Die Abschaffung des Todes
von Horst Illmer am 16. Oktober 2024

- Andreas Eschbach
DIE ABSCHAFFUNG DES TODES. Thriller.
Köln, Lübbe, 2024, 655 S.
ISBN 978-3-7577-0051-5 / 26,00 Euro
Hardcover
Es wird Herbst und der neueste Thriller von Andreas Eschbach erscheint – und auch nach fast dreißig Jahren, die seit seinem ersten Buch vergangen sind, und den gut vierzig Romanen, die dem Erstling folgten, kribbelt es mich in den Fingern und es erfasst mich eine gewisse Vorfreude auf die Lektüre.
Diesmal, im September 2024, geht es um DIE ABSCHAFFUNG DES TODES, also um die Unsterblichkeit für alle! Was für ein Thema, in Zeiten von Überbevölkerung und weltweiten Klimaproblemen. Doch gemach, Eschbach wäre nicht der Erfolgsautor, der er ist, wenn sich der Inhalt seines Romans so unterkomplex darbieten würde.
Also von vorn. Zuerst einmal lernen wir James Henry Windover kennen, den Herausgeber von The Windover View. Diese wohl exklusivste Zeitung der Welt hat nur ein paar dutzend Abonnenten, die allerdings bereit sind, für die Informationen, die The Windover View liefert, eine Million Euro pro Jahr zu zahlen! Dafür bekommen sie Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Keine Meinung, keine manipulativen Fake-News, keine Handlungsempfehlungen – nur die harten, belastbaren Zahlen und Daten. Und nein, niemand kann diese Zeitung einfach so abonnieren. Dazu bedarf es der Zustimmung der anderen Leser – denn es handelt sich letztlich um „Herrschaftswissen“, also darum, als Leser oder Leserin der restlichen Welt immer einen Schritt voraus zu sein.
Allerdings gibt es auch in diesem erlauchten Kreis Hierarchien und Abstufungen. Wenn zum Beispiel die britische Multimilliardärin Anahit Kevorkian anruft, dann lässt Windover alles stehen und liegen und reist zu ihr nach London. Denn Kevorkian ist die Initiatorin und Geldgeberin hinter The Windover View. Und diesmal hat sie einen ganz besonderen Auftrag für ihren Schützling: Windover soll in die USA fliegen und sie bei einem ebenso exklusiven wie geheimnisvollen Event vertreten, zu dem sie und einige wenige andere Finanzgrößen eingeladen wurden.
Wiederwillig aber folgsam begibt sich Windover also zu diesem Geheimtreffen der Superreichen – und was er dort erfährt, ist geeignet, die Weltordnung über den Haufen zu werfen. Es geht um nichts weniger als darum, den Tod zu besiegen …
So, an dieser Stelle müsste meine Besprechung eigentlich enden, denn jedes weitere Wort wäre ein unfairer Spoiler, der das Vergnügen, selbst herauszufinden wie Eschbach aus diesem Schlamassel rauskommt, zunichtemachen würde.
Andererseits klingt das oben gesagte einfach allzu sehr nach „Routine“ und „Vorhersehbar“, was, nach einer so langen Erfolgsstrecke wie bei Eschbach, eine durchaus reale Gefahr auch für den besten Schriftsteller ist. Aber ich denke, dass sich Eschbach dieser Problematik bewusst war und deshalb rechtzeitig gegensteuerte. Gerade als wir Leser*innen denken, jetzt sei klar, wie die Sache weiterläuft, bringt ein verschwundener Schriftsteller das ganze Erzählgefüge zum Wanken. Alles bisher als sicher angesehene Wissen wird durch eine neue Information hinterfragbar, alle Protagonisten müssen neu bewertet werden – und die immer größer werdende Spannung steigert sich bis fast zur letzten Seite und lässt uns kaum Zeit zum Atemholen.
Eine der ganz wenigen Schwächen von Andreas Eschbach war, gerade bei seinen Thrillern (weniger bei seinen Science-Fiction-Romanen), immer die Tatsache, dass er keine (mich) zufriedenstellenden Enden hinbekam. Auch darüber hat sich Eschbach wohl einige Gedanken gemacht – und seine „mehrstufige“ Lösung hat dann doch positiv überrascht.
Wie erhofft liefert Eschbach mit DIE ABSCHAFFUNG DES TODES also einen überaus lesbaren Thriller ab, diesmal inklusive einiger tiefer Blicke „hinter die Kulissen“ des Schreibens. Der Herbst ist gerettet.
Horst Illmer
- Andreas Eschbach
DIE ABSCHAFFUNG DES TODES. Thriller.
Köln, Lübbe, 2024, 655 S.
ISBN 978-3-7577-0051-5 / 26,00 Euro
Hardcover
Es wird Herbst und der neueste Thriller von Andreas Eschbach erscheint – und auch nach fast dreißig Jahren, die seit seinem ersten Buch vergangen sind, und den gut vierzig Romanen, die dem Erstling folgten, kribbelt es mich in den Fingern und es erfasst mich eine gewisse Vorfreude auf die Lektüre. den ganzen Beitrag lesen…
- Kategorien: Bücher , deutschsprachige Autoren , Horsts Bibliothek , Science Fiction

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Wie schon den gestrigen Beitrag möchte ich euch auch diesen nicht nicht vorenthalten. An dieser Stelle ziehe ich auch gleich vorauseilend meinen Hut vor Horst. Die heutige Doppelung
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Heute hört ihr das erste Adventsgespräch. Es war ja bereits angekündigt. Mr Endres präsentiert seine Buchhighlights des Jahres. Ursprünglich sollten es Bücher und Comics werden, aber wir haben uns verplappert. Dafür gibt es am Ende noch einen ganz besonderen Ausblick auf 2024… und Comics werden selbstverständlich beim nächsten mal nachgereicht.
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Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
Der BuCon* war auch in diesem Jahr wieder eine große Freude und ein Füllhorn der Inspiration. Schon meine Vorfreude war allein dadurch nochmal gesteigert, dass Bernie relativ desillusioniert von seinem Buchmesse-Tripp am Mittwoch zurückgekehrt war. Auch wenn das Konzept des BuCon die großen Verlage nicht einschließt und auch räumlich gar nicht stemmen könnte, trifft sich an besagtem Samstag während der Buchmesse, in Dreieich unweit von Frankfurt, doch (fast) alles, was Rang und Namen in der deutschsprachigen Phantastik hat.
Kleine Geschichte: Der BuCon wurde Mitte der 80er Jahre ins Leben gerufen um eine Plattform für Phantastik-Begeisterte und Phantastik-Schaffende zu bilden. Als thematische Ergänzung oder Erweiterung zur damals noch sehr konservativen Ausrichtung der Buchmesse. Seit 2000 findet die Veranstaltung in Dreieich statt und die Räume der Bürgerhäuser sind regelmäßig prall gefüllt und gut besucht. Neben den mehr als 50 Ausstellern geht die Hauptanziehungskraft von den zahlreichen Veranstaltungen aus. Lesungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge und Preisverleihungen.
Der BuCon ist weniger ein Messeveranstaltung, als einfach ein Treffen Gleichgesinnter. All die Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger, Künstlerinnen und Künstler live vor Ort zu treffen macht einfach gute Laune und schmeichelt der eigenen Fanseele. Für mich eine echte Energietankstelle. Die Stimmung, die Leute und das ganze Drumherum beflügeln und befriedigen den Fanboy in mir. Auch wenn ich mir vielleicht noch mehr Akzeptanz und Mitwirken seitens der großen und mittleren Verlage wünschen würde, um den Stellenwert der Veranstaltung und des Genres weiter anzuheben, ist die Veranstaltung so wie sie ist schon eines der Highlights meines buchhändlerischen Jahres. Und Platz wäre in den aktuellen Räumen eh nicht mehr.
Jetzt zurück, voller Eindrücke und toller Ideen kann ich euch nur, wie jedes Jahr anraten, beim nächsten BuCon dabei zu sein. Danke an die Orga und an all die Künstlerinnen, Teilnehmer, Verlegerinnen und Autoren. Es war wieder eine Freude…
Christian Kellermann
End of Men
Cheon Seon-Ran
Hans Jürgen Kugler & René Moreau (Hrsg.)
Hans Frey
T. S. Orgel
Arno Schmidt
Donna Barba Higuera
Noah schläft: Die Rückkehr der Arche