dt. Comics

Empfehlungen für Freunde der bebilderten Erzählung

8. Dezember 2011

Es ist wieder viel neuer Lesestoff erschienen – auch für die Anhänger der gehobenen bebilderten Erzählung. Manches geht da oft leider unter. Im Folgenden stelle ich neue und neuere Titel vor, die alle Aufmerksamkeit verdient haben.

Ein absolutes Muss für Freunde der anspruchsvollen bebilderten Erzählung ist der Nietzsche-Comic. Es handelt sich dabei um ein sagenhaftes Comic-Portrait über den deutschen Jahrhundert-Philisophen. Es ist kein “Nietzsche für Dumme” und auch kein Ersatz für die Lektüre seiner Werke. Vielmehr ist es ein episodenhafter Streifzug durch sein bewegtes Leben. Die Bilder wirken düster und ausdrucksstark. Eine spannende Einführung, die Lust auf Nietzsches Philosophie macht!

Ein weiteres Muss ist Art Spiegelmans neues Meisterwerk “Im Schatten keiner Türme”. Darin verarbeitet der Pulitzerpreisträger nicht nur auf bissig-reflexive Weise die Ereignisse von 9/11, sondern liefert auch noch eine wundervolle Hommage an die Klassiker des Zeitungscomicstrips ab. Einzelschicksal trifft auf Zeitgeschichte, Satire auf Trauma, Undergroundcomix auf Krazy Kat, Yellow Kid und Kin-der-Kids. Das Buch erscheint als wuchtiger Pappband, der allein durch seine Form schon an die Twin Towers gemahnt!

Ben Katchor ist der Lieblingscartoonist von Seth (“Wimbledon Green”). Wer von Katchors bisher einziger deutscher Albumveröffentlichung “Der Jude von New York” (brillant-bissige Satire!) begeistert war, dem sei auch das bisher nur auf Englischvorliegende “The Cardcoard Valise” empfohlen. In zusammenhängenden Episoden glänzt Katchor durch seine wortgewaltige Sprache, bissigen Sozialkritik und lakonischen Humor. Sein Stil erinnert etwas an Schriftsteller wie Thomas Pynchon oder David Foster Wallace. Geheimtipp! (Ansonsten gibt es von ihm auch noch einen Comicbetrag für “Plague 01″ auf Deutsch, der noch 2011 in zweiter Auflage erscheinen soll.)

Zum 40. Todestag von Jim Morrison ist ein kraftvolles Comicporträt erschienen. In ausdrucksstarken und realistischen S/W-Bildern und einer komplexen Erzählung liefern Frédéric Bertocchini und Jef eine zugängliche Biographie über eine rätselhafte wie charismatische Musikerlegende. “Der Poet des Chaos” – “Der König der Eidechsen” – Schamane – Alkoholiker – Mystiker – Rockstar – Doors-Frontmann: Morrsion hat viele Gesichter. Die düsteren und wilden Züge sind ohne Faktenflut in der hypnotischen Biographie enthalten.

Der Italiener Igort meldet sich wieder zurück! Diesmal mit einer ergreifenden und fesselnden Comic-Reportage: “Berichte aus der Ukraine [Erinnerungen an die Zeit der UdSSR]“. Mit wechselnden Stilen (skizzenhaft-schwarzweiß und koloriert-reduziert) hat Igort die Geschichte der Ukraine illustriert. Die persönlichen Schilderungen seiner Bekanntschaften sind gleichermaßen Zeugnisse eines Genozids aus der Ära Stalins wie tragische Schicksalserlebnisse. Das üppig erscheinende Buch lässt sich dank eines großzügigen Letterings schnell lesen und entpuppt sich trotz oder wegen der Thematik als wahrer Pageturner. Igort bezieht auch Fakten mit ein, aber lässt diese nicht die Einzelschicksale “erschlagen”. Ein absolutes Highlight für Freunde des “Edutainments”!

Und zuletzt noch ein Schmankerl für selbsternannte Literaten und leidenschaftliche Liebhaber der Satire und/oder Karikatur. Martin Rowson hat Laurence Sternes Anti-Roman “Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman” als Graphic Novel adaptiert. Die fiktive Autobiographie über den Titelhelden gelangt in der irrwitzigen Vorlage trotz fast 1000 Seiten kaum über dessen Geburt hinaus! Der absurde Ideenroman schweift ab, assoziiert und erweist sich in allererster Linie als Angriff auf die Lachmuskeln! Als Cartoonist hat Rowson einen hang zur Karikatur, die schwarzweißen Zeichnungen erinnern an den frühen Zeitungsstrip, manche detailverliebte Hintergrunddarstellungen auch an die Kunst des Kupferstichs. Spitze Feder und Fabulierfreude treffen hier unvergleichlich schwarzhumorig und einfallsreich aufeinander. In Halbleinen gebunden und mit Lesebändchen versehen auch ein Muss für den bibliophilen Leser.

 

 

Der Alltägliche Kampf – Tipp von Chainsaw

1. Dezember 2011

Wie geht man an ein Comic heran, dem man hoffnungslos verfallen ist und es bereits nach 5 Tagen zum 2ten mal komplett gelesen hat? Das man ungefragt jedem im Umfeld aufs Auge drückt und ihn quasi zum Lesen nötigt. Reine Lobhudelei oder peinliches Geschleime kann dabei herauskommen. Eine ordentliche Zusammenfassung eher nicht. Aber brauchen wir sowas denn überhaupt? Eine brave Inhaltsangabe in verständlichem Schuldeutsch? Jubelschreie und Enthusiasmus sind mir eigentlich lieber. Wenn Jan Wigger auf Spiegel Online Musik bespricht, dann tut er das zuvorderst als Musikbegeisterter und als Hüter des guten, seines guten Geschmacks. Damit eckt er an und provoziert und erhält die Aufmerksamkeit, die er sich für dieses Stück Kunst wünscht. Auseinandersetzung ist ihm wichtig, Beschäftigung, nicht die reine Zustimmung/Ablehnung.
Daher: “Der alltägliche Kampf” ist das beste Comic was ich seit Jahren gelesen habe. Es berührt, geht unter die Haut, regt an, stimmt traurig, nachdenklich und fröhlich. Es ist zum lachen, zum weinen und zum laut: JAAAAA! schreien.
Die Figuren schauen zunächst aus, als wären sie aus einem Walter Moers Comic gepurzelt, bekommen aber, weil ihnen das “wirkliche Leben” widerfährt vielleicht genau deshalb die nötige Tiefe und wirken umso realer.
Mehr an Inhalt braucht es nicht, infiziert euch selbst damit.
Nur die Zeit, die würde ich gerne etwas zurückdrehen, um dieses (Achtung jetzt kommt das peinliche Geschleime & das reine Lobgehudele) hammermäßig, großartige, anbetungswürdige Meisterwerk noch einmal frisch und Neu  erleben zu dürfen.

Manu Larcenet: Der alltägliche Kampf

Reprodukt

€ 29,90

Neonomicon – Alan Moore auf Lovecrafts Spuren

10. November 2011

Howard Phillips Lovecraft (1890 – 1937) ist der wohl einflussreichste Horrorautor der Moderne. Seine Geschichten haben nicht nur eine Unzahl an Autoren inspiriert, sein Einfluss ist auch in der Musik oder in japanischen Zeichentrickfilmen zu spüren. Das gilt ganz besonders für seine Erzählungen über Cthulhu und die Großen Alten. Kurz und bündig: Wann immer Ihr einem Tentakelmonster begegnet, ist das die Schuld des Einsiedlers aus Providence.

Über Alan Moore (1953) wurde wohl schon alles gesagt. Nun, vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass der Autor Alan Moore wohl nicht mit dem verschollenen zweiten Drummer von Judas Priest identitsch ist. Immerhin wurde dieser Alan Moore bereits 1947 geboren. Zurück zum Thema. So wichtig H. P. Lovecraft für die unheimliche Literatur ist, so wichtig ist Alan Moore für die Welt des Comics. Lovecrafts Einfluss auf Moore ist spätestens seit „Watchmen“ bekannt. Der Squid dürfte nicht umsonst wie eine Kreatur aus dem Cthulhu-Mythos aussehen. In „Neonomicon“ hat sich der Engländer eben dieser Geschichten angenommen.

Die deutsche Ausgabe von Panini besteht aus der Comic-Adaption von Moore Kurzgeschichte „The Courtyard“ (adaptiert von Antony Johnston) und der vierteiligen Miniserie „Neonomicon“. Als Zeichner fungierte durchgehend Jacen Burrows. Der Band kostet 16,95 Euro und ist für Leser ab 18 Jahren empfohlen!

>Aus den „blasphemischen Riten“ von einst wird endlich das, was der schüchterne Herr aus Providence immer damit gemeint hat: Sex mit großen, schleimigen Monstern!<

Der Klappentext mag provokant sein und sicher wird nicht jeder dem zustimmen. Ebenso werden einige der im Comic enthalten biographischen Daten wohl ein Kopfschütteln hervorrufen. Wer jedoch Lovecrafts Geschichten kennt, wird aber erkennen, wie der Verfasser auf diesen Gedanken kam. Und sind wir ehrlich, die Vermischung der Menschen aus Innsmouth mit den Tiefen Wesen spricht eine deutliche Sprache.

Natürlich galt Lovecraft als ein Meister der Andeutung. Hier wird nichts angedeutet. Nicht umsonst wird das Buch für ein erwachsenes Publikum empfohlen. Von Mord und Gewalt über Nacktheit und Orgien bis hin zu Sex mit Fischmonstern gibt es das volle Programm. Dabei wirkt es durchaus etwas weit hergeholt, dass Hauptdarstellerin Merril Brears ausgerechnet wegen Sexsucht in Behandlung war. Ob das in Lovecrafts Sinne wäre, sei einfach mal dahingestellt. An all den Anspielungen auf seine eigenen Werke und die jener Autoren, die seine Zeitgenossen oder Vorbilder waren, hätte er aber seine helle Freude gehabt. Diese Querverweise sind so vielfältig, dass Moore im zweiten Kapitel von „Neonomicon“ (das vierte Kapitel im Buch) gleich selber auf die Herkunft von einigen dieser Anspielungen zu sprechen kommt. Schön ist, dass hierbei auch die doppelte Herkunft von Carcosa nicht vergessen wurde. Wobei sich Johnny Carcosa mit seiner seidenen Maske wohl eindeutig auf Robert W. Chambers’ „The King in Yellow“ bezieht. Am Ende gibt es auf eben dieses Werk eine weitere Anspielung. Achtet auf die Bilder und sucht die Namen „Camilla“ und „Cassilda“.

Unter dem berühmten und oft zitierten Strich funktioniert dieses Aufeinandertreffen der Titanen Moore und Lovecraft. Gerade weil Moore sich hier nicht sklavisch an die Vorlage hält, und sein Bild der Großen Alten fast schon im Gegensatz zu dem Lovecrafts steht. Hier wird auch interessant, wo R’lyeh wirklich liegt… Als Fan von sowohl Alan Moore als auch H. P. Lovecraft wurde ich von „Neonomicon“ nicht enttäuscht!

Neonomicon (Panini Verlag, 16,95 Euro) bei Comicdealer bestellen

Asterix uff meefränggisch – das Prequel

20. Oktober 2011

P1000575Nachdem der orchinal Text vo die Drei sowas vo genial is, du ich den eefåch amål übernemm:

“Asterix un di Wengert-Scheer” – des is jetz also di Vorgschicht vo unnere Drilochie: Wie alles begann – se schdorri biefor – na, wie’s hålt åågfånge håd, Dunnerkeil!

Der Asterix, der Obelix un di ganse Baggasch komme nämlich eichendlich aus Campus Hätzfeldia, unnerm heudiche schönne Schdädtle “Heidingsfeld”. Hätzfeldia wår gwasi die Urform un des Orchinål vo der meefränggische Beschaulichkeit, Fräöündlichkeit un Schobbe-Kuldur. Di Hätzfelder hamm zunn Beischbiel scho damals gewusst, dass es ohne di richdiche Wengert-Scheer kenn guude Schobbe geit. Wie also der Asterix un der Obelix erschd emål Wördsburch håmm reinich müss vo lauter mafiöse Dreggsägg, woher also der Mädschigg-Schobbe eichendlich kümbd, wo’s di beste Winzermäster un Mästerwinzer geit, wie Wördsburch unbeuchsam geworde is geeche di Besatzer, wie’s also dazu komme is, dass unner Wörzburch di Hauptschdådt vo gans Meefrångn håd werd könn – des ölles steht in unnerer vierden Gschicht, di wo eichendlich di öllererschd Gschicht is!

Un weil däs so is, gibds nadürlich å Sichnierschdund mid di drei åldbekannde Übersetser:

desweche is am Freidåch dem 4.November ab 17.00 Uhr bei uns Ägdschen! Der Fraass’ Kai, der Schunks Gunter un der Wolfs Hans-Dieter dun jedem, der wo’s måch was neis neue Bändli schreib!

Tipp vom geschätzten Gastrezensenten Chainsaw

29. August 2011

Verbrechen zahlt sich nicht aus!
So steht es in großen Lettern auf der Rückseite. Spätestens jetzt weiß der Kenner: Fiction! Entertainment! Niedere Instinkte! Hier sind wir Richtig!
Schon die ersten Bilder entwickeln einen unwiderstehlichen Sog und ziehen dich unablässig weiter hinein in eine knallbunte, hyperbrutale und hochgradig sexualisierte Welt, irgendwo zwischen upgegradetem Manga und Ranxeron. Diese ist der Unseren nicht unähnlich, dreht sich jedoch ein paar Jahre vor uns im Kreis.
Mithilfe eines Neuro-Inhibitors, der verhindert, Gesetze zu brechen, will die amerikanische Regierung die ruhmreiche Geschichte der Verbrechen ein für alle Mal beenden. Was machst du da als echter O.G.?
Flugs ins Ausland verschwinden, oder noch vor Toresschluß anständig abgreifen.
Unsere 3 Protagonisten, Sexy Lady, ihr Typ und der alte, coole Gangsterprofi, haben sich fürs finale Bereichern ohne Landflucht entschieden. Helfen hierbei soll der Diebstahl eines Chipkarten Aufladegerätes, denn nach Abschaffung des Bargeldes übernehmen selbige Karten die pekuniäre Oberhoheit. In der Folge werden Pläne geschmiedet, Körpersäfte wechseln den Wirt, Konkurrierende O.G.´s kreuzen auf und so ziemlich Jeder intrigiert gegen Jeden. Bevor es dann aber vollends dunkel und unüberschaubar wird, dünnen die Autoren ihre Charaktere soweit aus, dass die glücklichen Übrigen was zu feiern haben. Und wie ihr euch denken könnt, findet das Ausdünnen mitnichten durch Altersschwäche statt, vielmehr mit schmerzhaft herbeigeführten Exiten, schön Hard Boiled für Feinschmecker und sanguine Geniesser eben. Hier und da leicht over the Top und auch Storymässig nicht das nächste Apple Gadget, aber schön spannend und voller Drehungen und Wendungen.

Rick Remender/Greg Tocchini: “The Last Days of American Crime”

Splitter, 2011, € 22,80

„Nachdem ich ‚Watchmen’ gelesen habe, kommen mir viele Comics die ich davor gelesen habe viel schlechter vor!“

2. August 2011

“Da es ja nicht sein kann, dass comicdealer.de ohne Artikel über “Watchmen” auskommt, war ich mal so frei. Ist bei den Artikeln gespeichert. Schau es Dir einfach mal an und ggf. VÖst Du es.

Gruß
OliverL.”

Das kam heute auf Facebook als Message. Und was soll ich Euch sagen, der Junge hat recht. Also hier ein Gastbeitrag von unserem geschätzten Freund OliverL.

 

Im Laufe der Jahrzehnte sind in den USA unzählige Comics erschienen. Ein großer Teil davon ist den Superhelden gewidmet. Unter diesen gibt es einige wenige wirkliche Klassiker. So beispielsweise „Watchmen“ der beiden Briten Alan Moore und Dave Gibbons. Das in der Überschrift verwendete Zitat spiegelt Wirkung und Bedeutung der Wächter sehr gut wider. Es stammt von einer jungen Dame die erst kürzlich in die Welt von Nite-Owl, Rorschach und Co. abgetaucht ist. „Watchmen“ entstand zwischen 1986 und 1987 und ist in mancher Hinsicht ein Spiegel seiner Zeit. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion war noch nicht vorbei. Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich nur wenige Monate vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe von „Watchmen“. Die Angst vor einer Eskalation des Kalten Krieges, die Angst vor einem Atomkrieg, gehören zu den vorherrschenden Themen dieses Klassikers. Angesprochene junge Dame ist gerade 20 Jahre alt. Einen Tag nach ihrer Geburt wurde der Kalte Krieg formell beigelegt. Der Ostblock befand sich in der Auflösung und die unterschwellige Furcht vor einem atomaren Konflikt der beiden Supermächte war vom Tisch. Obwohl sie diese Zeit nur aus dem Geschichtsunterricht kennt und ihr die Stimmung in den 80ern, die selbst junge Kinder wie der Verfasser dieses Artikels zumindest ansatzweise mitbekommen haben, vollkommen unbekannt ist, hat „Watchmen“ diese Wirkung auf sie gehabt. Sicher, auch heute gibt es in unserer Welt zuhauf schwelende Konflikte. Aber dennoch ist es anders. Nicht zuletzt durch das Internet. Unsere Möglichkeiten sich umfassend zu informieren sind sehr viel größer als Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. So können wir viel mehr Neuigkeiten erhalten, diese miteinander vergleichen und zu ganz anderen Schlüssen kommen. Dennoch hatte „Watchmen“ diese Wirkung auf eine nicht nur sehr junge Frau sondern auch eine, die erst seit wenigen Jahren Comics liest.

Das liegt zum einen natürlich daran, dass die Geschichte der Wächter mehr als nur die Furcht vor einem nuklearen Holocaust zu bieten hat. Da wären z. B. Dan Dreiberg und Laurie Juspeczyk. Dan lebt einsam vor sich hin seit er seine Rolle als Nite-Owl aufgeben musste. Er sehnt sich nach mehr hat aber zunächst nicht den Mut etwas zu tun. Sein Leben ohne die Maske ist trist und leer. Lauries Leben wurde von einer dominanten Mutter bestimmt die selber nicht ohne Fehler ist. Sie fühlt sich zu einem Mann hingezogen, der gottgleiche Kräfte besitzt sich aber immer mehr von der Welt entfremdet. Ausgerechnet der schüchterne Dan, der ohne seinen Stimulus, ohne die Maske, gar an Potenzproblemen leidet, und Laurie, die sich eher über ihre Beziehungen zu Dr. Manhattan oder ihrer Mutter definiert hat, finden zusammen. Alan Moore beschreibt die Entwicklung dieser beiden, fast schon deren Erwachsenwerden, stets behutsam und gefühlvoll. Dieses Gespür für seine Figuren zeichnet Moore seit jeher aus. Man kann es in seinen Frühwerken wie „Miracleman“ bereits erkennen. Der interessierte Leser wird es in seiner fast schon legendären Strecke an „Swamp Thing“ wiederfinden. Und natürlich findet man es auch in neueren Arbeiten wie „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“. In dieser Hinsicht ist der 1953 geborene Engländer unbestritten ein Meister. Dennoch ist „Watchmen“ formal nur eine weitere Superheldengeschichte. Das alleine kann doch unmöglich ausreichen, um die Zeitlosigkeit von „Watchmen“ zu erklären. Und so ist es auch nicht.

Alan Moore ist ein Künstler unter den Comicautoren. Seit jeher war es ihm ein Anliegen, mit den Möglichkeiten des Mediums Comic zu experimentieren. Andere Autoren haben versucht, die Mittel des Films auf ihr Gebiet zu übertragen. Mal mehr und mal weniger erfolgreich. Moore wollte das nicht. Er wollte an die Grenzen des im Comic machbaren gehen. Je weniger sich das Ergebnis in einen Film umsetzen lässt, desto besser. Die vorliegende Geschichte ist ein Paradebeispiel für diese Herangehensweise. Eine zurecht gefloppte Verfilmung von „Watchmen“ gibt dem Autor recht. Viel zu oft werden die Zeichnungen von Dave Gibbons nach einem ersten Blick als hässlich und unästhetisch abgetan. Dabei wird verkannt was er in „Watchmen“ in Zusammenarbeit mit Alan Moore geleistet hat. Gibbons ist ein Geschichtenerzähler. Angefangen bei der Panelaufteilung bis hin zum einzelnen Bild hat das gesamte Artwork in „Watchmen“ einen tieferen Sinn. Alles soll einen bestimmten Effekt erzielen. So hat z. B. jedes der zwölf Kapitel ein eigenes, immer wieder auftauchendes Motiv. Im ersten Kapitel wäre das der Smiley-Button, im dritten das Symbol für Radioaktivität, im sechsten der Rorschachtest.. Kapitel V verdient einen genaueren Blick. Natürlich haben wir auch hier wieder das Motiv (einen Totenschädel und Spiegelbilder). Besonderes Augenmerk müssen wir in diesem Kapitel aber auf die Panelaufteilung legen. Gibbons arbeitet hier quasi mit einem Spiegel. So ist die letzte Seite gewissermaßen eine Reflektion der ersten Seite, die vorletzte eine der zweiten Seite… Der Titel dieses Kapitels lautet im Original „Fearful Symmetry“ (nach William Blake). Alle Titel in „Watchmen“ sind Zitatfragmente. Und all diese Zitate werden im jeweiligen Kapitel in Story und Bildern eingefangen bevor es am Ende eines jeden Kapitels eine vollständigere Version des Zitats gibt. So finden wir Songtexte von Bob Dylan oder Elvis Costello, den bereits angesprochenen William Blake aber auch Stellen aus der Bibel die von Moore und Gibbons treffend umgesetzt wurden.

Nicht zu vergessen ist auch der Einfluss den die Wächter auf die US-Comics hatten. Die „Grim ‚n’ Gritty“-Ära der 90er hätte es ohne „Watchmen“ (und Frank Millers „The Dark Knight“) so wohl nicht gegeben. Die Parallelen zwischen dem Keene-Erlass und dem Registration Act in Marvels „Civil War“ sind offensichtlich.

Das Zusammenspiel all dieser Dinge, auf die ich hier einen oberflächlichen Blick geworfen habe, macht „Watchmen“ aus. Ich kenne das Buch seit ziemlich genau zehn Jahren und lese es immer wieder. Jedes mal habe ich das Gefühl, dass ich etwas neues entdecke. Das wird wohl noch ein paar Jahre so bleiben. Nicht umsonst hält DC USA „Watchmen“ seit Jahren lieferbar. Nicht umsonst ist „Watchmen“ jedes Jahr aufs neue ein Bestseller für DC Comics. Ein echter Klassiker, der dieser Bezeichnung auch gerecht wird. Wer „Watchmen“ noch nicht gelesen hat sollte dies schleunigst nachholen. Sowohl die englisch- als auch die deutschsprachige Version sind stets verfügbar.

 

Watchmen (deutsche Version) bei Comicdealer bestellen

Watchmen (US-Version) bei Comicdealer bestellen

Freunde der grafischen Novelle aufgepasst

20. Juli 2011

Es gibt wieder ein paar neue Graphic Novels, die empfehlenswert sind. Da ist zum Beispiel die neue Arbeit des Italieners Manuele Fior: “Fünftausend Kilometer in der Sekunde”. Es ist einfach erstaunlich, wie sich Fior mit jedem Titel weiterentwickelt.

In seinem neuen Buch geht es um drei Jugendliche, deren Wege sich zunächst kreuzen und dann wieder trennen. Fior verfolgt in großen Zeitsprüngen die Schicksale des zurückhaltenden Piero und von Lucia. Er illustriert seine Geschichte in wunderschönen Aquarellfarben, die Fior direkt aufzutragen scheint. Clever erzählt, interessante Charaktere, stimmungsvolle Farben!

 

 

Streng genommen vielleicht keine Graphic Novel, aber kunstvolle Zeichungen und eine grandios erzählte Geschichte enthält “Mattéo” von Jean-Pierre Gibrat allemal. Nun ist der zweite und abschließende Band “Zweiter Teil 1917-1918″ erschienen.

Gibrat erzählt mit Augenzwinkern die Geschichte des spanischen Titelhelden, der mit seiner Mutter in Frankreich lebt. Um Juliette zu imponieren meldet er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig und im zweiten Band verschlägt es ihn als Anarchisten nach Russland, um dort die Revolution zu unterstützen. Amüsant, hintergründig, toller Strich!

 

 

“Kein Blick zurück” stammt von dem spanischen Newcomer Dani Montero. Für sein Debüt wurde gleich ausgezeichnet (der Jury war Miguelanxo Prado beigesessen). Der Animationskünstler und Illustrator hat sich nun auch in die Comicwelt gewagt – mit Erfolg!

Montero erzählt mit dynamischem Strich die Geschichte von Jamie und seinem Hund Toby. Nachdem seine Beziehung zu Bruch geht, will er sein Leben nochmal von vorn beginnen. Doch aller Anfang gestaltet sich schwer. Montero überrascht seine Leser, indem er eine ungewohnte Wendung einschlägt. Leichtfüßig gezeichnet, gut konstruiert!

 

 

Baru ist zurück! In “Hau die Bässe rein, Bruno” schöpft der Franzose wieder aus den Vollen. Ein junges afrikanisches Fußballtalent fliegt illegal nach Frankreich, um dort seinen Traum vom Profisport zu verwirklichen endet aber als Hilfsarbeiter.

Ein Ex-Häftling will nach Jahren der Haft noch einmal einen großen Coup landen. Dafür braucht er die Hilfe eines Spezialisten. Doch der perfekte Plan geht nur zur Hälfte auf und die Wege der unterschiedlichen Charaktere kreuzen sich.  Baru at his best – wer ihn noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen!

 

 

Jeff Lemires “Essex County”-Trilogie geht in die zweite Runde. Mit “Geister Geschichten” ist nun die melancholisch-schöne Erinnerungsgeschichte um einen gealterten Hokey-Spieler auch auf Deutsch erschienen.

Als Alkoholiker und Pflegefall entführen den Ex-Profisportler Szenen aus dem trostlosen Alltag in seine bewegte Vergangenheit. Lemire erzählt in cineastischen Schwarzweißbildern von Enttäuschung, Schuld, Sühne, Verlust, aber auch von Erfolg und Liebe. Markanter Strich, cineastische Illustrationen, ergreifende Story!

 

 

“Invincible” oder warum Blog-Schreiben schwer ist…

7. Juli 2011

Das Problem am Schreiben, für Blog oder Rezensionen im Newsletter ist, dass man, je länger man nichts geschrieben hat, der Einstieg immer schwerer wird. Heißt, man schiebt es raus, weil man sich schwer tut, den Einstieg wieder zu finden, Teufelskreis.

Ich will ja nun schon seit Monaten über „Invincible“ schreiben, meiner derzeitigen Superhelden-Lieblings-Serie. Im Laden (also in “Hermkes Romanboutique, der Adresse für Comics, Spiele und Bücher im Bereich Fantastik” – das war für die Suchmaschinen)) ist das immer so einfach:

Burn: „Ey „Kunde“ (beliebiger Name wie Michael, Sven o ä. einsetzbar), ich hab da nen super Tipp: schau mal „Invincible“.

Kunde: „Ach ja?“

Burn: „Ja, ist total geile Serie, vom Kirkman, weißt scho, der „Walking Dead“ Schreiber“

Kunde: „Ah, der!“

Burn: „Ja, genau, Invincible, so ne Art Superboy, sein Vater ist der “Superman” dieser Welt, klasse umgesetzt, mal sehr menschlich, mal extrem witzig, ständig tolle Wendungen und Überaschungen, aber auch hart, kompromisslos, da geht auch mal ein wichtiger Protagonist drauf um eben dies zu unterstreichen. Also, keine Weichei-Serie, sondern unabhängig, na ja eben tolles Lesefutter. Ich hab die 13 TPBs am Stück in einer Woche weggefressen, nuff said“

Kunde: „Ok, probier ich doch mal den ersten Band für schlappe 13 Euro, was kann schon schiefgehen?“

Im Blog muß man das natürlich anders machen: Inhalt, Statement, Fazit blabla

Und das ist das Schwere dran. Die Inhaltsangabe scheint überflüssig, das Statement wie Blabla. Nicht immer ist das so. Aber gerade dann, wenn man mal nur so locker leichte Lektüre empfehlen will, kommt das öfter vor.

Also Fazit hier und heute: „Invincible ist jetzt auch auf deutsch raus. Das heißt, holt es Euch, wenn ihr gutes Superhelden-Lesefutter mögt. Es ist wirklich so unheimlich gut.

Kirkman, Walker: Invincible Band 1

Nonaarte Verlag, 2011, € 12,90

PS.: US Paperbacks gibt es, wie gesagt schon 13 Stück, also nix warten auf Fortsetzung, sondern rein und los und Lesespass für Wochen.

PPS.: Memo to myself: Lerne 10 Finger System, dann dauert auch alles nimmer so lang, es aufs Papier zu bringen…

PPPS.: Mehr zu “Invincible“, also eine echt professionelle Rezi, gibt es beim großartigen Mr. Endres auf seiner Blog-Seite, also hier: http://www.christianendres.de/?p=5404

So das wars jetzt aber…

Schö wars!

14. Mai 2011

Der zweite deutsche Gratis Comic Tag ist zu Ende gegangen…

…und wieder war es ein Knüller diesmal. Ganz anders als im letzten Jahr, aber wieder genial. Lauter glückliche, zufriedene Gesichte, viele neue dabei, viel Spaß auf allen Seiten und eine alles in allem superschöne Aktion. Hatten wir im letzten Jahr fast schon Comicsalon-Zustände mit vielen, vielen Zeichnern und Autoren, stand der diesjährige GCT ganz im Zeichen einer fröhlichen und ausgelassenen Feier. Natürlich waren auch dieses Jahr wieder tolle Künstler an den Tischen gesessen um ihre Werke zu signieren und um zu zeichnen und Wünsche zu erfüllen, aber diesmal war das eben nur Teil einer großen Partie. Viele Cosplayer waren zu sehen, die Strawberry Heroes kamen gleich als Superhelden-Quartett und mit Lisa und Boris alias Catwoman und Twoface waren auch zwei DC Superschurken vor Ort. Zum Glück ohne großen Battle. Kim hielt die Stange der Manga Cosplayer hoch (schade, da hätte ich noch auf ein bisschen mehr Gesellschaft gehofft). Gratiscomics, Cosplay und Signieraktionen. Alles das war eingebettet in eine supertolle KaffeeundKuchen- und GrillenundBier-Party!

Burn war den ganzen Tag am Würstchen und Steaks wenden und hat alle mit Unmengen tierische Proteine versorgt. Ein Heer von Helfern hat den ganzen Tag dafür gesorgt, dass die Auslage der Gratis-Comics nicht leer wird, dass die Kaffee-Versorgung gewährleistet ist, dass genug Bier und Fleisch-Nachschub vorhanden war und dass die Ströme begeisterter Kunden keine Wartezeiten bei Fragen und an der Kasse hatten.

Geile Sache, super Stimmung, tolle Gäste, tolle Helfer und natürlich auch tolle Kunden!

Bleibt eigentlich nur noch, sich bei allen zu bedanken und zu versprechen, dass wir uns auch im nächsten Jahr wieder etwas einfallen lassen werden.

Tausend Dank an euch alle, dass ihr diesen Tag so schön gemacht habt, vom gesamten Team aus Hermkes Romanboutique!

…ach ja, in der Galerie sind schon die ersten Bilder. Ich hoff mal, dass ich noch viele weitere bekomme, die stell ich natürlich so schnell wie möglich auf die Seite. Jetzt könnt ihr erstmal HIER kucken…

Der Countdown läuft!

14. April 2011

….noch ein Monat bis zum zweiten “Gratis Comic Tag“. Am 14.Mai ist es soweit.

…der erste Gratis Comic Tag im letzten Jahr war ein voller Erfolg…überall glückliche Gesichter und gute Stimmung!

Schon kurz nach dem letztjährigen ersten Testballon war klar, dass der “Gratis Comic Tag” wiederholt werden wird und wahrscheinlich sogar zu einer festen Einrichtung wird. Eigentlich überall in der Republik wurde dieses Event gut aufgenommen und war für die ganze Branche ein großer Erfolg. Die Zielsetzung, eine breitere Akzeptanz zu erreichen und das Medium Comic aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken ist mit Sicherheit durch eine erste solche Veranstaltung noch nicht erreicht, aber ein Schritt auf diesem Weg ist getan. Auch die viel kritisierte Aldi-Süd Comic-Edition oder die derzeitige Graphic-Novel-Reihe der Süddeutschen sind weiter Puzzlestücke. Sicher werden wir in naher Zukunft keinen vergleichbaren Umgang mit der “Neunten Kunst” erreichen, wie im europäischen Umfeld, in den Staaten oder in Fernost, aber es wäre wirklich eine Schande, wenn das Heimatland von Wilhelm Busch, der als einer der Urväter des Comics gilt, es nicht schaffen würde, die Schattenexistenz dieser Erzähl- und Kunstform ein wenig ins Licht zu rücken.

…die ganze Palette für dieses Jahr: 44 Titel von 28 Verlagen – Da ist für jeden was dabei!

Mit dem Vorsatz, an diesem Kultur-Puzzle zu arbeiten, findet am 14.Mai 2011 der zweite nationale “Gratis Comic Tag” statt. Noch mehr Verlage und noch mehr Comics, die an diesem Tag kostenlos verteilt werden. 28 Verlage, 2 Vertriebe, über 200 Läden haben sich zusammengeschlossen, um an diesem Tag 44 verschiedene Comics zu verschenken. Neue Leser an das Medium heranführen und Kennern neue Horizonte öffnen, das ist die Devise.

In Hermkes Romanboutique haben wir an diesem Samstag von 9.00 bis 16.00 für euch geöffnet und natürlich noch etwas ganz besonderes vorbereitet. Exclusiv wird parallel eine absolute Weltneuheit zu erwerben sein. An diesem Tag startet der Verkauf von “Die Anzeige“, einer Coproduktion des Autors Christian Endres, vor allem bekannt durch seine wunderbaren Adaptionen von “Sherlock Holmes” und dem “Zauberer von Oz“, und von Christian Krank alias KriKra, als Colorist für “Tank Girl” und viele andere Serien tätig, war er bereits im letzten Jahr mit dem ersten Teil von “Tales of Dead Earth” am Start. Natürlich sind die Beiden vor Ort und freuen sich, euch eure persönlichen Exemplare zu signieren.
Wir hoffen, dass ihr alle recht zahlreich von diesem Angebot Gebrauch macht und freuen uns schon auf euer Kommen!

Greetz von den Jungs aus Hermkes Romanboutique

…das neue Werk von Christian Endres und KriKra gibt es exclusiv am 14.05. als Weltpremiere! Die zwei freuen sich auf euch!

 

  • Neuheiten-Ticker

    • Panini Novis KW 20
      18.5.2012
      GOTHAM CITY SIRENS #5 ABSCHIEDSFEIER € 14,95 DEADPOOL #9 HEFTSERIE € 5,95 FLASHPOINT #5  € 4,95 MARVEL MOVIES #3 AVENGERS € 12,95 X-MEN #137 ... weiterlesen...
    • ...und noch Piper Novis für Juni
      15.5.2012
      Fantasy ANCIENT BLADES #3 DER THRON DER BARBAREN € 12,99 ALERA #2 ZEIT DER RACHE € 9,99 FANTASTIK AG #1 EIN EPOS AUS ... weiterlesen...
    • Bastei Novis Juni
      15.5.2012
      Fantasy DIE FINSTERVÖLKER PB #5 IM MOND DES STYX € 15,00 Historisch DIE TÖCHTER DER HEILERIN   € 8,99 Science Fiction DIE VERSCHOLLENE FLOTTE #6 EIN ... weiterlesen...
    • Random House Novis für Juni
      15.5.2012
      …und dann war heute noch ein Titel 100 mal in der Auslieferung! Das heißt er liegt jetzt wirklich im Lager, ... weiterlesen...
    • DSA, PATHFINDER UND CO
      10.5.2012
        PATHFINDER EINSTEIGER BOX   € 39,95 SAVAGE WORLDS RIPPERS   € 34,95 MYRANOR – UNTER DEM STERNENPFEILER   € 40,00 DSA MYRANOR ABENTEUER HC #M15 JÄGER ... weiterlesen...
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