Rezis

Rezensionen sind Artikel zu einzelnen Werken oder Produkten. Für kurze Empfehlungen, Topps oder Flops gibt es die Kategorie "Tipps"

Thomas Ligotti – Grimscribe: Sein Leben und Werk

von am 26. August 2015

Über Thomas Ligotti zu schreiben, stellt für mich stets eine gewisse Herausforderung dar. Zwar habe ich in einschlägigen Foren oder persönlichen Gesprächen schon das eine oder andere Wort über ihn verloren, aber an ein konzentriertes und ausführliches Statement habe ich mich bisher nicht gewagt. Zum Teil aus dem Gefühl heraus, „dem“ nicht gerecht zu werden. Aber auch aufgrund der Wirkung Ligottis Geschichten auf meine eigene Stimmung. Der 1953 in Detroit geborene Autor befleißigt sich einer fast schon poetischen Sprache, seine Geschichten sind zu einem guten Teil Spiegel seiner eigenen, dunkel gefärbten Weltsicht. Diese wiederum begründet sich in den psychischen Problemen Ligottis, bei dem eine bipolare Störung (manisch-depressive Störung) diagnostiziert wurde und der u. a. mit Agoraphobie („Platzangst“) und Anhedonie (die Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden) zu kämpfen hat. Das führt zu einer besonderen Atmosphäre in den Kurzgeschichten des zurückgezogen lebenden Schriftstellers, die im besten Sinne verstörend und dadurch vielfach erschreckender ist, als es die Blut- und Gewaltorgien einiger Kollegen Ligottis jemals sein werden. So ist er der einzige Autor, dessen Erzählungen ich bewusst nur in Maßen goutiere, da zu viel auf einen Schlag bei mir zu nicht zu verachtenden Stimmungseinbrüchen führt.

Ligotti wurde von einigen Lesern vorgeworfen, dass in seinen Stories nichts passiere. Diesen Vorwurf muss er sich zum Teil durchaus gefallen lassen. Im Vordergrund stehen Stimmung und Atmosphäre. Sprache wird bei ihm zu Emotion. Diese Gefühle sind seltsam, negativ, nihilistisch, mitunter kalt. Einen Teil dessen kann man in der ersten Staffel von TRUE DETECTIVE spüren, in der die Figur des Rust Cohle Ligottis quasiphilosophisches Werk THE CONSPIRACY AGAINST THE HUMAN RACE zum Teil wörtlich zitiert. Von Darsteller Matthew McConaughey kongenial umgesetzt, verleiht das der Serie eine herrlich bedrückende Stimmung, die in dieser Form in der zweiten Staffel nicht wieder erschaffen werden konnte. Was nun Ligottis schriftstellerisches Werk angeht, ist es nötig, sich auf ihn einlassen zu können. Diese Geschichten sind weder einfach zu lesen noch einfach zu verarbeiten. Wer sich auf das Wagnis Thomas Ligotti einlässt, wird mit anspruchsvollem und wohl formuliertem Horror konfrontiert, der noch lange nachdem der geneigte Leser das Buch aus der Hand gelegt hat, nachhallen wird.

GRIMSCRIBE: SEIN LEBEN UND WERK ist seit über zehn Jahren die erste Veröffentlichung eines Buchs von Ligotti in unseren Breitengraden, der auch über drei Jahrzehnte nach dem Erscheinen seiner ersten Geschichte noch immer einen Geheimtipp darstellt. Dass der Festa Verlag sich für GRIMSCRIBE und nicht etwa Ligottis erste Sammlung SONGS OF A DEAD DREAMER (ursprünglich 1985 erschienen) entschieden hat, mag sich als weise Entscheidung herausstellen. Nicht nur ist der Begriff Grimscribe untrennbar mit dem Autor verbunden, der hier gewissermaßen seine verschiedenen Stimmen vorstellt. Für viele Anhänger des Amerikaners ist diese Anthologie auch der Favorit unter seinen Büchern.

Über Thomas Ligotti zu schreiben, stellt für mich stets eine gewisse Herausforderung dar. Zwar habe ich in einschlägigen Foren oder persönlichen Gesprächen schon das eine oder andere Wort über ihn verloren, aber an ein konzentriertes und ausführliches Statement habe ich mich bisher nicht gewagt. Zum Teil aus dem Gefühl heraus, „dem“ nicht gerecht zu werden. Aber auch aufgrund der Wirkung Ligottis Geschichten auf meine eigene Stimmung. Der 1953 in Detroit geborene Autor befleißigt sich einer fast schon poetischen Sprache, seine Geschichten sind zu einem guten Teil Spiegel seiner eigenen,

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Aquamarin

von am 12. August 2015

aquamarinAndreas Eschbach
AQUAMARIN.
Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-401-60022-2

Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, dem einzigen Mädchen in der australischen Küstenstadt Seaheaven, dass aufgrund einer körperlichen Disposition nicht schwimmen kann, was sie in einer Spaß-Gesellschaft am Meer sowieso schon zur Außenseiterin macht. Dazu kommt noch, dass sie das erklärte Lieblingsopfer für die »Streiche« der Klassenprimadonna Carilja ist.
Als sie aufgrund eines dieser »Streiche« jedoch im Tauchbecken der Schule landet, entdeckt Saha, dass ihre »Behinderung« alles andere als eine solche ist – sie kann unter Wasser »atmen«. Doch damit hat sie nur ein neues Problem: Mutationen oder Genmanipulationen sind in der Zone, in der Seaheaven liegt, strengstens verboten.
Unterstützt von ihrem Mitschüler Pigrit und einer mitfühlenden Lehrerin versucht Saha ihr »Geheimnis« zu verbergen und sich einen Platz im Sozialgefüge Seaheavens zu erobern. Für kurze Zeit scheint ihr das auch zu gelingen, doch ein Zwischenfall beim großen Hafenfest zwingt sie, sich zu ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zu bekennen und die Konsequenzen ihres »Anders-seins« zu akzeptieren …
Spannend, emotional bewegend und psychologisch stimmig beschreibt Andreas Eschbach in seinem mittlerweile elften Jugendbuch für den Arena Verlag den Leidensweg von Saha, den sie gehen muss, bevor sie erkennt, dass auch für sie in der Schöpfung – und in der menschlichen Gemeinschaft – ein Platz vorhanden ist. Dabei verknüpft er die Handlung geschickt mit gegenwärtig schon erkennbaren Tendenzen in den Bereichen der Gentechnik, der Erschließung der Meeresböden und der Entstehung immer kleinerer und spezialisierter »Staaten«, die letztlich nur noch Interessenzonen politisch-kommerzieller oder religiöser Art darstellen.
Dass Eschbach in der Science Fiction alles kann, zeigte er zuletzt erneut in zwei PERRY RHODAN-Romanen, dass er auch weiß wie Kinder und Jugendliche »ticken«, macht den besonderen Reiz seiner Jugendbücher aus. Insoweit ist »Aquamarin« eine gelungene Mischung aus beiden »Welten« und ebenso tiefgründige wie kurzweilige Lektüre für den Strand – und irgendwo auf unserer Welt ist immer Sommer.

Horst Illmer

Andreas Eschbach
AQUAMARIN.
Würzburg, Arena, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-401-60022-2

Für Heranwachsende beiderlei Geschlechts gibt es ja immer einen Grund sich entweder total super zu fühlen – oder wie ein abstoßendes Monster, das niemand leiden kann. Das war schon immer so und wird auch in hundert Jahren nicht anders sein. So ergeht es im Jahr 2151 auch der sechzehnjährigen Saha, dem einzigen Mädchen in der australischen Küstenstadt Seaheaven, dass aufgrund einer körperlichen Disposition nicht schwimmen kann,

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Klassische Rächer

von am 13. Juli 2015

Im Zuge des Erfolgs der Marvel-Verfilmungen, in deren Zentrum zweifellos die Rächer um solch illustre Gestalten wie Captain America und Iron Man stehen, wagt sich Panini einmal mehr an die Veröffentlichung älteren Materials. Als langjähriger Fan der rächenden Truppe aus New York liegt mir dieser Band besonders am Herzen. Ich lernte dieses Team natürlich erst kennen, als die im vorliegenden Band enthaltenen Geschichten schon viele Jahre auf dem Buckel hatten. Beschränkt man sich hier doch auf einen Rahmen, der etwa das erste Jahrzehnt der Abenteuer der stets vergeltungsbereiten Recken abdeckt. Diese Auswahl aus den ersten hundert Heften der ursprünglichen Reihe, die damals im September 1963 erstmals in den Verkaufsregalen lag, ist in ihrer Zusammenstellung einmalig und gibt dem geneigten Leser Gelegenheit, einige der besten Geschichten um die mächtigsten Helden der Erde entweder erstmals oder neu kennenzulernen.

Natürlich darf der obligatorische erste Auftritt der AVENGERS hierbei nicht fehlen. Die fünf Ur-Avengers und Gründungsmitglieder der Rächer sind neben den bisher durch Filme bekannt gewordenen Helden Iron Man, Thor und Hulk auch Mr und Mrs Pym (als Ant-Man und Wespe), die erst in der kommenden Marvel Verfilmung: Ant-Man eingeführt werden.

Außerdem erleben wir den Beitritt für die Rächer so wichtiger Figuren wie Captain America, Hawkeye, Scarlet Witch und Quicksilver sowie des Androiden Vision. Die letzten drei nehmen wichtige Rollen im zweiten Kinofilm der Rächer ein. Freunde des Streifens haben hier nun die Gelegenheit zu erfahren, wie sie in der Vorlage Teil der Gruppe wurden. Nicht fehlen darf hierbei natürlich Visions Schöpfer Ultron, der Gegner und Namensgeber des aktuellen Blockbusters. Zwar nicht dessen erster aber vielleicht dessen wichtigster Auftritt. Zumindest in den frühen Jahren.

Neueren Datums muss hier unbedingt noch die Wiederveröffentlichung von ULTRONS RACHE genannt werden, die ebenfalls im Zuge von AVENGERS: AGE OF ULTRON auf den Markt gebracht wurde. Ursprünglich erschien diese Gesichte zwischen August und November 1999 und gibt einige wichtige neue Erkenntnisse über den Roboter mit dem Ödipuskomplex preis. In Deutschland wurde diese Geschichte zuletzt Mitte 2001 als dritter Band der damaligen Sonderbandreihe unter dem Titel „Rache der Roboter“ gebracht. Autor Kurt Busiek hat hierbei den wohl gefährlichsten Ultron aller Zeiten gezeigt und eine Geschichte abgeliefert, die Grant Morrisons zur selben Zeit erscheinende und episch angelegte JLA mal eben wie ein laues Sommerwindchen aussehen ließ. Das ganze wurde kongenial von Altmeister George Pérez in Szene gesetzt und sollte gleichermaßen von Fans des Films und der Comics um die RÄCHER gelesen werden.

Im Zuge des Erfolgs der Marvel-Verfilmungen, in deren Zentrum zweifellos die Rächer um solch illustre Gestalten wie Captain America und Iron Man stehen, wagt sich Panini einmal mehr an die Veröffentlichung älteren Materials. Als langjähriger Fan der rächenden Truppe aus New York liegt mir dieser Band besonders am Herzen. Ich lernte dieses Team natürlich erst kennen, als die im vorliegenden Band enthaltenen Geschichten schon viele Jahre auf dem Buckel hatten. Beschränkt man sich hier doch auf einen Rahmen,

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Conan der Barbar

von am 26. Juni 2015

Vergangenen August haben wir an dieser Stelle einen Blick auf Conans Erben geworfen. Da ist es längst überfällig, dass wir uns auch dem Wegbereiter der Sword-and-Sorcery-Fantasy widmen. Wie auch damals gibt es dafür einen guten Anlass. Letzten Sommer war es die bei Golkonda erscheinende Neuauflage von Karl Edward Wagners KANE. Was böte sich nun besseres an, als die erneute Veröffentlichung von Robert E. Howards originalen Erzählungen über den barbarischen Cimmerier?

Beginnen wir mit einigen wenigen Worten über den Autoren selbst. Robert Ervin Howard wurde am 22. Januar 1906 in Peaster, Texas geboren. Nach einigen Umzügen in Howards ersten Jahren verschlug es die Familie schließlich nach Cross Plains, Texas. Ein besonders inniges Verhältnis hatte Robert zu seiner Mutter, die seine Liebe zu Poesie und Literatur weckte. Gleichzeitig wurde er regelmäßig mit Gewalt oder deren Folgen konfrontiert. Howard wuchs während des Ölbooms in Texas auf, der steigende Kriminalitätsraten nach sich zog. In der Schule hatte er es mit Schlägern zu tun, die es auf schwächere abgesehen hatten. Dadurch erkannte er für sich die Notwendigkeit von Stärke und trieb fortan viel Sport. Besonders für das Boxen entwickelte er eine starke Vorliebe. Diese Erfahrungen prägten auch sein eher raues Weltbild. All das spiegelt sich in seinen Erzählungen wider.

Seine ersten Geschichten verfasste Howard während seiner Schulzeit. Da nimmt es nicht wunder, dass seine frühesten Veröffentlichungen in der Dezemberausgabe 1922 des Tattler, der Schülerzeitung der Brownwood High School, abgedruckt wurden. Bis zu seiner ersten professionellen Publikation sollten noch rund zweieinhalb Jahre vergehen. Die fand, wie sollte es anders sein, in WEIRD TALES statt. Für 16,00 Dollar konnte er 1924 SPEAR AND FANG an Farnsworth Wright verkaufen, der sie im Juli 1925 in seinem legendären Magazin der Öffentlichkeit zugänglich machte. Ebenda erschien ca. siebeneinhalb Jahre später die erste Geschichte mit Conan dem Barbaren. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1936 sollte Howard 21 Geschichten über seinen schwertschwingenden Helden verfassen, von denen drei erstmals nach seinem Dahinscheiden erstmals veröffentlicht werden sollten.

 

CONAN ist wie Stokers Dracula, Doyles Holmes oder auch Superhelden wie Spider-Man und Batman heutzutage eine Ikone der Popkultur. Nicht zuletzt liegt das an dem doch recht beliebten Film mit Arnold Schwarzenegger, der mit Howards Figur jedoch eher wenig gemein hat. Dass Robert Howard nicht in Vergessenheit geraten ist, muss zu großen Teilen dessen Biographen und literarischen Nachlassverwalter Lyon Sprague de Camp gedankt werden. Doch gerade was die Geschichten um den berühmten Barbaren angeht, hat sich Sprague de Camp leider nicht nur mit Ruhm bekleckert. Sein erklärtes Ziel war es, den Cimmerier mit einer lückenlosen Biographie auszustatten. Dafür wurden Howards Erzählungen in eine passend erscheinende Reihenfolge gebracht. Fragmente aus seinem Nachlass wurden beendet, Lücken von anderen Autoren geschlossen (darunter neben de Camp u. a. Lin Carter, Robert Jordan und Steve Perry) und die Originalgeschichten für diesen Zweck angepasst. Dadurch war es lange schwer, den reinen CONAN, wie er von Howard erdacht wurde, kennenzulernen. In Deutschland gab es diese Erzählungen in ihrer ursprünglichen Form und Reihenfolge erstmals 2006 zu lesen, als Heyne drei dicke Taschenbücher mit allen Erzählungen auf den Markt brachte. Diese Ausgabe ist lange vergriffen und wird mitunter zu astronomischen Preisen angeboten. Erfreulicherweise werden diese Geschichten in angemessener Form nun wieder zugänglich gemacht. In insgesamt sechs Bänden, die sowohl im Hard- als auch im Softcover erscheinen, nimmt sich der Festa Verlag der neuerlichen Veröffentlichung von Howards originalen Erzählungen an. Hier erscheinen auch seine gesammelten Horrorgeschichten in fünf Bänden (der letzte ist für Oktober angekündigt) und nach dem Cimmerier sollen Howards andere Helden wie Bran Mak Morn, Solomon Kane und Kull von Atlantis in ähnlicher Aufmachung erscheinen. Festa wird das gesamte in den US-Ausgaben enthaltene Bonusmaterial veröffentlichen. Darunter diverse Illustrationen von Mark Schultz. Die Hardcoverausgabe wird zudem in rotes Leinen mit Goldprägung auf Rücken und Deckel gebunden sein. Alles in allem also eine runde Sache, an der kein Fantasy-Fan vorbeikommt.

Die Stärke dieser Geschichten liegt nun darin, dass Conan nicht weniger war, als ein Idealbild seines Schöpfers. Die oben kurz beschriebene Erkenntnis Howards, dass Stärke und Kraft nötige Eigenschaften im Leben sind, spiegelt sich direkt im Cimmerier wider. Außerdem enthalten sie in ihrer Gegenüberstellung von Zivilisation und Barbarei eine fast schon philosophische Note, die natürlich stark von den Ansichten des Autoren geprägt ist, nach der jede zivilisierte Gesellschaft irgendwann zwangsläufig wieder ins Barbarentum fällt. Seine eigene Position in dieser Frage mag nun jeder für sich finden.

Vergangenen August haben wir an dieser Stelle einen Blick auf Conans Erben geworfen. Da ist es längst überfällig, dass wir uns auch dem Wegbereiter der Sword-and-Sorcery-Fantasy widmen. Wie auch damals gibt es dafür einen guten Anlass. Letzten Sommer war es die bei Golkonda erscheinende Neuauflage von Karl Edward Wagners KANE. Was böte sich nun besseres an, als die erneute Veröffentlichung von Robert E. Howards originalen Erzählungen über den barbarischen Cimmerier?

Beginnen wir mit einigen wenigen Worten über den Autoren selbst.

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Dschiheads

von am 16. Juni 2015

Vorwort von Gerd:

Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen ist es eine schöne Koinzidenz, wenn ich aus diesem Anlass jetzt eine Rezension des frischgebackenen Kurd Laßwitz Preisträgers Horst Illmer zum letztveröffentlichen Titel Jeschkes online stelle. Wolfgang Jeschke hat vergangenes Jahr für "Dschiheads" den Kurd Laßwitz Preis in der Kategorie „Bester deutschsprachiger SF-Roman mit Erstausgabe von 2013″ erhalten.

Gerd

DschiheadsWolfgang Jeschke
DSCHIHEADS. Roman
München, Heyne, 2013, 367 S.
ISBN 978-3-453-31491-7

Ein Zukunfts-Roman aus Deutschland, auf dem Cover der Name des Autors WOLFGANG JESCHKE dreimal so groß wie der Titel DSCHIHEADS und ein Klappentext, der im Vergleich zu anderen Ergüssen aus den Werbeabteilungen der Verlage sogar ziemlich nahe am Inhalt bleibt – so präsentiert sich das immer noch aktuelle Buch unseres besten (und leider am 10. Juni 2015 verstorbenen) Science-Fiction-Autors.
Wolfgang Jeschke hat sich dieses Prädikat mit seinen Kurzgeschichten und Romanen in den letzten Jahrzehnten ohne jede Einschränkung (wie „derzeitig“) verdient. Und auch DSCHIHEADS erweist sich als überzeugendes Werk eines Alleskönners. Denn obwohl Jeschke auf dem Einband als Autor der Zeitreiseromane DER LETZTE TAG DER SCHÖPFUNG und DAS CUSANUS-SPIEL herausgestellt wird, geht DSCHIHEADS weit eher in eine Richtung, die er in einigen seiner neueren Kurzgeschichten eingeschlagen hat: das religionskritische Moment trat erstmals 2001 in aller Deutlichkeit in „Allah akhbar – And So Smart Our NLWs“ zutage, und in der 2004 veröffentlichten Geschichte „Das Geschmeide“ zog Jeschke für einen kurzen Moment den Vorhang der ganz großen Space Opera auf.
In DSCHIHEADS fließen diese beiden Motivstränge in einer rasanten, spannenden Handlung zusammen, deren glitzernde Oberfläche gewollt beiläufig den Blick auf einen reichhaltigen und tiefgründigen Weltentwurf verdeckt.
Drei Wissenschaftler (ein Farbiger und eine Frau sowie ihr mittels Gentechnik und KI-Implantat „up-gelifteter“ Hund/Assistent) werden vom Kommandanten eines Flottenstützpunktes auf Hot Edge, einem unwirtlichen, aber dünn besiedelten Planeten am Rande des menschlichen Einflussraums, angefordert. Als sie Monate später eintreffen, stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar, als erwartet. Der Kommandant ist „verschwunden“, sein Nachfolger will nicht recht mit der Sprache heraus (und mit den Wissenschaftlern schon gar nicht zusammenarbeiten), die Einheimischen sind religiöse Fundamentalisten, die alles Fremde (und vieles andere auch, z. B. Hunde, Frauen und dunkelhäutige Menschen) ablehnen.
Da der verschwundene Kommandant überzeugt war, auf  „Kunstwerke“ der ursprünglichen Bewohner gestoßen zu sein, ist die Konfliktlinie klar: Falls die Wissenschaftler in der einheimischen Tierpopulation eine kulturfähige Intelligenzform entdecken würden, hätte dies für die menschlichen Siedler und den Flottenstützpunkt gravierende Folgen. Die unter einem absolutistischen Oberpriester dahin darbende Menschenkolonie und die Soldaten des Stützpunktes kämpfen ihren immerwährenden Kampf gegen die Unbilden ihrer Umwelt. Die Anführer jedoch haben sich auf Hot Edge inzwischen ganz bequem eingerichtet. Sie beuten nicht nur die ihnen anvertrauten Menschen, sondern vor allem die Tier- und Pflanzenwelt des Planeten aus. Was aber würde geschehen, wenn sich nicht nur die augapfelgroßen Edelsteine und die gigantischen Steinfresken entlang der Flussufer als in vollem Bewusstsein hergestellte Kunstwerke einer einheimischen Spezies erwiesen …?
Mit atemraubender Eleganz und einzigartigen Metaphern gelingt es Wolfgang Jeschke, aus einem Schmuckstück eine ganze Zivilisation und aus einer kurzen Erinnerung ein ganzes Universum zu zaubern. Und das macht ihm so schnell Niemand nach.

Horst Illmer

Vorwort von Gerd:

Aus gegebenem (doppeltem) Anlass, kommt heute eine nicht ganz so aktuelle Rezi auf die Titelseite. Zum einen hatte ich über dieses Werk nur einmal kurz in meinen Tipps geschrieben und der 2013 veröffentlichte Roman von Wolfgang Jeschke hat zum Gedenken an diesen großen Mann der deutschen SF eindeutig mehr verdient. Zum anderen ist es eine schöne Koinzidenz, wenn ich aus diesem Anlass jetzt eine Rezension des frischgebackenen Kurd Laßwitz Preisträgers Horst Illmer zum letztveröffentlichen Titel Jeschkes online stelle.

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Yanqui Doodle

von am 2. Juni 2015 1 Kommentar

YanquiJames Tiptree jr.
YANQUI DOODLE. Erzählungen.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Bauche-Eppers u.a.
Wien, Septime Verlag, 2015, 520 Seiten
ISBN 978-3-902711-33-5

Lange Jahre galt die Kurzgeschichte als eine der Säulen, auf denen das Genre-Gebäude der Science Fiction ruhte. Eine schleichende Veränderung der Lesegewohnheiten und des Lesergeschmacks verdrängten Story und längere Geschichten aus der öffentlichen Wahrnehmung, bis nur noch der Roman – und dann am Besten als Trilogie oder gleich als Serie – als der echte „Stoff, aus dem die Träume sind“ gelesen wurde. Welche Perlen damit verloren gingen, wissen die (wenigen) verbliebenen Anhänger der kürzeren Form tränenreich zu beklagen – aber es hilft ja nix.
Außerdem gibt es einige wenige mutige Verlage, in unserem Beispiel der Wiener Septime Verlag, die es sich nicht ausreden lassen, Kurzgeschichtenautoren zu bringen – und wenn das dann wie bei James Tiptree jr. auch noch in der Form einer wundervoll edierten Werkausgabe passiert, kann man sich gar nicht lobend genug dazu äußern. In der Abteilung „Sämtliche Erzählungen in 7 Bänden“ erschien im Frühjahr 2015 der Band YANQUI DOODLE, der auf 520 Seiten die letzten acht Geschichten enthält, die Alice Sheldon in den Jahren 1985 bis 1987 (als sie aus dem Leben schied) unter ihrem Tiptree-Pseudonym bei den Herausgebern diverser Science-Fiction-Magazine und Anthologien einreichte.
Und was das für tolle Geschichten sind: Von der knapp 30 Seiten langen Alien-Sex-Story „Herz Drei“ bis hin zum 120-Seiten-Kurzroman „Die Farbe von Neandertaleraugen“ beweist die Autorin, dass sie zu den ganz Großen der „kleinen“ Form gehört – und dass das phantastische Genre halt nur ihre persönliche Spielwiese war für literarische Kurzgeschichten, die keinen Vergleich mit preisgekrönten Mainstream-Texten zu scheuen brauchen. Vor Story-Anfängen wie „Als Gott starb, überlebte ihn der Teufel noch eine Weile“ (aus: „Unser Dämon vor Ort“, S. 35) können auch die bekanntesten Schriftsteller der Gegenwart immer noch nur demütig den Hut ziehen!

Horst Illmer

James Tiptree jr.
YANQUI DOODLE. Erzählungen.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Bauche-Eppers u.a.
Wien, Septime Verlag, 2015, 520 Seiten
ISBN 978-3-902711-33-5

Lange Jahre galt die Kurzgeschichte als eine der Säulen, auf denen das Genre-Gebäude der Science Fiction ruhte. Eine schleichende Veränderung der Lesegewohnheiten und des Lesergeschmacks verdrängten Story und längere Geschichten aus der öffentlichen Wahrnehmung, bis nur noch der Roman – und dann am Besten als Trilogie oder gleich als Serie – als der echte „Stoff,

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Sherlock Holmes und die tanzenden Drachen

von am 8. Mai 2015

SHERLOCK HOLMES...UND DIE TANZENDEN DRACHENChristian Endres
SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN. Roman.
Stolberg, Atlantis, 2015, 360 S.
ISBN 978-3-86402-220-3 / 14,90 Euro (Softcover)
ISBN 978-3-86402-246-3 / 16,90 Euro (Hardcover)

„Willkommen zurück, alter Freund!“
Diesen ersten Satz seines neuen, langerwarteten Romans SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN möchte man als Leser auch dem Autor Christian Endres entgegenrufen, denn seit seinem letzten umfangreicheren Werk sind (geschätzte) 6 Milliarden Jahre vergangen. Doch jetzt ist alles gut – mehr als gut sogar, wie man bereits nach den ersten Seiten dieser neuen und spannenden Abenteuergeschichte erkennen kann.
Zur Einstimmung auf ein London voller Magie und Zauber – was diesmal wörtlich zu nehmen ist – lässt Endres seine Helden wie nebenbei erst einmal einen „kleinen“ Fall lösen, in dem es um einen tätlichen Angriff auf einen Troll geht. Und damit sind wir schon mittendrin, in einem Parallelwelt-England, in dem es nicht nur jede Menge Fabelwesen gibt, sondern auch einen Premierminister Moriarty und einen erfolgreichen Schriftsteller namens John Watson, der seine Werke in einer Phantasie-Welt ansiedelt, in der es nüchtern, rational und total ohne jede Magie zugeht (was seine, überwiegend weiblichen, Leserinnen so herrlich exotisch finden). Im „echten“ London dagegen droht eine Staatskrise: Nicht nur, dass rassistisch motivierte Übergriffe auf die Einwanderer aus Oberons Reich stark zunehmen und ein irrer „Ripper“ Freudenmädchen abschlachtet – jetzt ist auch noch das Zauberschwert Excalibur gestohlen worden. Zeit also, dass Holmes und Watson den Fall übernehmen …
In SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN dreht Christian Endres den erzähltechnischen Spieß einfach um – in einer Welt, in der Zauberkräfte wirklich sind und die königliche „Luftwaffe“ aus Drachen besteht, kann auch ein Sherlock Holmes sich nicht nur auf die Kräfte der Logik und Deduktion verlassen, muss auch ein Dr. Watson einmal über seinen puritanischen Schatten springen und die Beiden müssen sich auf Helfer verlassen, wie man sie noch aus keinem anderen „Sherlock Holmes“-Buch kennt (auch nicht aus Endres‘ eigener Kurzgeschichtensammlung SHERLOCK HOLMES UND DAS UHRWERK DES TODES, wenngleich an einigen Stellen die Membran zwischen den Welten nur noch hauchdünn ist).
Der Autor ruft zum Tanz – wählen Sie Ihren Drachen!

Horst Illmer

Christian Endres
SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN. Roman.
Stolberg, Atlantis, 2015, 360 S.
ISBN 978-3-86402-220-3 / 14,90 Euro (Softcover)
ISBN 978-3-86402-246-3 / 16,90 Euro (Hardcover)

„Willkommen zurück, alter Freund!“
Diesen ersten Satz seines neuen, langerwarteten Romans SHERLOCK HOLMES UND DIE TANZENDEN DRACHEN möchte man als Leser auch dem Autor Christian Endres entgegenrufen, denn seit seinem letzten umfangreicheren Werk sind (geschätzte) 6 Milliarden Jahre vergangen. Doch jetzt ist alles gut – mehr als gut sogar,

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Die Hugo Awards 1953 – 1984

von am 1. Mai 2015

HugoAwardsHardy Kettlitz
DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984.
Berlin, Memoranda/Golkonda, 2015, 315 S.
ISBN 978-3-944720-71-5

Wussten Sie eigentlich, dass 1954 das Schicksalsjahr für die HUGO AWARDS war? Nur ein Jahr nach der ersten Preisvergabe in Philadelphia war die Auszeichnung fast schon wieder Schnee von gestern. Erst 1955, auf der 13. World Science Fiction Convention in Cleveland, Ohio, gelang es dann endgültig, die Traditionslinie der von Fans verliehenen Preise für die beliebtesten Romane, Geschichten, Filme, Fan-Zeitschriften, Fan- und Profi-Künstler usw. im noch jungen Genre der Science Fiction zu verfestigen. Auch wenn es in den Folgejahren immer wieder zu recht originellen Ereignissen im Zusammenhang mit den HUGO AWARDS kam (so verweigerten die Abstimmungsberechtigten 1977 Filmen wie FUTUREWORLD und LOGAN’S RUN ihre Stimmen und wählten in der Kategorie Dramatic Presentation »No Award« an die Spitze – nur um danach George Lucas für STAR WARS einen Sonder-HUGO zuzusprechen), gab es jedoch keine wirklichen Skandale oder Misshelligkeiten mehr.
Wie sich der inzwischen wohl uneingeschränkt als wichtigster Science-Fiction-Preis der Welt anerkannte HUGO AWARD aus kleinsten Anfängen entwickelte, welche Kategorien wann und wie oft hinzukamen (inzwischen sind es fast zwanzig!), wer die meisten Preise abräumte, bzw. die meisten Nominierungen erhielt (was durchaus nicht deckungsgleich ist), gegen welche Meisterwerke sich manche Titel durchsetzen konnten – das alles und noch viel mehr findet der interessierte Leser in dem herausragend gemachten Band DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 von Hardy Kettlitz.
Kettlitz gehörte lange Jahre zum Kreis der Mitarbeiter beim SF-Magazin Alien Contact und gibt seit über zwanzig Jahren die Sekundärliteratur-Reihe SF Personality (inzwischen 24 Bände) heraus. In den Verlagen Shayol und Golkonda sorgen seine Layout- und Setzer-Fähigkeiten dafür, dass die Lesbarkeit der Bücher weit über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt liegt. Mit der Gründung eines eigenen Imprints (»Memoranda«; im Vertrieb von Golkonda) und der Veröffentlichung von DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 geht Hardy Kettlitz jetzt noch einen Schritt weiter und schafft sich eine unabhängige Plattform für die Veröffentlichung interessanter neuer Sachbücher zu Fantasy und Science Fiction. Nachdem man sich durch die gut 300 Seiten von DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984 gewühlt hat, bleibt eigentlich nur noch ein einziger Wunsch offen: der nach dem zweiten Buch, das die Jahre zwischen 1985 und heute beleuchtet.
Dieses Werk ist ein absolut gelungener Start für einen hoffnungsvollen neuen Verlag!

Horst Illmer

Hardy Kettlitz
DIE HUGO AWARDS 1953 – 1984.
Berlin, Memoranda/Golkonda, 2015, 315 S.
ISBN 978-3-944720-71-5

Wussten Sie eigentlich, dass 1954 das Schicksalsjahr für die HUGO AWARDS war? Nur ein Jahr nach der ersten Preisvergabe in Philadelphia war die Auszeichnung fast schon wieder Schnee von gestern. Erst 1955, auf der 13. World Science Fiction Convention in Cleveland, Ohio, gelang es dann endgültig, die Traditionslinie der von Fans verliehenen Preise für die beliebtesten Romane, Geschichten, Filme, Fan-Zeitschriften,

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Axel Saalbach – Das Haus Komarow

von am 11. April 2015

Neuer Autor, neuer Verlag. Zumindest mir war der Latos Verlag aus Calbe/Saale bisher kein Begriff. Der Verlag wurde 2010 gegründet und scheint sich auf deutschsprachige Autoren spezialisiert zu haben. Dabei werden von Fantasy über Sciene Fiction bis hin zu Erotik viele Genres abgedeckt. Die meisten Veröffentlichungen werden auf der Verlagsseite unter dem Banner „Romance“ geführt. Nicht ganz so neu ist mir der Autor, mit dem ich seit über fünfzehn Jahren bekannt bin. Bisher hat Axel Saalbach seine Wortgewandtheit in den Dienst verschiedener Internetplattformen gestellt und mit seinen Kolumnen etliche Leser unterhalten, zum Lachen gebracht und mitunter auch verärgert. Sein Stil ist von einem beißenden Humor geprägt, dessen treffsichere Pointen nicht jedermanns Geschmack sind. Mit DAS HAUS KOMAROW liegt seit Ende letzten Jahres nun sein Romandebüt vor. Und was tut man, wenn man jemanden so lange kennt? Richtig. Man liest das Buch. Um festzustellen, dass es in eine gänzlich andere Kerbe schlägt, als die bisherigen Texte des Autoren.

Der Rahmen
DAS HAUS KOMAROW spielt in einer weit entfernten Zukunft. Deutschland ist im Verlauf eines anhaltenden Konflikts, der prägnant als der „Unendliche Krieg“ bezeichnet wird, Teil eines russischen Zarenreiches geworden, welches die Kontrolle über große Teile Europas hält. Über diese verschiedenen Teile von Russisch-Europa gebieten Adelshäuser wie das der Komarows, die untereinander in Konkurrenz stehen, um die jährlich zu vergebende Versorgungshoheit über ihre jeweilige Oblast zu erhalten. Obwohl uns der Roman ins 23. Jahrhundert mitnimmt, ist die Welt der Familie Komarow weitgehend ohne Technologie und zumindest in der deutschen Oblast gibt es so gut wie kein soziales Leben. Anatol, einem Briémek des Hauses Komarow, wird der Mord an seinem Vater zur Last gelegt. Das führt zu seiner Flucht, auf der er sich bei einem Hehlerring verdingt, auf eine Gruppe illegal geborener Kinder trifft und sich mit Organhändlern rumschlagen muss, bevor ihn sein Weg zurück nach Berlin führt. Der Ausgangspunkt der Handlung hat den Verlag dazu veranlasst, den Roman in seine Thriller-Sparte zu packen, ich halte es (dystopische) Science Fiction und der Autor spricht von einer Deutschland-Dystopie.

Der Stil
Saalbach bewegt sich in einem völlig anderen Fahrwasser als bei den eher humorvollen Artikeln, die er in den letzten eineinhalb Jahrzehnten präsentiert hat. Angesichts der Handlung und der vorgestellten Welt ein entschiedenen Vorteil. Sehr schön ist, dass Saalbach vollkommen auf Anglizismen verzichtet. Nicht nur ergibt das aufgrund der russischen Vorherrschaft Sinn, es ist auch eine erfrischende Abwechslung zu Leuten, die sich all zu oft einer unschönen Mischung aus englischer und deutscher Sprache befleißigen. Stattdessen werden dem russischen entstammende Begriffe wie Oblast (область/Verwaltungsbezirk) und Werst (Верста́/Längenmaß) verwendet. Das passt zum Buch, zur Handlung und zur Welt. Etwas seltsam jedoch ist, dass wirklich nur russische Namen auftauchen. Auch nach hundert Jahren unter der Herrschaft des Zarenreiches, sollte es doch noch den einen oder anderen Menschen deutscher Abstammung geben.

Die Figuren
In anderen Besprechungen wurde manchmal bemängelt, dass die Figuren über nicht genügend Tiefe verfügen. So sei es schwer, eine emotionale Bindung zu Anatol oder seinen Verbündeten aufzubauen oder mit ihnen mitzufiebern. Diesem Punkt kann ich nicht widersprechen. Gleichzeitig sehe ich das nicht zwangsläufig als eine Schwäche. Die Figuren erfüllen ihren Zweck – und auf den arbeitet der Autor kontinuierlich und konsequent hin. Der Verzicht auf das Menschliche ist meines Erachtens ein legitimes Stilmittel und Saalbach ist nun wirklich nicht der erste, der so vorgeht. H. P. Lovecraft, Thomas Ligotti, Stanley Kubrick … sind nur drei Beispiele, die es auszeichnet, dass sie in ihren besten Momenten genau das über Bord geworfen haben.

Fazit
Ich weiß nicht, ob es am Wechsel zu ernsthafteren Tönen liegt, aber ich habe das Gefühl, dass er gelegentlich noch mit angezogener Handbremse schreibt. Nichtsdestotrotz, DAS HAUS KOMAROW ist ein beachtlicher Erstling, der über die gesamte Distanz spannend bleibt und den Leser in eine interessante Welt entführt. Weiter so, Axel!

Neuer Autor, neuer Verlag. Zumindest mir war der Latos Verlag aus Calbe/Saale bisher kein Begriff. Der Verlag wurde 2010 gegründet und scheint sich auf deutschsprachige Autoren spezialisiert zu haben. Dabei werden von Fantasy über Sciene Fiction bis hin zu Erotik viele Genres abgedeckt. Die meisten Veröffentlichungen werden auf der Verlagsseite unter dem Banner „Romance“ geführt. Nicht ganz so neu ist mir der Autor, mit dem ich seit über fünfzehn Jahren bekannt bin. Bisher hat Axel Saalbach seine Wortgewandtheit in den Dienst verschiedener Internetplattformen gestellt und mit seinen Kolumnen etliche Leser unterhalten,

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Die Maschinen

von am 7. April 2015

MaschinenAnn Leckie
DIE MASCHINEN. Ein Roman aus der fernen Zukunft.
Mit einem Vorwort des Übersetzers und einem Interview mit der Autorin.
Ü: Bernhard Kempen
(Ancillary Justice / 2013)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-31636-2 / 14,99 Euro

Es war einmal, in einer weit entfernten Galaxis – so oder so ähnlich fangen seit vielen Jahren die Zukunftsmärchen an. Ann Leckie vermeidet es zwar, ihren Erstlingsroman mit solchem Kitsch oder Schwulst zu beginnen, dafür hat die Eingangsszenerie viel von einem New-Western-Movie: Nackter Körper im Dreck vor dem Saloon, widerspenstige und hinterhältige Einheimische und ein Lonsome Cowboy mit einer Mission. Nur dass dieser einsame Kämpfer hier eine ehemalige Schiffs-KI ist, deren (Schiffs-)körper und Sensoren, deren Offiziere, menschlichen Besatzungen und Androiden-Hilfstruppen, bis auf die besagte Ausnahme, zerstört wurden. Und zwar von der Alleinherrscherin des größten menschlichen Sternenimperiums persönlich. Dass Anaander Mianaai sich dabei selbst dreimal getötet hat, spielt für sie keine große Rolle – schließlich hat sich die Imperiatrix in sehr viele Sicherungs-Kopien aufgespalten.
Ann Leckie entwickelt in DIE MASCHINEN eine Gesellschaft, in der Menschen und Künstliche Intelligenzen an der Spitze einer sehr starken und wenig durchlässigen Hierarchie stehen, was einen immer wieder mal an die Sklavenhalterzivilisationen der Vergangenheit denken lässt. Ihre Heldin Breq ist sich durchaus bewusst, dass sie als ehemalige Hilfseinheit der Gerechtigkeit der Torren ganz unten in der „Nahrungskette“ angesiedelt ist. Doch besitzt sie nicht nur einen auffälligen Hang zum Sammeln und Singen von Liedern, sondern auch einige so außergewöhnliche Fähigkeiten (und Hilfsmittel), dass ihr Plan, die Herrscherin des Imperiums zu töten, schließlich sehr viel weiter gedeiht und umgesetzt werden kann, als sie es sich selbst je erträumte …
Leckies Androidin Breq ist eine der ungewöhnlichsten Protagonistinnen der Science Fiction seit vielen Jahren. Das vor allem scheint auch der Grund dafür zu sein, dass die Autorin mit ihrem ersten Roman praktisch alle wichtigen SF-Preise Englands und der Vereinigten Staaten abräumen konnte. Zudem entwickelt sie eine „Zukunfts-Sprache“, in der praktisch alle geschlechtsspezifischen Zuschreibungen weiblich sind. (Wie der Übersetzer Bernhard Kempen in seiner Vorbemerkung schreibt, verursacht das im Deutschen weit mehr Probleme als im Englischen.) Davon einmal abgesehen, ist DIE MASCHINEN ein unterhaltsamer Mix aus dem Besten was die Science Fiction in der Nachfolge von Iain M. Banks, Lois McMaster Bujold und Robert A. Heinlein momentan zu bieten hat.

Horst Illmer

Ann Leckie
DIE MASCHINEN. Ein Roman aus der fernen Zukunft.
Mit einem Vorwort des Übersetzers und einem Interview mit der Autorin.
Ü: Bernhard Kempen
(Ancillary Justice / 2013)
München, Heyne, 2015, 541 S.
ISBN 978-3-453-31636-2 / 14,99 Euro

Es war einmal, in einer weit entfernten Galaxis – so oder so ähnlich fangen seit vielen Jahren die Zukunftsmärchen an. Ann Leckie vermeidet es zwar, ihren Erstlingsroman mit solchem Kitsch oder Schwulst zu beginnen,

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Ian Tregillis – Die Milkweed-Trilogie

von am 23. März 2015 1 Kommentar

Mit Deltus.de tauchte etwa Mitte letzten Jahres ein neuer Verlag in den Regalen auf, der sich auf Science Fiction und Fantasy (und sog. „Kaijū“-Romane spezialisierte). Genaugenommen war Deltus.de kein eigenständiger Verlag sondern ein Imprint des Festa Verlags, zu dessen Horrorprogramm damit ein interessantes Kontrastprogramm geboten werden sollte. Leider konnte sich Deltus.de nicht etablieren und ist inzwischen schon wieder Geschichte. Die letzte Veröffentlichung wird der Abschluss der MILKWEED-Trilogie sein, der für Ende März angekündigt ist. Schade, es hätte eine Bereicherung für den deutschen Buchmarkt werden können.

Der US-Amerikaner Ian Tregillis begann seine Autorenkarriere 2010 mit SAAT DES UNHEILS, dem ersten Teil einer Alternativwelt-Trilogie in der „englische Warlocks auf Nazi-Superhelden treffen“. Er trägt auch zu George R. R. Martins WILD CARDS-Universum bei. Ein Band mit Geschichten aus dieser Welt ist vor kurzem bei Heyne erschienen. Tregillis wird von Martin als herausragender Autor bezeichnet. Der Schöpfer vom Bestseller A GAME OF THRONES muss es wissen. Immerhin, die Idee eines jungen Neil Gaiman für eine WILD CARDS-Geschichte hat er seinerzeit … abgelehnt. Dass aus dieser Idee letzten Endes Gaimans SANDMAN entstehen sollte, wollen wir an dieser Stelle mal nicht beachten.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die REGP, die Reichsbehörde zur Erweiterung germanischen Potentials und ihre britischen Gegenspieler von der schlicht Milkweed genannten Abteilung des Geheimdiensts ihrer Majestät. Das Reich schickt hierbei seine selbstgeschaffenen Übermenschen in den Kampf. Diese erinnern in der Tat ein wenig an Marvels X-MEN. So verwundert es nicht, dass sie auch in den eigenen Reihen Außenseiter bleiben und zumindest einige von ihnen auch sympathische Züge zeigen. Fast schon zur Abwechslung von oft bedienten Mustern, ist die Entstehung dieser Reichs-Superhelden nicht auf irgendwelchem magischen Klimbim gebaut, der von der Thule-Gesellschaft erdacht wurde. Stattdessen sind sie die Produkte deutschen Erfindungsgeists. Entschieden eine Stärke des Romans wenngleich es natürlich die eher negativen Auswirkungen wissenschaftlichen Strebens zeigt. Tregillis’ Dr. von Westarp erinnert durch seine mitleidlose und das Ergebnis seiner Arbeit über alles stellenden Art nicht zufällig an Dr. Josef Mengele.

Den magischen Klimbim führen indes die Briten ins Feld, die von Westarps Kindern das arkane Wissen einer Gruppe Warlocks entgegensetzen. Diese sind nun keine allmächtigen Zauberer sondern beschwören die Eidolon, geheimnisvolle Wesenheiten aus den Bereichen zwischen Raum und Zeit, die für ihre Hilfe immer höhere Preise einfordern. Diese Handel können nicht ohne Folgen bleiben.

Wer eine Lust auf eine spannende Alternativweltgeschichte hat, ist mit der MILKWEED-Trilogie gut beraten und sollte zuschlagen, solange die Bücher lieferbar sind.

Während ich diese Zeilen schreibe, steht der abschließende Teil der Trilogie (DAS NOTWENDIGE BÖSE) kurz vor der Veröffentlichung. SAAT DES UNHEILS und DER KÄLTESTE KRIEG sind bereits lieferbar.

Mit Deltus.de tauchte etwa Mitte letzten Jahres ein neuer Verlag in den Regalen auf, der sich auf Science Fiction und Fantasy (und sog. „Kaijū“-Romane spezialisierte). Genaugenommen war Deltus.de kein eigenständiger Verlag sondern ein Imprint des Festa Verlags, zu dessen Horrorprogramm damit ein interessantes Kontrastprogramm geboten werden sollte. Leider konnte sich Deltus.de nicht etablieren und ist inzwischen schon wieder Geschichte. Die letzte Veröffentlichung wird der Abschluss der MILKWEED-Trilogie sein, der für Ende März angekündigt ist. Schade, es hätte eine Bereicherung für den deutschen Buchmarkt werden können.

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Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug

von am 16. Februar 2015

schlachthof5Kurt Vonnegut jr.
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG. Roman.
(Slaughterhouse-Five or The Children’s Crusade / 1969)
Ü: Kurt Wagenseil
Reinbek, Rowohlt, 2010, 208 S.
ISBN 978-3-499-25313-3

Gott gebe mir die gelassene Gemütsruhe,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und immer die Weisheit, den Unterschied zu erkennen.
(Inschrift auf dem Medaillon, das Montana Wildhack um den Hals trägt.)

Der amerikanische Soldat Kurt Vonnegut (1922 – 2007) hat als Kriegsgefangener die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten am 13. Februar 1945 miterleben müssen – und sie in den Kellern eines Schlachthofs überstanden. Die Aufarbeitung dieses Traumas gelang ihm, nach vielen vergeblichen Versuchen, erst Ende der 1960er Jahre. Als alle Welt vom Vietnamkonflikt sprach, schrieb er mit SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG einen Roman, der gleichzeitig die Distanz des Autors zum gerade herrschenden Zeitgeist bewies und auf die ständigen Wiederholungen der Geschichte anspielte, vom Mittelalter über den 2. Weltkrieg bis Vietnam – und darüber hinaus, bis in die fernste Zukunft.
Billy Pilgrim, ein an unkontrollierbaren „spastischen“ Zeitsprüngen leidender Mensch, ist der „Jedermann“ des Buches. Sein Schicksal führt ihn unter anderem 1945 nach Dresden, aber auch in einen „Alien-Zoo“ der Tralfamadorianer. Er begegnet während seiner Sprünge der kompletten Mannschaft aus Vonneguts Raritätenkabinett, darunter dem unbekannten, bettelarmen Science-Fiction-Autoren Kilgore Trout, dem Hauptmann Rosewater, der eine unheilbare Vorliebe für Trouts Schundromane hat, und der unwiderstehlichen Montana Wildhack, die ebenfalls nach Tralfamadore entführt wurde.
An der zentralen Stelle des Buches erkennt Billy die tiefe Wahrheit von Rosewaters Behauptung, dass „alles“ bereits in Dostojewskis DIE BRÜDER KARAMASOW gestanden habe, dies aber heutzutage nicht mehr ausreiche, die Welt zu erklären. Nach einigen Diskussionsrunden mit den Außerirdischen, in denen Billy unter anderem erfährt, dass die Erde der einzige Planet im Universum ist, auf dem die Vorstellung eines „freien Willens“ kursiert, schließt er sich deren Welt- und Zeitsicht an. Sein Wahlspruch ist nun ein abgeklärtes: „So geht das“.
Kurt Vonnegut zeigt in SCHLACHTHOF 5, dass die gängigen Science-Fiction-Motive im modernen Roman durchaus eine ebensolche satirische Brechung der Realität leisten können, wie schon in der Antike die phantastischen Elemente in den Erzählungen Lukians. Es gelingt ihm, seinen Roman auf spielerische Weise jeder Klassifizierung zu entziehen. Meisterhaft sind Genre- und Hochliteratur, Kriegsdrama und schwarzer Humor zu einem stimmigen Ganzen verschränkt.

Horst Illmer

Kurt Vonnegut jr.
SCHLACHTHOF 5 ODER DER KINDERKREUZZUG. Roman.
(Slaughterhouse-Five or The Children’s Crusade / 1969)
Ü: Kurt Wagenseil
Reinbek, Rowohlt, 2010, 208 S.
ISBN 978-3-499-25313-3

Gott gebe mir die gelassene Gemütsruhe,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und immer die Weisheit, den Unterschied zu erkennen.
(Inschrift auf dem Medaillon,

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Das Gleismeer

von am 9. Februar 2015

GleismeerChina Miéville
DAS GLEISMEER. Roman.
Übersetzt von Eva Bauche-Eppers
(Railsea / 2012)
München, Heyne, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-453-31540-2

Telefonklingeln.
Hallo, Horst. Du hast mir da doch das neue Buch von China Miéville empfohlen …
Äh, ja? (Jetzt bloß vorsichtig.)
Ich wollte nur sagen, dass ich gestern damit angefangen habe – und seitdem habe ich ein so breites Grinsen im Gesicht, dass meine Frau schon misstrauisch wird …
Und auch der Rest des Gesprächs verlief dann sehr positiv, hatte für unser Thema hier aber keine Bedeutung mehr.

Auch bei mir löste DAS GLEISMEER, China Miévilles langerwarteter neuer Roman, den gleichen Effekt auf die Mundwinkel aus. Vermutlich durch den Verlagswechsel zu Heyne hatte sich die deutschsprachige Veröffentlichung des im Original bereits 2012 erschienen Buches ungewöhnlich lange hingezogen und schon Anlass zu Befürchtungen gegeben.
Nach der einbändigen Ausgabe von PERDIDO STREET STATION (und jetzt eben von DAS GLEISMEER) darf man nun aber erleichtert feststellen, dass der britische Autor bei uns endlich wieder eine „Heimatbasis“ besitzt. Zudem konnte man sich darüber freuen, dass Eva Bauche-Eppers wieder mit an Bord ist – und es tut unglaublich gut, dass China Miéville seine »deutsche Stimme« wiederbekommen hat.
Miéville erzählt in DAS GLEISMEER von den Erlebnissen Shams, eines jungen Mannes auf seiner ersten „Großen Fahrt“. Allerdings findet diese nicht auf einem Schiff, sondern auf einem Zug statt, der das titelgebende „Gleismeer“ befährt. In einer Welt, in der die heutigen modernen Techniken und Materialien nur noch als prähistorische Artefakte aus den trügerischen Tiefen einer für Menschen lebensgefährlich veränderten und von mutierten Geschöpfen bewohnten „Erde“ geborgen werden können, hat sich der Homo vorago aperientis, der „Mensch am Rande des Abgrunds“, eingerichtet, so gut es eben geht. Er befährt die Gleise, end- und zeitlos, schon immer & für immer da, und jagt das Geziefer, um Nachschub für die hungrigen Mäuler und die hungrigen Märkte zu erhaschen. Doch wie zu allen Zeiten zweifelt die Jugend an der Weisheit der Alten – und schon steckt man mitten in großen und weltbewegenden Abenteuern.
Denn ein großartiger Abenteuerroman ist DAS GLEISMEER vor allem anderen. Gleichzeitig ist das Werk stilistisch nicht wenig anspruchsvoll und widersetzt sich einer weiteren Genre-Einordnung dadurch, dass es auf seinem Weg durch die mehr als achtzig Kapitel ständig die Richtung, Tonlage und Erzählhaltung ändert, ohne dabei jemals vom Gleis zu springen oder den großen Bogen zu verlieren (symbolisiert wird dies auch optisch durch die Verwendung des „&“-Zeichens für das normale „und“).
Dass man sich dabei außerdem noch über eine herausragende Sprachkraft, eine unglaubliche Ideenfülle und jede Menge (meta-)literarischer Querverweise freuen kann, gehört bei einem Werk von China Miéville einfach dazu!

Horst Illmer

China Miéville
DAS GLEISMEER. Roman.
Übersetzt von Eva Bauche-Eppers
(Railsea / 2012)
München, Heyne, 2015, 400 S.
ISBN 978-3-453-31540-2

Telefonklingeln.
Hallo, Horst. Du hast mir da doch das neue Buch von China Miéville empfohlen …
Äh, ja? (Jetzt bloß vorsichtig.)
Ich wollte nur sagen, dass ich gestern damit angefangen habe – und seitdem habe ich ein so breites Grinsen im Gesicht, dass meine Frau schon misstrauisch wird …
Und auch der Rest des Gesprächs verlief dann sehr positiv,

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Der Terraformer

von am 19. Januar 2015

terraformerMatthias Falke
DER TERRAFORMER.
Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S.
ISBN 978-3-86402-189-3

So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer.
Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, dafür aber mit der Möglichkeit, Gott zu spielen und der Schöpfung ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und dann sowas: Gerade als seine kürzlich freigesetzten Blaualgen den ersten Sauerstoff produzieren, spaziert da plötzlich ein Mann über die noch sehr karg bewachsenen Felsen und bitte McCoy um Hilfe und Asyl.
Es handelt sich dabei um Roderick, einen in die „Wolfszeit“ verstoßenen Clanchef von einer der eher rückständigen Erzwelten vom Rande der menschlichen Hegemonie, der bei dem Terraformer Unterschlupf findet und für einige Monate sein Gehilfe wird. Doch wenn Roderick seine Ehre, seine Familie und sein Leben (in dieser Reihenfolge) retten will, muss er vor Ablauf eines Jahres zurück auf seine Heimatwelt und dort sein Recht einfordern.
Eher widerwillig überlässt ihm McCoy schließlich seine Rettungskapsel, mit der Roderick ins nächste Sternensystem aufbricht. Noch bevor Anders McCoy seinen neuen Freund so richtig vermissen kann, bekommt er schon wieder Besuch. Diesmal allerdings eher unfreundlichen, von Rodericks Feinden – und schon wird er von seinem Projekt weggeschleppt und steckt mitten in einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die halbe Galaxis.
Matthias Falke ist mit DER TERRAFORMER ein gut geschriebener, spannender und häufig auch sehr humorvoller Science-Fiction-Roman der „alten Schule“ gelungen. Keine Stilexperimente, keine überbordende Gewalt, keine Apokalypse, die kurzfristig gestoppt werden muss – sondern einfach nur ein herrlich-versponnenes Weltraum-Garn, wie man es sich auf Beta 7 oder Centauri 13 abends bei einem guten Gläschen am Tresen einer Raumfahrer-Kneipe erzählt.
Lesevergnügen pur!

Horst Illmer

Matthias Falke
DER TERRAFORMER.
Stolberg, Atlantis, 2014, 300 S.
ISBN 978-3-86402-189-3

So ein Terraforming-Ingenieur hat es schon schwer.
Da will Anders McCoy nur mal kurz seinen stressigen Schreibtischjob gegen ein paar Jahre Ruhe auf einem leblosen Planeten eintauschen, so ganz ohne Kontakt zu anderen Menschen, dafür aber mit der Möglichkeit, Gott zu spielen und der Schöpfung ein wenig auf die Sprünge zu helfen – und dann sowas: Gerade als seine kürzlich freigesetzten Blaualgen den ersten Sauerstoff produzieren,

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Der Club für bizarre Berufe

von am 25. Dezember 2014

Club der BerufeG. K. Chesterton
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen.
Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg
Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904)
Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S.
ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro

Der Engländer als solcher ist ja gerne Mitglied in einem Club – und je exklusiver, desto besser. Da nimmt es kaum Wunder, dass Mr. Swinburne, ein typischer Londoner wie nur je einer vor unser Angesicht trat, stets nach Mitgliedschaften in solch vornehmen Zirkeln strebt. Bis er jedoch Eintritt in den „Club für bizarre Berufe“ erlangt, muss er sich durch eine Reihe herrlich-schräger Großstadtabenteuer schlagen, die seiner Naivität und Gutgläubigkeit wirklich alles abverlangen.
Von der Existenz dieser Vereinigung erfährt er, als er sich mit den „bemerkenswerten Abenteuern des Major Brown“ beschäftigen muss, die von einer Firma in die Wege geleitet werden, die man heutzutage wohl unter „Abenteuer GmbH“ im Branchenverzeichnis finden würde. Deren Inhaber erklärt auch kurz und bündig, unter welchen Voraussetzungen man in besagten Club Mitglied werden kann: Man muss einen völlig neuen Beruf erfinden oder entdecken – und damit dann auch seinen Lebensunterhalt bestreiten.
Wie sich in den insgesamt sechs Erzählungen des Buches zeigt, lassen sich Londons Geschäftsleute einige sehr „bizarre“ Berufe einfallen, allesamt wohl nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen – wobei: hin und wieder beschleicht einen, nach besonders herzhaftem Gelächter, dann doch der Verdacht, dass sich einige dieser „Queer Trades“ bis heute gehalten oder sogar weiterentwickelt haben.

Über einhundert Jahre her ist die Erstveröffentlichung der Geschichten, die sich Gilbert Keith Chesterton ausdachte, um seinem staunenden Publikum den CLUB OF QUEER TRADES vorzustellen. Erstmals 1904 in England als Buch erschienen, konnten sich seit 1928 auch deutsche Leser erheitert und kopfschüttelnd freuen über die bemerkenswerten Abenteuer der ungleichen Brüder Basil und Rupert Grant, erzählt von ihrem Freund Swinburne, dem ganz und gar nicht objektiven Begleiter der beiden.
Allerdings hatte sich auf der bis in die 1980er Jahre verwendeten Übersetzung ein wenig der Staub der Jahrzehnte angesammelt. Unter dem Titel DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE sind die vergnüglichen „Londoner Erzählungen“ in der Neuübersetzung von Jakob Vandenberg im Coesfelder Elsinor Verlag neu aufgelegt worden.
Chesterton hat seine Protagonisten vermutlich nicht zufällig als liebevolle Parodie von Conan Doyles Ermittler-Duo Holmes & Watson angelegt (an einigen Stellen wird aus dem Augenzwinkern ein freundschaftlicher Rippenstoß). Und so stolpert der selbsternannte Privatermittler Rupert Grant nur allzu gerne über vermeintliche „Fälle“, bei deren Lösung ihm Swinburne immer wieder voller Enthusiasmus beisteht, die jedoch letztlich vom gutmütigen Ex-Richter Basil Grant (einem der eindrucksvollsten Charaktere, die Chesterton je aufs Papier warf, vermutlich wegen gewisser biographischer Ähnlichkeiten) vermittelst Intuition und unter Ablehnung aller offensichtlichen Fakten („Wie Fakten doch die Wahrheit verschleiern“) entwirrt werden müssen.
Wer bereit ist, sich auf den etwas speziellen englischen Humor der damals gerade erst vergangenen viktorianischen Ära einzulassen und sich an klug konzipierten und (trotz fehlender Bluttaten oder sonstiger Grausamkeiten) nicht unspannenden Geschichten zu erfreuen vermag, wird hier vollkommen zufrieden gestellt.
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE ermöglicht eine herrlich entspannende Wiederentdeckung eines Autors, der leider viel zu oft auf seine FATHER BROWN-Geschichten reduziert wird!

Horst Illmer

G. K. Chesterton
DER CLUB FÜR BIZARRE BERUFE. Londoner Erzählungen.
Ins Deutsche übertragen von Jakob Vandenberg
Originaltitel: The Club of Queer Trades (1904)
Coesfeld, Elsinor Verlag, 2011, 160 S.
ISBN 978-3-939483-19-9 / 14,80 Euro

Der Engländer als solcher ist ja gerne Mitglied in einem Club – und je exklusiver, desto besser. Da nimmt es kaum Wunder, dass Mr. Swinburne, ein typischer Londoner wie nur je einer vor unser Angesicht trat, stets nach Mitgliedschaften in solch vornehmen Zirkeln strebt.

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Der Jesus-Deal

von am 17. Dezember 2014

JesusDealAndreas Eschbach
DER JESUS-DEAL. Thriller.
Köln, Lübbe, 2014, 724 S.
ISBN 978-3-431-03900-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser vorher – und das gleich aus mehreren Gründen – schon weiß, wie er ausgeht, ja, ausgehen muss?
Wer Andreas Eschbach einmal kennen gelernt hat, wird diesem liebenswert zurückhaltenden Menschen jedenfalls keinerlei Hang zum Größenwahn vorwerfen mögen. Also handelte es sich wohl tatsächlich um das Wissen um und das Vertrauen auf die Gesetze des Erzählens, des Spannungsaufbaus und das eigene Geschick, daraus tolle Bücher entstehen zu lassen, das hinter der Idee stand, dem großen Erfolg von DAS JESUS-VIDEO eine Fortsetzung folgen zu lassen.
Eine Fortsetzung? Oder doch eher die Vorgeschichte? Oder das damals Weggelassene hinzufügen? Schon hier beginnen die Probleme – handelt es sich doch um eine Zeitreisegeschichte!
Seit die Reise durch die Zeit in phantastischen Erzählungen vorkommt, hat sie Autoren und Leser gleichermaßen fasziniert. Geht es nur zurück? Geht es vorwärts? In beide Richtungen? Ortsgebunden oder an jeden beliebigen Fleck der Welt? Und, die wichtigste Frage von allen, kann man den Zeitablauf verändern? Kann man also zum Beispiel 2000 Jahre zurückreisen nach Jerusalem und die Kreuzigung Jesu verhindern?
All dies beschäftigt natürlich auch Andreas Eschbach in DER JESUS-DEAL. Ausführlich referiert er über die naturwissenschaftlichen Hintergründe und philosophischen Probleme der Zeitreise. Doch damit lässt sich noch lange kein guter Roman schreiben. Dazu bedarf es toller Figuren, starker Gefühle und einer möglichst großen Bedrohung, gegen die ein Kampf aussichtslos erscheint, der von den Helden aber natürlich trotzdem geführt wird.
Einen Großteil der Protagonisten kennt man aus DAS JESUS-VIDEO, einige der neu hinzugekommenen Handlungsträger ergeben sich schlüssig aus familiären oder gesellschaftlichen Beziehungen und selbst bei seinen Nebenfiguren gibt sich Eschbach alle erdenkliche Mühe bei deren Charakterisierung.
Neben der Liebe und der Angst vor dem Tod gehört wohl vor allem die Religion zu den stärksten Antrieben des menschlichen Handelns. Den Aspekt des religiösen Fundamentalismus und seiner zerstörerischen Auswirkungen stellt Eschbach denn auch in den Mittelpunkt seines Romans. Er beschreibt die fast unvermeidliche geistige Verwirrung, die dieser Absolutheitsanspruch bewirkt – und lässt dabei den drei großen Weltreligionen gleichermaßen Gerechtigkeit widerfahren. Denn wenn es um die fanatische Auslegung von Gottes Wort geht, stehen sich Judentum, Christentum und der Islam in nichts nach …
Wenn man nach über siebenhundert Seiten ideenreicher, herzergreifender und spannender Lektüre schließlich rundum zufrieden das Buch schließt, ist man sich sicher, dass dieser Mann seiner Fähigkeit als Geschichtenerzähler völlig zu Recht vertraut.

Horst Illmer

Andreas Eschbach
DER JESUS-DEAL. Thriller.
Köln, Lübbe, 2014, 724 S.
ISBN 978-3-431-03900-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Ist das eigentlich Chuzpe oder einfach nur ein großes Vertrauen in die eigenen literarischen Fähigkeiten, wenn ein Autor einen Roman (noch dazu einen „Thriller“) schreibt, bei dem man als Leser vorher – und das gleich aus mehreren Gründen – schon weiß, wie er ausgeht, ja, ausgehen muss?
Wer Andreas Eschbach einmal kennen gelernt hat, wird diesem liebenswert zurückhaltenden Menschen jedenfalls keinerlei Hang zum Größenwahn vorwerfen mögen.

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Das Jesus-Video

von am 28. November 2014

JesusVideoAndreas Eschbach
Das Jesus-Video. Thriller.
Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten
BL-TB 17035 / 9,99 Euro

Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, wittert der Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith eine Sensation. Er verständigt John Kaun, Geldgeber der Ausgrabung und zugleich einer der mächtigsten Männer der Nachrichten-Branche.
Eine Theorie ist schnell zur Hand: Ein Zeitreisender hat damals Jesus gefilmt, konnte nicht mehr zurückreisen und hat vermutlich die Kamera irgendwo versteckt. Kaun will unbedingt diese Kamera und die Aufzeichnungen um sein angeschlagenes Imperium zu sanieren. Sein Gegenspieler ist der junge Amerikaner Stephen Foxx, der das Skelett gefunden hat. Dabei hat er einen der Anleitung beiliegenden Brief an sich genommen, und versucht nun selbst, mithilfe eines befreundeten Wissenschaftlers, diesen zu entziffern.
Aber Kaun hat viel Geld und keine Skrupel und will mit allen Mitteln Ergebnisse herbeizwingen. Es beginnt ein Wettlauf, bei dem mal Kaun, mal Foxx die Nase vorne hat. Wem es nun gelingt diese Kamera zu finden, welche Informationen sich auf deren Siliziumspeichern befinden und was ein „Jesus Video“ ist, beantwortet der Verfasser in seiner hervorragend erzählten Geschichte, die seit ihrer Erstveröffentlichung 1998 nichts von ihrer Spannung und Faszinationskraft eingebüßt hat.
Andreas Eschbach braucht den Vergleich mit britischen und amerikanischen Autorenkollegen nicht zu scheuen. Es ist alles da, was einen guten Roman ausmacht: Ein ungleiches Liebespaar, jede Menge Geld und Technik, Verschwörungen, Geheimgänge, die Katholische Kirche, tapsige Wissenschaftler und harte Soldaten – und auch ein deutscher Science-Fiction-Schriftsteller hat seine Sternstunde.

Horst Illmer

Andreas Eschbach
Das Jesus-Video. Thriller.
Köln, Bastei-Lübbe, 2014, 701 Seiten
BL-TB 17035 / 9,99 Euro

Als Archäologen bei Grabungen in der israelischen Wüste neben einem etwa zweitausend Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung für eine Videokamera finden, die es so am Markt noch gar nicht gibt, wittert der Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith eine Sensation. Er verständigt John Kaun, Geldgeber der Ausgrabung und zugleich einer der mächtigsten Männer der Nachrichten-Branche.
Eine Theorie ist schnell zur Hand: Ein Zeitreisender hat damals Jesus gefilmt,

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True Detective (Season One)

von am 21. November 2014

Mal etwas anderes. Neben Büchern und Comics haben Fernsehserien Konjunktur. GAME OF THRONES, SHERLOCK und THE WALKING DEAD erfreuen sich großer Beliebtheit und sind auch für Leseratten und die treue Anhängerschaft der Romanboutique interessant, basieren sie doch alle auf Büchern bzw. Comics. Hermkes Romanboutique wird dadurch zwar nicht zu einem DVD- und BluRay-Laden mutieren, aber ein kleiner Hinweis auf diese und ähnlich interessante Serien ist allemal drinnen.

TRUE DETECTIVE unterscheidet sich von den vorgenannten Serien dadurch, dass die Show keine Adaption eines bestimmten Buches ist. Jedoch werden auch hier literarische Einflüsse verarbeitet. Namentlich sind das Motive aus DER KÖNIG IN GELB, Anspielungen auf eine Geschichte August Derleths und einige mehr oder weniger direkte Zitate von Thomas Ligotti (vornehmlich seinem THE CONSPIRACY AGAINST THE HUMAN RACE: A CONTRIVANCE OF HORROR) entnommen. Letztere schlagen sich vor allem in der Figur des Rust Cohle nieder, der Ligottis zynische Weltsicht vertritt.

So ist TRUE DETECTIVE eine im besten Sinne düstere Serie, die in der Tradition der großen Vorgänger TWIN PEAKS und AKTE X – DIE UNHEIMLICHEN FÄLLE DES FBI steht und über Hauptdarsteller Matthew McConaughey und Woody Harrelson bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt ist.

Die Serie ist, trotz eines eher geringen Aufkommens extremer Gewaltszenen, nichts für zart besaitete Gemüter. Der zynische Grundtenor kann auf Dauer etwas bedrückend wirken. Daher sollte man sich die überschaubaren acht Folgen auch in Maßen ansehen und ein sog. „Binge-Watching“ vermeiden.

Mal etwas anderes. Neben Büchern und Comics haben Fernsehserien Konjunktur. GAME OF THRONES, SHERLOCK und THE WALKING DEAD erfreuen sich großer Beliebtheit und sind auch für Leseratten und die treue Anhängerschaft der Romanboutique interessant, basieren sie doch alle auf Büchern bzw. Comics. Hermkes Romanboutique wird dadurch zwar nicht zu einem DVD- und BluRay-Laden mutieren, aber ein kleiner Hinweis auf diese und ähnlich interessante Serien ist allemal drinnen.

TRUE DETECTIVE unterscheidet sich von den vorgenannten Serien dadurch,

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Zukunft ist Vergangenheit!

von am 12. November 2014

ShockwaveriderTitel: Der Schockwellenreiter (1979), Original: The Shockwave Rider (1975)
Autor: John Brunner
Verlag: Heyne Verlag
Letzte deutschsprachige Ausgabe: Illustrierte Sonderausgabe, Bibliothek der Science Fiction Literatur 06/78

Das Buch der Schockwellenreiter von John Brunner lag schon eine ganze Weile bei mir im Regal bevor ich es erst kürzlich gelesen habe.

Nick ein begnadeter Softwareentwickler und Hacker wird durch Regierungsorgane erzogen, da seine eigenen Eltern nicht für ihn sorgen konnten oder wollten. Aufgrund seiner Begabung erhält er Aufträge mit großer Brisanz und erarbeitet sich eine Menge Privilegien, die er, als er sich vom Saulus zum Paulus wandelt, gegen das System richtet. Das gesellschaftliche Leben wird durch Pharmazeutika, eine rigide und gesteuerte Informationspolitik und gezielte Überwachung unter Kontrolle gehalten. Das Ganze ist garniert durch das Medium Fernsehen mit interaktiven Elementen, die das Volk ruhig stellen soll. Jede Abweichung von der vorgegebenen Norm wird als krankhaft angesehen und entsprechend behandelt, so dass selbst kleine Kinder schon durch Psychopharmaka ruhig gestellt werden.

Mit Waisen verfährt das System streng und nach einer vorgegebenen Prozedur. Je nach Intelligenz werden die Kinder verschiedenen Aufgaben zugeführt. Im Falle von Nick, der eine große Begabung in Mathematik hat, ist der Weg in die Informationstechnologie vorgezeichnet. Im Gegensatz dazu bleibt die seelische Entwicklung auf der Strecke. Unfähig Gefühle auszudrücken bzw. auszuleben ist die gesamte Gesellschaft und Nick im Besonderen in einer Art Käfig gefangen.

Erst als Nick auf seiner Flucht vor dem System auf Kate trifft, die sich dem System verweigert ohne es zu sabotieren, lernt Nick seine emotionale Seite kennen und wird sich klar darüber, was er für sich und andere erreichen möchte.

Zusammen mit Kate flieht er in eine alternativen Kommune, und beweisen dort, wie wenig ausreicht, um das System zum Einsturz zu bringen.

Was mir an diesem Roman aus dem Jahre 1975 so wahnsinnig gefallen hat, sind die vielen Ideen bzw. gesellschaftliche Themen, die John Brunner anspricht und die heute aktueller denn je sind. Die Überversorgung mit Psychopharmaka in Schule und Beruf, die totale Überwachung durch den Staat, in unserem Fall durch NSA und Konsorten, das Internet und eine Medienpolitik, die den Menschen bewusst Dinge vorenthält. Die Verdammung aller abweichenden Meinungen und eine Politik, die von den Unternehmen gefangen genommen wurden. Diese Unternehmen haben sich ihre eigene Lebenswirklichkeit geschaffen und glauben ohne rechtlichen Rahmen agieren zu können.

Brunner schafft eine kühne Sicht auf eine Gesellschaft, die völlig erstarrt zu sein scheint und die verkörpert durch Nick auf den Erlöser wartet, der das System zum Einsturz bringt, in dem er sich die Errungenschaften des Systems zu eigen macht.

Für mich ein sehr beeindruckender Roman, der einen aus heutiger Sicht überspitzten, aber der Realität nahe kommende Gesellschaftskritik ist. Interessant auch zu sehen, wie viel Mühe sich der Heyne Verlag mit vielen Illustrationen in dieser Sonderausgabe gemacht hat.

MarkusT

Titel: Der Schockwellenreiter (1979), Original: The Shockwave Rider (1975)
Autor: John Brunner
Verlag: Heyne Verlag
Letzte deutschsprachige Ausgabe: Illustrierte Sonderausgabe, Bibliothek der Science Fiction Literatur 06/78

Das Buch der Schockwellenreiter von John Brunner lag schon eine ganze Weile bei mir im Regal bevor ich es erst kürzlich gelesen habe.

Nick ein begnadeter Softwareentwickler und Hacker wird durch Regierungsorgane erzogen, da seine eigenen Eltern nicht für ihn sorgen konnten oder wollten. Aufgrund seiner Begabung erhält er Aufträge mit großer Brisanz und erarbeitet sich eine Menge Privilegien,

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Ubik

von am 7. November 2014

UbikPhilip K. Dick
UBIK. Roman.
Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux.
(Originaltitel: Ubik / 1969)
Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten
ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro

Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit.
Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus der Sicht des Autors damals noch ferne Zukunft, für uns heutige Leser natürlich lange schon Vergangenheit. Entstanden ist UBIK während der Psychodelic-Ära Ende der 1960er Jahre und so scheint die Geschichte manchmal den Geist dieser Zeit zu verströmen. Die Story wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär.
Und trotzdem beschleicht mich bei der Lektüre jedes Mal ein Gefühl von Verunsicherung. Plötzlich wirkt das Geschehen so real, dass ich mich am Kragen gepackt fühle und mitten hinein versetzt in diese Konsumwelt, deren Darstellung als allumfassender Moloch inzwischen gar nicht mehr so übertrieben erscheinen mag wie vielleicht noch 1969.
Der Roman erzählt die Erlebnisse einer Gruppe von Agenten eines privatwirtschaftlich geführten Geheimdienstes, die, gemeinsam mit ihrem Chef Glen Runciter und dem Techniker Joe Chip, auf dem Mond in einen Hinterhalt geraten und dabei fast alle getötet werden. In der von Philip K. Dick entworfenen Welt, existiert jedoch die Möglichkeit, mittels „Kältepackung“ Menschen, die sonst sterben würden, einzufrieren und sich so ihre geistigen Fähigkeiten noch eine zeitlang zunutze zu machen. Während Joe Chip nun glaubt, nach dem Attentat seinen Chef Runciter solcherart „gerettet“ zu haben, muss er im weiteren Verlauf der Geschichte nach und nach erkennen, dass er es wohl selbst ist, der als „Halb-Lebender“ mit der Außenwelt kommuniziert – und dass die künstlich erzeugte Zwischenwelt ihre ganz eigenen Gefahren besitzt.
In UBIK gelingt dem Autor der künstlerische Spagat zwischen einer kafkaesken Atmosphäre wie man sie aus dem SCHLOSS kennt und einer reinen SF-Idee a la MATRIX. Mit diesem Werk reiht sich Philip K. Dick ein in die Weltliteratur und gesellt sich zu jenen Autoren, aus deren – in einer Art literarischem „Halbleben“ schlummernden – Meisterwerken sich spätere Generationen gerne bedienen und daraus mit Hilfe ungeheurer Werbeetats mehr oder weniger gelungene Blockbuster erzeugen.
Zu keiner Zeit war UBIK aktueller als heute.

Horst Illmer

Philip K. Dick
UBIK. Roman.
Deutsche Übersetzung des Romans von Renate Laux.
(Originaltitel: Ubik / 1969)
Frankfurt, Fischer-TB, 2014, 220 Seiten
ISBN 978-3-596-90569-0 / 9,99 Euro

Dieses Buch passt eigentlich gar nicht mehr in unsere Zeit.
Die Handlung des Romans spielt im Jahr 1992, aus der Sicht des Autors damals noch ferne Zukunft, für uns heutige Leser natürlich lange schon Vergangenheit. Entstanden ist UBIK während der Psychodelic-Ära Ende der 1960er Jahre und so scheint die Geschichte manchmal den Geist dieser Zeit zu verströmen.

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Miracleman: Der Traum vom Fliegen (Teil 2: Der Comic)

von am 27. Oktober 2014

Miracleman: HC

Wie zum Ende des ersten Teils erwähnt, hat Autor Alan Moore Abstand davon genommen, dass sein Name in den Neuauflagen von MIRACLEMAN genannt wird. Auch darf nicht mit seiner Autorschaft geworben werden. Unter diesen Bedingungen war Moore bereit, seinen Teil zu tun, damit diese Geschichten erneut veröffentlicht werden können. Wer halbwegs mit Alan Moores Karriere vertraut ist, kennt auch seine Einstellung zur Comicindustrie und den Großverlagen im Speziellen. Am bekanntesten sein jahrelange Querelen mit DC COMICS. Aber auch die Konkurrenz von MARVEL COMICS hat vor einigen Jahren für Unmut bei dem Mann aus Northhampton hervorgerufen. Damals ging es um die Neuauflage von CAPTAIN BRITAIN. Auch hier wollte es Moore nicht, dass sein Name genannt wird. Damals wurde seinem Wunsch nicht entsprochen. Doch MIRACLEMAN ist aufgrund der Geschichte der Reihe, auf die wir zuletzt einen oberflächlichen Blick geworfen haben, wohl zu sehr Prestigeprojekt, als dass es die Oberen von MARVEL COMICS riskiert hätten, dass Moore ihnen doch noch irgendwelche Steine in den Weg legt. So wird nun also mit den Geschichten des originalen Autoren (the original writer) geworben. Unterm Strich ist das egal. Dass Moore diese Geschichten verfasst hat, dürfte das am schlechtesten gehütete Geheimnis des Superheldencomics sein.

DER TRAUM VOM FLIEGEN versammelt nun die ersten Kapitel dieser Geschichte und damit vollständig Material, das ursprünglich in WARRIOR erschienen ist. Die Grundlage bildet gewissermaßen der erste Sammelband von ECLIPSE – A Dream of Flying – wobei zusätzlich noch einige Geschichten mit den WARPSMITHS aufgenommen wurden. Diese wurden von Garry Leach erdacht, der nicht nur die ersten Ausgaben von MIRACLEMAN illustrierte sondern auch maßgeblich an der Restaurierung des Artworks beteiligt war. Sinn und Zweck dieser Aufnahme ist ein ebenfalls enthaltenes gemeinsames Abenteuer des Titelhelden und einem der WARPSMITHS.

Die angesprochene Restaurierung des Artworks war dringend erforderlich. Wer schon mal eine der Ausgaben von ECLIPSE in Händen hielt, wird wissen wovon ich spreche. Schwache Farben, verschwimmende Details, alles irgendwie verwaschen. Oft ist es so, dass eine neue Kolorierung mehr Schaden anrichtet, als ein Werk wirklich aufzuwerten. MIRACLEMAN stellt eine angenehme Ausnahme dar. Das ganze wirkt wesentlich frischer und klarer. Man kann jedes Detail erkennen und die Geschichte entfaltet sich auf wunderbare Weise. In den Bänden von ECLIPSE habe ich die Zeichnungen von Alan Davis, der immerhin zu meinen Lieblingskünstlern gehört, fast nicht erkannt. Nun gut, er war noch jung und sicher noch einige Schritte von seinem Höhepunkt entfernt. Aber das war schon fast eine Zumutung. Die überarbeitete Version hinterlässt einen vollkommen gegenteiligen Eindruck. Auch erkenne ich erst jetzt, wie gut Garry Leach eigentlich ist. Zuvor fand ich seine Zeichnungen ziemlich vergessenswert.

Die Geschichte an sich ist für Moore relativ typisch. Wie sehr wird sich erst im zweiten Band zeigen. Auch in dieser frühen Phase hatte der originale Autor schon seinen Spaß daran, seine Figuren auseinanderzunehmen. Nicht nur stellt er MIRACLEMAN vor eine vollkommen neue Ausgangslage. Er gibt ihm auch einen unerwarteten Gegner und wird, im zweiten Band wie gesagt, seine Welt vollkommen auf den Kopf stellen. Der Dekonstruktivismus, der Moores Gesamtwerk wie ein roter Faden durchzieht und den er in WATCHMEN salonfähig gemacht hat, ist hier schon deutlich spürbar. MIRACLEMAN ist im besten Sinne ein Frühwerk, dass einen Alan Moore zeigt, der zwar noch nicht den Gipfel seines Könnens erreicht hat, aber schon deutlich zeigt, dass dieser Autor eine eigene Stimme hat, die noch einiges zu erzählen haben wird. Und so sollte es denn auch kommen …

MIRACLEMAN: DER TRAUM VOM FLIEGEN ist im überformatigen Hardcover und als Paperback-Ausgabe erschienen. Insgesamt wird die Reihe aus vier Bänden bestehen, wobei der letzte wohl Neil Gaimans THE GOLDEN AGE beinhalten wird.

Besonders ans Herz legen möchte ich MIRACLEMAN allen Fans von Paul Jenkins’ SENTRY. Die Bezüge dieser Miniserie zu MIRACLEMAN sind deutlich spürbar.

Wie zum Ende des ersten Teils erwähnt, hat Autor Alan Moore Abstand davon genommen, dass sein Name in den Neuauflagen von MIRACLEMAN genannt wird. Auch darf nicht mit seiner Autorschaft geworben werden. Unter diesen Bedingungen war Moore bereit, seinen Teil zu tun, damit diese Geschichten erneut veröffentlicht werden können. Wer halbwegs mit Alan Moores Karriere vertraut ist, kennt auch seine Einstellung zur Comicindustrie und den Großverlagen im Speziellen. Am bekanntesten sein jahrelange Querelen mit DC COMICS. Aber auch die Konkurrenz von MARVEL COMICS hat vor einigen Jahren für Unmut bei dem Mann aus Northhampton hervorgerufen.

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Alan Moore – Miracleman (Teil 1: Die Geschichte)

von am 25. Oktober 2014

Miracleman: SC

Über Alan Moore muss nicht viel gesagt werden. Er war hier schon mehrfach Thema und genießt eine Reputation, die ihresgleichen sucht. Mit Werken wie WATCHMEN und FROM HELL hat er sich zur Legende gemacht. Doch auch Mr. Moore hat irgendwann mal angefangen und hier wollen wir einen Blick auf eines seiner Frühwerke riskieren.

Die Geschichte von MIRACLEMAN ist etwas verwoben und muss zumindest ein bisschen aufgedröselt werden. Der Verlag L. Miller & Son brachte ab 1944 Lizenzausgaben von CAPTAIN MARVEL (SHAZAM) und dessen Umfeld auf den britischen Markt. Das Heimatland des wundersamen Captains ist selbstverständlich die USA. Zu Zeiten war die Figur populärer als SUPERMAN. Genau diese Popularität sollte für das Ende der Serie sorgen. DC COMICS, damals noch unter dem Namen National Comics bekannt, reichte eine Klage wegen Plagiierung ein. Der Klage wurde entsprochen und FAWCETT musste seine erfolgreichste Serie einstellen. Somit ging dem britischen Verleger das Material aus und eine Lösung musste her. Die lieferte Mick Anglo, der die Gegebenheiten aus CAPTAIN MARVEL fast deckungsgleich kopierte. So entstand MARVELMAN, dessen Abenteuer sechs Jahre lang von Anglo erdacht wurden. Drei Jahre später, nach einer Gesetzesänderung, die den Import amerikanischer Comics erlaubte, musste L. Miller & Son Insolvenz anmelden.

Fast zwanzig Jahre später wurde MARVELMAN von Herausgeber Derek „Dez“ Skinn wiederentdeckt. Skinn war bis dahin Kopf von MARVEL COMICS’ britischem Ableger. 1982 gründete er den Verlag QUALITY COMMUNICATIONS, der seine Blütezeit in den Jahren 1982 – 1988 hatte. Im Jahre 2006 wurde QUALITY an COSMIC PUBLICATIONS verkauft. QUALITYS wichtigstes Magazin war WARRIOR. Für eben dieses Heft unternahm Alan Moore einige seiner ersten Gehversuche. So ist hier die Geburtsstätte für V FOR VENDETTA zu finden. Und eben MARVELMAN. Beide Serien blieben unvollendet. V FOR VENDETTA fand ein neues Heim bei DC COMICS und wird bis heute immer wieder neu aufgelegt. MARVELMANS weitere Abenteuer, inkl. einer Neuauflage der bisherigen Kapitel, erschienen bei ECLIPSE. Der amerikanische Markt und die Nähe zum Branchenriesen MARVEL COMICS machten eine Namensänderung nötig und so wurde MIRACLEMAN "geboren".

Mit dem Wechsel zu ECLIPSE (ab Ausgabe # 7 erschien ausschließlich neues Material) gab es nicht nur einen Namenswechsel. Die Geschichten erschienen erstmals in Farbe und die Rechte an der Figur wurden auf eine Weise aufgeteilt, die heute nur schwer zu durchschauen ist und aus diversen Gründen auf Irrtürmen beruht. Dez Skinn hat so z. B. niemals die Rechte erworben, MARVELMAN zu veröffentlichen. Das wiederum stellt die Verwertung und Fortsetzung der Geschichte rechtlich wohl eher auf zweifelhafte Füße. SPAWN-Erfinder Todd McFarlane hat Mitte der 90er versucht, sich die Rechte an der Figur zu sichern, um sie in seinen Erzählkosmos einzubauen. Das Ganze scheiterte an den Bemühungen Neil Gaimans, der 2001 eigens die Firma MARVELS AND MIRACLES, LLC gegründet hat, um der Frage nachzugehen, bei wem das Eigentum und die Verwertungsrechte der Figur nun tatsächlich liegen. McFarlane wurde verklagt, seine Pläne wurden fallengelassen und statt MIRACLEMAN gab es den MAN OF MIRACLES der wohl so etwas wie eine Anspielung auf Jesus Christus darstellen soll.

2009 kündigte MARVEL COMICS endlich an, dass sie die Rechte an der Figur MARVELMAN von Mick Anglo erworben haben. Diese Meldung sorgte für einiges Aufsehen, bestand nun doch die Hoffnung, dass Alan Moores Geschichten nach rund zwei Dekaden endlich in würdiger Form nachgedruckt werden würden. Doch so schnell ging es dann doch nicht. Die Rechte an diesen Geschichten standen noch immer im Zweifel. Zwar wurden zwischenzeitlich einige Geschichten von Mick Anglo nachgedruckt, doch auf Moores Geschichten mussten die Leser noch einige Jahre warten. Erst 2013 kündigte MARVEL COMICS an, dass sie nun auch die Rechte an MIRACLEMAN erworben haben. Endlich war ein Comic, der von vielen wie ein heiliger Gral (die Sammelbände von ECLIPSE wurden für mehrere hundert Euro angeboten) behandelt wurde, in greifbare Nähe gerückt. Mit der kleinen Einschränkung, dass Alan Moore nicht genannt werden möchte, ist die erste Ausgabe im Januar dieses Jahres erschienen. Auf den Comic, und ob er diese Legendenbehandlung auch verdient, werfen wir im zweiten Teil einen Blick.

Über Alan Moore muss nicht viel gesagt werden. Er war hier schon mehrfach Thema und genießt eine Reputation, die ihresgleichen sucht. Mit Werken wie WATCHMEN und FROM HELL hat er sich zur Legende gemacht. Doch auch Mr. Moore hat irgendwann mal angefangen und hier wollen wir einen Blick auf eines seiner Frühwerke riskieren.

Die Geschichte von MIRACLEMAN ist etwas verwoben und muss zumindest ein bisschen aufgedröselt werden. Der Verlag L. Miller & Son brachte ab 1944 Lizenzausgaben von CAPTAIN MARVEL (SHAZAM) und dessen Umfeld auf den britischen Markt.

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George R. R. Martin – In der Haut des Wolfes

von am 21. Oktober 2014

George R. R. Martin ist nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Fernsehserie zu seinem Magnum Opus GAME OF THRONES in aller Munde. Die zugrunde liegende Buchreihe stellt für viele Leser das definitive Fantasy-Epos dar. Ein mir bekannter Fan von Mittelerde bezeichnete Martin sogar als den besseren Tolkien. Zweifellos hat kaum ein anderer Genreautor ähnlich für Furore gesorgt, wie es Mr. Martin in den letzten Jahren tat. Da nimmt es nicht Wunder, dass jeder Verleger gerne etwas von George Martin ins Programm aufnimmt, um so einen potentiellen Bestseller am Start zu haben. Unter den Veröffentlichungen befinden sich auch diverse Frühwerke Martins. Vor einigen Jahren schon gab es erst bei FanPro, dann bei Heyne und Blanvalet Neuveröffentlichungen seines Debutromanes DIE FLAMME ERLISCHT (1977), STURM ÜBER WINDHAVEN (1981) und des Vampirromans FIEBERTRAUM (1982). Der Golkonda Verlag kündigt für November den Mystery-Roman ARMAGEDDON ROCK (1983) an. Im FESTA VERLAG ist kürzlich THE SKIN TRADE (1989) erschienen.

Der Titel wurde bereits 1990 in der Anthologie NACHTVISIONEN aufgelegt. Damals noch unter einem anderen Titel. Joachim Körber hat seine Übersetzung für die Neuauflage noch einmal durchgesehen, um eventuell nötige Verbesserungen vorzunehmen. Aufgewertet wird das ganze durch ein Nachwort von „Local HeroChristian Endres.

IN DER HAUT DES WOLFES steht im Ruf, eine der besten Werwolfgeschichten zu sein, die jemals geschrieben wurden. Das möchte ich nicht beurteilen. Ich kenne sonst nur die drei oder vier „De Montour“-Geschichten von Robert E. Howard und mir fehlt hier schlicht und ergreifend der Vergleich. Ich schließe mich jedoch der Meinung an, dass es sich um ein sehr lesenswertes und spannendes Buch handelt. Elemente des Horrors treffen auf „crime noir“. Eine sympathische Hauptdarstellerin sorgt für eine willkommene Abwechslung in einem Genre, das von männlichen Heldengestalten dominiert wird. Mit ein paar einfachen Mitteln erzählt Martin eine kurzweilige Geschichte, die auch die eine oder andere unerwartete Wendung enthält. IN DER HAUT DES WOLFES ist also in jedem Fall ein Buch, das einen unterhaltsamen Lesenachmittag verspricht. Für Fans von GAME OF THRONES ist es zudem das ideale Buch, um die Zeit bis zum nächsten Teil, gedruckt oder verfilmt, zu überbrücken.

Der Band ist im Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen erschienen. Das Titelbild stammt von Timo Wuerz, der auch einige gelungene Illustrationen zum Buch beisteuert.

George R. R. Martin ist nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Fernsehserie zu seinem Magnum Opus GAME OF THRONES in aller Munde. Die zugrunde liegende Buchreihe stellt für viele Leser das definitive Fantasy-Epos dar. Ein mir bekannter Fan von Mittelerde bezeichnete Martin sogar als den besseren Tolkien. Zweifellos hat kaum ein anderer Genreautor ähnlich für Furore gesorgt, wie es Mr. Martin in den letzten Jahren tat. Da nimmt es nicht Wunder, dass jeder Verleger gerne etwas von George Martin ins Programm aufnimmt,

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Der Marsianer

von am 14. Oktober 2014

MarsianerAndy Weir
DER MARSIANER. Roman.
Ü: Jürgen Langowski
(The Martian / 2014)
München, Heyne, 2014, 509 S.
ISBN 978-3-453-31583-9

Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot halten, auf dem Roten Planeten zurückgelassen. Verwundet und ohne Kommunikationsmöglichkeiten kann er sich in die Forschungsbasis retten. Während die unter Schock stehende Crew den Heimflug zur Erde antritt, wo das Scheitern der dritten Marsmission natürlich ein gewaltiges Medienspektakel hervorruft, macht Mark Bestandsaufnahme. Kurzfristig stehen seine Überlebenschance nicht schlecht – aber als Totgeglaubter kann er nicht einmal auf eine Rettungsmission hoffen. Trotzdem versucht er alles, um a Leben zu bleiben. Und als NASA-Mitarbeiter einige Wochen später die Unglücksstelle per Teleskop untersuchen wollen, sehen sie Unglaubliches …

Im Jahr 1964, vor genau fünfzig Jahren, kam der Independent-Film ROBINSON ON MARS in die Kinos, eine freie Adaption des ROBINSON CRUSOE (1719) von Daniel Defoe. Und auch wenn die Beschreibung von DER MARSIANER fast so klingt wie „Das Buch zum Film“, so verfügt der Roman von Andy Weir dann doch über genügend eigenes Potenzial, um seiner Top-Titel-Funktion im Herbstprogramm der Heyne-SF-Reihe gerecht zu werden. Das von Jürgen Langowski übersetzte Buch war in den USA ein Überraschungserfolg, denn so spannend und emotional Weir auch erzählt, so nahe an den realen Gegebenheiten einer NASA-Mars-Mission bleibt er. Die Originalausgabe THE MARTIAN erschien zuerst 2011 als selbstproduziertes E-Book, bevor Del Rey Books aufmerksam wurde und der Autor seinen Erstling für die Druckausgabe nochmals überarbeitete.

DER MARSIANER ist vor allem gut gemachte Unterhaltungsliteratur für Leser jeden Alters. Allerdings gelingt es Weir hervorragend, seine eigene Begeisterung für Technik und Raumfahrt glaubhaft und mitreißend in die Geschichte einzubringen. Die geschickten Wechsel zwischen dem Überlebenskampf auf dem Mars und dem fast ebenso heroischen Wettlauf der irdischen Raumfahrtspezialisten mit der Zeit, bringen ordentlich Tempo und Dramatik ins Buch. So geht gute Science Fiction!

Horst Illmer

Andy Weir
DER MARSIANER. Roman.
Ü: Jürgen Langowski
(The Martian / 2014)
München, Heyne, 2014, 509 S.
ISBN 978-3-453-31583-9

Der Bordmechaniker und Biologe Mark Watney erleidet während des überstürzten Rückzugs des Ares-3-Teams von der Marsoberfläche einen Unfall und wird, weil ihn seine Kammeraden für tot halten, auf dem Roten Planeten zurückgelassen. Verwundet und ohne Kommunikationsmöglichkeiten kann er sich in die Forschungsbasis retten. Während die unter Schock stehende Crew den Heimflug zur Erde antritt,

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Starters

von am 23. September 2014 1 Kommentar

StartersTitel: Starters
Autor: Lissa Price
Verlag: Piper Fantasy

Was für ein Debütroman! Lissa Price schildert eine Welt in nicht all zu ferner Zukunft.  Durch ein mißglücktes genetisches Experiment, starben alle Menschen, die nicht wie Kinder und Jugendliche und Rentner durch eine Impfung geschützt waren.

Inhalt:
Der Teenie Callie, die Hauptperson des Romans kämpft in den Straßen des Großraums Los Angeles mit ihrem jüngeren kränklichen Bruder ums Überleben. In verlassenen Häusern finden sie immer nur eine Bleibe auf Zeit. Obwohl durch ihre Eltern mehr oder weniger gut auf diese Zeit vorbereitet, scheint einzig das Angebot der Body Bank einen Ausweg aus dem Dilemma zu bieten. Callie entschließt sich eines Tages das Angebot anzunehmen, um Geld für sich und ihren Bruder zu verdienen. Die Betreiber der Body Bank haben einen Weg gefunden, den Geist reicher Senioren in den Körper junger Spender zu implantieren, so dass sich diese für die Mietdauer wieder jung fühlen und dem nachgehen können, wozu sie mit ihrem alten Körper nicht mehr in der Lage sind. Der Geist des jungen Besitzers „schläft“ während der Mietzeit.
Mehr zum Inhalt des Buches zu erzählen würde an dieser Stelle zu viel verraten.

Beurteilung:
Ein außergewöhnliches Setting, das die Autorin glaubwürdig darstellt und das einige interessante Wendungen bietet. Alte Menschen in jungen Körpern sind einfach keine junge Menschen in jungen Körpern und sie verhalten sich auch nicht so. So muss Callie, wenn sie wieder Herr über ihren Körper ist, ein ums andere Mal feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Die Tragweite einer solchen Gesellschaft erschließt sich nach und nach, genauso wie die Geschichte mehr und mehr Fahrt aufnimmt. Die Utopie die hier dargestellt wird hat mich tief beeindruckt. Alter hat nichts mit Biologie zu tun, und Machtmissbrauch durch Reichtum und fadenscheinige Gesetze ebenfalls nicht.

Für mich besteht die Faszination an dieser Geschichte in dem Grausen, das zwischen den Zeilen zu lesen ist und weniger in der Geschichte, die sehr geradlinig beschrieben ist. Genauso auch die Amoralität der Reichen und der nicht vorhandene politische Motivation der jungen Bewohner aktiv an diesem Zustand etwas zu ändern.

Wenn die Geschichte an sich die eine oder andere unlogische Stelle aufweist, so überzeugt der erste Band, der auf zwei Bände angelegten Geschichte durch sein Gesamtbild und due klare Sprache und die lebendigen Charaktere.

Für mich ein sehr eindrücklicher Roman, der haften bleibt.

Titel: Starters
Autor: Lissa Price
Verlag: Piper Fantasy

Was für ein Debütroman! Lissa Price schildert eine Welt in nicht all zu ferner Zukunft.  Durch ein mißglücktes genetisches Experiment, starben alle Menschen, die nicht wie Kinder und Jugendliche und Rentner durch eine Impfung geschützt waren.

Inhalt:
Der Teenie Callie, die Hauptperson des Romans kämpft in den Straßen des Großraums Los Angeles mit ihrem jüngeren kränklichen Bruder ums Überleben. In verlassenen Häusern finden sie immer nur eine Bleibe auf Zeit.

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Lovecraft ganz ohne Tentakelmonster

von am 19. September 2014 2 Kommentare

Der Vollständigkeit halber und als bekennender Lovecraft-Fan, ist es wohl an der Zeit, eine kurze Vorstellung dieser zwei Sammlungen nachzureichen.

Nach der zweibändigen CHRONIK DES CTHULHU-MYTHOS folgten vergangenen Dezember mit DIE LAUERNDE FURCHT und DER SILBERNE SCHLÜSSEL Lovecrafts restliche fantastische Werke. Im selben Stil wie die Chronik gehalten liegt nun das gesamte unheimlich-fantastische Werk des „Einsiedlers aus Providence“ in einer hochwertigen Ausgabe vor. Eine günstige Alternative zu den edlen Hardcover-Ausgaben aus H. P. LOVECRAFTS BIBLIOTHEK DES SCHRECKENS. Zudem ergänzt durch den vollständigen Sonnet-Zyklus „Fungi from Yuggoth (nachgedichtet von Michael Siefener) und einer Auswahl von Geschichten, die Lovecraft in seiner Kindheit schrieb (und zwei seiner Parodien).

Über Sinn und Unsinn der „Bonusgeschichten“ kann natürlich gestritten werden. Qualitativ schwankend, sicher. Aber nicht uninteressant, wenn man Lovecrafts Entwicklung als Autor nachvollziehen will.

Anders als in der CHRONIK DES CTHULHU-MYTHOS wird hier auf Dr. Marco Frenschkowskis Einleitungen verzichtet. Bei den Lesern fielen diese wohl größtenteils durch. Sehr bedauerlich. Dr. Frenschkowskis Worte zu den verschiedenen Geschichten sind fundiert und erhellend. Nichtsdestotrotz stellen diese beiden Bücher zusammen mit der Chronik eine lohnende Anschaffung für alle Lovecraft-Fans und solche, die es werden wollen dar!

Im November folgt dann wieder das Sternengezücht um den Großen Cthulhu. Passend zum Design der vier Lovecraft-Sammelbände erscheint beim Festa Verlag Steven Jones’ Anthologie „Shadows over Innsmouth“. Hier werden Mythos-Geschichten präsentiert, die sich insbesondere mit Lovecrafts heruntergekommener Stadt an der Küste Neu Englands befassen. Der Band ist vor einigen Jahren schon in einer sehr stark limitierten Auflage beim Basilisk Verlag unter dem Titel INNSMOUTH – EIN REISEFÜHRER erschienen. Der Band präsentiert 17 Geschichten die fast alle erstklassig sind. Eröffnet wird das ganze natürlich von Lovecrafts „Der Schatten über Innsmouth“. Zu den versammelten Autoren gehören u. a. Kim Newman, Ramsey Campbell und Neil Gaiman.

Der Vollständigkeit halber und als bekennender Lovecraft-Fan, ist es wohl an der Zeit, eine kurze Vorstellung dieser zwei Sammlungen nachzureichen.

Nach der zweibändigen CHRONIK DES CTHULHU-MYTHOS folgten vergangenen Dezember mit DIE LAUERNDE FURCHT und DER SILBERNE SCHLÜSSEL Lovecrafts restliche fantastische Werke. Im selben Stil wie die Chronik gehalten liegt nun das gesamte unheimlich-fantastische Werk des „Einsiedlers aus Providence“ in einer hochwertigen Ausgabe vor. Eine günstige Alternative zu den edlen Hardcover-Ausgaben aus H. P.

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King of Tokyo

von am 16. September 2014

King of Tokyo (Heidelberger Spieleverlag 2011)Metadaten

Verlag: Heidelberger Spieleverlag (2013)
Autor: Richard Garfield
Kategorie: Monster-Würfel-Spiel
Spieler: 2-6

Das Spiel

Spielziel: Das ruhmreichste Monster zu werden – oder das einzige noch lebende Monster.
Das Gemeine: Ist man auf Ruhm aus, geht das sehr schnell ans Leben.
Spielablauf: Jeder Spieler spielt ein zunächst ruhmloses Monster. Ist er am Zug wirft der Spieler 6 Würfel. Er kann beliebige Würfel liegenlassen und zweimal die übrigen nachwürfeln. Die liegengelassenen Würfel sind dabei nicht "eingefroren", man kann also beim zweiten Mal auch die ursprünglich liegengelassenen nachwürfeln. Das Ergebnis aller Würfel nach dem letzten Wurf ist das Endergebnis. Auf jedem Würfel gibt es die Zahlen 1 bis 3, ein Angriffssymbol, ein Heilsymbol und ein Energiesymbol. Enthält das Endergebnis mindestens dreimal dieselbe Zahl erhält der Spieler eine entsprechende Anzahl Ruhmpunkte. Mit Angriff macht er je gewürfeltem Symbol einen Schaden, mit Heilen heilt er je Symbol einen Schaden, mit Energie erhält er je Symbol einen Energiepunkt. Die Energiepunkte kann er in Karten investieren, die Ruhmpunkte oder sonstige Boni bringen und/oder den Mitmonstern schaden.
Soweit, so einfach. Das Spiel heißt aber nicht umsonst King of Tokyo. Es gibt nämlich noch ein kleines Spielbrett, das Tokyo darstellt. Ein Monster auf diesem Brett, sprich: in Tokyo, erhält allein dafür, dass es dort unterwegs ist, Ruhmpunkte. Natürlich würde schon deshalb kein Monster ein anderes Monster neben sich in Tokyo dulden – allenfalls in Tokyo-Bay, dazu später. Daher kann dort auch immer nur ein einziges Monster stehen. Dieses kann zwar alle Monster draußen gleichzeitig angreifen (die gewürfelten Schadenspunkte gelten für alle Mitmonster außerhalb Tokyos), sich aber durch die DauerAction beim Rumtoben nicht heilen (die Heilsymbole gelten einfach nicht). Die Monster draußen dagegen greifen nur dieses eine Monster an (die gewürfelten Schadenspunkte gelten nur für das Tokyo-Monster). Wenn’s dem Tokyo-Monster zu brenzlig wird, kann es sich aus Tokyo zurückziehen und dem aktuellen Angreifer die Stadt überlassen.
Bei mehr als vier aktiven Monstern, kann ein zweites Monster in Tokyo-Bay wüten. Es ist ebenfalls ein Tokyo-Monster mit allen Vor- und Nachteilen und "kooperiert" mit dem anderen Tokyo-Monster. Sobald allerdings nur noch vier oder weniger Monster im Spiel sind, kann es nur noch ein Tokyo-Monster geben.
Spielende: Sobald ein Monster 20 Ruhmpunkte erreicht hat, endet das Spiel sofort. Ebenso endet das Spiel sofort, wenn alle anderen Monster vernichtet wurden, indem sie alle Lebenspunkte verloren haben. Dabei ist egal ob der Sieger sich gerade in Tokyo befindet oder nicht.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Der Reiz: Kniffel mit Monstern. Es ist natürlich sehr viel Glück im Spiel, aber man kann durch taktisches Nachwürfeln und Investieren von Energiepunkten schon recht gut Einfluss nehmen.
Monster: Die sind trashig. Vom klassischen Godzilla-Saurier über den wohl verirrten KingKong-Abklatsch bis zum robotersteuernden CyberBunny stehen nerdig-trashige Monstervarianten zur Verfügung. Eventuell sollte man sich die Wahl seines Monsters genau überlegen, denn derjenige Spieler beginnt das Spiel, der am meisten Ähnlichkeit mit seinem Monster hat 🙂 Naja, da gibt es sicher auch fairere Methoden.
Gewinnmöglichkeiten: Schön ist, dass man nicht auf Tokyo fixiert sein muss, sondern sich auch durch Würfeln und Karten ganz gut an die Siegbedingungen heranarbeiten kann.
Spielbalance: Manche relativ günstige Karten sind teils schon arg mächtig und umgekehrt. Da ließe sich sicher noch was verbessern. Man sollte da eher mit Humor rangehen.
Erweiterungen: Power Up! bringt unter anderem individuelle Evolutionskarten für jedes einzelne Monster. Das treibt den Trash-Faktor weiter in die Höhe und macht die Monster noch "persönlicher", wenn z.B. die Evolutionen des tentakelbewehrten Kraken doch verdächtig cthuloid daherkommen. Halloween bringt thematisch passend zwei Halloween-Monster mit Evolutionen und Karten mit Halloween-Kostümen, die man für Energiepunkte kaufen kann und die natürlich ebenfalls Boni bringen – nette Ideen aber definitiv kein Muss. Voraussichtlich im Oktober 2014 kommt der Nachfolger King of New York raus. Mal sehen.

Metadaten

Verlag: Heidelberger Spieleverlag (2013)
Autor: Richard Garfield
Kategorie: Monster-Würfel-Spiel
Spieler: 2-6

Das Spiel

Spielziel: Das ruhmreichste Monster zu werden – oder das einzige noch lebende Monster.
Das Gemeine: Ist man auf Ruhm aus, geht das sehr schnell ans Leben.
Spielablauf: Jeder Spieler spielt ein zunächst ruhmloses Monster. Ist er am Zug wirft der Spieler 6 Würfel. Er kann beliebige Würfel liegenlassen und zweimal die übrigen nachwürfeln. Die liegengelassenen Würfel sind dabei nicht "eingefroren",

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Die Insel der besonderen Kinder

von am 12. September 2014 2 Kommentare

inselRansom Riggs
DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011)
München, Pan, 2011, 416 S.
ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro
Auch als Taschenbuch erhältlich:
München, Knaur, 2013, 416 S.
ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 Euro

Das Beste an dem seit einiger Zeit kursierenden Schlagwort von der »All Age«-Literatur ist, dass man seither auch in fortgeschrittenem Lesealter zu diesen Büchern greifen kann, ohne so alberne Entschuldigungen wie »Ich möchte einmal prüfen, ob das für die Enkelkinder geeignet ist« gebrauchen zu müssen. Im schlimmsten Fall ist das Buch dann halt auch nur das: Für die Enkelkinder geeignet.
Manchmal jedoch stößt man auf ein Werk, das sich einem öffnet wie eine Schachtel voller alter, vergilbter Schwarzweiß-Fotos. Man blättert die Seiten um und hat dabei das Gefühl, mit jedem neuen Bild einer zwar längst vergangenen, aber bis heute immer noch wirksamen Magie zu erliegen. So geschehen bei der Lektüre von DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER des amerikanischen Drehbuchschreibers Ransom Riggs.
Jacob Portman ist Fünfzehn und führt mit seinen wohlhabenden Eltern ein einigermaßen langweiliges Leben in Florida – bis zu dem Tag, an dem er mit ansehen muss, wie sein Großvater von einem Monster getötet wird. Ausgerechnet der von Jacob über alles geliebte Grandpa Abraham, der in jungen Jahren als Einziger seiner Familie den Nazi entkam – und, wie der unvergleichliche Erzähler unheimlicher Geschichten immer wieder beteuerte, den »Monstern«!
Die örtliche Polizei glaubt allerdings nicht an solche Spinnereien, oder gar an »Monster«, und gibt die Schuld einem Rudel verwilderter Hunde. Für Jacob beginnt eine Zeit des Zweifels, des Leidens und der Desorientierung. Denn in den, mit alten Fotos »belegten« Erzählungen von Abraham kamen immer wieder zwei Motive vor: eine paradiesische Insel voller ganz »spezieller« Kinder und jene Monster, die er von dort fernhalten und bekämpfen musste. Allerdings hatte Jacob in den letzten Jahren seinem Großvater nicht mehr geglaubt und diese Geschichten schlicht für Märchen und die Bilder für schlechte Fälschungen gehalten.
Um das schreckliche Geschehen zu verarbeiten, reist Jacob schließlich (auch auf Anraten seines Psychiaters) auf jene kleine Insel vor der walisischen Küste, auf der das Waisenhaus stand, in dem der junge Abraham Zuflucht vor dem Holocaust fand und eine glückliche Zeit zwischen ganz besonderen Kindern verlebte.
Dort angekommen, findet Jacob nur noch eine ausgebombte Ruine vor, die von den Inselbewohnern als Spukhaus bezeichnet und furchtsam gemieden wird. Alles Suchen und Stöbern in den verfallenen Resten ist vergeblich, außer weiteren alten Fotos gibt es keinerlei Hinweise mehr darauf, wer vor dem September 1940 (als die Bombe auf das Haus fiel) hier gelebt hatte. Erst als er kurz vor seiner Abreise ein vorzeitliches Steingrab erkundet, macht Jacob die entscheidende Entdeckung – vielleicht hatten die Geschichten seines Großvaters doch einen wahren Kern …
Für einen echten Entwicklungsroman ist der Handlungszeitraum von etwas mehr als einem Jahr zu kurz, dafür ist die Beschreibung der widersprüchlichen Gefühle, der Zerrissenheit der eigenen Persönlichkeit an der Schwelle vom Kind zum jungen Erwachsenen aber außergewöhnlich gut gelungen.
Ransom Briggs hat mit DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER einen berührenden, zartfühlenden, unheimlichen und spannenden Roman verfasst, der auch erfahrene Leser zu fesseln versteht und trotz seiner Ansiedlung in der Gegenwart und seiner sehr modernen Sprache zwischen den Zeilen (und vor allem durch die vielen Bildbeigaben) ein leicht melancholisches Gefühl von Nostalgie zu vermitteln weiß.
Ach, und bevor ich es vergesse: für die Enkelkinder ist das Buch auch hervorragend geeignet.

Horst Illmer

Ransom Riggs
DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
(Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children / 2011)
München, Pan, 2011, 416 S.
ISBN 978-3-426-28368-4 / 16,99 Euro
Auch als Taschenbuch erhältlich:
München, Knaur, 2013, 416 S.
ISBN 978-4-426-51057-5 / 6,90 Euro

Das Beste an dem seit einiger Zeit kursierenden Schlagwort von der »All Age«-Literatur ist, dass man seither auch in fortgeschrittenem Lesealter zu diesen Büchern greifen kann,

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Der unmögliche Roman

von am 31. August 2014

UnmöglicheRoman

Zoran Zivkovic
DER UNMÖGLICHE ROMAN.
Aus dem Serbischen von Margit Jugo und Astrid Philippsen
Köln, DuMont, 2011, 480 S.
ISBN 978-3-8321-9615-8

Inhalt:
Zeitgeschenke (Vremenski Darovi /1997) 4 Geschichten
Unmögliche Begegnungen (Nemoguci Susreti / 2000) 6 Geschichten
Sieben Berührungen der Musik (Sedam Dorida Muzike / 2001) 7 Geschichten
Die Bibliothek (Biblioteka / 2002) 6 Geschichten
Schritte durch den Nebel (Koraci Kroz Maglu /2003) 5 Geschichten

Bei der Durchsicht meiner während der sich aus diversen Gründen in die Länge ziehenden Lektüre von Zivkovics UNMÖGLICHEM ROMAN niedergeschriebenen Notizen fielen mir zwei Dinge auf: erstens hätte ich auf keine der insgesamt 28 Kurzgeschichten verzichten mögen und zweitens hatten sich über die Wochen und Monate hinweg einige davon so deutlich ins Gedächtnis eingeprägt, dass ich durchaus von „Lieblingsgeschichten“ sprechen möchte. Damit wird vielleicht auch deutlicher, worin die vielen Stärken (und die wenigen, ja, Schwächen mag man’s kaum nennen) des Buches liegen – in seiner fast paradoxen „geschlossenen Disparatheit“.
Der deutsche Verlag von DER UNMÖGLICHE ROMAN macht etwas für Leser eigentlich sehr Unschönes: Er bastelt aus gleich fünf, im serbischen Original zwischen 1997 und 2003 erschienenen, Story-Sammlungen ein Buch, welches im Titel die Gattungsbezeichnung „Roman“ führt. Das zeugt entweder von ordentlicher Chuzpe oder großem Leichtsinn – einfacher macht es die Entscheidung, gerade dieses Buch zu kaufen und zu lesen jedenfalls nicht. Dafür erhält der Mutige eine Belohnung wie sie nur die besten Erzähler ihrem aufmerksamen Publikum bescheren – Geschichten, die im Gedächtnis bleiben und in ihrer Langzeitwirkung tatsächlich eine Bereicherung des Wissens- und Erfahrungsschatzes jedes Einzelnen mit sich bringen.
Wer also alle „Hürden“ überwunden hat und sich auf das Abenteuer des „unmöglichen Romans“ einlässt, stößt schon auf der ersten Seite der ersten Erzählung („Der Astronom“) auf etwas, das alle Texte der vorliegenden Sammlung auszeichnet: auf eine Sprache (und ich vermute einmal, dass dies auch im serbischen Original so ist, nicht nur in der großartigen Übersetzung von Margit Jugo und Astrid Philippsen), die man einfach nur als „gepflegt“ bezeichnen kann.
Natürlich hilft es, dass eigentlich alle Figuren wahre Stoiker sind und „Action“ oder selbst „Eile“ aus den beschriebenen Handlungen zum Großteil verbannt sind. Aber auch wenn sich die Geschehnisse oft in Räumen von unterschiedlicher Größe (von der Folterkammer bis zur „Großen Bibliothek“) abspielen, ist das noch keine wirkliche Erklärung für die Faszination, die Zivkovics Stil entwickelt. Vielmehr scheint es so zu sein, dass der „heimliche Held“ dieser Geschichten – die Zeit – Größe und Unüberwindlichkeit gerade in der Ausformulierung von Sätzen zeigt, in denen eine absolute Beherrschung der Sprache erkennbar wird.
Es ist also ein Genuss, diese Geschichten zu lesen – und es ist ein Genuss, wie sich die einzelnen Szenarien vor dem inneren Auge öffnen und die Teilhabe an Geschehnissen ermöglichen, die (nach der Logik des Textes) jedem von uns jederzeit passieren könnten. Bis eben auf jenes winzige Moment des Phantastischen, das, teilweise nur in einem Wort, einem Satz oder einer Andeutung (die auch ganz anders ausgelegt werden könnte), in diese Jedermanns-Geschichten einbricht und ihnen ihren ganz speziellen „Geschmack“ verleiht.
Wenn zum Beispiel einer der namenlosen Ich-Erzähler (der, wenn er denn tatsächlich als Alter Ego des Autors angelegt ist, einige Dutzend Inkarnationen durchmacht) in „Die Nachtbibliothek“ vom Bibliothekar sein „Lebensbuch“ vorgelegt bekommt, ist es nicht so sehr die Vorstellung, dass es eine Institution gibt, die alles über uns weiß (und sammelt), die zur Verstörung führt, sondern der im Vorraum eingeschlossene Regenschirm, der nach der überstürzten Flucht aus den Bibliotheksräumen dem nun vor den (auf immer?) verschlossenen Türen Stehenden gut sichtbar zeigt, dass dieses unmögliche Ereignis kein (Alp-)Traum war.

Zoran Zivkovic hat sich mit seinen Erzählungen weltweit ein treues Publikum erobert, und dass dies in Deutschland noch nicht so ist, liegt sicherlich an der hierzulande oftmals gepflegten, zumeist ungerechtfertigten Bevorzugung des Romans gegenüber der Kurzgeschichte. Dabei vermögen es solch herausragende Schriftsteller wie Zivkovic in seinem UNMÖGLICHEN ROMAN, die Ideenkeime zu gleich 28 mehr oder weniger langen Gedankenspielen auszusäen und zum Erblühen zu bringen.
Dieses Buch birgt 28 Chancen in sich, eines ihrer Lieblingsbücher zu werden – geben Sie ihm wenigstens eine!

Horst Illmer

Zoran Zivkovic
DER UNMÖGLICHE ROMAN.
Aus dem Serbischen von Margit Jugo und Astrid Philippsen
Köln, DuMont, 2011, 480 S.
ISBN 978-3-8321-9615-8

Inhalt:
Zeitgeschenke (Vremenski Darovi /1997) 4 Geschichten
Unmögliche Begegnungen (Nemoguci Susreti / 2000) 6 Geschichten
Sieben Berührungen der Musik (Sedam Dorida Muzike / 2001) 7 Geschichten
Die Bibliothek (Biblioteka / 2002) 6 Geschichten
Schritte durch den Nebel (Koraci Kroz Maglu /2003) 5 Geschichten

Bei der Durchsicht meiner während der sich aus diversen Gründen in die Länge ziehenden Lektüre von Zivkovics UNMÖGLICHEM ROMAN niedergeschriebenen Notizen fielen mir zwei Dinge auf: erstens hätte ich auf keine der insgesamt 28 Kurzgeschichten verzichten mögen und zweitens hatten sich über die Wochen und Monate hinweg einige davon so deutlich ins Gedächtnis eingeprägt,

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Blumen für Algernon

von am 24. August 2014

AlgernonDaniel Keyes
BLUMEN FÜR ALGERNON. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Eva-Maria Burger
(Flowers for Algernon / 1966)
(Hardcover nicht mehr lieferbar: Stuttgart, Klett-Cotta, 2006, 300 S.
ISBN 3-608-93631-9 / 19,50 Euro)
Paperback: Stuttgart, Klett-Cotta, 2015, 298 S.
ISBN 3-608-96029-5 / 14,94 Euro

Ist es möglich, so frage ich mich, ein Buch so erschöpfend zu studieren, seine Besonderheiten mit solchem Detailreichtum zu erfassen und zu beschreiben, dass es unsichtbar wird? Ist es möglich, dass wir, während wir penibel die Spannung seiner Handlung oder die Länge seiner Dialoge ausmessen, den Blick für seine Schönheit verlieren? Dass wir unserer prosaischen Beschreibung seines farbigen oder typographisch herausragenden Umschlages wegen das Leben zwischen den Zeilen nicht mehr sehen, dessen fein abgestimmte Zwischentöne viele Autoren vor Neid erblassen ließe, dessen psychologische Raffinesse die meisten anderen Werke in den Schatten stellt?
Ich glaube, genau das tun wir oftmals. Ich glaube, indem wir uns unseren Studienobjekten mit der Haltung von Statistikern und Archivaren annähern, entfernen wir uns mehr und mehr von der wundersamen und magischen Welt der Phantasie, deren Anziehungskraft uns erst dazu anregte, uns mit diesen Büchern zu befassen.
Es sind, natürlich, vor allem unsere Lieblingsbücher, die zuerst Gefahr laufen, solcherart betrachtet zu werden. Deshalb schadet es ihnen auch nicht, wenn wir sie für einen längeren Zeitraum aus den Augen verlieren. Stoßen wir dann eines Tages wieder auf solch ein Buch, und beginnen wir die Lektüre aus einer anderen, neuen, gewandelten Einstellung, so erfahren wir beim erneuten Lesen, ob die von uns erinnerten Qualitäten immer noch vorhanden sind und entdecken, im günstigsten Fall, sogar neue.
BLUMEN FÜR ALGERNON von Daniel Keyes gehört zu meinen frühesten und eindrücklichsten Leseerinnerungen. Sowohl die Kurzgeschichte von 1959 als auch der 1966 zum Roman erweiterte Text beeindruckten mich mit ihrer überwältigenden Sprachkraft und der wunderbaren Charakterzeichnung des Protagonisten Charlie Gordon.
Charlie ist ein geistig zurückgebliebener junger Mann, der als Reinigungskraft in einer Bäckerei einigermaßen mit dem Leben zurechtkommt. Zwei Eigenschaften zeichnen ihn aus: Seine freundliche und zuvorkommende Art und ein stark entwickelter Drang, Lesen und Schreiben zu lernen. Denn Charlie glaubt, wenn er intelligenter wäre, könnte er mehr Freunde haben und seine Arbeit noch besser verrichten.
Alice Kinnian, seine Lehrerin in der Abendschule für retardierte Erwachsene, findet ihn sympathisch und freut sich über sein Engagement. Deshalb empfiehlt sie Charlie für ein Forschungsprogramm, bei dem die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch eine Operation und gleichzeitige medikamentöse Unterstützung gesteigert werden soll. Das Verfahren wurde erfolgreich an Versuchtieren getestet; das Vorzeigeexemplar ist eine weiße Maus mit Namen Algernon.
Das Buch erzählt aus Charlies Sicht den Verlauf der Ereignisse in Form von datierten »Fortschrittsberichten«, welche den Zeitraum von März bis November eines Jahres umfassen. In diesen Einträgen zeigt sich das geistige Niveau Charlies bereits auf den ersten Blick an der verwendeten Rechtschreibung. Am Beginn stehen Sätze wie »Ich hofe sie nemen mich weil Miss Kinnian sagt fileich könen sie mich Intelgent machen.« (An dieser Stelle soll einmal der Übersetzerin gedacht werden, deren Übertragung von Charlies schlechtem Amerikanisch in schlechtes Deutsch als gelungen zu bezeichnen keinerlei Ironie darstellt!)
Später, als sich die Erfolge der Behandlung einstellen, gelingt es Charlie rasend schnell, Rechtschreibung und Grammatik zu erlernen und zu beherrschen. Sein Stil wird glasklar, und die Berichte vermitteln nun gleichzeitig die Intelligenzsteigerung des Probanten und seine emotionale Unreife.
Denn zwar gelingt es Charlie nun, Algernons Vorsprung im Lösen von Labyrinthen einzuholen und sich eine große Menge von »Wissen« anzulesen, aber die ihm zugefügten seelischen Schäden verhindern eine ähnlich schnell voranschreitende Sozialisierung. Aus dem netten Charlie wird ein arrogant-genialer Mister Gordon. Allerdings ist es dann auch sein hochentwickelter Geist, der zuerst erkennt, dass Algernons Entwicklung nicht mehr stabil ist, sondern rückwärts läuft …
BLUMEN FÜR ALGERNON ist ein Buch, das es verstanden hat, mich Jahrzehnte nach seiner ersten Lektüre erneut in seinen Bann zu schlagen. Die Art und Weise in der Daniel Keyes die Entwicklung seines Protagonisten schildert, ist unverändert faszinierend. Auch aus dem Abstand vieler Jahre und nach vielen anderen Büchern bleibt BLUMEN FÜR ALGERNON ein Erlebnis.

Horst Illmer

Daniel Keyes
BLUMEN FÜR ALGERNON. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Eva-Maria Burger
(Flowers for Algernon / 1966)
(Hardcover nicht mehr lieferbar: Stuttgart, Klett-Cotta, 2006, 300 S.
ISBN 3-608-93631-9 / 19,50 Euro)
Paperback: Stuttgart, Klett-Cotta, 2015, 298 S.
ISBN 3-608-96029-5 / 14,94 Euro

Ist es möglich, so frage ich mich, ein Buch so erschöpfend zu studieren, seine Besonderheiten mit solchem Detailreichtum zu erfassen und zu beschreiben, dass es unsichtbar wird? Ist es möglich,

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Love Letter

von am 20. August 2014

Love Letter (Pegasus 2013)Metadaten

Verlag: Pegasus Spiele (2013)
Autor: Seiji Kanai
Kategorie: Rauswerf-Karten-Spiel
Spieler: 2-4

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen Liebesbriefe an die Prinzessin schicken.
Das Gemeine: Pro Runde kommt nur ein Brief bei der Prinzessin an und jeder Spieler will natürlich, dass das seiner ist.
Spielablauf: Jeder Spieler bekommt eine Karte auf die Hand, die er vor den Mitspielern streng geheim hält. Ist er am Zug, zieht er eine weitere Karte und spielt eine von beiden aus. Die Karten stellen Mitglieder des Hofes dar, die man als Boten für den Liebesbrief einsetzt. Sie haben einen Wert (je höher, desto näher stehen sie der Prinzessin) und bestimmte Fähigkeiten, die vorwiegend den Boten eines Mitspielers (und damit den Mitspieler selbst) betreffen. Fähigkeiten sind z.B. die aktuelle Karte des Mitspielers anzuschauen, ihn zum Abwerfen zu zwingen oder seine Karte zu erraten, was ihn sofort ausscheiden lässt. Ziel ist es, mit Hilfe der Fähigkeiten des ausgespielten eigenen Boten einen anderen Mitspieler auszuschalten oder wenigstens das Ausschalten vorzubereiten. Die acht möglichen Charakterkarten sind unterschiedlich oft im Spiel. Damit man auch gegen Skatspieler eine Chance hat, werden alle bereits ausgespielten Karten offen ausgelegt, so dass man sich erschließen kann, was noch im Spiel sein müsste. Allerdings wird beim Austeilen immer eine Karte verdeckt zur Seite gelegt, so dass das auch nicht ganz so eindeutig ist.
Gespielt wird über mehrere Runden. Eine Runde endet, wenn alle Mitspieler bis auf einen ausgeschieden sind oder der Nachzugstapel aufgebraucht ist. Im letzteren Falle werden die Karten der noch aktiven Spieler aufgedeckt und der Kartenwert verglichen. Der Spieler mit dem höchsten Kartenwert bleibt drin (bei Gleichstand alle mit diesem höchsten Wert), die anderen scheiden aus. Der letzte verbleibende Spieler (ausnahmsweise die letzten verbleibenden Spieler) hat seinen Liebesbrief ans Ziel bringen können und bekommt ein Herz als Zeichen der prinzesslichen Gunst.
Spielende: Je nach Spieleranzahl muss man 3-5 Herzen erobern, also Runden gewinnen. Sobald ein Spieler das geschafft hat, endet das Spiel sofort.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Der Reiz: Das Spiel ist von den Regeln her verblüffend einfach, die Karten sind im Wesentlichen selbsterklärend und jede einzelne Runde ist schnell vorbei. Selbst wenn man am Anfang einer Runde ausscheidet, dauert es daher nur ein paar Minuten, bis man wieder einsteigen kann. Ein schönes Spiel für Zwischendurch.
Story: Die Hintergrundgeschichte ist süß(lich) und IMHO nicht so ganz schlüssig. Die Prinzessin selbst kommt als Karte vor (warum drückt man ihr den Brief dann nicht gleich selbst in die Hand?) und man kann auch den König (der sie doch eigentlich an den Kandidaten seiner Wahl vermählen will) einsetzen. Das tut dem Spielspaß aber nicht ernsthaft Abbruch, zudem die Kitsch-Romantik beim gnadenlosen Rauswerfen eher sekundär ist 🙂
Mehr-Spieler-Variante: Bei Big Love Letter können bis zu acht Spieler mitmachen. Hierzu benötigt man zwei Kartensätze und die Spielregel, die man bei Pegasus kostenlos runterladen kann. Je nach Spieleranzahl werden die Charakterkarten unterschiedlich oft ins Spiel genommen und man spielt genau acht Runden. Wer dann die meisten Herzen hat, gewinnt. Diese Variante haben wir allerdings noch nicht ausprobiert.

Metadaten

Verlag: Pegasus Spiele (2013)
Autor: Seiji Kanai
Kategorie: Rauswerf-Karten-Spiel
Spieler: 2-4

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen Liebesbriefe an die Prinzessin schicken.
Das Gemeine: Pro Runde kommt nur ein Brief bei der Prinzessin an und jeder Spieler will natürlich, dass das seiner ist.
Spielablauf: Jeder Spieler bekommt eine Karte auf die Hand, die er vor den Mitspielern streng geheim hält. Ist er am Zug, zieht er eine weitere Karte und spielt eine von beiden aus.

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Mit Schwert und Magie – Conans Erben

von am 18. August 2014 1 Kommentar

Der Blutstein

Mit seinem cimmerischen Barbaren hat Robert E. Howard eine der archetypischen Heldenfiguren der Fantasy-Literatur vorgelegt und quasi im Alleingang das Genre der „Sword & Sorcery“ begründet. Der Begriff wurde von Fritz Leiber erdacht, der damit auf einen 1961 veröffentlichten Brief von Michael Moorcock reagierte, der für Howards Art der Fantasy einen Namen forderte. Moorcocks Vorschlag blieb letztlich nicht ungenutzt, aber unter „Epic Fantasy“ ist heutzutage etwas anderes zu verstehen.

Sowohl Leiber als auch Moorcock haben sich selbst ausgiebig mit „Sword & Sorcery“ beschäftigt und ihre Helden Elric respektive Fafhrd und den grauen Mausling in den Kampf schickten. Wichtige Einflüsse auf das Genre stellen u. a. Alexandre Dumas’ (der ältere) „Die drei Musketiere“ und speziell in Robert Howards Fall auch die Geschichten aus „Tausendundeine Nacht“ dar. Auch Howards Zeitgenosse Clark Ashton Smith zeigt in seinen Zothique- und Hyperborea-Geschichten (nicht zu verwechseln mit Howards eigenem Hypberborea) deutliche „Sword & Sorcery“-Anleihen. Zu Howards unmittelbarsten Erben muss Catherine Lucille Moore gezählt werden, die mit „Jirel of Joiry“ ab 1934 quasi eine weibliche Entsprechung des Barbaren in verschiedene Abenteuern antreten ließ. Die „Jirel“-Stories wurden von Conan-Übersetzerin Lore Straßl ins deutsche übertragen und sind sowohl in der legendären „Terra Fantasy“-Reihe des Pabel Verlags und zuletzt Anfang der 2000er in der kurzlebigen „Dark Fantasy“-Reihe des Festa Verlags erschienen.

Ganz aktuell sorgt George R. R. Martins „Games of Thrones“-Reihe für Furore, die besonders in den ersten Bänden ganz eindeutig die eher bodenständigen „Sword & Sorcery“-Fantasy bedient. In späteren Teilen wird der fantastische Aspekt wohl verstärkt was scheinbar diverse Diskussionen unter den Lesern ob der korrekten Einordnung geführt hat. Aber hier soll es vornehmlich auch um eine andere Reihe gehen …

Als Robert E. Howards legitimer Nachfolger wird weithin Karl Edward Wagner (1945 – 1994) gehandelt. Zu verdanken ist dies Wagners eigener Heldengestalt, dem unsterblichen Schwertkämpfer Kane. Recht interessant, sind doch von Kane nur drei Romane und eine eher überschaubare Anzahl Kurzgeschichten veröffentlicht worden.

Im März 2014 ist im Golkonda Verlag mit DER BLUTSTEIN der erste Roman um Kane erschienen. In überarbeiteten und wohl erstmals kompletten Fassung in deutscher Sprache (die drei Kane-Romane sind Ende der 70er bereits bei Bastei Lübbe erschienen). Die beiden folgenden Bände sollen bis Frühjahr 2015 auf den Markt gebracht werden. Über die Kurzgeschichten gibt es bisher keine Ankündigung. Bei entsprechendem Erfolg mag sich der Verlag um eine Veröffentlichung bemühen.

Bleibt zu prüfen, ob Kane seinem Ruf gerecht wird.

Gerade bei den Fans des cimmerischen Barbaren könnte Kane, im Übrigen Wagners Version des biblischen Kain, meines Erachtens auf wenig Gegenliebe stoßen. Conan war vieles. Ein Dieb und Pirat. Ohne Zweifel ein Schurke. Aber er hatte immer ein Wertesystem, einen Ehrenkodex, an den er sich immer gehalten hat. Kane hingegen ist vollkommen amoralisch. Dadurch wird er sowohl zum Titelhelden als auch zum Antagonisten seiner eigenen Reihe. Sicherlich, und das ist Wagners große Stärke, sind auch seine Gegenspieler nie ganz eindeutig die Guten. Aber sie sind doch die Sympathieträger der Geschichte. Kanes Motive sind selbstsüchtig. Er will der Langeweile entfliehen, sucht Rache an einem Gott, der ihn mit einem ewigen Leben gestraft hat, welches nur durch die Gewalt beendet werden kann, die Kane selbst entfesselt. Das Kainsmal, bei Wagner durch Kanes durchdringenden Blick dargestellt, verhindert zudem, dass der „Titelheld“ jemals Glück unter den Menschen finden wird.

Einen Schurken zur Hauptfigur zu machen, der zudem in jedem Roman gegen neue Figuren antritt, ist wohl immer eine Gratwanderung. Allein die Notwendigkeit, für jede Geschichte neue Figuren zu entwerfen, denen sich die Leser verbunden fühlen, dürfte keine leichte Aufgabe sein. Nichtsdestotrotz Ist zumindest DER BLUTSTEIN ein packend geschriebenes Fantasy-Garn. Gefüllt mit interessanten Figuren, einem erstklassigen Schurken und einer ganzen Menge Spannung ist Kanes Debüt ein gelungener Roman, der in jede gut sortierte Fantasy-Sammlung gehört.

Mit seinem cimmerischen Barbaren hat Robert E. Howard eine der archetypischen Heldenfiguren der Fantasy-Literatur vorgelegt und quasi im Alleingang das Genre der „Sword & Sorcery“ begründet. Der Begriff wurde von Fritz Leiber erdacht, der damit auf einen 1961 veröffentlichten Brief von Michael Moorcock reagierte, der für Howards Art der Fantasy einen Namen forderte. Moorcocks Vorschlag blieb letztlich nicht ungenutzt, aber unter „Epic Fantasy“ ist heutzutage etwas anderes zu verstehen.

Sowohl Leiber als auch Moorcock haben sich selbst ausgiebig mit „Sword &

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Lovecraft & Joshi – Das übernatürliche Grauen in der Literatur

von am 13. August 2014 1 Kommentar

GrauenSekundärliteratur, insbesondere zum Genre Phantastik, erscheint im ersten Moment uninteressant, es sei denn zu Recherchezwecken. Dennoch gibt es in diesem Bereich der Literatur immer wieder interessante Werke*. Einen dominanten Platz in diesem Feld nimmt hier einmal mehr J.R.R. Tolkien ein, der mit seinem „Der Herr der Ringe“ ein Werk vorgelegt hat, das seit nunmehr fast genau sechs Jahrzehnten die Fantasie von Millionen Lesern beflügelt und hat damit ein Werk von bleibender Kraft hinterlassen. Das hat nicht nur zu unzähligen Biographien über den Autor geführt. Auch seine Bücher selbst wurden auf die verschiedenste Weise bearbeitet, analysiert und besprochen.

Verglichen damit führt die Weird Fiction, trotz vermeintlicher Titanen wie Stephen King, Clive Barker oder Peter Straub ein Schattendasein. Da nimmt es nicht Wunder, dass talentierte Autoren wie T. E. D. Klein, Robert Aickman (R.I.P.), Ramsey Campbell oder Thomas Ligotti, besonders im deutschen Sprachraum, eher einer kleinen Gemeinde von Fans bekannt sind. Damit ist wiederum auch das Interesse an entsprechenden Sekundärwerken eher gering. Trotzdem möchte ich euch eines dieser Werke ans Herz legen:

Das wohl erste ernsthafte Werk, das sich mit der Geschichte und den Vertretern der Horrorliteratur auseinandersetzte stammt von Howard Phillips Lovecraft, für viele der anerkannte Vater der modernen Horrorgeschichte. Wie sein Autor ist auch „Supernatural Horror in Literature“ nicht unumstritten. Hinzu kommt Sunand Tryambak Joshi, der wohl führende Spezialist auf dem Gebiet der Weird Fiction, der nicht nur die vorliegende Ausgabe von Lovecrafts Essay kommentierte, sondern auch dessen Gesamtwerk veröffentlichte, selbst eine Biographie verfasste und sich einen Namen als Kritiker machte, selbst auch alles andere als unumstritten.

Lovecrafts Essay wird vorgeworfen, dass es zu sehr seinen persönlichen Geschmack bedient. Nicht ganz unrichtig. Der große Montague Rhodes James, einer von Lovecrafts Favoriten und zweifelsfrei der König der englischen Geistergeschichte, attestierte Lovecraft in einem Brief an Nicholas Llewelyn Davies einen Schreibstil, der höchst ungehörig sei („[his] style is of the most offensive“). Er beklagte vor allem, dass Lovecraft das Wort „cosmic“ zu oft benutzt habe. Wer Lovecrafts Werke kennt, mehr als den Essay hat James wohl nie gelesen, ist auch mit dessen Kosmizismus vertraut.

Die Kriterien, mit denen Lovecraft die besprochenen Werke untersuchte sind subjektiv. Dass er damit nicht jedermanns Geschmack trifft, heute wie damals, ist selbstredend. Bei Büchern, die er selbst nur auszugsweise gelesen hat, verlässt sich Lovecraft bei seiner Untersuchung der Schauerliteratur sehr stark auf Edith BirkheadsThe Tale of Terror“ (1921), ein weiterer Kritikpunkt.

Neben der Gothic Novel widmete sich der Autor u. a. dem europäischen Kontinent, den Größen Amerikas,  gestand Edgar Allan Poe gar ein ganzes Kapitel zu und benannte schließlich und endlich die (damals) modernen Meister der Horrorgeschichte.

Die vorliegende, von S. T. Joshi kommentierte Ausgabe, erschien erstmals im Jahr 2000. Der deutschen Übersetzung liegt die nochmals durchgesehene Ausgabe von 2012 zugrunde. Joshi ist seit vielen Jahren als Verleger und Kritiker tätig. Aufgrund seines harten und offenen Urteils über Stephen King ist er bei den Fans nicht unbedingt beliebt. Für diese Ausgabe verzichtete Joshi auf seine übliche Polemik und beschränkte sich auf die Aufzählung von Fakten und Quellangaben. So wird z. B. klar, dass Lovecraft sein Necronomicon erschuf, bevor er ChambersThe King in Yellow“ erstmals las. Die Behauptung, dass es umgekehrt sei, mag werbewirksam sein, entspricht aber nicht der Wahrheit. Das wusste ich vorher auch nicht.

Neben den verschiedenen Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln steuerte Joshi ein Vorwort und eine ausführliche Bibliographie der besprochenen Werke bei. Diese wurde von Robert N. Bloch durch die Angabe deutscher Veröffentlichungen ergänzt.

Die von Joshi kommentierte Ausgabe von „Supernatural Horror in Literature“ liegt hiermit erstmals in deutscher Sprache vor. Der Golkonda Verlag legt damit die definitive Ausgabe von Lovecrafts Essay vor, an der kein Fan der Weird Fiction vorbeikommt!

*vor ein paar Wochen erst hat Horst Illmer sich mit einem solchen Werk befasst. Jo Waltons "What makes this Book so great", das er in den höchsten Tönen lobt gehört genau in diese Sparte…

Sekundärliteratur, insbesondere zum Genre Phantastik, erscheint im ersten Moment uninteressant, es sei denn zu Recherchezwecken. Dennoch gibt es in diesem Bereich der Literatur immer wieder interessante Werke*. Einen dominanten Platz in diesem Feld nimmt hier einmal mehr J.R.R. Tolkien ein, der mit seinem „Der Herr der Ringe“ ein Werk vorgelegt hat, das seit nunmehr fast genau sechs Jahrzehnten die Fantasie von Millionen Lesern beflügelt und hat damit ein Werk von bleibender Kraft hinterlassen. Das hat nicht nur zu unzähligen Biographien über den Autor geführt.

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Blade Runner

von am 10. Juli 2014

BladeRunnerPhilip K. Dick
BLADE RUNNER. Roman.
(Do An­droids Dream of Electric Sheep? / 1968)
Ü: Michael Nagula
Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 224 S.
Fischer Klassik
ISBN 978-3-596-90559-1

Ein Kopfgeldjäger ist normalerweise ein moralisch ziemlich bedenklicher Zeitgenosse, dem man am besten einfach aus dem Weg geht. Wenn er aber für die Polizei die unangenehme Arbeit erledigt, geflohene Androiden aufzuspüren und zu eliminieren, wandelt sich die Einstellung – je nachdem, ob man ein Mensch ist, der geschützt werden will, oder ein gejagter Androide. Wie steht man aber zu einem „Blade Runner“ (wie diese Sonderkräfte der Polizei der Zukunft genannt werden), der vielleicht selbst ein Androide ist?
Diese Frage stellt sich eines schönen Tages Rick Deckard, einem der erfolgreichsten seines Fachs, als er bei einem neuen Job tiefer in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner „Beute“ eindringen muss, als bisher üblich. Denn wenn selbst die hübsche Rachael Rosen, Nichte des Gründers der Androiden-Fabrik, ein „Nexus-6-Andy“ ist – wieweit kann er sich dann bei der Identifizierung von Kunstmenschen noch sicher sein? Gibt es denn überhaupt einen (moralisch bedeutsamen) Unterschied zwischen Mensch und Maschine?
Beim Lesen des Textes blenden sich fast zwangsläufig Bilder und Inhalt der Verfilmung vor das geistige Auge. Nun handelt es sich bei DO AN­DROIDS DREAM OF ELECTRIC SHEEP?  nicht um das Buch zum Film, sondern um den bereits 1968 geschriebenen Original-Roman, bei dem es Dick auch auf ganz andere Aspekte ankam, als 1982 Ridley Scott, dem Regisseur von BLADE RUNNER, dem damit ebenfalls ein Meisterwerk gelang.
Um wie vieles weiter gefasst ist jedoch Philip K. Dicks Buch. Die Figur des Rick Deckard ist viel weniger linear, die Ausstattung der Nebenfiguren reicher und die Welt im Hintergrund weniger reduziert. Dick thematisiert hier, wie so oft, die Unmöglichkeit, zwischen einer echten und einer gefälschten Realität objektiv zu unterscheiden. Die von anderen Menschen vermittelten „Wahrheiten“, die Nachrichten und Mitteilungen der Medien, die Geschäftspolitik riesiger Konzerne sind es, die bestimmen, welchen Ausschnitt der „Realität“ wir wahrnehmen.
Obwohl das Werk schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wirkt es frisch und spritzig, seine Inhalte haben nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren – denn man braucht für „Androide“ nur „Boat People“ zu setzen, schon hat einen die Zukunft eingeholt!
BLADE RUNNER, oder TRÄUMEN ANDROIDEN VON ELEKTRISCHEN SCHAFEN?, wie der Roman früher hieß, ist ein Buch, bei dem sich der Leser in hohem Maße gefordert sieht, das zum Nachdenken und Diskutieren einlädt, ein Buch, das Stellung bezieht und das hilft, selbst Stellung zu beziehen – auch deshalb ist die Aufnahme in die Reihe Fischer Klassik unbedingt notwendig gewesen.

Horst Illmer

Philip K. Dick
BLADE RUNNER. Roman.
(Do An­droids Dream of Electric Sheep? / 1968)
Ü: Michael Nagula
Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 224 S.
Fischer Klassik
ISBN 978-3-596-90559-1

Ein Kopfgeldjäger ist normalerweise ein moralisch ziemlich bedenklicher Zeitgenosse, dem man am besten einfach aus dem Weg geht. Wenn er aber für die Polizei die unangenehme Arbeit erledigt, geflohene Androiden aufzuspüren und zu eliminieren, wandelt sich die Einstellung – je nachdem, ob man ein Mensch ist,

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Das Orakel vom Berge

von am 7. Juli 2014

OrakelPhilip K. Dick DAS ORAKEL VOM BERGE. Roman. (The Man in the High Castle / 1962) Ü: Norbert Stöbbe Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 271 S. Reihe Fischer Klassik ISBN 978-3-596-90562-1

Philip K. Dicks Alternativwelt-Roman DAS ORAKEL VOM BERGE ist in einer Welt angesiedelt, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im Status eines besetzten Landes, gespalten in einen von Deutschland mit harter Hand regierten Ostteil und in die von Japan dominierten Westpazifikstaaten. Nur in den unwegsamen, kaum besiedelten Landesteilen entlang der Rocky Mountains hat sich ein Rest der „alten“ USA behaupten können. Während der zerstörte Osten mit deutscher Hilfe (und jeder Menge Nazi-Ideologie) wieder aufgebaut wird, haben sich in Kalifornien die Japaner auf einen zurückhaltenden, assimilierenden Kolonialismus verlegt.

Es gibt eine zaghaft im Untergrund agierende „Widerstandsbewegung“ (wenn man die wenigen, sehr vereinzelt lebenden und im Verborgenen wirkenden Intellektuellen so nennen kann). In diesen Kreisen zirkuliert ein Buch des Poeten und Romanciers Hawthorne Abendsen, in dem dieser eine alternative Welt beschreibt, in der England und die USA gegen die Achsenmächte gewonnen haben. Typisch für Dicks Verschachtelung der diversen „Realitäten“ ist es jedoch, dass auch diese „literarische Wirklichkeit“ von der uns bekannten teilweise stark abweicht.

Die Handlung kreist um die vier Hauptakteure Nobusuke Tagomi, Frank und Juliana Frink und Robert Childan, welche von Dick überzeugend mit Eigenleben ausgestattet wurden. Die jeweiligen Erzählstränge sind voneinander unabhängig, führen jedoch immer wieder aufeinander zu, berühren sich, trennen sich wieder. Die Aktionen der Protagonisten sind vielfach fremdgesteuert (z. B. wenden sich einige von ihnen immer wieder an das chinesische Orakelbuch I GING, wenn sie Entscheidungen fällen müssen), und selbst wenn sie scheinbar aus eigenem Willen handeln, sind die Ergebnisse dieses Handelns nicht nur für sie selbst oftmals überraschend und unvorhersehbar.

Philip K. Dicks 1963 mit dem HUGO-Award ausgezeichneter Roman wurde von Norbert Stöbbe exzellent übertragen. Nicht nur herausragende Kritiker und Schriftsteller wie Ursula K. Le Guin oder Kim Stanley Robinson sehen in diesem Buch einen der großen, wichtigen Meilensteine der amerikanischen Science Fiction. Auch für die jetzt bei Fischer Klassik begonnene Dick-Reihe ist DAS ORAKEL VOM BERGE ein wichtiger Baustein – und für jeden anspruchsvollen Leser ist dieses Buch ein Genuss.

Horst Illmer

Philip K. Dick DAS ORAKEL VOM BERGE. Roman. (The Man in the High Castle / 1962) Ü: Norbert Stöbbe Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch, Juli 2014, 271 S. Reihe Fischer Klassik ISBN 978-3-596-90562-1

Philip K. Dicks Alternativwelt-Roman DAS ORAKEL VOM BERGE ist in einer Welt angesiedelt, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im Status eines besetzten Landes, gespalten in einen von Deutschland mit harter Hand regierten Ostteil und in die von Japan dominierten Westpazifikstaaten.

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Codex Alera

von am 1. Juli 2014

CodexAleraTitel: Die Elementare von Calderon
Im Schatten des Fürsten
Die Verschwörer von Kalare
Der Protektor von Calderon
Die Befreier von Canea
Der erste Fürst
Serien/Zyklentitel: Codex Alera
Autor: Jim Butcher
Verlag: blanvalet

Jim Butcher ist durch seine Harry Dresden Reihe dem einen oder anderen bekannt. Bei dem vorliegenden Zyklus handelt es sich um einen High-Fantasy-Zyklus der sehr stark geschrieben ist und so einige Klischees klassischer Fantasy Romane a la Tolkien über Bord wirft.

Inhalt:
Der Junge Tavi wächst behütet bei seiner Tante Isana und seinem Onkel Bernhard auf dessen Hof auf. Im Gegensatz zu allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft ist er nicht in der Lage Magie anzuwenden. Hinzu kommt, dass er als Waisenkind wenig bis gar nichts über seine Herkunft weiß. Diese klärt sich auch erst vollständig im Verlauf der sechs Bände.
Nachdem er mit einer Feindin, einem Maratmädchen Namens Kitai, nach einem Wettkampf Freundschaft geschlossen hat und er an den Hof Alera Imperia gerufen wird, treten seine Talente nach und nach zu Tage.
Er ist gerecht, klug und pragmatisch in der Anwendung seiner Fähigkeiten und in der Anwendung der Gesetze.

Im Verlauf der sechs Bände wird seine wahre Bestimmung sichtbar und er führt das Land Alera in ein neues Zeitalter. Dabei lässt Tavi keinen Stein auf dem anderen.

Beurteilung:
Die Idee, dass alle Einwohner des Landes mehr oder weniger stark magiebegabt sind, eröffnet ganz neue Perspektiven. Das führt dazu, dass einfache Aufgaben durch sogenanntes Elementarwirken erbracht werden und der menschliche Geist keine neuen Ideen aushecken muss. Der Außenseiter Tavi ist derjenige, der sich innovatives Denken und Handeln zu Eigen machen muss, um seine Aufgaben bewerkstelligen und um sich in dieser Welt behaupten zu können.
Was den Zyklus darüber hinaus so bemerkenswert macht ist, dass das Klischee von Gut gegen Böse hier nicht verfängt. Die vermeintlich Guten haben ihre Schattenseiten und die Bösen sind nicht per Se böse. Man kann seine Sympathien daher nicht so einfach verteilen, sondern der Facettenreichtum der handelnden Personen verleiht dem Zyklus Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Auch Tavi ist nicht nur der unschuldige Junge, da er sich mit Gerissenheit aus der einen oder anderen Falle heraus manövriert und damit seine Freunde nicht nur einmal vor den Kopf stößt.

Vor lauter Feinden könnte man beim Lesen leicht den Überblick verlieren, aber Tavi als Mittler schafft es immer wieder den Feinden klar zu machen, das man manchmal besser miteinander als gegeneinander kämpfen muss, um zu gewinnen.

Dabei profitiert Tavi davon, dass er sich sehr gut in andere hinein versetzen kann und deren Beweggründe rational erfasst und emotional lenken kann.
Hinzu kommt, dass sich der Autor sehr viel Zeit nimmt, nicht nur die Charaktere auszuarbeiten, sondern auch die politische Dimension mit Tiefe gestaltet, so dass man als Leser nicht einfach in den Modus von Licht und Schatten verfallen kann.

Das Reich wird zudem nicht nur von Außen bedroht, sondern auch die innere Spaltung steht bevor.  Der erste Fürst Sextus hat durch seine Intrigen und Geheimniskrämerei das Land an den Rand eines Bürgerkriegs manövriert. Dabei sind die äußeren Feinde oft weniger blutrünstig, als man sie gerne sehen möchte und eher bereit zu verhandeln, denn zu kämpfen.

Das Ende der sechs Bände ist, ohne mehr verraten zu wollen, für einen Fantasy-Zyklus geradezu revolutionär.

Fazit:
Für mich zählt dieser Zyklus zum Besten, was ich in den letzten Jahrzehnten gelesen habe.
In den sechs Bänden hat Butcher eine Unzahl Genrethemen eingebracht. Neben Tavis Erwachsenwerden, kommen Liebe und Romantik (nicht zu schmalzig), Schwert-Degen-Spektakel, großartige Schlachten, politische Ränkespiel und der eine oder andere Held nicht zu kurz. Ein Setting mit vielen Feinden und nichtmenschlichen Wesen sowie eine feindliche Bedrohung, die es in sich hat.
Wohltuend für mich, dass es nicht die klassische Schwarz-Weiß-Malerei gibt, sondern, dass sich die Helden ihre Welt so zu recht legen, wie sie sie gerne sehen möchten.

Ein sehr moderner Zyklus, der sich nicht vor den großen der Fantasy verstecken muss. Im Gegenteil. Der Autor bringt eine Menge frische Ideen mit ein und schafft eine Welt, die für mich vollständig erscheint und die keine Aspekte des menschlichen Lebens auslässt und für mich mit einem starken Ende eine nachhaltige Wirkung erzielt.

Auch wenn die einzelnen Bände mehr oder minder in sich abgeschlossen sind, sollte jeder die sechs Bände lesen. Ich habe keine Seite bereut.

MarkusT

Titel: Die Elementare von Calderon
Im Schatten des Fürsten
Die Verschwörer von Kalare
Der Protektor von Calderon
Die Befreier von Canea
Der erste Fürst
Serien/Zyklentitel: Codex Alera
Autor: Jim Butcher
Verlag: blanvalet

Jim Butcher ist durch seine Harry Dresden Reihe dem einen oder anderen bekannt. Bei dem vorliegenden Zyklus handelt es sich um einen High-Fantasy-Zyklus der sehr stark geschrieben ist und so einige Klischees klassischer Fantasy Romane a la Tolkien über Bord wirft.

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Jo Walton: What Makes This Book So Great

von am 18. Juni 2014 1 Kommentar

what makes this book so greatJo Walton
WHAT MAKES THIS BOOK SO GREAT.
New York, Tor Books, 2014, 447 S.
ISBN 978-0-7653-3193-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Wie ich diese Frau beneide, vermag ich gar nicht in Worte zu fassen: Die 1964 in Wales geborene und inzwischen in Kanada lebende Jo Walton ist nicht nur eine sehr gute Autorin, sondern auch eine passionierte Leserin – und im Gegensatz zu uns Normalsterblichen verfügt sie offenbar über einen geheimen Zeitvorrat, aus dem sie sich bedienen kann, wann immer sie ihre Lieblingsbücher zum wiederholten (!!!) Male liest.

Aus dieser Passion ist zuerst ein Blog entstanden und nun ein Buch, dessen Lektüre einfach unglaublichen Spaß bereitet. WHAT MAKES THIS BOOK SO GREAT enthält 130 kurze Kapitel in denen Walton über ihre Nochmals-Lektüren von Science-Fiction-Büchern reflektiert (mit einigen Abschweifungen, wie es sich für eine echte Literaturliebhaberin gehört) und dabei gelingt es ihr praktisch in jedem Fall, diese Besprechungen zu kleinen Essays werden zu lassen, die unmittelbar den Reiz auslösen, die angeführten Werke ebenfalls lesen zu wollen.

Natürlich handelt es sich um eine sehr subjektive und persönliche Auswahl Waltons, doch ihr Lese-Spektrum ist extrem breit gefächert. Neben den Besprechungen ihrer klaren Favoriten wie Lois McMaster Bujold, Steven Brust und C. J. Cherryh stehen Texte über Genre-Größen wie Arthur C. Clarke, Neal Stephenson und Jerry Pournelle, dann wieder springt sie zu so exotischen, extravaganten und unbekannten Büchern und Autoren wie THROUGH A GLASS DARKLY von Kathleen Norris oder WHEN THE KISSING HAD TO STOP von Constantine Fitzgibbon.
Selbstverständlich fehlen weder die Publikumslieblinge Ursula K. Le Guin, John Brunner oder Samuel R. Delany, noch Hinweise auf eher unterschätzte Titel, beispielsweise von Maureen McHugh (CHINA MOUNTAIN ZHANG) oder Jack Womack (RANDOM ACTS OF SENSELESS VIOLENCE). Sogar eine Rezension zu einem niemals veröffentlichten Buch ist enthalten – welches wird hier jedoch nicht verraten.

Neben all diesen Einblicken in die Texte verschiedener Autoren entwickelt Jo Walton dabei wie nebenbei eine Poetik des Schreibens von Science Fiction und eine ebenso kurze wie stimmige Literaturgeschichte dieses faszinierenden Genres.

Unverzichtbar!

Horst Illmer

Jo Walton
WHAT MAKES THIS BOOK SO GREAT.
New York, Tor Books, 2014, 447 S.
ISBN 978-0-7653-3193-9
Hardcover mit Schutzumschlag

Wie ich diese Frau beneide, vermag ich gar nicht in Worte zu fassen: Die 1964 in Wales geborene und inzwischen in Kanada lebende Jo Walton ist nicht nur eine sehr gute Autorin, sondern auch eine passionierte Leserin – und im Gegensatz zu uns Normalsterblichen verfügt sie offenbar über einen geheimen Zeitvorrat, aus dem sie sich bedienen kann,

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Weniger Zukunft war nie

von am 16. Juni 2014

ZukunftSascha Mamczak
DIE ZUKUNFT. Eine Einführung.
München, Heyne, 2014, 112 S.
ISBN 978-3-453-31595-2
Klappenbroschur

Wir hatten einfach zuviel von dieser Zukunft. Wir wenden den Blick von ihr ab und …“ (Seite 108).

Es ist ja nicht so, dass ich mir von diesem Buch die große Erleuchtung versprochen hätte, oder gar das nächste große Werk über die Entwicklung der Menschheit – aber ist es wirklich zuviel verlangt vom derzeitigen Herausgeber der immer noch bedeutendsten deutschsprachigen Science-Fiction-Reihe, dass er seinen Job ernst nimmt? Machen wir es kurz (hier wenigstens soll der Autor uns Vorbild sein) und loben das, was zu loben ist: Sascha Mamczak hat einen in sich stimmigen und gut recherchierten Essay verfasst, der die Ideengeschichte der menschlichen Vorstellung davon was „Zukunft“ ist, hervorragend darstellt. Dass die „Science Fiction“ in dieser über Jahrtausende reichenden Vergangenheitsschau nur einen relativ kleinen Anteil für sich beanspruchen kann, mag auf den ersten Blick verblüffen, rückt die Relationen aber durchaus zurecht. Was mich während der Lektüre – und vor allem an ihrem Ende – jedoch wirklich störte, war der Unterton der Verdrossenheit und der Resignation, der so ganz eigentlich im Gegensatz steht zu der von Mamczak herausgearbeiteten „Offenheit“ der Zukunft: die unendlichen Möglichkeiten, die sich uns auf unserem weiteren Weg bieten! Wäre es nicht gerade seine Aufgabe gewesen, hier auf die Chancen hinzuweisen, die eine sich neu formierende, sich den Ansprüchen des dritten Millenniums stellende Science Fiction für die Gestaltung „der Zukunft“ mitbringt? Welches utopische Potenzial immer noch in diesen Geschichten schlummert? Wie viel Einfluss ein einziges Buch immer und jederzeit zu entwickeln vermag? Leider konnte ich nichts davon entdecken (was unter Umständen daran liegen mag, dass es zu gut „versteckt“ ist) und so frage ich mich, ob Heyne mit diesem sechsten Band seiner „Jubiläums-Edition“ die eigene Science-Fiction-Reihe nach 50 erfolgreichen Jahren nun eigentlich feiern oder beerdigen wollte? Als Leser, Sammler und Fan möchte man den oben zitierten letzten Satz von Mamczaks Ausführungen über DIE ZUKUNFT so jedenfalls nicht hinnehmen!

Horst Illmer

Sascha Mamczak
DIE ZUKUNFT. Eine Einführung.
München, Heyne, 2014, 112 S.
ISBN 978-3-453-31595-2
Klappenbroschur

Wir hatten einfach zuviel von dieser Zukunft. Wir wenden den Blick von ihr ab und …“ (Seite 108).

Es ist ja nicht so, dass ich mir von diesem Buch die große Erleuchtung versprochen hätte, oder gar das nächste große Werk über die Entwicklung der Menschheit – aber ist es wirklich zuviel verlangt vom derzeitigen Herausgeber der immer noch bedeutendsten deutschsprachigen Science-Fiction-Reihe,

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Robert W. Chambers – Der König in Gelb

von am 29. Mai 2014 1 Kommentar

Der König in Gelb

Zur Abwechslung mal keine Besprechung im traditionellen Sinn, also keine „Review“ wie man heutzutage so schön sagt. Vielmehr gibt es an dieser Stelle und zu dieser Gelegenheit eine Vorschau. Das wäre natürlich nicht möglich, wenn das besprochene Buch nicht in der Vergangenheit schon in der einen oder anderen Form erschienen wäre.

Chambers (1865 – 1933) war zu seiner Zeit ein überaus erfolgreicher und anpassungsfähiger Autor, der die verschiedensten Genres bedienen konnte. Michael Nagula hat all dies sehr ausführlich in seinem Essay ROBERT W. CHAMBERS – FANTAST ZWISCHEN POESIE UND DEKADENZ geschildert. Ein sehr lesenswerter Beitrag, der in der bevorstehenden Ausgabe vom FESTA VERLAG enthalten sein wird (nebst einer Auflistung von Chambers’ Büchern). Aus diesem Grund verzichte ich an dieser Stelle auf einen tieferen Blick auf Chambers’ Schaffen.

Trotz seines großen Erfolges zu Lebzeiten, geriet Chambers’ Werk in späteren Jahren in Vergessenheit. Es wäre müßig, über die Gründe zu spekulieren. H. P. Lovecraft erwähnte Chambers in seinem zwischen 1926 und 27 entstandenem „Die Literatur des Grauens“ (eine vom amerikanischen Horrorspezialisten S. T. Joshi kommentierte Ausgabe ist kürzlich beim GOLKONDA VERLAG erschienen). Besonderen Gefallen fand Lovecraft an „The King in Yellow“. Einige der enthaltenen Geschichten werden lose durch das namensgebende Theaterstück zusammengehalten. Dies ominöse Buch im Buch war Lovecrafts Inspiration für sein eigenes unheimliches Werk, das berühmte Necronomicon. Lovecraft war gar so frech in einer seiner Geschichten zu behaupten, dass Chambers durch das wirklich existierende Necronomicon zu „The King in Yellow“ inspiriert wurde. Freilich existiert Abdul Alhazreds Werk keineswegs in der Wirklichkeit. Doch gibt es bis heute Fans und Hobby-Okkultisten, die tatsächlich an die Existenz des Buchs der Toten glauben. Sehen wir davon ab, dieses Verhalten genauer analysieren zu wollen.

Trotz seiner offenkundigen Faszination von „The King in Yellow“ bleibt Lovecraft nicht unkritisch. So attestiert er dem Werk eine „schwankende Anziehungskraft“ und einen Hang zur „affektierten Kultivierung der französischen Studioatmosphäre“. Die größte Faszination bewirkte hierbei die Geschichte „Das Gelbe Zeichen“, die HPLs eigener Vorstellung vom kosmischen Schrecken am nächsten kommt.

Lovecrafts Einschätzungen muss ich größtenteils zustimmen. Neben „Das Gelbe Zeichen“ möchte ich noch „Der Wiederhersteller des guten Rufes“ herausheben. Eine sehr eindringliche und verstörende Geschichte mit leichten Steampunk-Aspekten. Die größte Schwäche des Bandes ist die zum Teil in der Tat affektierte Sprache. Ich mag nun nicht beurteilen, inwieweit es da einen Zusammenhang zur „französischen Studioatmosphäre“ gibt. Chambers ist der französischen Literatur offenkundig sehr zugetan. Mir persönlich fehlen die Vergleiche. Lovecraft zieht George du Mauriers „Trilby“ heran, um seinen Standpunkt zu untermauern.

Trotz relativer Unbekanntheit hat Chambers mit „Der König in Gelb“ deutliche Spuren in der Landschaft der phantastischen Literatur hinterlassen. Lovecraft griff ihn auf, wofür er auch für dessen Epigonen interessant wurde. Aber auch Marion Zimmer Bradley hat sich für ihre „Darkover“-Reihe bei „Der König in Gelb“ bedient und mehrere Namen und Motive von Chambers aufgegriffen. Und Alan Moore hat nicht darauf verzichtet, in NEONOMICON auf dieses Werk anzuspielen.

Interessant ist „Der König in Gelb“ vor allem aufgrund seines historischen Kontexts und des dadurch entstanden Einfluss auf die Werke späterer Autoren. Und wer sich auf die zum Teil etwas mühsame Sprache (die von Andreas Diesel übrigens ziemlich gut ins Deutsche übertragen wurde) einlässt, wird mit einem interessanten Werk belohnt. Aber eben auch mit einem Werk, dass dem Leser durchaus abverlangt, sich darauf einzulassen und sich die nötige Zeit zu nehmen.

Zur bisherigen Veröffentlichungsgeschichte: Meines Wissens wurde „The King in Yellow“ bisher zweimal in Deutschland veröffentlicht. Einmal 1984 unter dem Titel „Der Gelbe Tod“ (Luebbe) und vor rund zehn Jahren als achter Band von H. P. LOVECRAFTS BIBLIOTHEK DES SCHRECKENS. Damals waren noch einige Geschichte aus „The Mystery of Choice“ beigefügt, die in der Neuauflage nicht enthalten sein werden. Ein richtige Entscheidung des Herausgebers, die im Vergleich zur damaligen Ausgabe eine nötige Entschlackung darstellt.

Warum nun diese neue Ausgabe? Das lässt sich recht schnell beantworten und zeigt zum Ende ein weiteres mal, dass Chambers einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hat. Die Fernsehserie TRUE DETECTIVE (u. a. mit Woody Harrelson) enthält viele Anspielungen auf unheimliche Literatur. Neben Lovecraft und Thomas Ligotti auch auf Chambers' DER KÖNIG IN GELB …

Der Band erscheint voraussichtlich am 18.08.2014 im Paperback und wird 12,80 Euro kosten.

Zitate aus „Die Literatur des Grauens“ entstammen der Ausgabe der EDITION PHANTASIA und wurden von Joachim Körber übersetzt.

Zur Abwechslung mal keine Besprechung im traditionellen Sinn, also keine „Review“ wie man heutzutage so schön sagt. Vielmehr gibt es an dieser Stelle und zu dieser Gelegenheit eine Vorschau. Das wäre natürlich nicht möglich, wenn das besprochene Buch nicht in der Vergangenheit schon in der einen oder anderen Form erschienen wäre.

Chambers (1865 – 1933) war zu seiner Zeit ein überaus erfolgreicher und anpassungsfähiger Autor, der die verschiedensten Genres bedienen konnte. Michael Nagula hat all dies sehr ausführlich in seinem Essay ROBERT W.

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Vladimir Sorokin – Der Tag des Opritschniks

von am 27. Mai 2014

Opritschnik

Vladimir Sorokin
DER TAG DES OPRITSCHNIKS. Roman.
Aus dem Russischen von Andreas Tretner
(Originaltitel: Den‘ opritschnika / 2006)

Buchausgabe: Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2008, 224 S.
ISBN 978-3-462-03923-8 (nicht mehr lieferbar)

Taschenbuch: München, Heyne, 2009, 224 S.
Heyne Hardcore, ISBN 978-3-453-40689-6

Hörbuch: Gelesen von Stefan Kaminski
Lauscherlounge Records, 2009, 6 CDs, Laufzeit: 365 Minuten
Pappbox mit 8-seitigem Booklet
ISBN 978-3-7857-3890-0

Der 1955 in Bykowo bei Moskau geborene Vladimir Sorokin gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Er wurde bekannt mit Werken wie »Die Schlange«,  »Die Herzen der Vier«, »Der himmelblaue Speck« und »Ljod. Das Eis«. Sorokin, einer der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands, hat sein Unbehagen an der politischen Entwicklung bereits 2006 in einem Zukunftsroman beschrieben, der 2008 bei Kiepenheuer & Witsch unter dem Titel DER TAG DES OPRITSCHNIKS veröffentlicht wurde. 2009 folgte die ungekürzte Hörbuchfassung bei Lauscherlounge Records.

Das von Andreas Tretner gekonnt übersetzte Buch schildert einen Tag im Russland des Jahres 2027. Unter einem Diktator hat sich die Weltmacht vom Westen ab und zu China hin gewandt, die Bevölkerung wird von einer Geheimpolizei, den Opritschniki (»Auserwählten«), brutal unterdrückt und selbst hochstehende Kader können sich niemals sicher fühlen, da der »Gossudar« (wie die meisten Alleinherrscher) zwischen Verfolgungswahn und gelegentlichen Anfällen von großzügiger Begnadigung hin und her schwankt. Der im Buch beschriebene »Arbeitstag« eines der »Auserwählten« beginnt dann auch mit einer Hinrichtung am Morgen, gefolgt von einer Brandschatzung, einem Schauprozess und einem Ehebruch, bevor er mit einer drogengeschwängerten Orgie endet – fürwahr ein »schweres Los«.
Sorokin behauptet, dass Russlands gegenwärtiger Zustand »nur noch mit den Mitteln der Satire zu beschreiben« sei und belegt dies mit seinem in tiefschwarzen Pessimismus getauchten Roman.

Der Schauspieler und Sprecher Stefan Kaminski (* 1974) selbst war die treibende Kraft hinter der Hörbuch-Produktion. Er war von Sorokins Buch offenbar sehr angetan. In einem kurzen Statement im Booklet erklärt er warum: Die »Sprache ist rau, lyrisch und verwandelt sich ständig. Man hat das Gefühl zu kauen, wenn man liest. Darum wollte ich es machen. Ich wollte das mal laut lesen, weil ich es wertvoll finde«.
Dementsprechend engagiert gelang dann auch das Hörbuch, das sich aufgrund der Fähigkeit Kaminskis zum »Stimmen-Morphen« anhört wie ein Hörspiel mit dutzenden von Mitspielern. Neben der sonoren, rauen Stimme des Erzählers springt Kaminski bei jeder sich bietenden Gelegenheit in eine neue Rolle. Radiosprecher, verzerrte Stimmen am Telefon, Opernarien, Schmähgedichte, furchtsame Frauenstimmen, die ins Entsetzen umkippen – vom kleinen Kind bis zum alten Greis reicht die Bandbreite dieses Sprachkünstlers.
Nach sechs (Hörbuch-)Stunden sinkt Andrej Danielowitsch, erschöpft von der »Arbeit« des langen Tages und den Orgien der Nacht (voller Rauschgift und Alkohol, die während der Verbrüderungsriten der Opritschnina die Runde machen) ins Bett seiner Residenz – und der (gleichermaßen betroffen und begeistert lauschende) Hörer reibt sich die Arme, um die Gänsehaut, die sich während der letzten Stunden eingestellt hat, wieder zu glätten.

Horst Illmer

Vladimir Sorokin
DER TAG DES OPRITSCHNIKS. Roman.
Aus dem Russischen von Andreas Tretner
(Originaltitel: Den‘ opritschnika / 2006)

Buchausgabe: Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2008, 224 S.
ISBN 978-3-462-03923-8 (nicht mehr lieferbar)

Taschenbuch: München, Heyne, 2009, 224 S.
Heyne Hardcore, ISBN 978-3-453-40689-6

Hörbuch: Gelesen von Stefan Kaminski
Lauscherlounge Records, 2009, 6 CDs, Laufzeit: 365 Minuten
Pappbox mit 8-seitigem Booklet
ISBN 978-3-7857-3890-0

Der 1955 in Bykowo bei Moskau geborene Vladimir Sorokin gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands.

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Markus K. Korb – Horror made in Germany

von am 20. Mai 2014

Korb-StruwwelpeterMarkus K. Korb
DER STRUWWELPETER-CODE und andere sonderbare Erzählungen.
Vorwort von Tobias Bachmann, Illustrationen von Peter Davey
o. O., Blitz Verlag, 2014, 221 Seiten
ISBN 978-3-89840-395-5

Dass der „Horror“ keine Erfindung der Amerikaner ist und der Mensch bereits in frühester Kindheit seine Bekanntschaft macht, gehört zu den Dingen, an die Markus K. Korb fest glaubt und die seinen Erzählungen ihre besondere und eigenständige Note geben. Wie unabhängig Korb von den gegenwärtigen Zeitgeist- und Trendthemen (Zombie, Werwolf & Co.) ist, belegt seine neueste Kollektion von fünfzehn „sonderbaren“ Geschichten, die unter dem Titel DER STRUWWELPETER-CODE im Mai 2014 als Taschenbuch im Blitz Verlag erschienen ist.
Die „den deutschen Phantasten der Weimarer Republik“ gewidmeten Erzählungen reichen in ihrer thematischen Vielfalt von Nachempfindungen nordischer und antiker Sagenstoffe („Die Wilde Jagd“, „Orpheus blickt zurück“) und klassischer Märchendichtung („Pestkönigin“, „Das Holzweiberl“) bis hin zu ironisch-tragischen Brechungen der Frage nach der Schuld der Täter und Mitläufer bei Gräueltaten gegen die Menschlichkeit (z. B. in „Der Letzte löscht das Licht“, „Das Feld der Sonnenblumenkinder“, „Kingpin“ oder „Horchpeilung“).
Während die genannten Geschichten durchaus „Grusel auf hohem Niveau“ versprechen, gibt es leider auch einige (wenige) Stories, die eher als „Hausmannskost“ daherkommen („Blindes Huhn“, „Mutter der Puppen“), was sich auf Grund ihrer Kürze jedoch leicht verschmerzen lässt.
Zu ganz großer Form läuft der Autor jedoch in der letzten und mit über fünfzig Seiten auch längsten Story auf, in der er die Geschichte hinter Heinrich Hoffmanns Kinderbuch-Klassiker vom STRUWWELPETER gleich in mehreren metaliterarischen Volten um-, beziehungsweise neu schreibt. Seine „Entschlüsselung“ des „Struwwelpeter-Codes“ gehört zu den lesenswertesten Texten der deutschsprachigen Phantastik der letzten Jahre.
In seinen „sonderbaren Erzählungen“, die von Peter Davey sparsam, aber ausdrucksstark illustriert und von Tobias Bachmann sehr persönlich bevorwortet wurden, zeigt der in der Nähe von Schweinfurt geborene und dort lebende Markus K. Korb, dass die moderne Horror-Erzählung in ihm einen ihrer Meister und in Franken eine Heimat gefunden hat.

Horst Illmer

Markus K. Korb
DER STRUWWELPETER-CODE und andere sonderbare Erzählungen.
Vorwort von Tobias Bachmann, Illustrationen von Peter Davey
o. O., Blitz Verlag, 2014, 221 Seiten
ISBN 978-3-89840-395-5

Dass der „Horror“ keine Erfindung der Amerikaner ist und der Mensch bereits in frühester Kindheit seine Bekanntschaft macht, gehört zu den Dingen, an die Markus K. Korb fest glaubt und die seinen Erzählungen ihre besondere und eigenständige Note geben. Wie unabhängig Korb von den gegenwärtigen Zeitgeist- und Trendthemen (Zombie,

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Ligretto

von am 14. Mai 2014

Ligretto grün (Schmidt Spiele 2000)Metadaten

Verlag: Rosengarten Spiele (1988), Schmidt Spiele (2000)
Autor: Michael Michaels
Kategorie: Action-Karten-Loswerd-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen einen Kartenstapel abbauen.
Das Gemeine: Die Spieler spielen gleichzeitig und gleichortig.
Spielablauf: Jeder Spieler hat ein Set von 40 Karten (4 Farben, je Farbe die Zahlen 1-10). Er mischt und legt einen Stapel mit 10 Karten verdeckt vor sich. Diesen muss er im Verlauf des Spiels abbauen. Daneben legt er drei weitere Karten offen vor sich hin. In der Hand hält er als verdeckten Stapel die restlichen Karten. Los geht’s: Wenn eine der drei offen ausliegenden Karten passt, kann der Spieler sie sofort in die Spielmitte auf den passenden Stapel legen. "Passende Karte" heißt selbe Farbe nächste Zahl. Die 1 kann man natürlich jederzeit als Beginn eines neuen Stapels auslegen. Für die gespielte Karte deckt man die nächste vom verdeckten 10er-Stapel auf, so dass immer drei Karten offen vor einem liegen. So baut man Schritt für Schritt seinen 10er-Stapel ab.
So leicht wär’s wären da nicht die anderen Spieler, denn diese wollen natürlich ebenfalls ihre Karten loswerden. Und da ja jeder Spieler dasselbe Set hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer gerade dann, wenn man seine spielen will, auch eine passende Karte hat, nicht gerade gering. Natürlich gilt: Wer zuerst legt, ist seine Karte losgeworden, der andere muss seine zähneknirschend wieder zurücknehmen. Zum Zähneknirschen bleibt aber meistens keine Zeit, da wahrscheinlich ein anderer Stapel just in diesem Moment so gewachsen ist, dass man eine andere passende Karte hat, die man schleunigst drauflegt bevor’s ein anderer tut, usw. Sollte tatsächlich mal nichts passen, durchsucht man den Stapel in der Hand, indem man immer die dritte Karte aufdeckt und ggf. rauslegt, wenn’s passt.
Spielende: Deckt ein Spieler die letzte Karte seines 10er-Stapels auf, so ruft er laut "Ligretto" und beendet damit das Spiel. Dann wird gezählt. Jede Karte, die man in die Tischmitte gespielt hat (erkennbar am Set-Symbol auf dem Kartenrücken), zählt einen Punkt, jede Karte, die noch im 10er-Stapel liegt 2 Minuspunkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Der Reiz: Das Spiel ist irre schnell und man muss dabei ziemlich viel gleichzeitig im Auge behalten. Neben den eigenen Karten und den Veränderungen in der Tischmitte lohnt es sich, auch mal die gegnerischen Karten im Auge zu behalten. Hat man z.B. die rote 4 ausliegen und ein Mitspieler die rote 3, dann sollte man sehr schnell auf eine Handbewegung in die Richtung reagieren – besonders, wenn ein weiterer Mitspieler ebenfalls die rote 4 offen vor sich liegen hat.
Was man als Spieler nicht haben sollte: Angst, was auf die Finger zu kriegen. Natürlich kann es schon mal heftig zur Sache gehen, wenn man die rote 3 legt und sofort von mehreren Seiten die rote 4 draufgeklatscht wird 🙂
Spieleranzahl: Je mehr, je schneller. Es gibt AFAIK drei offizielle miteinander kompatible Editionen mit jeweils 4 Kartensets, also Sets für 12 Spieler. Die Kartensets unterscheiden sich nur im Set-Symbol auf der Rückseite, damit man die Karten in der Tischmitte am Ende wieder einem Spieler zuordnen kann. Wenn man’s drauf anlegt, kann man auch dieselbe Edition mehrfach kaufen und einfach die Rückseite zusätzlich zum Set-Symbol markieren. Theoretisch kann man so mit noch viel mehr Spielern spielen. Allerdings sollte man bedenken, dass ja pro Spieler voraussichtlich 4 Stapel auf dem Tisch liegen. Da muss der Tisch erstmal groß genug für sein und die Spieler müssen ja auch noch rankommen. Wo die Platz- und Schmerzgrenze liegt, ist IMHO super subjektiv.
Team-Variante: Kann ja mal passieren, dass man soviele Spieler hat, dass sie zwar um den Tisch passen, der Tisch aber zu klein ist für die Menge an Stapeln, wenn jeder ein eigenes Set spielen würde. Da kann man Zweierteams bilden: Der eine durchsucht den Handstapel, der andere ist für die drei offenliegenden Karten und den 10er-Stapel zuständig.

Metadaten

Verlag: Rosengarten Spiele (1988), Schmidt Spiele (2000)
Autor: Michael Michaels
Kategorie: Action-Karten-Loswerd-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen einen Kartenstapel abbauen.
Das Gemeine: Die Spieler spielen gleichzeitig und gleichortig.
Spielablauf: Jeder Spieler hat ein Set von 40 Karten (4 Farben, je Farbe die Zahlen 1-10). Er mischt und legt einen Stapel mit 10 Karten verdeckt vor sich. Diesen muss er im Verlauf des Spiels abbauen. Daneben legt er drei weitere Karten offen vor sich hin.

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Der ewige Krieg

von am 25. April 2014

Der ewige Krieg von Joe HaldemanJoe Haldeman
DER EWIGE KRIEG. Roman.
(The Forever War / 1975 + 1988)
Ü: Birgit Reß-Bohusch
München, Heyne, 2014

Der Vietnamkrieg zeugte außer den vielen Toten und Verstümmelten auch eine neue Generation von Genre-Autoren. Die bisher als relativ homogen nach außen auftretende Schar der Science-Fiction-Schreiber wurde hier erstmals in einer Frage von tiefer moralischer Bedeutung gefordert Stellung zu beziehen – und sofort zerbrach die scheinbare Einheit. Bereits schreibende Autoren bezogen für oder gegen den Krieg Stellung, und man wusste seither als Leser, woran man war.

Bedeutender jedoch war, dass neue Autoren, viele davon mit intensiven persönlichen Erfahrungen, aus Vietnam zurück kamen und die Szene deutlich bereicherten. Der wichtigste Neuzugang war sicherlich Joe Haldeman. Sein relativ schmales Werk wiegt schwer, sein Hauptwerk DER EWIGE KRIEG wurde sofort nach dem Erscheinen zu einem polarisierenden Kristallisationspunkt. Niemand, der dieses Buch gelesen hat, kann davon unbeeindruckt bleiben.

Die Geschichte des Soldaten William Mandella, der vom einfachen Schützen zum Major aufsteigt, der, obwohl erst 30 Jahre alt, doch schon über 1000 Jahre Krieg hinter sich hat (eine Folge der Relativität bei Raumflügen mit hohen Geschwindigkeiten), ist mitreißend geschrieben. Ausbildung, Kampfeinsätze, Heimaturlaub und Beförderungen lässt der Soldat über sich ergehen, seine Heimatwelt wird ihm letztlich so fremd, dass er lieber weiter kämpft, bis er am Ende eine Erde vorfindet, auf der schon lange Frieden mit dem vermeintlichen Feind geschlossen wurde, weil der ganze Konflikt ein Missverständnis war.

Dass das Buch (für William wenigstens) mit einem Happy End schließt, nimmt den vorhergegangenen Schilderungen von Leiden und Sterben an der Front nichts von ihrer eindrucksvollen Kraft. Die bedrückendsten Szenen erlebt man jedoch mit Mandella und seinen Kammeraden, wenn diese nach einigen wenigen Monaten (während derer auf der Erde viele Jahre verstrichen sind) auf ihrem ersten Heimatbesuch sind und eine Welt vorfinden, in die sie einfach nicht mehr passen. Die Artgenossen erscheinen ihnen fremder und bedrohlicher als der Feind.

Die einzelnen Abschnitte des Romans erschienen in den frühen 70er Jahren als selbständige Erzählungen in Science-Fiction-Magazinen und wurden vom Autor einige Jahre später zu der gelungenen und stimmigen Erzählung zusammengefasst, die seither als DER EWIGE KRIEG zu den modernen Klassikern der Science Fiction gehört.

Horst Illmer

Joe Haldeman
DER EWIGE KRIEG. Roman.
(The Forever War / 1975 + 1988)
Ü: Birgit Reß-Bohusch
München, Heyne, 2014

Der Vietnamkrieg zeugte außer den vielen Toten und Verstümmelten auch eine neue Generation von Genre-Autoren. Die bisher als relativ homogen nach außen auftretende Schar der Science-Fiction-Schreiber wurde hier erstmals in einer Frage von tiefer moralischer Bedeutung gefordert Stellung zu beziehen – und sofort zerbrach die scheinbare Einheit. Bereits schreibende Autoren bezogen für oder gegen den Krieg Stellung,

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Metro 2033/2034

von am 23. April 2014

Metro 2033 Metro 2034 von Dmitry GlukhovskyDmitry Glukhovsky
Metro 2033. Roman.
Aus dem Russischen von David Drevs.
(Metro 2033 / 2007)
München, Heyne, 2014

Anno 2033, fünfundzwanzig Jahre nach einem großen, alles vernichtenden Atomkrieg, haben sich die letzten Überlebenden in den unterirdischen Stationen der Moskauer Metro mehr schlecht als recht eingerichtet.

Die etwa 40.000 Menschen sind in eine Vielzahl von kleinen Gruppen und Gemeinden zerfallen, leben ohne Elektrizität überwiegend in Düsternis, betrachten ihren jeweiligen U-Bahnhof als »Heimat« und fürchten sich vor fast allem: ihren Nachbarn, den Mutanten, den Ratten – und am Meisten vor den Schrecken der Oberfläche. Nur ganz wenige, »Stalker« genannte Söldner und Abenteurer, wagen sich hin und wieder hinauf ins verstrahlte und größtenteils zerstörte Moskau.

Der neunzehnjährige Artjom lebt mit seinem Ziehvater und einigen Dutzend Familien in einer Station, die am nördlichen Rand des alten Metronetzes liegt und jetzt das letzte Bollwerk bildet, gegen eine neue, schreckliche Gefahr. Seit einigen Monaten versuchen mutierte Lebewesen, genannt »Die Schwarzen«, über die oberirdischen Zugänge in die Metro zu gelangen. Artjom wird von Hunter, einem der Stalker, mit einem Geheimauftrag losgeschickt. Er soll die Nachricht von den »Schwarzen« in die Polis bringen, jenen Zusammenschluss aus vier zentralen Metrostationen, die das Herz und das Hirn der Metro-»Zivilisation« bilden.

Doch eine Reise durch die Schächte, Tunnel und Bahnhöfe ist selbst für die erfahrensten Händler und Soldaten gefährlich – für den völlig unerfahrenen Artjom stehen die Chance, sein Ziel zu erreichen, denkbar schlecht. Trotzdem macht er sich, ausgestattet mit einem naiven Optimismus und seinem russischen Dickschädel, auf den Weg.  Dabei findet er auf seiner abenteuerlichen und an Umwegen reichen Wanderung durch die Finsternis immer wieder unterwartete Unterstützung und Hilfe, sodass er Hunters Auftrag schließlich erledigen kann.

Da in der Polis jedoch ein Machtkampf zwischen den Politkern und den Militärs entbrannt ist, kann man sich nicht darauf einigen, die Gefahr ernst zu nehmen. Schließlich bleibt Artjom nichts anderes übrig, als mit einer Handvoll Gefährten selbst gegen den übermächtig scheinenden Feind anzutreten …

METRO 2033 ist ein spannender, geradlinig erzählter Abenteuerroman, der Motive der Queste mit denen der Katastrophenerzählung vereint und so eine sehr gut lesbare Mischung erzeugt, deren Sogwirkung schon auf der ersten Seite einsetzt – und auch beim überraschenden Schlusskapitel immer noch anhält. Dmitry Glukhovsky erweist sich als großartiger Erzähler, die Übersetzung von David Drevs ist gelungen und die angefügten Anmerkungen (unterstützt durch zwei Übersichtspläne der Metro) erläutern einige russische Besonderheiten, sodass auch für westliche Leser keine Fragen offen bleiben.

Ein empfehlenswerter Schmöker, nicht nur für lange, dunkle Winterabende.

Horst Illmer

Dmitry Glukhovsky
Metro 2033. Roman.
Aus dem Russischen von David Drevs.
(Metro 2033 / 2007)
München, Heyne, 2014

Anno 2033, fünfundzwanzig Jahre nach einem großen, alles vernichtenden Atomkrieg, haben sich die letzten Überlebenden in den unterirdischen Stationen der Moskauer Metro mehr schlecht als recht eingerichtet.

Die etwa 40.000 Menschen sind in eine Vielzahl von kleinen Gruppen und Gemeinden zerfallen, leben ohne Elektrizität überwiegend in Düsternis, betrachten ihren jeweiligen U-Bahnhof als »Heimat« und fürchten sich vor fast allem: ihren Nachbarn,

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Die linke Hand der Dunkelheit

von am 22. April 2014

Die linke Hand der Dunkelheit von Ursula K Le GuinUrsula K. Le Guin
DIE LINKE HAND DER DUNKELHEIT. Roman.
(The Left Hand of Darkness / 1969)
Ü: Gisela Stege
München, Heyne, 2014

Mit ihrem Roman über den ersten Kontakt zwischen Unterhändlern der Hainish-Ökumene und den Bewohnern des Planeten Gethen gelingt es Ursula K. Le Guin, auf so vielfältige Art und Weise den Leser zu erreichen, dass man gar nicht weiß, womit man beginnen soll. Das einfache Nacherzählen der Hand­lung wird dem Buch ebenso wenig gerecht, wie eine tiefenpsychologische Studie über die Probleme zwischen sexuell eindeutig definierten Menschen und einem Planeten voll mit Neutren, die für ein paar Tage im Jahr eine jeweils wechselnde Sexualrolle übernehmen.
Die Beschreibung der Freundschaft zwischen dem Botschafter/Kontakter Ai und dem Ex-Lordkanzler Estreven bildet zwar das Rückgrat der Geschichte, geht aber über eine simple Liebesgeschichte weit hinaus und führt den Betrachter weiter zu Erkenntnissen über eigene Vorurteile und Präferenzen, die sich durchgängig als nicht anwendbar erweisen. Dabei strahlt aus dem Buch eine unglaubliche Ruhe und Schönheit ebenso wie ein wundervoller Humor, der niemals verletzend ist.

DIE LINKE HAND DER DUNKELHEIT ist eines der Bücher, das Menschen bezaubert und verwandelt – ein Streicheln der Seele, das so selten ist und das wir doch so sehr brauchen.

Horst Illmer

Ursula K. Le Guin
DIE LINKE HAND DER DUNKELHEIT. Roman.
(The Left Hand of Darkness / 1969)
Ü: Gisela Stege
München, Heyne, 2014

Mit ihrem Roman über den ersten Kontakt zwischen Unterhändlern der Hainish-Ökumene und den Bewohnern des Planeten Gethen gelingt es Ursula K. Le Guin, auf so vielfältige Art und Weise den Leser zu erreichen, dass man gar nicht weiß, womit man beginnen soll. Das einfache Nacherzählen der Hand­lung wird dem Buch ebenso wenig gerecht,

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Heyne-50-Jahre-SF-Edition

von am 19. April 2014 1 Kommentar

50Heyne hat soeben eine kleine Reihe ausgewählter Science Fiction Bände zum 50 jährigen Jubiläum der SF im Heyne Verlag publiziert. Definitiv gute Titel – über die letztendliche Auswahl kann man immer streiten. Aus jedem Jahrzehnt ein herausragender Band. Aus jedem Jahrzehnt ein herausragender Autor.

Ein guter Zeitpunkt unsererseits eine neue Rubrik und einen neuen Autoren auf unserer Seite einzuführen. Horst Illmer ist seit Anfang an Kunde bei uns im Laden – und schon lange zuvor ein Weggefährte meines Vaters. Horst ist einer der  Würzburger Science Fiction Aktivisten der ersten Stunde. Urgestein und guter Geist. Quell von Wissen und – nach wie vor Sammler, Autor, Redakteur und Übersetzer. Natürlich freuen wir uns ganz besonders, dass Horst jetzt auch angeboten hat Artikel für unsere Seite zur Verfügung zu stellen und/oder zu schreiben. Und das trotz seiner unzähligen anderen Verpflichtungen und Arbeiten in der deutschen Phantastik Szene.

Unter der Rubrik "Horsts Bibliothek" werden euch seine Artikel in Zukunft im Autorenbereich und/oder auf der Hauptseite zur Verfügung stehen. Ich freue mich persönlich auf seine Texte, da Horst nicht nur eine unfassbar vollständige Sammlung phantastischer Erstausgaben besitzt, sondern auch über ein fundiertes Wissen im phantastischen Spektrum verfügt. Ihr könnt auf seine Artikel gespannt sein…

verlorene-paradieseKoinzidenz! Fast zeitgleich mit der Heyne SF Jubiläumsreihe ist eine deutsche Erstveröffentlichung erschienen, aus der Feder einer der Auserwählten, der "Besten der Besten", die jeweils für ein Jahrzehnt stehen dürfen: Ursula K. Le Guin. Der Roman ist mit ca 120 Seiten eher kurz, fast eine Novelle. Dennoch ist "Verlorene Paradiese" ein echtes Juwel und es wäre mehr als schade gewesen, wenn dieses Juwel uns verloren gegangen wäre. Die Geschichte ist in all ihrer Kürze genial und eindringlich. Die vorliegende Übersetzung von Horst Illmer ist trefflich gelungen. Das Buch ist im Atlantis Verlag erschienen und für 10,90€ zu erwerben.

Heyne hat soeben eine kleine Reihe ausgewählter Science Fiction Bände zum 50 jährigen Jubiläum der SF im Heyne Verlag publiziert. Definitiv gute Titel – über die letztendliche Auswahl kann man immer streiten. Aus jedem Jahrzehnt ein herausragender Band. Aus jedem Jahrzehnt ein herausragender Autor.

Ein guter Zeitpunkt unsererseits eine neue Rubrik und einen neuen Autoren auf unserer Seite einzuführen. Horst Illmer ist seit Anfang an Kunde bei uns im Laden – und schon lange zuvor ein Weggefährte meines Vaters.

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Die vergessene Stadt

von am 20. Februar 2014

Die vergessene Stadt (Schmidt Spiele 2013)Metadaten

Verlag: Schmidt Spiele (2013)
Autor: Matt Leacock
Kategorie: Survival-Kooperationsspiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen ein Fluggerät und vier dazu gehörende Teile finden, um aus der Wüste zu entkommen.
Das Gemeine: Ein immer stärker werdender Sandsturm verschüttet und verschiebt ständig die Spielfelder. Die Spieler haben nur gewonnen, wenn sie Fluggerät und Teile gefunden haben. “Das Spiel” dagegen hat mehrere Möglichkeiten, um zu “gewinnen”.
Spielablauf: Wie schon bei Pandemie agieren Spiel und Spieler abwechselnd. Nach jedem Zug eines Spielers kommt das Spiel dran und bringt neue Schwierigkeiten. Anders als bei Pandemie besteht das Spielbrett aus einzelnen zufällig gelegten Wüstenplättchen. Die Spieler müssen diese erst betreten und umdrehen, um das Fluggerät, die Einzelteile, hilfreiche Gegenstände und Wasserstellen zu finden. Betreten und umdrehen kann man die Plättchen aber nur, wenn sie noch nicht vom Sand zugeschüttet sind. Das geschieht eben durch den Sandsturm, der sich nach dem Zug jedes Spielers bewegt. Dabei verschüttet er nicht nur die Plättchen, er verschiebt sie auch mit allem, was sich darauf befindet. Und schon befindet man sich an einem ganz anderen Ort und knietief im Sand, aus dem man sich erstmal wieder freibuddeln muss. Und wenn der Sandsturm mal Frieden gibt, brennt die Sonne – und der Inhalt der Feldflasche geht schneller zur Neige, als einem lieb sein kann. Zum Glück hat jeder Spieler eine Rolle mit besonderen Fähigkeiten, die man auch intensiv nutzen sollte.
Spielende: Sobald die Spieler alle vier Teile der Fluggeräts aufgesammelt haben und zusammen auf der Start-/Landeplattform des Fluggeräts stehen, haben die Spieler gewonnen. Verloren haben sie, wenn ein Spieler verdurstet oder wenn alle Sandplättchen im Spiel sind (die Stadt also ganz gewaltig zugeschüttet ist) oder wenn der Sturm zu stark wird.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Der Reiz: Kooperation, Kooperation, Kooperation! Man sollte immer gemeinsam überlegen und entscheiden, was zu tun ist. Alleingänge führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern. Bei Erfolg dagegen ist es schon ein tolles Gefühl, der Wüste gemeinsam entkommen zu sein.
Vergleich zu Pandemie: Wer mit der Seuchenthematik nicht so viel anfangen kann, hat hier ein schönes eingängiges Abenteuer-Szenario. Das in jedem Spiel variierende Spielfeld bringt Abwechslung und das Verdurstungselement einen neuen Aspekt, der die Bedrohung greifbarer macht. Was Storytelling angeht ist IMHO nicht ganz nachvollziehbar, wieso ganze Gebäude, Tunnel etc. von einem Sturm verschoben werden, aber das tut dem Spielspaß nicht ernsthaft Abbruch.
Ausstattung: Die ist schon recht stattlich für den relativ niedrigen Preis um die 20 € (Stand Februar 2014). Fluggerät und Einzelteile kommen als zusammensteckbare Miniaturen, die Helden sind echte rollenindividuelle Figuren (die man allerdings etwas sorgfältig behandeln sollte) und sogar für die Skala der Sturmstärke hat man einen stylischen Standfuß.

Metadaten

Verlag: Schmidt Spiele (2013)
Autor: Matt Leacock
Kategorie: Survival-Kooperationsspiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen ein Fluggerät und vier dazu gehörende Teile finden, um aus der Wüste zu entkommen.
Das Gemeine: Ein immer stärker werdender Sandsturm verschüttet und verschiebt ständig die Spielfelder. Die Spieler haben nur gewonnen, wenn sie Fluggerät und Teile gefunden haben. “Das Spiel” dagegen hat mehrere Möglichkeiten, um zu “gewinnen”.
Spielablauf: Wie schon bei Pandemie agieren Spiel und Spieler abwechselnd.

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Bohnanza

von am 13. Februar 2014

Bohnanza (Amigo 1997)Metadaten

Verlag: Amigo Spiele (1997)
Autor: Uwe Rosenberg
Kategorie: Karten-Handels-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Unglaublich viel Geld machen! Mit Bohnen!
Das Gemeine: Man darf die Reihenfolge der Karten auf der Hand nicht verändern.
Spielablauf: Zu Spielbeginn bekommt jeder Spieler fünf Karten auf die Hand. Jede Karte stellt eine Bohne einer bestimmten Bohnensorte dar. Anfangs hat jeder Spieler zwei Bohnenfelder, auf denen stets nur Bohnen einer Bohnensorte angebaut werden können. Will man die Sorte wechseln, muss man das Feld auflösen, egal wieviele Bohnen einer Sorte aktuell angebaut sind. Wird ein Feld aufgelöst, so wird geprüft, wie viele Bohnentaler das Feld zu diesem Zeitpunkt wert war und entsprechend viele Bohnentaler erhält der Spieler. Der Wert des Feldes ergibt sich aus der Art und der Menge der angebauten Bohnen – prinzipiell gilt immer: Je mehr Bohnen, desto besser. Der Zug eines Spielers besteht aus vier Phasen: Ausspielen, Handeln, Anbauen, Nachziehen.
Ausspielen: Man muss die vorderste Handkarte ausspielen. Diese Bohne wird sofort auf einem eigenen Feld angebaut. Hat man bereits Bohnen derselben Sorte liegen oder ist ein Feld frei, so kann man sie direkt dort anlegen. Sind allerdings beide Felder besetzt, so muss abgebaut werden – gnadenlos, auch wenn’s noch kein Geld bringt. Damit das Feld Geld bringt, muss zunächst je nach Sorte eine bestimmte Anzahl von Bohnen angebaut sein. Eine einzelne angebaute Bohne allein bringt niemals Gewinn. Seltene Bohnensorten werfen schon mit zwei Bohnen einen kleinen Gewinn ab, Massensorten brauchen schon mal vier Bohnen um den Minimalgewinn zu bringen. Man sollte also stets versuchen, am Anfang des eigenen Zuges eine passende Bohnenkarte an vorderster Stelle stecken zu haben. Wenn’s passt, kann man in dieser Phase auch noch eine zweite, die folgende, Handkarte spielen. Da man ja die Reihenfolge der Karten nicht verändern darf, geht das nur durch Interaktion mit den Mitspielern, und zwar in der folgenden Phase:
Handeln: Man muss zwei Karten vom Nachziehstapel aufdecken. Diese beiden Bohnen kann man behalten oder den Mitspielern zum Tausch gegen andere Bohnen anbieten. Diese Karten bekommt man niemals auf die Hand, d.h. wenn sie nicht zur aktuellen oder geplanten Feldbebauung passen, sollte man versuchen, sie möglichst sinnvoll an die Mitspieler zu verhandeln bzw. loszuwerden. Man kann in dieser Phase neben den beiden aufgedeckten Bohnen auch eigenen Handkarten anbieten. Gehandelt wird seitens der Mitspieler nur mit Handkarten. Bohnen können also weder vom Feld verhandelt noch mit Geld gekauft werden. Es wird nur mit dem Spieler gehandelt, der an der Reihe ist. Eine Bohne kann je Zug nur einmal verhandelt werden, Dreiecksgeschäfte sind also verboten. Neben dem Erfeilschen von passenden Bohnen für die Felder sollte jeder Spieler in dieser Phase versuchen, die unpassenden Karten in seiner Hand loszuwerden – möglichst ohne sich das anmerken zu lassen, da das leicht den Preis drücken kann 🙂 Wenn alles nicht hilft, können unpassende Karten auch verschenkt werden, auch wieder nur durch oder an den Spieler, der gerade an der Reihe ist. Der bedachte Spieler braucht das Geschenk allerdings nicht anzunehmen und kann den Schenkenden "drauf sitzenlassen".
Anbauen: Die erhandelten oder geschenkten Karten werden niemals auf die Hand genommen. Das gilt für alle Spieler. Sie müssen sofort auf den jeweiligen Feldern angebaut werden. Auch hier gilt, wie beim Ausspielen, dass im schlimmsten Fall ein Feld gnadenlos aufgelöst werden muss. Wird ein Feld aufgelöst und bringt Taler ein, so dreht der jeweilige Spieler eine entsprechende Anzahl an Bohnenkarten von diesem Feld um (die Rückseite stellt einen Bohnentaler dar) und legt sie zu seinem Geldstapel. Sie sind als Bohnen aus dem Spiel. Die übrigen Bohnenkarten kommen auf den Ablagestapel.
Nachziehen: Zuletzt zieht der Spieler drei Karten nach und steckt sie ohne die Reihenfolge zu verändern hinter seine Handkarten. Sind keine Karten zum Nachziehen mehr verfügbar, so wird der Ablagestapel gemischt und zum neuen Nachziehstapel.
Spielende: Sobald der Nachziehstapel zum dritten Mal durchgespielt ist, endet das Spiel. Ist das in der Phase Handeln der Fall, so wird diese und die Phase Anbauen noch beendet und das Spiel endet dann. Jeder Spieler kann jetzt noch Bohnenfelder auflösen und die Gewinne einstreichen, dann werden die Bohnentaler gezählt. Der Spieler mit den meisten Talern hat gewonnen.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Handelsversprechen u.ä.: Das Spiel lebt von der Interaktion und der Handelsbereitschaft der Spieler. Nicht ungewöhnlich sind daher Vereinbarungen der Art: "O.k. ich geb Dir jetzt die Augenbohne für nur eine Blaue Bohne. Aber wenn Du in Deiner Handelsphase eine Saubohne aufdeckst, krieg ich die." Natürlich muss man sich nicht dran halten, riskiert damit aber, als unzuverlässiger Handelspartner eingestuft zu werden und darf dann schauen, ob man noch Handelspartner findet.
Erweiterungen: Mittlerweile ist eine stattliche Anzahl an Erweiterungen erschienen, teils als Ergänzungen zum Grundspiel, teils als eigenständige Spiele mit eigenem Prinzip, jedoch immer dem Bohnengedanken treu.
Spieleranzahl: Leider geht das Grundspiel nur von 3 bis 5 Spieler. Es gibt aber ein einfaches Erweiterungsset, das das Spielen mit bis zu 7 Spieler möglich macht.
Auszeichnung: Das Spiel war 1997 in der Auswahlliste für das Spiel des Jahres – beachtlich für ein recht günstiges Kartenspiel.

Metadaten

Verlag: Amigo Spiele (1997)
Autor: Uwe Rosenberg
Kategorie: Karten-Handels-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Unglaublich viel Geld machen! Mit Bohnen!
Das Gemeine: Man darf die Reihenfolge der Karten auf der Hand nicht verändern.
Spielablauf: Zu Spielbeginn bekommt jeder Spieler fünf Karten auf die Hand. Jede Karte stellt eine Bohne einer bestimmten Bohnensorte dar. Anfangs hat jeder Spieler zwei Bohnenfelder, auf denen stets nur Bohnen einer Bohnensorte angebaut werden können. Will man die Sorte wechseln, muss man das Feld auflösen,

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Anno Domini

von am 30. November 2013

Anno Domini (Abacusspiele 1998)

Metadaten

Verlag: Abacusspiele (1998), Fata Morgana (1998)
Autoren: Urs Hostettler
Kategorie: Bluff-Karten-Loswerd-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Man muss seine Karten loswerden, indem man sie in eine schon liegende chronologisch geordnete Kartenreihe einbindet.
Das Gemeine: Auf der sichtbaren Seite der Karten steht nur ein Ereignis, die dazu gehörende Jahreszahl auf der Rückseite kennt nicht mal der Spieler, der die Karten einordnen muss. Er übernimmt aber die Garantie für die Richtigkeit der gesamten schon liegenden Reihe.
Spielablauf: Jeder Spieler bekommt neun Karten. Diese legt er vor sich, ohne die Rückseite angeschaut zu haben. Eine weitere Karte vom Stapel wird auf den Tisch gelegt, und die Spieler einigen sich, in welche Richtung Vergangenheit und Zukunft gelegt wird. Der erste Spieler wählt nun eine seiner Karten und legt sie (seiner Meinung nach) chronologisch passend vor oder hinter die schon ausliegende Startkarte. Der nächste Spieler kann sich überlegen, ob er die Reihenfolge akzeptiert oder anzweifelt. Wenn er die Reihenfolge akzeptiert, legt er eine seiner Karten an die (seiner Meinung nach) chronologisch passende Stelle an oder in der Reihe. Die Reihenfolge der schon liegenden Karten muss er dabei beibehalten. Nun kann der nächste Spieler die Reihenfolge akzeptieren oder anzweifeln, und so fort. Wenn einer der Spieler die Reihenfolge anzweifelt, so werden die Karten der Reihe umgedreht und die Jahreszahlen auf der Rückseite verglichen. War die Reihenfolge nicht richtig, so muss der vorangegangene Spieler drei Strafkarten ziehen. Dabei ist irrelevant, ob die von ihm gelegte Karte falsch war oder die Reihe an irgendeiner anderen Stelle nicht gepasst hat – er hat mit dem Akzeptieren die Richtigkeit der gesamten Reihe garantiert. Die aufgedeckten Karten werden weggelegt, der anzweifelnde Spieler beginnt eine neue Reihe, indem er eine neue Startkarte und eine seiner Karten (seiner Meinung nach) passend dazulegt, und weiter geht’s. War die Reihenfolge aber richtig, so muss der anzweifelnde Spieler zwei Strafkarten ziehen und sein Zug ist beendet. Die aufgedeckten Karten werden weggelegt und der nächste Spieler beginnt eine neue Reihe.
Spielende: Sobald ein Spieler seine letzte Karte legt, wird die Reihe auch unangezweifelt aufgedeckt und geprüft. Ist die Reihenfolge nicht richtig, muss er die genannten drei Strafkarten ziehen und weiter geht’s mit dem nächsten Spieler und einer neuen Reihe. Ist die Reihenfolge richtig, endet das Spiel sofort.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Bluff: Vielleicht kennt man das eine oder andere Ereignis und weiß daher genau, wo es zeitlich einzuordnen ist. Das Üblichere ist aber, dass man es höchstens grob einschätzen kann (und dann auch oft voll daneben liegt). Jetzt kommt das Bluff-Element, denn natürlich muss man den nachfolgenden Spieler davon überzeugen, dass man absolut sicher ist, was die Richtigkeit der Reihenfolge angeht. Wäre ja schlecht, wenn er anzweifelt und die erste Bratwurstbude eben nicht schon vor Cäsars Tod errichtet wurde…
ThemenSets: Ich weiß nicht genau, wieviele Sets es aktuell gibt, aber es sind sicher schon weit über 20. Wenn man diese munter mischt, hat man auch trotz FußballEdition gegen das wandelnde FußballLexikon eine Chance. Da ist dann für jeden was dabei.
Storyline: Besonders witzig wird’s, wenn man die Ereignisse der Reihe in einen "vollkommen logischen Zusammenhang" bringt, um die Richtigkeit zu untermauern: Natürlich mussten erstmals die ersten Spielregeln schriftlich niedergelegt worden sein, damit Columbus im ersten Friseurladen Spaniens beim Blättern in der ersten Sportzeitschrift auf die Idee kommen konnte, Amerika zu entdecken, um eben den Wilden dort das erste nachgewiesene Ballspiel nahezubringen – und sei es unter Einsatz von Dynamit oder später Poloshirts mit Original-Heino-Autogramm.

Metadaten

Verlag: Abacusspiele (1998), Fata Morgana (1998)
Autoren: Urs Hostettler
Kategorie: Bluff-Karten-Loswerd-Spiel

Das Spiel

Spielziel: Man muss seine Karten loswerden, indem man sie in eine schon liegende chronologisch geordnete Kartenreihe einbindet.
Das Gemeine: Auf der sichtbaren Seite der Karten steht nur ein Ereignis, die dazu gehörende Jahreszahl auf der Rückseite kennt nicht mal der Spieler, der die Karten einordnen muss. Er übernimmt aber die Garantie für die Richtigkeit der gesamten schon liegenden Reihe.

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Hanabi

von am 19. November 2013 1 Kommentar

Hanabi (Abacusspiele 2012)Metadaten

Verlag: Abacusspiele (2012)
Autoren: Antoine Bauza
Kategorie: Kooperatives Kartenspiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen gemeinsam ein Feuerwerk erstellen, das Zuschauer und Götter gleichermaßen erfreut.
Das Gemeine: Man kennt seine Karten nicht und kann nur durch Hinweise der Mitspieler erfahren, welche Karte man ausspielen oder ablegen sollte.
Spielablauf: Jeder Spieler bekommt eine spielerabhängige Anzahl von Karten. Diese nimmt man auf die Hand, aber so, dass die Vorderseiten den Mitspielern zugedreht sind und man selbst nur die Rückseiten sieht. In seinem Zug kann man entweder eine Karte ausspielen, einem Mitspieler einen Hinweis geben oder eine Karte abwerfen.
Karte ausspielen: Es gibt fünf Farben und je 10 Karten pro Farbe mit den Zahlenwerten 1 bis 5. Für jede Farbe darf auf dem Tisch nur eine Farbreihe existieren. Wenn man eine Karte ausspielt, so muss sie daher entweder eine noch nicht vertretene Farbreihe beginnen oder in eine Farbreihe der schon liegenden Karten passen. Liegt also z.B. eine rote 1, so kann keine weitere rote 1, wohl aber die farblich passende rote 2 gespielt werden. Liegt man falsch und spielt eine unpassende Karte, so zürnen die Götter und schicken einen Blitz, symbolisiert durch einen Blitzmarker. Drei Blitze, sprich Fehler, kann man sich leisten, dann sind die Götter so sauer, dass man das Feuerwerk lieber abbricht. Um möglichst keinen Fehler zu machen, bekommt man Hinweise der Mitspieler. Aus diesen muss man schließen, welche Karte man wo auf der Hand hat bzw. welche Karte man am besten wie verwenden sollte.
Hinweis geben: Der Hinweis kann entweder Zahl oder Farbe betreffen und muss sich auf ALLE Karten beziehen, die das jeweilige Kriterium erfüllen. Hat der Mitspieler also drei 2er auf der Hand, davon 2 grüne und 1 gelbe, so kann man einen Hinweis geben, dass diese *zeig*, diese *zeig* und diese *zeig* Karte eine 2 ist. Oder man kann den Hinweis geben, dass diese *zeig* und diese *zeig* Karte grün ist. Der Mitspieler kann daraus hoffentlich ersehen, was er am besten macht. Leider gibt es auch nicht die unbeschränkte Möglichkeit, Hinweise zu geben. Es gibt 8 Hinweisplättchen. Mit jedem Hinweis wird ein Blättchen umgedreht. Sind alle umgedreht, kann man eben keine Hinweise mehr geben. Um Hinweisplättchen wiederaufzufrischen gibt es zwei Möglichkeiten: Die Spieler haben gemeinsam eine Farbreihe bis zur 5 vervollständigt oder ein Spieler wirft eine Karte ab.
Karte abwerfen: Mit jeder abgeworfenen Karte wird ein Hinweisplättchen wieder zurückgedreht und steht nun wieder zur Verfügung. Die Karte allerdings ist verloren. Man sollte also sehr genau aufpassen, welche Karten man abwirft.
Spielende: Mit dem dritten Blitz, also wenn die Spieler drei Fehler gemacht haben, ist das Spiel verloren. Sind keine Karten mehr verfügbar, so wird noch eine Runde gespielt, danach ist das Spiel beendet und das Feuerwerk wird ausgewertet. Sind bereits vorher alle Farbreihen vollständig, so ist die höchstmögliche Punktezahl erreicht und die Spieler können sich der Gunst der Götter und Zuschauer sicher sein.

Beachtens- und Bemerkenswertes:

Taktik: Neben den Hinweisen kann man mit weiteren Metainfos arbeiten, die einem das Spiel erleichtern. So ist es für die Mitspieler hilfreich, zu wissen, welche Karte man als nächstes abwerfen wird, wenn man keinen dagegensprechenden Hinweis erhält. So kann eine Kartenspielrichtung vereinbart werden. Auch ist es für die Mitspieler hilfreich, zu wissen, welche Karten man kennt bzw. zu kennen glaubt. Eine Kartensteckkonvention hilft hier weiter. Außerdem kann es ungemein helfen, zu wissen, welche Karten noch im Spiel sind. Hierzu ist es offiziell erlaubt, die Karten auf dem Ablagestapel zu überprüfen.
Verschärfung: Wenn man’s gerne ne Spur härter hat gibt es noch eine weitere Farbreihe, die bunte Reihe. Mit dieser kann auf zwei Arten gespielt werden. Erstens kann man sie einfach als weitere eigene Farbe einsetzen. Zweitens kann man sie als "alle Farben" behandeln. Das bedeutet, dass sie zwar eine eigene Farbreihe ist und als solche auch ausgelegt werden muss. Wenn allerdings Farbhinweise gegeben werden, zählen die bunten immer auch als die genannte Farbe. Diese zweite Variante ist natürlich die schwierigere.
Auszeichnung: Hanabi ist Spiel des Jahres 2013 – besonders erwähnenswert, da dies AFAIK das erste Mal ist, dass ein recht günstiges Kartenspiel diesen Preis auch bekam und nicht nur in der Auswahlliste landete wie Bohnanza.

Metadaten

Verlag: Abacusspiele (2012)
Autoren: Antoine Bauza
Kategorie: Kooperatives Kartenspiel

Das Spiel

Spielziel: Die Spieler müssen gemeinsam ein Feuerwerk erstellen, das Zuschauer und Götter gleichermaßen erfreut.
Das Gemeine: Man kennt seine Karten nicht und kann nur durch Hinweise der Mitspieler erfahren, welche Karte man ausspielen oder ablegen sollte.
Spielablauf: Jeder Spieler bekommt eine spielerabhängige Anzahl von Karten. Diese nimmt man auf die Hand, aber so, dass die Vorderseiten den Mitspielern zugedreht sind und man selbst nur die Rückseiten sieht.

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