Horsts Bibliothek

Ein seltsamer Tag

17. Mai 2018 3 Stimmen und Kein Kommentar

Olaf Brill (Text) & Michael Vogt (Bilder)
EIN SELTSAMER TAG (1): ROBOTERMÄRCHEN.
Stolberg, Atlantis, 2018, 54 Seiten
ISBN 978-3-86402-554-9

Seit 2011 bereichert der von PERRY RHODAN-Autor Olaf Brill geschriebene und von Michael Vogt (MARK BRANDIS) gezeichnete Comic EIN SELTSAMER TAG das Magazin phantastisch! Aktuell (phantastisch! Heft 70) sind dreißig Episoden mit den (manchmal) mehr oder (meist) weniger spektakulären Abenteuern des Reinigungs-Roboters Niemand erschienen (ein Schelm, wer da an den Helden der ODYSSEE denkt).

Der Atlantis Verlag fand es wohl an der Zeit, diesen Einzel-Episoden eine neue, gediegen aufgemachte Heimat in Form eines großformatigen Hardcover-Albums zu schenken und legt nun den ersten EIN SELTSAMER TAG-Sammelband mit dem beziehungsreichen Untertitel ROBOTERMÄRCHEN vor.

Der komplett vierfarbige Band enthält alle bisher erschienenen phantastisch!-Geschichten (die ersten Episoden, die noch schwarzweiß waren, wurden nachkoloriert), plus drei exklusiv für ROBOTERMÄRCHEN gezeichnete Stories. Abgerundet wird das Buch von einem mehrseitigen Werkstattbericht, der tiefe Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Comics gibt – inklusive des von Vogt speziell für die Alien-Sprache der Gnump entworfenen Zeichensatzes, der es nun endlich ermöglicht, die entsprechenden Sprechblasen zu „übersetzen“.

Wer Spaß hat an schrägen Science-Fiction-Geschichten und gut gezeichneten Comics sollte unbedingt mal einen Blick riskieren. Wer EIN SELTSAMER TAG bereits aus dem Magazin kennt, hat hier die Möglichkeit, seine Erinnerung, ohne allzu großen Aufwand beim Durchblättern alter Hefte, aufzufrischen.

Und auch wenn es mich selbst schmerzlich trifft, kann ich Andreas Eschbach eigentlich nur zustimmen, der auf dem Einband mit dem Satz zitiert wird: „EIN SELTSAMER TAG ist immer das Erste, was ich mir vorknöpfe, wenn ein neues PHANTASTISCH! kommt.“

Horst Illmer
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Ein seltsamer Tag 1
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17. Mai 2018 3 Stimmen und Kein Kommentar

Olaf Brill (Text) & Michael Vogt (Bilder) EIN SELTSAMER TAG (1): ROBOTERMÄRCHEN. Stolberg, Atlantis, 2018, 54 Seiten ISBN 978-3-86402-554-9 Seit 2011 bereichert der von PERRY RHODAN-Autor Olaf Brill geschriebene und von Michael Vogt (MARK BRANDIS) gezeichnete Comic EIN SELTSAMER TAG das Magazin phantastisch! Aktuell (phantastisch! Heft 70) sind dreißig Episoden mit den (manchmal) mehr oder weiterlesen…

Batman: Dark Knight III – Die Übermenschen

28. April 2018 5 Stimmen und 1 Kommentar

Frank Miller & Brian Azzerello (Text)
Frank Miller, Andy Kubert, Klaus Janson, Brad Anderson, Alex Sinclair (Bilder)
BATMAN: DARK KNIGHT III – DIE ÜBERMENSCHEN.
Übersetzt von Bernd Kronsbein, Vorwort von Christian Endres
(DARK KNIGHT III: THE MASTER RACE. Vol. 1 – 9 / 2016/17)
Stuttgart, Panini, 2018, 380 Seiten
ISBN 978-3-7416-0782-0 (Hardcover)
ISBN 978-3-7416-0735-6 (Softcover)

Nachdem es Frank Miller 1986 mit DIE RÜCKKEHR DES DUNKLEN RITTERS geschafft hat, mich ins Lager der Comic-Leser zurückzuholen, hätte er mich mit seinem verunglückten DER DUNKLE RITTER SCHLÄGT ZURÜCK, dem zweiten DARK KNIGHT-Abenteuer von 2001, fast wieder davon abgebracht.

Jetzt ist bei Panini der dritte Teil der Miller’schen BATMAN-Saga mit dem Titel DIE ÜBERMENSCHEN erschienen (und ich hatte mich schon gefragt, wie sie dort wohl THE MASTER RACE übersetzen werden). Tatsächlich hat mich das Storytelling von Miller, der diesmal Unterstützung von Brian Azzarello hatte, und die zeichnerische Umsetzung durch Andy Kubert, Klaus Janson, Brad Anderson, Alex Sinclair und den Meister selbst, positiv überrascht. Trotz einiger Längen (der Band hat immerhin stolze 380 Seiten und damit fast so viel Umfang wie Teil 1 und 2 zusammen) fand ich die Geschichte um die auf Normalformat gewachsenen Kryptonier, die bisher ihr Dasein als miniaturisierte Erinnerung an Supermans Heimatwelt in der Flaschenstatt Kandor fristen mussten, recht originell.
Und auch, dass die vormals sehr problematische Beziehung zwischen Batman und Superman, trotz ihrer beider manchmal sehr unterschiedlichen Weltanschauung, in DIE ÜBERMENSCHEN beginnt, sich wieder zu normalisieren, kann diese beinahe epische Erzählung auf ihrer Habenseite verbuchen.

Für Sammler ergibt sich jetzt die Möglichkeit, die Geschichte in drei Varianten zu erwerben: In neun Original-Heften (mit jeweils einer Mini-Comic-Beilage), gesammelt in einem Band als Softcover und (für fünf Euro Aufpreis) als Hardcover. Die beiden Sammelbände eröffnet ein fetziges Vorwort von Christian Endres, ansonsten hält man sich mit „Bonusmaterial“ sehr zurück. Da droht wohl noch eine „Absolute Edition“ im Hintergrund.

Horst Illmer
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Batman Dark Knight III HC
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Batman Dark Knight III SC
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28. April 2018 5 Stimmen und 1 Kommentar

Frank Miller & Brian Azzerello (Text) Frank Miller, Andy Kubert, Klaus Janson, Brad Anderson, Alex Sinclair (Bilder) BATMAN: DARK KNIGHT III – DIE ÜBERMENSCHEN. Übersetzt von Bernd Kronsbein, Vorwort von Christian Endres (DARK KNIGHT III: THE MASTER RACE. Vol. 1 – 9 / 2016/17) Stuttgart, Panini, 2018, 380 Seiten ISBN 978-3-7416-0782-0 (Hardcover) ISBN 978-3-7416-0735-6 (Softcover) weiterlesen…

Science Fiction Hall of Fame 2

13. April 2018 4 Stimmen und Kein Kommentar

Robert Silverberg (Hrsg.)
SCIENCE FICTION HALL OF FAME – DIE BESTEN STORYS 1948–1963.
Ü: Thomas Ziegler u. a., Vorwort: Hannes Riffel
(The Science Fiction Hall of Fame, Volume One, 1929–1964 / 1970)
München Berlin, Golkonda, 2018, 395 S.
ISBN 978-3-944720-56-2

Empfehlen möchte ich diesmal einen Titel, auf den wir ganz schön lange (eineinhalb Jahre) warten mussten. Aber es hat sich gelohnt.
Der zweite Teil der besten und wichtigsten Genre-Anthologie ist endlich erschienen: die von Robert Silverberg herausgegebene SCIENCE FICTION HALL OF FAME, diesmal mit den vierzehn besten Stories der Jahre 1948 bis 1963. Das Inhaltsverzeichnis liest sich erneut wie das Who-Is-Who der Science Fiction: Von Ray Bradbury bis Roger Zelazny sind über ein Dutzend hochrangige Meister der kurzen Form vertreten. Unter den Stories sind so bekannte Titel wie Arthur C. Clarkes „Die neun Milliarden Namen Gottes“, Daniel Keyes’ „Blumen für Algernon“ oder „Geliebtes Fahrenheit“ von Alfred Bester, aber auch einige selten nachgedruckte Geschichten wie Anthony Bouchers „Die Suche nach dem heiligen Aquin“ oder „Schöner Leben“ von Jerome Bixby. Und mit „Das Land der Sanftmütigen“ von Damon Knight liegt sogar eine deutsche Erstveröffentlichung vor.
Der Band ist, wie immer bei Golkonda, hervorragend ausgestattet und mit viel Liebe und Sorgfalt bearbeitet. Einige Geschichten wurden neu übersetzt, bei anderen wurden die vorhandenen Übertragungen mit den Originalausgaben abgeglichen und, wo nötig, überarbeitet.
Ex-Golkonda-Chef Hannes Riffel blickt in seiner „Vorbemerkung“ noch einmal voller Stolz auf dieses Projekt zurück, mit dem nun endlich erstmals die großartige Anthologie SCIENCE FICTION HALL OF FAME vollständig auf Deutsch vorliegt: in zwei Büchern mit zusammen achthundert Seiten, darin sechsundzwanzig Kurzgeschichten – und jede ein absolutes Meisterwerk! Mehr geht nun wirklich nicht.

Horst Illmer
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Science Fiction Hall of Fame 2 – Die besten Stories 1948-1963
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13. April 2018 4 Stimmen und Kein Kommentar

Robert Silverberg (Hrsg.) SCIENCE FICTION HALL OF FAME – DIE BESTEN STORYS 1948–1963. Ü: Thomas Ziegler u. a., Vorwort: Hannes Riffel (The Science Fiction Hall of Fame, Volume One, 1929–1964 / 1970) München Berlin, Golkonda, 2018, 395 S. ISBN 978-3-944720-56-2 Empfehlen möchte ich diesmal einen Titel, auf den wir ganz schön lange (eineinhalb Jahre) warten weiterlesen…

Robert Silverberg

7. April 2018 6 Stimmen und Kein Kommentar

Uwe Anton
ROBERT SILVERBERG – ZEITEN DER WANDLUNG.
Mit einer Rede von Robert Silverberg sowie einer Bibliografie von Joachim Körber.
München Berlin, Memoranda/Golkonda, 2018, 510 Seiten
SF Personality, Band 26
ISBN 978-3-946503-30-9

Sind wir nicht alle Fans? Selbst etablierte Autoren und/oder Kritiker kommen ja nicht aus dem Nichts, sondern haben mal „klein angefangen“. Diese Binsenwahrheit gilt gleichermaßen für das neue Buch von PERRY RHODAN-Autor Uwe Anton wie auch für den Gegenstand seiner Betrachtung, den amerikanischen Schriftsteller und Herausgeber (siehe weiter oben) Robert Silverberg.
Galt bisher der gute Isaac Asimov mit etwa 500 Büchern als „fleißigster“ Autor aus dem Bereich der Science Fiction, so ermittelt Anton für Silverberg lockere 600 Buchveröffentlichungen, von den mehr als 1.600 Kurzgeschichten ganz zu schweigen. Mehr als genug Material also, um einen 500-Seiten-Band zu füllen.
Unter dem Titel ROBERT SILVERBERG – ZEITEN DER WANDLUNG beschäftigt sich Anton im Band 26 der Reihe „SF Personality“ so ausführlich wie es derzeit nur möglich ist, mit dem Leben und vor allem dem Werk eines der ganz Großen der Science Fiction. Vorgestellt und besprochen werden fast alle Romane, die wichtigsten Sammelbände und herausragende Einzelgeschichten, die der 1935 in New York geborene Silverberg seit 1954 veröffentlicht hat. Aufgelockert wird diese Textflut durch mehrere hundert Abbildungen von deutschen und amerikanischen Buch-, Taschenbuch- und Magazin-Einbänden, und als hilfreiche Ergänzung hat Joachim Körber eine sechzig Seiten umfassende Bibliografie der deutschen Veröffentlichungen Silverbergs beigesteuert. Als i-Tüpfelchen gibt es dann noch die Ehrengastrede, die Robert Silverberg auf dem 1970 in Heidelberg abgehaltenen 28. Worldcon vortrug. Ein Buch (nicht nur) für Fans.

Horst Illmer
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Robert Silverberg – Zeiten der Wandlung
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7. April 2018 6 Stimmen und Kein Kommentar

Uwe Anton ROBERT SILVERBERG – ZEITEN DER WANDLUNG. Mit einer Rede von Robert Silverberg sowie einer Bibliografie von Joachim Körber. München Berlin, Memoranda/Golkonda, 2018, 510 Seiten SF Personality, Band 26 ISBN 978-3-946503-30-9 Sind wir nicht alle Fans? Selbst etablierte Autoren und/oder Kritiker kommen ja nicht aus dem Nichts, sondern haben mal „klein angefangen“. Diese Binsenwahrheit weiterlesen…

Fortschritt und Fiasko

4. April 2018 8 Stimmen und Kein Kommentar

Hans Frey
FORTSCHRITT UND FIASKO.
Die ersten 100 Jahre der deutschen Science Fiction. Vom Vormärz bis zum Ende des Kaiserreichs 1810–1918.
München Berlin, Golkonda/Memoranda, 2018, 316 S.
ISBN 978-3-946503-32-3

Wir hier in Deutschland haben in Punkto Sekundärliteratur zur Science Fiction einen echt großen Nachholbedarf. Nicht nur, dass es hierzulande immer noch keinen vernünftigen Gesamtüberblick über das Genre gibt, auch die immerhin reichlich sprudelnden Einzeldarstellungen leiden meist an einer, den akademischen Gepflogenheiten geschuldeten, Nahezu-Unlesbarkeit.
Aber alle paar Jahre gibt es sie dann doch, die berühmte „Ausnahme von der Regel“. Dann schreibt ein deutscher Autor ein Buch, welches nicht nur von großer Sachkenntnis zeugt, sondern auch noch in einem so flüssigen, leserfreundlichen Stil daherkommt, dass es eine wahre Freude ist.
Im Frühjahr 2018 ist wieder ein solches Prachtstück erschienen. Es handelt sich dabei um FORTSCHRITT UND FIASKO, das neue Buch von Hans Frey, in dem der Germanist, Lehrer und Ex-Politiker die „ersten 100 Jahre der deutschen Science Fiction“ kritisch unter die Lupe nimmt.
Der untersuchte Zeitrahmen reicht „vom Vormärz bis zum Ende des Kaiserreichs“, umfasst also die Jahre zwischen 1810 und 1918. Besonders die erstgenannte Zahl lässt aufhorchen, startet die SF-Historie doch laut Brian W. Aldiss (siehe dessen MILLIARDEN-JAHRE-TRAUM) im Jahr 1818 mit dem Erscheinen von Mary W. Shelleys FRANKENSTEIN.
Frey beginnt sein Buch also gleich mit einer steilen These: Für ihn fängt die Science Fiction mit dem 1810 veröffentlichten Werk INI an, einem „Roman aus dem 21. Jahrhundert“, geschrieben von dem preußischen Landadeligen und Offizier Julius von Voß (1768–1832), der damit der „erste SF-Autor Deutschlands (und damit sogar der Welt)“ (S.21) ist.
In den folgenden Kapiteln stellt Frey anhand zahlreicher Belege dar, dass es in Deutschland auch schon vor Kurd Laßwitz eine breitgefächerte Beschäftigung mit genretypischen Themen wie Zeitreisen, Utopien, Androiden und Weltraumfahrten gab. Natürlich waren es auch bei uns die Verkaufserfolge der Bücher von Jules Verne, die ab etwa 1870 dazu führten, dass Schriftsteller (und nur ganz wenige Schriftstellerinnen) jeder politischen Färbung und literarischen Klasse sich in dem plötzlich boomenden Genre Science Fiction versuchten.
Über dreihundert gut geschriebene, kenntnisreiche Seiten hinweg entführt uns Frey in die Vergangenheit unserer Zukunft, die um so vieles reicher und (vor allen Dingen) politischer war, als wir bisher vermuteten. Literaturverzeichnis und Index erschließen den Band und erleichtern die Suche nach bestimmten Titeln.
Hans Frey hat mit diesem Buch gezeigt, dass es nicht nur möglich, sondern auch mehr als ergiebig ist, sich mit der Geschichte eines von der akademischen Philologie noch viel zu wenig beachteten Bereichs der Unterhaltungsliteratur zu beschäftigen. FORTSCHRITT UND FIASKO ist bereits mit dem Erscheinen zum unverzichtbaren Standardwerk geworden.
Holt es euch!

Horst Illmer
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Fortschritt und Fiasko
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4. April 2018 8 Stimmen und Kein Kommentar

Hans Frey FORTSCHRITT UND FIASKO. Die ersten 100 Jahre der deutschen Science Fiction. Vom Vormärz bis zum Ende des Kaiserreichs 1810–1918. München Berlin, Golkonda/Memoranda, 2018, 316 S. ISBN 978-3-946503-32-3 Wir hier in Deutschland haben in Punkto Sekundärliteratur zur Science Fiction einen echt großen Nachholbedarf. Nicht nur, dass es hierzulande immer noch keinen vernünftigen Gesamtüberblick über weiterlesen…

In Kalabrien

24. März 2018 8 Stimmen und Kein Kommentar

Peter S. Beagle
IN KALABRIEN.
Ü: Oliver Plaschka
(In Calabria / 2017)
Stuttgart, Klett-Cotta (Hobbit Presse), 2018, 164 S.
ISBN 978-3-608-96217-8

Von Peter S. Beagle, einem der profiliertesten und beliebtesten Fantasy-Autoren der USA, erscheint bei uns in Deutschland leider nur alle „heilige Zeiten“ einmal ein Buch. Dafür kann man jedes dieser Bücher, beginnend mit HE! REBECK!, dem Erstling aus dem Jahr 1960, bis hin zum gerade in der Hobbit Presse veröffentlichten IN KALABRIEN unbesehen kaufen – es erwartet den Leser ein einzigartiger Genuss.
Beagle gehört zu den ganz großen Stilisten des Genres. Auch wenn er vielen nur durch den (verfilmten) Mega-Bestseller DAS LETZTE EINHORN (1968) bekannt ist, lohnt es sich doch immer, seinen zumeist eher leisen und auf genauesten Beobachtungen der menschlichen Eigenschaften beruhenden Geschichten zu folgen. So entwickelt IN KALABRIEN seinen Sog durch die liebenswerten und empfindsamen Beschreibungen der Protagonisten (und ihrer Haustiere), nimmt Fahrt auf durch die unerwartete Begegnung mit einem mystischen Wesen und steigert sich fulminant, bis hin zum brutalen Einbruch der modernen Welt in ein idyllisches Bauernkaff im Süden Italiens.
Die von Oliver Plaschka angenehm flüssig übersetzte Novelle zeigt den 1939 geborenen Beagle auf der Höhe seiner Erzählkunst und hinterlässt am Ende einen (kleinen) Kloß im Hals und ein Tränchen im Augenwinkel.

Horst Illmer
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In Kalabrien
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24. März 2018 8 Stimmen und Kein Kommentar

Peter S. Beagle IN KALABRIEN. Ü: Oliver Plaschka (In Calabria / 2017) Stuttgart, Klett-Cotta (Hobbit Presse), 2018, 164 S. ISBN 978-3-608-96217-8 Von Peter S. Beagle, einem der profiliertesten und beliebtesten Fantasy-Autoren der USA, erscheint bei uns in Deutschland leider nur alle „heilige Zeiten“ einmal ein Buch. Dafür kann man jedes dieser Bücher, beginnend mit HE! weiterlesen…

Helligkeit fällt vom Himmel

10. März 2018 7 Stimmen und Kein Kommentar

James Tiptree Jr.
HELLIGKEIT FÄLLT VOM HIMMEL. Roman.
Ü: Andrea Stumpf
(Brightness Falls from the Air / 1985)
Wien, Septime, 2018, 511 S.
ISBN 978-3-902711-47-2

Eine Gefühlsmischung aus (Vor-)Freude und leiser Melancholie beschlich mich, als ich jetzt HELLIGKEIT FÄLLT VOM HIMMEL von meinem Lieblingsbuchhändler in die Hände gedrückt bekam, handelt es sich dabei doch um den letzten, bisher noch nicht auf Deutsch erschienenen Roman von James Tiptree Jr., der nun endlich (in der Übersetzung von Andrea Stumpf) vorliegt – und damit zugleich die James Tiptree-Werkausgabe bei Septime abschließt.
Sieben Bände mit Kurzgeschichten, zwei Romane, ein Band mit Artikeln und Briefen und eine umfassende Biografie sind es am Ende geworden – ein Meilenstein in der Editionsgeschichte von Genre-Literatur im deutschsprachigen Raum und schon jetzt ein unverzichtbarer Grundbestand jeder ernstzunehmenden Science-Fiction-Sammlung!

Doch zurück zum Thema: HELLIGKEIT FÄLLT VOM HIMMEL, Tiptree/Sheldons zweiter und umfangreichster Roman, ist eine Mischung aus klassischer Space Opera und Kriminalroman, angefüllt mit psychologisch stark akzentuiertem Personal und zusammengehalten von einem großartigen Gespür für das Setting.
Eine bunte Gruppe von Touristen und Naturwissenschaftlern aus allen Teilen des zukünftigen menschlichen Sternenreiches trifft auf dem Planeten Damien ein, der kurz davor ist, zum Schauplatz eines einzigartigen kosmischen Geschehens, einer sogenannten Nova-Front, zu werden. Um den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung zu verhindern, beziehen die Besucher ein von menschlichen Diplomaten bewachtes „Gästehaus“. Sie sollen dort unter sich bleiben und dann möglichst schnell wieder verschwinden. Allerdings beginnen die Dinge schon kurz nach dem Eintreffen der Nova-Front anders zu verlaufen, als geplant …

Horst Illmer
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10. März 2018 7 Stimmen und Kein Kommentar

James Tiptree Jr. HELLIGKEIT FÄLLT VOM HIMMEL. Roman. Ü: Andrea Stumpf (Brightness Falls from the Air / 1985) Wien, Septime, 2018, 511 S. ISBN 978-3-902711-47-2 Eine Gefühlsmischung aus (Vor-)Freude und leiser Melancholie beschlich mich, als ich jetzt HELLIGKEIT FÄLLT VOM HIMMEL von meinem Lieblingsbuchhändler in die Hände gedrückt bekam, handelt es sich dabei doch um weiterlesen…

„Worte sind mein Metier“

30. Januar 2018 10 Stimmen und Kommentare deaktiviert für „Worte sind mein Metier“

Gedanken zum Abschied von Ursula K. Le Guin (1929 – 2018)

Es waren nicht zuletzt die Romane und Erzählungen von Ursula Le Guin, die meinen Entschluss, selbst zu schreiben, mit beförderten. Es war nicht zuletzt der Ärger über eine Verlagspolitik, die Le Guin-Bücher über Jahre hinweg als nicht mehr verkäuflich abstempelte, die mich dazu brachte, meine spärlichen Englischkenntnisse zusammenzukratzen und eine Geschichte von ihr ins Deutsche zu übersetzen. Und es war nicht zuletzt die Lektüre ihres Internet-Blogs, die mich dazu brachte, dass ich Ursula le Guin als (zwar entferntes, aber umso mehr geliebtes) Familienmitglied betrachtete.
Words Are My Matter“ – Worte waren ihr Metier, ihre Sache, ihr Lebensmittelpunkt, ihr Vermögen, ihre Angelegenheit, ihr Streitgegenstand, ihr Ausdrucksmittel – und, falls nötig, auch der (vom Wörterbuch angebotene) Eiter, den sie wohldosiert zu verspritzen verstand.
Wie könnte man sich besser von einer Erzählerin verabschieden als mit einer Geschichte?
Im Vorwort zu einem ihrer letzten Bücher, das den vieldeutigen Titel WORDS ARE MY MATTER trägt, erzählt Ursula K. Le Guin davon, wie viel mehr Vergnügen es ihr bereitet, Prosa oder Gedichte zu lesen – im Vergleich zu Sachtexten. Sie erklärt dies ausführlich mit ihrem Wunsch, unterhalten und keinesfalls gelangweilt zu werden und damit, dass nichtfiktionale Texte zumeist viel zu abstrakt und zu wenig eingängig sind. Sie kennt dabei natürlich den Umkehrschluss: Als Autorin, die selbst Sachbücher schreibt, sind die von ihr angelegten Maßstäbe auch für sie fürchterlich schwer zu erfüllen.
Ganz anders ergeht es ihr beim Schreiben von Gedichten oder Geschichten: „Das ist ganz natürlich für mich. Ich mache es, ich will es, ich finde Erfüllung dabei, so wie ein Tänzer im Tanz oder ein Baum beim Wachsen.“
Dann folgt die Anekdote ihrer berühmt gewordenen Rede während der Verleihung der National Book Foundation Medal im November 2014. (Im Internet zu finden und unbedingt sehens- und hörenswert.) „Ich wurde im Juni darüber informiert, dass mir diese Ehrung zuteilwürde, solange ich dafür nach New York kommen und eine Dankesrede von weniger als sieben Minuten Länge halten würde. Ich akzeptierte trotz vieler Bedenken. Von Juni bis November arbeitete ich an dieser kurzen Ansprache. Selbst an einem Gedicht hatte ich noch niemals so lange und so obsessiv gefeilt, und noch nie war ich mir so unsicher, ob das was ich sagen würde, auch das Richtige wäre – und das was ich sagen sollte. Wer war ich denn, dass ich auf der Jahrestagung der Druckindustrie den versammelten Verlegern in ihre Festbowle spuckte? Nun, tatsächlich war ich die Einzige, die das tun konnte. Also tat ich’s.
Und das alles ist jetzt vorbei. Für immer. Diese unvergleichliche Stimme wird sich niemals mehr erheben. Wir werden keine neuen Geschichten, Gedichte, ja nicht einmal mehr Preisreden, Vorworte oder Buchbesprechungen von Ursula Le Guin zu hören und zu lesen bekommen. Am 22. Januar 2018 hat die Große Bärin diesen Planeten verlassen. Sie wird uns nun beim Blick in den Sternenhimmel als Orientierung dienen – und natürlich weiterhin beim Blick in ihre Bücher.

Horst Illmer

30. Januar 2018 10 Stimmen und Kommentare deaktiviert für „Worte sind mein Metier“

Gedanken zum Abschied von Ursula K. Le Guin (1929 – 2018) Es waren nicht zuletzt die Romane und Erzählungen von Ursula Le Guin, die meinen Entschluss, selbst zu schreiben, mit beförderten. Es war nicht zuletzt der Ärger über eine Verlagspolitik, die Le Guin-Bücher über Jahre hinweg als nicht mehr verkäuflich abstempelte, die mich dazu brachte, weiterlesen…

Vorsehung

29. Januar 2018 9 Stimmen und Kommentare deaktiviert für Vorsehung

Timo Kümmel
VORSEHUNG.
Stolberg, Atlantis, 2017, 60 Seiten
ISBN 978-3-86402-562-4

Ach, was waren das noch für Zeiten, damals in den 1970er und 1980er-Jahren, als praktisch jede Woche ein neuer Bildband von einem unserer Lieblings-Künstler (leider weniger oft von einer Künstlerin) erschien, in dem die „phantastische“ Kunst in all ihren Ausprägungen vorgeführt wurde. Wer erinnert sich nicht gerne an die großformatigen Prachtbände des allgegenwärtigen Roger Dean oder die Poster des einzigartigen Helmut Wenske, an die Hipgnosis-Plattencover (die oftmals die Phantasie mehr anregten als so mancher „echte“ Science-Fiction-Bucheinband) oder die unverkennbaren Titelbilder, die Karel Thole für die Science-Fiction-Reihe des Heyne Verlags schuf.
Leider sind solche Bildbände über jene Künstler, die dafür verantwortlich sind, dass Bücher, Hefte und Magazine mit utopisch-phantastischen Inhalten auch als solche erkennbar sind, ein wenig „aus der Mode“ gekommen.
Aber es gibt sie noch!
Einer jener Künstler, der mehr kann als nur „Schwert und Schild“ (= Fantasy) oder „Raumschiff vor Sternen-Hintergrund“ (= Science Fiction), ist der 1980 geborene und inzwischen in Berlin lebende Timo Kümmel, der seit mehr als zwanzig Jahren Umschlag-Bilder und Innen-Illustrationen für Fanzines, Magazine und natürlich für große und kleine Buchverlage (Atlantis, Basilisk, Piper, PS Publishing, Bastei usw.) anfertigt. Eine gelungene Auswahl seiner Werke (natürlich inklusive seiner zwei Arbeiten für die er mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde) kann man sich jetzt in dem großformatigen Bildband VORSEHUNG anschauen.
Neben den fast fünfzig bereits erschienenen Umschlagbildern findet man auch einige unveröffentlichte ältere Arbeiten, eine Auswahl seiner Innenillustrationen, mehrere autobiografische Texte Kümmels – und ein speziell für VORSEHUNG erschaffenes neues doppelblattgroßes Bild.
Auch wenn Timo Kümmel noch nicht den großen internationalen Durchbruch erleben durfte, so zeigt dieses hervorragend gemachte Artbook doch, dass wir in Deutschland mindestens einen Künstler haben, der sich vor der Konkurrenz aus England, den USA oder Japan nicht zu verstecken braucht. VORSEHUNG ist ein absolutes MUSS für alle Menschen, die sehenden Auges ihre Bücher kaufen (und ein preiswerteres Vergnügen wird es im Jahr 2018 vermutlich gar nicht mehr geben!).

Horst Illmer
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Vorsehung
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29. Januar 2018 9 Stimmen und Kommentare deaktiviert für Vorsehung

Timo Kümmel VORSEHUNG. Stolberg, Atlantis, 2017, 60 Seiten ISBN 978-3-86402-562-4 Ach, was waren das noch für Zeiten, damals in den 1970er und 1980er-Jahren, als praktisch jede Woche ein neuer Bildband von einem unserer Lieblings-Künstler (leider weniger oft von einer Künstlerin) erschien, in dem die „phantastische“ Kunst in all ihren Ausprägungen vorgeführt wurde. Wer erinnert sich weiterlesen…

Memory Wall

3. Januar 2018 6 Stimmen und Kommentare deaktiviert für Memory Wall

Anthony Doerr
MEMORY WALL. Novelle.
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
(Memory Wall / 2010)
München, C. H. Beck, 2016, 135 Seiten
ISBN 978-3-406-68961-1

Es kommt nur alle Heilige Zeiten einmal vor, dass mich eine Leseempfehlung aus dem Radio, zum sofortigen Kauf eines Buches bewegt. Umso dankbarer bin ich dem Zufall, dass ich Ulla Müllers Besprechung von Anthony Doerrs Novelle MEMORY WALL, die bereits 2016 erschienen ist, auf Bayern 1 gehört habe.
Der Inhalt dieses schmalen Bändchens hat es in sich: Es geht ums Älterwerden, um die damit einhergehenden Demenzerscheinungen, um Verlust, um Rassenfragen, um skrupellose Sammler, um unerwartete Menschlichkeit in hoffnungslosen Situationen – und darum, wie man sein Leben weiterlebt, auch wenn das Ende absehbar ist. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft in einem Vorort von Kapstadt. Dort lebt die vermögende, aber leider demente, Witwe Alma, liebevoll umsorgt von ihrem Angestellten Pheko, der sie mehrmals im Monat zu einem Arzt fährt, der aus dem „interzellulären Raum“ ihres Körpers verlorengegangene Erinnerungen gewinnt und auf Kassetten speichert. Diese Kassetten kann Alma dann zuhause ansehen und so ihre Trauer um den Verlust ihres Mannes ein wenig dämpfen.
Aber in ihren Gedächtnis-Aufzeichnungen gibt es auch eine Kassette, für die sich zwielichtige Sammler interessieren. Deshalb erhält Alma seit einigen Wochen allnächtlichen Besuch von zwei Einbrechern …
Es ist jedoch nicht diese zwischen Science Fiction und Krimi angesiedelte Handlung, die MEMORY WALL zu einem so beeindruckenden Werk macht, sondern die, von Werner Löcher-Lawrence hervorragend übersetzte, stilistische Brillanz mit der Doerr seine Protagonisten zum Leben erweckt. Die oftmals nur mit wenigen Zeilen charakterisierten Figuren stehen trotz ihrer teilweise abscheulichen Taten in all ihrer fragilen Menschlichkeit vor dem Leserauge und vermögen es, uns zu ergreifen. Auf seine Art womöglich ein Meisterwerk.

Horst Illmer
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Memory Wall
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3. Januar 2018 6 Stimmen und Kommentare deaktiviert für Memory Wall

Anthony Doerr MEMORY WALL. Novelle. Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence (Memory Wall / 2010) München, C. H. Beck, 2016, 135 Seiten ISBN 978-3-406-68961-1 Es kommt nur alle Heilige Zeiten einmal vor, dass mich eine Leseempfehlung aus dem Radio, zum sofortigen Kauf eines Buches bewegt. Umso dankbarer bin ich dem Zufall, dass ich Ulla Müllers weiterlesen…

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