Fantasy

Die drei deutschsprachigen Romane des letzten Jahres

von am 4. Februar 2010 Kommentare deaktiviert für Die drei deutschsprachigen Romane des letzten Jahres

2009 ist passé und kein neuer Roman von Walter Moers dabei. Die Gerüchteküche brodelt, doch noch gibt es keine Fakten zu neuem Material aus Zamonien.

Von Richard Schwartz ging es zwar weiter rund um Askir, was ich aber nicht als neuen eigenständigen Roman werten möchte. Die üblichen Verdächtigen im Bereich Fantasy: Markus Heitz, Bernhard Hennen, Wolfgang Hohlbein und wie sie noch alle heißen mögen, konnten mir in diesem Jahr auch kein Buch vorlegen, das es in meinen Augen auf die ersten drei Plätze geschafft hätte. "Riemenschneider" und "Maske der Verräter" waren als Hardcover bereits erschienen, also auch nichts im Bereich historisierend, das in meinen Fokus gelangt wäre.

Meine persönlichen Kandidaten für das Siegertreppchen sind alle aus dem Bereich Science Fiction.

Über zwei davon habe ich bereits geschrieben. Andreas Eschbach mit seinem "Ein König für Deutschland" hat sich einen der Plätze sehr früh sichern können. Der zweite Kandidat kommt aus unserem Nachbarland Österreich und schreibt normalerweise Kriminalromane. Heinrich Steinfests SF-Debut "Gewitter über Pluto" hat zwar noch den ein oder anderen klassischen Anfängerfehler von Genre-Quereinsteigern, besticht aber durch seinen österreichischen Charme und durch seine erfrischend elegante und abwechslungsreiche Sprache.

Den dritten Platz auf dem Siegertreppchen hat sich erst relativ spät im Jahr ein alter Bekannter erobert. Frank Schätzing hat mit "Limit" den ersten reinrassigen SF Roman hingelegt. Anders als bei "Der Schwarm" lässt er daran von Anfang an keinen Zweifel. Die Geschichte beginnt im Jahr 2025 und der Leser hat das Gefühl, dass das heute und jetzt ist. Das politische und technologische Szenario, das Schätzing entwirft ist an Realismus nicht zu überbieten. Nicht nur, dass nahezu alle technischen Entwicklungen sinnvoll weitergedacht wurden, es drängt sich im Lesen fast auf, dass der Autor nichts mehr herbeisehnt, als die Realitätwerdung seiner eigenen Vorhersage. Wie die Jugendträume des als Randfigur auftauchenden Bowie, der in der "Picard Bar" der Weltraumstation OSS sein "Space Oddity" klampft. Spätestens ab diesem Moment war ich ein Gefangener Schätzings.

Schätzings "Limit" ist definitiv keine Empfehlung für Jedermann, dazu ist auch dieser Roman zu sehr gezeichnet durch die Selbstverliebtheit des Autors, all das angesammelte Wissen und all die Details der Recherche einfließen zu lassen. Fast 1300 Seiten Schätzing waren auch für mich ganz schön viel, und ich liebe seine geschwätzige Art. Dennoch konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und auch die quälende, überhöhte Langsamkeit der zweiten Hälfte, der Action-Hälfte, nachdem sich die drei Handlungsstränge getroffen und verwoben haben, hat sich in meinen Augen zu einem fulminanten Höhepunkt entwickelt. Schätzing muss man mögen, um in ganz genießen zu können. Wem "Lautlos" und "Der Schwarm" bereits zu ausufernd war und wer sich in Schätzings endlosen Detailbeschreibungen nicht zu Hause fühlt, der sollte eher die Finger davon lassen.

Für mich persönlich ist er der dritte Kandidat auf dem Treppchen, auch wenn es diesmal damit extrem Science-Fiction lastig wird.

Limit
Frank Schätzing
Kiepenheuer & Witsch € 26,00

2009 ist passé und kein neuer Roman von Walter Moers dabei. Die Gerüchteküche brodelt, doch noch gibt es keine Fakten zu neuem Material aus Zamonien.
Von Richard Schwartz ging es zwar weiter rund um Askir, was ich aber nicht als neuen eigenständigen Roman werten möchte. Die üblichen Verdächtigen im Bereich Fantasy: Markus Heitz, Bernhard Hennen, Wolfgang Hohlbein und wie sie noch

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Die drei Auftakte des letzten Jahres

von am 2. Februar 2010 1 Kommentar

Neben dem von mir bereits besprochenem "Lied der Dunkelheit", bei dem im März bereits der zweite Teil erscheint, zählt definitiv auch "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss dazu. Bei Klett-Cotta im Hardcover erschienen, wird der erste Teil der Königsmörder-Trilogie überall hoch gelobt.

Als Drittes im Bunde zählt für mich ein Buch, dass wesentlich weniger Furore macht, aber den anderen beiden Serien-Startern durchaus ebenbürtig ist. "Die Seelenjägerin" von Celia Friedman steht, obwohl es der Auftakt zu einer Trilogie ist, erst einmal in sich geschlossen da. Sie folgt damit der dankenswerten Entwicklung neuerer Zeit, Abstand zu nehmen von den monumentalen, nicht enden wollenden, Werken eines George R. R. Martin oder eines Robert Jordan (Das jetzt endlich von Brandon Sanderson gerettet wird).  Ja, man kann auch Fantasy ohne Cliffhanger schreiben und auch gewaltige Epen können aus einzelnen Fragmenten bestehen, die den Leser jeweils mit einer in sich geschlossenen Teilgeschichte erfreuen.

Celia Friedmans Roman entführt uns in eine phantastische Welt, in der Magie zwar funktioniert, aber einen hohen Preis hat. Magie kostet Lebensenergie. Dauerhaft. Und während die einen ihr eigenes Leben dafür opfern um Magie zu wirken, entziehen die Magister die nötige Energie parasitär Dritten. Kamela sucht in dieser Welt voller Gegensätze ihren eigenen Weg. Als einziger weiblicher Magister hinterfragt und untergräbt sie viele der alten Regeln und Bräuche.

Ich hatte beim Lesen niemals das Gefühl, es ginge um Mann und Frau, auch wenn Rollenverteilung und Tradition häufig thematisiert werden. Für mich ging es eher um Gut und Böse im ethisch-moralischen Sinne. Etwas von sich zu opfern um Gutes zu tun oder andere zu opfern um der Ausübung der Macht willen.

Ein manchmal düsterer, nachdenklich stimmender Auftakt einer Trilogie, auf deren Fortgang ich mich sehr freue.

Ein großes Lob auch an den Piper Verlag. Als deutscher Fantasy Leser hat man es ja sehr häufig nur mit der Interpretation des Übersetzers zu tun. Irene Holicki hat ihre Arbeit sehr gut gemacht und die wunderbare Sprache in ein adäquates Deutsch übertragen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Verlage gäbe, die auch im trivialen Genre Fantasy, mehr Wert auf gute Übersetzung und Korrektur legen.

Der zweite Teil ist auf Englisch bereits erhältlich, also scheint das Ende der Trilogie absehbar.

Die Seelenjägerin
Celia Friedman
Piper Verlag € 14,95

Neben dem von mir bereits besprochenem "Lied der Dunkelheit", bei dem im März bereits der zweite Teil erscheint, zählt definitiv auch "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss dazu. Bei Klett-Cotta im Hardcover erschienen, wird der erste Teil der Königsmörder-Trilogie überall hoch gelobt.
Als Drittes im Bunde zählt für mich ein Buch, dass

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Erste Vorboten des unvermeidlichen Events im Winter… oder auch FrühBUCHer aufgepasst!

von am 27. Oktober 2009 Kommentare deaktiviert für Erste Vorboten des unvermeidlichen Events im Winter… oder auch FrühBUCHer aufgepasst!

Ich weiß, ich weiß.

Lästig genug, dass jetzt bald wieder der ganze Trubel mit Weihnachtsdeko, Plätzchenmast und Einkaufswahn losgeht und nichts läge mir ferner, als als erster in das Horn des wahnsinnigen Konsumterrors vor dem Weihnachtsfest zu stoßen. Trotzdem hat sich bei mir seit dem letzten Wochenende so eine Art Vorfreude auf den Winter breitgemacht. Am Altmühlsee war Saisonabschlussfeier im Surfcenter und die beiden Betreiber machen sich nächste Woche auf nach Südafrika in ihr Winterdomizil. Wie immer kam dabei das Gespräch auch auf die Vor- und Nachteile eines Winters auf der Südhalbkugel unseres alten Erdenballs. Klar, surfen und Sonne ist schon sehr geil, aber für mich gehört einfach Schnee, Kälte, Skifahren oder Boarden, Glühwein und eben auch Weihnachten, am besten weiße mit zu einem schönen Jahresablauf. Und als ich dann am Sonntag den dritten Band von Kai Meyers  Sturmkönigen fertiggelesen habe, musste ich die Trilogie spontan als wirklich schönes Weihnachtsgeschenk sehen. Drei Hardcover zu einem erschwinglichen Preis. Wirklich ansprechende Aufmachung und wie immer bei Kai Meyer ein wundervoll erzähltes märchenhaftes Abenteuer in exotischen Welten. Genau das richtige um an langen Winterabenden in ein spannendes Lesevergnügen abzutauchen…

…Auch der letzte Teil der Trilogie hat mich sofort wieder in den Bann gezogen. Kai Meyer erzählt auch das Ende seiner Geschichte in gewohnter All-Ager Art. Nur eben ,wie schon in den ersten Teilen, etwas härter und etwas blutiger als bei seinen reinen Jugendbüchern.

Die Reise nach Skarabapur und der Showdown sind spannend und mitreißend. Die Beziehung der Charaktere untereinander kompliziert und vielschichtig. Fast stehen sie sich bis zuletzt selbst und gegenseitig im Weg. Das furiose Ende und die kleinen und großen Probleme und Streitereien der Charaktere sind bis zur letzten Zeile stimmig und am Ende passt alles zusammen. Ein traumhaft fantastisches Abenteuer in einer klassischen Kai Meyer Welt mit zwei parallelen Ebenen geht zu Ende. Fast ein wenig schade. Aber ich freue mich bereits auf sein nächstes Projekt.

Meyer, Kai

"Sturmkönige 3 – Glutsand"

Hardcover Lübbe Verlag

€ 18,99

…und noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Auch die Comic-Adaption einer der epischen Trilogien von Kai Meyer "Wolkenvolk" ist ein wirklich gelungenes Gesamtwerk. Als rein deutsche Produktion kann sich diese im Splitter Verlag erscheinende Reihe durchaus mit allen internationalen Fantasy-Comics messen. Yann Krehl und Ralf Schlüter haben den ersten Band der Wolkenvolk Trilogie absolut bemerkenswert in Comicform umgesetzt.

Bernie hat in einem früheren Beitrag bereits auf die Reihe hingewiesen. Der nächste Teil, "Lanze und Licht" erscheint im April 2010.

Ich weiß, ich weiß.
Lästig genug, dass jetzt bald wieder der ganze Trubel mit Weihnachtsdeko, Plätzchenmast und Einkaufswahn losgeht und nichts läge mir ferner, als als erster in das Horn des wahnsinnigen Konsumterrors vor dem Weihnachtsfest zu stoßen. Trotzdem hat sich bei mir seit dem letzten Wochenende so eine Art Vorfreude auf den Winter breitgemacht. Am Altmühlsee war Saisonabschlussfeier im Surfcenter

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Das Lied der Dunkelheit

von am 29. Juni 2009 Kommentare deaktiviert für Das Lied der Dunkelheit

Soeben habe ich in zwei Tagen das wundervolle Buch von Peter V. Brett "Das Lied der Dunkelheit" gelesen. Fast 700 Seiten faszinierender Entwicklungen und Ereignisse. Eine harte, erschreckende Welt, die dennoch märchenhaft und oft sogar heimelig wirkt. Diese Welt formt den jungen Arlen, den Held des Romanes. Sie formt ihn in einer Art, die dem Leser die Gänsehaut über den Rücken jagt. Ein faszinierendes Buch über einen scheinbar hoffnungslosen Kampf. Ein Buch über Mut und Verzweiflung und die Stärke des Individuums und seine Schwäche. Das Buch hat mich gefesselt, fasziniert, erschreckt und umgarnt. 700 Seiten können wie im Flug vergehen.

Unbedingt lesen und träumen. Aber Vorsicht, denn nachts kommen die Dämonen.

Brett, Lied der Dunkelheit

Paperback, 700 Seiten
€ 15,00 [D]

Soeben habe ich in zwei Tagen das wundervolle Buch von Peter V. Brett "Das Lied der Dunkelheit" gelesen. Fast 700 Seiten faszinierender Entwicklungen und Ereignisse. Eine harte, erschreckende Welt, die dennoch märchenhaft und oft sogar heimelig wirkt. Diese Welt formt den jungen Arlen, den Held des Romanes. Sie formt ihn in einer Art, die dem Leser die Gänsehaut über den

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Penny Lane über zwei mutige Mädchen und einen großen Geschichtenerzähler

von am 15. Juni 2009 Kommentare deaktiviert für Penny Lane über zwei mutige Mädchen und einen großen Geschichtenerzähler

2 x Neil Gaiman, 2 x ein Kinderbuch, 2 x geht es um Angst und darum sie zu besiegen. Und um 2 moderne Mädchen, die emanzipiert von tradierten Rollenklischees, selbstbewusst ihre Wünsche äußern und gewitzt im Umgang mit Technik und Schwierigkeiten sind. Mit Grips, viel Mut  und Unbestechlichkeit stellen sie sich ihren Gegnern und behalten damit die Kontrolle über die Situation. Sie geben nicht auf und setzen sich für das ein, was ihnen am Herzen liegt. Abspeisen läuft nicht…

„Wenn die Wölfe aus den Wänden kommen, ist alles vorbei!“ sagt ihre Mutter. „Was ist vorbei?“ fragt Lucy. „Es!“, sagt die Mutter. „Jeder weiß das.“ Als die Wölfe dann wirklich aus den Wänden kommen, die Familie vertreiben und das Haus in einen Saustall verwandeln, dreht Lucy den Spieß um und beweist den unerwünschten Gästen, wer hier zuletzt lacht.

Auch Coralines Eltern arbeiten ein bisschen zuviel und sind ein bisschen zu desinteressiert. Allein deshalb öffnet sie die geheimnisvolle Tür in der „guten Stube“, die eigentlich nirgendwo hinführt. Coraline findet sich plötzlich in einer Parallelwelt wieder: die anderen Eltern sind zwar äußerst nett, aber an Stelle ihrer Augen sitzen schwarze Knöpfe und ihre Hände haben scharfe Krallen.

Diese Grundidee der Reise in eine Anderswelt durch geheime Türen im nahen Umfeld, könnte man beinahe als archetypisch bezeichnen: die Angst vorm Unbekannten, das im Vertrauten lauert, ist zeitlos bedrohlich.

Mit P.Craig Russell als Zeichner wurde aus dem Kinderbuch ein Comic, der trotz des offenen, sehr klaren Zeichenstils und der pastellenen, freundlichen Kollorationen, dem unterschwelligen Horror eine verstörende und dämonische Präsenz verleiht.

Ähnlich verhält es sich mit den skurilen Zeichnungen und Collagetechniken, die Dave McKean, den Gestalter der „Wölfe in den Wänden“ auszeichnen. Die Verfremdung erzeugt ein beständiges Gefühl der Beklemmung und Vorahnung, das jedem „Großen“ ein absolutes Seh- und Lesevergnügen bereitet.

Beide Bücher würden zurecht mit Preisen überhäuft, trotzdem würde ich sie den Kindern in meiner Umgebung nicht alleine in die Hand drücken.

Aber was halten die Lehrer von einer Schullektüre???

Der Originaltext von “Coraline” ist dem Alter der Schüler und deren Wortschatz angepasst und scheint Ihnen richtig Spaß zu machen:

I think ” CORALINE” is a fantastic book because it tells a story which combines situations of reality which can be both, funny and a bit crazy or sad and the excitement of fantasy and fiction. Coraline is a very interesting character because she is brave and really intelligent for her age. For some pupils it may be too difficult because it is written for English children and it isn´t simplified. (Daniela, 8. Klasse)

Ebenso gespannt kann man auch den Stop-Motion-Animationsfilm  von Henry Selick (Nightmare before Christmas) erwarten, der eine exzentrische Fantasiewelt erschafft, die an Tim-Burton-Filme erinnert. Allerdings ist Burton diesmal nicht für Selick als Produzent zur Stelle. Dem Schrägheitsfaktor tut dies allerdings keinen Abbruch.

Und was hat der Autor selber zu sagen….

2 x Neil Gaiman, 2 x ein Kinderbuch, 2 x geht es um Angst und darum sie zu besiegen. Und um 2 moderne Mädchen, die emanzipiert von tradierten Rollenklischees, selbstbewusst ihre Wünsche äußern und gewitzt im Umgang mit Technik und Schwierigkeiten sind. Mit Grips, viel Mut  und Unbestechlichkeit stellen sie sich ihren Gegnern und behalten damit die Kontrolle über die

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Rumo

von am 12. Oktober 2008 Kommentare deaktiviert für Rumo

Rumo und die Wunder im Dunkeln
Autor:
Moers, Walter
Verlag, Nummer:
Piper HC 4548
ISBN: 9783492045650

Rumo und die Wunder im Dunkeln ist das dritte Buch der in Zamonien spielenden, phantastischen Romane von Walter Moers.
Nachdem er uns mit „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ als märchenhaftem Reise und Abenteuerroman mit den erklärungsbedürftigen Wundern, Daseinsformen und Phänomenen Zamoniens und Umgebung bekannt gemacht hat, mit „Ensel und Krete“ die lieb gewonnene Gemeinschaft der Buntbären als Polizeistaat enttarnt und uns in das Schaffen von „Hildegunst von Mythenmetz“, des größten zamonischen Dichters eingeführt hat, legt Walter Moers mit „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ die Übersetzung des nächsten epochalen Werks des zamonischen Dichters „Hildegunst von Mythenmetz“ vor.
Inhalt:
Rumo ist ein knuddeliger, süßer, kleiner Wolpertingerwelpe und er ist allein, verängstigt und zum Sterben verurteilt.
Von einer Horde der gefürchteten Teufelszyklopen bei einem unmenschlichen Gemetzel entführt und aus seiner vertrauten Umgebung gerissen, verschleppt auf die berüchtigten Zyklopenfelsen, fristet Rumo jetzt seine Tage in der Speisekammer der Teufelszyklopen – als lebender Lebensmittelvorrat.
In der selben hoffnungslosen Lage befindet sich auch Volzotan Smeik, die Haifischmade. Er weiß um die besonderen Fähigkeiten der Wolpertinger, um ihr angeborenes Geschick im Kampf, um ihre instinktiven Killerfähigkeiten und ihre übermenschliche Schnelligkeit, die sie nahezu allen anderen Lebewesen gegenüber turmhoch überlegen macht. Smeik selbst ist ein Schreibtischtäter. Ein Theoretiker, der jedoch die Gabe hat, Situationen zu analysieren und Funktionalitäten zu erkennen, die anderen verborgen bleiben. Er sieht in Rumo seine Chance, aus der Vorratskammer der Teufelszyklopen auszubrechen. Und so beginnt die ungleiche Freundschaft zwischen Rumo und Smeik. Die Haifischmade füttert den Wolpertinger mit all dem theoretischen Wissen, all den taktischen und strategischen Kenntnissen, die diesen zu einem Meister des Kampfes machen sollen. In der Theorie. Und tatsächlich, all das fällt auf fruchtbaren Boden. Während die Beiden Mechanismen entwickelt haben, in der Vorratskammer der Zyklopen möglichst unauffällig zu wirken und somit all ihre bemitleidenswerten Schicksalsgefährten zu überleben, wird aus dem Welpen ein junger Krieger. In ihm vereint sich das Genom des Killers mit der taktischen Ausbildung eines Heerführers.
Geschmiedet in den Abgründen der Teufelsfelsen, gehärtet vom Meister der Schlachtentheorie und erprobt in blutiger Schlacht, macht Rumo sich auf, sein großes Abenteuer zu erleben, das Abenteuer des Lebens, in einer Welt voller Wunder und Gefahren, voller Hass und Liebe.
Beurteilung:
Wieder einmal ist es Walter Moers gelungen, eine neue und unerwartete Facette seiner Phantasie zu offenbaren. Abenteuer pur – an exotischen Schauplätzen. Alte Bekannte und neue Helden. Allen voran das martialische Volk der Wolpertinger auf ihrem Weg in die Freiheit. Kampfszenen werden in solch unglaublich bildreicher Sprache beschrieben, dass man sie wie in einer Dokumentation analytisch sequenziert miterlebt und unweigerlich das Gefühl hat, man befinde sich in einer „Bullet Time“ Szene aus Matrix. Fremdartige Orte erreichen eine solch plastische Dichte, dass man ihre Gerüche wahrnimmt, ihre Geräusche hört und ihre mannigfaltigen Farben sieht. Neben den mitreißenden Beschreibungen und den exotischen Schauplätzen ist es, wie immer, die liebenswerte Vertrautheit der Protagonisten, ihre großen und kleinen Kämpfe und Probleme, allesamt Parabeln auf unser alltägliches Leben oder personifizierte Aspekte unserer Persönlichkeit, die uns zum träumen bringen.
Fazit:
Nie zuvor habe ich die Abgründe der menschlichen Seele ähnlich greifbar und plastisch beschrieben gesehen. Nie zuvor war Zamonien so böse – und dabei doch so voller Wunder und Schönheit. Walter Moers führt uns mit märchenhafter Leichtigkeit durch dieses Abenteuer zwischen Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, Gottfried August Bürgers „Baron von Münchhausen“ und Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Wer nicht nur was „zum Naschen“ will, der muss dieses Buch unbedingt lesen. Moersscher Wortwitz, fesselnde Spannung, ferne Länder, Freundschaft und wahre Liebe –
Komm mit ins Abenteuerland!
Nachtrag:
Mitlerweile ist mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ der nächste Roman aus Zamonien erschienen, eine Ode an Bücher und ein Prunkstück von spielerischem Umgang mit Literatur. Im Oktober 2007 soll „Der Schrecksenmeister“ veröffentlicht werden.

Rumo und die Wunder im Dunkeln
Autor:
Moers, Walter
Verlag, Nummer:
Piper HC 4548
ISBN: 9783492045650

Rumo und die Wunder im Dunkeln ist das dritte Buch der in Zamonien spielenden, phantastischen Romane von Walter Moers.
Nachdem er uns mit „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ als märchenhaftem Reise und Abenteuerroman mit den erklärungsbedürftigen Wundern, Daseinsformen und Phänomenen Zamoniens und Umgebung bekannt gemacht hat, mit „Ensel und

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Das gestohlene Kind

von am 12. Oktober 2008 Kommentare deaktiviert für Das gestohlene Kind

Das gestohlene Kind
Autor:
Donohue, Keith
Verlag, Nummer:
C. Bertelsmann
978-3570-00936-9

„Das gestohlene Kind“ ist das Erstlingswerk eines irisch stämmigen Nordamerikaners. Keith Donohue legt mit seinem Roman Debut ein bezauberndes Märchen für Erwachsene vor. Von der ersten Seite an nimmt er den Leser gefangen in dieser wundervoll schwermütigen Stimmung von den zum greifen nah wirkenden Gestalten aus der Welt der irischen Mythen.
Inhalt:
Der kleine Henry wird mit sieben Jahren von Kobolden ausgetauscht und ein Wechselbalg an seiner statt in die Obhut der Eltern gegeben.
Henry durchläuft die Metamorphose eines Wechselbalgs und wird selbst zu einem Wesen des Waldes. Als Aniday lebt er unter den Kobolden und wird Teil ihrer archaischen Gesellschaft. Seine ursprüngliche Identität verliert sich bald in den Nebeln seiner Erinnerung und die neue Realität verändert sein Wesen fast vollständig. Einzig der ungestümer Wunsch eines Kontakts mit seinem alter Ego bildet eine Brücke zu seiner Vergangenheit. Doch auch der „neue Henry“ ist erfüllt von einem kaum greifbaren Verlangen nach seiner vor langer Zeit verlorenen Identität. Denn jeder Wechselbalg war einst ein Mensch und erst wenn es an der Zeit ist schließt sich der Kreis.
Beurteilung:
Wenig romantisch und fast schon brutal ist das Leben innerhalb des Kobold-Clans. Trotzdem erfüllt es den Leser mit Wehmut, wenn Aniday durch die Wälder streift. Sein persönliches Leid, seine privaten Wünsche und seine Beweggründe sind unglaublich plastisch und einfühlsam beschrieben. Sein Weg unter den Wesen des Waldes rührt den Leser zu Tränen. Die aus beiden Sichten, dem neuen Henry und Aniday, alternierende, tagebuchartige Erzählung zeigt in oft drastischer Härte die Mechanismen der Wechselbälge. Dennoch verspürt der Leser eigentlich immer die Wärme einer feenhaften Traumwelt, die einst Bestand hatte aber in unserer Welt zu einem anachronistischen Relikt geworden ist, zu einem Fossil, das längst ausgestorben ist.
Fazit:
Spannend und zu jeder Zeit fesselnd ist dieser Roman ein wunderschönes trauriges Märchen und zugleich eine erschreckend reale Anklage unserer Zerstörung der Welt. An manchen Stellen an den Abgründen des Seins und dennoch voller hoffnungsvoller Träume. Die bewegende Schilderung des Weges eines menschlichen Wesens durch eine feindliche Welt. Trotz aller Fatalität versöhnlich und träumerisch

Das gestohlene Kind
Autor:
Donohue, Keith
Verlag, Nummer:
C. Bertelsmann
978-3570-00936-9

„Das gestohlene Kind“ ist das Erstlingswerk eines irisch stämmigen Nordamerikaners. Keith Donohue legt mit seinem Roman Debut ein bezauberndes Märchen für Erwachsene vor. Von der ersten Seite an nimmt er den Leser gefangen in dieser wundervoll schwermütigen Stimmung von den zum greifen nah wirkenden Gestalten aus der Welt der irischen Mythen.
Inhalt:
Der kleine Henry wird

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Nocturna

von am 12. Oktober 2008 Kommentare deaktiviert für Nocturna

Nocturna
Autor:
Nuyen, Jenny-Mai
Verlag, Nummer:
CBJ
978-3570-13337-8

Mit Nocturna hat Jenny-May Nuyen mit ihren gerade einmal neunzehn Jahren ihren dritten Fantasy Roman verfaßt. Damit ist sie wie Christopher Paolini, dem Autor von Eragon ein „Wunderkind“. Nur finde ich, sind ihre Bücher wesentlich authentischer und innovativer. Wunderbar flüssig und spannend zu lesen, mit auch für Erwachsene überraschenden tiefgründigen Helden.
Inhalt:
Nocturna, Eine Stadt der Diebe und Mörder, der Geheimgesellschaften und Spitzel. Eine Fantasystadt wie eine viktorianische Metropole.
Apolonia, das verzogene Gör aus der Upper-Class, Vampa der Junge ohne Vergangenheit, der in der Gosse lebt und Tigwid der kleine „Gangster“ aus der Unterwelt der Diebe werden vom Schicksal zusammengewürfelt. Drei Kinder aus unterschiedlichsten sozialen Schichten und mit ganz unterschiedlichen Träumen und Beweggründen müssen sich der größten Bedrohung stellen, der Nocturna je gegenübergestanden war. Einer Bedrohung von innen durch mächtige Geheimbünde und verfilzte Seilschaften, die bereits seit Jahren stetig wächst. Apolonia, deren Mutter durch die Machenschaften „der Dichter“ getötet wurde, die nur auf Rache sinnt, Vampa, dessen Erinnerungen von „den Dichtern“ gestohlen wurden und Tigwid, der wie ein Einfaltspinsel auf die Menagerie stolpert, bald in diese bald in jene Richtung getrieben, müssen ihren gemeinsamen Nenner erkennen, denn nur gemeinsam können sie das teuflische Blendwerk der mächtigen Gegner durchschauen und deren Finstere Pläne vereiteln.
Beurteilung:
Noch dichter, noch überraschender und facettenreicher sind die Charaktere in Jenny-Mays neuestem Roman. Die Tiefgründigkeit ist für mich an manchen Stellen beängstigend, vor allem wenn man sich das zarte Alter der Autorin vor Augen hält. Jenny May entlarvt die Relativität subjektiver Wahrnehmung als Grundproblem sozialer Strukturen. Die Protagonisten ihres Romans könnten, wenn sie über genügend Objektivität verfügen würden, ihre Aufgabe viel einfacher und effektiver lösen und zu einem gemeinsamen Glück finden.
Tiefe Einblicke in die Macht von Manipulation und Desinformation und unsere Bereitschaft einer Verführung zu erliegen und dem Verführer zu folgen, sind in diesen Roman auf ganz und gar unaufdringliche Art und Weise eingeflossen. Jenny May behandelt das gewichtiges Thema ohne jeden pädagogischen Zeigefinger. Ihre unschuldige Art mit der Thematik umzugehen macht zugleich die Stärke des Buches aus. Die Protagonisten sind bis ins letzte glaubwürdig und trotz aller Fehler fast schon gute Freunde, denen man über ihre Fehler hinweghelfen und ihre Scheuklappen herunterreißen möchte.
Fazit:
Nocturna ist sicherlich kein ganz großes Buch. In jedem Fall aber ein ein wirklich unterhaltsamer Jugendroman, den ich allen Freunden phantastischer Abenteuer nahelegen möchte. Ohne sich in epischer Breite zu verlieren hält die Autorin den Spannungsbogen und erzählt eine facettenreiche und schlüssige Geschichte.

Nocturna
Autor:
Nuyen, Jenny-Mai
Verlag, Nummer:
CBJ
978-3570-13337-8

Mit Nocturna hat Jenny-May Nuyen mit ihren gerade einmal neunzehn Jahren ihren dritten Fantasy Roman verfaßt. Damit ist sie wie Christopher Paolini, dem Autor von Eragon ein „Wunderkind“. Nur finde ich, sind ihre Bücher wesentlich authentischer und innovativer. Wunderbar flüssig und spannend zu lesen, mit auch für Erwachsene überraschenden tiefgründigen Helden.
Inhalt:
Nocturna, Eine Stadt der Diebe und Mörder, der

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Seide und Schwert

von am 12. Oktober 2008 Kommentare deaktiviert für Seide und Schwert

Seide und Schwert
Das Wolkenvolk 1
Autor:
Meyer, Kai
Verlag, Nummer:
Loewe Verlag
978-378555741-9

„Seide und Schwert“ bildet den Auftakt zu Kai Meyers Wolkenvolk-Trilogie. Hier beginnt Niccolos wunderbare Reise durch das mythologische China von 1760.
Inhalt:
Vor Jahrhunderten hat der „Große Leonardo“ die Wolkeninsel konstruiert. Durch gewaltige Aetherpumpen wird eine Wolke stabilisiert und befindet sich als fliegende Insel seit zweihundertfünfzig Jahren in der Luft. Fast ohne Kontakt zur Außenwelt. Die gesellschaftlichen Strukturen der Insel sind starr und streng hierarchisch. Unsinnige Verbote und dogmatische Gesetze regeln das Leben der Bewohner in ihrem selbstgewählten Exil. So träumt der junge Niccolo, als Außenseiter am Rande der Gesellschaft lebend, davon, eines Tages die Insel zu verlassen und wirklichen Boden unter den Füßen zu verspüren.
Als eines Tages durch eine Fehlfunktion der Aetherpumpen die Insel abzustürzen droht und das Ende unausweichlich scheint, wird dieser Traum zur Realität. Doch anstatt, wie erträumt, alles hinter sich lassen zu können wird Niccolo zum Hoffnungsträger für sein ganzes Volk. Er macht sich am Erdboden auf die Suche nach den legendären Drachen, denn aus dem Atem dieser Geschöpfe entsteht der Aether. Zum Zeitpunkt des Beihnahe-Absturzes hat sich die Insel zwischen drei mächtigen Bergen im Reich der Mitte verkeilt. Niccolos langer Weg durch ein China zwischen Geschichte und Mythologie beginnt.
Beurteilung:
Kai Meyer erschafft mit seiner Trilogie vom Wolkenvolk eine märchenhaft phantastische Welt. Inspiriert durch die unterschiedliche Kulturen Italiens und Chinas, deren Helden und Sagen, mischt der Autor farbenfroh und die ganze Palette nutzend, eine wunderbar bunte Welt zusammen. Obwohl er sich mit seinen Beschreibungen bewusst an Filme wie „Hero“, „Tiger and Dragon“ oder „House of Flying Daggers“ anlehnt und vor allem in den Kampfsequenzen klassische Elemente der Peking Oper wie den „Federflug“ nutzt wendet er sich mit dieser Trilogie eindeutig an ein relativ junges Publikum. Trotz seiner weitschweifenden Beschreibungen und seinen wundervoll ausgearbeiteten Charakteren vergisst er dabei leider den Aspekt der Fremdheit vollkommen und streift interkulturelle Probleme nur ganz am Rande. Niccolos Reise und seine Suche nach Rettung für sein Volk wird dabei zu einer wilden Reise durch die jugendliche Gefühlswelt. Der unglaublich einfallsreiche Plot, die mannigfaltigen Ideen und die, wenn auch manchmal zu ausführlichen, Verstrickungen der Protagonisten stehen leider oft langweiligen Wiederholungen und allzu epischen Beschreibungen gegenüber.
Fazit:
Wer schnell liest und sich nicht zu sehr daran stört, dass manches doch sehr jugendlich gehalten ist, kann sich mit Niccolos Abenteuern in eine wunderbar farbenprächtige Fantasy-Welt versetzen lassen. Ich habe die Trilogie trotz meiner Kritik wirklich genossen und am Ende überragen die vielen schönen Bilder doch die manchmal etwas zähe Handlung.

Seide und Schwert
Das Wolkenvolk 1
Autor:
Meyer, Kai
Verlag, Nummer:
Loewe Verlag
978-378555741-9

„Seide und Schwert“ bildet den Auftakt zu Kai Meyers Wolkenvolk-Trilogie. Hier beginnt Niccolos wunderbare Reise durch das mythologische China von 1760.
Inhalt:
Vor Jahrhunderten hat der „Große Leonardo“ die Wolkeninsel konstruiert. Durch gewaltige Aetherpumpen wird eine Wolke stabilisiert und befindet sich als fliegende Insel seit zweihundertfünfzig Jahren in der Luft. Fast ohne Kontakt zur Außenwelt.

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Die Kerker von Goa

von am 4. Dezember 2007 Kommentare deaktiviert für Die Kerker von Goa

Kerker von Goa

Titel: Die Kerker von Goa (Goa)
Serien-/Zyklentitel: Das Elixier der Nacht (Blood of the Goddess)
Autor: Kara Dalkey
Verlag, Nummer: Knaur 70102 (Folgebände: 70103, 70104)

update: Es gibt leider keine aktuelle Ausgabe. Die letzte Version erschien bei Knaur unter der Reihenbandnummer 62273. Titel: "Die Geheimnisse von Goa". Band zwei und drei sind nicht neu aufgelegt worden.

Der Roman, eines der beeindruckendsten Werke, die ich in letzter Zeit gelesen habe, spielt am Ende des 16. Jahrhunderts in Goa, der kleinen portugiesischen Kolonie an der Westküste Indiens mit dem brodelnden Völkergemisch. Dort ist auch der Sitz der Santa Casa, der Inquisition. Deren mächtige Herren, die Dominikaner, verfolgen mit gnadenloser Härte und spitzfindiger theologischer Finesse Ketzer und eigene Ziele. In die Hände dieser skrupellosen Männer der Kirche gerät, eher versehentlich, ein englischer Apothekergehilfe, der durch Zufall in den Besitz eines geheimnisvollen Pulvers gekommen ist, das Tote zum Leben erwecken kann.
Dieses pulvis mirabile ist übrigens das einzige phantastische Element des eigentlich historisierenden Romans, dessen bunte Fülle von Drogen, Gerüchen, Kräutern, Kleidung, Schiffstypen, Mentalitäten, Rassen und Religionen den fiebrigen Pulsschlag eines außergewöhnlichen Fleckens Erde und einer faszinierenden Epoche heraufbeschwört. Die Menschen mit ihren Loyalitäten, aber auch Söldnermentalität und rücksichtslosem Durchsetzungswillen eigennütziger Ziele, zeigen intensives Interesse an neuen Entdeckungen jeder Art, gepaart mit unkritischer Hinnahme überkommenen Wissens und Denkens. Nach der Lektüre des zweiten (von drei) Bänden, ebenso schillernd und fesselnd geschrieben, fürchte ich leider, daß diese Trilogie den normalen Fantasy-Leser nicht so stark ansprechen dürfte, wohl aber die an Geschichte Interessierten.

Titel: Die Kerker von Goa (Goa)
Serien-/Zyklentitel: Das Elixier der Nacht (Blood of the Goddess)
Autor: Kara Dalkey
Verlag, Nummer: Knaur 70102 (Folgebände: 70103, 70104)
update: Es gibt leider keine aktuelle Ausgabe. Die letzte Version erschien bei Knaur unter der Reihenbandnummer 62273. Titel: "Die Geheimnisse von Goa". Band zwei und drei sind nicht neu aufgelegt worden.
Der Roman, eines der beeindruckendsten Werke, die ich in

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Der Adept des Assassinen

von am 4. Dezember 2007 Kommentare deaktiviert für Der Adept des Assassinen

Titel: Der Adept des Assassinen (Assassin’s Apprentice)
Serien-/Zyklentitel: Die Legende vom Weitseher (Farseer)
Autor: Robin Hobb
Verlag, NummeR: Bastei 28231, 20350 (Folgebände: 20360, 20375)

update: Die Originalausgabe bei Bastei ist lange vergriffen. Die aktuelle Ausgabe bei Heyne heist "Der Weitseher", "Der Schattenbote" und "Der Nachtmagier" unter de, Bandnummern 52481, 52520 und 52521

Wohl kaum jemand mit normalem Lesetempo kann die Flut der monatlichen Neuerscheinungen im utopisch-phantastischen Bereich lesend erfassen, um die wirklichen Highlights heraus zu filtern. Manchmal hilft also bei einem neuen Autor der Zufall oder „die Nase“ oder eine Empfehlung. Diesmal hatte ein Mitarbeiter der Romanboutique den betreffenden Band in Englisch gelesen  und mir sehr ans Herz gelegt. Ich war also wirklich gespannt auf diesen Roman und kann voller Freude bestätigen, daß er zu den beeindruckendsten und emotional bewegendsten zählt, die ich im Fantasy-Genre je gelesen habe. Aber genug des Vorablobes.
Inhalt:
Der sechsjährige Bastardabkömmling eines Prinzen wird von seinem Großvater zur königlichen Burg gebracht und dort vom Stallmeister Burrich, einem ehrenwerten aber harten Mann, erzogen. Fitz genannt, d.h. unehelicher Sohn, erhält er dort eine strenge und mühevolle Ausbildung. Er zieht die Aufmerksamkeit des Königs auf sich, der ihn zum Assassinen, d.h. politischen Attentäter ausbilden läßt, da er erkennt, daß der Junge seltene magische Talente besitzt. Aber vom Talent zum Können ist halt ein weiter und steiniger Weg, wie wohl jeder am eigenen Leib schon erfahren hat. Als seefahrende Barbarenhorden das Land verwüsten, wird Fitz auf seine erste Mission geschickt. Mehr soll hier nicht gesagt werden, es wäre zu schade.
Beurteilung:
Also, bitte nicht den Klappentext lesen – er verrät schon ein wenig zu viel und ist außerdem, wie so oft, auch sachlich unrichtig. Der Roman ist in der IchForm geschrieben, was für mein Empfinden oft zu Abstrichen führt. Diese leichte Abneigung war aber sehr schnell überwunden. Die dichte Atmosphäre, die Stimmung von Resignation, Vereinsamung und Traurigkeit verfehlt nicht ihre Wirkung. Selbst einige heitere Passagen, welche die uns heute fremde harte Erziehung ein wenig aufhellen, gefährliche Intrigen, die Darstellung der politischen Ränke und Eifersüchteleien, die soziale und emotionale Distanz, gedankenlose oder absichtliche Rücksichtslosigkeit der Herrschenden, alles das wird so glaubhaft und aufwühlend dargestellt, daß der Leser vergißt, daß er sich in den Seiten eines Buches befindet. Er glaubt, am Leben des jungen Fitz teilzunehmen. Die handelnden Personen geraten niemals zum Klischee, gleiten nie ab ins Triviale und selbst völlig unvorhergesehene Wendungen in der Handlung sind aus den Zielen und den Prägungen der handelnden Charaktere ableitbar, wenn auch glücklicherweise erst im Nachhinein. Dazu 0kommt noch als großer Pluspunkt, daß die Übersetzung ungewöhnlich gut ist; heute leider nur noch selten anzutreffen.
Fazit:
Die Autorin hat es überzeugend verstanden, eine komplexe Gesellschaft, eine fremdartige und doch vertraute Welt, das Heranreifen eines jungen Menschen mit seinen Nöten, Niederlagen und der letztlichen Selbstbehauptung vor uns entstehen zu lassen. Die Welt des jungen Fitz wird nie in grellen Tönen gemalt, ist ganz sicher kein Fantasy-Epos mit übermenschlichen Recken, aber „dieses Buch hat alles, um zu einem der beliebtesten Fantasy-Romane der nächsten Jahre zu werden“.

Titel: Der Adept des Assassinen (Assassin’s Apprentice)
Serien-/Zyklentitel: Die Legende vom Weitseher (Farseer)
Autor: Robin Hobb
Verlag, NummeR: Bastei 28231, 20350 (Folgebände: 20360, 20375)
update: Die Originalausgabe bei Bastei ist lange vergriffen. Die aktuelle Ausgabe bei Heyne heist "Der Weitseher", "Der Schattenbote" und "Der Nachtmagier" unter de, Bandnummern 52481, 52520 und 52521
Wohl kaum jemand mit normalem Lesetempo kann die Flut der monatlichen Neuerscheinungen im

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