Solaris
von Horst Illmer am 20. April 2020 Kommentare deaktiviert für Solaris
Stanislaw Lem
SOLARIS. Roman.
Ü: Irmtraud Zimmermann-Göllheim
Vorwort: Ursula K. Le Guin
(Solaris / 1961)
Ullstein Taschenbuchvlg.
April 2006 – 288 Seiten – € 11,00
ISBN: 9783548606118
Hineingeworfen! Das einzig mögliche Wort, eine Besprechung von SOLARIS zu beginnen. Genauso wie der „Held“ Kris Kelvin wird der Leser hineingeworfen in eine bereits allem Kontrollierbaren entglittene Situation.
Kelvin ist Forscher, sein Auftrag ist es, dem Planeten Solaris (nach über hundertjähriger Beobachtung durch den Menschen) weitere Geheimnisse abzugewinnen. Er begibt sich also nach monatelangem Raumflug an Bord der Forschungsstation, die in 1000 Meter Höhe über der Oberfläche des planetenumspannenden „Ozeans“ schwebt. Doch schon hierbei werden seine Erwartungen nicht erfüllt. Niemand steht zu seiner Begrüßung bereit, in der Funkzentrale findet er seinen Kollegen Snaut jämmerlich betrunken vor und auf der Suche nach den beiden anderen Forschern begegnet ihm eine riesige nackte Negerin, die jedoch keinerlei Notiz von ihm nimmt.
Snaut gibt ihm lediglich orakelhaft-unklare Warnungen vor „Gästen“ mit auf den Weg, der Physiker Sartorius weigert sich gänzlich mit ihm zu sprechen und sein Freund und Lehrer Gibarian hat wenige Stunden vor Kelvins Eintreffen Selbstmord begangen. Immer mehr solcher Momente der Unklarheit und Unsicherheit lassen den anfänglich vorhandenen Willen zur Aufklärung der Lage immer mehr schwinden.
Erst als Harey auftaucht, Kelvins Frau, die vor über zehn Jahren nach einem Streit durch eine Überdosis Medikamente ihrem Leben ein Ende setzte, beginnt sich das Dunkel zu lüften. Kelvin versucht zuerst, Hareys Anwesenheit zu vertuschen, ja er schreckt selbst vor einem Mord an seinem „Gast“ nicht zurück, nur um von Snaut zu erfahren, dass er lediglich die gleichen Probleme wie die anderen Besatzungsmitglieder hat – und dass sein „Gast“ nach einigen Stunden einfach wieder erscheinen würde.
Als Harey tatsächlich wieder da ist, beginnt eine vorsichtige Annäherung zwischen Kelvin und dem – offensichtlich vom Ozean „hergestellten“ – Artefakt. Spannender als die Versuche, die Kelvin anstellt, um mehr über die körperliche Beschaffenheit Hareys zu erfahren, sind die psychologischen Einsichten, die sich dem Leser vermitteln. Aus der anfänglich völlig verunsicherten Harey emanzipiert sich innerhalb von Wochen eine junge Frau, die als selbstständige Person geliebt werden will, die keine „Kopie“ sein will – und die doch niemals loskommt von ihren Beschränkungen als Konstrukt aus Kelvins Erinnerungen an sie. Kelvin schwankt zwischen Freude über Hareys „Wiedergeburt“ und dem Ekel vor sich selbst (weil er sie begehrt, liebt und trotzdem belügt) und vor ihr (weil sie gleichzeitig so „echt“ und fremd ist). Die menschlichen Verhaltensmuster, entstanden durch Jahrhunderttausende des Zusammenlebens, „passen“ auf einmal nicht mehr.
Das führt dazu, dass Ängste und Aggressionen entstehen, die sich teils gegen die Mitbewohner, teils gegen die „Gäste“ oder den Ozean richten. Schließlich beginnen Snaut und Sartorius an einer Vorrichtung zu arbeiten, mit der sich die Materialisationen ihrer Gedanken für immer auslöschen lassen. Kelvin will sein wiedergefundenes, wenngleich fragiles Glück mit Harey jedoch keinesfalls beenden …
Die Handlung des Romans pendelt zwischen den Erlebnissen der Akteure und stillen Passagen, in denen Reflektionen auf die Geschichte der Entdeckung und Erforschung der Solaris eingestreut sind. Dabei entwirft Lem eine ganz eigene Wissenschaft, die Solaristik, und führt den Leser gleichsam nebenher vor, wie der ganze akademische Betrieb, quasi unabhängig vom Gegenstand der Betrachtung, abläuft: Theorien, Antithesen, Geldforderungen, vermeintliche Ergebnisse und deren umgehende Widerlegung, Einmischung durch Militär und Politik und darin unbeirrbar der Wissenschaftler, der seine Arbeit tut – und Publiziert. Wie Kelvin es ausdrückt: „Es sah so aus, als sollte der Ozean von einem weiteren Ozean aus Papier zugedeckt werden.“
In diesen Kapiteln lässt Lem sein intellektuelles Feuer sprühen. Er kombiniert Biologie und Mathematik, Geologie und Physik, ja selbst metaphysisch-theologische Fragestellungen mit seinem brillanten Stil. Daraus zu schließen, die Lektüre eigne sich nur für Leser mit Hochschul-Abschlüssen in Kybernetik, Psychologie und Astronomie trifft nicht zu – vielmehr versteht es Lem, wie außer ihm nur sehr wenige SF-Autoren, seine eigenen Kenntnisse auf diesen Gebieten so darzustellen, dass ein „normaler“ Leser ihnen problemlos zu folgen vermag und zusätzlichen Genuss daraus zieht, neben einer interessanten Geschichte eine Erweiterung seines Wissenshorizontes zu erfahren.
Willkommen also auf Solaris mit seinem Ozean der Geheimnisse.
Horst Illmer
Stanislaw Lem
SOLARIS. Roman.
Ü: Irmtraud Zimmermann-Göllheim
Vorwort: Ursula K. Le Guin
(Solaris / 1961)
Ullstein Taschenbuchvlg.
April 2006 – 288 Seiten – € 11,00
ISBN: 9783548606118
Hineingeworfen! Das einzig mögliche Wort, eine Besprechung von SOLARIS zu beginnen. Genauso wie der „Held“ Kris Kelvin wird der Leser hineingeworfen in eine bereits allem Kontrollierbaren entglittene Situation.
Kelvin ist Forscher, sein Auftrag ist es, dem Planeten Solaris (nach über hundertjähriger Beobachtung durch den Menschen) weitere Geheimnisse abzugewinnen.
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Der
Laura Steven
Den 
Stanislaw Lem
Ihr habt es vermutlich gehört. In Bayern gilt NICHT, dass wir ab Montag öffnen dürfen.
Um im Sinne der aktuellen Situation und der heutigen Pressekonferenz aus der bayerischen Staatskanzlei reagieren wir mehrteilig. Jetzt und hier gibt es erst einmal die Neuzugänge im Laden und es folgt das tägliche Geblubber von Gerd. Zum Abschluss kommt aber noch ein Ausblick auf unseren Umgang mit der Zukunft… Der Artikel ist wichtig und ihr solltet ihn ganz lesen. Es ist zwar nur unsere jetzige Fassung, sozusagen der Beta Fahrplan, aber wir haben uns schon ziemlich klare Gedanken gemacht. Also LESEN!
Bunte Dimensionen (ist übrigens ein Wortspiel. Die Abkürzüng BD steht für "Bandes Dessinées". Das französische Wort für Comics 😉 )
Cross Cult
Danke übrigens nochmal für den "kontaktlos" vorbeigebrachten Kuchen fürs Durchhalten. Hat geholfen und war lecker. Ist schon weg…
Hao Jingfang

Kollektionen
Einer der bereits mehrfach erwähnten Fehler, die einfach passieren. Ist uns durchgerutscht, jetzt aber da… ein Splitter Nachzügler aus der letzten Lieferung
Und hier noch unsere Auslieferung von Transgalaxis. Heftserien im Monatstakt. Im Laden seht ihr die gar nicht liegen, da sie komplett in Abofächern landen. So, jetzt wisst ihr das auch.
Alex Wheatle
Tagebuch 14.April.2020: Tag achtundzwanzig – Gerd regt sich auf – oder ein seltsamer Vogel
STAR WARS LEGION GRUNDSPIEL CLONE WARS € 95,00
„Ein bösartiges Virus, das im Fernen Osten sein Zerstörungswerk beginnt, dann aber auch auf Indien, die Sowjetunion und Westeuropa übergreift, vernichtet sämtliche Gras- und Getreidesaaten, so daß der Hunger sich zum Herrn erhebt und alle moralischen Schranken niederreißt.“
Wie ein echter Schelmenroman wirkt dagegen auf den ersten Blick Arno Schmidts fast zeitgleich entstandener „Kurzroman aus den Roßbreiten“, der 1957 unter dem Titel DIE GELEHRTENREPUBLIK veröffentlicht wurde. In der mehr als fünfzig Jahre in die Zukunft versetzten Erzählung erhält der amerikanischer Journalist Charles H. Winer die (selten erteilte) Erlaubnis zur „International Republic of Artists and Scientists“ (IRAS, oder eben: „Gelehrtenrepublik“) zu reisen und eine „Homestory“ über deren von der Weltgemeinschaft alimentierte „Besatzung“ aus internationalen Künstlern und Forschern zu machen.
Ein Virus, das eine weltweite Pandemie auslöst, ein Atomkrieg, der den „Nuklearen Winter“ nach sich zieht, ein Kometeneinschlag, der Klimawandel – lauter Großereignisse, die sich zu spannenden Geschichten machen lassen.
Die kürzeste Rezi, die
Bemmann, Hans
Auch an Ostern gibt es ein paar Gedanken aus dem "Geschlossenen Laden". Als Aufhänger nehme ich den Artikel von
John Lanchester
Andreas Eschbach
Karsamstag im Laden und die wirklich allerletzten Osterlieferungen noch fertig gemacht. Diesmal leider ganz blöd ist, dass Panini nicht einmal das Samstags-Fenster erwischt hat. Ist zwar auch diese Woche nur eine relativ kleine Lieferung, trotzdem warten natürlich etliche regelmäßige Abnehmer auf ihre Ware. An was es letztendlich liegt, sei dahingestellt… Auch wir können nicht alles perfekt machen und die Umstände sind eben besondere. Bernie hat sich zwischendrin auch noch schnell an meinen Ratschlag gehalten und ein paar Sonnenstrahlen eingefangen. Marcus hat heute einen Großteil seiner Lieferroute mit dem Rad gemacht, fährt jetzt noch die letzte Tour in die Peripherie mit dem Motorrad. Meine Wenigkeit hat eben noch das Audiofile fertiggestellt und begibt sich anschließend ins Osterwochenende. Was jetzt (14:00 Uhr) noch nicht raus ist, muss und kann bis Dienstag warten. Zum Abschluss gibt es noch ein paar Nachzügler und Sortimentserweiterungen:
Edition Moderne jetzt mit der deutschen Version:
Nicht im eigentlichen Sinne Neuheiten, aber neu bei uns im Programm. System Matters Verlag. Zunächst mal mit folgenden Titeln:
Der Rhythmus bleibt gleich: auspacken, einpacken, liefern. Dazwischen Telefon, Messenger, emails usw. In dem ganzen Gewusel können wir nicht nur NICHTS anderes erledigen, außer Nachbestellungen und akute Arbeiten. An manchen Stellen verlieren wir echt ein bisschen den Überblick. Könnte durchaus auch passieren, dass wir mal den ein oder anderen Fehler machen. Sorry dafür. Was uns auf jeden Fall ein bisschen ins Schleudern gebracht hat, ist der unterschiedliche Umgang der Verlage mit der Situation. Die einen liefern ganz normal aus und du musst dich melden, wenn du es anders regeln möchtest, die anderen machen es genau umgekehrt – oder noch anders. Im Großen und Ganzen klappt das ganz gut, aber die ein oder andere Neuheit ist denke ich doch auf der Strecke geblieben. Da ist vielleicht irgendeine mail untergegangen oder sonst etwas. Wenn ihr auf irgendwelche Titel sehnlichst wartet, die bei den Neuerscheinungen nicht auftauchen, könnt ihr gerne nachfragen. Es ist alles ein wenig chaotisch und ein paar Fehlerteufel habe ich hier schon durchhuschen sehen…
Frisch eingetroffen sind heute:
Fischer Taschenbuch (mit Verspätung)
Joshi, S. T.
Sauwitzig und völlig anarchistisch/wahnsinnig, hatte ich als Buch bereits gelesen. Jetzt im Taschenbuch…
Verena Güntner
agebuch 08.April.2020: Tag zweiundzwanzig – am Morgen
Walter Moers
The Dandy is Dead
Zwei neue Spiele sind auch dabei…
Plaid Hat Games
Wir haben ja schon einmal "Tagebuch" geführt. Das war damals das
Schreiber & Leser
Michael Connelly




Annalee Newitz
Juli Zeh



Erstmal die schnellen, kleinen Auslieferungen (vor Panini)
Neuheiten von Asmodee
Tokyopop
…und Egmont Manga
Golden Press
Cormac McCarthy
Neuheiten sind heute – leider – noch keine eingetroffen. Wir warten auf Asmodee, die neuen Packs von Arkham Horror und Herr der Ringe. Außerdem natürlich wie jeden Donnerstag auf Panini und immer noch auf den Rest der Tokyopop Auslieferung… Wird wohl morgen.
Was kann man als Nerd oder Geek in Zeiten der Corona Pandemie und der damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen tun, um sich die Zeit zu vertreiben? Z. B. die täglichen Neuigkeiten des lokalen Händlers per Blog und Audiofile verfolgen, Artikel wie diesen hier schreiben oder vermehrt soziale Netzwerke wie Facebook nutzen und nebenbei eine aufschlussreiche Umfrage initiieren.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wo ich es einfügen soll, aber ich denke, hier ist wieder einmal ein neuer Aspekt. In der derzeitigen Flut von anstehenden Beiträgen und in der lebendigen Auseinandersetzung mit dem Thema ändern sich viele Parameter stündlich. Fast wie mit den reellen Einschätzungen und Prognosen für Verordnungen, Auswirkungen und Zeiträume. Auch wenn wir euch im Moment wirklich fast schon überrollen, mit Informationen und neuen Beiträgen muss ich diesen jetzt doch noch loswerden. Trotz der gehaltvollen und interessanten Beiträge, die heute bereits auf unserer Seite online gegangen sind.