1
    Ü: Jakob & Karla Schmidt
    (THE TAINTED CUP / 2024)
    Berlin, Adrian, 2025, 416 S.
    ISBN 978-3-985852-98-7 / 16,95 Euro
    Klappenbroschur mit illustriertem Farbschnitt

Der US-Amerikaner Robert Jackson Bennett gehört seit einigen Jahren zu den Autoren, deren Werke einem auf Grund ihrer Qualität immer wieder begegnen, sei es im Bücherregal oder bei Meldungen über verliehene Preise.

Bennett ist ein Tausendsassa, der gerne mit allen phantastischen Genres spielt. Seit Neuestem schreibt er auch noch Krimis, die zwar dem klassischen „Wer ist der Mörder?“-Plot folgen, aber in bemerkenswerten Umgebungen angesiedelt und mit einem Personal bestückt sind, für die das Wort „exzentrisch“ eine absolute Untertreibung wäre. Zugleich ist Bennett aber auch ein Besessener, der auf jedes Detail achtet, das Timing beherrscht und erst zufrieden ist, wenn auch ein Sherlock Holmes unter seiner Leserschaft bis zum letzten Kapitel den Hinweisen folgen und Zeile für Zeile lesen muss.

Ähnlich ergeht es auch der Ermittlerin Ana Dolabra, deren überragende Fähigkeiten ihr sonst dabei helfen, ihre Fälle innerhalb kürzester Zeit zu lösen. Doch der Tod eines Imperiums-Offiziers durch den ein kleiner Wald hindurch gewachsen ist, fordert sie bis zum Äußersten. Und ob ihr neuer Assistent Dinios Kol dabei eine Hilfe ist, muss er erst noch beweisen …

Und so ist der Roman THE TAINTED CUP, der leider keinen deutschen Titel besitzt (aber dafür einen HUGO und einen World Fantasy Award), nicht nur ein spannender Thriller und eine staunenswerte Urban Fantasy-Geschichte, sondern vor allem ein großer Lese-Spaß, der schon bei der Buchgestaltung beginnt (der Einband sieht aus, als hätte die Raupe aus ALICE IM WUNDERLAND einen sehr starken Tobak geraucht) und auch nach der Lösung des Falles noch nicht zu Ende ist, denn Bennett sprüht selbst in der angehängten Danksagung noch voller (Be-)Geist(-erung). Die Übersetzer Jakob & Karla Schmidt waren hier sicherlich stark gefordert, hatten jedoch wohl ihren Spaß, denn das Buch liest sich flüssig und ohne Stolpersteine.
Empfehlenswert.

Horst Illmer

  • Robert Jackson Bennett
    THE TAINTED CUP. Ein Roman.
    Shadow of the Leviathan: Buch 1
    Ü: Jakob & Karla Schmidt
    (THE TAINTED CUP / 2024)
    Berlin, Adrian, 2025, 416 S.
    ISBN 978-3-985852-98-7 / 16,95 Euro
    Klappenbroschur mit illustriertem Farbschnitt

Der US-Amerikaner Robert Jackson Bennett gehört seit einigen Jahren zu den Autoren, deren Werke einem auf Grund ihrer Qualität immer wieder begegnen, sei es im Bücherregal oder bei Meldungen über verliehene Preise. den ganzen Beitrag lesen…

Das Ende der Welt wie wir sie kennen

von am 2. Februar 2026

  • Christopher Golden & Brian Keene (Hrsg.)
    DAS ENDE DER WELT WIE WIR SIE KENNEN.
    Neue Geschichten aus Stephen Kings THE STAND.
    Einleitung: Stphen King, Vorwort: Christopher Golden, Nachwort: Brian Keene
    Ü: Bernhard Kleinschmidt u.v.a.
    (THE END OF THE WORLD AS WE KNOW IT / 2025)
    Grimma, Buchheim, 2025, 926 S.
    ISBN 978-3-946330-47-9 / 34,00 Euro
    Hardcover

Als 1978 THE STAND erschien, war Stephen King immer noch ein „Frischling“ im Literaturbetrieb und musste es hinnehmen, dass sein Verlag den umfangreichen Romantext um mehr als ein Drittel kürzte. Inzwischen sieht das ja ganz anders aus – heute würde es wohl kein Verlag der Welt mehr wagen, dem König des Horrors auch nur eine Seite zu streichen.

King selbst hat dies mehrfach genutzt: Es erschienen ungekürzte, ja sogar überarbeitete und nochmals erweiterte Fassungen, die derzeit umfangreichste deutsche Ausgabe von DAS LETZTE GEFECHT hat mehr als 1700 Seiten.

Allerdings hat dieses Buch bereits seit seinem ersten Erscheinen seine Leserschaft in zwei Lager gespalten, von denen hier nur das der King-Fans interessant ist. Denn zu den Menschen, für die THE STAND das Buch ihres Lebens ist, gehören unter anderem die Autoren und Herausgeber Christopher Golden und Brian Keene. Sie entwickelten die Idee einer Anthologie mit Geschichten, die alle im von King erfundenen Kosmos von THE STAND angesiedelt sein sollten.

Nach einigem Zögern gab der Meister, wie er in seiner „Einleitung“ jetzt schreibt, dann sein Okay, und Keene und Golden begannen Autor*innen zu kontaktieren und Geschichten einzusammeln. Herausgekommen ist ein über 900 Seiten starker Band mit 34 nagelneuen Stories von 36 Autor*innen.

Es wäre müßig diese jetzt aufzuzählen oder einzelne Geschichten hervorzuheben, das ergibt sich bei der Lektüre von selbst – je nach persönlichen Vorlieben und Befindlichkeiten.

Um die Stimmenvielfalt zu erhalten (und wohl auch, um das Buch noch in diesem Jahr in die Geschäfte zu bekommen) beschäftigte Buchheim gleich fünf Übersetzer, das Buch ist fadengeheftet und hat ein Lesebändchen und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist erstaunlich Kundenfreundlich.

Wer THE STAND – DAS LETZTE GEFECHT noch nicht kennt, sollte sich erst einmal Kings Roman vornehmen, wer das Buch für gelungen hält, dürfte mit den in DAS ENDE DER WELT WIE WIR SIE KENNEN versammelten Geschichten in den nächsten Wochen viel Spaß haben.

Horst Illmer

  • Christopher Golden & Brian Keene (Hrsg.)
    DAS ENDE DER WELT WIE WIR SIE KENNEN.
    Neue Geschichten aus Stephen Kings THE STAND.
    Einleitung: Stphen King, Vorwort: Christopher Golden, Nachwort: Brian Keene
    Ü: Bernhard Kleinschmidt u.v.a.
    (THE END OF THE WORLD AS WE KNOW IT / 2025)
    Grimma, Buchheim, 2025, 926 S.
    ISBN 978-3-946330-47-9 / 34,00 Euro
    Hardcover

Als 1978 THE STAND erschien, war Stephen King immer noch ein „Frischling“ im Literaturbetrieb und musste es hinnehmen, den ganzen Beitrag lesen…

Das Leben und das Schreiben

von am 28. Januar 2026

  • Stephen King
    DAS LEBEN UND DAS SCHREIBEN.
    (Durchgesehene und erweiterte Jubiläumsausgabe)
    Aus dem Englischen von Andrea Fischer
    (ON WRITING – A MEMOIR OF THE CRAFT / 2000 & 2025)
    München, Heyne Verlag, 2025, 400 S.
    ISBN 978-3-453-44297-9 / 18,00 Euro
    Hardcover

Ist es erforderlich, Stephen King zu lieben, um auch noch seine Autobiographie zu lesen?

Nun, sicherlich ist es hilfreich, schon einige Bücher des amerikanischen Autors zu kennen. Es reicht jedoch schon das normale Interesse eines durchschnittlich neugierigen Menschen aus, der wissen will, was die Welt so zu bieten hat, für einen der erfolgreichsten und meistgelesenen Romanautoren der letzten Jahrzehnte.

Ist es erforderlich, selbst schreiben zu wollen, um Stephen Kings Betrachtungen über das Schreiben verstehen zu können?

Auch hier ist es nicht schlecht, selbst schon einmal ein paar Seiten geschrieben zu haben, oder zumindest ein literarisches Interesse zu besitzen, das darüber hinausgeht, die Fussballergebnisse in der Montagsausgabe der Lokalzeitung zu studieren. Es reicht aber auch, wenn man zu den „guten Lesern“ gehört (was das ist, erklärt uns King in ganz wenigen, einprägsamen Worten) – der Gewinn, den dieser Einblick in die Werkstatt eines Meisters gewährt, ist beträchtlich.

Zu Beginn, und dann noch mal, ganz am Ende des Buches, breitet Stephen King sein bisheriges Leben vor uns aus. Er macht das nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge, er springt mal vor, mal zurück. Er zeigt uns „Snapshots“, Bilder, die wichtige Stationen in diesem Leben darstellen und führt uns von 1947 bis ins neue Jahrtausend.

Dabei gelingt es ihm, uns das Gefühl von „Wahrhaftigkeit“ zu vermitteln. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als ob King irgendetwas Wichtiges verschweigen wollte. Selbst auf seine Drogen- und Alkoholsucht kommt er ausführlich zu sprechen. Ein kleines Meisterwerk ist der Text über seinen Unfall 1999, bei dem er fast zu Tode gekommen wäre. Ohne Weinerlichkeit, jedoch mit erkennbarem Zorn und sehr viel Demut und Dankbarkeit, berichtet er über den Unfallhergang und die langwierige Rekonvaleszenz. Dabei wird erkennbar, wie wichtig für diesen Mann das Schreiben war und ist!

Es ist im Mittelteil, der sich mit Kings Art des Schreibens beschäftigt, viel von Praxis und wenig von Theorie die Rede. Er betrachtet seine Arbeit zu einem gewissen Teil als Handwerk, als erlernbares und vor allen Dingen beherrschbares und verbesserungsfähiges Handwerk. Andersherum gesagt: Aus einem Stümper wird nie ein guter Autor, aber aus einem talentierten Schreiber kann noch etwas werden. Und auch ganz klar: Niemand wird durch Fleiß zum Genie! Aber es kann gelingen, sein Publikum nicht zu langweilen, seine Sätze und Abschnitte zu einem lesenswerten Text zu fügen – und damit manchmal auch noch etwas Geld zu verdienen.

Muss man King nun lieben? Muss man selbst mit dem Schreiben anfangen? Nach diesem Buch fällt beides etwas leichter.

Horst Illmer

  • Stephen King
    DAS LEBEN UND DAS SCHREIBEN.
    (Durchgesehene und erweiterte Jubiläumsausgabe)
    Aus dem Englischen von Andrea Fischer
    (ON WRITING – A MEMOIR OF THE CRAFT / 2000 & 2025)
    München, Heyne Verlag, 2025, 400 S.
    ISBN 978-3-453-44297-9 / 18,00 Euro
    Hardcover

Ist es erforderlich, Stephen King zu lieben, um auch noch seine Autobiographie zu lesen?

Nun, sicherlich ist es hilfreich, schon einige Bücher des amerikanischen Autors zu kennen. den ganzen Beitrag lesen…

Über Morgen

von am 26. Januar 2026

  • Theresa Hannig
    ÜBERMORGEN. Geschichten aus einer besseren Zukunft.
    Vorworte von Karlheinz Steinmüller und Theresa Hannig
    Berlin, Hirnkost, 2025, 127 S.
    ISBN 978-3-9885717-141-0 / 18,00 Euro
    Hardcover

Die 1984 in München geborene Theresa Hannig gehört zu einer ganz seltenen Sorte von Menschen: Sie ist Optimistin, genauer gesagt „Berufsoptimistin“.

Das bedeutet, dass das Lesen ihrer Bücher, Geschichten, Essays und sonstigen Texte – ganz entgegen allem sonst Gewohnten – gute Laune macht. (Mit ihr selbst zu sprechen, ihr bei Diskussionsrunden zuzuhören/zuzusehen oder einem Podcast mit ihr zu lauschen, zeitigt übrigens das gleiche Ergebnis.)

Nun hat Theresa Hannig bereits mehrere Romane geschrieben und dafür auch Preise bekommen, war in einigen Anthologien mit Beiträgen vertreten und ist seit einigen Jahren als fleißige Kolumnistin für die TAZ tätig. In ihren Artikeln tauchte im Herbst 2023 plötzlich ein freundlicher Zeitreisender mit Namen Felix auf, der aus der Zukunft gekommen war, um Theresa Hannig zu helfen. Denn, wie sie es auch selbst formuliert, „Berufsoptimistin sein ist ein harter Job“.

Wie gut ihr die Unterstützung durch Felix getan hat, können wir nun in dem handlichen Büchlein „ÜBERMORGEN – Geschichten aus einer besseren Zukunft“ alle selbst nachlesen. Die Form der mehr als 30 Texte wechselt stetig (und so auch gewollt) zwischen Erzählung und Essay. Zumeist wird ein (tages-)politisches oder kulturelles oder gesellschaftliches Ereignis als „Aufhänger“ benutzt, um das Gespräch zwischen Felix und Theresa in Gang zu bringen. Darin präsentiert zumeist die engagiert-echauffierte Autorin ihre Sicht – nur um sich dann von Felix beruhigen zu lassen, dass nicht alles so wichtig ist, wie es scheint, dass sich Dinge auch zum Besseren wenden können und dass Gelassenheit und Optimismus hilfreicher dabei sind, eine Lösung zu finden, als Panik und Kopf-in-den-Sand-stecken.

Uns allen wird es gut tun, dieses Buch zu lesen (notfalls auch mehrmals, einige Ideen sind schon sehr herausfordernd) und daraus ebenfalls Kraft, Ruhe und Optimismus zu schöpfen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass dann alles von alleine besser wird – Achtsamkeit, Engagement (und manchmal auch ein klein wenig Wut) sind weiterhin nötig. Mitmachen und sich einbringen/einmischen sind Tugenden, die wir pflegen müssen, dann klappt das auch mit der „besseren Zukunft“ besser.

Bis dahin gilt, was Theresa Hannig ihren Leser*innen auf dem Buchrücken zuruft: „Falls es jemanden interessiert: Ich bin immer noch wütend!“

Horst Illmer

  • Theresa Hannig
    ÜBERMORGEN. Geschichten aus einer besseren Zukunft.
    Vorworte von Karlheinz Steinmüller und Theresa Hannig
    Berlin, Hirnkost, 2025, 127 S.
    ISBN 978-3-9885717-141-0 / 18,00 Euro
    Hardcover

Die 1984 in München geborene Theresa Hannig gehört zu einer ganz seltenen Sorte von Menschen: Sie ist Optimistin, genauer gesagt „Berufsoptimistin“.

Das bedeutet, dass das Lesen ihrer Bücher, Geschichten, Essays und sonstigen Texte – ganz entgegen allem sonst Gewohnten – gute Laune macht. den ganzen Beitrag lesen…

Qwert

von am 14. Januar 2026

  • Walter Moers
    QWERT. Roman.
    Ein Prinz-Kaltbluth-Roman in 43 Aventiuren …
    Ill. vom Autor
    München, Penguin, 2025, 582 S.
    ISBN 978-3-328-60427-3
    Hardcover
  • Auch als Hörbuch:
    QWERT. Vollständige Lesung.
    Gelesen von Andreas Fröhlich
    München, Der Hörverlag, 2025, 2 MP3-CDs
    Gesamtspielzeit: 19h 8min
    ISBN 978-3-8445-5534-9

Aufzählung und Wiederholung, Aufzählung und Wiederholung, Aufzählung und Wiederholung, Auf …

Eines der Merkmale (eigentlich sind es zwei) von Walter Moers’ Zamonien-Büchern, die aufzuzählen und zu wiederholen ich mir an dieser Stelle erspare, sind die literarischen Stilmittel „Aufzählung und Wiederholung“. Gleichberechtigt daneben sind zu nennen: Spannung, Humor, Innovationsvermögen, Erzählfreude, Phantasie, Wortwitz, ironische Brechung und umfassende Kenntnis der Klassiker. Nicht zu vergessen: detailverliebte Illustrationen auf übergroßen Buchseiten. Und natürlich Aufzählung und Wiederholung!

1999: Auf dem Planeten Erde erscheint mit DIE 13 ½ LEBEN DES KÄPT’N BLAUBÄR das erste Buch von Walter Moers, das auf dem bisher unentdeckten Kontinent Zamonien spielt.

2025: Das Dutzend ist voll – mit QWERT legt Moers sein zwölftes Zamonien-Buch vor, gleichzeitig das erste, das auf der Parallelwelt Orméa angesiedelt ist.

Und dort folgen wir den Abenteuern des legendären Prinz Kaltbluth, der gar nicht Prinz Kaltbluth ist, sondern nur so aussieht, weil in ihm der Gallertprinz Qwert Zuiopü steckt, der aus der 2364. Dimension stammt, dann aber in ein Dimensionsloch gefallen ist und nun auf recht unsanfte Weise in Prinz Kaltbluths Körper stürzt. Was ihm auf Orméa dann alles widerfährt, schildert der Roman in 43 Aventiuren, die sprachlich-stilistisch ein wenig an den historischen Ritterepen des Spätmittelalters angelehnt, jedoch auch gleichermaßen dem DON QUICHOTTE des Miguel de Cervantes und dem Kofferwort-Erfinder Lewis Carroll (und dessen ALICE IM WUNDERLAND & SPIEGELLAND) zu Dank verpflichtet sind.

Da die Inhaltsangabe eines Moers-Buches normalerweise mehr Raum einnimmt als das jeweilige Buch, unterlassen wir weitere Verzögerungstaktiken – denn nichts ist für einen Rezensenten gefährlicher als der Versuchung zu erliegen, das soeben gelesene Werk in einer Form zu besprechen, die jenes kopiert. Also gleichermaßen spannend, humorig, innovativ, erzählfreudig und phantastisch mit Worten zu spielen wie der Autor, dann, ohne dessen Hang zu Aufzählung und Wiederholung zu erliegen, das Ganze ironisch zu brechen und dabei auch noch auf die eigenen umfassenden Kenntnisse der Klassiker zu verweisen.
Deshalb also flott ans Werk, das Buch gepackt und aufgeschlagen (oder das Hörbuch gestartet) – und rein ins pure Vergnügen. Oder wie es auf Orméa so treffend heißt:

Flamingo!

Horst Illmer

  • Walter Moers
    QWERT. Roman.
    Ein Prinz-Kaltbluth-Roman in 43 Aventiuren …
    Ill. vom Autor
    München, Penguin, 2025, 582 S.
    ISBN 978-3-328-60427-3
    Hardcover
  • Auch als Hörbuch:
    QWERT. Vollständige Lesung.
    Gelesen von Andreas Fröhlich
    München, Der Hörverlag, 2025, 2 MP3-CDs
    Gesamtspielzeit: 19h 8min
    ISBN 978-3-8445-5534-9

Aufzählung und Wiederholung, Aufzählung und Wiederholung, Aufzählung und Wiederholung, Auf …

Eines der Merkmale (eigentlich sind es zwei) von Walter Moers’ Zamonien-Büchern, den ganzen Beitrag lesen…

Andymonaden

von am 31. Dezember 2025

  • Michael Wehren (Hrsg.)
    ANDYMONADEN.12 SF-Geschichten.
    Originalausgabe
    Berlin, Memoranda, 2025, 192 S.
    ISBN 978-3-911391-12-2 / 23,00 Euro
    Klappenbroschur

Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei einem Science-Fiction-Roman deutscher Zunge schon einmal ein solches Projekt wie ANDYMONADEN gegeben hat: Zu dem utopisch-phantastischen Meisterwerk ANDYMON, das Angela und Karlheinz Steinmüller 1982 veröffentlichten (und das bis heute zu den beliebtesten Genretiteln der DDR-Science-Fiction zählt), schrieben unter der Ägide des Herausgebers Michael Wehren zwölf Autor*innen, die derzeit die Speerspitze der deutschsprachigen Gegenwarts-SF bilden, je eine Geschichte, die sich mit den sozialen, politischen, philosophischen und literarischen Implikationen beschäftigen, die ANDYMON für ihre je eigene Sozialisation bedeutet.

Die »12 SF-Geschichten« von Patricia Eckermann, Aiki Mira, Dietmar Dath, Lena Richter, Zeinab Hodeib, Luise Meier, Zara Zerbe, Jol Rosenberg, Anna Zabini, Mart Akbal, Nelo Locke und Michael Wehren selbst springen in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der »Andymon«-Geschichte und lassen uns Heutige eine »Eroberung des Weltraums« ohne Gewaltanwendung auf aufregende Weise neu erleben.
(Eine vorherige Neu-Lektüre der Original-Weltraum-Utopie, ebenfalls bei Memoranda lieferbar, erscheint ratsam.)

Horst Illmer

  • Michael Wehren (Hrsg.)
    ANDYMONADEN.12 SF-Geschichten.
    Originalausgabe
    Berlin, Memoranda, 2025, 192 S.
    ISBN 978-3-911391-12-2 / 23,00 Euro
    Klappenbroschur

Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei einem Science-Fiction-Roman deutscher Zunge schon einmal ein solches Projekt wie ANDYMONADEN gegeben hat: Zu dem utopisch-phantastischen Meisterwerk ANDYMON, das Angela und Karlheinz Steinmüller 1982 veröffentlichten (und das bis heute zu den beliebtesten Genretiteln der DDR-Science-Fiction zählt), schrieben unter der Ägide des Herausgebers Michael Wehren zwölf Autor*innen, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-01: Und hoffentlich zu lernen …

von am 23. Dezember 2025

  • Becky Chambers
    UND HOFFENTLICH ZU LERNEN … Roman.
    Ü: Karin Will
    (TO BE TAUGHT IF FORTUNATE / 2019)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 220 S.
    ISBN 978-3-910914-32-2 / 18,00 Euro
    Hardcover

Wie schön ist das denn: Eine „klassische“ Science-Fiction-Ideengeschichte, erzählt mit den aktuellsten literarischen Stilmitteln von einer der besten Gegenwartsautorinnen. In UND HOFFENTLICH ZU LERNEN … von Becky Chambers erzählt die Bordingenieurin Ariadne O’Neill von ihrem Flug zu den Planeten des Sonnensystems Zhenyi. Mit ihr an Bord der MERIAN sind drei weitere Besatzungsmitglieder, die ebenso wie Ariadne dem „Somaforming“ unterzogen wurden, das es ihnen erlaubt, die 14 Jahre dauernde Kälteschlafreise im Weltraum und die anschließende Zeit der Planetenerforschung ohne körperlichen Schaden zu überstehen. In dem von Ariadne an die heimatliche Erde zurückgesandten Expeditions-Bericht wird jedoch schnell klar, dass die eigentliche Veränderung im „Mindset“ der Beteiligten stattgefunden hat.

Chambers erzählt hier unglaublich fesselnd von den möglichen positiven Auswirkungen, welche die Entdeckung außerirdischen Lebens und die genetische Weiterentwicklung auf das Verhalten der menschlichen Spezies haben könnte. Ihre Weltraumreisenden denken nicht eine Sekunde lang darüber nach, eine ihnen fremde Welt zu „erobern“. Sie sind vielmehr unterwegs, das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu bestaunen und zu beobachten – mit dem festen Vorsatz dabei etwas Neues zu finden „und hoffentlich zu lernen …“.

Mit diesem wundervollen, von Karen Will sehr schön übersetzten Band setzt der Verlag seine erfolgreiche „Kleine Reihe“ mit herausragenden Stories und Novellen fort, die schon jetzt aus dem Bücherregal nicht mehr wegzudenken ist.

Horst Illmer

  • Becky Chambers
    UND HOFFENTLICH ZU LERNEN … Roman.
    Ü: Karin Will
    (TO BE TAUGHT IF FORTUNATE / 2019)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 220 S.
    ISBN 978-3-910914-32-2 / 18,00 Euro
    Hardcover

Wie schön ist das denn: Eine „klassische“ Science-Fiction-Ideengeschichte, erzählt mit den aktuellsten literarischen Stilmitteln von einer der besten Gegenwartsautorinnen. In UND HOFFENTLICH ZU LERNEN … von Becky Chambers erzählt die Bordingenieurin Ariadne O’Neill von ihrem Flug zu den Planeten des Sonnensystems Zhenyi. den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-04: Waterwitch

von am 20. Dezember 2025

  • Molly O´Neill
    WATERWITCH. Roman.
    Aus dem Englischen von Judith C. Vogt
    (GREENTEETH / 2025)
    München, Piper, 2025, 382 S.
    ISBN 978-3-492-70677-3 / 22,00 Euro

Im Laufe der Jahre haben mir eine unüberschaubare Menge Menschen Bücher empfohlen. Ich habe schon vor Jahrzehnten angefangen nachzufragen, aus welchem Grund mir das jeweilige Buch gefallen könnte. Eines der positiven Ergebnisse ist, dass ich dadurch Personen besser kennenlerne, ein anderes, dass ich manchmal mit einem guten Gespräch und einem tollen Lese-Erlebnis belohnt werde. So bin ich auch zu dem Erstlingsroman GREENTEETH, in der deutschen Übersetzung WATERWITCH von Molly O´Neill gekommen. Eine liebe Freundin hatte gerade die Lektüre beendet und war begeistert. Als sie dann hinzufügte, dass Judith Vogt die Übersetzerin ist, hatte das Buch gewonnen.

Erzählt wird die Geschichte von der Ich-Erzählerin Jenny Greenteeth, einer Kreatur, die im 17. Jahrhundert seit vielen Hundert Jahren in einer Höhle in einem Teich in der Nähe von Chipping Appelby in Wessex lebt. Sie hat ihren Teich eine sehr lange Zeit nicht verlassen und hat einen Putzfimmel, oder wie sie selber sagen würde: Sie mag es, wenn ihr See nett und aufgeräumt aussieht. Ihr Element ist das Wasser, sie kann aber auch Luft atmen und sich an Land fortbewegen. Sie wird während ihres Frühlingsputzes gestört, als die Hexe Temperance Crump gefesselte in ihren See geworfen wird. Da sie keinen Hunger hat und die junge Frau ihrer Tochter so ähnlich sieht, frisst sie sie nicht, sondern beschließt, ihr das Leben zu retten. Denn das Geschöpf, das der Hexe nach dem Leben trachtet, bedroht die ganzen britischen Inseln. So beginnt eine Quest, der sich im Laufe der Erzählung noch der hausierende Kobold Brackus Marsh und der Jagdhund Cavall, der lange Zeit mit der Wilden Jagd gezogen ist, anschließen.
Eine bunte Mischung an Wesen aus vor allem englischen und walisischen Legenden tragen dazu bei, die Handlung voranzutreiben. Die Magie, die seit Anbeginn das Land durchzogen hat, wird immer schwächer, und die Menschen leben kaum noch nach den alten Bräuchen. Gwyn ap Nudd, der in alten Zeiten die Wilde Jagd anführte, und seine wunderschöne, geliebte Frau Creiddylad herrschen jetzt wie ein Königspaar über den reisenden Hofstaat der High Fae, dessen Zweck nur noch aus dem allabendlichen Abhalten von Festgelagen und Tanzveranstaltungen besteht. Die Drachen sind auch schon lange ausgerottet. Aber die Wildwege durchziehen immer noch das Land, und noch gibt es eine Chance, mithilfe von Magie und Entschlossenheit die Gefahr abzuwenden.

Ich schätze die glaubwürdigen Entwicklungen der Beziehungen zwischen den Protagonist*innen, denn es entstehen Konflikte, als im Laufe der Reise verschiedenartigen Wertesysteme aufeinander prallen. Wie können Wesen mit Anderen über die Grenzen der Art hinweg, vertraut werden, wie viel kann oder muss eine Freundschaft aushalten können, wer steht mir näher: meinesgleichen, mit denen ich die Ethnie o.Ä. teile, oder diejenigen, mit denen mich gewachsene Bande verschweißt haben, weil sie bedeutende Rollen in meinem Leben spielen.
Solange ich mich innerhalb der Parameter der Erzählung befinde, beruht die »Anwendbarkeit auf das Denken und die Erfahrung« wie Tolkien es formuliert, gerade nicht auf der willentlichen Unterdrückung des Unglaubens (»willing suspence of disbelief«), sondern auf dem mutigen Zulassen bisher unbekannte Möglichkeiten durchzuspielen. Fairy-Stories besitzen die Fähigkeit unsere Sicht auf unsere Realität und unsere Welt zu schärfen, uns unsere Zeit aus einem anderen Blickwinkel sehen zu lassen.  In diesem Buch werden verschiedene Arten mit Anderen zusammenzuarbeiten in der Raum gesellt, die Protagonist*innen schaffen sich in der sich verändernden Welt eine Familie, deren Bindungen kein Verwandtschaftsverhältnis voraussetzt. Denn wer stak ist, muss diese Stärke nicht zwangsläufig gegen Andere oder Schwächere einsetzen.
Molly O´Neills Roman bietet ein angenehmes Maß an erwartetem und an von mir so gar nicht vorhergesehenen Wendungen der Handlung. Die Sprache ist toll. Molly O´Neill schreibt mitreißend, und Judith Vogt hat das Buch sehr angemessen übersetzt, auch wenn Jennys Ton bei ihr etwas kecker wirkt. Am Schluss ist auch eine Seite mit Anmerkungen zur Aussprache der walisischen Namen hinzugefügt, die ich sehr hilfreich finde.
Mir hat auch gefallen, dass die schlimmen Dinge, die eingetroffen sind, weit hinter meinen Befürchtungen zurückblieben. Manchmal ist es gut unrecht zu haben. Das nennt sich wohl »Cosy Fantasy«.

Mir ist aber etwas, sowohl im Original, wie auch in der Übersetzung aufgefallen, von dem ich nicht sagen kann, ob es beim Korrekturlesen übersehen wurde, oder als spezifisches Merkmal in die Handlung gehört. Auf S. 61 der deutschen Ausgabe sind die Augen von Brackus Marsh blau, zwei Seiten später, auf S. 63 braun. Ich bin verwirrt.
Anmerkung fast zum Schluss: den Titel WATERWITCH finde ich auf mehreren Ebenen total daneben: Ich hasse es, wenn ich bei all diesen Büchern mit englischsprachigen Titeln erst erforschen muss, in welcher Sprache der Text ist. (Das schmälert meine Kauflust ganz erheblich, und ich frage mich jedes Mal, warum es nicht auch noch zur Übersetzung des Titels gereicht hat.) In diesem speziellen Fall ist der Titel auch inhaltlich falsch, da Jenny Greenteeth keine Hexe ist, sonder ein Monster, das in einem See lebt. Sie gehört zu den menschenähnlichen Fae und ist wohl mit Grendels Mutter aus dem altenglischen Versepos BEOWULF verwandt, die als »nicor« (Nixe) bezeichnet wird.
Molly O´Neill hat mit WATERWITCH ein herausragend gutes, gutgeschriebenes und spannendes Buch vorgelegt, das darüber hinaus auch ein Einzelroman ist!

Matita Illmer

  • Molly O´Neill
    WATERWITCH. Roman.
    Aus dem Englischen von Judith C. Vogt
    (GREENTEETH / 2025)
    München, Piper, 2025, 382 S.
    ISBN 978-3-492-70677-3 / 22,00 Euro

Im Laufe der Jahre haben mir eine unüberschaubare Menge Menschen Bücher empfohlen. Ich habe schon vor Jahrzehnten angefangen nachzufragen, aus welchem Grund mir das jeweilige Buch gefallen könnte. Eines der positiven Ergebnisse ist, dass ich dadurch Personen besser kennenlerne, ein anderes, dass ich manchmal mit einem guten Gespräch und einem tollen Lese-Erlebnis belohnt werde. den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-06: Das grosse Wenn

von am 18. Dezember 2025 1 Kommentar

  • Alan Moore
    DAS GROSSE WENN.
    Long London 1
    Ü: Hannes Riffel
    (THE GREAT WHEN / 2024)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 410 S.
    ISBN 978-3-910914-46-9 / 24,00 Euro
    Klappenbroschur

London 1949. Dennis Knuckleyard, ein aufstrebender junger Schriftsteller, arbeitet in einer drittklassigen Buchhandlung um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber der Kopf ist voller Flausen, die mentale Grundhaltung ist Naivität und der Mut, dem Leben die Stirn zu bieten, entspringt absoluter Ahnungslosigkeit.

Durch eine Kette von Umständen gerät Dennis zuerst in den Besitz eines Buches, das es eigentlich gar nicht geben kann, dann in Lebensgefahr, in die Gesellschaft von Grace und am Ende zu der Erkenntnis, dass es neben, unter, über und um seine Heimatstadt London herum ein anderes, größeres, magischeres „Long London“ gibt (auch „Das Große Wenn“ genannt) – und er gehört zu den Wenigen, die zwischen beiden Realitäten hin und her wechseln können.

Aus diesem mit mannigfaltigen Lebensläufen durchwirkten phantastischen Stadtbild entwickelt Moore eine äußerst vergnüglich und kurzweilig zu lesende Abenteuergeschichte, deren Wurzeln gleichermaßen in der englischen Schauergeschichte, der viktorianischen Erzähltradition eines Charles Dickens oder Robert L. Stevenson und der literarischen Moderne eines James Joyce oder Franz Kafka zu finden sind. Dazu kommen jedoch Moores eigener schwarzer Humor, seine überragenden Fähigkeiten als Weltenbauer und sein unbedingter Wille, sein Publikum bei der Stange zu halten.

Als Auftaktband zu einer (vermutlich) fünfteiligen Serie über das Schicksal von Dennis Knuckleyard und seinen Freunden in „Short“ und „Long London“ macht DAS GROSSE WENN jedenfalls viel Spaß und den Mund wässrig auf den nächsten Teil.

Horst Illmer

  • Alan Moore
    DAS GROSSE WENN.
    Long London 1
    Ü: Hannes Riffel
    (THE GREAT WHEN / 2024)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 410 S.
    ISBN 978-3-910914-46-9 / 24,00 Euro
    Klappenbroschur

London 1949. Dennis Knuckleyard, ein aufstrebender junger Schriftsteller, arbeitet in einer drittklassigen Buchhandlung um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber der Kopf ist voller Flausen, die mentale Grundhaltung ist Naivität und der Mut, dem Leben die Stirn zu bieten, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-09: Der Hobbit oder Hin und zurück

von am 15. Dezember 2025

  • J. R. R. Tolkien
    DER HOBBIT oder Hin und zurück.
    Mit Illustrationen von Tove Jansson
    Ü: Wolfgang Krege
    (THE HOBBIT or There and Back Again / 1937)
    Stuttgart, Klett-Cotta (Hobbit-Presse), 2025, 376 S.
    ISBN 978-3-608-98888-8 / 35,00 Euro
    Hardcover

Na, die Geschichte von den Abenteuern, die Bilbo Beutlin, Gandalf und das Dutzend Zwerge, das er bei einem „unerwarteten Fest“ verköstigt, erleben brauche ich in dieser erlauchten Runde ja nicht nochmal zu erzählen. Ich will nur hoffen, dass euer Wissen auf der Kenntnis des Buches beruht – und nicht auf der alleinigen Kenntnis der unsäglichen Filmtrilogie.

Also erzähle ich lieber von den Abenteuern dieses außergewöhnlichen Buches, dessen Titel auf Deutsch zuerst KLEINER HOBBIT UND DER GROSSE ZAUBERER, dann lange Jahre DER KLEINE HOBBIT und seit gut 30 Jahren endlich richtig DER HOBBIT ODER HIN UND ZURÜCK lautet. Ihr merkt schon, das Werk hat ein paar Jährchen auf dem Buckel, liest sich allerdings auch nach so langer Zeit immer noch so frisch und spannend wie am ersten Tag.

Und vermutlich besitzt der Großteil von euch bereits eine oder sogar mehrere Ausgaben. Warum also noch eine Besprechung – und warum jetzt?

Auch dazu gibt es eine Geschichte:
Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Stuttgart beim Klett-Cotta Verlag einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin gibt, die oder der in einem kleinen, wohltemperierten Zimmerchen sitzt und sich das ganze Jahr über mit der Frage beschäftigt, was man den Fans von J. R. R. Tolkien wohl als Nächstes zu Weihnachten auf die Wunschliste setzen könnte.

Nun, 2025 ist das eine neue Ausgabe von DER HOBBIT, natürlich in der Reihe der „Hobbit Presse“, in der seit 1969 Tolkiens Werke erscheinen. Kaufanreiz für das großformatige Hardcover mit blauem Halbleinenrücken bieten diesmal die Illustrationen der finnischen Künstlerin Tove Jansson (1914–2001), die als Multitalent sowohl hervorragend malen, zeichnen und schreiben konnte und weltweit seit 1945 als Schöpferin der „Mumins“ bekannt wurde. 1960 illustrierte sie, auf eine Anregung Astrid Lindgrens hin, die schwedische Neuausgabe des HOBBIT.

Diese erstmals in einer deutschsprachigen Ausgabe verwendeten mehr als 20 Strichzeichnungen (plus einem Farbbild) reichen von Vignettengröße bis zu ganzseitigen dramatischen Szenen und zeigen einen eigenständigen, selbstbewussten Umgang mit Tolkiens Abenteuer-Geschichte.

Weihnachten kann also getrost kommen.

Aber in Stuttgart sitzt sicherlich jetzt schon wieder Jemand an einem Schreibtisch und macht sich Gedanken …

Horst Illmer

  • J. R. R. Tolkien
    DER HOBBIT oder Hin und zurück.
    Mit Illustrationen von Tove Jansson
    Ü: Wolfgang Krege
    (THE HOBBIT or There and Back Again / 1937)
    Stuttgart, Klett-Cotta (Hobbit-Presse), 2025, 376 S.
    ISBN 978-3-608-98888-8 / 35,00 Euro
    Hardcover

Na, die Geschichte von den Abenteuern, die Bilbo Beutlin, Gandalf und das Dutzend Zwerge, das er bei einem „unerwarteten Fest“ verköstigt, erleben brauche ich in dieser erlauchten Runde ja nicht nochmal zu erzählen. den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-10: Die Godkiller Trilogie

von am 14. Dezember 2025

  • Kaner, Hannah
    Godkiller
    PIPER, 2024, 448 Seiten
    ISBN 978-3-492-70921-7
  • Sunbringer
    PIPER, 496 Seiten
    978-3-492-709224
  • Faithbreaker
    PIPER, 509 Seiten
    9783492709231

Im letzten Jahr habe ich im Podcastformat bereits den ersten Band empfohlen. Dieses Jahr muss die gesamte Trilogie in den Adventskalender. Die Reihe ist nämlich beendet und hat meiner Meinung nach einen würdigen und guten Abschluss gefunden.

Ein jahrelanger Krieg gegen Götter prägt auch heute noch das Bild ebendieser in Middren. Götter die nicht nur Gebete erhören und Gutes bringen, sondern auch gierig werden, sich Ihrer Macht bewusst und ebenso von bösartigen wie gutartigen Wünschen der Gläubigen beeinflusst werden. Auch wenn der Krieg gegen die Götter gewonnen ist, bleiben diese Middren nicht fern, weshalb der König sogenannte "Godkiller" beauftragt sich dieser anzunehmen.

Eine dieser Godkillerinnen ist Kyssen, eine junge Frau die diesen Job nicht nur beherrscht, sondern auch Ihrer eigenen Vergangenheit mit dem töten von Göttern Genugtuung verschafft. Eines Tages begegnet Kyssen Inara, dem Sprössling einer der Adelsfamilien Middrens, die aus unerfindlichen Gründen an den Gott der Notlügen, Skediceth, gebunden ist. Sie begeben sich gemeinsam auf die Reise um das Rätsel zu lösen und das Band, dass die beiden verbindet zu zerstören. Selbstverständlich muss die Godkillerin hierfür Ihre Einstellung zu Göttern und das damit zusammenhängende "Schwarz-Weiß-Denken" hinterfragen.

In dieser Welt erwartet den Leser ein spannendes und zum nachdenken anregendes Konzept von Göttern. Götter die Ihre Macht aus Gebeten, Opfergaben und dem Glauben einzelner ziehen, die in wahnsinniger Vielfalt existieren können und in ebendieser Vielfalt auch wahnsinnig viel Schaden anrichten.

Mit jedem Band der Trilogie wird das Konzept ausgeweitet, der Blickwinkel verändert und die Welt um Middren vergrößert. Politische Intrigen und die verschiedenen Ansichten und Facetten der Götter bekommen mehr Aufmerksamkeit geschenkt und der Leser kann sich auch auf etwas mehr "Action" freuen. Alles verpackt in einer packenden Fantasywelt mit mehr Tiefgang als man anfangs vermuten würde. Mich überzeugt hier vor allen Dingen die "Glaubensfrage" die allgegenwärtig ist und immer wieder neu betrachtet werden kann und die Götter, die zwar eigene Entscheidungen treffen können, jedoch stark in der Rolle die Ihnen zugedacht wurde gefangen sind.

Wer mal wieder frischen Wind in sein Fantasy-Regal bringen möchte ist hier also genau richtig. Wer Götter, Glauben und ein bisschen politischen Wahnsinn sowieso schon toll findet ebenfalls.

„Es war schwieriger, einen Gott zu töten, als einen zu erschaffen.“

  • Kaner, Hannah
    Godkiller
    PIPER, 2024, 448 Seiten
    ISBN 978-3-492-70921-7
  • Sunbringer
    PIPER, 496 Seiten
    978-3-492-709224
  • Faithbreaker
    PIPER, 509 Seiten
    9783492709231

Im letzten Jahr habe ich im Podcastformat bereits den ersten Band empfohlen. Dieses Jahr muss die gesamte Trilogie in den Adventskalender. Die Reihe ist nämlich beendet und hat meiner Meinung nach einen würdigen und guten Abschluss gefunden.

Ein jahrelanger Krieg gegen Götter prägt auch heute noch das Bild ebendieser in Middren. den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-14: Denial of Service

von am 10. Dezember 2025

  • Aiki Mira
    DENIAL OF SERVICE. Science-Fiction-Thriller.
    Frankfurt a. M., TOR, 2025, 252 S.
    ISBN 978-3-596-71182-6 / 18,00 Euro
    Klappenbroschur

Nach Hamburg und Berlin jetzt also noch Frankfurt am Main – Städte sind bei Aiki Mira nie nur Kulisse, Städte sind Lebewesen, Protagonisten, Mitspieler. Frankfurt zum Beispiel ist ein eigener Staat im Staat geworden, finanzmächtiger als viele der kleineren Nationen, mit eigener Regierung und Rechtsprechung und Vollzugsbehörden. Und Frankfurt hat eine eigene Starke KI, ein künstliches neuronales Netzwerk mit eigenen Moralvorstellungen. Das KNN sorgt für die Stadt und ihre Bewohner, regelt im Hintergrund alles Nötige und weiß über alles Bescheid. Und eines Tages verweigert das KNN sich – DOS: Denial of Service.

In den Hochhaustürmen der Banken, den Wohnsilos, den Bürogebäuden einerseits, aber auch in den Slums, den Parks, den Plätzen läuft das Leben erst einmal weiter wie bisher. Aber bei den Mächtigen im Hintergrund beginnt die nervöse Suche nach den Ursachen – denn ohne die allumfassende Hintergrundsteuerung des KNN droht der Zusammenbruch des Systems, das Scheitern des utopischen Versprechens von der sich selbst steuernden Metropolis.

Inmitten dieser chaostheoretischen Versuchsanordnung versuchen ein Dutzend Personen, Androiden, Tiere und allerlei Mischformen dazwischen ihr Leben so zu gestalten, dass sie unterhalb der Reizschwelle der allgegenwärtigen Überwachung bleiben. Denn deren Aufmerksamkeit zu erregen bringt Minuspunkte ein, was Ärger und Stress oder Schlimmeres bedeutet. So begegnen wir auf den ersten Seiten der Snack-Buden-Besitzerin Per, der Stadtverwaltungs-Mitarbeiterin Jov und dem Drohnen-Spray-Künstler Tad. Zusammengeführt werden sie durch den überraschenden Tod einer Freundin von Tad in Pers Snackbar.

Die Suche nach den Ursachen und Verantwortlichen müssen die drei selbst in die Hand nehmen, da sich die Stadt blind und taub stellt. Dabei treffen sie auf Drogendealer, Geheimbünde, korrupte Beamte, geheime Forschungslabors und heimliche Unterstützer.

Das alles erzählt Aiki Mira in einer selbst entwickelten, diesmal auch noch überaus lyrischen Sprache, die in sehr kurzen Kapiteln und einer auf das Notwendigste reduzierten Form spielerisch-leicht 3-D-Puzzle-Szenen vor unsere Augen bringt, zur Seite schiebt und darauf vertraut, dass sich am Ende ein vollständiges und größeres Bild ergibt als die Summe dieser Fragmente.

Das geheime Bindemittel, mit dem das alles zusammengeführt wird, der Grund dafür, dass der Rhythmus uns so tief bewegt und so fasziniert bei der Stange hält, ist: Liebe. Über alle Probleme und Abenteuer in DENIAL OF SERVICE hinweg zeigen alle Figuren starke Gefühle. Natürlich sind darunter auch Egoismus, Furcht, Zweifel, Gier, Unsicherheit und alle anderen möglichen Beweggründe für mehr oder weniger nachvollziehbares Handeln, aber als die wichtigste Emotion entpuppt sich die Zuneigung.

DENIAL OF SERVICE ist also nicht nur der spannende Science-Fiction-Thriller, den uns der Untertitel verspricht, nicht nur ein sprachlich eleganter Blick auf die heute schon absehbaren Entwicklungen von künstlicher Intelligenz und urbanen Großlösungen, sondern auch ein Plädoyer für mehr Empathie, mehr Gelassenheit, mehr Zusammenarbeit bei den dadurch entstehenden Problemfeldern. Oder ganz kurz: Der gelungene Abschluss von Aiki Miras Zukunfts-Städte-Trilogie!

Dem Roman gelingt dabei etwas, das inzwischen nur noch sehr wenige Bücher überhaupt versuchen – und noch weniger erreichen: Am Ende entlässt DENIAL OF SERVICE seine Protagonisten und Leser*innen mit dem Gefühl einer möglichen positiven Zukunft aus seinen Fängen.

Ich stelle mir Aiki Mira als glücklichen Menschen vor. Anders wäre dieses Liebeslied in Prosa gar nicht zu erklären.

Horst Illmer

  • Aiki Mira
    DENIAL OF SERVICE. Science-Fiction-Thriller.
    Frankfurt a. M., TOR, 2025, 252 S.
    ISBN 978-3-596-71182-6 / 18,00 Euro
    Klappenbroschur

Nach Hamburg und Berlin jetzt also noch Frankfurt am Main – Städte sind bei Aiki Mira nie nur Kulisse, Städte sind Lebewesen, Protagonisten, Mitspieler. Frankfurt zum Beispiel ist ein eigener Staat im Staat geworden, finanzmächtiger als viele der kleineren Nationen, mit eigener Regierung und Rechtsprechung und Vollzugsbehörden. Und Frankfurt hat eine eigene Starke KI, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-17: Lexikon der deutschsprachigen Science ­Fiction 1933-1945

von am 7. Dezember 2025

  • Klaus Geus, Wolfgang Both, Horst Illmer und Klaus Scheffler
    LEXIKON DER DEUTSCHSPRACHIGEN SCIENCE ­FICTION 1933–1945.
    Originalausgabe
    Berlin, Memoranda Verlag, 2025, 403 S.
    ISBN 978-3-911391-10-8 / € 68,00
    Hardcover mit Fadenbindung und Lesebändchen

Also – ich habe ein kleines Problem, von dem ich hoffe, dass es nicht zu einem großen wird. Das Buch, das ich hier empfehlen möchte, habe ich nämlich zum Teil selbst geschrieben. Wer das jetzt blöd findet, oder unangemessen, oder unmöglich – das kann ich gut verstehen.

Andererseits handelt es sich um ein sehr spezielles Sachbuch, ein LEXIKON DER DEUTSCHSPRACHIGEN SCIENCE ­FICTION 1933–1945, und da sind kompetente Rezensenten auch nicht wirklich häufig. Ich versuche also mal den Spagat zwischen objektiver Information und (zwangsläufigem) Selbstlob.

Zuerst mal ein paar Fakten: Auf über 400 Seiten werden im LEXIKON die Biografien von etwa 200 Autorinnen und Autoren vorgestellt, die im Zeitraum zwischen 1933 und 1945 Science-Fiction-(und ein paar wenige Fantasy-)Texte veröffentlicht haben. Dabei werden nicht nur die reinen Daten angegeben, sondern auch eine Einordnung versucht, wie diese Menschen in das literarische und politische Leben der Zeit eingebunden waren.

Desgleichen geschieht mit den in dieser Zeit veröffentlichten Werken. Über 200 detaillierte Buchbesprechungen von zum Teil unbekannten oder nur schwer zugänglichen Texten zeigen, dass die bisherige kritische Beurteilung der deutschsprachigen Science Fiction in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft häufig unkorrekt war, mit Vorurteilen belegt oder von falschen Annahmen ausging.

Anders als meist behauptet, ging die Zahl der Science-Fiction-Werke in der nationalsozialistischen Zeit nicht wesentlich zurück. Wichtige Science-Fiction-Serien wie SUN KOH (1933–1936) und JAN MAYEN (1936–1938) oder Klassiker wie Paul Gurks TUZUB 37 (1935) entstanden erst in dieser Epoche. Wohl aber führten Zensur und Anpassung zu einer zunehmenden Verarmung des Genres. Bis zu einem gewissen Grad wurde dies durch Publikationen von deutschen Exilanten oder durch österreichische und schweizer Autoren ausgeglichen. Gerade diese Personen und ihre Werke erfahren in dem Lexikon besondere Aufmerksamkeit.

Neben den Biografien und Rezensionen stellt das LEXIKON detailgenaue bibliografische Angaben zur Verfügung, in denen nicht nur die diversen Buch-Erstausgaben und Nachdrucke aufgeführt sind, sondern oftmals auch die Daten der Zeitschriften-Vorabdrucke und gegebenenfalls sogar die Übersetzungen in andere Sprachen.
Im Anhang finden sich dann noch hilfreiche Titel- und Autorenregister und ein Literaturverzeichnis.

Die Hauptarbeit an diesem Buch hat Professor Dr. Klaus Geus geleistet, der schon seit Jahrzehnten zur Publikationsgeschichte der deutschsprachigen phantastischen Literatur forscht und bereits zwei (leider derzeit vergriffene) Vorgängerbände veröffentlicht hat, in denen die Jahre zwischen 1870 und 1932 abgehandelt werden.
Für den in weiten Teilen noch unerforschten Zeitraum des sogenannten „Dritten Reiches“ hat er sich viel Zeit gelassen und mit Wolfgang Both, Klaus Scheffler und meiner Wenigkeit drei Mitarbeiter gewonnen, die sich ebenfalls seit Jahren mit dieser Thematik beschäftigen.
Geus hat dann am Ende die Forschungsergebnisse zusammenfassend bewertet und in eine flüssig zu lesende Fassung gebracht, sodass das LEXIKON DER DEUTSCHSPRACHIGEN SCIENCE ­FICTION 1933–1945 nicht nur ein unverzichtbares Standardwerk geworden ist, sondern auch noch zu den äußerst seltenen Sekundärwerken gehört, deren Lektüre gleichermaßen informativ und unterhaltend ist.

Horst Illmer

  • Klaus Geus, Wolfgang Both, Horst Illmer und Klaus Scheffler
    LEXIKON DER DEUTSCHSPRACHIGEN SCIENCE ­FICTION 1933–1945.
    Originalausgabe
    Berlin, Memoranda Verlag, 2025, 403 S.
    ISBN 978-3-911391-10-8 / € 68,00
    Hardcover mit Fadenbindung und Lesebändchen

Also – ich habe ein kleines Problem, von dem ich hoffe, dass es nicht zu einem großen wird. Das Buch, das ich hier empfehlen möchte, habe ich nämlich zum Teil selbst geschrieben. Wer das jetzt blöd findet, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-18: Alan Moore – Jerusalem (zum 1. oder 2. Mal)

von am 6. Dezember 2025 11 Kommentare

  • Alan Moore
    Jerusalem
    Übersetzung Hannes Riffel und Andreas Fliedner
    Berlin, Memoranda Verlag, 2024, 1443 S. Hardcover
    ISBN 9783910914209 / € 78,00

Bevor wir an dieser Stelle in die Pötte kommen, muss ich wohl die Überschrift erklären. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren in der englischen Version in Hermkes Romanboutique gesehen. Da ich mich wohl mit Fug und Recht als Fan des Autoren Alan Moore bezeichnen kann, habe ich natürlich über einen Kauf nachgedacht. Letzten Endes bin ich aber immer wieder davor zurückgeschreckt. Obwohl mir Moore auf Englisch durchaus geläufig ist und ich nie das Gefühl hatte, dass er es seinen Lesern unnötig schwer macht. Aber ein Roman der schon auf den ersten Blick sehr komplex wirkt … Das habe ich mich letzten Endes nicht getraut. Als ich das Buch dann angefangen habe, in der vorliegenden Version von Carcosa auf Deutsch, hat sich diese Entscheidung durchaus als richtig erwiesen. Im Endeffekt habe ich das gesamte Jahr an „Jerusalem“ gelesen. Und schon sehr früh kam ich zum Schluss, dass es mit einer Betrachtung nicht getan sein wird. Einen Umstand, den ich gelegentlich auch mit Horst Illmer besprochen habe. In meiner naiven Vorstellungswelt hätte es am Ende mindestens drei Besprechungen auf comicdealer.de gegeben. Von Horst, Gerd und mir. Gerd dürfte vom Tisch sein. Mein letzter Stand ist, dass er dieses Mammutwerk abgebrochen hat. Als ich Horst vor ca. 4 Wochen (Stand: 18. Oktober) zuletzt gesehen habe, war er noch mit dem Kapitel „Neben der Spur“ beschäftigt. Ich weiß also zur Stunde nicht, ob er das Buch bereits abgeschlossen und seine Gedanken dazu schon zu Papier gebracht hat. Aus meiner Perspektive kann ich also unmöglich sagen, ob dies nun das erste oder zweite Mal ist, dass ihr an dieser Stelle etwas über „Jerusalem“ lesen werdet.

In der Regel habe ich den Anspruch, dass ich für Gerd, Burn und Co. nur Texte verfasse, die dem Verkauf des besprochenen Produkts dienlich sein soll. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesem Anspruch heute gerecht werden kann. Alan Moore ist hier oft genug besprochen worden. Er kam in diversen „Podcast“-Beiträgen zur Sprache und es gibt mindestens zwei Beiträge zu „Watchmen“, einen zweiteiligen Artikel zu „Miracleman“ und einen zu seiner Lovecraft-Pastiche „Neonomicon“. Und das sind nur die Beiträge, die mir ad hoc einfallen. „Jerusalem“ stellt mich vor das eine oder andere Problem. Angefangen damit, dass ich gar nicht weiß, wem ich dieses Buch empfehlen könnte. Tatsächlich habe ich heute bereits einen kleinen Vorsprung in diese Richtung gewagt. Ein Angehöriger einer Bewohnerin an meiner Arbeitsstelle war Lehrer für Geschichte mit einer Spezialisierung auf amerikanische und englische Geschichte. Dazu später mehr. Das andere große Problem ist, dass ich „Jerusalem“ wohl abgebrochen hätte, wenn es nicht von Alan Moore geschrieben worden wäre. Mir fällt nicht mal eine Handvoll anderer Autoren ein, bei denen ich dieses Werk auch bis zum Ende durchgehalten hätte. Und davon ist einer seit vielen Jahren tot: Lovecraft, Jim Starlin (eher als Comicautor bekannt) und Thomas Ligotti (von dem es wohl noch ein gutes Stück wirrer gewesen wäre).

Stellen wir uns zunächst die Frage, was „Jerusalem“ eigentlich sein soll. Da muss zuerst festgestellt werden, dass es nicht um die Hauptstadt Israels geht. Der Titel leitet sich von William Blakes eigentlich titellosem Gedicht ab, welches er seinem „Milton: A Poem in Two Books“ vorangestellt hat. Da wir hier uns hier unter Nerds befinden, dürfte Blake vielen von euch schon untergekommen sein. Eine abgewandelte Form seines Gedichts „The Tyger“ wurde von J. M. DeMatteis für „Spider-Man: Kraven’s Last Hunt“ verwendet und der US-Titel einer Folge der 2. Staffel („Fearful Symmetry““ von „The X-Files“ bezieht sich ebenfalls auf diese Verse. Williams Blakes Gemälde „Ghost of a Flea“ war das Cover von Bruce Dickinsons (Iron Maiden) 98er Album „The Chemical Wedding“ (das beste Album, dass Iron Maiden nicht gemacht haben). Und auch Alan Moore hat sich zuvor schon auf Blake bezogen. Eben jenes Bild hat William Gulls Geist am Ende von „From Hell“ auf seiner Reise durch die Zeit ebenfalls kurz gesehen. Vor gut 12 Jahren habe ich mir den (noch immer lieferbaren) Band Zwischen Feuer und Feuer, dessen Untertitel Gerd scherzhaft als „pötische Werke“ bezeichnete (vielleicht erinnert er sich) gegönnt. Das betroffene Gedicht könnt ihr bei Interesse ab Seite 202 finden.

Neben der Blake-Konnotation ist „Jerusalem“ auch ein autobiographisches und lokalhistorisches Werk. Eben letzteres hat mich dazu motiviert, es o. g. Geschichtslehrer a. d. anzuempfehlen. Alan Moore hat sich, in Form der Künstlerin Alma Warren, selbst in die Geschichte integriert. Deren Bruder Mick dürfte demnach ein Analog zu Moores Bruder Mike sein. Seine Frau, die Künstlerin Melinda Gebbie, Alan Moores Frau, taucht ebenfalls am Rande auf und ist mit Alma befreundet. Man muss wohl davon ausgehen, dass der gesamte Clan aus Vernalls und Warrens Moores eigene Genealogie darstellt. In seiner Biographie kenne ich mich allerdings nicht gut genug aus, um das zu beurteilen. Schließlich und endlich geht es auch um die Geschichte seiner Heimatstadt Northhampton, besonders den als „The Buroughs“ bekannten Stadtteil. So treten auch allerlei historische Namen auf, die man mit dem Ort mehr oder weniger in Verbindung bringen kann. Hier an dieser Stelle auf alle einzugehen wäre müßig. Ich verweise deshalb auf den Beitrag von Udo Klotz in der „phantastisch!“ (Ausgabe 2/2025, Seite 32 ff.). Dort gibt es eine schöne Grafik, die viele der Verbindungen aufzeigt. Ich habe keinerlei historische Fakten überprüft. Das Buch hat mich so schon lange genug beschäftigt. Aber das führt zur einzigen, kleinen Verbindung zur Stadt Jerusalem. Einer Legende zufolge zog in altvorderer Zeit ein von Engeln (oder Angeln) beauftragter Mönch von Jerusalem los, um ein Steinkreuz in das Zentrum seines Landes zu bringen. Dieses Zentrum findet sich natürlich in Northampton, in den Buroughs. Ob das alles auf einer tatsächlichen Legende beruht … ich kann es nicht sagen. Das mag jemand anderes prüfen (Leslie Klinger?) …

Kommen wir nun zum Buch an sich bevor wir uns der Frage stellen, ob der Autor mit seinem Anliegen erfolgreich war. „Jerusalem“ ist in drei „Bücher“ aufgeteilt. Dabei ist nur das Mittlere geradlinig erzählt. Im ersten Buch springt Moore ständig zwischen den Zeiten und Figuren hin und her. Hier hilft ein gutes Gedächtnis (oder ein Notizblock). Zum Glück verfüge ich über ein gutes Gedächtnis. Ein Beispiel hierzu: Wir sehen ein Treffen zwischen der Prostituierten Marla und dem gescheiterten Dichter Benedict Perrit. Zunächst aus ihrer Perspektive, später aus Perrits Sicht. Und am Ende des dritten Buchs erhalten wir noch einen weiteren Blick auf diese Begegnung.
An anderen Stellen folgen solch unterschiedliche Perspektiven direkt aufeinander. Da wäre z. B. das Gespräch zwischen dem Schauspieler mit dem Spitznamen „Sir Francis Drake“ (ich habe erst im zweiten Buch kapiert, dass das Charlie Chaplin sein soll) und der älteren May Warren, welches wir zuerst aus der Perspektive des Schauspielers sehen und im anschließenden Kapitel dann aus Mays. Während des Gesprächs fährt die Figur des „Black Charley“ auf seinem skurrilen Fahrrad an der Szene vorbei. Das sehen wir dann wiederum im nächsten Kapitel aus dessen Sicht. Sehr wenig sehen wir von Alma und Mick Warren, die man wohl als Hauptakteure des Werks bezeichnen muss. Ob dies ein Problem ist mag jeder für sich selbst entscheiden. Alan Moore ist sich dessen aber durchaus bewusst. Im letzten Kapitel besucht Mick eine Kunstausstellung seiner Schwester. Er stellt fest, dass deren Werke wohl eine Geschichte erzählen, in denen die Hauptdarsteller nur am Rande vorkommen. Natürlich kann man auch die Stadt als eigentlichen Hauptcharakter identifizieren. In jedem Fall ist sich der Autor der Schwierigkeiten bewusst, die das Fehlen von eindeutigen Identifikationsfiguren mit sich bringt. Es hilft auch nicht unbedingt, dass er mit vielen verschiedenen Einflüssen und Erzählstilen experimentiert. Besonders nicht wenn man die Länge der Kapitel in Betracht zieht.

Das zweite „Buch“ unterscheidet sich deutlich vom Rest des Gesamtwerks. Wir folgen den Abenteuern des noch sehr jungen Mick Warren während einer Nahtoderfahrung. Mick kommt ins Obergeschoss (Himmel? Hölle? Totenreich?) und trifft auf ein Bande toter Kinder bzw. deren Geister. Da Mick eine wichtige Rolle zu erfüllen hat, müssen diese ihm dabei helfen, sich an seine Abenteuer im Obergeschoss (bzw. in „Menschenseele“) zu erinnern. Denn dies sei von äußerster Wichtigkeit. Dabei erleben sie allerlei Abenteuer während sie sich durch verschiedene Epochen graben, die sie zum Teil auch in die Welt der Lebenden bringt. Sie treffen z. B. Oliver Cromwell am Vorabend der Schlacht von Naseby. Erschwert wird das Unternehmen der Bande durch den Dämonen Asmodäus, der Mick zu einem Handel verleitet (den er aber scheinbar nie erfüllen muss). Das Obergeschoss ist dabei in mancher Hinsicht eine Kopie von Northampton und den Buroughs. Bis hin zu der Tatsache, dass dort einiges im Argen liegt. Wofür der Destruktor, die metaphysische Manifestation des Schornsteins einer Müllverbrennungsanlage (die wohl nicht mehr existiert wenn ich alles richtig verstanden habe), verantwortlich ist. Dieses Ende gilt es wohl abzuwenden. In Menschenseele erfahren wir auch, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wohl gleichzeitig existieren.

Im dritten „Buch“ springt Moore dann wieder zwischen allen möglichen Punkten hin und her. Dabei stellt er in manchen Kapiteln eine historische Figur aus der Geschichte Northamptons und eine der aktuellen Akteure direkt gegenüber. Auf diese Art begegnen wir Sir Isaac Newton in seiner Rolle als Leiter der staatlichen Münze. Northampton hatte wohl eine zentrale Rolle in der Entstehung einer britischen Währungsform (wieder: ich habe davon nichts geprüft). Mick und Alma kommen in diesem dritten Buch etwas öfter vor. Das ganze bezieht sich auf das erste Kapitel in welchem Mick, der sich nach einem Arbeitsunfall, wieder an einige seiner Erlebnisse in Menschenseele erinnern kann, Alma von diesen erzählt. Seine Schwester fasst dann das Vorhaben, diese Geschichte in Bilder zu fassen. Diese Kunstausstellung besuchen wir im letzten Kapitel.

Was will der Autor uns mit alldem nun sagen? Natürlich wäre da der autobiographische Anteil. Wie stark der auch immer sein mag. Aber im Zentrum dürfte wohl die Stadt, besonders jener als Buroughs bekannte Teil, stehen. Moore zeichnet die Entwicklung seiner Heimatstadt, an der ihm offensichtlich viel liegt, von einer einstmals wichtigen Ortschaft bis zu ihrem Verfall in den heutigen Zustand nach. Besonders die Buroughs sind dabei ein Problemviertel. Oder ein sozialer Brennpunkt wie man heute sagen würde. Moore stellt die Behauptung auf, dass jeder Einwohner dieses Viertels verschuldet sei. Schuld daran sei z. T. die Stadt selbst, die (bzw. deren Einwohner) als grundsätzlich aufsässig beschrieben werden und so das eine oder andere Mal in Konflikte mit König und Krone geriet. Was dann z. B. zur Auflösung der örtlichen Münze geführt habe. In moderneren Zeiten wird wohl auch Korruption eine Rolle gespielt haben, die etwaige Aufbaumaßnahmen für das Viertel zu Rohrkrepierern gemacht haben. Ein Stadtrat James Cockie soll sich dabei in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. In einem Kapitel ohne jedes Satzzeichen beteuert dieser seine Unschuld. Der Name scheint, wohl aufgrund des Vorwurfs, von Moore geändert worden zu sein. Zumindest konnte ich nichts über jenen Herrn Cockie finden. Vermutlich handelt es sich im richtigen Leben um den ehemaligen Amtsinhaber John Dicke.

Moore kann am Ende keine Lösung für seine Stadt anbieten. Was passieren muss wird passieren und es wird immer wieder passieren. So wird man auch immer wieder alten Bekannten begegnen und sein Leben immer wieder aufs Neue leben so wie wir es im zweiten „Buch“ in Menschenseele erleben. Ob das nun der Kern der Aussage des Buches ist, kann ich nicht abschließend feststellen. Aber es ist zumindest ein Teil dessen. Unterm Strich geht es ihm aber wohl um Northampton. Seiner Heimat, an der wohl, trotz aller Probleme, noch immer sein Herz hängt. Und obwohl er keine Lösung für diese Probleme aufzeigen kann, die Situation wohl sogar eher als ausweglos einschätzt, scheint er das alles nicht als per se negativ besetzt zu sehen. Der Eternalismus des sich stets wiederholenden Lebens (zu dem dann auch die Überschrift wieder passt) scheint ein Hoffnungsschimmer zu sein. Sofern ich mich nicht irre.

Das bringt mich (wie passend) zurück an den Anfang. Ich weiß nicht, wem ich dieses Buch empfehlen soll. Ich denke, dass es eine lohnende Lektüre sein kann, in der es viel zu entdecken gibt. Sofern man bereit ist, sich auf das alles einzulassen. Unser Lokalheld Christian Endres meinte mal zu mir, dass ich eher bereit bin, mich auf solche „Mindfucks von Moore, Neil Gaiman oder Grant Morrison“ mitnehmen zu lassen als er (wenn ich mich recht entsinne in Bezug auf „Sandman: Overture“). Dem mag durchaus so sein. „Jerusalem“ hat mich aber tatsächlich an meine Grenzen geführt. In einer Besprechung habe ich gelesen, dass, anders als bei seinen Comics (hier die Zeichner), niemand dabei war, der Moore einfängt, wenn er es übertreibt. Dem Eindruck schließe ich mich durchaus an. Da wäre die alles andere als lineare Erzählweise, die fast immer sehr langen Kapitel und das Spiel mit den verschiedenen Stilrichtungen (und die ganzen Einflüsse). Ein Kapitel ohne Satzzeichen (erstaunlich gut lesbar). Ein Kapitel in Form eines Theaterstücks (einer der Höhepunkte). Das Jugendbuch in der Mitte. Und dann ist da das oben schon angesprochene Kapitel „Neben der Spur“ in dem er James Joyces „Finnegans Wake“ nacheifert. Nahezu unlesbar aufgrund der … Phantasiesprache (aber immerhin, anders als bei Joyce, kein ganzes Buch in dieser Form). Und es trägt im Grunde nichts zum Rest des Buches bei. Wir sehen Joyces Tochter Lucia in Menschenseele (also dem Totenreich) als Patientin einer psychiatrischen Einrichtung wie sie durch die Zeiten wandelt. Dabei streift sie auch durch mehrere psychiatrische Kliniken (oder verschiedene Versionen derselben?) und trifft alle möglichen anderen Patienten. Darunter Schauspieler Patrick McGoohan („The Prisoner“). Sie reflektiert dabei über ihre Lebensgeschichte (z. T. wohl mit fiktiven Ereignissen angereichert) und das ganze endet damit, dass sie Sex mit dem Geist von Dusty Springfield hat.

Wie gesagt, ich denke, dass es sich durchaus um eine lohnende Lektüre handelt. Aber für wen? Man muss „Jerusalem“ wohl mehrfach lesen, um es in Gänze zu erfassen und wertzuschätzen. Allein, wer soll das tun? Ich habe fast ein Jahr daran gelesen. „Neben der Spur“ hat von dieser Zeit etwa einen Monat eingenommen. Ich wüsste nicht, wann ich mir diese Zeit noch mal nehmen könnte. Nicht in Anbetracht all der Bücher hier, die ich noch nicht gelesen habe, all derer die ich noch nicht gekauft habe, Arbeit im Schichtdienst, andere Interessen … Vielleicht mal, wenn Leslie Klinger tatsächlich eine kommentierte Version erstellt. Wer weiß.

Aber macht euch gerne alle selbst ein Bild. Immerhin ist es Alan Moore. Und Gerd freut sich über jedes verkaufte Exemplar.

And did those feet in ancient time
Walk upon England’s mountains green?
And was the holy Lamb of God
On England’s pleasant pastures seen?

[…]

I will not cease from Mental Fight,
Nor shall my Sword sleep in my hand
Till we have built Jerusalem
In England’s green & pleasant Land.

William Blake

  • Alan Moore
    Jerusalem
    Übersetzung Hannes Riffel und Andreas Fliedner
    Berlin, Memoranda Verlag, 2024, 1443 S. Hardcover
    ISBN 9783910914209 / € 78,00

Bevor wir an dieser Stelle in die Pötte kommen, muss ich wohl die Überschrift erklären. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren in der englischen Version in Hermkes Romanboutique gesehen. Da ich mich wohl mit Fug und Recht als Fan des Autoren Alan Moore bezeichnen kann, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-20: The Stranger Times

von am 4. Dezember 2025

  • C.K. Mcdonnell
    The Stranger Times
    Eichborn, 2023, 464 S.
    ISBN 9783847901570 / 14,00 Euro
    TB

Hannah Willis hat’s nicht leicht: frisch geschieden, pleite, keine Perspektive. Da landet sie ausgerechnet bei The Stranger Times, einer schrägen britischen Wochenzeitung, die sich auf das Abseitige spezialisiert hat: UFO-Sichtungen, Monsterlegenden, übernatürliche Ereignisse. So weit, so kurios. Doch kaum hat Hannah ihren Schreibtisch eingerichtet, geschehen tatsächlich ein paar seltsame Dinge.
Das Ganze spielt in Manchester, zwischen dampfenden Pubs, miesem Wetter und noch mieseren Witzen. Und genau dort entfaltet C.K. McDonnell eine Mischung aus britischem Mystery-Krimi und absurder Komödie. Bei McDonnell wundervollem Büchlein stehen aber nicht die fantastischen Element im Vordergrund, sondern die Menschen. Er schreibt wie jemand, der Douglas Adams gelesen, Terry Pratchett bewundert.Das Übernatürliche ist nur der Rahmen für etwas viel Bodenständigeres: Bürochaos, Zynismus, schräger britischer Humor. Die Figuren, allen voran Chefredakteur Vincent Banecroft, eine Mischung aus Grantler und Genie, sind so ungewöhnlich und schräg, man kennt und mag sie sofort.
Für Leute, die sonst sagen: „Ich kann mit Fantasy nix anfangen“, ist The Stranger Times der perfekte Seiteneinstieg. Es liest sich wie ein Mystery-Krimi mit überdrehtem Personal und einem Hauch X-Files-Feeling, gespickt mit gutem britischen Humor.
Wer möchte kann sich mit zwei weiteren Bänden der Reihe weiter amüsieren

  • C.K. Mcdonnell
    The Stranger Times
    Eichborn, 2023, 464 S.
    ISBN 9783847901570 / 14,00 Euro
    TB

Hannah Willis hat’s nicht leicht: frisch geschieden, pleite, keine Perspektive. Da landet sie ausgerechnet bei The Stranger Times, einer schrägen britischen Wochenzeitung, die sich auf das Abseitige spezialisiert hat: UFO-Sichtungen, Monsterlegenden, übernatürliche Ereignisse. So weit, so kurios. Doch kaum hat Hannah ihren Schreibtisch eingerichtet, geschehen tatsächlich ein paar seltsame Dinge.
Das Ganze spielt in Manchester, den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-22: Shadow of Leviathan – The Tainted Cup

von am 2. Dezember 2025

  • Bennett, Robert Jackson
    The Tainted Cup
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2025, 464 Seiten
    ISBN 9783985852987

Wie ich bereits in einer früheren Rezension des selben Autors angeteasert habe, erschien am 14.11.2025 der erste Band seiner neuen "Shadow of Leviathan"-Reihe. Neben der von mir bereits sehr gern gelesenen und empfohlenen "Die Schlüssel der Magie" und "Die Göttlichen Städte"-Reihe nun also seine dritte Trilogie, die ich wieder nur wärmstens empfehlen kann, Robert Jackson Bennett ist nicht zu unterschätzen.

Wir begeben uns in eine dystopische Welt die von Leviathanen heimgesucht wird. Wesen, die in der Regenzeit vom Meeresboden auftauchen, um das Imperium, unseren Ort des Geschehens, nicht nur zu terrorisieren, sondern auch zu zerstören. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte das Imperium Strategien und vor allem "Anpassungen" um diesem Problem Herr zu werden. Neben der Seemauer über die die Küste überwacht und den Leviathanen Einhalt in Form von Waffengewalt geboten wird, werden Menschen in jeglicher Form angepasst, damit Sie dem Imperium besser mit Ihrer Stärke, Ihren Sinnen oder Ihrem Wissen dienen können. Auch Pflanzen und Tiere erhalten sogenannte "Plantate" um Ihnen verschiedene Resistenzen oder ähnliches zu verleihen, beispielsweise um Waffen zu verbessern.

Hier folgen wir dem jungen Gravierer Dinios "Din" Kol, der als Ermittlungsgehilfe für Anagosa "Ana" Dolabra arbeitet. Als Gravierer besitzt er die Fähigkeit sich alles was er gesehen, wahrgenommen und erlebt hat einzugravieren und es jederzeit wieder abrufen zu können, was für seine Arbeit, die man mit der der Polizei vergleichen könnte, recht praktisch ist. Aus seiner Sicht heraus verfolgen wir einen mysteriösen Mordfall, der mit jeder Entdeckung tiefer dringt und größere Kreise zieht als anfangs erwartet. Während Din ein eher zurückhaltender, ernster Charakter ist, stellt Ana, die Ermittlerin, mit ihrem humorvollen, wahnwitzigen Gemüt ein ziemliches Gegenteil dazu dar. Aufgrund Ihrer außerordentlichen Begabung Dinge zu kombinieren und Muster zu erkennen, leistet Sie als Ermittlerin herausragende Arbeit und überrascht den Leser immer wieder mit Ihren detailgenauen Schlussfolgerungen, sodass man sich auf jede Berichterstattung Dins Ihr gegenüber freut.

Schon nach den ersten Kapiteln dieses Buches erfasste mich eine wehleidige Stimmung, da ich mir darüber bewusst wurde, dass auch dieses Buch enden wird und es noch bis Mai 2026 dauern wird, bis der zweite Band der Reihe erscheint. Einen Kriminalroman in eine solch durchdachte und spannende Fantasywelt zu verpacken ließ mich erst ein wenig zögern, der wunderbar lesbare und ausschmückende Schreibstil von Robert Jackson Bennett konnte mich zusammen mit der Spannung des Romans jedoch schnell überzeugen.

Auch wenn man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen soll, freue ich mich über jedes, das zusätzlich zu einem guten Inhalt auch mit einem schön gestalteten Einband daher kommt. Neben dem "Wie die Faust aufs Auge"-passenden Cover, hat dieses Buch auch noch einen dazugehörigen Farbschnitt, der es meiner Meinung nach zu einem perfekten Weihnachtsgeschenk für Fantasy- oder auch Krimi-Fans macht.

„So viel Gefühl habe ich noch nie zuvor in deiner Stimme gehört, Din! Das muss ja ein wirklich spektakulärer Todesfall gewesen sein, wenn er durch deine Langweiligkeit zu dir vorgedrungen ist und solch wilde Leidenschaft geweckt hat.“

  • Bennett, Robert Jackson
    The Tainted Cup
    Adrian Wimmelbuchverlag, 2025, 464 Seiten
    ISBN 9783985852987

Wie ich bereits in einer früheren Rezension des selben Autors angeteasert habe, erschien am 14.11.2025 der erste Band seiner neuen "Shadow of Leviathan"-Reihe. Neben der von mir bereits sehr gern gelesenen und empfohlenen "Die Schlüssel der Magie" und "Die Göttlichen Städte"-Reihe nun also seine dritte Trilogie, die ich wieder nur wärmstens empfehlen kann, Robert Jackson Bennett ist nicht zu unterschätzen. den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-23: Stonehenge – Die Kathedrale der Zeit

von am 1. Dezember 2025

  • Ken Follett
    Stonehenge – Die Kathedrale der Zeit
    Aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt
    Köln, Lübbe Verlag, 2025, 672 S.
    ISBN 9783757701239 / 36,00 Euro
    Hardcover

Ja, Ken Follett muss man eigentlich nicht rezensieren oder bewerben. Aber "Die Säulen der Erde" war immer eine der Top Empfehlungen von Hermke UND ebenfalls ein Buch, das ich sehr schätze. Über die spätere Einordung als ersten Teil der  Kingsbridge Serie muss ich dann schon ein wenig schmunzeln. Denn "Die Säulen der Erde" ist ein komplett in sich geschlossener Einzelband und meiner Meinung nach konnte keiner der späteren "Teile" diese einzigartige Stimmung, Spannung und Tiefe erreichen.

Versteht mich nicht falsch, Ken Follett schreibt routiniert und mit gleichbleibender Qualität. Stets gut recherchiert und mit Feingefühl und Fantasie um fiktive Protagonisten und Geschehnisse erweitert. Trotzdem kam keiner der Romane an "Die Säulen der Erde" heran. Für mich (und Hermke) jedenfalls.

Anders war das jetzt bei "Stonehenge". Obwohl ich mich über die marketingtechnischen Platitüde "Kathedrale der Zeit" in Anlehnung an "Die Säulen der Erde" schon ziemlich amüsiert habe, habe ich den neuen Roman wieder gelesen. Und bin belohnt worden. 

Ken Follet schreibt in gewohnt unterhaltender Manier, die Eckdaten sind auf dem Stand neuester Erkenntnisse und in diesen historischen Unterbau erzählt er die Geschichten mehrerer Protagonistinnen, ja vornehmlich weiblicher Identifikationsfiguren, die rund und authentisch wirken. Eine davon ist Joia, Priesterin des Hirtenvolkes. Eine durch und durch charismatische Frau mit der Vision, ein Monument für die Ewigkeit zu errichten. Den langsam verfallenden, hölzernen Kultplatz durch ein steinernes Monument zu ersetzen.

Dabei geht Follet langsam und bedächtig vor. Zeichnet erst Bilder der unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen. Die Sammler, die klassischen Überlebensstrategien steinzeitlicher Lebensart folgen, die Hirten, die domestiziertes Vieh nutzen und schließlich die ortsgebundenen Bauern, die ihr Ackerland bestellen. Er lässt sich viel Zeit einen Eindruck dieser Lebenskonzepte, der jeweiligen Menschen und der Konflikte der Stämme untereinander zu zeichnen. Natürlich ist all das, vor allem die individuellen Beschreibungen von Problemlösungen und Inventionen genauso wie die sozialen Strukturen und Hierarchien, wenig wissenschaftlich belegbar. Trotzdem gelingt es ihm eine plastische Vorstellung möglicher gesellschaftlicher Ordnungen und Strukturen zu erzeugen. Dabei ganz bewusst unterschiedliche Modelle vom strengen Patriarchat der Bauern über das fast anarchische Waldvolk zu der utopischen Mischform beim Hirtenvolk gegenüber zu stellen. Gerade die Mischform mit leicht matriarchalischen Zügen beim Hirtenvolk und die starken Frauencharaktere wirken trotz des modernen Anscheins durch und durch authentisch.

Die Härte und Brutalität dieser frühen Kulturen zeigt sich an vielen Stellen des Romans. Es ist also keinesfalls eine heile Welt. Trotz der leicht utopischen Schilderung der Gesellschaft des Hirtenvolkes und der Priesterinnen. Mord und Totschlag, Krankheit und Unfälle, Brutalität und andauernder Überlebenskampf. All das wird ausreichend authentisch und teilweise fast schon frustrierend dargestellt. Da ist man als Leser fast schon froh, dass am Ende ja alles gut wird und der Traum Joias in Erfüllung gehen muss. Denn wie wir wissen, steht Stonehenge ja bis heute.

Stonehenge hat mich sehr gut unterhalten. Ich konnte mich mit den Protagonisten angenehm einfach anfreunden. Ich konnte mit ihnen Bangen und hoffen, trauern und lieben. Ich denke, es hat bei mir "Die Säulen der Erde" von Platz eins verdrängt. Obwohl der zeitliche Abstand dieses Buch schon ziemlich in den Olymp gehoben hatte. Wir wissen ja alle, wie verklärt oft solche Erinnerungen sind. Seis drum. Der Einduck von Stonehenge ist frisch und das Buch hat alles, was man von einem solchen historisierenden Roman erwarten kann.

  • Ken Follett
    Stonehenge – Die Kathedrale der Zeit
    Aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt
    Köln, Lübbe Verlag, 2025, 672 S.
    ISBN 9783757701239 / 36,00 Euro
    Hardcover

Ja, Ken Follett muss man eigentlich nicht rezensieren oder bewerben. Aber "Die Säulen der Erde" war immer eine der Top Empfehlungen von Hermke UND ebenfalls ein Buch, das ich sehr schätze. Über die spätere Einordung als ersten Teil der  den ganzen Beitrag lesen…

Adventskalender 2025 T-24: Lavinia

von am 30. November 2025

  • Le Guin, Ursula K.
    LAVINIA. Roman.
    Ü: Matthias Fersterer, Nachwort: U. K. Le Guin, Karte: Jeff Mathison
    (LAVINIA / 2008)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 306 S.
    ISBN 978-3-910914-44-5 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Da ich nicht zu Jenen gehöre, die „ihren Vergil im Original“ lesen können (wie die Romanistin Le Guin gerne erzählte), musste ich vor der Lektüre von LAVINIA noch mal schnell das Internet befragen: Der römische Dichter Vergil lebte im 1. Jahrhundert vor Christus und verfasste mit seinem Versepos AENEIS den Gründungsmythos des Römischen Reiches. Darin erzählt er die Fahrten und Abenteuer des Aeneas, beginnend mit dessen Flucht aus dem brennenden Troja bis hin zu seiner Landung in Italien und den dortigen Kämpfen um die Herrschaft über Rom. Dabei lernt er König Latinus kennen, der ihm seine Tochter Lavinia zur Frau gibt. Dieser bleibt bei Vergil jedoch eine stille Nebenrolle beschieden.

Womit die Rahmenhandlung abgesteckt wäre, in die Ursula K. Le Guin nun ihre Version vom Leben der Prinzessin, Ehefrau, Mutter und Königin Lavinia einfügt und ihr eine Art „poetischer Gerechtigkeit“ widerfahren lässt.

Die Ich-Erzählerin Lavinia erhebt nun ihre Stimme und erzählt ihre Lebensgeschichte, in der die Zeit mit Aeneas nur eine (wenngleich auch die bei weitem wichtigste) Episode darstellt.
Sie berichtet von ihrer Kindheit und Jugend, ihrem Leben als Prinzessin am königlichen Hof von Laurentum, dem Werben ihrer Freier (darunter Turnus, der Cousin und Favorit ihrer Mutter), ihrer (traumhaften) Begegnung mit dem Dichter Vergil (der ihr einen Großteil seines Epos erzählt), ihrem Warten auf Aeneas, den kriegerischen Auseinandersetzungen, die auf sein Eintreffen folgen, der Heirat und der Schwangerschaft und dem Tod des/ihres Helden.
Damit endet Vergils Dichtung, nicht jedoch Lavinias Leben.
Sie, die „nicht genug echte Sterblichkeit“ verliehen bekam, führt den Haushalt weiter, dient ihrem Volk als Königin, übernimmt die Erziehung des Prinzen Silvius (auch gegen den Willen von Aeneas’ Erstgeborenem Askanius), sieht diesen zum König und sich selbst zur Großmutter werden – und driftet aus dem weiteren Geschehen hinaus, wechselt in die Hülle einer Eule und überbrückt so die Zeit- und Sprachbarrieren zwischen der Gründung Roms und dem Heute.

In einer traumhaft schönen Sprache schreibt Le Guin hier in der Rolle einer Übersetzerin ihre Prosafassung der Vergil’schen Heldendichtung. Sie hat in Lavinia die ideale Erzählfigur gefunden: nahe genug am Geschehen um glaubhaft ihre Version darlegen zu können, aber nicht vorbelastet durch zuviel Beschreibung des antiken Dichters.

Le Guins Stil ist topaktuell, fast postmodern zu nennen; sie bricht das Geschehen immer wieder auf, um zum Beispiel die Figur Lavinia (die sich ihrer Figurenrolle bewusst wird) mit ihrem „Erfinder“ Vergil ins Gespräch zu bringen. Dabei spricht dieser nicht nur seine eigenen Verse, sondern reflektiert auch über jenen Spätergeborenen (Dante), der ihn dereinst zum Führer durch die Unterwelt machen wird. Auch Lavinias Erkenntnis, dass sie ihr Leben ab einem bestimmten Zeitpunkt nun ohne die Visionen des Dichters weiterleben muss, deutet weit über den Rahmen eines gewöhnlichen Historiendramas hinaus.

LAVINIA ist ein Buch, das beim Lesen alle Sinne berührt und viele Emotionen weckt – und nachher ein Gefühl von erhabener Fröhlichkeit hinterlässt. Ganz, ganz große Literatur.

Horst Illmer

  • Le Guin, Ursula K.
    LAVINIA. Roman.
    Ü: Matthias Fersterer, Nachwort: U. K. Le Guin, Karte: Jeff Mathison
    (LAVINIA / 2008)
    Wittenberge, Carcosa, 2025, 306 S.
    ISBN 978-3-910914-44-5 / 22,00 Euro
    Klappenbroschur

Da ich nicht zu Jenen gehöre, die „ihren Vergil im Original“ lesen können (wie die Romanistin Le Guin gerne erzählte), musste ich vor der Lektüre von LAVINIA noch mal schnell das Internet befragen: Der römische Dichter Vergil lebte im 1. den ganzen Beitrag lesen…

Die Stadt der singenden Flamme

von am 26. November 2025

  • Clark Ashton Smith,
       oder kurz CAS, ist neben
    H. P. Lovecraft
       und
    Robert E. Howard
       das dritte Mitglied der „drei Musketiere der Weird Tales“.
       Während seine beiden Zeitgenossen und regelmäßigen Korrespondenzpartner bereits mehr als einmal hier besprochen wurde, gab es noch keinen Beitrag, der ausschließlich dem Schaffen Smiths gewidmet war. Die Neuausgabe des Bandes
    Die Stadt der singenden Flamme
       im Rahmen der neuen Classics-Reihe des
    Festa Verlags
       liefert also die perfekte Ausrede, um dies zu ändern.

Wie auch schon der erste Band der Reihe, der Robert Howards Solomon Kane gewidmet war, handelt es sich hier nicht um Erstveröffentlichungen sondern um Nachdrucke. Eine sechsbändige Reihe mit dem unheimlich-phantastischen Werk Smiths erschien zwischen 2011 und 2018 in der Reihe H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens. Im Verlauf dieser neuen Serie sei es geplant, alle diese Bücher, dieses Mal in Form von Paperbacks, wieder zugänglich zu machen. Der Großteil der alten Reihe ist verlagsseitig nicht mehr lieferbar.

Clark Ashton Smith ist für Kenner der phantastischen Literatur, insbesondere der Weird Fiction, kein unbeschriebenes Blatt. Die ersten Veröffentlichungen seiner Kurzgeschichten gab es in der seligen Bibliothek des Hauses Usher (die Bücher mit den grünen Seiten) und ihren Taschenbuchauswertungen bei Suhrkamp. Im Gegensatz zu seinen beiden berühmteren Kollegen ist Smith danach aber etwas in Vergessenheit geraten. Vor der oben bereits angesprochenen Werkausgabe gab es in derselben Reihe 2001 einen Auswahlband unter dem Titel Necropolis. Deren einen Hälfte war mit Geschichten aus Zothique gefüllt, während der Rest thematisch unsortierte Geschichten enthielt. Dieser Band begründet mein Fandom zu diesem Autoren, der von vielen Fans mitunter als der bessere Lovecraft bezeichnet wird. Als ca. 2006 die Pläne für die o. g. Werkausgabe erstmals angekündigt wurden (kurz nach der Ankündigung für Howards gesammelte Horrorstories übrigens), war ich sofort Feuer und Flamme und zwischen Herausgeber Frank Festa und mir kam es zu einem kurzen Mail-Austausch. Dass es ca. fünf Jahre dauern sollte, bis ich den ersten Band dann in Händen halten sollte, habe ich damals nicht geahnt. Aber die Wartezeit hatte sich durchaus gelohnt.

Damals wie heute wird der Reigen mit "Die Stadt der singenden Flamme" eröffnet. Eine durchaus geschickte Entscheidung. Wir werden gleich sehen warum. Wie ich oben erwähnt habe, bestand ca. die Hälfte des Bandes "Necropolis" aus Geschichten über den letzten Kontinent Zothique. Dieses Zothique ist nun nicht die einzige Welt, die CAS zur Geschichte der Phantastik beigesteuert hat. Neben einigen thematisch ungebundenen Erzählungen enthält der vorliegende Band sämtliche Geschichten aus Hyperborea. Dieses Hyperborea hat nun nichts mit dem Robert E. Howards zu tun. Die beschriebene Welt dürfte sich, anders als das vorhistorische hyborische Zeitalter REHs, etwa in der Eisenzeit befinden, kurz vor dem Einsetzen einer Eiszeit. Es sind diese Geschichten, in denen sich Smith dem Cthulhu-Mythos am meisten nähert, womit der Band für Fans Lovecrafts und seiner Großen Alten besonders interessant wird. Smith steuert hier seine eigenen Kreaturen Tsathoggua und Ubbo-Sathla zum Mythos bei. Interessanterweise wurde Tsathoggua – aufgrund der regen Korrespondenz der drei, die so auch ihre Geschichten gegenseitig gelesen und kritisiert haben – veröffentlichungstechnisch zuerst bei Howard ("Die Kinder der Nacht") und Lovecraft ("Der Flüsterer im Dunkeln") erwähnt, bevor Smiths "Die Geschichte des Zatampra Zeiros" erstmals abgedruckt wurde.

Smith und Lovecraft waren sich in gewisser Hinsicht wohl sehr ähnlich. Beide hatten relativ wenig Verständnis für den Ablauf im Literatursystem in ihrem Markt. Anders als HPL war Smith aber wesentlich eher in der Lage oder bereit dazu, eine Geschichte den Wünschen eines Verlegers (oft Farnsworth Wright von "Weird Tales") anzupassen. Er konnte sogar jeden Anspruch sausen lassen, wenn er für Männermagazine wie "Playboy" geschrieben hat (in der Hardcover-Ausgabe waren diese Beiträge im dritten Band enthalten, freut euch). Seine Geschichten sind außerdem von einem hintergründigen Humor gekennzeichnet, der Lovecraft selbst fast völlig abgeht. Smith könnte man in mancher Hinsicht als eine anspruchsvollere Version Lovecrafts bezeichnen. Seine Sprache ist sicher poetischer (er soll auch ein besserer Dichter als HPL gewesen sein). Zum Teil mag sich darin sicher eine Begründung finden, warum er selbst nie so populär wurde wie seine beiden Mit-Musketiere. Literaturkritiker und Autor Ryan Harvey bezeichnet Smith als Ein-Mann-Literaturbewegung, der zwar ein wichtiger Erneuerer der phantastischen Literatur gewesen sei, aber selbst weder einen nachhaltigen Trend begründet habe noch ein Vorbild für seinen Stil gehabt habe. Umso wichtiger, dass Genre-Fans diesen Autoren neu oder wieder entdecken. Dem Festa Verlag ist sein fortgesetztes Bemühen um Clark Ashton Smith hoch anzurechnen. Ebenfalls lieferbar ist der Auswahlband "Clark Ashton Smith: Der Mythos des Cthulhu" mit den wichtigsten Hyperborea-Stories und einigen anderen Erzählungen mit Verknüpfungen zum Mythos.

  • Clark Ashton Smith,
       oder kurz CAS, ist neben
    H. P. Lovecraft
       und
    Robert E. Howard
       das dritte Mitglied der „drei Musketiere der Weird Tales“.
       Während seine beiden Zeitgenossen und regelmäßigen Korrespondenzpartner bereits mehr als einmal hier besprochen wurde, gab es noch keinen Beitrag, der ausschließlich dem Schaffen Smiths gewidmet war. Die Neuausgabe des Bandes
    Die Stadt der singenden Flamme
     
  • den ganzen Beitrag lesen…

Der Tag vor der Revolution

von am 24. November 2025

  • Ursula K. Le Guin
    DER TAG VOR DER REVOLUTION.
    25 Science-Fiction-Storys.
    Originalausgabe
    Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle
    Frankfurt a. M., TOR (S. Fischer), 2025, 782 S.
    ISBN 978-3-596-71087-4 / 36,00 Euro
    Hardcover

Die US-amerikanische Autorin Ursula K. Le Guin (1929–2018) erlebt seit einigen Jahren bei uns endlich die verdiente, aber leider lange Zeit verweigerte, Aufmerksamkeit, die einer Weltliteratin zusteht. Die Verlage TOR und Carcosa kümmern sich um ihre Hauptwerke, die in hervorragenden Erst- oder Neuübersetzungen, hauptsächlich durch die kongeniale Karen Nölle, neue Leser*innen-Generationen begeistern.

Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um Romane (von einem Essay-Band bei Golkonda und der überaus beliebten »Tragetaschentheorie« in »Am Anfang war der Beutel« bei Oya einmal abgesehen), ihre über einhundert Stories und Novellen wurden in den letzten dreißig Jahren sehr stiefmütterlich behandelt.

Mit dem monumentalen Band DER TAG VOR DER REVOLUTION, der zur Buchmesse 2025 erschienen ist, erfährt auch dieser Missstand Abhilfe. Gleich 25 Science-Fiction-Storys sind hier auf fast 800 Seiten versammelt, immerhin fünf von ihnen als Deutsche Erstausgaben, die anderen durchgesehen und neu übertragen.

Natürlich sucht der Kennerblick zuerst die großen Klassiker („Die aus Omelas fortgehen“, „Neun Leben“ oder „Der Tag vor der Revolution“), aber nach so langer Zeit ist das müßig und eher dem Alter des Rezensenten geschuldet. Tatsächlich ist es so, dass in dieser Sammlung kein einziger Ausfall zu verzeichnen ist. Es geht eher um Vorlieben: Geschichten, die im Rahmen der Hainish-Ökumene angesiedelt sind, oder Stories, die für sich alleine stehen. Frühe Texte, die (gewissermaßen) noch der traditionellen Science Fiction angehören, oder Erzählungen, in denen Le Guin ihre stetig weiter entwickelte Meisterschaft durch Themenwahl und Konzentration auf Wesentliches beweist.

Karen Nölle verfolgt diese Entwicklung in ihrem ausführlichen Nachwort, lässt jedoch auch Le Guin selbst in zwei klugen Essays („Darf ich mich vorstellen?“ und „Science Fiction lese ich nicht“) über das Verhältnis zwischen Autorin und Publikum nachdenken.

(Seufzer) Ich weiß – Kurzgeschichten sind für viele Leser*innen eine eher abschreckende Textsorte. Aber! Wenn Sie in diesem Jahr nur eine einzige Story-Sammlung kaufen und lesen wollen, werden Sie hier den ultimativen Kick erleben. (Und vielleicht noch mal ganz neu nachdenken, über Ihr Verhältnis zur kurzen Literaturform.)

Horst Illmer

  • Ursula K. Le Guin
    DER TAG VOR DER REVOLUTION.
    25 Science-Fiction-Storys.
    Originalausgabe
    Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und mit einem Nachwort von Karen Nölle
    Frankfurt a. M., TOR (S. Fischer), 2025, 782 S.
    ISBN 978-3-596-71087-4 / 36,00 Euro
    Hardcover

Die US-amerikanische Autorin Ursula K. Le Guin (1929–2018) erlebt seit einigen Jahren bei uns endlich die verdiente, aber leider lange Zeit verweigerte, Aufmerksamkeit, die einer Weltliteratin zusteht. den ganzen Beitrag lesen…

Die Spur der Vertrauten

von am 19. November 2025

  • Christelle Dabos
    DIE SPUR DER VERTRAUTEN.
    Ü: Amelie Thoma & Nadine Püschel
    (»NOUS« / 2024)
    Frankfurt a. M., Rotfuchs, 2025, 640 S.
    ISBN 978-3-7571-0222-7 / 22,90 Euro
    Hardcover

Vor etwas mehr als fünf Jahren betrat die französische Autorin Christelle Dabos mit ihrem vier Bücher umfassenden Erzählwerk um „Die Spiegelreisende“ (erschienen im Insel Verlag) das Spielfeld der epischen Fantasy.

Nun erscheint bei Rotfuchs ihr aktueller Roman DIE SPUR DER VERTRAUTEN, der als Einzelband angelegt scheint und eine Mischung aus dystopischem Gesellschaftsentwurf und Entwicklungsroman darstellt.

Die Protagonist*innen leben in einer Welt, in der nur das „Wir“ zählt und Individualität gar nicht mehr vorkommen sollte. Aber wie das halt so ist – wenn etwas schief läuft, sind es immer Einzelne, die das merken und sich Gedanken machen …

Dabos besitzt die Gabe des Erzählens. Ihre Figuren gehen ans Herz, sind stimmig in ihrer Entwicklung und liebenswert mit ihren Fehlern. Und so ist DIE SPUR DER VERTRAUTEN vor allem Eines: Gute Unterhaltung für alle, die jung genug zum Tag-Träumen sind.

Horst Illmer

  • Christelle Dabos
    DIE SPUR DER VERTRAUTEN.
    Ü: Amelie Thoma & Nadine Püschel
    (»NOUS« / 2024)
    Frankfurt a. M., Rotfuchs, 2025, 640 S.
    ISBN 978-3-7571-0222-7 / 22,90 Euro
    Hardcover

Vor etwas mehr als fünf Jahren betrat die französische Autorin Christelle Dabos mit ihrem vier Bücher umfassenden Erzählwerk um „Die Spiegelreisende“ (erschienen im Insel Verlag) das Spielfeld der epischen Fantasy.

Nun erscheint bei Rotfuchs ihr aktueller Roman DIE SPUR DER VERTRAUTEN, den ganzen Beitrag lesen…