Horsts Bibliothek

phantastisch! neues aus anderen welten

von am 22. Juli 2019 noch kein Kommentar

Klaus Bollhöfener (Hrsg.)
phantastisch! neues aus anderen welten.
Heft 75 / Ausgabe 3/2018 / 19. Jahrgang
Stolberg, Atlantis Verlag, Juli 2019, 88 Seiten
ISSN 1616-8437 / 5,95 Euro

Eigentlich kann man ja jedes phantastisch!-Heft empfehlen, aber die jetzt erschienene Ausgabe vom Juli 2019 ist doch nochmal etwas Besonderes: Das Heft 75 ist für den Atlantis Verlag und den Herausgeber Klaus Bollhöfener ein guter Grund um allen Leserinnen und Lesern einmal zu zeigen, was in diesem Magazin so alles an Spaß, Liebe und Arbeit drinsteckt.
Das Offensichtlichste ist das umlaufende Cover von Michael Vogt, das es mitten im Heft nochmal als Poster gibt (ohne „störende“ Beschriftung). Außerdem wurde der Umfang auf stolze 88 Seiten erhöht (ohne Mehrpreis!). Und auf Seite 4 werden alle ständigen Mitarbeiter und Redakteure im Bild vorgestellt.
Das Wichtigste sind aber natürlich die Artikel, Interviews, Stories, Comics, Cartoons und Buchbesprechungen, die in ihrer Spannweite und Bandbreits die phantastisch! so einzigartig unter den Science-Fiction-Magazinen machen.
Interviewt wurden diesmal der englische Superstar Jasper Fforde, der Jugendbuchautor Karl Olsberg und Tom und Stephan Orgel, die als T. S. Orgel gemeinsam sehr erfolgreich Fantasy und Science Fiction schreiben.
Die Kurzgeschichte „Im Dienst der Legenden“ wurde von Christian Endres exklusiv für die phantastisch! geschrieben und ist eine der stärksten Stories seit Langem.
Neben den gewohnten Standards (update, Buchhandels-Cartoon, Fortsetzungscomic) gibt es noch ein Dutzend Artikel, von denen nur der wunderschön illustrierte Bericht von Achim Schnurrer über das erste Phantastik-Magazin der Welt, Der Orchideengarten, hervorgehoben werden soll, da die Aufzählung sonst jeden Rahmen sprengen würde.
Vertrauen Sie mir – und lesen Sie einfach selbst!

75 Hefte in knapp 20 Jahren, das allein ist im Rahmen der deutschen Science Fiction schon außergewöhnlich. Hoffen wir also, dass wir an dieser Stelle auch noch über die Nummer 100 berichten dürfen!

Horst Illmer
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phantastisch! 75
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Klaus Bollhöfener (Hrsg.) phantastisch! neues aus anderen welten. Heft 75 / Ausgabe 3/2018 / 19. Jahrgang Stolberg, Atlantis Verlag, Juli 2019, 88 Seiten ISSN 1616-8437 / 5,95 Euro Eigentlich kann man ja jedes phantastisch!-Heft empfehlen, aber die jetzt erschienene Ausgabe vom Juli 2019 ist doch weiterlesen…

Paris 2119

von am 7. Juli 2019 noch kein Kommentar

Zep (Text) & Dominique Bertail (Bilder) & Gaétan Georges (Farben)
PARIS 2119.
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
(OT: PARIS 2119 / 2019)
Hamburg, Schreiber & Leser, 2019, 90 Seiten
ISBN 978-3-946337-89-8, Hardcover, 19,80 Euro

Endlich hatte ich mal wieder Zeit genug, um meinen Stapel mit den „Comics, die ich unbedingt lesen will“ ein wenig „abzuarbeiten“.
Da lag seit einigen Wochen die Graphic Novel PARIS 2119 des Schweizer Szenaristen Zep (Pseudonym des 1967 geborenen Philippe Chappuis), die er gemeinsam mit dem französischen Zeichner Dominique Bertail (* 1972) umgesetzt hat.
Es handelt sich bei PARIS 2119 um eine klassische, geradlinig erzählte, abenteuerliche Science-Fiction-Love-Story, angesiedelt in einem hundert Jahre in die Zukunft weitergedachten Paris, dargestellt mit starken, stimmungsvoll kolorierten Bildern, die Anklänge an Bilal und Schuiten zeigen, ihre Kraft aber auch aus ihrer Nähe zur Ligne Claire ziehen.
Tristan Keys, der etwas altmodisch und romantisch veranlage Held der Geschichte, gehört zu den wenigen Menschen, die das inzwischen zum Standard gewordene (und von der Firma Transcore monopolisierte) Reisen mittels Transmitter ablehnen und lieber auf herkömmliche Weise mit dem Zug oder der U-Bahn von A nach B gelangen (oder gar zu Fuß gehen). Seine Freundin Chloé findet seine Phobie zwar „süß“, nimmt seine Bedenken ansonsten aber nicht ernst. Wie allen modernen Menschen sind ihr Bequemlichkeit und Zeitersparnis wichtiger, zudem wird auf diese Weise die Umwelt vom Individualverkehr entlastet.
Auch Tristan kann keine wirklichen Gründe gegen die Transmitter anführen. Bei einem seiner nächtlichen Spaziergänge findet er dann allerdings heraus, dass sein Unbehagen durchaus berechtigt sein könnte …
PARIS 2119 ist gute Unterhaltungsliteratur, nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Horst Illmer
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Paris 2119
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Zep (Text) & Dominique Bertail (Bilder) & Gaétan Georges (Farben) PARIS 2119. Aus dem Französischen von Resel Rebiersch (OT: PARIS 2119 / 2019) Hamburg, Schreiber & Leser, 2019, 90 Seiten ISBN 978-3-946337-89-8, Hardcover, 19,80 Euro Endlich hatte ich mal wieder Zeit genug, um meinen Stapel weiterlesen…

NOVA Science-Fiction Ausgabe 27

von am 4. Juli 2019 noch kein Kommentar

Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)
NOVA. Science-Fiction. Ausgabe 27
Editorials von Christian Steinbacher & Michael K. Iwoleit
Illustriert von Paul Lehr u.v.a.
Winnert, p. machinery, 2019, 200 Seiten
Kartoniert
ISBN 978-3-95765-152-5 / 18,90 Euro

In diesen Zeiten, in denen das Negative in Politik, Kunst und Kultur (und manchmal auch im Zwischenmenschlichen) allgegenwärtig scheint, ist es mir eine besondere Freude, die neue Ausgabe von NOVA vorzustellen.

Eine sehr positive Grundstimmung prägt den Inhalt und das Erscheinungsbild der 27. Ausgabe des von Michael K. Iwoleit und Michael Haitel herausgegebenen Science-Fiction-Magazins NOVA (p.machinery, 290 Seiten). Die im März 2019 erschienene Themenausgabe will „Neue Wege zur Utopie“ aufzeigen.
Die zehn Stories von Dirk Alt, Marcus Hammerschmitt, Frank W. Haubold, Frank Hebben, Martin Mächler, Frank Neugebauer, Barbara Ostrop, Tobias Reckermann, Thomas Sieber und C. Stuart Hardwick beschreiben zukünftige „Idealgesellschaften mit kleinen Schönheitsfehlern“ und weisen auf den berühmten „Hoffnungsschimmer im Hoffnungslosen“ hin. Die vielen farbigen und schwarzweißen Illustrationen, u. a. von Stas Rosin, Christian Günther, Susanne Jaja und Paul Lehr, machen aus dieser Ausgabe zudem fast ein „Bilderbuch“.
Auch der 50-seitige Sekundärteil beschäftigt sich mit der Utopie: Andreas Heyer plädiert für eine weitere Verschmelzung von SF und Utopie und Horst Illmer stellt mit DER KAISER VON EUROPA eine fast vergessene gesamteuropäische Friedensutopie aus dem Jahr 1895 vor. Das große Harald Lesch-Interview wird mit dem 2. Teil zu Ende geführt (wer NOVA 26 noch nicht hat, wird spätestens hier die Notwendigkeit erkennen, dieses Versäumnis zu beheben) und Nachrufe auf Harlan Ellison und Achim Mehnert runden den überaus gelungenen Band ab.

Horst Illmer

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NOVA Science-Fiction 27
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Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.) NOVA. Science-Fiction. Ausgabe 27 Editorials von Christian Steinbacher & Michael K. Iwoleit Illustriert von Paul Lehr u.v.a. Winnert, p. machinery, 2019, 200 Seiten Kartoniert ISBN 978-3-95765-152-5 / 18,90 Euro In diesen Zeiten, in denen das Negative in Politik, weiterlesen…

Jenseits der Zeit

von am 17. Juni 2019 noch kein Kommentar

Cixin Liu
JENSEITS DER ZEIT. Roman.
Aus dem Chinesischen von Karin Betz
(Sishen Yongshen / 2010)
München, Heyne, 2019, 990 Seiten
ISBN 978-3-453-31766-6

& Hörbuch:
Komplettlesung von Mark Bremer
Random House Audio, 2019, 3 mp3-CDs, Laufzeit ca. 27 Stunden
ISBN 978-3-8371-4501-4

Wenn man so lange Science-Fiction-Bücher liest wie das bei mir der Fall ist, denkt man manchmal, dass man schon alles kennt, alles schon mal gelesen hat, nichts einen mehr überraschen kann. Glücklicherweise findet sich dann doch immer schnell ein Buch, dass diese Vorstellung widerlegt. Die größte und erfreulichste Überraschung der letzten Jahre bereitete mir der chinesische Autor Cixin Liu mit seiner auch in den USA überaus erfolgreichen Trilogie um die Bewohner des Planeten Trisolaris.
Im Januar 2017 stellte ich hier den ersten Band vor, gefolgt von der Besprechung des zweiten Teils im Mai 2018. Nun ist es endlich soweit:
Mit JENSEITS DER ZEIT erschien der heiß erwartete Abschlussband der ins Epische gewachsenen TRISOLARIS-Zukunftshistorie!
Wieder einmal verläuft darin die Handlung in ganz anderen Bahnen als ein von westlicher Science Fiction geprägter Leser erwartet. Die chinesische Erzählweise hat andere Traditionen und Konventionen und so ist das Gefühl der „Fremdheit“ diesmal nicht nur der Kultur der Außerirdischen geschuldet. Liu beginnt nochmal bei den Ereignissen der in DIE DREI SONNEN geschilderten Jetztzeit, macht diverse Zwischenstopps bei Geschehnissen, die in DER DUNKLE WALD wichtig waren, und führt die Handlung dann in die Zeit des erwarteten Eintreffens der Flotte der Trisolarier – und schließlich weit darüber hinaus.
Bei den Figuren begegnen uns einige alte Bekannte, wie der Wandschauer Luo Ji, doch dann übernimmt eine neue Generation den Staffelstab und bringt das Rennen um den berühmten „Platz an der Sonne“ zu Ende.
Mit fast 1000 Seiten ist JENSEITS DER ZEIT ein würdiger Abschluss einer der außergewöhnlichsten Zukunftsgeschichten der letzten zehn Jahre.
Der Roman wurde von Karin Betz aus dem Chinesischen übersetzt und hat ein Personenverzeichnis, eine Zeittafel, einen umfangreichen Anhang mit Hinweisen zur Aussprache der chinesischen Namen und Begriffe und einen sehr hilfreichen Einzelstellenkommentar.

Zeitgleich erschien, eingelesen vom bewährten Schauspieler und Sprecher Mark Bremer, die unbedingt hörenswerte ungekürzte Hörbuchfassung bei Random House Audio.

Horst Illmer
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Jenseits der Zeit
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Cixin Liu JENSEITS DER ZEIT. Roman. Aus dem Chinesischen von Karin Betz (Sishen Yongshen / 2010) München, Heyne, 2019, 990 Seiten ISBN 978-3-453-31766-6 & Hörbuch: Komplettlesung von Mark Bremer Random House Audio, 2019, 3 mp3-CDs, Laufzeit ca. 27 Stunden ISBN 978-3-8371-4501-4 Wenn man so lange weiterlesen…

Local Heroes Reloaded

von am 7. Juni 2019 1 Kommentar

Lobgesang auf Horst*

Ja, ich habe bereits einmal einen Beitrag zu Horst Illmer geschrieben. In der Kategorie Local Heroes. Da gehört er nämlich hin, auch wenn sein Wirken durchaus überregionaler Natur ist, wie bei vielen "unserer" Local Heroes.

Warum also jetzt ein weiterer Beitrag? Nur zum auffrischen? Aus aktuellem Anlass?

Eigentlich nichts davon. Es ist einfach so, dass wir uns bei Horst bedanken wollen. Er ist nicht nur der Local Hero, den wir bereits vorgestellt haben, sondern er ist mit seinen mitlerweile über hundert Rezis zu einem festen Bestandteil unserer Seite geworden. Unter Horsts Bibliothek finden Phantastik Begeisterte Anregungen, Tipps und fundiertes Wissen. Er preißt uns Pflichtlektüren an, entdeckt Exoten und weist auf Schmankerln hin, die uns auch mal durch die Lappen gegangen wären.

Wer gerne mehr von seinem profunden Wissen profitieren möchte, dem lege ich einmal mehr an dieser Stelle das Magazin Phantastisch! nahe. Phantastisch! ist Pflichtlektüre für alle, die sich für phantastische Literatur interessieren. Informative und spannende Artikel. Interviews, Bücher, Autoren, Rezensionen, Comics, Filme… Dabei schreiben kompetente Mitarbeiter wie Sonja Stöhr, Carsten Kuhr, Christian Endres, Achim Schnurrer und viele andere. Natürlich auch Horst Illmer. DAS Genremagazin. Schnuppert einfach mal im Laden rein, oder schließt gleich ein Abo bei uns ab. Dann bekommt ihr jede Nummer bei Erscheinen weggelegt.

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Phantastisch!
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*  Hommage an "Lobgesang auf Leibowitz" in der Ausgabe Heyne Meisterwerke der SF ISBN: 9783453164192

Ja, ich habe bereits einmal einen Beitrag zu Horst Illmer geschrieben. In der Kategorie Local Heroes. Da gehört er nämlich hin, auch wenn sein Wirken durchaus überregionaler Natur ist, wie bei vielen "unserer" Local Heroes. Warum also jetzt ein weiterer Beitrag? Nur zum auffrischen? Aus weiterlesen…

Maschinen wie ich und Menschen wie ihr

von am 28. Mai 2019 noch kein Kommentar

Ian McEwan
MASCHINEN WIE ICH UND MENSCHEN WIE IHR. Roman.
Übersetzt von Bernhard Robben
(MACHINES LIKE ME (AND PEOPLE LIKE YOU) / 2019)
Zürich, Diogenes, 2019, 407 S.
Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-257-07068-2 / 25,00 Euro

Es wäre ja zu schön, wenn sich die Profis einmal (einmal nur!) auch professionell verhalten würden. Aber dafür müsste ich wohl in ein sehr alternatives Universum wechseln.
Grund für das Gejammer ist der Umgang der hochbezahlten Literaturkritik des deutschsprachigen Feuilletons mit dem neuesten Roman des englischen Schriftstellers Ian McEwan, der als immerhin so wichtig angesehen wird, dass er fast zeitgleich mit seinem Erscheinen allüberall an prominenter Stelle ausführlich „besprochen“ wird. Trotz aller Ausführlichkeit war kein einziger Rezensent in der Lage den korrekten Titel des Buches zu nennen, der da lautet MASCHINEN WIE ICH UND MENSCHEN WIE IHR jedoch durchgängig auf die ersten drei Worte reduziert wurde. Dass es selbst der Verlag nicht besser macht (und auf seiner Homepage auch noch einen falschen Preis nennt) ist auch kein Trost.
Als Leser braucht man sich um solche Kleinigkeiten ja nicht zu bekümmern, da kann man einfach zugreifen und sich von einem der stilsichersten und sprachmächtigsten Autoren der Gegenwart in eine kontrafaktische Alternativgeschichte entführen lassen, in der ein als Kriegsheld gefeierter Alan Turing praktisch im Alleingang für ein weit früher einsetzendes Computerzeitalter gesorgt hat, sodass im Jahr 1982 neben dem Internet und Handys bereits ein mit künstlicher Intelligenz ausgestattetes Modell eines Androiden existiert. Wie sich im Verlauf der Handlung zeigt, ist jedoch auch in dieser Welt der Mensch vor allem Mensch.
Weshalb man auch den Titel, ganz so wie vom Autor hingeschrieben und von Bernhard Robben wortgetreu übersetzt, MACHINES LIKE ME (AND PEOPLE LIKE YOU) in Gänze als MASCHINEN WIE ICH UND MENSCHEN WIE IHR mitdenken und zitieren sollte.
Ein Buch, an dem in diesem Frühjahr kein Weg vorbeiführt.

Horst Illmer
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Maschinen wie ich und Menschen wie ihr
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Ian McEwan MASCHINEN WIE ICH UND MENSCHEN WIE IHR. Roman. Übersetzt von Bernhard Robben (MACHINES LIKE ME (AND PEOPLE LIKE YOU) / 2019) Zürich, Diogenes, 2019, 407 S. Leinen mit Schutzumschlag ISBN 978-3-257-07068-2 / 25,00 Euro Es wäre ja zu schön, wenn sich die Profis weiterlesen…

Die letzten Tage von Neu-Paris

von am 16. Mai 2019 Kommentare deaktiviert für Die letzten Tage von Neu-Paris

China Miéville
DIE LETZTEN TAGE VON NEU-PARIS. Roman.
Übersetzt von Andreas Fliedner
(THE LAST DAYS OF NEW PARIS / 2016)
München Berlin, Golkonda, 2019, 250 Seiten
ISBN 978-3-946503-86-6

Irgendwie hat man manchmal das Gefühl, dass einige unsere Lieblingsautoren in letzter Zeit einfach nichts mehr veröffentlichen. Sind das die gruseligen Vorzeichen einer galaxisweiten Schreibblockade?
Aber nein. Das ist wohl vor allem der eigenen Ungeduld geschuldet.
Nachdem gerade erst der gute Walter Moers (s)einen BÜCHERDRACHEN losgeschickt hat, liegt jetzt mit DIE LETZTEN TAGE VON NEU-PARIS auch ein aktueller Roman von China Miéville in den Regalen.
Thema des Buches sind die französischen Surrealisten um André Breton, die sich im Jahr 1941, anders als es uns die konventionelle Geschichtsschreibung überliefert hat, mit den nur ihnen eigenen Mitteln gegen die deutschen Besatzer zur Wehr setzen.
Diese alternative Zeitlinie, in der sich Nazis und Résistance einen endlosen Kampf um die französische Hauptstadt Neu-Paris liefern, bildet den Kern der Erzählung, die dabei zwischen 1950 und 1941 hin und her pendelt, jede Menge Haupt- und Nebenwerke des Surrealismus zum Leben erwachen lässt, eine romantische Liebesgeschichte nicht verschmäht und über den Romantext hinaus in das Nachwort und die Anmerkungen des Autors hineinwuchert.
Nachdem sich China Miéville in den letzten Jahren teilweise sehr weit von seinen Anfängen als Schriftsteller entfernt hatte, kehrt er, zumindest was die „Stimmung“ angeht, in diesem Werk „zu den Wurzeln“ zurück. Der Weg von der PERDITO STREET STATION in Bas-Lag zum fundamentlos schwebenden Eiffelturm in Neu-Paris ist recht kurz.
Alle Hochachtung für den Übersetzer Andreas Fliedner, der seine Sache recht gut macht: da war bestimmt ein kleines Kunststudium nötig. (Und für Walter Moers-Fans streut Miéville auch noch eigene kleine Zeichnungen in den Text ein.)
Insgesamt steckt deutlich mehr in diesem schmalen Büchlein als es auf den ersten Blick scheint.

Horst Illmer
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Die letzten Tage von Neu-Paris
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China Miéville DIE LETZTEN TAGE VON NEU-PARIS. Roman. Übersetzt von Andreas Fliedner (THE LAST DAYS OF NEW PARIS / 2016) München Berlin, Golkonda, 2019, 250 Seiten ISBN 978-3-946503-86-6 Irgendwie hat man manchmal das Gefühl, dass einige unsere Lieblingsautoren in letzter Zeit einfach nichts mehr veröffentlichen. weiterlesen…

Jenseits von Raum und Zeit

von am 23. April 2019 Kommentare deaktiviert für Jenseits von Raum und Zeit

H. J. Balmes, J. Bong, A. Roesler & O. Vogel (Hrsg.)
Hannes Riffel (Mitherausgeber dieser Ausgabe)
NEUE RUNDSCHAU. 130. Jahrgang 2019, Heft 1
JENSEITS VON RAUM UND ZEIT. Phantastische Literatur im 21. Jahrhundert.
Frankfurt/M., S. Fischer, 2019, 308 Seiten
ISBN 978-3-10-809117-0 / 17,00 Euro

Natürlich hat (Gast-)Herausgeber Hannes Riffel recht, der in seinem (Gast-)Editorial in der Neuen Rundschau darüber sinniert, dass es vermutlich mehr (also doch einige) Leser der Neuen Rundschau gibt, die mit dem Begriff „Phantastik“ etwas anfangen können, als Phantastik-Leser, die wissen, dass es die Neue Rundschau gibt (nahezu Null).
Um nun beiden Gruppen eine gemeinsame Lektüre zu ermöglichen, hat der S. Fischer Verlag, in dem die Literaturzeitschrift Neue Rundschau seit 130 Jahren erscheint, aus ihrem Heft 1/2019 eine Themenausgabe gemacht, die sich unter dem (altehrwürdigen) Titel JENSEITS VON RAUM UND ZEIT mit der „phantastischen Literatur im 21. Jahrhundert“ beschäftigt. Auf fast 300 Seiten bekommt die Leserschaft in 18 Beiträgen die größtmögliche Qualität an Primär- und Sekundärliteratur geboten, die sich auf so beschränktem Raum unterbringen lässt: Kurzgeschichten von Andreas Eschbach, Mary Robinette Kowal, Seth Dickinson und H. P. Lovecraft; Essays von Dietmar Dath, Karen Nölle, Anja Kümmel und Ursula K. Le Guin; Übersichtsartikel zum „Worldbuilding“ und zur Genregeschichte von Lars Schmeink, Franz Rottensteiner, Erik Simon, Christian Endres, Karlheinz Steinmüller, Bernhard Hennen, nochmals Andreas Eschbach und Helmut W. Pesch.
Wie immer in solchen Fällen handelt es sich um eine „Momentaufnahme“ – aber das vermittelte Bild ist äußerst bunt und von exzellenter Tiefenschärfe.
Ein (Erkenntnis-)Gewinn für alle, die bereit sind, sich dem Herausgeber und seinen AutorInnen anzuvertrauen und die vielfältigen Seiten der Phantastik zu entdecken.

Horst Illmer
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Jenseits von Raum und Zeit
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H. J. Balmes, J. Bong, A. Roesler & O. Vogel (Hrsg.) Hannes Riffel (Mitherausgeber dieser Ausgabe) NEUE RUNDSCHAU. 130. Jahrgang 2019, Heft 1 JENSEITS VON RAUM UND ZEIT. Phantastische Literatur im 21. Jahrhundert. Frankfurt/M., S. Fischer, 2019, 308 Seiten ISBN 978-3-10-809117-0 / 17,00 Euro Natürlich weiterlesen…

Hologrammatica

von am 4. März 2019 Kommentare deaktiviert für Hologrammatica

Tom Hillenbrand
HOLOGRAMMATICA. Thriller
Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2018, 560 Seiten
ISBN 978-3-462-05149-0

Hörbuch:
Ungekürzte Komplettlesung
Gelesen von Oliver Siebeck
Lübbe Audio, 2018, 3 MP3 CDs, Laufzeit 16 Std. 33 Min.
ISBN 978-3-7857-5697-3

Er hat es wieder getan!
Vier Jahre nach DROHNENLAND, seinem erfolgreichen und mit Preisen überhäuften ersten Ausflug in die Zukunft, legt Tom Hillenbrand mit HOLOGRAMMATICA erneut einen als „Thriller“ getarnten Science-Fiction-Roman vor. Und der ist sogar noch besser geworden als sein Vorgänger. Man merkt dem Buch an, dass Hillenbrand sich in diesem Gerne inzwischen „heimisch“ fühlt.

Der Plot spielt Ende des 21. Jahrhunderts in einer Zivilisation, die sich zwar offiziell noch in Nationen und Staatenverbände unterteilt, in Wirklichkeit jedoch von multinationalen Konzernen beherrscht und (mehr schlecht als recht) von UNO-Organisationen beschützt wird.
Das Internet hat sich zu einem praktisch die ganze Welt umspannenden „Holonet“ weiterentwickelt, mit dem das, was die Menschen sehen, nach ihren Wünschen angepasst wird. Egal ob Werbung, Wohnungseinrichtung, Kleidung oder das eigene Aussehen – mittels allgegenwärtiger Holo-Projektoren sind alle Straßen sauber, alle Häuser und Wohnungen schön und alle Menschen entsprechen ihrem Idealbild.
Ebenfalls große Fortschritte gab es im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Gehirnforschung, was dazu geführt hat, dass man sich (ab einem bestimmten Einkommen oder Vermögen) einen Chip ins Hirn setzen lassen kann, auf dem das Programm der eigenen Persönlichkeit läuft, das man dadurch aber auch jederzeit in den Körper eines Klons übertragen kann. Einziges Hindernis, welches die dadurch theoretisch mögliche Unsterblichkeit für diese, „Quants“ genannten, optimierten Menschen verhindert, ist das „Ein-Körper-Problem“: Nach 21 Tagen muss der „Geist“ wieder in seinen „Stammkörper“ zurück, sonst kommt es zum „Brain-Crash“.
Der in London beheimatete Quästor (hübscher Neologismus für Privatdetektiv) Galahad Singh erhält den Auftrag, die verschwundene Computerexpertin und Entwicklerin von Verschlüsselungstechnik Juliette Perrotte zu suchen, die vermutlich entführt wurde. Allerdings drängt die Zeit, denn Juliette ist ein Quant – und womöglich haben die Entführer nur ihren Körper …
Was wie ein ganz normaler Auftrag beginnt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Spektakel mit weltumfassender Bedeutung, in dem nichts ist wie es scheint, Singh Gefahren zu bewältigen hat, die es eigentlich gar nicht geben dürfte und selbst die Naturgesetze aufgehoben scheinen.

Hillenbrand zündet ein Ideenfeuerwerk der Sonderklasse, er gestaltet einen mit überschäumender Erzähllust ausgebreiteten Geschichtenteppich, dessen sich immer weiter verzweigende Handlungsfäden von seinen überragenden Fähigkeiten als Erzähler zusammengehalten werden und am Ende das dreidimensionale Hologramm einer komplexen Zukunftswelt zeigen, in der bemerkenswerte Charaktere ein Dasein führen, das zu erfassen alle Sinne des Lesers, der Leserin (oder von Hörer und Hörerin) erfordert.

Die von Oliver Siebeck sehr einprägsam gesprochene Komplettlesung erfüllt selbst hochgesteckte Erwartungen und macht das Hörbuch zu einer echten Alternative bzw. einer wundervollen Ergänzung des gedruckten Buches.

Horst Illmer

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Hologrammatica
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Tom Hillenbrand HOLOGRAMMATICA. Thriller Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2018, 560 Seiten ISBN 978-3-462-05149-0 Hörbuch: Ungekürzte Komplettlesung Gelesen von Oliver Siebeck Lübbe Audio, 2018, 3 MP3 CDs, Laufzeit 16 Std. 33 Min. ISBN 978-3-7857-5697-3 Er hat es wieder getan! Vier Jahre nach DROHNENLAND, seinem erfolgreichen und weiterlesen…

Basement Tales

von am 12. Februar 2019 Kommentare deaktiviert für Basement Tales

The Dandy Is Dead präsentiert
BASEMENT TALES – Vol. 1: BODENSATZ
Saarbrücken, The Dandy Is Dead, 2018, 48 Seiten
ISBN 978-3-947652-01-3

The Dandy Is Dead präsentiert
BASEMENT TALES – Vol. 2: SPERRGEBIET
Saarbrücken, The Dandy Is Dead, 2018, 48 Seiten
ISBN 978-3-947652-04-4

Die „klassische“ Horror-Kurzgeschichte ist tot – und wie sich das für Tote und Horrorgeschichten nun mal gehört, ist sie als „New Weird“-Story zurückgekehrt und führt in den BASEMENT TALES des von Tom Becker in Saarbrücken neugegründeten Verlagshauses The Dandy Is Dead ein recht lebendiges Schattendasein.

Okay, okay: „Der Schönling ist tot“ wäre jetzt auch nicht wirklich ein toller Name für einen Verlag – aber muss es wirklich „The Dandy Is Dead“ sein?
Sei’s drum! Solange man das Zeug, das dort produziert wird, lesen kann und irgendwo bekommt, ist der Name vom „Publishing House“ relativ unwichtig.
„Das Zeug“ ist im vorliegenden Fall das New Weird Magazin Basement Tales und lesbar ist das allemal, was die Verleger/Herausgeber Tom Becker und Germaine Paulus in den bisher erschienenen zwei Heften zusammengetragen haben.

Dass es im deutschsprachigen Raum nicht nur »New Weird«-Fans gibt, sondern auch einige Autoren, die selbst Geschichten schreiben, welche am ehesten in diesem Sub-Genre verortet werden können, zeigt sich schon im ersten Heft der BASEMENT TALES, deren „Vol. 1“ den Titel BODENSATZ trägt und im Oktober 2018 erschienen ist.
Die Reihe fällt deutlich aus dem Rahmen dessen, was man hierzulande bisher als „Heftchen“ kaufen konnte: Die 48 zusammengeklammerten Seiten im Format DIN A5 enthalten vier Kurzgeschichten (hier von Christian von Aster, Axel Jahnke, Heike Schrapper und Germaine Paulus) plus zwei versteckte Kürzest-Geschichten (Aster und Paulus). Als Besonderheit liegen dem Heft vier farbige Poster im Format A3 bei, die jeweils als Titel-Illustration einer Story gedacht sind. Und damit das Konglomerat nicht auseinanderfällt, wird alles in einem durchsichtigen Plastikbeutel ausgeliefert.

Pünktlich zum Jahreswechsel erschien jetzt das zweite Heft der Anthologien-Reihe BASEMENT TALES, gefüllt mit fünf Geschichten (von Christoph Marzi, Isa Theobald, Diana Kinne, Norman Liebold und unserem Lokalmatador Christian Endres), vier Postern (von Michael Holtschulte, Anne Klein, MindyTheGap und Bernd Pegritz) und ein wenig Infomaterial zu den Künstlern. Das Heft steckt wieder in einen verschließbaren Plastikbeutel, der zugleich Transportschäden verhindert, auf das der Lesespaß nicht „geknickt“ beim Leser bzw. Sammler ankommt.

Das alles macht neugierig, mal sehen wie das Publikum auf dieses neue deutsche Weird Tales-Magazin anspringt. Geplant sind derzeit mindestens sechs Ausgaben, die im Abstand von drei Monaten erscheinen sollen.
Heft 3 ist für März 2019 angekündigt.

Horst Illmer

The Dandy Is Dead präsentiert BASEMENT TALES – Vol. 1: BODENSATZ Saarbrücken, The Dandy Is Dead, 2018, 48 Seiten ISBN 978-3-947652-01-3 The Dandy Is Dead präsentiert BASEMENT TALES – Vol. 2: SPERRGEBIET Saarbrücken, The Dandy Is Dead, 2018, 48 Seiten ISBN 978-3-947652-04-4 Die „klassische“ Horror-Kurzgeschichte weiterlesen…

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